Überwachung

Freedom on the Net Report 2016: Internetfreiheit weltweit auf dem Rückzug

Zum sechsten Mal in Folge ist die Internetfreiheit weltweit gesunken. Mittlerweile leben zwei Drittel aller Internetnutzer in Ländern, in denen zensiert wird. Dies geht aus einem Report von Freedom House hervor, der 65 Länder untersuchte.

Alle Grafiken aus Freedom on the Net 2016

Die Organisation Freedom House hat ihren jährlichen Freedom on the Net Report (PDF) veröffentlicht. Die Ergebnisse sind alles andere als erfreulich:


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

  • Zum sechsten Mal in Folge hat die Internetfreiheit weltweit abgenommen.
  • Zwei Drittel aller weltweiten Internetnutzer leben in Ländern, in denen Kritik an der Regierung, dem Militär oder der regierenden Familie Gegenstand von Zensur ist.
  • 27 Prozent aller Internetnutzer leben in Ländern, in denen Nutzer für das Teilen von Inhalten verhaftet wurden.
  • Messaging-Apps wie WhatsApp geraten immer mehr in den Fokus von Repression.

Von allen Internetnutzern leben laut Freedom House nur 24 Prozent in Ländern mit einem freien Internet, 29 Prozent in solchen mit einem teilweise freien Internet und 35 Prozent in einem mit nicht-freiem Netz. Die fehlenden 12 Prozent werden vom Bericht, der nur 65 Länder bewertet, nicht erfasst.

Zu den Top 5 der Länder mit dem freiesten Internet gehören Estland, Island, Kanada, die USA und Deutschland. Das Schlusslicht der Untersuchung bilden Usbekistan, Äthiopien, Iran, Syrien und China.

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Die drastischsten Abwertungen des Jahres bekamen Brasilien und die Türkei. Das lateinamerikanische Land wurde wegen der zeitweisen Sperrung von WhatsApp auf „teilweise frei“ heruntergestuft. Die Türkei wurde wegen der mehrfachen Social-Media-Sperrungen und der Strafverfolgung von Nutzern erstmals als nicht-frei eingestuft.

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Der diesjährige Bericht stellt besonders die Einschränkungen gegenüber Messaging-Diensten und Telefon-Apps heraus. Diese würden einerseits wegen ihrer Verschlüsselung angegriffen und zum anderen, um (staatseigene) Telefonkonzerne vor der Konkurrenz zu schützen. Alleine zwölf Länder ergriffen Maßnahmen gegen WhatsApp, zehn gegen Skype und Facetime.

Auf der Webseite von Freedom House gibt es zahlreiche interaktive Grafiken zum Thema sowie detaillierte Berichte zum Stand des Internets in allen 65 untersuchten Ländern.

Der Länderbericht Deutschland zeigt eine leichte Verschlechterung in der Wertung. Als Gründe dafür werden angegeben: Vectoring, die Ermittlungen gegen netzpolitik.org wegen Landesverrats sowie die Einführung der Vorratsdatenspeicherung. Der Bericht kritisiert auch die Störerhaftung als Hindernis im Zugang zu Internet.

10 Kommentare
  1. Auf was beruhen die Prozentzahlen in dem Artikel:

    – Zwei Drittel aller weltweiten Internetnutzer leben in Ländern, in denen Kritik an der Regierung, dem Militär oder der regierenden Familie Gegenstand von Zensur ist.
    – 27 Prozent aller Internetnutzer leben in Ländern, in denen Nutzer für das Teilen von Inhalten verhaftet wurden.

    Basiert das auf den 65 untersuchten Ländern? Wenn ja, warum sind Spanien, Portugal, Schweden, Norwegen, Dänemark, Schweiz, Österreich und eine ganze Reihe weiterer eruopäischer Länder nicht in den 65 untersuchten Ländern? In allen diesen Ländern dürfte das Internet so frei wie bei uns sein. In Ländern wie Polen weiß ich es nicht. Aber durch das weglassen solcher Länder kann man die Prozentzahlen in eine gewiße Richtung geben.
    Weil noch weitere Ländern fehlen werden die Zahlen vermutlich ungefähr stimmen, aber sie sind eben doch eher ungenau.

  2. Ach Leute!
    Was „Wir“ brauchen sind Grenzen!
    Sowas wie Ländergrenzen … im Internet!
    Alles was die „Ländergrenzen“ passieren möchte, sollte vom Internet Zoll kontrolliert und evtl. auch strafrechtlich verfolgt werden können!
    Somit kann man die NSA und auch die Taliban aus dem deutschen Internet Bannen!

    Ihr Innenminister

  3. Es werden schon seit mehr als 10 Jahren, aus Deutschlands Suchmaschinen Suchergebnisse mit „jugendgefährdetem“ Inhalt entfernt. Auch bei Flickr werden seit 2007 mit einer yahoo.de Email-Adresse keine anstößigen Bilder angezeigt.

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