Die Organisation Freedom House hat ihren jährlichen Freedom on the Net Report (PDF) veröffentlicht. Die Ergebnisse sind alles andere als erfreulich:
- Zum sechsten Mal in Folge hat die Internetfreiheit weltweit abgenommen.
- Zwei Drittel aller weltweiten Internetnutzer leben in Ländern, in denen Kritik an der Regierung, dem Militär oder der regierenden Familie Gegenstand von Zensur ist.
- 27 Prozent aller Internetnutzer leben in Ländern, in denen Nutzer für das Teilen von Inhalten verhaftet wurden.
- Messaging-Apps wie WhatsApp geraten immer mehr in den Fokus von Repression.
Von allen Internetnutzern leben laut Freedom House nur 24 Prozent in Ländern mit einem freien Internet, 29 Prozent in solchen mit einem teilweise freien Internet und 35 Prozent in einem mit nicht-freiem Netz. Die fehlenden 12 Prozent werden vom Bericht, der nur 65 Länder bewertet, nicht erfasst.
Zu den Top 5 der Länder mit dem freiesten Internet gehören Estland, Island, Kanada, die USA und Deutschland. Das Schlusslicht der Untersuchung bilden Usbekistan, Äthiopien, Iran, Syrien und China.
Die drastischsten Abwertungen des Jahres bekamen Brasilien und die Türkei. Das lateinamerikanische Land wurde wegen der zeitweisen Sperrung von WhatsApp auf „teilweise frei“ heruntergestuft. Die Türkei wurde wegen der mehrfachen Social-Media-Sperrungen und der Strafverfolgung von Nutzern erstmals als nicht-frei eingestuft.
Der diesjährige Bericht stellt besonders die Einschränkungen gegenüber Messaging-Diensten und Telefon-Apps heraus. Diese würden einerseits wegen ihrer Verschlüsselung angegriffen und zum anderen, um (staatseigene) Telefonkonzerne vor der Konkurrenz zu schützen. Alleine zwölf Länder ergriffen Maßnahmen gegen WhatsApp, zehn gegen Skype und Facetime.
Auf der Webseite von Freedom House gibt es zahlreiche interaktive Grafiken zum Thema sowie detaillierte Berichte zum Stand des Internets in allen 65 untersuchten Ländern.
Der Länderbericht Deutschland zeigt eine leichte Verschlechterung in der Wertung. Als Gründe dafür werden angegeben: Vectoring, die Ermittlungen gegen netzpolitik.org wegen Landesverrats sowie die Einführung der Vorratsdatenspeicherung. Der Bericht kritisiert auch die Störerhaftung als Hindernis im Zugang zu Internet.


