Öffentlichkeit

Türkei: Welt-Korrespondent Deniz Yücel als „Terrorverdächtiger“ in Polizeigewahrsam

Von blu-news.orgDeniz Yücel, CC BY-SA 2.0, Link

Der Journalist Deniz Yücel (Die Welt) wurde in der Türkei festgenommen. Ihm wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Terrorpropaganda vorgeworfen, weil er über geleakte E-Mails des Energieministers und Schwiegersohns von Erdogan berichtete hatte, in denen es um die Kontrolle türkischer Medienkonzerne ging. Ihm und anderen festgenommenen Journalisten drohen dafür bis zu zehn Jahre Haft.


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Die Welt schreibt: Türkei-Korrespondent Deniz Yücel in Polizeigewahrsam.

Yücel, der im Zusammenhang mit Berichten über eine Hacker-Attacke auf das E-Mail-Konto des türkischen Energieministers gesucht wurde, hatte sich am Dienstag in das Polizeipräsidium in Istanbul begeben, um sich Fragen der Ermittler zu stellen. Nach den Regeln des derzeit geltenden Ausnahmezustandes in der Türkei kann er bis zu 14 Tage ohne Anhörung durch einen Richter in Polizeigewahrsam gehalten werden. Anschließend kann die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft beantragen. Yücels Wohnung wurde durchsucht.

Der deutsch-türkische Journalist war zwischen 2007 und 2015 Redakteur der taz und ist seit 2015 Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe.

16 Kommentare
  1. Der SPON berichtete heute, dass aktuell zwei in Deutschland lebende Journalisten hier bei uns soweit eingeschüchtert wurden, dass sie das Twittern sein lassen. Ich denke, dass Deutschland jetzt so viel europäisches Demokratieverständnis politisch zeigen könnte, wie noch nie: Stellt zumindest die in Deutschland lebenden um bedrohten Journalisten unter Polizeischutz. Das ist das Mindeste! was wir leisten können, wenn wir schon diesen falschen Flüchtlingsdeal aushalten müssen. Müssen?

  2. Dieser Deniz Yücel scheint ja einem Bericht aus der TAZ von 2011 zufolge ein recht lustiger Geselle mit ganz klaren Vorstellungen zu sein. Selbstverständlich wünsche ich diesem Herrn gesundheitlich und beruflich nur das Allerbeste.

      1. Während des Querlesens über das WE ist er mir nicht als Satiriker aufgefallen. Aber vielleicht merkt der Eine oder Andere, dass wir es hier in D trotz aller Belastungen und Missstände im Vergleich zu anderen Ländern doch relativ stabil und gut haben.

  3. Es ist Zeit, vor türkischen Konsulaten und vor der türkischen Botschaft für die Freilassung zu demonstrieren. Wer Freiheit samt Pressefreiheit und Demokratie abschafft, dem muss man ein bisschen Lärm vor der Haustüre machen.

    Mahnwachen!

    1. Anketten geht schon mal nicht, der Zaun vor der türkischen Botschaft besteht aus lauter einzelnen Stäben. Clever irgendwie. Doch warum müssen eigentlich deutsche Polizisten rund um die Uhr die Botschaften in Berlin bewachen, wo doch sowieso überall 360°-Kameras installiert sind? Bei der Eiseskälte kein Spaß. Da könnte man schon auch etwas Entgegenkommen von der anderen Seite erwarten?!

    1. Ich sehe eher ein Problem darin dass es kaum Widerstand dagegen gibt.Ein Paar tausend Menschen bei vereinzelten Protesten können nicht viel bewirken.Das sind Stimmen die man zwar hört,aber nicht weiter beachtet.
      Mit Strandwellen spielt man ja auch gerne.Kommt aber ein Tsunami entgegen flüchten die Beine oft schneller als der Oberkörper folgen könnte.

  4. Hätten sie den Mann mal lieber nach Russland geschickt! So das Plädoyer der FAZ.

    Verlage, überdenkt Eure Entsendungspolitik. Schließlich kann ja keiner (mehr) von deutschen Politikern erwarten, für deutsche Journalisten effektiv aktiv zu werden.

  5. Was denn nun? Der deutsch-türkische Journalist? Ist er nun Deutscher oder Türke. Man kann sich so schwer entscheiden wenn man beides hat. Der deutsche Pass als Wertpapier und der andere für den Altersruhesitzt und Fluchtpunkt Türkei oder was. Erdogan hat einen türkischen Bürger eingesperrt, wie es leider in der Türkei mittlerweile zur guten Sitte gehört. Der Doppelpass hat nicht nur Vorteile!

    1. Die Frage stellt sich nicht, warum auch? Er ist beides.

      Rechtsstaatliches Vorgehen macht sich nicht an der Staatsbuergerschaft fest. Die BRD kann sich da leider nicht um jeden einzelnen Weltbuerger kuemmern, aber immerhin um jeden eigenen Staatsbuerger.

  6. „Die Bundeskanzlerin, der Außenminister und das gesamte Auswärtige Amt stehen hinter dem Bemühen, zu verhindern, dass Herr Yücel dauerhaft seine Freiheit verliert“, sagt Außenamtssprecher Martin Schäfer.

    Deutsch 6, setzen!

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