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: Zypries stellt Neuordnung der TK-Überwachung vor (und will nebenbei Vorratsdatenspeicherung und Cybercrime-Convention durchboxen)
: Zypries stellt Neuordnung der TK-Überwachung vor (und will nebenbei Vorratsdatenspeicherung und Cybercrime-Convention durchboxen) Am Montag hatten wir noch ein Treffen bei der Humanistischen Union zum Thema Vorratsdatenspeicherung, wo die generelle Einschätzung war „das kann noch ein wenig dauern“. Nun geht es doch überraschend schnell: Justizministerin Zypries hat heute einen umfassenden Gesetzesentwurf zur Neuordnung der Telekommunikationsüberwachung vorgestellt. Haupt-Inhalt ist einerseits eine Änderung der Strafprozessordnung (z.B. die Einführung von speziellen Ermittlungsrichtern, die auf sowas spezialisiert sein sollen), und die Möglichkeit der TK-Überwachung nur noch bei schweren Straftaten. Damit dominiert Frau Zypries leider gerade die Schlagzeilen. Was aber auch in dem Entwurf steht, ist die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung sowie des Europarat-Abkommens zu Cybercrime – beides Sachen, gegen die die Datenschützer seit langem Sturm laufen. Der Referentenentwurf geht jetzt in die anderen Ministerien zur Abstimmung – mal sehen, wann er auch öffentlich verfügbar wird. Im Frühjahr 2007 soll die Sache im Kabinett beraten werden. Die Bürgerrechtsorganisationen laufen sich gerade warm.
Pressemitteilung des BMJ, Bericht von heise.
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: EDRI-gram Nummer 4.20 vom 25. Oktober 2006
: EDRI-gram Nummer 4.20 vom 25. Oktober 2006 Gestern ist das EDRI-gram Nummer 4.20 vom 25. Oktober 2006 mit den folgenden Themen erschienen:
* EU study on RFID tags shows major privacy concerns
* Belgium newspaper group continues its actions against search engines
* EU-US PNR agreement formally adopted by the EU Council
* Big Brother Awards Germany
* WSIS follow up at UNESCO
* Illegal video surveillance in Austria
* ENDitorial – Regulating the Patent Industry -
: EFF sucht European Affairs Co-ordinator
: EFF sucht European Affairs Co-ordinator Das ist doch mal eine nette Stelle in Brüssel: EFF Seeks European Affairs Co-ordinator
The Electronic Frontier Foundation (EFF) is looking for a European staffer to head up our new Brussels office and round out our international team. This is a new position focused on European Community level intellectual property and civil liberties policy initiatives that impact the digital environment. The position will be part policy analyst, part activist and part educator.
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: Europäischer Urheberverbände starten Culture First – Kampagne
: Europäischer Urheberverbände starten Culture First – Kampagne Die Urheberverbände schlagen gegen die DRM-Lobby auf europäischer Ebene zurück und haben eine Kampagne für den Erhalt und Schutz von Urhebererchtsabgaben auf Unterhaltungselektronik gestartet: „Culture First“
Mit dabei ist der europäische Autorenverband GESAC, der internationale Autorenverband CISAC, der internationale Verband der darstellenden Künstler GIART, der internationalen Verband der Musikverleger ICMP/CIEM, der Indie-Musik-Label-Verband Impala und der europäischen Künstlerverband EuroFIA, wie der Musikmarkt unter Berufung auf „Billboard“ berichtet.
Impala Präsident Patrick Zelnik sagte, dass durch die neuen und sich ständig verändernden Technologien der Computer ein bedeutendes Medium wurde, um Musik zu hören und Musikdateien abzuspeichern. „Die unabhängigen Plattenfirmen erkennen diese neue Form des Musikkonsums an und möchten das auch gar nicht verhindern“, wie er weiter ausführte. „Jedoch sollten Rechteinhaber ein faires Entgelt für private Kopien erhalten. Gebühren für private Kopien sollten bestehen bleiben und alle Arten von Aufnahmegeräten und Möglichkeiten abdecken.“
Eine Kampagnenseite ist mir bisher nicht bekannt.
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: SWIFT: Bundesregierung hat keinen Plan, was mit Daten geschieht
: SWIFT: Bundesregierung hat keinen Plan, was mit Daten geschieht Aus Heute im Bundestag: Die Bundesregierung stellte in einer Antwort (16/2926) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (16/2714) fest, dass sie keinen Grund zu der Annahme hat, dass die von „Society of Worldwide Interbank Financial Telecommunication“ (Swift) an US-Behörden übermittelten Daten über den internationalen Zahlungsverkehr zu anderen Zwecken als zur Terrorismusbekämpfung genutzt worden sind. Der Grund für diese Feststellung ist ja, dass man nicht genau weiss, was die US-Regierung und ihre Sicherheitsbehörden mit den Daten machen und ihnen blind vertrauen muss. So wie bei der Flugdaten. Bei der SWIFT-Affäre wird kritisiert, dass die Weitergabe dieser Daten eklatant deutsche und europäische Datenschutzrechte verletzt. Dies sieht die Bundesregierung aber nicht so:
Die Regierung betont allerdings, dass sie bei der Aufklärung des Sachverhalts auf Informationen der US-Behörden angewiesen sei. Demzufolge gebe es dort keine nach Herkunftsländern gegliederte Statistik der abgefragten Swift-Daten, sodass sich die Zahl sowie Art und Umfang der betroffenen deutschen Bürger und Unternehmen nicht ohne weiteres feststellen lasse. Abgefragt würden die Daten aller Personen, die auf den Listen der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates und nationaler Listen der USA in Verbindung mit terroristischen Aktivitäten geführt werden. Die Einhaltung von Datenschutzvorschriften und die Sicherung der Daten liege zunächst in den Händen der Unternehmen selbst. Die Datenübermittlung an US-Stellen sei über das „Swift Operating Center“ in den USA vorgenommen worden, heißt es in der Antwort. Ob dafür ausschließlich US-Recht anwendbar sei, sei ungeklärt. Die US-Behörden gingen aber davon aus. Die Regierung betont ferner, dass Swift kein Kreditinstitut sei und nicht der Bankenaufsicht unterliege. Ob sich Swift bei der Datenübermittlung rechtmäßig verhalten habe, lasse sich derzeit nicht vollständig beurteilen, da nicht alle relevanten Fakten bekannt seien. Ein Bericht der belgischen Datenschutzkommission sei zum Ergebnis gekommen, dass Swift im Konflikt zwischen US-Recht einerseits und belgischem sowie europäischem Datenschutzrecht andererseits gegen das europäische Datenschutzrecht verstoßen habe.
Mehr zur SWIFT-Affäre gibt es hier.
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: EU: Keine Botengänge für Microsoft
: EU: Keine Botengänge für Microsoft Microsoft wollte die EU-Kommission wohl als Vermittler nutzen, um den Wettbewerber Adobe über Änderungen in Windows Vista zu informieren. Die EU-Kommission teilte aber mit, dass dies nicht ihre Aufgabe sei: EU macht nicht den Boten für Microsoft.
Wie die Kommission dem Konzern am Montag mitteilte, soll er selbst die Änderungen, die auf Anraten der EU und Südkoreas an Vista vorgenommen wurden, Adobe erklären. Microsoft hatte offenbar bei der Darlegung vor dem Gremium darum gebeten, dass die EU dies übernimmt. EU-Sprecher Jonathan Todd stellte aber klar, dass „Microsoft und Adobe direkt miteinander reden müssen“.
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: Microsoft-Lobby schiesst gegen unveröffentlichte EU – Freie Software Studie
: Microsoft-Lobby schiesst gegen unveröffentlichte EU – Freie Software Studie Die EU scheint eine interessante Studie zur Förderung von Freier Software auf Halde liegen zu haben, denn die Microsoft-nahe Lobby schiesst sich jetzt schon darauf ein. Die „Initiative for Software Choice“, ein Lobbyverband der üblichen Microsoft-nahen Verdächtigten hat schon im Vorfeld der Veröffentlichung einen Brief an die EU-Kommission geschrieben und brandmarkt darin die Ergebnisse der Studie. Normalerweise ist bei solchen Aktionen das Ziel, die Studie zu entschärfen, bevor sie an die Öffentlichkeit kommt. Die EU-Kommission täte daher gut daran, die Studie rasch zu veröffentlichen und die öffentliche Debatte rund um die Ergebnisse zu entfachen. Scheint ja genug Diskussionspotential enthalten zu sein, wenn die Microsoft Lobby mit Schaum vor dem Mund argumentiert. Besonders spassig finde ich ja den Versuch, den Begriff „Ökosystem“ gegen Freie Software zu verwenden. Da hat der deutsche Inquirer schon die richtigen Worte für gefunden.
Hier sind mal ein paar Presseberichte:
The Inquirer DE: MS-Lobbyisten ballern gegen Open Source
Er will in quelloffenen und freien Programmen gar eine Bedrohung für das ganze Software-Ökosystem sehen.
Ökosystem? Der Stärkere frißt die Kleineren, bis es keine Kleineren mehr gibt? Die Evolution führt zwangsläufig zu einer assimilierten Zusammenballung, die wir mal Borg nennen wollen, um keine Markenrechte zu verletzen? Sind wir hier in der Biologiestunde oder in einer demokratischen Gesellschaft, in der es Regeln auch für freien Marktzugang und Verbracherrechte gibt?Heise: EU-Lobby: Open Source bedroht das Software-Ökosystem
Die „Initiative for Software Choice“ (ISC) schießt ein einem Brief an die EU-Kommission scharf gegen eine stärkere staatliche Unterstützung für freie Software. Die noch vergleichsweise junge Lobbyvereinigung, zu deren über 280 Unterstützern Konzerne und Verbände wie Microsoft, der Bundesverband der Digitalen Wirtschaft, EDS oder CompTIA zählen, will die Wahl von Lizenzen und Entwicklungsformen dem Markt überlassen wissen und schlägt daher teils dramatische Töne an. Jede Förderung von offenen Standards gemäß dem Open-Source-Prinzip „würde das gesamte Software-Ökosystem signifikant zum Erliegen bringen“, heißt es in dem heise online vorliegenden Schreiben. Auf Basis des Modells der freien und Open-Source-Software seien zwar zahlreiche Produkte hoher Qualität entstanden. Man dürfe deswegen aber nicht zu der Annahme kommen, dass dieses Entwicklungsmuster allein selig machend sei.
Pro-Linux: Lobbyisten warnen EU vor freier Software
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: Europäische Fernseh-Richtlinie
: Europäische Fernseh-Richtlinie The Economist berichtet über die europäische „Fernseh ohne Grenzen“-Richtlinie, die seit einiger Zeit kontrovers diskutiert: Regulation without frontiers.
In November the European Parliament’s culture and education committee is due to move forward on its proposed “audiovisual media services” directive, before sending it to the full parliament in December. The new rules update and relax the “Television Without Frontiers” directive of 1989, which opened Europe’s national markets. But critics complain that they also seek to extend fusty regulations from the era of broadcast television to today’s very different technologies. Rules on advertising, national production quotas, the protection of children and so on could potentially also apply to all kinds of video streams, including video blogs, online games and mobile-video services.
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: EU-Überwachungsforschung
: EU-Überwachungsforschung Die EU hat gerade beschlossen, 15 Mio € für Forschungsprojekte auszugeben, die unserer Sicherheit dienen sollen. Einen kurzen Überblick gibt es bei Datenspeicherung und Guymon, hier ist die englische EU-Pressemitteilung, ich habe das ganze auf englisch etwas genauer hier kommentiert. Es riecht jedenfalls ziemlich nach einem europäischen Total Information Awareness. Das Projekt „GATE“ z.B. hat als Aufgabe
flagging suspicious human behaviours for anti-money laundering/anti terrorism financing to capture more complex behaviours including multidisciplinary aspects beyond utilising transaction data from financial institutions, such as demographics, social networks, lifestyle or cultural behaviours.
Mit anderen Worten: mySWIFT auf Speed.
Aber wie bei der ebenfalls von der EU geplanten Internet-Zensur läuft das Ganze „natürlich“ unter Beibehaltung der Bürgerrechte. Ein Projekt wird sogar ganz offiziell mit Orwell-Neusprech überschrieben: „Enhancing surveillance and tracking while protecting civil liberties and privacy“. Die Menschenrechte als leere Phrase.
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: Wie die EU das Internet kontrollieren will – irgendwie
: Wie die EU das Internet kontrollieren will – irgendwie Bei einem Treffen der EU-Innenminister im August wurden Pläne verkündet, stärker im Internet gegen Terroristen vorgehen zu wollen. Das britische Spyblog hat daraufhin 17 Fragen an den EU-Justizkommissar Franco Frattini geschrieben und um Antwort gebeten. Diese sind mittlerweile von Jonathan Faull, seines Zeichen „EU Commission Director General for Justice, Freedom and Security“ beantwortet und vom Spyblog veröffentlicht worden.
Response from the European Commission regarding the policy of censoring „terrorist“ web sites – part 1
European Commission policy of censoring „terrorist“ web sites – part 2
European Commission „policy“ of censoring „terrorist“ web sites – part 3European Commission – censoring „terrorist“ web sites – part 4
The Register berichtet ganz amüsant über die Aktion und vor allem die (nichtssagenden) Antworten: EU plans to block terror sites, but doesn’t know how.
Essentially, the Commission seems to know approximately what it wants to do, to have barely the vaguest of notions how to go about doing it, but to be exceedingly keen to assure people that it won’t do anything that is in conflict with the principles of the European Union. Take question one, for example, „Are you proposing a European Union version of the national level firewall content filtering and censorware software such as is used in the ‚Great firewall of China’ or in Saudi Arabia and other repressive regimes?“
Faull responds with a refrain that will become tedious well before question 17. „At such an early stage of our consultations it would be premature to speak about a specific solution… [so ominously, perhaps we’re not altogether ruling that one out]… the European Union is founded on the principles of liberty, democracy, respect for human rights and fundamental freedoms, and the rule of law. In consequence, policy options undermining such principles will be necessarily ruled out.“ Relieved? We know we were. So even if Europe does build a Great Firewall it won’t be one that undermines our basic principles, right…
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: EU: RFID-Tags sind nicht beliebt
: EU: RFID-Tags sind nicht beliebt Die BBC berichtet über eine Studie der EU-Kommission, wonach RFID-Tags bei europäischen Bürgern in der derzeitigen Form nicht gerade beliebt sind: Radio tags spark privacy worries.
A perceived threat to privacy posed by radio tags has emerged as the main fear in an EU study of the technology. Unveiling the study, EU commissioner Viviane Reding said citizens needed re-assuring that radio tags would not lead to large-scale surveillance. Many of those contributing to the EU study also wanted the radio frequency ID tags to be turned off if needed. Ms Reding said she was ready to draft new laws to control how the radio frequency tags could be used.
Heute findet in Brüssel eine Konferenz im Rahmen des „Towards a RFID-Policy for Europe“-Prozess statt. Auf der Webseite findet man eine Grafik mit der Roadmap.

Was ich bisher noch nicht gefunden habe, ist die Studie, wovon in dem BBC-Bericht geschrieben wurde.
Aber es gibt auf der Information Society Seite der EU-Kommission die Rede von EU-Kommissarin Viviane Reding zum Thema „RFID: Why we need a European policy“
So in our first analysis of the results of the public consultation the challenges are much clearer:
1) If we want to capture the advantages of RFID: we will have to make sure that we have the right set of European rules for a safe and secure development of the “Internet of things” and “of people”, based on transparency and choice.
2) We need to make considerably greater efforts to explain the risks and benefits of RFID to the wider public. It is no longer just a playground for technologists and lawyers!
3) We have to reinforce our efforts to make sure that privacy enhancing technologies are deployed when they are needed and to continue our research efforts to bring into play the next generation of secure, low-cost RFID systems.
Heise berichtet jetzt auch: EU-Kommission hält an RFID-Regulierung fest.
Nur 15 Prozent der Teilnehmer an der EU-Konsultation zu Funkchips glauben, dass die Industrie die Privatsphäre der Bürger im „Internet der Dinge“ mit ihren Vorschlägen zur Selbstregulierung ausreichend schützt. 55 Prozent wünschen zu diesem Zweck gesetzliche Vorgaben. Dies erklärte die für die Informationsgesellschaft zuständige EU-Kommissarin, Viviane Reding, auf der Abschlusskonferenz zu der umfassenden Befragung am heutigen Montag in Brüssel.
Dabei wird in dem Heise-Artikel auch auf eine Stellungnahme des Foebud verwiesen, wozu es auch ein Einleitungsschreiben gibt.
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: The Worst EU Lobbyist – Award
: The Worst EU Lobbyist – Award LobbyControl weist auf die Nominierungen zum „The Worst EU Lobbyist“-Award hin.
Nominieren Sie jetzt den erfolgreichsten Einflüsterer der Einflussreichen, die größte Manipulation durch Lobbyisten, die fragwürdigste Methode der Interessenvertretung. Die Nominierungphase findet in diesem Jahr zum ersten Mal öffentlich statt. Machen Sie mit auf der Suche nach dem schlimmsten Lobbying in der EU 2006!
Nach dem Motto “It takes two to Tango”, den Einflüsterer genauso wie den Politiker, der sich beeinflussen lässt, gibt es in diesem Jahr zwei Kategorien: “The Worst EU Lobbyist” & “The Most Privileged Access”.
„The Worst EU Lobbyist“:
Lobbyisten kämpfen mit harten Bandagen – auch und besonders in der EU. Wählen Sie den dreistesten Fall, die fragwürdigste Methode oder die undurchsichtigste Einflussnahme auf die EU-Politik durch einen Lobbyisten oder eine Lobby-Gruppe.„The Most Privileges Access“:
Enge persönliche Beziehungen, vertraute Treffen im Hinterzimmer oder Beratungen durch einseitige Experten – all das sind Hinweise auf Politiker, die Lobbyisten ein besonders offenes Ohr schenken. Entscheiden Sie mit, wer der Gewinner der zweifelhaften Ehre ist, Lobbyisten einen besonderen Zugang zu verschaffen!Für letzteren Preis würde ich ja mal pauschal die Content-Industrie mit ihren unzähligen Lobbyorganisationen und ‑veranstaltungen vorschlagen. Manchmal hat man das Gefühl, dass die Verantwortlichen der EU-Kommission in diesem Bereich zu gar nichts anderem mehr kommen können, als sich mit der „Verlags-“, der „Musik-“ oder der „Filmindustrie“ im Rahmen von Kongressen, Parlamentarischen Abenden oder sonstigen Events zu treffen.
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: EU-Parlament kritisiert Flugdaten-Abkommen
: EU-Parlament kritisiert Flugdaten-Abkommen Die Futurezone berichtet über eine Sitzung des EU-Parlaments zur Flugdaten-Affäre: Flugdaten-Prügel für den EU-Kommissar.
Mit ganz wenigen Ausnahmen kritisierten Abgeordnete aus allen im EU-Parlament vertretenen Fraktionen das Abkommen, und das zum Teil vernichtend. Die Argumentation der Kommission, die persönlichen Daten europäischer Flugpassagiere seien geschützt, sei „haarsträubend absurd“ bzw. „skandalös“, hieß es.
Interessant ist aber der folgende Absatz:
Der österreichische Abgeordnete Hubert Pirker [EVP] vertritt ebenso wie Frattini die Position, dass ohne das Abkommen Chaos im Flugverkehr ausbrechen würde. Nach Pirkers Meinung stehen die an den US-Heimatschutz gelieferten Daten unter europäischem Recht. Laut Abkommen müssten die USA damit Anfragen z. B. nach dem österreichischen Datenschutzgesetz beantworten, so Pirker zu ORF.at nach der Sitzung.
Klingt meiner Meinung nach echt etwas naiv. Ich bin mal gespannt, wie das US-amerikanische Heimatschutzministerium auf Anfragen von europäischen Bürgern reagiert, die Auskunft über die gespeicherten eigenen Daten haben möchten.
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: EU: Neufassung des Rechtsrahmens für elektronische Kommunikation
: EU: Neufassung des Rechtsrahmens für elektronische Kommunikation Die EU-Kommission hatte Empfehlungen zur Neufassung des Rechtsrahmens für elektronische Kommunikation (PDF-Dokument) verkündet und zur Diskussion nach Brüssel eingeladen. Dabei gehts um sichere INfrastrukturen, Frequenzhandel und einiges mehr. Heise berichtet daüber: Kritik an EU-Vorschlag zur Regelung elektronischer Kommunikation.
Auch die Pläne der Kommission, bei der Frequenzenvergabe stärker auf den Markt zu setzen, treffen auf Widerstand. Ein rein marktorientierter Ansatz bei der künftigen Frequenzverwaltung reiche nicht aus, um öffentliche Interessen angemessen zu berücksichtigen, warnte ein Vertreter von ARD und ZDF. Der frei empfangbare terrestrische Rundfunk und die Medienpluralität ließen sich nur mit Einzelgenehmigungen halten. Die Rundfunkvertreter äußerten Skepsis gegenüber einer Frequenz-Behörde auf EU-Ebene. Die komplizierten Vergabeverfahren der Gemeinschaft würden für Intransparenz für die Marktteilnehmer sorgen, die Frequenzvergabe solle in nationaler Hand bleiben. Telekom- und Mobilfunkunternehmen hoffen dagegen, bei einem zentralisierten Vergabeverfahren auf einen deutlich besseren Zugang zu Frequenzen. Allerdings, so warnte EuroISPA, könnten bei den ins Auge gefassten Frequenz-Auktionen allein marktbeherrschende Unternehmen absahnen.
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: DIW: „Linux setzt sich durch“
: DIW: „Linux setzt sich durch“ Das Deutsche Institut für Wirtschaftsförderung (DIW Berlin) hat im September eine Studie zur Verbreitung von Open-Source-Software (OSS) im europäischen Raum herausgegeben. Wie das Wirtschaftsforschungsinstitut in seinem Wochenbericht 38/2006 unter dem Titel „Firmeninternes Fachwissen begünstigt Einsatz von Open-Source-Software“ erläutert, haben beim Thema Open Source vor allem die osteuropäischen Länder wie Ungarn, die Tschechische Republik und Polen die Nase vorn. OSS ist hierbei besonders im Krankenhaussektor verbreitet, so die Studie: 40 Prozent der Befragten setzen Open Source in diesem Bereich ein. Dahinter folgt erst die Telekommunikation mit 35 Prozent und der Sektor der Unterhaltungselektronik mit 28 Prozent. Dennoch nutzen nur 15 Prozent der Firmen Freie Browser wie Mozilla und Firefox. Im Vergleich dazu geben 39 Prozent der deutschen Internet-User an, den Freien Browser Firefox zu benutzen.
Die Studie kann noch nicht abschließend erklären, was die jeweiligen Firmen letztendlich zu einer Migration weg von proprietäter Software bewogen hat. Dennoch stellt sie klar, dass die Verbindung von firmeninterner IT-Entwicklung, dem fachlichen Wissen und die Größe des Unternehmens eine entscheidende Role spielen. Open-Source-Software wird vornehmlich bei Firmen eingesetzt, die entweder mit offenen Standards arbeiten oder verstärkt auf Interoperabilität angewiesen sind. Als großen Vorteil erachten Unternehmen den Vorteil, dass sich mittels OSS maßgeschneiderte Lösungen für den individuellen Bedarf anfertigen lassen, die gleichzeitig auch ein Fachwissen „von hohem Wert“ für die Unternehmen darstellen.
Als Nachteile von OSS werden häufig eine „ungewisse Weiterentwicklung, mangelnde Unterstützung durch die Entwickler, fehlende Anwendungen und mangelndes Know-how“ angegeben.
Die Studie kann für eine Gebühr von 6 Euro beim DIW online bezogen werden.
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: Die französische Regierung spricht sich für ODF aus
: Die französische Regierung spricht sich für ODF aus Geht es nach der französischen Regierung, sollten alle behördlichen Dokumente im allgemeingültigen Open Document Standard Format (ODF) verfügbar sein. Wie InfoWorld.com berichtet, geht das aus einem durch den Premierminister angeordneten Bericht hervor, der im September veröffentlicht wurde: In „Zu gleichen Konditionen“ spricht sich der Abgeordnete Bernard Carayon sogar für ein Gesetz aus, das den Ämtern vorschreibt, alle Dokumente im Open Document Standard Format anzulegen und zu verbreiten. Gleichermaßen schlägt er vor, auch die anderen Länder der Europäischen Union zu überreden, es Frankreich nachzutun.
In dem Bericht spricht sich Carayon darüber hinaus für ein staatlich finanziertes Forschungszentrum aus, das die Sicherheit bei Freier Software vorantreiben soll. Er möchte außerdem ein System einführen, mit dem sich nationale und lokale Regierungsstellen und Ämter besser untereinander über den Gebrauch von Freier Software austauschen können. Gleichermaßen rät er zu einer Institution auf europäischer Ebene, die sich um die technologische Unabhängigkeit der Europäischen Union kümmern soll.
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: EU schickt weiter Passagierdaten an USA
: EU schickt weiter Passagierdaten an USA Die EU und die USA haben sich bei den Flugdaten geeinigt. Nach Presseberichten haben sich die USA durchgesetzt. Das mit dem Datenschutz auf EU-Level sichern im US-Heimatschutzministerium klingt eher wie ein Witz. Aus Datenschutzsicht ist der Austausch dieser Daten zu diesen Bedingungen weiterhin inakzeptabel.
tagesschau.de: Fluggastdaten für alle US-Terrorfahnder
Die EU wollte ein möglichst hohes Maß an Datenschutz gewährleisten. Der Kompromiss sieht nun so aus: Die Fluggesellschaften übermitteln die Daten an das US-Heimatschutzministerium – dort können andere US-Behörden, die mit der Terrorabwehr zu tun haben, Daten einsehen.
EU-Innen- und Justizkommissar Franco Frattini meint, dass dem Datenschutz ausreichend Rechnung getragen wird: „Wir akzeptieren, dass die Daten an andere Behörden weitergegeben werden – vorausgesetzt, dass sie vergleichbare Standards im Datenschutz haben“.
Futurezone: Passagierdaten: Sonderfall AUA
Die Austrian Airlines übermitteln auch weiterhin „nur zehn bis elf“ der bis zu 34 möglichen Daten ihrer Passagiere an die US-Behörden. Ihren ungewöhnlichen Sonderstatus haben sie zusammen mit US-Behörden und Datenschützern ausgehandelt.
Deutsche Welle: Terrorfahnder bekommen europäische Passagierdaten
Bisher hatte die US-Grenzschutzbehörde jedoch direkten Zugriff auf die europäischen Buchungscomputer und eine Vielzahl anderer Passagierdaten, die über die vereinbarten 34 hinaus gingen. Eine aktive Datenlieferung der Fluggesellschaften solle dieses „Pull-Verfahren“ nun ersetzen, sagte EU-Justizkommissar Frattini. Das künftige „Push-System“ solle noch vor Jahresende erprobt werden. Demnach müssten die USA künftig eine Anfrage an die Airlines stellen. Zur Änderung des Verfahrens müssten allerdings zunächst Filter in die Computersysteme eingebaut werden.
Heise: EU und USA einigen sich auf Interimsabkommen beim Passagierdatentransfer
Darüber hinaus kommt der bis Juni 2007 gültige Vertrag Forderungen von Datenschützern und EU-Parlamentariern ein Stück entgegen. So soll der Transfer der Fluggastdatensätze (Passenger Name Records, PNR) vom so genannten Pull- auf ein Push-Verfahren umgestellt werden. Beim bislang praktizierten System greifen die US-Behörden direkt auf die Buchungssysteme der Fluggesellschaften zu. Künftig müssen sie einen Antrag einreichen, woraufhin ihnen die Airlines die persönlichen Informationen zur Verfügung stellen.
In einem zweiten Artikel bei Heise gibt es verschiedene Reaktionen: Scharfe Kritik am weiteren Flugdatentransfer in die USA.
„Die Europäische Union ist in dieser Frage eindeutig dem Druck der USA erlegen“, beklagt Alexander Alvaro (FDP), Koordinator im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres des EU-Parlaments. Er habe seine Hoffnung auf einen datenschutzrechtlich ausgewogenen Text nach Bekanntgabe des Verhandlungsergebnisses begraben müssen. Cem Özdemir, der für die Grünen im Ausschuss sitzt, sprach von einer Einigung „auf Kosten der Rechte der Unionsbürger“ und einem „Schlag“ gegen den Datenschutz.
AnzeigeDer grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour warf den USA im PNR-Streit genauso wie in der SWIFT-Affäre oder bei der geplanten künftigen Übermittlung von TK-Verbindungsdaten eine „ignorante Haltung gegenüber anderen Rechtssystemen vor“. Es brauche im Kampf gegen den Terrorismus nicht nur effektive Strafverfolgung, sondern auch einen effektiven Schutz der Bürgerrechte. Die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion der Linkspartei im Bundestag, Petra Pau, empörte sich über eine „Erpressung“ der Datenübermittlung durch die USA, die nun von der EU noch sanktioniert werde. Sie wittert weiter eine prinzipielle Verletzung der Grundrechte der rund 450 Millionen EU-Bürger. Auch das bis Ende Juni 2007 gültige Interimsabkommen sei damit verfassungswidrig. In ihren Bedenken bestätigt fühlt sich überdies die FDP-Bundestagsfraktion: „Die Bundesregierung hat bei den Verhandlungen die Interessen der deutschen Passagiere nicht ausreichend vertreten“, erklärt ihr Parlamentarischer Geschäftsführer, Ernst Burgbacher.
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: Softwarepatent des Jahres
: Softwarepatent des Jahres Let´ s talk about Innovation: Die Idee eines Downloads von Gerätetreiber über das Internet ist sicher neu, innovativ und deswegen durch ein Patentmonopol schutzwürdig – oder nicht?
Heise: Kandidaten zur Wahl des „Softwarepatents des Jahres“ komplett
Bei der Kür des „Softwarepatents des Monats“ machte im September ein Schutzanspruch von Philips auf den Download von Gerätetreibern über das Internet das Rennen. Den vom Europäischen Patentamt (EPA) mit der Nummer EP1044400 vergebene Monopolanspruch erachteten 30 Prozent der 2273 Teilnehmer an der Aktion in den vergangenen vier Wochen für besonders auszeichnungswürdig mit dem Negativpreis. Bei der nun anstehenden Wahl des „Softwarepatents des Jahres“ sind damit gleich zwei Patente des niederländischen Elektronik-Konzerns auf so genannte computerimplementierte Erfindungen vertreten. Insgesamt sind sieben Schutzansprüche für die Endrunde der Aktion NoSoftwarepatents-Award nominiert. Unter den Kandidaten befinden sich auch Patente von Lucent, Nutzwerk, NTT, Siemens und Techem. Die Nutzer sollen im Lauf des Oktobers entscheiden, welches sie davon am „schädlichsten“ halten.
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: EU Anhörung zu SWIFT
: EU Anhörung zu SWIFT Und wieder SWIFT. Von einer Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel berichtet die Futurezone: SWIFT: Weitergabe „rechtlich einwandfrei“.
Der Finanzvorstand von SWIFT, Francis Vanbever, bekräftigte vor dem Ausschuss, sein Unternehmen habe rechtlich einwandfrei gehandelt. Eine rechtliche Überprüfung habe ergeben, dass SWIFT den Zwangsmaßnahmen des US-Finanzministeriums habe folgen müssen. „Wir widersprechen entschieden der Auffassung, SWIFT habe belgisches und EU-Recht nicht eingehalten“, sagte Vanbever. Schließlich seien die Zentralbanken informiert worden.
Die Europäische Zentralbank wurde zwar informiert, war und ist aber der Meinung, dass sie nur für die „Stabilität des Finanzsystems“ und nicht für Datenschutzfragen und sonstiges zuständig ist. Man weist also die Verantwortung weit von sich – wie übrigens alle beteiligten Regierungen und sonstige Institutionen, die irgendwas mit demokratischer Kontrolle zu tun haben könnten. Europäische Union at it´ s best?
Während man sich also einig ist, dass eigentlich alles Rechtmässig gelaufen ist, jeder irgendwie informiert war, aber niemand wirklich zuständig, biegt der Bundesdatenschutzbeauftragte um die Ecke: SWIFT-Datenweitergabe verstößt gegen EU-Recht.
Die durch die EU-Datenschutzrichtlinie definierten Garantien für einen Datentransfer in einen Drittstaat sind seiner Ansicht nach bei der Weitergabe in wesentlichen Punkten nicht gewährleistet gewesen. Dies gelte insbesondere für die unzureichende Beachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes, das Fehlen einer effektiven Datenschutzkontrolle durch eine unabhängige Stelle und die Nichtbeachtung des Rechts der Betroffenen auf Information über die Verwendung ihrer Daten. Vor allem bei Zahlungsüberweisungen, in die ausschließlich europäische Bankkunden involviert waren, bestand Schaar zufolge im EU-Recht keine Rechtsgrundlage für die Praxis des in Belgien beheimateten Servicezentrums.
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: SWIFT wird von Ex-CIA kontrolliert?
: SWIFT wird von Ex-CIA kontrolliert? Die Futurezone ebrichtet mal wieder über SWIFT und wie Millionen von europäischen Datensätzen in sicheren Händen liegen: Unabhängige Berater von der CIA
.Das heißt, letztlich garantiert die Geschäftsführung der mit der Angelegenheit befassten Beraterfirma Booz Allen Hamilton, dass die CIA, bei der Suchergebnisse erklärtermaßen landen, mit den Datensätzen anschließend nicht macht, was sie will.
In der Geschäftsführung von Booz Allen Hamilton amtieren nämlich neben dem ehemaligen Direktor der National Security Agency [NSA], Mike McConnell, [Senior Vice President], auch Ex-CIA-Chef James Woolsey [Vice President] und noch vier weitere Mitglieder, die hochrangige Posten in der US-Geheimdienstszene innehatten.
Klingt super vertrauenswürdig, fast schon vertrausenswürdiger als so ein (europäischer) Datenschützer.
Diese „unabhängige“ Beraterfirma wacht also über die korrekte Behandlung der letzlich an die CIA übermittelten Datensätze internationaler Finanztransaktionen, unter denen sich auch eine Menge europäischer Daten befinden. Über die Verwendung dieser Datensätze hat SWIFT – wie man selbst erklärt – keinerlei Kontrolle mehr.
Mehr über den SWIFT-Abhörskandal, wo europäische Banken millionenfach Datensätze europäöischer Kunden in die USA transferiert haben, findet sich hier.
Update:
In Österreich läuft irgendwie viel mehr in Sachen SWIFT als hie rin Deutschland. Wieder hat die Futurezone einen Artikel dazu veröffentlicht: SWIFT: Druck auf die Bundesregierung.
Jetzt wird die SPÖ als Wahlsieger etwas lauter und der SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier kritisiert die Bundesregierung scharf:
Es sei unbestritten, so Maier, dass es sich hier um einen der größten Datenschutzskandale aller Zeiten handle. Konkret wolle er wissen „wie viele Bankkunden in Österreich betroffen sind und wie man derartige Praktiken in Zukunft verhindern kann“.