Digital Rights

  • : Vorratsdatenspeicherungswochen bei der SPD
    Vorratsdatenspeicherungswochen bei der SPD

    Bei der SPD fordert gerade wieder jeder was zur Vorratsdatenspeicherung, der oder die will. Gestern tickerte dpa Zitate der stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzende Christine Lambrecht, die keine kleine Vorratsdatenspeicherung mit Quick-Freeze will, dafür aber eine mittelgroße Vorratsdatenspeicherung mit nur drei Monate Laufzeit vorschlägt:

    Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Christine Lambrecht nannte es „skandalös“, dass sich Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) immer noch nicht auf eine gemeinsame Position hätten einigen können. […] Die SPD sei aber für eine deutlich kürzere Speicherung als bisher. „Drei Monate sind ausreichend.“

    Heute tickert dpa:

    Die Koalitionspartner der Grünen preschen vor: Nordrhein-Westfalen will bei der Innenministerkonferenz an diesem Dienstag einen Kompromiss zur Vorratsdatenspeicherung vorlegen. Alle Telekommunikations- und Internetdaten sollten sechs Monate lang gespeichert werden, erläuterte Innenminister Ralf Jäger (SPD). Die Inhalte von Gesprächen oder Internetseiten sollten jedoch nur unter strengen Auflagen von Sicherheitsbehörden abgerufen oder gespeichert werden.

    Jetzt fehlen nur noch die Sozialdemokraten, die via dpa erklären, dass die SPD eigentlich gar nicht dafür sein dürfte, weil es doch irgendwo noch Parteitagsbeschlüsse gegen die Vorratsdatenspeicherung geben würde.

    21. Juni 2011 32
  • : Mehr Zensur durch Ausweitung der Internetsperren in Frankreich
    Mehr Zensur durch Ausweitung der Internetsperren in Frankreich

    In Frankreich kam Ende letzter Woche ein Vorschlag zutage, der es einer Reihe französischer Behörden ermöglichen soll, Internetsperren und ‑filter ohne Richterbeschluss anzuordnen.

    Es handelt sich hierbei um einen Verordnungsvorschlag der Regierung, der die Umsetzung von Artikel 18 des „Gesetzes für die digitale Wirtschaft“ (LCEN) definiert. Nach Artikel 18 LCEN kann jegliche Art von Aktivität im Netz „eingeschränkt“ werden, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuhalten oder die innere Sicherheit, Minderjährige, das Gesundheitswesen, die Verbraucher etc. zu schützen. Diese Einschränkung kann auf alle Personen, Dienste oder Unternehmen angewendet werden, die „E‑Commerce“ betreiben – wobei der Begriff „E‑Commerce“ im Text so definiert ist, dass er alle Personen meint, die Dienste oder Inhalte im Internet anbieten – das heißt also das komplette Internet.

    Der Verordnungsvorschlag erklärt nun genau, wie gesperrt werden soll und wer sperren darf. Laut Artikel 1 des Vorschlags sollen sich künftig auch Ministerien des Art. 18 bedienen dürfen, die sich eigentlich gar nicht mit Fragen der Internet-Regulierung befassen, und zwar: Das Verteidigungs‑, das Justiz‑, das Innen‑, das Wirtschafts‑, das Kommunikations- und das Gesundheitsministerium, das Ministerium für digitale Wirtschaft sowie das französische Amt für Sicherheit in der Informationstechnik (ANSSI). Laut Artikel 2 des Vorschlags gibt es drei Etappen:

    20. Juni 2011 9
  • : 41 Regierungen nehmen zum UN-Bericht zur Informations- und Meinungsfreiheit im Internet Stellung
    41 Regierungen nehmen zum UN-Bericht zur Informations- und Meinungsfreiheit im Internet Stellung

    41 Nationen haben zum Bericht des UN-Sonderbeauftragten für Meinungs- und Pressefreiheit, Frank La Rue, Stellung genommen. Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich gehören nicht zu den Unterzeichnern. La Rue kritisierte in dem UN-Bericht willkürliche und intransparente Filtermethoden im Internet und bezeichnete Internetsperren als Menschenrechtsverletzung.

    In der Erklärung an den Menschenrechtsrat unterstreicht der schwedische Außenminister Carl Bildt im Namen der unterzeichnenden Nationen, dass alle Freiheiten, wie zum Beispiel die Meinungs‑, Informations- und Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, nicht nur offline sondern auch online verteidigt werden müssen. Der Informationsfluss sollte so wenig wie möglich eingeschränkt werden.

    Die Unterzeichner betonen weiterhin, dass die Privatsphäre, als wichtige Voraussetzung für die Meinungsfreiheit im Netz, geschützt werden muss. Als elementar definieren sie zudem den universellen Zugang zum Internet, die Bewahrung der Netzneutralität sowie das Recht, anonym kommunizieren zu können. Strafmaßnahmen, die Internetsperren für Nutzer vorsehen, werden als unverhältnismäßig bezeichnet:

    15. Juni 2011 10
  • : Meine Playstation gehört mir
    Meine Playstation gehört mir

    Frank Rosengart vom CCC hat im Freitag einen spannenden Gastbeitrag zum Thema Ownership. Hacking und Urheberrecht geschrieben: Meine Playstation gehört mir.

    Doch von Anfang an. Wenn ich ein Mobiltelefon oder eine Spielkonsole kaufe, gehört sie mir. Ich besitze sie und bin ihr Eigentümer – könnte man glauben. Was dem Laien klar erscheint, regeln die Gesetze aber alles andere als eindeutig. Und so hat der Sony-Konzern jüngst einen deutschen Elektrobastler verklagt, der seine Playstation aufgeschraubt und umprogrammiert hat. Das könnte weit reichende Folgen haben: Sollten die Richter die Gesetze zu Gunsten von Sony auslegen, müssten auch all jene Strafen fürchten, die Datenskandale wie jüngst bei Apples iPhone, Googles Android-Handys oder Facebook aufdecken.

    9. Juni 2011 11
  • : Frankreich: 400.000 Warnungen wegen Urheberrechtsverletzungen im Netz
    Frankreich: 400.000 Warnungen wegen Urheberrechtsverletzungen im Netz

    In Frankreich wurden seit Oktober 2010 insgesamt 400.000 Personen wegen Urheberrechtsverletzungen im Internet verwarnt. Der Figaro hat gestern im Vorfeld des Jahresberichts der Internet-Kontrollbehörde Hadopi die ersten genaueren Zahlen veröffentlicht.

    Hadopi geht in Frankreich gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vor. Verdächtige Personen werden zunächst einmal per Email und danach per Einschreiben verwarnt, beim dritten Mal droht sogar die Sperrung des Internetzugangs. Das private Unternehmen TMG übermittelt der Behörde im Auftrag der Rechteinhaber die IP-Adressen aller mutmaßlichen Raubkopierer. Seit einem Datenleck bei TMG Mitte Mai ist jedoch nicht sicher, wie diese Zusammenarbeit mit Hadopi weitergehen wird.

    7. Juni 2011 17
  • : „Jeder, der das Internet aktiv nutzt, begeht Urheberrechtsverletzungen“
    „Jeder, der das Internet aktiv nutzt, begeht Urheberrechtsverletzungen“

    Vor einer Woche gab ich WDR5 im Rahmen des G8-Gipfels ein Radio-Interview. Dabei ging es u.a. auch um Sarkozy und seine restriktive Netzpolitik, die u.a. dazu führt, dass Nutzern für Urheberrechts-Verstösse bis zu einem Jahr das Internet weg genommen werden soll. Um die Problematik mit einem veralterten Urheberrecht und der Forderung nach einem zu verändernden Urheberrecht einem älteren Radio-Publikum zu erklären, sagte ich wohl u.a.:

    „Jeder, der das Internet aktiv nutzt und Medienkompetenz zeigt, begeht die ganze Zeit Urheberrechtsverletzungen.“

    Ich kann es nicht verifizieren, weil der Link zu dem Interview kaputt ist und ich es mir nicht mehr anhören kann. Aber der Satz macht ja Sinn, auch wenn er vielleicht überspitzt ist. Nachdem ich im Netz einige kritische Blog-Postings von vor allem Juristen gelesen habe, die sich von der Aussage distanzieren, würde ich den Satz anders (überspitzt) formulieren:

    3. Juni 2011 38
  • : Creative Commons – Lizenzen für das Internet-Zeitalter
    Creative Commons – Lizenzen für das Internet-Zeitalter

    Meike Richter hat vor kurzem an der Universität Hamburg einen Einführungs-Vortrag über „Creative Commons – Lizenzen für das Internet-Zeitalter“ gehalten und davon gibt es ein Video (Auf der Seite kann man sich das auch herunterladen):

    In diesem Fenster soll der Inhalt eines Drittanbieters wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an diesen Anbieter. Aus technischen Gründen muss zum Beispiel Deine IP-Adresse übermittelt werden. Viele Unternehmen nutzen die Möglichkeit jedoch auch, um Dein Nutzungsverhalten mithilfe von Cookies oder anderen Tracking-Technologien zu Marktforschungs- und Marketingzwecken zu analysieren.

    Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Abfluss deiner Daten an den Drittanbieter so lange, bis Du aktiv auf diesen Hinweis klickst. Technisch gesehen wird der Inhalt erst nach dem Klick eingebunden. Der Drittanbieter betrachtet Deinen Klick möglicherweise als Einwilligung die Nutzung deiner Daten. Weitere Informationen stellt der Drittanbieter hoffentlich in der Datenschutzerklärung bereit.

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    Meike Richter: Creative Commons – Lizenzen für das Internet-Zeitalter from netzpolitik on Vimeo.

    „Creative Commons“ sind Lizenzen, die speziell für die Veröffentlichung von Informationen im Internet entwickelt wurden. Urheber von Medien, wie Videos, Musik oder Texten können damit leicht bestimmen, was bei der Weitergabe bzw. Wiederveröffentlichung ihrer Werke beachtet werden muss, zum Beispiel die Namensnennung oder der Ausschluss einer kommerziellen Nutzung. Für Publizierende wird damit mehr Klarheit geschaffen. Die Frage ob und wie ich beispielsweise ein Bild eines anderen Urhebers auf einer beliebigen Webseite veröffentlichen darf, wird mit „Creative Commons“ beantwortet.

    Meike Richter ist freie Journalistin und Dozentin und berät unter anderem den NDR bei der Lizensierung verschiedener Inhalte mit „Creative Commons“.

    30. Mai 2011 27
  • : Vint Cerf über die Zukunft des World Wide Web
    Vint Cerf über die Zukunft des World Wide Web

    Am vergangenen Freitag gab es in der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Veranstaltung mit Vint Cerf über die Zukunft des World Wide Web. Davon gibt es bei der KAS einen Bericht: Glühbirne mit Internet. Und eine MP3 des knapp zweistündigen Vortrages mit anschließender Diskussion.

    30. Mai 2011 3
  • : Cory Doctorow: Jeder Pirat möchte auch ein Admiral sein
    Cory Doctorow: Jeder Pirat möchte auch ein Admiral sein

    Cory data-epi-spacing Doctorow data-epi-spacing erklärt data-epi-spacing in data-epi-spacing rund data-epi-spacing 5 data-epi-spacing Minuten, data-epi-spacing warum data-epi-spacing jeder data-epi-spacing Pirat* data-epi-spacing auch data-epi-spacing data-epi-spacing gerne data-epi-spacing ein data-epi-spacing Admiral data-epi-spacing sein data-epi-spacing möchte

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    Hier klicken, um den Inhalt von www.guardian.co.uk anzuzeigen.

    *Damit data-epi-spacing ist data-epi-spacing nicht data-epi-spacing automatisch data-epi-spacing ein data-epi-spacing Mitglied data-epi-spacing der data-epi-spacing Piratenpartei data-epi-spacing gemeint.

    30. Mai 2011 7
  • : „Ein freies Internet schafft Möglichkeiten, auch auf Missstände hinzuweisen“
    „Ein freies Internet schafft Möglichkeiten, auch auf Missstände hinzuweisen“

    Der Deutschlandfunk hat mich zum eG8- und G8-Gipfel interviewt: „Ein freies Internet schafft Möglichkeiten, auch auf Missstände hinzuweisen“. Davon gibt es ein Transcript und auch eine MP3.

    Ramme: Also Sarkozy ist da einen Schritt voraus, was Strenge im Internet betrifft?

    Beckedahl: Was heißt Strenge im Internet? Sarkozy hat in Frankreich erst mal eine Überwachungsbehörde geschaffen, die Hadopi-Behörde, um gegen Menschen vorzugehen, die Kultur tauschen, über Tauschbörsen zum Beispiel. Denen soll dann bis zu einem Jahr das Internet weggenommen werden, eine Maßnahme, die in Deutschland eigentlich nur unter verborgener Hand irgendwie gefordert wird, wo kein Politiker sich wirklich trauen würde zu fordern, dass man Menschen von der Kultur und von Information und Kommunikation ausschließen möchte. Und in Frankreich gibt es auch mittlerweile eine Zensur-Infrastruktur im Kampf gegen Kinderpornografie, etwas was heute das Bundeskabinett in Deutschland nach zwei Jahren endlich wieder abgeschafft hat, weil man zu der Erkenntnis gekommen ist, dass das kontraproduktiv ist, unnütz und gefährlich für eine Demokratie.

    26. Mai 2011 13
  • : UN-Sonderbeauftragte für Meinungsfreiheit gegen 3‑Strikes
    UN-Sonderbeauftragte für Meinungsfreiheit gegen 3‑Strikes

    Wie wir am 23.5. berichteten, hat die EU-Kommission diese Woche eine Mitteilung (vorläufige Fassung, pdf) zum “strategischen Konzept für Rechte des geistigen Eigentums” in Europa veröffentlicht.

    Obwohl laut Presseerklärung die Ausgewogenheit zwischen dem Zugang zu kulturellen Inhalten für Verbraucher und Nutzer und dem effektiven Schutz der Rechte das Ziel sei, bestätigt die Kommission in ihrer Mitteilung, dass Online-Piraterie an der Quelle beseitigt und die Zusammenarbeit mit den Internetdienstanbietern gefördert werden muss:

    Etwaige Änderungen der Richtlinie sollten darauf abzielen, gegen entsprechende Rechtsverletzungen an der Quelle vorzugehen und zu diesem Zweck die Zusammenarbeit von Intermediären wie Internetdiensteanbietern zu fördern, wobei die Vereinbarkeit mit den Zielen der Breitbandpolitik gewährleistet sein muss und die Interessen der Endverbraucher nicht in Frage gestellt werden dürfen.

    Parallel ist nun ein sehr lesenswerter Bericht (pdf) zur Informations – und Meinungsfreiheit im Internet vom Sonderbeauftragten der UNO für Meinungs- und Pressefreiheit, Frank La Rue, aufgetaucht.

    25. Mai 2011 10
  • : Kleine netzpolitische Karte Europas
    Kleine netzpolitische Karte Europas

    Anlässlich des e‑G8 hat die französische Nachrichten-Plattform OWNI eine Karte erstellt, die eine Übersicht über die verschiedenen netzpolitischen Brennpunkte in jedem europäischen Land bietet. Wir konnten auch ein paar Inhalte zur Karte beisteuern :

    Die Karte kann und soll natürlich noch komplettiert werden.

    Wir erinnern auch nochmals an die Petition zum G8-Gipfel, die man hier unterzeichnen kann. Die internationale Erklärung der Petition wurde von insgesamt 36 Organisationen weltweit initiiert und kann im Volltext hier gefunden werden.

    (Crossposting von vasistas?)

    25. Mai 2011 6
  • : #servergate: Durchsuchungsbeschluss geleakt
    #servergate: Durchsuchungsbeschluss geleakt

    Zur Durchsuchung des Rechenzentrums in Offenbach vom Freitag den 20. Mai 2011, bei dem ein Großteil der Server der Piratenpartei beschlagnahmt und teilweise durchsucht worden war, wurde heute morgen offenbar der Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Darmstadt vom 19. Mai geleakt. Die betroffene Firma bestätigte auf unsere Anfrage hin die Authentizität des Inhalts.

    Der Beschluss bestätigt auch die bisherigen Berichte nach denen die Behörden versuchten, über die Beschlagnahme an Informationen über Verdächtige zu kommen, die möglicherweise an Angriffen auf die Webseite des französischen Energiekonzerns EDF beteiligt waren. Im Beschluss dagegen nicht genannt wird der von der Piratenpartei verkündete Sachverhalt, es sei nach einem SSH-Schlüssel gesucht worden.

    Fehlendes Rechtshilfeersuchen, mangelhafte Rechtsgüterabwägung

    Die Tatsache, dass es sich beim Betreiber der betroffenen Dienste um eine Partei mit besonderem Schutz nach Art. 21 Grundgesetz handelte, deren gesamte Kommunikationsinfrastruktur durch die Maßnahme für viele Stunden lahmgelegt wurde (und wohl für Wochen durch dauerhafte Server-Beschlagnahme ausgeschaltet worden wäre, wenn sie nicht vor Ort kooperiert hätte), spielte in der Abwägung des Grundrechtseingriffs offenbar keinerlei Rolle. Eigentlich kann dem richterlichen Beschluss attestiert werden, dass überhaupt keine entsprechende Rechtsgüterabwägung stattgefunden hat.

    Rechtsanwalt Thomas Stadler weist in seinem Blog Internet-Law.de noch auf eine andere wichtige Tatsache hin, die in der bisherigen Diskussion ziemlich untergegangen ist: Durchsucht wurden ja nicht Räume der Piratenpartei, sondern ein Rechenzentrum in Offenbach, das lediglich IT-Dienstleistungen erbringt. Da dessen Betreiberfirma nicht Beschuldigte im Verfahren ist, wären für die Durchsuchung ihrer Räumlichkeiten eigentlich noch deutlich höhere Anforderungen an die Verhältnismäßigkeitsprüfung zu stellen gewesen. Stadler kommt insgesamt zu dem Schluss, dass der Beschluss des AG Darmstadt bereits „bei rudimentärer Prüfung evident unverhältnismäßig und rechtswidrig“ sei.

    Entgegen der Aussage der Staatsanwaltschaft Darmstadt, es habe ein „justizielles Rechtshilfeersuchen“ vorgelegen, bestätigt der veröffentlichte Beschluss auch die Version der Piratenpartei, dass die Übermittlung eines solchen Ersuchens lediglich angekündigt worden sei. Nach Ansicht des Richters war die Beschlagnahme vorab dennoch „aufgrund der Flüchtigkeit von Daten im Internet“ zu rechtfertigen. Straftverteidiger Udo Vetter, schätzte den Vorgang auf Twitter spontan als „vorauseilenden Gehorsam deutscher Gerichte gegenüber der französischen Justiz“ ein.

    Piratenpartei: „Beschluss war rechtswidrig“

    Die Piratenpartei hat derweil Beschwerde eingelegt (Beschwerdeschrift, PDF) und beantragt, den Beschluss aufzuheben, sichergestellte „Gegenstände“ herauszugeben, gespeicherte Daten zu löschen und festzustellen, dass der Beschluss rechtswidrig war.  Der Beschluss verstoße „klar gegen das Übermaßverbot“, da er „im wahrsten Sinne des Wortes „maßlos““ und damit echtswidrig sei. Die Sache wird also noch ein interessantes juristisches Nachspiel haben.

    (Der veröffentlichte Text enthält einen Schreibfehler im Wort „Darmstat“ im Seitenkopf und auch die Domain an einer Stelle genannte Domain „piraten-pad.de“ existiert nicht, was einerseits misstrauisch macht, allerdings auch auf OCR-Scan- oder Abtippfehler zurückzuführen sein kann. Das Aktenzeichen stimmt mit dem überein, das gestern bereits auf Twitter die Runde machte. [Update: Die Piratenpartei bestätigt, dass die Schreibfehler so auch im Original zu finden sind.])

    Der veröffentlichte Inhalt des Durchsuchungsbeschlusses

    Update: Da es verschiedene Aussagen gibt, ob die Veröffentlichung des Durchsuchungsbeschlusses jetzt legal (im Sinne der Pressefreiheit) oder illegal (eben nicht im Sinne der Pressefreiheit) ist, verlinken wir der Einfachheit halber auf die Quelle bei pastebin.

    Aixit GmbH NOC, Aixit GmbH
    25. Mai 2011 59
  • : G8: Die Möchtegern-Sheriffs des Internet
    G8: Die Möchtegern-Sheriffs des Internet

    Andrian Kreye hat für die Süddeutsche Zeitung einen guten Kommentar zum (e)G8-Gipfel geschrieben: Die Möchtegern-Sheriffs des Internet. Sehr schön ist das Bildnis von Lederstrumpf.

    Das Problem der digitalen Bürgerrechtsbewegungen ist nicht nur, dass sie auf die Rolle der lästigen Zwischenrufer reduziert werden. Ihre größte Herausforderung wird sein, ein Gros der Bürger davon zu überzeugen, dass das wichtig ist, für was sie hier kämpfen. Denn das Internet ist fester Bestandteil des beruflichen und privaten Alltags, deswegen betreffen Innovationen und Regelungen jeden Einzelnen. Gesteigerte Produktivität digitaler Technologien bringt mehr Nutzen, aber auch Arbeitsplätze in Gefahr. Mehr Kontrolle bedeutet mehr Schutz vor Online-Verbrechen, aber auch weniger Freiheit im Netz. Es gehe um „das zivilisierte Internet“, ließ Sarkozy vor seiner Initiative wissen. Das trifft den Konflikt im Kern. Denn schon Lederstrumpf wusste, dass die Zivilisation das Ende der grenzenlosen Freiheit bedeutet. Doch er ahnte wohl auch, dass die Gesetzlosigkeit des Wilden Westens nicht ewig währen kann. Die Frage ist nur: Wer soll der Sheriff sein?

    25. Mai 2011 7
  • : #servergate: Piratenpartei wehrt sich gegen Server-Beschlagnahme
    #servergate: Piratenpartei wehrt sich gegen Server-Beschlagnahme

    Nachdem am Freitag in einer fragwürdigen Aktion ein Großteil der Server der Piratenpartei vorrübergehend vom Bundeskriminalamt (BKA) beschlagnahmt und vom Netz genommen wurden (wir berichteten), wehrt sich die Partei nun gegen das Vorgehen. Beim verantwortlichen Amtsgericht Darmstadt sei Beschwerde gegen den Durchsuchungsbeschluss und die Beschlagnahme eingelegt worden, die die PIRATEN als unnötig und unverhältnismäßig kritisieren. Der Umfang der Aktion sei überzogen und der Termin kurz vor der Bremer Bürgerschaftswahl ein absoluter Skandal, erklärte der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz. Geklärt werden müsse, ob die erfolgte Durchsuchungs- und Beschlagnahmeanordnung rechtlichen Vorgaben entsprochen hat, insbesondere ob die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit gewahrt wurden.

    21. Mai 2011 83
  • : Wikileaks und Medienaktivismus
    Wikileaks und Medienaktivismus

    Felix Stalder hat im Online-Journal kommunikation@gesellschaft einen Artikel über „WikiLeaks: Neue Dimensionen des Medienaktivismus“ veröffentlicht. (PDF)

    Mit WikiLeaks hat der Medienaktivismus eine neue Dimension erreicht. WikiLeaks versteht die neuen sozio-technischen Möglichkeiten und institutionellen Widersprüche, die die gegenwärtige Phase der Entwicklung der Netzwerkgesellschaft kennzeichnen, für sein Projekt nutzbar zu machen. Politisch bleibt das Projekt allerdings schwer kategorisierbar, da es gleichzeitig eine markt-libertäre und eine institutionskritische Haltung vertritt, gleichermassen staatliche wie privat-wirtschaftliche Akteure mit einschliesst. Solche Widersprüche können ausgehalten werden, denn anders als traditionelle aktivistische Medien versucht WikiLeaks sein Material nicht in einen erklärenden Zusammenhang zu stellen, sondern überlässt die Interpetation anderen.

    (via)

    19. Mai 2011 4
  • : Netzneutralität im australischen Fernsehen
    Netzneutralität im australischen Fernsehen

    Der australische TV-Sender ABC hat eine Sendung  für digitale Kultur namens „Hungry Beast“ und in der aktuellen Ausstrahlung einen guten Beitrag über Netzneutralität gesendet. „Hungry Beast“ scheint ein spannendes TV-Format zu sein, leider sind die Inhalte auf deren Webseite nur von australischen IPs anschau- und herunterladbar, aber es gibt einen Youtube-Kanal:

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

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    19. Mai 2011 4
  • : Frankreich: Mit Netzsperren gegen DDoS-Attacken
    Frankreich: Mit Netzsperren gegen DDoS-Attacken

    In der letzten Woche wurde in der französischen Nationalversammlung ein Gesetzentwurf mit dem klangvollen Titel „Entwurf eines Gesetzes zur Effektivierung des Kampfes gegen Cyberangriffe und für eine zivilisiertere und stärkere, digitale Welt“ eingereicht. Die Nationalversammlung könnte, trotz zu vollem parlamentarischen Kalender, vielleicht schon in den nächsten Monaten über diesen Text beraten.

    Der Vorschlag stammt aus der Feder der Abgeordneten der konservativen Mehrheitspartei UMP, Muriel Marland-Militello. Da sie härter gegen die „digitalen Terroristen“ und insbesondere gegen DDoS-Attacken vorgehen möchte, schlägt sie insbesondere für Angriffe auf institutionelle Seiten oder Systeme eine zweijährige Internetsperre vor.

    18. Mai 2011 12
  • : Wieder Hausdurchsuchung wegen Tor-Exit-Server
    Wieder Hausdurchsuchung wegen Tor-Exit-Server

    Sören Weber hat bis vor einiger Zeit einen Tor-Exit-Server betrieben. Am vergangenen Donnerstag stand plötzlich die Polizei vor der Tür und beschlagnahmte bei einer Hausdurchsuchung seine Computer und Festplatten, weil er im Verdacht steht, im Besitz von Kinderpornographie zu sein. Er beschreibt die Situation ausführlich in seinem Blog und bittet um Spenden, um die rund 1000 Euro pauschale Anwaltskosten refinanzieren zu können: Der Preis einer freien, weltweiten Kommunikation.

    Ich befinde mich derzeit auf dem zweiten Bildungsweg und lebe von BAföG. Ich werde voraussichtlich in ein paar Monaten mein Studium beginnen. Das Geld ist also derzeit für mich eher knapp und eine Änderung ist auch erstmal nicht in Sicht. Die außergerichtliche Vertretung durch meinen Rechtsanwalt hat mich einen Pauschalbetrag von 1.000€ gekostet. Das ist ein Preis, den ich für das Ideal der Informationsfreiheit gerne zahle – und trotzdem schmerzt es in meiner Situation. Falls du dich in der Lage siehst, mir ein wenig finanziell zu helfen ohne dein Leben zu verschlechtern, würde ich mich über eine Spende (egal wie klein) sehr freuen!

    Die Geschichte, Kontakt- und Spendendaten finden sich auf seinem Blog.

    Update: Die Spendensumme ist längst erreicht, alles, was darüber gespendet wurde, gibt Sören an das Torproject und eine weitere Organisation weiter.

    Hintergrund zu Tor, der Technik und der rechtlichen Lage beschreibt der Netzpolitik-Podcast Folge 99 mit Andreas Lehner: NPP099: Anonymität und das TOR-Projekt

    17. Mai 2011 51
  • : G8: Aufruf zu kreativen Aktionen!
    G8: Aufruf zu kreativen Aktionen!

    Schon vor einiger Zeit hatte ich hier vor dem diesjährigen G8-Gipfel gewarnt, bei dem Nicolas Sarkozy, der mit Hadopi und Loppsi erfolgreichste europäische Zensur- und  3‑strikes-Befürworter, Gastgeber sein wird. Da hat er natürlich nicht die Gelegenheit ausgelassen, sein Lieblingsthema Netzpolitik prominent auf der Tagesordnung zu platzieren.

    Unter G8 vs Internet haben nun mehrere netzpolitische Aktivistengruppen einen Aufruf zum kreativen Einsatz für ein freies und offenes Internet veröffentlicht: Call for creative action.

    Hier die deutsche Übersetzung:

    Das Internet ist der Ort an dem wir uns treffen und unterhalten, kreativ sind, lernen und uns organisieren. Wir sind nun aber an einem Wendepunkt in der noch jungen Geschichte des Netzes angelangt: Es kann ebenso so gut ein Mittel zur Verbesserung unserer Gesellschaften, unseres Wissen und unserer Kulturen bleiben, wie es sich zu einem totalitären Mittel für Überwachung und Kontrolle entwickeln kann.

    Nach 15 Jahren des Kampfes gegen das freie Teilen von Kultur und für ein obsoletes Urheberrechts-Regime, schließen sich die Regierungen der Welt nun zusammen, um das Internet zu kontrollieren und zu zensieren. Der Totalausfall des ägyptischen Netzes, die Reaktion der USA auf Wikileaks, das Einführen einer Sperrinfrastruktur in Europa, oder die Pläne für „Internet-Notausschalter“ 1 sind große und ernsthafte Bedrohungen unserer Meinungs- und Kommunikationsfreiheiten. Diese Bedrohungen kommen von Konzernen und Politikern, die durch das Aufkommen des Internets in hohem Maße beunruhigt sind.

    Als Gastgeber des G8-Gipfels will der französische Präsident Nicolas Sarkozy eine zentralisierte Kontrolle des Internets verstärken. Er hat die großen Staatsoberhäupter der Welt zu einem Gipfel berufen, der ein „zivilisiertes Internet“ zum Ziel haben soll – ein Konzept, das er sich von der chinesischen Regierung abgeguckt hat. Indem Ängste wie „Cyber-Terrorismus“ beschworen werden, soll Ausnahmeregelungen erst zur Akzeptanz verholfen werden, um sie dann zur Regel zu machen: So sollen Zensur und Kontrolle langsam eingeführt werden – und Meinungsfreiheit und Bürgerrechte eingeschränkt werden.

    Wie immer werden sie diese Gesetze hinter Wörtern wie „Demokratie“ und „Verantwortung“ verstecken und damit schmücken – aber bewerten wie sie doch anhand ihrer Taten: Sarkozy hat in Frankreich schon die „digitale Todesstrafe“, das Abschalten von Internetanschlüssen (3‑strikes) und eine Netzzensur-Infrastruktur erfolgreich eingeführt! Das zeigt, wo es langgehen soll.

    Das Internet ermöglicht es uns, unsere Meinungen überall und auf viele Wege auszudrücken. Das Internet verbindet uns und macht uns stark. Es ist der Ort, an dem sich die vielen Menschen unseres vielfältigen Planeten treffen. Allein mit unserer Kreativität und unseren Idealen müssen wir antreten, unsere Rechte und das freie Internet zu schützen. Und zwar über alle öffentlichen Kanäle, die wir uns geschaffen haben. Wenn sich die Herrscher der Welt am Ende dieses Monats versammeln, müssen wir alle zusammenkommen und unsere Kreativität nutzen. Wir müssen alle gemeinsam verhindern, dass unser freies Internet in ein Mittel zur Unterdrückung und Kontrolle verwandelt wird.

    Werdet kreativ und schickt uns Links zu Reaktionen auf diesen Aufruf an submit@g8internet.com.


    1
    Siehe auch: Die Beschlagnahmung hunderter Domains durch die US-Regierung oder Urheberrechtsfundamentalisten, die mit dem PROTECT IP Act der USA Internet-Provider in eine privatisiere Polizei und Justiz verwandeln wollen, die IPR enforcement Initiativen und das „Große Europäische Mauer“-Projekt, oder ACTA.

    Dieser Aufruf wird auch von Digitale Gesellschaft e.V. und netzpolitik.org unterstützt.

    17. Mai 2011 7