„Jeder, der das Internet aktiv nutzt, begeht Urheberrechtsverletzungen“

Vor einer Woche gab ich WDR5 im Rahmen des G8-Gipfels ein Radio-Interview. Dabei ging es u.a. auch um Sarkozy und seine restriktive Netzpolitik, die u.a. dazu führt, dass Nutzern für Urheberrechts-Verstösse bis zu einem Jahr das Internet weg genommen werden soll. Um die Problematik mit einem veralterten Urheberrecht und der Forderung nach einem zu verändernden Urheberrecht einem älteren Radio-Publikum zu erklären, sagte ich wohl u.a.:

„Jeder, der das Internet aktiv nutzt und Medienkompetenz zeigt, begeht die ganze Zeit Urheberrechtsverletzungen.“

Ich kann es nicht verifizieren, weil der Link zu dem Interview kaputt ist und ich es mir nicht mehr anhören kann. Aber der Satz macht ja Sinn, auch wenn er vielleicht überspitzt ist. Nachdem ich im Netz einige kritische Blog-Postings von vor allem Juristen gelesen habe, die sich von der Aussage distanzieren, würde ich den Satz anders (überspitzt) formulieren:

„Jeder, der das Internet aktiv nutzt und Medienkompetenz zeigt, begeht die ganze Zeit Urheberrechtsverletzungen. Ausnahmen sind wenige andere Menschen, die im Netz reisen buchen und Online-News lesen und/oder in der Regel Jura studiert haben“.

Simon Möller von Telemedicus hat die Intention der Aussage verstanden und unterstützt meine These, in dem er einige Beispiele aufgezeigt, wie zumindest Nutzer von sozialen Medien ständig bewusst oder unbewusst Urheberrechtsverletzungen begehen.

Die Beispiele von Simon Möller sind:

1. Kommentierte Links in Blogs
2. Das Einbinden von Videos aus Videoportalen
3. Passfotos im Internet
4. Unklare Lizenzbestimmungen bei „freien” Inhalten
5. Vervielfältigungen in der Cloud

Es gibt noch zahlreiche andere „gewöhnliche“ soziale Praktiken, die ebenfalls aufgezählt werden könnten. Unter dem Artikel gibt es eine lange Diskussion zwischen Juristen mit Pro und Kontra. Das lustige dabei: Bei vielen Beispielen sind nicht einmal alle Juristen der Meinung, dass es sich klar um eine Urheberrechtsverletzung handeln konnte, oder vielleicht, vielleicht auch nicht oder nur bei bestimmten Gerichten.

Wie soll das denn der normale Nutzer verstehen, der kein Jura studiert hat und einfach das Netz aktiv nutzt, um Medienkompetenz zu praktizieren?

31 Kommentare
    • Privatkopierer 6. Jun 2011 @ 12:14
      • Nine of Thirteen 3. Jun 2011 @ 20:24
  1. Michael Lucan 6. Dez 2011 @ 13:39
  2. Michael Lucan 6. Dez 2011 @ 13:45
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