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Frankreich: 400.000 Warnungen wegen Urheberrechtsverletzungen im Netz

In Frankreich wurden seit Oktober 2010 insgesamt 400.000 Personen wegen Urheberrechtsverletzungen im Internet verwarnt. Der Figaro hat gestern im Vorfeld des Jahresberichts der Internet-Kontrollbehörde Hadopi die ersten genaueren Zahlen veröffentlicht.

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Hadopi geht in Frankreich gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vor. Verdächtige Personen werden zunächst einmal per Email und danach per Einschreiben verwarnt, beim dritten Mal droht sogar die Sperrung des Internetzugangs. Das private Unternehmen TMG übermittelt der Behörde im Auftrag der Rechteinhaber die IP-Adressen aller mutmaßlichen Raubkopierer. Seit einem Datenleck bei TMG Mitte Mai ist jedoch nicht sicher, wie diese Zusammenarbeit mit Hadopi weitergehen wird.

Jetzt ist bekannt, dass seit der Einrichtung der Behörde im Oktober 2010 insgesamt 400.000 Emails versandt wurden, was ungefähr 55.000 Mails pro Monat ergibt. Wir berichteten bereits, dass von Oktober bis letzten Dezember insgesamt 70.000 Warnungen raus gingen, was der Musik-und Filmindustrie damals aber nicht genug war – immerhin übermitteln die Rechteinhaber nach eigenen Aussagen an die 50.000 IP-Adressen pro Tag. Prompt erhoffte sich die Behörde Anfang des Jahres, bis Ende Juni 10.000 Warnungen pro Tag verschicken zu können. Wir haben mal ausgerechnet, dass es sich bei 330.000 Mails insgesamt seit Ende Dezember um ungefähr 3.300 Emails pro Werktag handeln muss. Das erhoffte Ziel wurde also nicht erreicht.

3.500 Internetnutzer wurden ein weiteres Mal erwischt und bekamen ein Einschreiben. Rund ein Dutzend ließ sich ein drittes Mal erwischen und verwarnen. Bei einer strengen Anwendung des Hadopi-Gesetzes würden ihnen jetzt temporäre Internetsperren und/oder 1.500 Euro Geldstrafe drohen. Allerdings kündigte die Hadopi-Behörde an, dass die Betroffenen erst von Hadopi angehört und noch keine Gerichtsverfahren eingeleitet würden.

Denn siehe da: Der Hadopi-Behörde ist aufgegangen, dass die Daten, die vielleicht vor Jahren runtergeladen wurden, heute über P2P-Netzwerke automatisch anderen Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Die Personen, die sich also ein drittes Mal haben erwischen lassen, waren sich also dessen vielleicht gar nicht bewusst. Die Präsidentin der Behörde, Mireille Imbert-Quaretta, rät daher den Franzosen, ihre Festplatten von allen illegal heruntergeladenen Dateien zu säubern.

Die Behörde schlussfolgert aufgrund der Zahlen, dass das Hadopi-Gesetz als pädagogisch wertvolle Maßnahme funktioniert: Der Großteil aller verwarnten Franzosen habe aufgehört, illegal runterzuladen. Oder aber sie haben einfach ihre Gewohnheiten geändert.

(Crossposting von vasistas?)

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17 Kommentare
  1. „Die Behörde schlussfolgert aufgrund der Zahlen, dass das Hadopi-Gesetz als pädagogisch wertvolle Maßnahme funktioniert“

    –> Die Nutzer bilden sich weiter und lernen welche Verfahren ein geringeres Risiko haben erkannt zu werden

  2. wenn man dann erstmal millionen wegklagt, wird dem staatsangehörigen vielleicht klar, dass es noch eine dunkelziffer gibt und möglicherweise ein volksbegehren auf freien umgang mit daten die eh schon veröffentlicht sind. gerichte in deutschland sind genauso überfordert und wenn mich nicht alles täuscht, ist streaming ne smoothe angelegenheit.

  3. Um wieviel Prozent sind zeitgleich VPN-Zugänge ins Ausland gestiegen? Wie viel Steuergelder mit solchen Behörden wieder verschleudert werden – als reiner Handlanger der Content-Industrie…

  4. Ich bin mit sowas niht unbedingt auf dem neuesten Stand aber benutzten die meisten Leute nich mittlerweile Rapidshare, Filesonic und co für sowas? Lässt sich denen überhaupt auf die Schliche kommen?

  5. „Der Großteil aller verwarnten Franzosen habe aufgehört, illegal runterzuladen.“

    Oder es ist einfach sehr unwahrscheinlich, verwarnt zu werden. Bei 65Mio Einwohnern nur 400.000 Warnungen.
    Das bedeutet aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit, zweimal bzw. dreimal erwischt zu werden exponentiell sinkt.

    1. Genau, wenn man gleichverteilt den Franzosen Verwarnungen schickt (also unabhängig davon, ob was illegal runtergeladen wurde oder nicht), dann ist pro Person die Wahrscheinlichkeit eine Verwarnung zu bekommen = 400.000/65Mio = 1/162.
      Daraus folgt, die Wahrscheinlichkeit 3 Verwarnungen zu bekommen ist 1/162^3 = 1/4291000.
      Im Erwartungsfall kriegen dann also ungefähr 65Mio/4Mio = 16 Leute 3 Verwarnungen. Ich find es erstaunlich, wie das mit den wirklichen Zahlen übereinstimmt…

  6. Wenn man diese Zahl mit den 3,6 Millionen IP-Adressen, die in Deutschland an die Abmahnindustrie weitergegeben werden, fahren die Franzosen mit Hadopi ja eigentlich ganz gut.
    Zumal eine Abmahnung in Deutschland ja gleich ordentlich Geld kostet, während man in Frankreich das erste und zweite Mal noch nichts zahlt.
    Auf kurz oder lang wird das wohl dazu führen, dass die Leute merken das p2p gefährlich ist und durch rapidshare & co ersetzt wurde.

    Bei den 12 Leute die sich dreimal erwischen lassen haben hat wahrscheinlich vor Jahren mal der/die Sohn/Tochter Kazaa/emule installiert um sich zwei Songs runterzuladen.
    Dann wurde die Deinstallation vergessen und kazaa/emule hat jahrelang ebendiese Songs im Hintergrund weiterverteilt.

    1. Ich korrigiere mich: Die 3,6 Mio waren die IP-Weitergaben nicht die Abmahnungen.
      IP-Weitergaben in Frankreich gibt es mit 50.000/Tag = 18,25Mio/Jahr doch deutlich mehr als bei uns;-)

  7. Die Frage die sich mir stellt: das eigentliche Ziel, illegale Downloads mit legalen zu Ersetzen, wurde das erreicht?
    Also sind die Downloadzahlen der Musikindustrie überhaupt gestiegen? Funktioniert diese 1:1 umrechnung von „wenn das Lied nicht kopiert worden wäre, dann wäre es gekauft worden“?

  8. n.c.:

    LINK
    http://kino.to

    Die Kriminalpolizei weist auf Folgendes hin:

    Die Domain zur von Ihnen ausgewählten Webseite wurde wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen geschlossen.

    Mehrere Betreiber von KINO.TO wurden festgenommen.

    Internetnutzer, die widerrechtlich Raubkopien von Filmwerken hergestellt oder vertrieben haben, müssen mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen.

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