Generell

Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.

  • : Transparenz in Deutschland – Die Chronik des geschlossenen Haushalts
    Transparenz in Deutschland – Die Chronik des geschlossenen Haushalts

    Nachdem das Bundesministerium der Finanzen Anfang Mai eine IFG-Anfrage nach den Haushaltsdaten des Bundes endgültig ablehnte, hat Friedrich Lindenberg (OKFN Deutschland) nun einige Ereignisse der vergangenen 2 Jahre zum Thema „geschlossener Haushalt“ zusammengetragen. Ein Trauerspiel von Intransparenz und Bürokratie.

    Seit etwa zwei Jahren versuchen wir nun aus offizieller Quelle Zugriff auf die analysierbaren Zahlen des Bundeshaushalts zu erhalten. Während Staaten wie Englandund die USA längst einen direkten Zugriff auf die eigenen Kassen (also die einzelnen Empfänger öffentlicher Gelder) ermöglichen, scheitert im Bund bereits der einfache Zugriff auf die Budgetdaten. Hier also die beinahe komische Chronik der Diskussion:

    • März 2010: Eine Anfrage des Journalisten Lorenz Matzat wird durch das Bundesministerium der Finanzen (BMF) Aufgrund angeblicher Mißdeutungsgefahr abgelehnt.
    • April 2010: Eine elektronische Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) bleibt unbeantwortet.
    10. Mai 2012 8
  • : Random Hacks of Kindness am 2. & 3. Juni 2012
    Random Hacks of Kindness am 2. & 3. Juni 2012

    Am 2. und 3. Juni 2012 findet wieder einmal die Random Hacks of Kindness (RHoK) statt. In Deutschland findet dieses Event zum zweiten Mal statt, diesmal gleichzeitig in Berlin und Hamburg .

    Die RHoK ist ein gleichzeitig weltweit stattfindender Hackathon mit einer speziellen Zielsetzung: „to make the world a better place by building a community of innovation“. Entstanden ist die RHoK ursprünglich als Initiative einiger großer Player (Microsoft, Google, Yahoo!, NASA und World Bank), um gemeinsam an Softwarelösungen für Katastrophenschutz und ‑vorsorge zu arbeiten. Letztes Mal haben weltweit etwa 1000 Teilnehmer aus 20 Ländern daran teilgenommen und wurde u.a. von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eröffnet.

    Eine Liste mit möglichen Projekten findet sich unter http://www.rhok.org/problems, ein Git-Repository gibt es auch.

    Dem Hamburger Event kann unter @rhokhh, dem Berliner unter @rhokberlin bei Twitter gefolgt werden. Anmelden kann man sich auf der entsprechenden Hamburger oder BerlinerSeite des Events.

    10. Mai 2012 2
  • : Niederlande: Netzneutralitäts-Gesetz nimmt (vor)letzte Hürde
    Niederlande: Netzneutralitäts-Gesetz nimmt (vor)letzte Hürde

    Das niederländische Gesetz zum Schutz der Netzneutralität hat die erste und entscheidende Hürde genommen. Der Senat stimmte gestern für das Gesetz, das u.a. Deep-Packet-Inspection streng limitiert, den Internetzugang besser schützt und Traffic-Management reguliert. Damit werden Nutzerrechte gestärkt und die Grundlage für die Sicherung eines Echten Netzes geschaffen. Konkret bedeutet dies:

    Für Netzneutralität wird festgelegt, dass Internetprovider nicht den Traffic ihrer Nutzer beeinflussen dürfen – ausgenommen: Netzwerkmanagement im Interesse der Nutzer. Ein ziemlich kompromisslose und klare Definition von Netzneutralität, der wohl jeder beipflichten wird, außer vielleicht der Provider KPN, der für alle möglichen Dienste und Protokolle gerne Zusatzgebühren hätte (wie jeder andere Provider übrigens auch, daher müssen wir uns ja jetzt auf legislativem Wege dagegen schützen). Dann gibt es noch einen Anti-Abhör/Überwachungs-Gesetzentwurf, in dem deep packet inspection weitestgehend verboten wird. Diese Technik darf nur unter strengen Vorraussetzungen zum Einsatz kommen, oder wenn die Nutzer explizit zugestimmt haben – was wohl kaum jemand tun wird. Für gerichtlich legitimierte Abhörmaßnahmen bleibt DPI legal. Und die Bedingungen für das Trennen eines Internet-Anschlusses wurden limitiert. Das soll nur noch im Betrugsfall oder bei Nichtbezahlen der Rechnung möglich sein – damit wird 3‑strikes-Regelungen wohl erstmal ein dicker Riegel vorgeschoben.

    Bits of Freedom, eine niederländische Organisation für digitale Bürgerrechte, kommentiert ihren Erfolg in einer Pressemitteilung: Netherlands first country in Europe with net neutrality.

    The net neutrality law prohibits internet providers from interfering with the traffic of their users. The law allows for traffic management in case of congestion and for network security, as long as these measures serve the interests of the internet user. A technical error in the law might still be corrected in a vote on 15 May. In addition, the law includes an anti-wiretapping provision, restricting internetproviders from using invasive wiretapping technologies, such as deep packet inspection (DPI). They may only do so under limited circumstances, or with explicit consent of the user, which the user may withdraw at any time. The use of DPI gained much attention when KPN admitted that it analysed the traffic of its users to gather information on the use of certain apps. The law allows for wiretapping with a warrant.

    Das Gesetz ist durch, aber es könnten noch am am 15. Mai in der „tweede Kamer“ kleine kosmetische Änderungen vorgenommen werden. Gratulation an Bits of Freedom, damit bekommen die Niederlande das erste Netzneutralitätsgesetz in Europa, was hoffentlich Signalwirkung haben wird. Deutschland hält sowas ja leider nicht für möglich und verspielt damit ein echtes Netz.

    Update: Hier ist die Pressemitteilung des Digitale Gesellschaft e.V.: Vorbild Niederlande: Echtes Netz muss gesichert werden.

    (Ich hatte zuerst das niederländische System falsch eingeschätzt und von einer ersten Hürde gesprochen. Paul Keller wies in den Kommentaren daraufhin, dass dies der entscheidende Schritt war, kommende Woche wird das nur noch abgenickt.)

    9. Mai 2012 13
  • : ACTA: Anhörung im Deutschen Bundestag
    ACTA: Anhörung im Deutschen Bundestag

    Im Bundestag fand heute die Anhörung zur Petition gegen ACTA statt, die im Frühjahr dieses Jahres von 61.305 Bürgern mitgezeichnet wurde.

    Nachdem wir vorher unser großes Banner mit allen Mitzeichner-Namen drauf fotografiert hatten, sind wir zum Bundestag, um die Anhörung live zu verfolgen und darüber zu bloggen. Kaum sassen wir auf der Zuschauertribüne und hatten die Notebooks rausgeholt, wurden wir aufgefordert, diese wieder einzupacken. Denn Berichterstattung sei nur für akkreditierte Presse erlaubt. Da half auch mein herausgeholter Enquete-Hausausweis nichts, der zähle nicht in diesem Raum. Also Smartphone rausgeholt, was uns aber sofort die gelbe Karte durch den Saalwächter einbrachte. Ich war kurz davor, nach Hause zu gehen, um mir den Livestream anzuschauen, bis ich das Angebot bekam, unten im Saal hinter den Abgeordneten zu sitzen. Wir haben das Jahr 2012 und Bürger dürfen nicht von einer öffentlichen Anhörung twittern, die parallel an die Endgeräte gestreamt wird – vollkommen absurd!

    Der Petent Herbert Bredthauer erschien mit seinem Sohn und brachte in seinem Eingangsstatement alle relevanten Kritikpunkte an ACTA unter, die wir auch in unserem Flyer und unserer letzten Broschüre zusammengefasst haben. „Wer sich dagegen wehrt, ist kein Internetaktivist, sondern ein Demokrat. Und so sehen wir uns auch“, fasste Bredthauer seine Motivation zusammen. „Ich bin heute hier, um den Bundestag aufzufordern, dieses Abkommen nicht zu ratifizieren, damit dieses Abkommen in Europa nicht gültig wird.“

    7. Mai 2012 62
  • : Buch: Open Initiatives
    Buch: Open Initiatives

    Ein Nachtrag noch zur Reihe der rund um die re:publica erschienen Druckwerke zum netzpolitischen Themen: Ulrich Herb von der Wissenschaftsberatung scinoptica hat einen Sammelband mit dem Titel „Open Initiatives: Offenheit in der digitalen Welt und Wissenschaft“ herausgegeben, der versucht die wachsende Vielfalt an Open-Bewegungen zu erschließen. Im Vorwort heißt es dazu:

    Die Vorteile des offenen Zugangs zu Informationen liegen für Rufus Pollock von der Open Knowledge Foundation in gesteigerter Innovation, Effizienz und Transparenz. Obwohl alle der in diesem Buch vorgestellten Offenheitsinitiativen diese Prämisse weitgehend teilen, unterscheiden sie sich doch, teils ganz wesentlich, und dies sogar im Hinblick auf das Ausmaß an Offenheit, das sie zulassen wollen. Einige Artikel stellen Konzepte einzelner Initiativen für mehr Offenheit dar und illustrieren sie mit praktischen Anwendungen, andere diskutieren die rechtlichen Fesseln, die, wider den Willen der Informationsproduzenten, den Fluss der Informationen behindern. Andere Beiträge wiederum loten die Grenzen der Offenheit aus und versuchen die hagiographische Selbstbeschreibungen der Offenheitskonzepte zu relativieren oder analysieren Phänomene radikaler Offenheit wie WikiLeaks oder Anonymous.

    Unter den Autorinnen und Autoren der Beiträge finden sich unter anderem Creative-Commons-Jurist und netzpolitik.org-Kollege John Hendrik Weitzmann, IT-Journalistin Christiane Schulzki-Haddouti und der Historiker Eckhard Höffner, Autor von „Geschichte und Wesen des Urheberrechts“.

    Das Buch ist im Volltext online als PDF zugänglich, lässt sich aber auch auf Papier bestellen.

    6. Mai 2012 2
  • : Konstanz: Kollaboration im Netz – Zwischen Social Media & Protest
    Konstanz: Kollaboration im Netz – Zwischen Social Media & Protest

    Am Donnerstag, den 10. Mai findet um 19 Uhr im Wolkensteinsaal im Kulturzentrum am Münster in Konstanz die Veranstaltung „Kollaboration im Netz – Zwischen Social Media & Protest“ statt. Gast ist Philippe Aigrain, Mitgründer von La Quadrature du Net und Autor von „Sharing – Culture and the Economy in the Internet Age“, den ich auch schon mal für den Netzpolitik-Podcast interviewt habe. Der Eintritt ist frei.

    Aus der Ankündigung:

    Die transformative Kraft von Social Media und dem Web 2.0 zählt zu den zentralen Topoi des beginnenden 21. Jahrhunderts. Doch erst seit kurzem wird die Bandbreite sozialer Prozesse ersichtlich, die mit diesen neuen Medien und Technologien verbunden sind: Von der marktorientierten Aneignung und Einhegung des Internets durch Facebook und ähnlichen Unternehmen, hin zur kreativen Nutzung dieser Technologien in den Mobilisierungen zum Umsturz autoritärer Regime in Nordafrika.

    Um die Möglichkeiten und Widersprüche neuer kollaborativer Technologien des Internets besser verstehen zu können, wird Philippe Aigrain, Mitbegründer von «La Quadrature du Net», Informatiker und ehemaliger Leiter der Sektion «Software Technologien» der Europäischen Kommission seine Thesen zur Ökonomie des Teilens sowie zur aktuelle Debatte über geistiges Eigentum vorstellen.

    Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos. Anfahrtsinformationen sind auf der Seite des Kulturzentrums am Münster zu finden (http://www.konstanz.de/kulturzentrum/index.html)

    Nähere Informationen zur Veranstaltung: http://www.uni-konstanz.de/mki/

    2. Mai 2012
  • : Verhandlungen zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Verlegern gescheitert
    Verhandlungen zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Verlegern gescheitert

    Wie wir aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben, sind die Verhandlungen zwischen Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten und Verlegerverbänden gescheitert. Der Bundesverband der Zeitungsverleger (BDZV) hat sich aus den Verhandlungen zurückgezogen. Jetzt entscheiden die Gerichte über die Frage, wie viel die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten im Netz machen dürfen.

    Es ist zumindest ein gutes Zeichen, dass sich die Intendanten von ARD und ZDF nicht auf einen Deal eingelassen haben, bei dem sie ihr Angebot freiwillig beschneiden würden.

    Update: Der BDZV hat sich jetzt auch mit einer Pressemitteilung geäußert.

    „Es ist bedauerlich, dass die Selbstverständlichkeit einer Überprüfung des Textumfangs in gebührenfinanzierten Angeboten nicht allen Sendeanstalten vermittelbar ist“, meinte Heinen. Daher sehen sich die Zeitungsverlage veranlasst, die am 30. April 2012 ablaufende Frist zur Stellungnahme beim Landgericht Köln einzuhalten und die im vergangenen Jahr von ihnen angeschobene Klage gegen die umfangreichen Textinhalte der Tagesschau-App nunmehr fortzusetzen.

    Total bedauerlich, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen Sender nicht selbst ins Knie schießen wollen…

    30. April 2012 4
  • : Geistiges Eigentum in Zeiten der 3D-Drucker
    Geistiges Eigentum in Zeiten der 3D-Drucker

    Breitband auf Deutschlandradio Kultur hat gestern über „Geistiges Eigentum in Zeiten der 3D-Drucker – Ist die Urheberrechtsdebatte nur ein Vorgeschmack?“ berichtet.

    In der Industrie werden 3D-Drucker schon seit längerem eingesetzt. Auch für Zuhause gibt es schon einige Open-Source-Geräte, die immaterielle, digitale Designs per Knopfdruck in die Kohlenstoffwelt überführen. Der große Durchbruch der Technologie auf dem Massenmarkt blieb bisher aus. In diesem Jahr soll sich das ändern. Weltweit entstehen kleine Unternehmen, die ihre 3D-Drucker-Modelle im Crowdfunding-Prinzip an die bastelwillige Masse bringen wollen. Eine Verbreitung der Technologie könnte die Industrie und Produktion, sogar die Wirtschaft wie wir sie kennen, komplett verändern. Die Urheberrechtsdebatten der vergangenen Jahre wirken bei dieser Aussicht fast wie eine unterhaltsame Kurzgeschichte.

    Hier ist die MP3.

    Im Anschluß an den Bericht lief ein Gespräch mit Silke Helfrich über den Weg in eine Commons-Gesellschaft. Davon gibt es hier die MP3.

    Das Thema wird auch auf der re:publica´12 eine große Rolle spielen, u.a. mit mehreren Vorträgen am kommenden Freitag.

    29. April 2012 21
  • : Robotron – Elektronengehirne für die DDR
    Robotron – Elektronengehirne für die DDR

    „Hightech made in GDR“ ist eine mdr-Doku über Digitalisierung in der DDR – oder: die Robotroner und der Versuch aufzuholen. Ehemalige Techniker, Ingenieure und Arbeiter geben spannende Einblicke in das, was an moderner Technik im Sozialismus möglich war. Alleine schon wegen des vielen Archivmaterials mit selbstgedrehten Aufnahmen der Ingenieure – äußerst sehenswert.

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    27. April 2012 9
  • : US-Repräsentantenhaus beschließt CISPA
    US-Repräsentantenhaus beschließt CISPA

    Das US-Repräsentantenhaus hat vergangene Nacht den Cyber Intelligence Sharing and Protection Act (CISPA) beschlossen. Die EFF kritisiert die Entscheidung und hofft jetzt darauf, dass der US-Senat das Überwachungsgesetz noch stoppen kann: EFF Condemns CISPA, Vows to Take Fight to the Senate.

    „As the Senate takes up the issue of cybersecurity in the coming weeks, civil liberties will be a central issue. We must do everything within our power to safeguard the privacy rights of individual Internet users and ensure that Congress does not sacrifice those rights in a rush to pass vaguely-worded cybersecurity bills,“ said Lee Tien, EFF Senior Staff Attorney.

    „Hundreds of thousands of Internet users spoke out against this bill, and their numbers will only grow as we move this debate to the Senate. We will not stand idly by as the basic freedoms to read and speak online without the shadow of government surveillance are endangered by such overbroad legislative proposals,“ said Rainey Reitman, EFF Activism Director.

    US-Präsident Barack Obama hat bereits angekündigt, sein Veto bei CISPA einlegen zu wollen.

    Viele kritische stimmen zu CISPA hatte die EFF im Vorfeld hier zusammen gestellt: Voices of Opposition Against CISPA.

    Gestern sendete DemocracyNow ein Interview mit Jacob Appelbaum zum Thema: Targeted Hacker Jacob Appelbaum on CISPA, Surveillance and the „Militarization of Cyberspace“.

    Hier klicken, um den Inhalt von www.democracynow.org anzuzeigen.

    Computer security researcher Jacob Appelbaum argues the measures included in the proposed Cyber Intelligence Sharing and Protection Act (CISPA) would essentially legalize military surveillance of U.S. citizens. „When they want to dramatically expand their ability to do these things in a so-called legal manner, it’s important to note what they’re trying to do is to legalize what they have already been doing,“ Appelbaum says. He is a developer and advocate for the Tor Project, a network enabling its users to communicate anonymously on the internet, and has volunteered with WikiLeaks. [includes rush transcript]

    Jacob Appelbaum wird auch kommende Woche auf der re:publica zum Thema sprechen: Resisting the Surveillance State and its network effects.

    (*Zuerst hatte ich US-Kongress geschrieben. Das war falsch, gemeint war das US-Repräsentantenhaus)

    27. April 2012 16
  • : Sven verstehen helfen
    Sven verstehen helfen

    Sven Regener hat sich im Ton vergriffen, da sind sich die meisten einig. Er musste für Remixes und böse Kommentare herhalten. 51 von über 350 400 Tatortautoren haben sich zu einem etwas seltsamen offenen Brief hinreißen lassen, der wiederum vom CCC süffisant beantwortet wurde. Und inzwischen thematisiert sogar Sat 1 das GEMA-YouTube-Urteil eines Landgerichts. Trotzdem redet man meist aneinander vorbei, manche pöbeln, viele schimpfen und fast alle argumentieren einseitig. Währenddessen bastelt die Bundesregierung an einem neuen Leistungsschutzrecht und einem 3. Korb zum Urheberrechtsgesetz – oder auch nicht, wer weiß das schon. Alle sind irgendwie dialogbereit, aber irgendwie auch unbelehrbar. Das muss doch nicht sein.

    26. April 2012 13
  • : Extra3: Piratenpartei für Einsteiger
    Extra3: Piratenpartei für Einsteiger

    Wer sich schon immer fragte, wie denn der durchschnittliche Pirat aussieht und wie er politisch arbeitet: Extra3 hat das mal komprimiert zusammen gefasst.

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    26. April 2012 18
  • : ACTA noch nicht so ganz vor dem Aus
    ACTA noch nicht so ganz vor dem Aus

    Manche fragen sich vielleicht, warum hier immer noch so viel über ACTA berichtet wird und die Kampagnen weitergehen – das umstrittene Abkommen wurde seit den Protesten im Februar schon mehrmals für tot erklärt. Wir können und sollten uns aber nicht zu früh freuen. Denn ACTA ist noch längst nicht durch das EU-Parlament und wird in dieser Woche dort in einigen Ausschüssen und Pressekonferenzen diskutiert. Die Mehrheit gegen das Abkommen ist im Parlament nicht so klar wie viele annehmen, die Pro-ACTA-Lobby zieht alle Register.

    Mittlerweile haben die größten Fraktionen im EU-Parlament ihre Position zu ACTA bekannt gemacht. Die Sozialisten und Demokraten (S&D) haben schon vor zwei Wochen Stellung bezogen, und das Abkommen kritisiert. In zwei Pressekonferenzen haben sich nun gestern auch die Liberalen (ALDE) gegen, die Konservativen (EVP) jedoch für das Abkommen ausgesprochen.

    Im Industrie-Ausschuss (ITRE) sah es in dieser Woche ganz so aus, als würden sich viele Abgeordnete von den doch recht oberflächlichen Schreiben der Pro-ACTA-Lobby beeinflussen lassen. Anlässlich der heutigen Sitzung des Rechtsausschusses (JURI) rief die europäische Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern Eurochambres alle EU-Abgeordneten des Ausschusses in einem Schreiben (pdf) dazu auf, nicht auf die Desinformation der ACTA-Gegner zu hören und die Stellungnahme der französischen Abgeordneten Gallo, vehemente Verfechterin aller repressiven Maßnahmen, zu unterstützen. Gallo’s Stellungnahme spricht sich eindeutig für die Annahme des Abkommens aus und sollte heute eigentlich im dem Ausschuss diskutiert werden. Allerdings werden sich die Abgeordneten wohl auf eine einmonatige Verschiebung einigen. Die ACTA-Befürworter versuchen immer noch, mit Verzögerungen der Anti-ACTA-Bewegung die Luft zu nehmen.

    ACTA ist also noch lange nicht vor dem Aus. Wenn man den Stand im Parlament durchrechnet, kommt man lediglich auf eine kleine Mehrheit gegen das Abkommen. Im Parlament sind viele Abgeordneten der großen EVP-Fraktion bereit, dem Abkommen zu zustimmen, sollte die EU-Kommission den Parlamentariern versichern, dass die Umsetzung in Europa “grundrechtschonend” vonstatten geht. Eine solche Erklärung seitens der Kommission wird aber nicht verbindlich sein. Die Kommission kann zudem keine gültigen Versprechungen machen, da mit ACTA die Rechtsdurchsetzung durch private Unternehmen gefördert werden soll.

    Die ACTA-Unterstützer im Parlament wiederholen derzeit bei jeder Gelegenheit, dass ACTA-Gegner ja für eine Kostenloskultur im Internet seien, dass Desinformation betrieben würde… Dies ist recht dreist, wenn man sich die lange Liste der Organisationen und Institutionen anschaut, die ACTA kritisiert haben: Von den Sakharov-Preisträgern, über die OSZE, den EU Wirtschafts- und Sozialausschuss (.doc, 4.5.4), den UN Menschenrechts-Beauftragten (pdf), die Internet Society, Amnesty International, ETNO, EuroISPA und die Junge Union… bis hin zur jüngsten Stellungnahme des EU-Datenschutzbeauftragten (pdf).

    Die Sorgen derjenigen, die schon im Februar auf die Straßen gegangen sind und jetzt am 9. Juni bereit sind, weiter zu demonstrieren, sind also berechtigt und können nicht einfach mit dem Argument der Desinformation weggewischt werden. Die ACTA-Befürworter im Parlament hoffen weiterhin darauf, dass der Druck aus der Zivilbevölkerung nachlässt… und Kritiker in den eigenen Reihen mit nichtssagenden Zusicherungen der EU-Kommission beruhigen zu können.

    26. April 2012 14
  • : Sagt dem EU-Parlament Eure Meinung zu ACTA
    SchulzFB
    Sagt dem EU-Parlament Eure Meinung zu ACTA

    SchulzFB Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments will Eure Meinung zum umstrittenen ACTA-Abkommen hören und organisiert hierfür am Donnerstag, den 26. April, ab 14:30Uhr einen Facebook-Chat. Martin Schulz gehört der sozialdemokratischen Fraktion des Parlaments an, die sich bereits gegen das Abkommen ausgesprochen haben.

    Sollten die Tweets des liberalen EU-Abgeordneten Alexander Alvaro stimmen, dann wird sich auch bald die liberale ALDE-Fraktion den ACTA-Gegnern im Parlament anschliessen. Dies wird sich vermutlich heute gegen 14:30 Uhr in einer Pressekonferenz der Liberalen bestätigen.

     

    25. April 2012 22
  • : EU: Liberale gegen ACTA
    EU: Liberale gegen ACTA

    Der FDP-Europaabgeordnete Alexander Alvaro twitterte eben, dass die liberale Fraktion im Europaparlament gegen ACTA stimmen wird.

    #Liberale im #EP werden #ACTA ablehnen – somit gibt es im EP keine Mehrheit mehr für das Abkommen. http://t.co/gaqDDuZI

    Für Morgen ist um 14:30 Uhr eine Pressekonferenz der liberalen Fraktion zum Thema angesetzt. Dieser Schritt ist erfreulich. Ob damit die Mehrheit im Europaparlament für ACTA tatsächlich schon gekippt ist, wird sich noch zeigen, ich bin da immer noch skeptisch. Auch wenn Linke, Grüne, Sozialdemokraten und Liberale, die zusammen 48% der Mandate im Parlament haben, sich gegen ACTA aussprechen sollte man bedenken: Es gibt keinen Fraktionszwang und viele Ländergruppen einzelner Fraktionen stimmen gerne anders ab, wie z.B. vermutlich die spanischen Sozialdemokraten pro ACTA. Und auch die Liberalen werden sicher nicht geschlossen gegen ACTA stimmen. Gleichzeitig dominieren die Konservativen das Parlament und die sind immer noch für ACTA (Wenngleich auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen).

    Insofern ist das eine gute Entwicklung, aber noch ist keine Zeit für eine Entwarnung und wir haben ACTA auch noch nicht verhindert. Entscheidend ist, was zum Schluss bei der Abstimmung herauskommt und bis dahin kann sich noch viel ändern!

    24. April 2012 5
  • : Twittert Eure Fragen nach Brüssel
    Twittert Eure Fragen nach Brüssel

    Heute von 10:00 bis 12:00 Uhr könnt Ihr Eure Fragen zur Wirtschafts- und Finanzkrise an hochrangige Brüsseler Politiker twittern. Das Thema der EU-Ombudsmann Veranstaltung ist: „Europa in der Krise: Wie kann das Vertrauen der Bürger gewonnen werden?“

    Mit dem Hashtag #EO2012 könnt Ihr Eure Tweets an José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments und Helle Thorning-Schmidt, dänische Premierministerin und Vorsitzende der EU-Ratspräsidentschaft, schicken.

    Die Veranstaltung wird live im Internet übertragen unter: http://www.ombudsman.europa.eu/de/home.faces

    24. April 2012
  • : Sat1-Talk zur Frage „Sind im Internet zu viele Diebe unterwegs?“ [Update]
    Sat1-Talk zur Frage „Sind im Internet zu viele Diebe unterwegs?“ [Update]

    Über Vermittlung der digiges darf ich heute Abend um 23.30 auf Sat1 als Ersatz für die erkrankte Anke Domscheit-Berg bei der Talk-Show „Eins gegen Eins“ mitdiskutieren zum Thema „Musik, Filme, Fotos – Sind im Internet zu viele Diebe unterwegs?“ In der Ankündigung zur Sendung heißt es:

     „Im Mai werden sie wieder zu Hunderttausenden auf die Straßen gehen: die Gegner des ACTA-Abkommens. Sie wollen nicht akzeptieren, dass die Freiheit im Netz durch die Stärkung der Urheberrechte eingeschränkt wird. Doch genau das sieht das Antipiraterie-Abkommen, über das im Juni im EU-Parlament abgestimmt wird, vor. Eine weitere wegweisende Entscheidung wird jedoch bereits erwartet: das Urteil im Rechtsstreit zwischen der GEMA und dem Online-Clipportal YouTube.“
    Die Sendung wurde aufgezeichnet, weitere Diskutanten waren Tobias Künzel („Die Prinzen“ und Mitglied des GEMA-Aufsichtsrats), Medienanwalt Prof. Jan Hegemann und der musikproduzierende Pirat Bruno Kramm. Gemeinsam mit Kramm habe ich dort, wenig überraschend, die titelgebende Frage verneint.
    Die Sendung funktioniert so, dass die Saalzuschauer vor Beginn der Sendung über die titelgebende Frage abstimmen und dann am Ende nach der Diskussion noch einmal. Das Ergebnis bzw. die Differenz wird erst am Ende der Sendung bekanntgegeben.
    [Update] Mittlerweile und voraussichtlich für eine Woche ist die Sendung als Stream in voller Länge online. [/Update]
    23. April 2012 25
  • : Die Kunst der Kopie
    Die Kunst der Kopie

    Die Tagesschau brachte gerade einen interessanten Beitrag über die Austellung „Déjà-vu? – Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube“ in der Kunsthalle Karlsruhe.

    Im Ausstellungs-Flyer heißt es dazu:

    Kompositionen von bekannten Meistern wie Albrecht Dürer oder Rubens wurden zu allen Zeiten von anderen zum Vorbild genommen und kopiert. Und selbst diese berühmten Künstler haben sich im Lauf ihrer Karriere immer wieder Werke anderer zu eigen gemacht. Um die verschiedenen Facetten und Bedeutungen der Kopie darzustellen, spannt die Ausstellung erstmals den Bogen von der Kunst des späten Mittelalters über die Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst und zur Welt des Internet.

    Die Ausstellung eröffnet morgen, am 20. April, um 19:00 und läuft vom 21. April bis zum 5. August.

    Die Kunsthalle selbst stellt die Ausstellung in diesem Video vor:

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    19. April 2012 5
  • : Lesestoff: Was übrig blieb
    Lesestoff: Was übrig blieb

    Mal wieder sind einige Sachen aufgelaufen, wofür die Zeit zum ordentlich einzeln verbloggen gefehlt hat. Ideen für einen optimistischeren Namen dieser Kategorie nehmen wir in den Kommentaren gerne entgegen.

    Christian Stöcker: Das Internet ist totalitär – Spiegel Online

    Wenn derzeit also über die vermeintlich allzu große Freiheit im Internet diskutiert wird, darf man eines nicht aus den Augen verlieren: Es gibt eben doch einen zentralen Unterschied zwischen der realen Welt und der digitalen. Im Netz ist absolute Rechtsdurchsetzung möglich. Aber ist sie wünschenswert?

    Jürgen Scheele: Siegfried Kauder plädiert jetzt für Two-Strikes – Three-Strikes bleibt Option – Digitale Linke

    „Natürlich darf man jemanden aus dem Internet aussperren, das ist aber politisch nicht umsetzbar und vielleicht auch nicht effektiv. Man geht hier aber den Netzpolitikern immer mehr auf den Leim. Aber wenn man A sagt, muss man auch B sagen. Das Zweistufenmodell kann nicht bedeuten, dass man zwei Stufen zündet und dann alles im Sande verlaufen lässt. Dann müssen Anzeigen auch konsequent verfolgt werden.“

    Christoph Kappes: Kopiermaschine Internet – Spiegel Online

    Es bleibt die Frage, ob die Idee einer „geistigen Verbindung“ zwischen Werk und Urheber noch in das Zeitalter postindustrieller Inhalteproduktion passt. Für alltägliche Zwecke ist es gut, wenn Information ohne Aufwand im Internet fließt, damit das Leben fließen kann, wie es bisher mündlich der Fall war. Aufsagen, Zitieren, Vorspielen und „Mitgeben“ sind aus diesem Grund erlaubt.

    Sascha Lobo: Euer Internet ist nur geborgt – Spiegel Online

    Wer Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke nutzt, ist im Netz nicht wirklich frei. All diese Dienste können von den Betreibern jederzeit verändert, verkauft, zensiert, geschlossen werden. Wer wirklich frei im Internet veröffentlichen will, braucht eine eigene Website.

    Ian Katz: Tim Berners-Lee urges government to stop the snooping bill – The Guardian

    Sir Tim Berners-Lee, who serves as an adviser to the government on how to make public data more accessible, says the extension of the state’s surveillance powers would be a „destruction of human rights“ and would make a huge amount of highly intimate information vulnerable to theft or release by corrupt officials. In an interview with the Guardian, Berners-Lee said: „The amount of control you have over somebody if you can monitor internet activity is amazing.

    „You get to know every detail, you get to know, in a way, more intimate details about their life than any person that they talk to because often people will confide in the internet as they find their way through medical websites … or as an adolescent finds their way through a website about homosexuality, wondering what they are and whether they should talk to people about it.“

    Jacob Appelbaum: Ultrasurf: the definitive review – The Tor Blog

    Ultrasurf is software produced by the UltraReach company for censorship circumvention, privacy, security and anonymity. Unfortunately for them, I found their claims to be overstated and I found a number of serious problems with Ultrasurf.

    Michael Joseph Gross: World War 3.0 – Vanity Fair

    When the Internet was created, decades ago, one thing was inevitable: the war today over how (or whether) to control it, and who should have that power. Battle lines have been drawn between repressive regimes and Western democracies, corporations and customers, hackers and law enforcement. Looking toward a year-end negotiation in Dubai, where 193 nations will gather to revise a U.N. treaty concerning the Internet, Michael Joseph Gross lays out the stakes in a conflict that could split the virtual world as we know it.

    Cindy Cohn, Trevor Timm, & Jillian C. York: Human Rights and Technology Sales – Electronic Frontier Foundation

    Below, we outline a basic proposal for companies to audit their current and potential governmental customers in an effort to prevent their technologies and services from being used for human rights abuses. It has two key components: transparency and “know your customer” standards. The same basic proposal could be implemented through voluntary action, governmental or other incentives or regulatory or legal frameworks. Regardless of how it is implemented, however, we believe this framework can help both the public and the companies get a clearer picture of who is using these technologies and how they are being used and then take some basic steps to prevent horrible outcomes like the ones we’ve witnessed.

    18. April 2012 9
  • : Yasni: Reputationsmanagement geht gründlich daneben
    Yasni: Reputationsmanagement geht gründlich daneben

    Für alle, die noch nie von Yasni gehört haben: Das ist eine sogenannte Personensuchmaschine, die die Trefferlisten vieler richtiger Suchmaschinen mit seltsam zusammenaggregiertem Datenmüll vollspamt. Linus nannte den „Dienst“ vor einiger Zeit liebevoll eine „juckende, eitrige Krätze für Suchmaschinen“. Lustiger Weise behauptet die Firma von sich, Reputationsmanagement betreiben zu können – zieht aber selbst Hass und Spott im Internet auf sich, wie ansonsten vielleicht noch Hans-Peter Uhl und Jimmy Blue.

    Für alle, die noch nie von Wikipedia gehört haben oder bis heute nicht verstanden haben, wie das funktioniert: Es handelt sich um ein Projekt zum Aufbau einer freien Enzyklopädie, das vom Internet ermöglicht wird und an dem sich prinzipiell jeder beteiligen kann.

    Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Nun, Yasni hat einen Wikipedia-Artikel. Zugegebenermaßen keinen besonders guten – der Geschichtsabschnitt besteht aus einer Meilenstein-Liste, die Funktionen werden in etwas zu liebevoller Sprache dargestellt, die Yasni als großzügig und selbstlos erscheinen lässt (Yasni ermöglicht, Yasni erlaubt, kostenlos etc.), und der Kritik-Abschnitt ist selbst durchaus kritikwürdig. Woran, wie bei jedem Wikipedia-Artikel, nicht in erster Linie die Autoren Schuld sind, sondern jeder, der nichts tut. Mit einer Ausnahme vielleicht:

    18. April 2012 19