Generell

Lesestoff: Was übrig blieb

Mal wieder sind einige Sachen aufgelaufen, wofür die Zeit zum ordentlich einzeln verbloggen gefehlt hat. Ideen für einen optimistischeren Namen dieser Kategorie nehmen wir in den Kommentaren gerne entgegen.


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

Christian Stöcker: Das Internet ist totalitär – Spiegel Online

Wenn derzeit also über die vermeintlich allzu große Freiheit im Internet diskutiert wird, darf man eines nicht aus den Augen verlieren: Es gibt eben doch einen zentralen Unterschied zwischen der realen Welt und der digitalen. Im Netz ist absolute Rechtsdurchsetzung möglich. Aber ist sie wünschenswert?

Jürgen Scheele: Siegfried Kauder plädiert jetzt für Two-Strikes – Three-Strikes bleibt Option – Digitale Linke

„Natürlich darf man jemanden aus dem Internet aussperren, das ist aber politisch nicht umsetzbar und vielleicht auch nicht effektiv. Man geht hier aber den Netzpolitikern immer mehr auf den Leim. Aber wenn man A sagt, muss man auch B sagen. Das Zweistufenmodell kann nicht bedeuten, dass man zwei Stufen zündet und dann alles im Sande verlaufen lässt. Dann müssen Anzeigen auch konsequent verfolgt werden.“

Christoph Kappes: Kopiermaschine Internet – Spiegel Online

Es bleibt die Frage, ob die Idee einer „geistigen Verbindung“ zwischen Werk und Urheber noch in das Zeitalter postindustrieller Inhalteproduktion passt. Für alltägliche Zwecke ist es gut, wenn Information ohne Aufwand im Internet fließt, damit das Leben fließen kann, wie es bisher mündlich der Fall war. Aufsagen, Zitieren, Vorspielen und „Mitgeben“ sind aus diesem Grund erlaubt.

Sascha Lobo: Euer Internet ist nur geborgt – Spiegel Online

Wer Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke nutzt, ist im Netz nicht wirklich frei. All diese Dienste können von den Betreibern jederzeit verändert, verkauft, zensiert, geschlossen werden. Wer wirklich frei im Internet veröffentlichen will, braucht eine eigene Website.

Ian Katz: Tim Berners-Lee urges government to stop the snooping bill – The Guardian

Sir Tim Berners-Lee, who serves as an adviser to the government on how to make public data more accessible, says the extension of the state’s surveillance powers would be a „destruction of human rights“ and would make a huge amount of highly intimate information vulnerable to theft or release by corrupt officials. In an interview with the Guardian, Berners-Lee said: „The amount of control you have over somebody if you can monitor internet activity is amazing.

„You get to know every detail, you get to know, in a way, more intimate details about their life than any person that they talk to because often people will confide in the internet as they find their way through medical websites … or as an adolescent finds their way through a website about homosexuality, wondering what they are and whether they should talk to people about it.“

Jacob Appelbaum: Ultrasurf: the definitive review – The Tor Blog

Ultrasurf is software produced by the UltraReach company for censorship circumvention, privacy, security and anonymity. Unfortunately for them, I found their claims to be overstated and I found a number of serious problems with Ultrasurf.

Michael Joseph Gross: World War 3.0 – Vanity Fair

When the Internet was created, decades ago, one thing was inevitable: the war today over how (or whether) to control it, and who should have that power. Battle lines have been drawn between repressive regimes and Western democracies, corporations and customers, hackers and law enforcement. Looking toward a year-end negotiation in Dubai, where 193 nations will gather to revise a U.N. treaty concerning the Internet, Michael Joseph Gross lays out the stakes in a conflict that could split the virtual world as we know it.

Cindy Cohn, Trevor Timm, & Jillian C. York: Human Rights and Technology Sales – Electronic Frontier Foundation

Below, we outline a basic proposal for companies to audit their current and potential governmental customers in an effort to prevent their technologies and services from being used for human rights abuses. It has two key components: transparency and “know your customer” standards. The same basic proposal could be implemented through voluntary action, governmental or other incentives or regulatory or legal frameworks. Regardless of how it is implemented, however, we believe this framework can help both the public and the companies get a clearer picture of who is using these technologies and how they are being used and then take some basic steps to prevent horrible outcomes like the ones we’ve witnessed.

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9 Kommentare
  1. Den Kommentar zur Vorratsdatenspeicherung aus der Tagesthemen gestern Abend 22:15 Uhr sollte man sich auch mal genüsslich zu Gemüte führen (im Multimedia-Archiv online). Sinngemäß etwa: „Während die sich alle die Köpfe einschlagen werden wir von bösen Terroristen weggebombt.“ Da fällt einem echt nichts mehr ein …

    1. Leider nichts neues:

      http://www.daten-speicherung.de/index.php/ard-politkampagne-fur-vorratsdatenspeicherung/

      (Eine illustre Zusammenstellung des Kampagnenjournalismus von ARD und ZDF, die bei weitem nicht vollständig ist.)

      Immerhin auf PHOENIX hatte man gestern jemanden aus der IT-Branche zu Gast, der die großen Kritikpunkte (u.a. befürchtete Ausweitung auf Bagatelldelikte, Anlaßlosigkeit/Verdachtsunabhängigkeit der Vorratsdatenspeicherung, Fehleranfälligkeit/Unsicherheiten bei IP-Ermittlung, Mißbrauchspotential durchs In-die-falschen-Hände-geraten) nannte und doch recht deutlich machte, daß das vom Bundesinnenministerium Geforderte jedes vernünftige Maß von Verhältnismäßigkeit übersteigt.

      Peinlich, wie der hilflose und sich offenbar kein bißchen ins Thema eingearbeitete Moderator immer wieder versuchte, die Gefahr der MILLIONEN (!!1!) an zu erwartenden Strafzahlungen anzuführen. Ach so, nicht zu vergessen: die Strafermittlungsbehörden! Und nochmal. Und nochmal. Die wünschten sich doch. Sie seien doch angewiesen. Und der ganze Terror!

      Herr Witthaut durfte in einem Einspieler dann wieder seine Phantasiezahlen der durch das Fehlen einer Vorratsdatenspeicherung unaufgeklärten Straftaten trompeten. Von gegenteiligen Studien war selbstverständlich nicht einmal im Ansatz die Rede. Seltsam, daß von dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei die eigentlich von ihm zu erwartenden Themen – zumindest in der Öffentlichkeit – und keine Rolle zu spielen scheinen. Ihn selbst scheint das nicht zu stören.

      Gefehlt hätte nur noch der unsägliche Ziercke.

  2. Aus dem Kauderinterview:
    „Das Justizministerium sucht einen anderen Weg, die Abmahnkosten generell für alle Bereiche zu senken. Da werden sicher bald die Anwälte protestieren.“

    Heisst das, das die Abmankosten deswegen hoch bleiben muessen, damit ein paar Anwaelte gut verdienen koennen?

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