KW 45: Die Woche, in der die Welt gegen Rechenzentren aufbegehrte

Die 45. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 21 neue Texte mit insgesamt 128.008 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.

  • Martin Schwarzbeck
– : Fraktal, generiert mit MandelBrowser von Tomasz Śmigielski

Liebe Leser*innen,

Donald Trumps aktuelle Amtszeit ist gekennzeichnet von einer intensiven Beziehung zwischen Regierung und Big Tech. Also jenen Unternehmen, die gerade in vielen Gegenden der USA in megalomanischen Bauprojekten Riesen-Rechenzentren hochziehen wollen, die sie oft mit eigenen Erdgaskraftwerken antreiben, teils sogar mit ausrangierten Flugzeugturbinen.

Die Rechenzentren sind laut, schaden der Umwelt, machen in der Umgebung den Strom teurer, saugen die Wasserreserven ab und ihr Betrieb schafft so gut wie keine Jobs. Absolut verständlich also, dass in vielen Regionen der USA Widerstandsbewegungen entstanden sind, die sich teils sogar erfolgreich den Projekten entgegenstellen.

Als diese Woche die US-Wähler*innen in den Midterm-Wahlen die Republikaner unter Donald Trump hart abstraften, war das auch die Rechnung für den Dauer-Engtanz mit den großen Digitalkonzernen. Wähler*innen machen sich Sorgen, wo die Entwicklung hinführen soll: Die Machtkonzentration, der naive Fortschrittsglaube, die immer größere KI-Blase.

In vielen Regionen waren die Rechenzentren zum Wahlkampfthema geworden – als anschauliches Beispiel für den exzessiven Expansionsdrang der Unternehmen. An vielen Orten wurden mit den Republikanern auch die Computerhallen abgewählt.

Proteste auch in Deutschland

Auch in Deutschland ist der Hype rund um KI immens, und damit auch der Bedarf nach Rechenzentren. KI werde die deutsche Wirtschaft retten, hofft zumindest die Bundesregierung. Bis 2030 soll auch dafür die Rechenzentrums-Kapazität mehr als verdoppelt werden. Was das für den Wasserverbrauch bedeutet: fraglich und intransparent, wie Forscher diese Woche in einer von Greenpeace beauftragten Studie gewarnt haben.

Doch auch in Deutschland regt sich Widerstand. In diesen Tagen haben sich Menschen zu Protesten und Aktionen gegen Rechenzentrums-Bauprojekte in vielen europäischen Hauptstädten verabredet – auch in Berlin. Kollegin Muna hat die Protestierenden an der Baustelle eines Riesen-Rechenzentrums getroffen.

Mich stimmt diese Bewegung zuversichtlich. Ich stehe den allermeisten KI-Projekten und demnach auch einem Großteil der Rechenzentren hochkritisch gegenüber, aus einer ganzen Reihe von Gründen. Zu sehen, dass ich damit nicht alleine bin, macht mich wirklich froh.

Viel Spaß beim Lesen!

Martin

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Eine neue Form der anlasslosen Massenüberwachung steht bundesweit vor der Tür. Mit KI-gestützter Videoüberwachung sollen Handy-Sünder am Steuer überführt werden. Doch Datenschützer warnen schon lange, dass die Systeme auch für anderes nutzbar wären.

Digitalgipfel: Im Takt der Wirtschaft

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Digitalpolitik in Armenien: Transparenz in Krisenzeiten

Armenien erlebte in den vergangenen Jahren Krieg, Krisen und Revolution. Währenddessen blieben Gesetze zur Informationsfreiheit bestehen. Bei einem Ortsbesuch berichten Aktivist:innen und Medienschaffende aus dem Kaukasus-Land, wie sie sich für Transparenz engagieren und was sie sich für die Zukunft wünschen.

Digitalgipfel: KI-Torschlusspanik

Künstliche Intelligenz als Treiber für die Wirtschaft: Das war das bestimmende Thema des diesjährigen Digitalgipfels. Dabei ist vor allem der öffentliche Sektor als Markt attraktiv, allen voran die öffentliche Verwaltung.

Bezahlkarte für Asylsuchende: Berlin setzt Bargeld-Obergrenze aus

In Berlin soll es vorerst keine Bargeld-Obergrenze für Geflüchtete mehr geben, die eine Bezahlkarte nutzen müssen. Der Flüchtlingsrat Berlin nennt das einen „Teilerfolg auf einem längeren Weg“. Ob die diskriminierenden Bezahlkarten in der Hauptstadt wieder abgeschafft werden, hängt auch von den Koalitionsverhandlungen ab.

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London, Paris, Berlin: Action Against Data Centers Goes Europe-Wide This Weekend

Civil society groups are calling for an immediate moratorium on large data centers in Europe. The initiative „Stop Dirty Data Centres” is planning protests and community-led actions on November 6 and 7. A protest against a data centre in south Berlin is taking place on Friday.

Breitbandausbau: Die schwierigen letzten Meter

Immer mehr moderne Glasfaserleitungen liegen bereits im Boden, enden aber bei der Bordsteinkante. Bis zum Anschluss in der Wohnung fehlen oft nur wenige Meter. Derzeit berät der Bundestag, wie sich diese Strecke überwinden lässt.

Analyse zu den Midterms: Wie sich Elon Musk in beide Knie schoss

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Rabbit-Hole-Effekt: EU-Kommission hält TikTok-Feed für schädlich

TikToks Empfehlungssystem kann Nutzer:innen schaden, hat die EU-Kommission heute vorläufig festgestellt. Der personalisierte Feed zeige Menschen immer mehr von dem, was sie zu interessieren scheint – auch wenn es dabei um psychische Probleme geht. Brüssel verlangt deswegen grundlegende Änderungen.

“Too Fast, Too Big”: Activists Across Europe Challenge Data Center Rush

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„Zu schnell, zu groß“: Protestierende in ganz Europa kämpfen gegen den Rechenzentrums-Boom

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Über die Autor:innen

  • Martin Schwarzbeck

    Martin ist seit 2024 Redakteur bei netzpolitik.org. Er hat Soziologie studiert, als Journalist für zahlreiche Medien gearbeitet, von ARD bis taz, und war lange Redakteur bei Berliner Stadtmagazinen, wo er oft Digitalthemen aufgegriffen hat. Martin interessiert sich für Machtstrukturen und die Beziehungen zwischen Menschen und Staaten und Menschen und Konzernen. Ein Fokus dabei sind Techniken und Systeme der Überwachung. Für Recherchen zur Spionage-App mSpy hat er gemeinsam mit Chris Köver 2026 den Sonderpreis Print des Datenschutz Medienpreises DAME erhalten.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Signal: yoshi.42042


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