Liebe Leser*innen,
Donald Trumps aktuelle Amtszeit ist gekennzeichnet von einer intensiven Beziehung zwischen Regierung und Big Tech. Also jenen Unternehmen, die gerade in vielen Gegenden der USA in megalomanischen Bauprojekten Riesen-Rechenzentren hochziehen wollen, die sie oft mit eigenen Erdgaskraftwerken antreiben, teils sogar mit ausrangierten Flugzeugturbinen.
Die Rechenzentren sind laut, schaden der Umwelt, machen in der Umgebung den Strom teurer, saugen die Wasserreserven ab und ihr Betrieb schafft so gut wie keine Jobs. Absolut verständlich also, dass in vielen Regionen der USA Widerstandsbewegungen entstanden sind, die sich teils sogar erfolgreich den Projekten entgegenstellen.
Als diese Woche die US-Wähler*innen in den Midterm-Wahlen die Republikaner unter Donald Trump hart abstraften, war das auch die Rechnung für den Dauer-Engtanz mit den großen Digitalkonzernen. Wähler*innen machen sich Sorgen, wo die Entwicklung hinführen soll: Die Machtkonzentration, der naive Fortschrittsglaube, die immer größere KI-Blase.
In vielen Regionen waren die Rechenzentren zum Wahlkampfthema geworden – als anschauliches Beispiel für den exzessiven Expansionsdrang der Unternehmen. An vielen Orten wurden mit den Republikanern auch die Computerhallen abgewählt.
Proteste auch in Deutschland
Auch in Deutschland ist der Hype rund um KI immens, und damit auch der Bedarf nach Rechenzentren. KI werde die deutsche Wirtschaft retten, hofft zumindest die Bundesregierung. Bis 2030 soll auch dafür die Rechenzentrums-Kapazität mehr als verdoppelt werden. Was das für den Wasserverbrauch bedeutet: fraglich und intransparent, wie Forscher diese Woche in einer von Greenpeace beauftragten Studie gewarnt haben.
Doch auch in Deutschland regt sich Widerstand. In diesen Tagen haben sich Menschen zu Protesten und Aktionen gegen Rechenzentrums-Bauprojekte in vielen europäischen Hauptstädten verabredet – auch in Berlin. Kollegin Muna hat die Protestierenden an der Baustelle eines Riesen-Rechenzentrums getroffen.
Mich stimmt diese Bewegung zuversichtlich. Ich stehe den allermeisten KI-Projekten und demnach auch einem Großteil der Rechenzentren hochkritisch gegenüber, aus einer ganzen Reihe von Gründen. Zu sehen, dass ich damit nicht alleine bin, macht mich wirklich froh.
Viel Spaß beim Lesen!
Martin

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