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Greenpeace-Studie: Bau von Riesen-Rechenzentren könnte Wasserverbrauch mehr als verdoppeln

Neben Strom verbrauchen Rechenzentren große Mengen Wasser. Die Bundesregierung will sie im Zuge des KI-Hypes massiv ausbauen – ohne Angaben zum Wasserverbrauch. Nun liefern Forscher eine erste Schätzung und kritisieren die mangelnde Transparenz der Branche.

  • Ingo Dachwitz
Baustelle Rechenzentrum Luftbild, fortgeschrittene Baustelle eines Rechenzentrums in Lübbenau, Spreewald
Baustelle eines Rechenzentrums in Lübbenau, Spreewald, in dem 100.000 KI-Chips mit einer Anschlussleistung von rund 200 Megawatt verbaut werden sollen. – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / Jochen Heckel

Wie viel Wasser verbrauchen Rechenzentren in Deutschland? Recherchen von netzpolitik.org hatten im Sommer gezeigt, dass die Bundesregierung dazu keine zuverlässigen Angaben machen kann – auch nicht zu den Folgen ihrer Ausbaupläne, denen zufolge die Kapazitäten bis 2030 mehr als verdoppelt werden sollen. Nun hat das Öko-Institut im Auftrag von Greenpeace auf Basis neuer Zahlen erstmals eine Schätzung vorgenommen.

Der Kurzstudie zufolge könnten Rechenzentren im Jahr 2025 allein für die Kühlung etwa 13 Milliarden Liter Wasser verbraucht haben. Das entspreche dem Trinkwasserbedarf einer Großstadt mit 275.000 Menschen, der Füllmenge von 5.000 olympischen Schwimmbecken à 2.500 m³ oder dem Wasservolumen des Berliner Wannsees, so die Autoren der Studie.

Bis zum Jahr 2030 könne sich Wasserverbrauch deutscher Rechenzentren sogar mehr als verdoppeln und auf bis zu 27 Milliarden Liter pro Jahr ansteigen. Das entspreche dem Trinkwasserverbrauch von 580.000 Menschen. Das liege vor allem daran, dass in Folge des aktuellen KI-Booms zahlreiche riesige Rechenzentren mit einer IT-Anschlussleitung von 100 Megawatt und mehr gebaut werden. Die IT-Anschlussleistung ist die für den Betrieb der Server bereitgestellte Strommenge. Solchen Rechenzentren würden je nach Kühltechnik 200 bis 930 Millionen Liter Wasser verbrauchen.

„Rechenzentren mit mehr als 100 Megawatt IT-Anschlussleistung sind in Deutschland neu und stellen hohe Anforderungen an Infrastruktur und Umweltplanung dar“, heißt es von Greenpeace im Vorwort zur Kurzstudie. Neben dem hohen Strombedarf stelle der Wasserverbrauch dieser Anlagen eine ökologische Herausforderung dar. „In bereits trockenen Regionen können sie akuten Grundwasserstress, Verteilungskonflikte mit steigenden Belastungen für die Menschen in den betroffenen Gemeinden und Schäden am lokalen Ökosystem verursachen.“

Warum Rechenzentren Wasser verbrauchen

Rechenzentren sind große Ansammlungen hochleistungsfähiger Computer, die rund um die Uhr laufen. So wie der eigene Laptop zuhause irgendwann heiß wird und gekühlt werden muss, ist es auch bei Rechenzentren. In der Vergangenheit hat es den Autoren der Studie zufolge oft ausgereicht, die Abwärme über Lüftungsanlagen abzuführen. Heutige Rechenzentren hätten jedoch eine so hohe Leistungsdichte, dass die Wärme heruntergekühlt werden müsse.

Dafür gibt es unterschiedliche Methoden, von der Luftkühlung bis zu Verdunstungskälteanlagen, bei denen Wasser versprüht wird. Dabei würden bis zu 1,6 Liter Wasser pro Kilowattstunde abgeführter Wärme als Wasserdampf an die Umgebung abgegeben. Betreiber würden oft eine Kombination unterschiedlicher Kühltechniken einsetzen. Bekomme ein Rechenzentrum einen günstigen Wasserzugang, beispielsweise durch eigene Grundwasserbrunnen, müsse davon ausgegangen werden, dass er auch intensiv genutzt werde.

Neben diesem direkten Verbrauch vor Ort gehören zur Gesamtwasserbilanz von Rechenzentren auch unterschiedliche Formen des indirekten Wasserverbrauchs, die nicht sofort ersichtlich sind. netzpolitik.org hatte dazu kürzlich eine Übersicht veröffentlicht, die wichtige Fragen klärt.

So wird etwa bei der Produktion der verbauten Hardware Wasser verbraucht, zum Beispiel bei Computer-Chips, Grafikprozessoren und Batteriespeichern. Sie benötigen unter anderem große Mengen mineralischer Rohstoffe wie Zinn, Gold oder Kobalt, die überwiegend in Ländern des Globalen Südens abgebaut werden. Auch bei Stromerzeugung für Rechenzentren werden große Mengen Wasser verbraucht.

Probleme mit Intransparenz

Seit 2024 müssen Rechenzentren einer bestimmten Größe jährliche Verbrauchszahlen an die Bundesregierung melden. Kürzlich das hat zuständige Wirtschaftsministerium das Rechenzentrumsregister erstmals veröffentlicht. Dass das Öko-Institut trotzdem auf eine Schätzung angewiesen ist, liegt daran, dass viele Rechenzentrumsbetreiber keine oder unvollständige Daten liefern.

Der Studie zufolge sind in Deutschland 1.200 Rechenzentren meldepflichtig, weil sie eine IT-Anschlussleistung von mindestens 300 Kilowatt haben. Wie netzpolitik.org zuerst berichtet hatte, übermittelten für das Jahr 2025 jedoch nur 482 Rechenzentren Daten zu Strom- und Wasserverbrauch.

Von den vorliegenden Daten sind nach Vermutung der Forscher des Öko-Instituts jedoch viele fehlerhaft. Sie hatten die Angaben einem Plausibilitätstest unterzogen und solche aussortiert, bei denen der Wasserverbrauch unrealistisch hoch war oder bei denen der Stromverbrauch nicht mit den genannten elektrischen Anschlussleistungen erreichbar war.

Nach der Bereinigung hätte lediglich 139 der gemeldeten Datensätze weitergehend ausgewertet werden können. „Diese vergleichsweise geringe Quote plausibler Daten deutet darauf hin, dass die Datenqualität bei der Registermeldung in Zukunft noch deutlich verbessert werden muss.“

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Bundesregierung forciert Ausbau

Die Untersuchung fällt in eine Zeit, in der Rechenzentren zunehmend zum Politikum werden. Während nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die EU-Kommission auf einen massiven Ausbau drängt, um in einem „KI-Wettrennen“ mit den USA und China mithalten zu können, wachsen Sorgen und Proteste unter Anwohner:innen und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Neben Fragen von Wasser und Strom – Rechenzentren verbrauchten 2025 mehr Strom als Frankreich, die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt – geht es auch um Fragen von Landbesitz, Transparenz und Bürger:innenbeteiligung. An diesem Wochenende gibt es europaweit zahlreiche Proteste der Initiative „Stop Dirty Data Centres“, auch gegen ein geplantes Rechenzentrum im Süden von Berlin. Das Bündnis aus mehr als 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert ein Moratorium für den Bau neuer Riesen-Rechenzentren.

Anders als zur Energieeffizienz macht die Bundesregierung in ihrer nationalen Rechenzentrumsstrategie keine konkreten Vorgaben zum Wasserverbrauch. Die Betreiberbranche weist darauf hin, dass höhere Energieeffizienz zwangsläufig zu einem höheren Wasserbrauch führe. Dem widerspricht das Öko-Institut mit Blick auf die vorliegenden Zahlen. Tatsächlich könne sich der Wasserbrauch durch die Wahl der richtigen Kühltechniken sogar auf null senken lassen, so die Autoren.

Schutz für wasserarmen Regionen gefordert

Greenpeace leitet aus der Untersuchung mehre politische Forderungen ab. So müssten Betreiber bereits bei der Planung die Kühltechnik und den zu erwartenden Wasserverbrauch eines Rechenzentrums offenlegen. Außerdem sollten Behörden vor der Genehmigung eine Umweltverträglichkeitsprüfung sowie ein aktuelles Wassergutachten von den Betreibern verlangen und veröffentlichen.

Während Rechenzentrumsbetreiber derzeit für eine Rücknahme der Transparenzvorgaben lobbyieren, fordert Greenpeace, dass der Bund die Transparenz und Datenqualität im Rechenzentrumsregister verbessert. Fehlende oder fehlerhafte Meldungen sollen demnach konsequent sanktioniert werden. In wasserarmen Regionen dürften keine wasserintensiven Rechenzentren entstehen.

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