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Interaktive KarteAn diesen Orten sollen bundesweit neue Rechenzentren entstehen

Die Bundesregierung legt nicht offen, wo bundesweit neue Rechenzentren gebaut werden sollen, obwohl diese schwerwiegende Folgen für Umwelt und Gesellschaft haben. Das Projekt Heiße Luft hat nun eine Übersichtskarte der Standorte veröffentlicht. Sie zeigt auch, wo sich Protest regt.

  • Rika Baack
Eine Deutschlandkarte mit Markierungen von zahlreichen Rechenzentrumsstandorten
Rechenzentren, Gaskraftwerke und Protest auf einer übersichtlichen Karte. – Alle Rechte vorbehalten: Heiße Luft

Das Ziel der Bundesregierung ist klar: mehr Rechenpower, mehr KI. Doch im Gegensatz zu anderen Ländern legt die Regierung nicht offen, wie viele Rechenzentren wo gebaut werden. Das Projekt Heiße Luft will das ändern. Es stellt erstmals Standorte von Rechenzentrumsprojekten auf einer interaktiven Übersichtskarte dar. Die dafür erforderlichen Daten hat ein Team aus öffentlichen Quellen und mithilfe von Bürger:innen zusammengetragen. Hinter dem Projekt steht eine Kooperation von AlgorithmWatch, FragDenStaat, Leitmotiv und dem Heiße-Luft-Kollektiv.

Die in Teilen ehrenamtlich arbeitenden Personen wollen Transparenz in die KI-Strategie der Bundesregierung bringen. Der Nationalen Rechenzentrumsstrategie zufolge möchte die Bundesregierung die Rechenkapazitäten bis 2030 verdoppeln und die Kapazitäten für KI-Anwendungen vervierfachen. Sie veröffentlicht jedoch weder eine vollständige Übersicht über geplante Rechenzentren noch weiß sie, wie viel Wasser deren Ausbau verbrauchen wird.

Wie der KI-Boom die Klimakatastrophe befeuert

Die Physikerin Tiziana von Witzleben ist Mitgründerin des Heiße-Luft-Kollektivs. Sie hofft, dass die Übersicht den Bürger*innen vor Ort zugutekommt. Auch in diesem Sommer haben mehrere Landkreise wegen Wasserknappheit die Nutzung von Frischwasser rationiert. „Durch ihren enormen Strom- und Wasserverbrauch beeinflusst der massive Ausbau von Rechenzentren viele Menschen in Deutschland direkt,“ sagt von Witzleben. „Indirekt trifft er uns alle: Die rasant steigende Zahl von Rechenzentren treibt den Einsatz fossiler Energie nach oben und befeuert damit die Klimakatastrophe.“

Das Projektteam durchforstete öffentlich einsehbare Quellen nach Daten – in Pressemitteilungen der Betreiber und Entwickler, in amtlichen Veröffentlichungen und Publikationen börsennotierter Unternehmen. Auch die Preisentwicklungen auf dem Immobilienmarkt bezogen die Aktivist:innen ein. Darüber hinaus richtete das Team ein Kontaktformular ein, mit dem Menschen gesammelte Daten anonym korrigieren und ergänzen konnten.

Wo drohen Konflikte ums knappe Gut Wasser?

Auf dieser Grundlage haben sie eine interaktive Übersichtskarte erstellt, die zeigt, wo Rechenzentren entstehen, wie weit der Bau vorangeschritten ist und wer sie betreibt und finanziert. Nutzer:innen können sich außerdem anzeigen lassen, wie viel Strom die Zentren vermutlich benötigen, welche Gesamtfläche sie beanspruchen werden und wie ihr Betrieb den Grundwasserstress erhöhen könnte.

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In der Gemeinde Baruth in Brandenburg etwa hat sich der RedBull-Konzern einen großen Teil des Grundwassers gesichert. Zusätzlich möchte Amazon dort ein großes Rechenzentrum bauen. Dabei liegt Baruth in einem Landkreis mit akutem und strukturellem Grundwasserstress. Mögliche Konflikte liegen auf der Hand. Wie viel erhalten die Rechenzentren vom knappen Gut Wasser, wie viel die Landwirte?

Regierung will noch mehr Intransparenz

Die Bundesregierung möchte derweil das Energieeffizienzgesetz novellieren und dadurch Vorgaben für den Ausbau von Rechenzentren lockern. Der von der Regierung als „pragmatisch“ und „bürokratiearm“ gefeierte Vorstoß käme jedoch vor allem den Fossilkonzernen entgegen. Laut Gesetzentwurf müssten Rechenzentren erst ab dem Jahr 2030 bilanziell vollständig auf erneuerbare Energien setzen – statt wie bisher ab 2027. Vor diesem Hintergrund erfasste das Team hinter dem Projekt Heiße Luft auch neu entstehende Gaskraftwerke, die es braucht, um den enormen Strombedarf der vielen neuen Rechenzentren zu decken.

Dank des Schlüsselworts „bilanziell“ konnten Betreiber ohnehin schon ein Schlupfloch nutzen. Gesetzlich müssen sie die Hälfte ihres Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen. Etwa in Maintal und Birstein sollen Rechenzentren jedoch abgekoppelt vom öffentlichen Stromnetz in Betrieb gehen. Ihren Strom erhalten sie ausschließlich von neuen Gaskraftwerken. Indem sie ihre Bilanz mit zugekauften Ökostrom-Zertifikaten aufpolieren, können sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, während sie die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aufrechterhalten.

Der Entwurf des Energieeffizienzgesetzes sieht außerdem vor, dass künftig noch weniger Daten zum Verbrauch von Rechenzentren veröffentlicht werden. Bislang müssen die Betreiber ihre Verbrauchsdaten den Behörden melden und zudem selbst publizieren. Der Gesetzentwurf würde es ihnen künftig erlauben, diese Informationen mit Verweis auf Geschäftsgeheimnisse zurückzuhalten.

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„Das sollte uns Sorgen um unsere Datensicherheit machen“

Dass die Bundesregierung den Ausbau von Rechenzentren mit Verweis auf „digitale Souveränität“ begründet, sieht die Kooperation hinter dem Heiße-Luft-Projekt ebenfalls kritisch. Denn ein Großteil der geplanten Rechenzentren werde von US-Konzernen betrieben, die dem US Cloud Act unterliegen. Das bedeutet: Selbst wenn die Server amerikanischer Unternehmen in Europa stehen, wären diese rechtlich dazu verpflichtet, die Daten europäischer Nutzer:innen an US-Behörden herauszugeben.

„Unseren Informationen nach soll etwa die Hälfte der IT-Kapazitäten der neuen Rechenzentren von US-amerikanischen Big-Tech-Unternehmen genutzt werden,“ sagt Joschi Wolf vom Climate Helpdesk von FragDenStaat. „Das sollte uns Sorgen um unsere Datensicherheit machen – seien es persönliche, unternehmensbezogene oder staatliche Daten.“

Auch Versprechen, dass der Ausbau von Rechenzentren viele neue Arbeitsplätze schaffe, wurden bisher meist nicht eingelöst. So seien etwa im rumänischen Mischii nur 10 der zugesagten 21 Stellen geschaffen worden; in der niederländischen Gemeinde Hollands Kroon waren es nur rund 530 statt der angekündigten 2.000 Stellen, wie eine Recherche von AlgorithmWatch zeigt.

Eine Karte des Protests

Ein weiteres Feature der Karte zeigt, wo sich Protest gegen den Ausbau von Rechenzentren formiert. Vielerorts wehren sich Anwohner:innen gegen Pläne, die Ressourcen ihrer Gemeinden für den KI-Boom zu nutzen. In den Niederlanden und in Irland haben Proteste schon dazu geführt, dass der Ausbau von Rechenzentren gestoppt wurde.

Trotz der zusammengetragenen Fülle an Daten sind viele Informationen noch immer nicht öffentlich. Die Betreiber des Heiße-Luft-Projekts rufen dazu auf, weitere Informationsfreiheitsanfragen an Kommunen und Behörden zu richten und so zu zeigen, dass die „die Klimaversprechen der Tech-Konzerne heiße Luft sind“.

Über die Autor:innen

  • Rika Baack

    Von Juli bis September 2026 ist Rika Praktikantin bei netzpolitik.org. Sie schließt gerade ihr Studium der Publizistik und Politik in Berlin ab und interessiert sich besonders für Plattformregulierung, digitale Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement für ein besseres Internet.


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9 Kommentare zu „An diesen Orten sollen bundesweit neue Rechenzentren entstehen“


  1. Schwuler Piratenparteiler

    ,

    Ich hoffe das in meiner Stadt bald ein neues Rechenzentrum kommt. Könnte einen neuen Job sehr gut gebrauchen !


    1. Anonym

      ,

      Als Ventilator?

      Ein modernes DC dieser Art hat nur wenig Personal.


  2. Thorsten Gorch

    ,

    …und wenn wir dann alle Rechenzentren erfolgreich verhindert haben (weil KI böse und so) kommt der Musk mit seinen fliegenden KI Rechenzentren im Orbit und wir sind dann vielleicht nicht mehr von „God’s Country“ und einem noch merkwürdigen POTUS als jetzt abhängig sondern von diesem Typen.

    https://taz.de/Rechenzentren-im-All/!6201376/

    Für die IT-HW dafür sorgt er gerade (inklusive seinen Autos und Robotern):

    https://en.wikipedia.org/wiki/Terafab

    Aber vielleicht sollten Deutschland eh keine IT betreiben, wenn ich mir gerade anschaue wie dilettantisch die Daten der Bürger geschützt sind – z.B. in Berlin.

    https://www.heise.de/news/Sensible-Daten-bei-Cyberangriff-womoeglich-doch-betroffen-11427279.html

    Sprich: Keine / Kaum Rechenzentren in D zu haben spielt solchen Leuten wie Musk in die Hand, speziell wenn hier in D verhindert wird sowohl HW als auch Wissen aufzubauen wie man so etwas sicher betreibt.

    Und damit meine ich nicht Wissen in der technischen Community, sondern bei den Politikern und Juristen und BWLern die man so üblich als Entscheider / Manager über den Technikern hat.


    1. Anonym

      ,

      Das mit dem KI Rechenzenten im All ist reiner Humbug.
      Etliche experten haben schon Modelle gezeigt wie sinnbefreit ein solches vorhaben wäre.
      Hierbei ging es mehr um Geschäftspolitik, weil man so das Verlust-Buisness „GROK“ unter den Börsen Kracher SpaceX dotieren kann um die Bücher wieder gerade zu ziehen.


  3. Anonym

    ,

    „Es herrscht Goldgräberstimmung“, so der Kommentar eines Lokalpolitikers, der Investoren über grüne Wiesen hoch im Norden führt.

    Digitalminister Wildberger arbeitet an einem grünen Nachhaltigkeitslabel für Kühlung/Wasserverbrauch. Nachhaltig wäre, nicht der Goldgräberstimmung zu verfallen, und solide Zahlen zu präsentieren.

    Die EC stützt sich bei ihrem „AI Continent Action Plan“ auf Zahlen einer Firma, die AI-Investments im Portofolio haben (Savills).

    https://rtl.chrisadams.me.uk/2026/07/is-this-really-a-good-reason-to-triple-datacentre-capacity-in-europe/


  4. Notorisch Rhetorisch

    ,

    Ich denke hier an eine Sendung der „Anstalt“ die zum Ökostrom mal meinten selbst in 100% Öko wäre Gas o.a. drin – weil man halt nur Zertifikate kaufe. Damit ist es Nur auf dem Papier HIER grün, aber dennoch wird Dreck in die Luft gepustet. Nur, die von denen die Zertifikate gekauft sind haben dann; ebenfalls nur Rechnerisch; weniger Ökostrom. = Aus den Augen – aus dem Sinn!
    Das Rechenzentren Arbeitsplätze schaffen ist doch auch nur ein Witz. Beim Bau ja, im Betrieb reichen doch ein paar Wachleute und Servicetechniker aus. Außerdem lautet das Wirtschaftliche Heilsversprechen der IT-Industrie doch eher durch Einsatz von KI weniger Menschen zu brauchen – und dennoch Profit zu machen. Sonst würden sie’s wohl auch kaum so voran Treiben.
    Beim (Grund)Wasser-verbrauch weiß ich nicht recht. Bei einem Kraftwerk/RZ an einem Fluß wird es ja nicht „verbraucht“ sondern nur erhitzt zurück gepumpt sofern der Fluß überhaupt noch genug Wasser führte! Aber in anderen Gegenden bin ich auch der Meinung das die Sichere Versorgung der Bevölkerung absoluten Vorrang haben muss – gegenüber Firmen (RZ o.a.) die es „nur“ zur Kühlung erhitzen und dann weg gießen. Denn danach Taugt es auch nicht mehr zum Trinken. Abwärme-Nutzung durch Fernwärme (die kommt nicht aus dem Wasserhahn) in der Region wäre wohl ggf. die Bessere Lösung. Aber von Allein machen die Betreiber das sicher auch nicht. Nur wenn sie es verkaufen können ($$$) – und ein Leitungsnetz schon existierte. Ich denke auch das Strom Importieren ähnlich billig(er) sein dürfte wie sich irgend ein „Gadget“ aus Asien zu kaufen – weil die Logistik-Kosten (zu) niedrig genug sind. Das EU-Verbundnetz existiert ja schon – für Strom. Zertifikate müssten noch Teurerer werden…


  5. Anselm

    ,

    Der Zweck der KI-Rechenzentren in der Umlaufbahn war, den Aktienkurs von SpaceX in die Höhe zu treiben. Wirklich bauen kann man sowas erst mal nicht, wegen u.a. (1) Stromversorgung, (2) Kühlung, (3) kosmischen Strahlen.

    Das Problem mit den “KI-Rechenzentren” ist, dass sie außer für (generative) KI nicht für allzuviel zu gebrauchen sind. Wenn OpenAI, Anthropic & Co. also pleite gehen, was unweigerlich passieren wird – sie verbrennen ja x‑mal mehr Geld, als sie einspielen, und daran wird sich auch nicht durchgreifend was ändern –, dann wird das nicht zu superbilligen Webseiten führen, nur weil “traditionelle” Cloud-Hoster wie Hetzner die Überreste für Cents pro Euro aufkaufen könnten. Eher dürfte es in einigen Orten dann sehr nette Indoor-Kletterhallen und Lasertag-Arenas geben …


  6. Korrektur: „Nicht“ -> „nur teilweise“, denn so macht das keinen Sinn:

    Auch Versprechen, das der Ausbau von Rechenzentren neue Arbeitsplätze schaffe, wurden bisher meist *nicht* (besser: nur teilweise) eingelöst. So seien etwa im rumänischen Mischii nur 10 der zugesagten 21 Stellen geschaffen worden;


    1. Rika Baack

      ,

      Danke, die Stelle wurde angepasst!

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