Liebe Leser:innen,
wenn Behörden ihren Tag der offenen Tür ausrichten, wird es oftmals unfreiwillig komisch. Bei der Berliner Polizei gibt es dann Vorführungen von Uniformen und den legendären Kinder-Wasserwerfer, mit dem die Kleinen ganz spielerisch Aufstandsbekämpfung üben können.
Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, hat in der nächsten Woche einen Tag der offenen Tür. Man erhält dort die Möglichkeit „die verschiedenen Stationen der Asylantragsstellung, von der Erstregistrierung, über die Abnahme von Fingerabdrücken, bis hin zur Anhörung, zu durchlaufen“. Ein Spaß für die ganze Familie, die sicher im deutschen Eigenheim lebt. Nur die Smartphones der Besucher:innen werden hoffentlich nicht ausgelesen, das ginge vermutlich zu weit. Aber vielleicht kommt ja die automatische Dialekterkennung zum Einsatz. Ob die dann auch fränkische von oberbayerischen Besucher:innen unterscheiden kann? Was ebenso fehlt zum zynischen Glück: ein Schlauchbootsimulator für die Mittelmeer-Außengrenze. Dafür gibt es aber eine Hausrallye mit tollen Preisen und Kinderschminken.
Apropos Flucht: Die gleichen deutschen Politiker:innen, die 2015 und 2016 vor dem iranischen Regime Geflohene mit aller Gewalt abwehren wollten – weil es angeblich böse Muslime waren -, senden nun vergiftete Solidaritätsadressen an die feministische Revolte im Iran, weil es gegen das Kopftuch geht. Verlogener geht nimmer, denn die gleichen Leute bekämpfen hier den Feminismus und das Recht, über den eigenen Körper zu entscheiden. Da schmerzt es besonders, dass die Reden der Rechtsradikalen in Telegram-Gruppen der iranischen Opposition mangels Einordnung sogar viral gehen.
Dabei erfüllt mich und viele andere die Revolte im Iran mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Demonstrierenden rufen mittlerweile: „Das ist kein Protest, das ist eine Revolution!“ Es sind kleine Video-Schnipsel, die Mut machen. Manchmal Gänsehaut. Aber immer ein Gefühl der Verbundenheit.
Es geht um nicht weniger als eine Zukunft, in der Menschen im Iran ganz normal leben und lieben können. Eine Zukunft, in der es elementare Grundrechte im Iran geben wird. Eine demokratische Zukunft. Eine bessere Zukunft, die leider nicht nur durch Mut, sondern auch mit dem Blut von jungen Menschen erkämpft sein wird. Wir sollten alles in unserer Macht stehende tun, diesen Kampf um „Frauen, Leben, Freiheit“ zu unterstützen.
Ich wünsche ein schönes Herbstwochenende.
Markus Reuter
