Spionage, Sex und SchamÜberwachung im Namen des Herrn

Evangelikale Kirchen in den USA setzen auf Überwachungs-Apps, um das Verhalten ihrer Mitglieder zu kontrollieren. Bis ins kleinste Detail zeichnen die Programme das digitale Verhalten von Nutzer:innen auf und informieren Pastoren über angeblich „fragwürdige Aktivitäten“ wie Porno-Konsum oder Homosexualität.

Ein Smartphone mit einem bunten Kirchenglasfenster, vor dem der Schatten einer Statue von Jesus am Kreuz abgezeichnet ist
Man empfehle, die Anwendung nicht in Beziehungen mit einem Machtgefälle einzusetzen, sagen die Hersteller von Accountability-Apps. (Symbolbild) – Alle Rechte vorbehalten Imago / UIG

Sie überwachen den Browser-Verlauf, machen ständig Screenshots von genutzten Anwendungen, und geben sogenannten Partnern automatisch Alarm, wenn sie unerwünschte Inhalte finden. Die Überwachungs-Apps, die das Tech-Magazin Wired in einer Recherche beleuchtet, sind mächtige Instrumente. Angeblich sollen sie helfen, Betroffene von vermeintlicher Pornosucht zu befreien, doch evangelikale Kirchen in den USA nutzen sie, um ihre Mitglieder zu kontrollieren und Homosexualität zu stigmatisieren.

“Accountability Apps” heißen die Programme offiziell, zu Deutsch etwa: Rechenschafts-Apps. Anders als klassische Spionage-Apps, sogenannte Spyware, wissen die Betroffenen hier, dass sie die Anwendung auf dem Telefon haben. Denn erst durch dieses Wissen, dass sie permanent unter Beobachtung durch übergeordnete Personen stehen, soll der disziplinierende Effekt erzeugt werden. Shameware nennt deshalb ein Betroffener die Apps, sie funktionieren wie ein Panopticon der Scham.

Sünder:innen im Blick behalten

Im Wired-Artikel erzählt unter anderem ein ehemaliges Mitglied der evangelikalen Baptistenkirche „Gracepoint“ von seinen Erfahrungen mit der App „Covenant Eyes“. Nachdem er sich als schwul geoutet hatte, forderte eine Führungsperson seiner Gemeinde ihn auf, die Anwendung zu installieren. Es dauerte nicht lange, bis er vorwurfsvolle E-Mails von dem Pastor erhielt: „Irgendetwas, das du mir erzählen solltest?“ Im Anhang Berichte über das gesamte Surfverhalten der Woche, jeder digitale Inhalt, den er sich angesehen hatte. Insbesondere interessierte sich der Kirchenmann für eine Suche nach dem Schlagwort „schwul“.

Die Scham-Apps richten sich laut Wired in ihrem Marketing primär an Familien und Studierende, würden jedoch auch häufig von Evangelikalen Kirchen genutzt. Die Anwendung „Accountable2You“ beispielsweise habe extra Webseiten und spezielle Mengenrabatte für Kirchen eingerichtet, auf denen sich Mitglieder einzelner Kirchen anmelden können. Die Konkurrenz-App Covenant Eyes habe sogar einen Direktorenposten für den Vertrieb bei Kirchen. Allein bei den Südstaaten-Baptisten von Gracepoint gibt es laut Wired mehrere hundert Nutzer:innen, das Magazin berichtet zudem von einer Kirche in Kalifornien, bei der die App verpflichtend für alle Mitarbeitenden sei.

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Sie würden davon abraten, die Anwendung in einem Verhältnis mit Machtgefälle einzusetzen, sagen Hersteller und Kirchenverantwortliche zu Wired. Doch bei allen fünf Fällen, die das Magazin aufgespürt hat, waren es kirchliche Führungspersonen, die die Aufsicht hatten. So berichtet Wired auch von einem jungen Mädchen, das Accountable2You installieren musste, weil ihre Eltern sie beim Pornoschauen erwischt haben. Als „Accountability Partner“ überwachte sie nicht nur ihre Mutter, sondern auch der Pastor der Gemeinde.

Google nimmt Apps aus dem Store

Wie oft die Apps genau eingesetzt werden, lässt sich schwer beziffern. Wired geht von hunderttausenden Downloads aus. Das Marketing konzentriert sich auf die USA, unklar ist, ob sie auch in Deutschland genutzt wird

In der Zwischenzeit hat Google sowohl Accountable2You als auch Covenant Eyes aus dem Android-App-Store geschmissen. Der Konzern steht immer wieder in der Kritik, weil er zu lasch gegen Apps vorgeht, die von Stalker:innen und gewalttätigen Partner:innen genutzt werden können. Grundsätzlich erlaubt Google auch Accountability-Apps dort, allerdings nutzten die beiden Anwendungen für ihre Überwachung spezielle Berechtigungen, die eigentlich nur für Apps gedacht sind, mit denen Menschen mit Behinderung unterstützt werden. Im App-Store von Apple sind die Anwendungen allerdings weiterhin verfügbar.

Ein besonderes Feature, das Covenant Eyes hervorhebt, ist die angebliche automatische Erkennung von pornographischen Inhalten. Entwickelt hat es laut Wired ein ehemaliger NSA-Mathematiker. “Ich wusste es damals noch nicht, aber Gott hat mich zu dieser Zeit an diese Stelle gebracht, damit ich einen Zweck erfüllen kann, der größer ist als ich“, erzählte der Entwickler laut Wired bei der evangelikalen Zeitung Christian Post. „Genau dafür hatten ich und andere gebetet.”

Kontrolle durch Überwachung

Für die Betroffenen allerdings ist die Anwendung Wired zufolge alles andere als ein Segen. Während die Apps behaupten, vielen Menschen dabei geholfen zu haben, eine Pornosucht hinter sich zu lassen, sind Expert:innen für’s Thema sexuelle Gesundheit skeptisch bezüglich der Langzeitfolgen. Sie kenne keine Person, die sich langfristig nach Nutzung derartiger Anwendungen besser fühlten, erzählt etwa Nicole Praus von der Universität Kalifornien „Die Menschen bekommen am Ende das Gefühl, dass etwas nicht mit ihnen stimmt, auch wenn es in Wirklichkeit vermutlich kein gravierendes Problem gibt.“

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Darüber hinaus öffnen die Anwendungen Tür und Tor für Machtmissbrauch. Wired demonstriert zudem, wie fehleranfällig die automatisierten Filter der Scham-Apps sind. In einem Test habe zum Beispiel die Anwendung Accountable2You angeschlagen, wenn man die Website der US-Gesundheitsbehörde mit Informationen zum Thema LGTBQ für junge Menschen aufruft. „Das Telefon, das wir als Accountabilty-Partner ausgewählt hatten, wurde sofort per SMS und E-Mail informiert und bekam einen „Bericht über fragwürdige Aktivitäten“ zugeschickt.

Ohnehin gehe es nicht nur um Pornographie, erzählt eine junge Frau bei Wired. „Es geht darum, dich konform mit den Wünschen deines Pastors zu machen.“ In ihrem Fall habe der Priester sie etwa darauf angesprochen, dass sie auf Wikipedia einen Artikel über Atheismus gelesen hat.

Wer Informationen darüber hat, dass diese oder ähnliche Apps auch in Deutschland eingesetzt werden, kann sich vertrauensvoll an ingo.dachwitz@netzpolitik.org wenden.

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18 Ergänzungen

  1. >> Evangelikale Kirchen in den USA setzen auf Überwachungs-Apps, um das Verhalten ihrer Mitglieder zu kontrollieren. <<

    Da will bei mir einfach kein Mitleid entstehen.

  2. Die App zu verbieten ist Sinnlos wenn die Ursache nicht beseitigt wird. Die Religionen selbst sind das Problem die verboten werden müssten.

    Ein Region wo der Mensch Gott vorschreibt wie dieser Gott gefälligst zu denken hat, ist ein Witz und an Dummheit nicht mehr zu überbieten.

    1. Machtausübung durch Idioten ist das Problem. Nutzerverfolgung ist ein auch Problem.

      Für letzteres könnte man die App verbieten, sowie den Gemeinschaften verbieten, jemals wieder Apps zu verteilen, mindestens für 10 Jahre. Macht man Idioten solche Mittel zugänglich, statt sie ihnen aus der Hand zu nehmen, kommt sowas eben dabei heraus.

      1. > Machtausübung durch Idioten ist das Problem.

        Sicherlich.
        Das größere Problem aber ist, dass Idioten an die Macht kommen.
        Noch größer ist das Problem, dass Idioten Idioten an die Macht bringen.

        Doch wie wird man/frau zum Idioten?

    2. Ganz meiner Meinung. Gott sollte verboten werden. :-)

      Das erinnert mich doch sehr an den Film „Dogma“ wo genau das „der Schwanz wedelt mit dem Hund“ thematisiert wird. „Die Kirche sagt ‚So ist es‘ und ‚Gott‘ muss sich dran halten“.

      Im Film ist es noch Lustig. Wenn das Schicksal der Menschheit an ein paar Dogmatikern hängt die nur ihren Zielen folgen dann ist der Punkt da wo man die Reißleine ziehen sollte – bei genau diesen Dogmatikern! Denn der „Fisch“ stinkt vom Kopfe her… :-)

  3. Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, der ohnehin alles sieht, sind diese Apps überflüssig. Oder es gibt ihn eben nicht… Dann ist der ganze Rest überflüssig.

  4. Ich hätte überhaupt keine Probleme damit daran zu glauben das es irgendeine Form von höher-gearteter Wesenheit geben könnte die unsere begrenzten Menschlichen Möglichkeiten des Verstehens überstiege. Allerdings habe ich; schon immer; ein Problem mit dem „Bodenpersonal“ der jeweiligen Geschmacksrichtung Himmlischer Entitäten gehabt. Die sind alle auch nur Menschen und können per Definition nicht mehr verstehen als andere. Wollen einem aber Vorschriften machen. Und diese natürlich kontrollieren… Auch mit Digitalen Machtmittel. Siehe oben.

    Und wenn ich wirklich eine Interpretation irgendeines göttlichen Willens (was anderes machen die doch nicht) haben wollte dann kann ich ebenso gut einen Würfel werfen, oder einen Zufallsgenerator befragen. Denn dieser „Wille“ scheint wankelmütig zu sein. Mal soll’s gottgefällig sein, dann wieder Kreuzritter und wenn einer „Ungläubige“ ruft sollen bitte alle die Waffen raus krahmen? Das ist kein Gottes Wille, das ist menschenwille, von ein paar Machthungrigen Verkleidikern. :-)

    Darum hat es schon immer nur eine Mögliche Lösung gegeben und die sollte endgültig und drastisch sein. Religion gehört VERBOTEN. ÜBERALL und FÜR IMMER. Denn Religionen sind meiner Meinung nach fast immer der Quell von Konflikten gewesen bei denen Menschen sich gegenseitig töten – von dritten aufgehetzt. Schon das schießt jede Glaubhaftigkeit in den Wind.

    Es gibt KEINEN guten Schöpfer der über uns wacht und hilft (oder eben auch mal nicht) denn was sollte das bitte für ein Glaube sein (und dahinterstehende Gottheit) die mit dem aktuellen Globalen Zustand in Einklang wären? Die Religion des Jüngsten Gerichts vielleicht? Dann können wir’s auch gleich Armageddon nennen, zugeben das wir uns selbst zerstören und dem Teufel huldigen. Will das jemand? Wirklich? ERNSTHAFT! Also ist Religion nur Gedankenversklavung und muss überwunden werden um als Menschheit an die Wirklich wichtigen Probleme zu gehen. Und sie zu lösen statt sich von „Geistigen Führern“ kirre machen zu lassen.
    :-(

    Sorry für die Drastischen Worte. Drastische Probleme erfordern diese zuweilen. „Gebete“ reichen da nicht!

    1. Religion ist doch nur eine Ausrede. In Wahrheit geht es um Macht und Resourcen. Ein Land, welches im Kreuzzug andere Länder erobert hat mehr Macht. Ein Geistlicher, der Gläubige dazu bringt zu tun, was er sagt, hat mehr Macht. Wenn nicht genug Nahrung/Geld/… da ist, werden „Ungläubige“ getötet und weniger Menschen müssen sich die Resourcen teilen.
      Wenn man Religion verbietet, werden andere Ausreden gefunden und die Freiheit wird stark eingeschränkt.
      Die beste Lösung ist Religion zu entmachten: Keine Sonderrechte für die Kirche in Deutschland, Aufklärung kirchlicher Verbrechen durch den Staat, Keine Kirchensteuer, Beitritt zu Kirche erst mit 16/18, …

    2. Hier möchte ich doch noch einhaken.

      Religion und Spirituelle Praktiken waren mitnichten immer und überall vornehmlich zur Machtausübung bestimmt, auch nicht so genutzt. Irgendwann findet sich immer irgendwer, im schlimmeren Falle nach Institutionalisierung, der wo Schlimmes tut bzw. befördert. Dazu kommt auch immer das Bestreben mit Gleichgesinnten Verbünde zu schließen, letztlich auch weil es immer externe Machtbeflissene gibt, die von Anfang an darauf hinarbeiten, potentielle neue entstehende „Mächte“ kleinzuhalten.

      Der eigentliche Punkt: Religion existiert vielleicht in einigen Bereichen zum Zweck der Machtausübung, typisch bei Menschen: Kontexte der Eroberung und Inauguration, Minderheitenherrschaft. Der Ausgangspunkt dürften in aller Regel die bestehenden Konflikte bzw. breits Macht in Schieflage gewesen sein.

      Tatsächlich ist nicht selten Religion WEGEN Konflikten entstanden, und haben diese nicht selten über Jahrhunderte lang gemildert, teilweise sogar für fortschrittliche Zivilisation gesorgt, konkret. Dieselben Maßstäbe für Politik und Macht, und wir brauchen unsere Köpfe nicht mehr anzustrengen. Denn was wir vergessen ist, wenn wir den einen Religion vorwerfen, wie viele andere auf Indoktrination folgend einfach mit den inadäquaten Mächtigen mitmachen, sicherlich recht unabhängig von Religion. Die Lehre hieraus sollte allerdings nicht Liquidierung von Religion und Spiritualität heißen, sondern Machtbegrenzung.

      Was wir da mit Abreibungsgesetzgebung sehen, ist bei den einen eine Folge der Doktrin nach Institutionalisierung, eher Dummheit als Machterhalt, bei den anderen nur Dummheit, aus niedrigsten Beweggründen, weil es zur Indoktrination passt, der noch einige folgen. Die Vorkommnisse in den USA muten ein bischen wie „fin de siècle“ an, wo man noch mal mit allen Mitteln irgendeinen Quatsch abzieht, bevor man erwachsen werden muss. Wir reden über Industrieländer, in denen Abwägung prinzipiell möglich sein muss. Wäre das nicht der Fall, würde ich auch Religion mit als erstes opfern – zu gefährlich!

      Natürlich vermeide ich die Wissenschaftsdebatte. Allerdings dürfte „Religion und Spiritualität“ ursprünglich nicht selten nicht einfach nur ein „Erklärungsversuch für das Unbekannte“ gewesen sein, sondern auch eine Art der Entscheidungsfindung für komplizierte Fragestellungen, derer man wissenschaftstechnisch nicht Herr war, also im Grunde das Machinelearning der menschlichen Gründungszeit. Und tatsächlich könnte es einen verteilten Mechanismus dargestellt haben, bei dem Erfahrung, Meinung, und Estimation verschiedener Menschen so verarbeitet wurde, dass vielleicht sogar manchmal sinnvolle Ergebnisse dabei herausgekommen sind. Medizin und „Wissenschaft“ waren damals vermutlich zwischen „Religion“ und Tüftlern aufgeteilt.

      Schlimmer als Religion? Glaube an Google oder Intel, an Märkte, an Apparate, ohne Weitblick, ohne langfristig gangbares ethisches Konzept (auch nur Machtspielchen).

  5. Die Kirchen/ Pastoren/ Gemeindeleitungen, die das „einsetzen“ um gegenüber ihren Mitarbeitern Macht auszuüben:
    Haben die dann wirklich die Bibel bzw. ihren Auftrag/ ihre „Ordination“ richtig verstanden?

    Ich erinnere mich an die Sage, wie das Getränk „Pharisäer“ seinen Namen bekam.

  6. Als gläubiger Mensch empfinde ich die Kommentare, die Glauben mit Naivität und Gedankenversklavung gleichsetzen, anmaßend und beleidigend. Missbrauch ist überall möglich, auch in selbsternannten weltanschaulich neutralen Systemen. Und ja, ich lehne jegliche Form von Überwachung ab, auch diesen Müll, der teilweise in evangelikalen Gruppen eingesetzt wird.

    1. Und als „Ungläubiger“ i.s.V. Religion finde ich es anmaßend und für einen Klar denkenden Menschen unwürdig an ein Allmächtiges Überwesen zu glauben das Gebete erhört oder auch mal nicht und sich dennoch nie merkbar zu wort meldet. Das sagt mir der Gesunde Menschenverstand das hier was nicht stimmt. Religion ist von Menschen gemacht – für Menschen – um diese Zu Kontrollieren. Ansonsten: Glaub doch was du willst aber zieh nicht andere mit hinein.

  7. Die Emotionalität der Kommentare ist schon beeindruckend.
    Ich denke aber Grundsatzdiskussionen zum Thema Religion sollten nicht hier ausgetragen werden.

    1. @Ralf Peine:
      Bis zu einem gewissen Punkt gebe ich dir recht, aber:

      Schau wir einmal in das Video von der re:publica 2017 rein:

      https://invidio.xamh.de/watch?v=gZIX7HOvOPM&t=1065

      Und das hat – im weitesten – durchaus etwas mit „unserem“ Thema hier (=Überwachung) etwas zu tun.
      Um das Thema der Videoaufzeichnung richtig zu verstehen, sollte man sich allerdings etwa eine halbe Stunde Zeit nehmen und es von vorn anschauen.

      Bezüglich des „Nationale-Sicherheits-Massenüberwachungs-Internet-Gott“ habe ich weitaus mehr Bedenken, als vor einer religiösen Grundsatzdiskussion. Sofern diese mit gegenseitigem Respekt geführt wird.

      Zurück zum Thema:
      Ich finde eine „Überwachung im Namen des Herrn“ ziemlich unfair und tatsächlich gegenüber den Betroffenen/ Überwachten „bedrückend“.
      Das ist keinesfalls christlich und erst recht nicht evangelikal-christlich.

      1. evangelikal hat mit christlich nichts zu tun.

        Evangelikale haben auch nichts mit evangelischen zu tun.

        Interessant, dass meine Kommentare grundsätzlich gelöscht werden, und das, obwohl ich reine Tatsachen genannt habe.

        Dass christliche Sekten in Deutschland belächelt werden ob ihrer psychischen und physischen Gewalt, das ist eine Tatsache.
        Warum werden solche Aussagen von euch gelöscht?

        Es ist schon IMMER so in Deutschland, dass solche Täter bewusst übersehen werden.
        Sieht man an der Aufklärung bei Verbrechen der katholischen Kirche.
        Sieht man an der Ignoranz und am Belächeln was im Bezug auf die Zeugen Jehovas durchgezogen wird.

        Evangelikale haben wohl Atwoods Roman als Blaupause verwendet, und diese machen sich auch in Deutschland breit, nicht nur in Großstädten, auch auf dem Land.
        Das ist erschreckend.
        Und noch erschreckender, dass die Evangelikalen auch in der deutschen Politik Gehör finden – bei den rechtsradikalen Parteien wie der AfD.

        Und wenn es nochmal gelöscht wird, dann weiß ich, dass netzpolitik.org kein Interesse an klaren Tatsachen hat.

        1. Hallo Mirco Buck, der Artikel ist jetzt eine Woche alt und ich möchte hier keine Grundsatzdiskussion zum Für und Wider von Religion. Wir haben in den Kommentarregeln klar kommuniziert, dass wir auf netzpolitik.org inhaltliche Ergänzungen zum Thema des jeweiligen Artikels wollen, keine Off-Topic-Debatten. https://netzpolitik.org/kommentare/
          Ich lasse den Beitrag jetzt als letzten zu dieser Diskussion durch, danach noch nur noch welche, die sich mit dem Artikel beschäftigen. Das gilt für alle anderen Kommentator:innen natürlich genau so. Schöne Grüße
          Ingo

  8. Zur generellen Diskussion über den Wert und die grundsätzliche Existenz der Religion:

    Die Freiheit VON, aber auch DER Religion ist aus gutem Grund ein eigenes Menschenrecht* und die gegenwärtige Verfolgung der Uiguren im Namen sogenannter „Terrorismusbekämpfung“ zeigt die Gefahr, ganze Religionen und Glaubensgemeinschaften pauschal zu verurteilen und unter Generalverdacht zu stellen. Dies muss man insbesondere Bedenken, wenn Religion und Ethnizität sich irgendwie verzahnen.
    Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Glaube viele Menschen zu Gutem inspiriert und ihnen in schwierigen Situationen Halt gegeben hat. Rechtfertigungen für Machtmissbrauch und Gewalt gibt es viele. In der Wissenschaft hat es im Laufe der Geschichte auch zahlreiche Irrungen gegeben s. Rassentheorie, Eugenik und Lobotomie. Es ist wichtig, dass Diskussionen über problematische Ideen und Praktiken in Religionen geführt werden, aber ohne alle gläubigen Menschen zu attackieren und Dinge zu unterstellen. Die Tatsache, dass innerhalb von Religionsgemeinschaften ähnliche Diskussionen geführt werden und es Reformbestrebungen gibt, zeigt, dass die Situation des Glaubens komplizierter ist als „Religion nur gut“ und „Religion nur schlecht“.
    Und zur Aussage, dass sich Gott nie zu Wort meldet: Ich kann nur für das Christentum sprechen, aber die Bibel ist voll mit Erfahrungen, die Menschen direkt mit Gott gemacht haben und Jesus Christus ist gemäß dem christlichen Glauben ein Teil der Heiligen Dreifaltigkeit, sprich Gott, und hat konkret unter den Menschen gelebt und gelehrt. Außerhalb der Bibel gibt es eine Fülle von religiösen Visionen und Begegnungen. Ob ihr das alles glaubt, liegt natürlich am Ende bei euch.

    Zum Artikel selber:

    Diese Apps scheinen meist nur für Machtmissbrauch und Schikane genutzt zu werden. Schlagen die auch bei problematischen Suchen bezogen z. B. auf die Themen Suizid oder Drogen an oder geht es nur um Sexualität? US-amerikanische evangelikale Kirchen haben ohnehin schon so ein großes Problem mit Machtmissbrauch und Kontrolle.
    Wichtig ist auch, dass Pornosucht keine Krankheit ist, die von den führenden medizinischen Publikationen etc. anerkannt ist. Diagnosen zu gestörtem Sexualitätsverhalten gibt es, aber da geht es eher um schlechte Selbstkontrolle und konkrete Beeinträchtigung von Alltag, Beziehungen etc. Übermäßiger Pornokonsum kann dazugehören, muss aber nicht.
    Am Ende ist jede gläubige Person selbst für ihr Verhalten verantwortlich und die generelle Pflicht, sich moralisch umeinander zu kümmern, ändert daran nichts. Ich dachte eigentlich, beim evangelisch-protestantischem Christentum läge eine Betonung darauf, dass eine gläubige Person für ihre Beziehung zu Gott nicht unbedingt einen Priester als Vermittler braucht…

    *“Artikel 18:
    Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“

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