Kontaktverfolgung per App

Europaweite Lösung lässt auf sich warten

Tracing-Apps funktionieren bislang nur im eigenen Land. SAP und T-Systems arbeiten im Auftrag der EU-Kommission an einer grenzüberschreitenden Lösung, die allerdings nicht für alle Länder funktionieren wird.

Die deutsche App zur Kontaktverfolgung
Tracing-Apps wie jene des Robert-Koch-Instituts gibt es fast überall in Europa. Doch sie können bisher nicht miteinander sprechen. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Kai Pilger

Die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts kann bereits 17 Millionen Downloads verbuchen. Doch der Nutzen der App endet bislang an der Grenze: Denn die deutsche App kann keine digitalen Schlüssel mit denen anderer Länder austauschen, etwa der Stopp-Corona-App des österreichischen Roten Kreuzes.

Für dieses Problem hatte die EU-Kommission bereits vor Monaten eine Lösung angekündigt. Die Apps der verschiedenen Länder sollen miteinander sprechen können, im Fachjargon heißt das Interoperabilität. Ursprünglich sollte das schon vor Beginn der Reisezeit im Sommer passieren. Doch das System der Kommission stieß auf organisatorische Hürden.

Server soll Ende September bereit stehen

EU-Digitalkommissar Thierry Breton kündigte zugleich mit dem Start der deutschen App Mitte Juni an, die Software zur grenzüberschreitenden Kontaktverfolgung müsse möglichst bald einsetzbar sein. Die Kommission werde die dafür notwendige Infrastruktur aufbauen. Damals verlautete in Brüssel, die Server für den Datenaustausch zwischen den Staaten würden binnen drei Wochen bereitstehen.

Der Datenaustausch zwischen den unterschiedlichen Apps hätte gerade in der Reisezeit im Juli und August die Kontaktverfolgung bei Urlauber:innen in anderen europäischen Staaten erleichtert. Doch die Kommission scheiterte an ihrem Anspruch, rechtzeitig die Infrastruktur dafür bereitzustellen.

Erst am 31. Juli erzielte die Kommission eine Übereinkunft für die technische Infrastruktur. Die nötige Softwareplattform werde von den Firmen SAP und T-Systems entwickelt und bereitgestellt, schrieb eine Kommissionssprecherin an netzpolitik.org. Der Dienst, der die Brücken zwischen den Länder-Apps errichten soll, werde acht Wochen nach Arbeitsbeginn der Firmen fertig sein – also Ende September. Zuvor soll ein Prototyp von einigen Mitgliedsstaaten getestet werden. Welche Staaten das sind, teilte die Kommission nicht mit.

Jeder Staat hat eigene App

Apps zur Kontaktverfolgung gibt es inzwischen in der Mehrheit der EU-Staaten. Die meisten setzen auf eine dezentralisierte Struktur: Daten über Kontakte werden lokal auf den Handys der Nutzer:innen gespeichert. Lediglich Frankreich und Ungarn speichern pseudonymisierte Kontaktdaten auf zentralen Servern. Letzterer Ansatz ist schwer mit jenem der anderen Staaten vereinbar – die neue Infrastruktur der EU-Kommission dürfte daher fürs Erste nur Apps mit dezentraler Struktur miteinander ins Gespräch bringen.

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2 Ergänzungen
  1. Vielleicht sollte man erwähnen, dass die EU die App als Druckmittel auf die Schweiz nutzt. Die Schweiz ist (angesehen von Liechtenstein) von EU-Ländern umgeben und soll nicht mitmachen dürfen. Unabhängig, was man von einem Rahmenabkommen hält, darf es nicht sein, dass während einer Pandemie Kontaktverfolgung zum Spielball der Politik wird.

    https://www.nzz.ch/amp/meinung/die-eu-bestraft-nicht-die-schweiz-sondern-ihre-eigenen-buerger-ld.1571995

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