Kultur

Bits & Bäume: Wie viel Umwelt steckt in der Netzpolitik?

Basteln, bloggen, diskutieren und tanzen für einen nachhaltigen Hacktivismus. Das verspricht die Konferenz „Bits und Bäume“, die im November in Berlin stattfindet. Ziel ist, die digitale Zivilgesellschaft und die Umweltbewegung zusammenzubringen und einen Auftakt zu feiern, um gemeinsame Utopien und Projekte zu entwickeln. Wir sind als Medienpartner dabei.

Ist zwar stellenweise grün, aber nicht unbedingt nachhaltig: Die materielle Basis der Digitalisierung. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Fancycrave

Alles zu digitalisieren scheint die Losung der Stunde. Wenn Regierungen ihre Verwaltungen digitalisieren, Museen ihre Archive im Netz präsentieren und Magazine zunehmend digital erscheinen, dann klingt das nach einem ressourcenschonenden, ja nachhaltigen Plan. Schluss mit den Papierbergen in dunklen Verwaltungskorridoren und teuren Flugreisen in die Spezialarchive, rein in die immaterielle Welt der bunten graphischen Benutzeroberflächen, wo Information endlich frei von physischen Grenzen sein soll.

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Das mag in den 1990er Jahren, als der Kreis der in digitale Netzwerke Eingeweihten verhältnismäßig klein war, noch so gewesen sein. Heute, mit Milliarden von Menschen, deren Alltag auf digitalen Infrastrukturen fußt, sieht es anders aus. Die meisten von uns wissen mittlerweile, dass die großen Recheninfrastrukturen hinter dem, was wir Tag für Tag als Oberflächenspiele auf unseren multifunktionalen Geräten wahrnehmen, große Mengen an Strom verbrauchen (von Kryptowährungen wie Bitcoin ganz zu schweigen). Dass Computer und Smartphones wertvolle Rohstoffe benötigen und sie trotzdem nach zwei Jahren überholt scheinen und im besten Fall im Sondermüll landen. Dass sie in weit entfernten Teilen der Welt unter teilweise menschenverachtenden Arbeitsbedingungen entstehen.

Mitmachaufruf: Vernetzungskonferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Am 17. und 18. November findet zum ersten Mal die zivilgesellschaftliche Konferenz für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, Bits & Bäume, in Berlin statt, die diesen Komplex angehen will: Wie viel wiegt also ein Bit? Wie hängen Rohstoff- und Handelspolitik mit Netzpolitik zusammen? Gehört das Recht auf Basteln und Reparieren, das oft auf der Begeisterung für Technik beruht, nicht eigentlich zu einer konkreten nachhaltigen Praxis? Sind die Nachhaltigkeit- und Effizienzversprechen, die große IT-Unternehmen zunehmend machen, aus einer informierten Umweltperspektive so haltbar? Und was können wir da eigentlich konkret tun?

„Wir bringen Communities zusammen!“ heißt es auf der Webseite: Ziel soll sein, netzpolitisch Interessierte und Engagierte mit Menschen aus der Umweltbewegung zusammenzubringen und damit politische Steine ins Rollen zu bringen. Denn „eine demokratische und nachhaltige Gesellschaft kann nur gemeinsam gelingen – dafür müssen diese Communities […] voneinander lernen, die Gemeinsamkeiten ihrer Utopien erkennen und diese mit neuer Wucht umsetzen!“

Die Konferenz ruft zum Mitmachen auf und soll damit ein Auftakt sein für eine gemeinsame Position zu einer nachhaltigen Digitalisierung und wider demokratiefeindliche Trends. Neben Akteuren aus zivilgesellschaftlichen Organisationen richten sich die Macher auch ausdrücklich an die Öffentlichkeit und wollen aktuellen netz- und umweltpolitischen Themen zu Sichtbarkeit verhelfen. Der Trägerkreis ist dafür breit aufgestellt und enthält eine prominente Liste von netz- und umweltpolitischen Organisationen und Vereinen aus Zivilgesellschaft, Aktivismus und Forschung. Neben dem Chaos Computer Club, der Open Knowledge Foundation und dem Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) ist auch der BUND, Germanwatch, Brot für die Welt und der Deutsche Naturschutzring dabei.

Erste Verbindungen ausbauen

Punktuelle Verbindungen zwischen „Techies“ und „Ökos“ gibt es natürlich schon. Freiwillige zeigen ganz konkret, wie nachhaltiger Hacktivismus aussehen kann. Ein Projekt aus dem Stuttgarter OK Lab, luftdaten.info, kümmert sich beispielsweise um die Open-Source-Messung von Feinstaubwerten – mittlerweile sind weit über Stuttgart hinaus, ja weltweit über 5.000 Sensoren verbaut, der Großteil davon allein im letzten Jahr. Andere bauen ein Fairphone und versuchen damit unter den heutigen ausbeuterischen Bedingungen zu zeigen, wie man bei neuer Technologie nicht nur überhaupt auf die Ökobilanz achtet, sondern auch versucht, die rohstoff- und handelspolitischen Fragen, die im Hintergrund liegen, zu adressieren.

Greenpeace Österreich wagte sich, wie wir berichteten, im letzten Jahr mit der Initiative „Netpeace“ in die Netzpolitik vor. Die Buchautoren von „Smarte grüne Welt?“, Steffen Lange und Tilman Santarius, machten in einem Gastbeitrag auf netzpolitik.org einen nachdenklicheren Aufschlag. Sie forschen am Institut für ökologische Wirtschaftforschung (IÖW), das auch Teil des Trägerkreises ist, und plädieren für eine „sanfte Digitalisierung“. Sie sollte Aspekte der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit von Anfang an mitdenken und zur Bedingung machen. Von zwei getrennten Lagern zu sprechen, die sich auf der Konferenz zum ersten Mal treffen, wäre also übertrieben. Zu sagen, dass man sich bereits lang und gut kennt und übereinander Bescheid weiß, aber auch.

Wie kann ich mich beteiligen?

Der Call for Participation, der seit dieser Woche online ist, erlaubt von Workshops über traditionelle Vorträge, Podiumsdiskussionen und Crypto-Parties viele Formate. An beiden Tagen gibt es darüber hinaus Platz auf dem Veranstaltungsgelände für Initiativen, Vereine und Netzwerke. In diesem Forum gibt es genug Platz für Stände, DIY-Ecken oder künstlerische Interventionen.

Als Sonderformat gibt es am Samstagabend ein „Sporangium“: In acht Minuten hat man dort die Freiheit, Vorträge zu halten, Mitstreiterinnen und Mitstreiter für einem Projekt zu gewinnen oder die eigene Meinung zu einem Thema zu kundzutun. Menschen, die schon mal auf einem Congress des Chaos Computer Clubs waren, kennen das vielleicht als Lightning Talks. Anmeldungen und Einreichungen können bis zum 19. August unter frab.bits-und-baeume.org eingetragen werden.

Auf einen Blick: Die Konferenz „Bits & Bäume“ findet am 17. und 18. November 2018 an der TU Berlin statt. Hier geht’s zur Webseite, hier zum Call for Participation, hier zum Call bei events.ccc.de. Hier geht es zur Anmeldung als Besucherin. Netzpolitik.org ist Medienpartner der Konferenz.

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6 Kommentare
  1. Die Nvidia NV30 und NV40 Generationen der Grafikkarten haben, erst recht bei der NV40 Generation, in der Regel PCI-Express Anschlüsse. Das sind zb. alle Grafikkarten der 6000 und 7000 Serie.
    Nvidia hat für diese Grafikkarten unter Linux deren closed-source-Support eingestellt. Nouveau hat fehler bei der NV30 und NV40 Serie und nahezu alle aktuelle Linux-Distrtibutionen crashen.
    Ich habe einen ganz modernen Rechner aber brauche keine Grafikleistung. Also habe ich zu mein Ryzen 1800X 8-core Prozessor mit 32GB Ram eine Nvidia Grafikkarte dieser Generation die ich im Schrank hatte(werfe keine funktionierende Hardware weg) dazu gepackt. Ich kann wegen ausschließliche Software Fehler kein aktuelles Linux betreiben. Fehler sind den Entwickler bekannt. Niemand hilft seit Jahren dabei. Ich möchte nicht aufgrund von Fehler in 100% quelloffener Software die Hardware wegwerfen. Bitte helft mir.
    Ihr könnt euch bei zb ebay für 1€ eine solche Grafikkarte(zb nvidia 6600, 7900,…) holen und helfen.
    Bitte. Ich weiß nicht weiter. Habe schon so oft die nouveau Entwickler um Hilfe gebeten und seit Jahren passiert nichts.

    1. Du solltest die Karte unbedingt loswerden. Aber du musst sie ja nicht wegwerfen. Was hindert dich daran, die Karte zu verkaufen, zu tauschen, zu verschenken oder zu spenden? Vielleicht ist sie ja noch für jemanden nützlich, der Windows verwenden muss (oder will).

      1. @Rainer
        Danke für deine Meinung. Ich verstehe nicht warum ich die Grafikkarte loswerden sollte, wenn sie technisch all meine Anforderungen mehr als ausreichend erfüllen könnte. Zudem ist Windows eher das Paradebeispiel für ein Betriebssystem wo mit der Veröffentlichung einer neuen Version voll funktionsfähige Hardware wegen der Notwendigkeit eines neuen Treibers nicht mehr funktioniert.
        Die NV30/NV40 Serie an Grafikkarten würde unter Linux dank der unterstützten OpenGL-Version selbst Wayland anzeigen können. Damit ist das was ich benötige mehr als ausreichend gedeckt. Wegen bugs in 100% quelloffene Software die Hardware weg zu geben ist für mich unverständlich.

        1. @Anonymous
          Mir ist absolut unverständlich, dass du lieber eine funktionierende Hardware bei dir unbenutzt verstauben lässt, als sie jemanden zu geben, der sie in Kombination mit unfreier Software betreiben könnte.

          Und das moralische Argument sehe ich an dieser Stelle auch nicht, denn menschliche Lebenszeit ist in meinen Augen deutlich wertvoller als irgendwelche Hardware. Und die benötigten Treiber zu schreiben, das kostet sehr, sehr viel Zeit. Dein moralisches Argument könnte ich daher erst dann anerkennen, wenn du dir selbst die dazu benötigte Zeit ans Bein binden würdest.

          1. @Rainer
            Danke für deine Rückmeldung.
            Habe mir deine Aussage mit der Lebenszeit durch den Kopf gehen lassen. Meine Intention basiert nicht auf „diese eine Karte“. Sie basiert darauf, dass sicherlich noch viele hundert tausend dieser Karten existieren. Und sie erfüllen auch heute noch von vermutlich 80% der Benutzer weltweit die Anforderungen. Es gibt auch Mainboards mit eben diesen Chipsatz die heute noch NEU hergestellt werden. Die laufen auch nicht unter den meisten Linux Distributionen.
            Neue Nvidia Grafikkarten haben Restriktionen die den Betrieb mit 100% freie Software durch Signaturen verhindern(nvidia ab der 900er Serie).
            Somit können die nv30/40 Serie frei verwendet werden, sie ist super günstig zu bekommen und viele Benutzer sind damit noch zufrieden – würde die Software funktionieren.
            Nvidia hat übrigens natürlich auch für Windows vor längerer Zeit den Support dafür eingestellt – man will ja neue Ressourcen verbrauchen um neue Hardware her zu stellen um damit anschließend neuen Gewinn zu machen.

            Habe ich irgendwo einen Denkfehler? Warum sollen alte und manche neue Geräte die einwandfrei funktionieren könnten aufgrund von Fehler in der Freien Software nicht benutzbar bleiben?

            PS: Ich kann nicht programmieren und habe mehrere Versuche unternommen zu versuchen es zu lernen. Es liegt mir einfach nicht.

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