Netze

Netzneutralität: Mobilfunkanbieter wollen Werbung blockieren

Mobilfunkbetreiber wollen auch ein Stück des mobilen Werbekuchens abhaben. CC BY 2.0, via flickr/Blake Patterson

Mehrere Mobilfunkbetreiber planen offenbar, Werbung in ihren Netzen zu blockieren und damit in einen offenen Schlagabtausch mit Werbenetzwerken wie denen von Google oder Yahoo zu treten. Laut Informationen der Financial Times (Paywall) habe ein europäischer Provider die dazu notwendige Software bereits in seinen Rechenzentren ausgerollt und plane, sie noch vor Jahresende zu aktivieren. Weitere europäische Betreiber sollen im Laufe des Jahres dazukommen und noch 2015 entsprechende Filter installieren.


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

Die Filtertechnik soll Werbung in Webseiten und Apps blockieren, „In-Feed“-Anzeigen, wie sie etwa bei Twitter oder Facebook zum Einsatz kommen, dabei jedoch aussparen. Damit verschärft sich einerseits der Kampf um Einnahmen aus dem lukrativen Geschäft mit mobiler Werbung, auf der anderen Seite bedroht ein solcher Eingriff die Netzneutralität, weil auf diese Weise Datenverkehr manipuliert wird. Provider beklagen schon seit geraumer Zeit, als reine Datenlieferanten zu fungieren, und versuchen, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.

Die Software soll das israelische Start-up Shine entwickelt haben, das unter anderem von der Investment-Firma „Horizon Ventures“ von Li Ka-shing finanziert wird. Li kontrolliert mit Hutchison Whampoa einen der weltweit größten Mobilfunkbetreiber. Shine arbeite laut dem Bericht mit mehreren Mobilfunk-Providern zusammen. Zunächst soll der Dienst als Opt-in-Service starten, diskutiert werde aber auch, Werbung in einem Netz auf einen Schlag zu blockieren. Dieser als „Die Bombe“ bezeichnete Ansatz richte sich in erster Linie gegen Google, dem mit Abstand größten Anbieter von Online-Werbung, und soll Google dazu drängen, ein Stück des Werbekuchens an die Netzbetreiber abzutreten. Das Marktforschungsunternehmen eMarketer erwartet, dass 2015 knapp 70 Milliarden US-Dollar in mobile Online-Werbung investiert werden wird. Ob ein solcher radikaler Schritt Erfolg haben kann, bleibt allerdings fraglich, würde er doch zumindest in den USA gegen die strengen Netzneutralitätsregeln verstoßen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Provider versuchen, Datenverkehre zu manipulieren, um fremde Werbung auszublenden oder eigene einzuschleusen. In der Regel setzen sie dazu „Deep Packet Inspection“ (DPI) ein, schauen also in die Datenpakete, teilen sie in unterschiedliche Klassen ein und filtern oder bremsen unliebsamen Verkehr aus. Für Kontroversen sorgte etwa der Versuch des französischen Providers „Free“, 2013 standardmäßig Werbung zu blockieren. Die Filterung lief damals auf dem Kunden-Endgerät, dem Freebox-Modem. Nach heftigen Protesten gab der Betreiber das Vorhaben nach nur einer Woche auf. Ebenfalls von recht kurzer Dauer war der Versuch der British Telecom im Jahr 2008, das Online-Werbesystem Phorm einzusetzen, um Kunden personalisierte Werbung einzublenden. Die Zusammenarbeit wurde schließlich 2009 eingestellt, unter anderem, weil sich die britische Regierung damit ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission eingehandelt hat.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
10 Kommentare
  1. Und als Mehrwert-Dienst? Ich habe auch erst gedacht, dass das in jedem Fall ein Eingriff in die Netzneutralität ist.

    Wenn aber ein Provider seinem Kunden gegen Geld anbietet, via Shine sämtliche Werbung raus zu filtern? Gerade im Mobil-Segment, wo sowohl der Platz auf dem Device wie auch die Bandbreite so begrenzt sind werden Kunde das Angebot tendenziell mögen und den Eingriff in den Datenstrom legitimieren.

    Ich will so ein Vorgehen nicht als gut oder schlecht darstellen, sondern nur darauf hinweisen, dass man Shine vermutlich so einführen kann, dass man nicht über einen Verstoß über die Netzneutralität argumentieren kann.

    Natürlich drängeln sich die Provider damit in einen Bereich, der sie nichts angeht. Aber wenn es im Kundenauftrag geschieht kann man kaum etwas dagegen sagen – auch wenn es die Refinanzierung von Web-Angeboten sicherlich erschwert.

    1. “Wenn es im Kundenauftrag geschieht, kann man kaum etwas dagegen sagen“….hmm, da bin ich mir nicht so sicher. Schließlich stimmt mensch mit der Zustimmung zu AGBen mitunter auch der Einblendung personalisierter Werbung zu. Mit welchem Recht diese Zustimmung dann geschäftsmäßig untergraben werden darf, wäre dann wohl eine Frage für Juristinnen und Juristen. Oder übersehe ich da was?

  2. Was würde denn passieren, wenn Google im Gegenzug sagt, auf diesen oder jenen Netzwerken bin ich auch garnicht mehr erreichbar? Wer bleibt den bei der Telekom, wenn er dort seine gewohnte Suchmaschiene nicht mehr findet?

  3. Interessant, das muss ich mal meiner Chefin zeigen.
    Ich bin Zeitungsverteiler, d.h. wir entfernen in Zukunft einfach die Werbeprospekte aus den Zeitungen und schließen dann halt eigenständig Verträge mit Firmen die Werbung in der Zeitung wollen.
    Oder hab ich das Prinzip jetzt falsch verstanden?

    1. Das Beispiel ist nich komplett: Du müsstest eher ein Zeitungs-, Prospekt-, Brief- und Paketverteiler sein. Und wenn ich „keine Reklame/Werbung einwerfen“ auf dem Postkasten stehen habe darfst/mußt Du diese ausfiltern. Natürlich nicht aus der Tageszeitung/Briefe/Pakete – aber halt die Prospekte/Reklame. So macht es die Post tagtäglich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.