Handy ausgespäht: Spionageverdacht im Geheimdienst-Ausschuss

Die Welt berichtet, dass das Handy von Patrick Sensburg, Vorsitzender des Geheimdienst-Untersuchungsauschuss im Deutschen Bundestag, abgehört worden sein könnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist generell hoch, nicht nur bei ihm, sondern bei allen Abgeordneten in diesem Ausschuss. Aber diese Indizien klingen wie aus einem Agentenfilm:


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Der Ausschussvorsitzende soll im Februar eine Funktionsstörung bei seinem Blackberry Z30 festgestellt haben. Daraufhin hat die Bundestagsverwaltung das Gerät in einem verplombten Behälter durch die Firma DHL zur Überprüfung an das BSI in Bonn geschickt. Ein solcher Transport erfolgte erstmalig. Der Bundestag bestätigte den Sachverhalt auf Anfrage: Der verplombte Transportbehälter sei geöffnet beim Empfänger eingetroffen. Bei der Ankunft wurde nach „Welt“-Informationen zudem festgestellt, dass das Handy offensichtlich zwischenzeitlich herausgenommen worden war.

Das Blackberry Z30 ist ein Kryptohandy, was extra angeschafft wurde, damit man verschlüsselt telefonieren kann. Es wurde jetzt Strafanzeige gestellt und eine Analyse durch das BSI braucht mehrere Wochen um mehr Indizien zu sammeln.

Die passende Frage dazu hat Anne Roth, die als Referentin der Linken Fraktion im NSAUA arbeitet:

18 Kommentare
  1. Die Frage die ich mir stelle ist: würde das BSI bei einer Abhörung durch den BND dazu öffentlich Stellung nehmen. In einem gesunden System wäre das so.

  2. Wenn ich den Verdacht habe, dass ein Geheimdienst mein Handy anzapft, dann schicke ich das doch nicht mit der Post (welche die Geheimdienste anzapfen können) zur Untersuchung.

    Da stellt man eine Falle indem man ein prepariertes Handy schickt. Das Echte schickt man mit einem Boten. Und nicht zum BSI (BND) sondern zum CCC.

    Einmal mit Profis.

    1. ja, das sehe ich auch so. Die wissen immer noch nicht wer die guten und wer die schlechten sind.

      … für weitere Informationen oder Nebenwirkungen wenden sie sich an den Geheimdienst ihres Vertrauens …

    2. Zum Thema muss man Wissen, dass DHL Express der einzige für VS-Transporte zugelassene Kurrierdienst in Deutschland ist (ich denke, auch hier wird aus diesem Grund die Express-Tochter beauftragt worden sein). Das Ding einem der zwischen Berlin und Bonn pendelnden Minister- und Staatssekretären-Limousinen anzuvertrauen, wäre vermutlich zu kreativ oder unkonventionell für den Beamtenstaat.

    1. Das kommt auf den Zweck an. Als Zweck kommt ja alles mögliche in Frage:
      „das Handy durchsuchen“
      „etwas ins Handy einbauen“
      „etwas aus dem Handy ausbauen“
      „einschüchtern“
      „etwas demonstrieren“
      „ablenken“
      „den Verdacht auf einen anderen Geheimdienst lenken“

      Beispiel 1:
      Ich möchte , dass der Untersuchungsauschuss weniger Einsicht in Geheimnisse bekommt. Also demonstriere ich mal, wie angreifbar Mitglieder des Untersuchungsauschusses sind und dass Geheimnisse dort nicht sicher genug sind.

      Beispiel 2:
      Ich muß dringend etwas aus dem Handy ausbauen und ich befürchte, Spuren zu hinterlassen. Dann ist es vielleicht besser, bewußt Spuren zu hinterlassen. Welche die so auffällig sind, dass nur noch spekuliert werden kann, was ich eigentlich wollte.

      Derartige Beispiele kann man sich zu dutzenden ausdenken.

    2. Könnte auch einfach sein, dass man nicht damit gerechnet hat und derjenige, der Zugriff genommen hat, nicht die Gelegenheit hatte, die Verplombung zu ersetzen. Oder, dass man es wusste, aber die Umstände des Zugriffs (Zeitfenster, Auffälligkeit) eine Ersetzung unmöglich gemacht haben, der Zugriff aber dennoch als wichtiger erachtet wurde, als keine Spuren zu hinterlassen.

  3. Also ich habe ja auch mal ein paar Wochen geöffnete Briefe bekommen, ein paar aus den USA und dann auch inländische. ABER ich glaube, da waren nur meine Mitbewohner neugierig?! Auf einem Brief (spirituelle Erbauungsliteratur aus den USA) war ein großer schwarzer Fußabdruck. Hätte ich mal aufbewahren sollen? Ok, ich gebe es zu, der wahrscheinlichste Grund: Die Hauseigentümer wollten die Wohnung teurer vermieten?! Ach egal, es ist schon spannend, wie schnell Paranoia losgehen. Da reicht schon ein Hubschrauber, der eine Zeitlang über den Dächern kreist.

    Langer Rede kurzer Sinn: Es ist interessant, wie schnell Menschen sich einschüchtern lassen mit sehr profanen und subtilen Mitteln und oft spielen der Zufall und alltägliche Wahrnehmungsverzerrungen eine große Rolle. So lebt der Mythos Geheimdienste weiter und weiter und weiter (gähn).

      1. Skandalös ja – nur hat’s dann mit der hier angedeuteten „Schweinerei“ nichts zu tun, sondern ist ’ne ganz andere Baustelle.

        Generell sollte man sich die Frage stellen, ob diese Effekthascherei das ein oder andere mal möglicherweise etwas zurückgenommen werden sollte. Diese unsubstantiierten Meldungen sind doch echt für die Katz‘ und bringen niemandem was, solange nichts Genaueres bekannt wird.

  4. Hallo,
    Bei den Top-Entlohnungen von DHL wundert mich es nicht Verblompte Behälter aufgebrochen werden.
    Ist ja wie ne Einladung.

    mfg

    Ralf

    1. […]
      DHL bestätigte auf Anfrage von Golem.de, „dass die betreffende Sendung tatsächlich als Paket bei DHL eingeliefert und durch uns befördert wurde“. Allerdings ermittele inzwischen die Polizei in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen, so dass derzeit keine weiteren Details bekanntgegeben werden könnten. Im Produktangebot von DHL gibt es demnach keine spezielle Sendungsform als „verplombte Sendung“. [1]

      [1] http://www.golem.de/news/spionageverdacht-kryptohandy-von-nsa-ausschuss-chef-womoeglich-gehackt-1503-112747.html

      1. Ja ne, dass die Verplombung nicht durch DHL erfolgte, ist klar. Die haben aber dafür zu sorgen, dass aufgegebene Versendungen nicht beschädigt werden und unversehrt beim Empfänger ankommen. Dabei ist’s ganz gleich, ob eine Kiste verplombt oder ein Paket zugeklebt ist. Ersteres erleichtert im Nachhinein lediglich die Beantwortung der Frage, ob an der Sendung rumgepfuscht worden ist.

    1. Was nützt es, eine App zu haben, die meine Gespräche verschlüsselt überträgt, wenn ich nicht weiß, was noch auf meinem Handy läuft?
      Das Baseband-Modul (Also das Mobilfunkmodem) ist eine vom Provider (um)programmierbare Blackbox mit Vollzugriff auf das Gerät. Man kann das Gespräch also einfach abgreifen, bevor es verschlüsselt wird. Geheimdienste können das und machen es. In Deutschland nennt man das „Quellen-TKÜ“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.