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Alles Beta: Der erste netzpolitische Video-Wochenrückblick ist da

Seit einigen Monaten veröffentlichen wir in der Regel Freitags den netzpolitischen Wochenrückblick und verschicken ihn als Newsletter (Rechts oben kann man sich dafür eintragen). Als Experiment haben wir jetzt den netzpolitischen Video-Wochenrückblick gestartet. Eine erste Version ist online, in der Florian und Anna in zwölf Minuten über die Top-Themen der Woche reden. Das ist alles noch sehr beta und wir probieren die kommenden Wochen verschiedene Sachen aus. Wir freuen uns über Feedback und Verbesserungsvorschläge.


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5 Kommentare
  1. Subjektive Kritik:
    A) Videos sind im Gegensatz zum Fernsehen im Web ziemlich unhandlich. Gerade wenn es darum geht, nur mal eben was zu erzählen, finde ich die Textform optimal, da sie schneller produzierbar, schneller wahrnehmbar, durchsuchbar und überfliegbar ist. Videos wirken dagegen unheimlich träge, fordern mehr Aufmerksamkeit, Zeit, Lautstärke. Also nicht so praktisch für eine Kurzzusammenfassung. Dagegen eignen sie sich super zur Veranschaulichung komplexer Themen und zum Transport einer Message. Daher finde ich NP-Videos grundsätzlich toll, fände aber eine Videoerklärung von GPG oder einen viralen, sehr kurzen „Werbespot“ gegen Überwachung, der so interessant oder lustig ist, dass viele ihn weiterleiten, um Längen besser.

    B) Als Setting hätte ich etwas Repräsentativeres als eine Couch gewählt, die zum Cocktail- oder Bierchentrinken einlädt. ;)

    C) Ein Wochenrückblick wäre im Fernsehen eine echt coole und sinnvolle Sache, die man evtl. in irgendein Politmagazin oder eine andere geeignete Sendung einbetten könnte, und die Videoform so rechtfertigen würde. Aber das ist wahrscheinlich ein viel großeres Projekt …

    Ich bin gespannt, was sich entwickelt; als regelmäßige Blogleserin fehlt mir aber irgendwie der Mehrwert, weshalb ich so ein Video wirklich nochmal ansehen sollte. ;)

    1. Bei rocketbeans unterbringen, das kommt nem „internet-tv-sender“ ja momentan am nächsten :D

      anonsten würd ich mich der kritik anschließen. n video kann ich mir halt nur utner sehr bestimmten situationen anschauen und ist nicht/schwer durchsuchbar während man die textform eig. überall (besonders in nervigen meetings) wahrnehmen kann.

  2. Herzlichen Glückwunsch für die erste Sendung!

    Es macht Euch „lebendiger“, auch mal livehaftig zu sehen. Ideal ist das Format vor allem dann, wenn Ihr Euch immer mal externe Gesprächspartner dazu holt. Oder, wie oben schon genannt, Themen mit vielen Worten erklärt werden müssen oder sollen.

    Tipps zur Technik:

    Deutlich professioneller sieht es aus, wenn beide Kameras bezogen auf Farbe, Kontrast und Helligkeit ein gleichwertiges Bild liefern. Wenn ihr viel Nacharbeit im Schnittprogramm sparen wollt, nehmt zwei identische Kameramodelle. Dort vor der Aufnahme Iso, Blende, Belichtungszeit, Weißabgleich identisch einstellen. Wenn mal notwendig (z.B. anderer Schärfentiefebereich), kann Blende und Belichtungswert an einer Kamera geändert werden, aber dabei immer so gegensätzlich, dass die Lichtmenge identisch bleibt.

    Wenn ihr dann zwei identische Kameras benutzt, dann bei Beiden IMMER den Weißabgleich auf Hand einstellen und das gleiche Setting verwenden. Selbst wenn die Aufnahme nicht ideal wird, lässt sich dann im Schnittprogramm die Farbkorrektur für beide Streams einmalig durchführen und beide Streams behalten die fabliche Idendität.

    Beleuchtung: Schwarze Klamotten auf schwarzem Sofa sind keine gute Idee. Das Bild säuft unterhalb der Köpfe dann schnell ins komplette Schwarz ab. Das wirkt improvisiert. – Der linke Scheinwerfer für den Background ist am Sofa so hell, dass das Blau stellenweise in die Sättigung geht. Dadurch verschwindet die Zeichnung, was ebenfalls unprofessionell aussieht.

    Im Journalismus darf es auch mal unprofessionell zugehen, wenn Low Budget oder andere Bedingungen es erfordern. Aber idealerweise sollte man es vermeiden, damit nichts vom Thema ablenkt. Und es lenkt dann nichts ab, wenn die üblichen Sehgewohnheiten für den Nutzer vom klassischen Fernsehmedium übernommen werden.

    Das bissige Tier ist ne gute Idee! Etwas Witz ist erfrischend und hebt Euch vom konservativen Fernsehen ab. Eine so gesetzte bewußte Ablenkung ist natürlich statthafft, weil sie ja ebenfalls einen Inhalt liefert. Eben mehr auf der Gefühlsebene.

    Hintergrund: Die Unterkannte der Poster an der Wand wirken in Bezug zum Sofa aus der Perspektive der Kamera sehr schief! Findet eine andere Lösung. Denn diese schiefen Linien lenken ebenfalls unbewusst ab. Auch wenn der Betrachter das nicht weiter analysiert, empfindet er das, was nicht zielführend ist. Es wirkt improvisiert, was nicht sein darf, wenn Ihr regelmäßig mit dem gleichen Setting aufnehmt.

    Viele Grüße und viel Erfolg!
    Frank

  3. Was mir noch inhaltlich aufgefallen ist, ist eine spezielle Schwäche der Argumentation seit der Snowden-Zeitrechnung: Wir argumentieren so, dass Otto Normalverbraucher, auch und vor allem der sehr intelligente Otto, wie auch die Politiker uns nicht ernst nehmen können:

    Wir diskutieren Szenarien der Demokratie, indem wir aktuelle Dinge, z.B. Snowden- oder Kasperski-Informationen, linear hoch skalieren und die unmittelbaren Gefahren (also die direkten, die 1. Ordnung) auf uns selbst in einer zukünftigen Gesellschaft projektieren. Wir argumentieren damit mit Science Fiction! Das ist ein großer Fehler. Diese Angst-machenden Szenarien müssen Otto, wie auch dem Politiker lächerlich erscheinen. Denn sie selbst skalieren ja die Zukunft aus dem Jetzt mit völlig anderen Prämissen und Erfahrungen. So machen wir uns zum Märchenerzähler.

    Diese Skalierung 1. Ordnung ist, auch wissenschaftlich, völlig daneben. Grund: Wirtschaft wie Sozialleben ist dynamisch organisiert. Wenn Veränderungen erst tatsächlich wirksam werden, dann reagieren Menschen, wie Märkte. – Natürlich: Die Gefahren bestehen. Und sie zu erkennen ist ganz wichtig. Aber sie als Kommunikationsgrundlage zu nehmen, ist meiner Meinung nach ein großer Fehler.

    Ich sehe die Lösung darin, dass wir die Skalierung erster Ordnung (mehr sind wir ohne intensive wissenschaftliche Forschung nahezu nicht in der Lage) auf die unmittelbare Realität und unmittelbare Zukunft abbilden. Denn dort spielt die genannte Dynamik noch keine (Gefahr-dämpfende) Wirkung. Dort können wir und Otto und Politiker tatsächlich und glaubhaft nachvollziehen, was passieren kann, wenn es nicht sogar schon hier und da passiert ist.

    Politiker reagieren sehr empfindlich auf negative Einflüsse auf die Wirtschaft. Sei es, weil sie die Wiederwahl fürchten. Egal. Otto Normalverbraucher möchte auch, dass auf dem Arbeits- wie Geldmarkt Stabilität herrscht. Und auch die NSA hat nicht nur Science Fiction im Kopf! Was ist also in diesem Kontext wirklich relevant und wird von allen Mitmenschen als Real empfunden?

    Der Einfluss auf uns und die Wirtschaft im Hier und Jetzt!

    Leider wird das, und ich verfolge die allgemeinen und populär-wissenschaftlich orientierten Medien bezüglich Snowden und Zukunftstechnologien intensiv, sehr selten berücksichtigt. Was kann heute passieren, wenn die NSA SIM-Kartendaten stiehlt?

    Gesponnen, aber realitätsnah: Nehmen wir an, General Motors kommt wieder in finanzielle Schieflage und will sich von Opel trennen, ohne dass dies irgend welche politische „transatlantische“ Querelen zur Folge hat. Ideale Lösung: Opel schießt sich selbst ab! Hier liegt also zwar ursächlich ein privatwirtschaftliches Interesse vor, wo anzunehmen ist, dass die NSA da nur sehr zurückhaltend eingreift, denn welcher Geheimdienst geht schon gerne Risiken ein, dass in der Folgezeit seine Einflussnahme entdeckt wird? Doch nehmen wir an, solche Querelen passen der politischen Führung der USA gerade nicht und sie stimmen zu, dass die NSA Schützenhilfe leistet. Mittels der SIM-Kartendaten hat sie schon länger Verbindungen zu Personen hergestellt und Daten gesammelt, die sie nun in einen inszenierten Kontext stellen kann. Wissen ist Macht. Mit dieser Macht und der Unterwanderung der IT in Europa wird nun das Management bei Opel ganz gezielt so manipuliert, dass sich das Management als unfähige, selbstzerfleischende Gruppe in der Öffentlichkeit darstellt. Dass General Motors 3 Wochen später die Reißleine zieht, fällt also, unsere Medien werden das Fressen schon sehr schön aufarbeiten (Lügenpresse? Nein, sie können nicht anders!), dem eigenen Management zu und nicht dem möglichen Missmanagement von GM in Amerika. Tausende Arbeitsplätze sind jetzt tatsächlich weg. Und unsere Politiker können gar nichts tun. Genau genommen sind sie sogar fein raus. Wenn man jetzt böse ist, könnte man also schlussfolgern, dass die Spitzeleien der NSA in Europa sogar im Schadensfalle der Regierung nutzen… Zu ihrem Selbsterhalt vielleicht. Aber nicht mal in dem Sinne, den die Politik am meisten unterstützt: Im Interesse einheimischer Groß-Unternehmen. In so einem Szenario wurden wir also tatsächlich cybermilitärisch angegriffen. Nicht mal aus Kriegsinteresse. Nein, nur weil man politischen, transatlantischen Ärger vermeiden wollte.

    Ich möchte das jetzt eben nicht gleich hochskalieren zu einem Wirtschafts-Cyberkrieg. Lassen wir die Gefahr durch unsere Politiker selbst erkennen. Was die selbst erkennen, nehmen sie am besten an.

    Ich beende das (Bei)Spiel mal an dieser Stelle. Mir erscheint es zumindest realistätsnäher als „die NSA kann mich überwachen und mir Porno unterschieben“.

    Solange die Medien nicht die unmittelbare Gefahr zum Thema machen, rennen wir gegen Mauern! Vielleicht könnt Ihr, mit Eurem Fachwissen und Eurer Energie einen Beitrag leisten, die Kräfte endlich in die richtigen Kanäle zu leiten, damit Politikgestaltung nicht für 99,9% von uns vor der Mauer der Politiker und der Bevölkerung abprallt.

    Da Ihr mit Eurer Arbeit neben dem CCC zunehmend selbst mediale Aufmerksamkeit auf Euch zieht, auch wegen Eurer Fachkompetenz, denkt bitte auch darüber nach, wie Ihr dieses Wissen, diese Informationen so präsentieren könnt, dass auch Otto-Normaljournalist ein Thema für sein Medium wittert. :-)

    Beste Grüße!
    Frank

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