In dem Beitrag „Unser Vermarktungsdilemma“ hatte ich vergangene Woche bereits beschrieben, worüber wir uns gerade den Kopf zerbrechen.
Wahrscheinlich rund 40% unserer Leserinnen und Leser konsumieren uns im RSS-Feed, der rund 4,5 Millionen mal im Monat abgerufen wird. Das machen wir ja selber auch, RSS ist immer noch mein Lieblingsmedium und dort erfahre ich als erstes, wenn ein neuer Artikel hier erscheint. Allerdings besteht unser Dilemma darin, dass uns die derzeitige Auslieferung eines Full-RSS-Feeds zur Monetarisierung und damit Refinanzierung unserer Arbeit nichts bringt. Außer den freiwilligen Abos in Form von Spenden unserer Leserinnen und Leser, die aber nur zwischen 1–2% der Leserschaft ausmachen.
Jetzt stehen wir vor verschiedenen Möglichkeiten, wie wir mit dem RSS-Feed umgehen, und bevor wir uns für eine entscheiden, freuen wir uns über Euer Feedback.
- Einfach den Full-RSS so lassen wie bisher. Kann man machen, löst aber nicht unser Dilemma: 40% der Leserschaft fällt bei Werbung raus, die wir zur Refinanzierung als weitere Säule aber benötigen, weil nur 1–2% sich an den Unkosten beteiligen.
- Einfach den Full-RSS lassen und Werbung rein packen. Hier gibt es auch wieder zwei Möglichkeiten: Werbeplätze (Banner oder Text) selbst vermarkten (Kostet Zeit und dann braucht man auch noch Kontakte zu Werbetreibenden) oder an Werbevermarkter auslagern. Letzterer setzt dann wiederum Trackingtools ein, nicht jeder RSS-Reader hat einen Adblocker und viele werden sich sicher deswegen beschweren. Vor allem: Soweit wir das verstanden haben, ist Werbung in RSS-Feeds in Deutschland eher eine Resterampe bei Vermarktern. Weil sonst ja kaum jemand Full-RSS-Feeds anbietet und dann einfach ganz billige Werbung noch zu den abgekürzten RSS-Feeds gepackt wird. Mag sein, dass wir uns irren und nur nicht die richtigen Kontakte haben, aber so überzeugt sind wir davon noch nicht. Aber generell Werbung im Feed unterzubringen steht zur Diskussion.
- Was immer wieder vorgeschlagen wird: Wir könnten den RSS-Feed als kostenpflichtigem Mehrwert anbieten. Abonnenten bekommen einen Full-RSS, der Rest nur einen Feed, der z.B. nur die Überschriften sendet, wahlweise mit den ersten hundert Zeichen. Ist nicht unüblich, bei deutschsprachigen Medien ist das eher die Regel. Kann man machen, aber das bedeutet natürlich auch einen Aufwand. Wir müssten mehr Daten unserer Abonnenten verwalten und eine Infrastruktur schaffen, wo individuelle Zugänge zu Feeds gemanaged werden. Weil die Sache sicher nicht einfach so klappt, dass man eine andere URL für den Full-Feed nutzt, weil dann wieder ganz viele damit beschäftigt sein werden, anderen diesen Feed zur Verfügung zu stellen. Und dann können wir es eigentlich auch sein lassen. Abgesehen davon, gibt es WordPress-Seitenprojekte, die genau an solchen Lösungen bereits arbeiten?
- Immer wieder gerne vorgeschlagen wird die Möglichkeit, den RSS-Feed einfach zu kürzen. Kann man machen, dann klicken wahrscheinlich mehr Menschen auf diese Webseite. Aber solange wir das Vermarktnugsdilemma in die Richtung nicht gelöst haben, ob wir uns jetzt vermarkten lassen oder uns selbst vermarkten und ob darüber auch ausreichend Werbegeld reinkommt, ist es eigentlich irrelevant, ob uns jemand im Full-RSS-Feed liest oder auf dieser Seite.
- Diese Variante lässt sich natürlich auch noch erweitern, indem man einen gekürzten RSS-Feed aussendet und diesen mit Werbung aus der Resterampe (wahlweise Google-Ads) vollpackt. Da schreien dann sicher wieder viele Tracking!, aber die meisten davon haben dann trotzdem den gekürzten Heise-Online-Feed mit derselben Werbung im Feed-Reader.
Bevor wir würfeln oder basisdemokratisch in der Redaktion abstimmen oder den RSS-Feed gleich ganz auf den Müllhaufen der Technikgeschichte werfen, freuen wir uns über Euer Feedback. Was sagt Ihr dazu, welche Lösungsvorschläge habt Ihr? Was haben wir noch nicht bedacht?
Gestern beschrieb ich in dieser Reihe „Unser Vermarktungsdilemma“ in Teil 2, wie bei uns die Säule der freiwilligen Finanzierung funktioniert und wieviele dabei mitmachen.