Vergangene Woche hatte ich in dem Beitrag „Unser Vermarktungsdilemma“ geschildert, dass wir in der Refinanzierung unserer Arbeit hier auch auf Werbung angewiesen sind. Unsere Refinanzierung ist, wie überall im Onlinejournalismus, ein Mix aus verschiedenen Säulen.
Bei uns bestehen die Säulen aus:
- Freiwilligen Abos in Formen von Spenden
- Werbung (Bisher über einen Vermarkter und über Anzeigen, die direkt bei uns gebucht werden können)
- Vorträge halten und Workshops durchführen
- Gastbeiträge in anderen Medien (wie meine wöchentliche Kolumne bei n24).
Keine Säule alleine ermöglicht es uns, weiterhin unabhängig zu bleiben und vor allem unser Angebot ausbauen zu können.
Vor allem die Säulen drei und vier bedeuten, dass da zwar Geld reinkommt, wir aber weniger Zeit haben, hier Inhalte zu erstellen.
Bisher gab es unter dem Beitrag 222 Kommentare mit vielen Anregungen. Diese möchte ich in den kommenden Tagen mal einzeln reflektieren. Fangen wir mal mit einer Säule an, die wir im vergangenen Jahr im April eingeführt haben: Die freiwilligen Abos in Form von Spenden. Wir waren etwas verwundert, wie oft vorgeschlagen wurde, dass wir hier doch Spenden sammeln sollten, bzw. Crowdfunding versuchen sollten. Vielleicht kommunizieren wir das zu defensiv, aber im Moment trägt diese Möglichkeit am meisten dazu bei, dass wir unabhängig bleiben und sogar unsere Redaktion durch eine weitere Halbtagsstelle und einen bezahlten Praktikumsplatz ausbauen konnten. Unsere Ausgaben ohne diese beiden zusätzlichen Stellen haben wir im vergangenen Jahr offengelegt.
Im vergangenen Monat Februar kamen darüber 6393,79 Euro hinein. Dabei gab es eine Einzelspende über 1000 Euro, für die wir uns herzlich bedanken wollen. Ohne diese Einzelspende hätten wir im Februar weniger Geld eingenommen als im Januar, was uns etwas verwundert hat. Das liegt daran, dass wir im vergangenen Monat unser Buch „Überwachtes Netz“ zum kostenfreien Download angeboten haben und im Gegenzug um Spenden zur Refinanzierung gebeten haben. Über 70.000 x wurde das Buch heruntergeladen, aber wir sehen keinerlei Effekt in den Spenden.
Wieviel Geld wird worüber gespendet?
Im Februar kamen 3100,46 Euro über 87 Überweisungen rein. Dazu kamen 1687,15 Euro vpn 209 Spenderinnen und Spender per Dauerauftrag. Das ist leider der niedrigste Wert an Daueraufträgen seit Start unserer Spendenmöglichkeit vor einem Jahr. 59 Spenden kamen via Paypal rein und brachten 670 Euro. Etwas zugenommen hat der Flattr-Anteil mit 936,23 Euro gegenüber dem Vormonat, was daran liegen kann, dass der Vermarktungsdilemma-Artikel viel geflattert wurde.
Zum Vergleich der Januar: Dort kamen 5649,02 Euro auf den vier Wegen zusammen. 102 Überweisungen brachten 2576,21 Euro, 254 Daueraufträge brachten 2079,37 Euro, bei Paypal kamen 213,50 Euro von 12 Spenderinnen und Spendern zusammen und via Flattr 779,94 Euro.
Der Netzpolitik e.V. ist übrigens gemeinnützig und Spenden sind von der Steuer absetzbar.
Was mich wiederum zu verschiedenen Fragen führt:
Wie kommt es, dass wir trotz 70.000 verschenkten Büchern keinen Effekt in den Spenden wiederfinden? Was natürlich schade ist, zeigt sich doch dabei, dass das Modell „Verschenken gegen Spende“ in diesem Fall nicht wirklich funktionierte.
Müssen wir offensiver darauf hinweisen, dass wir unser Angebot nur unabhängig, offen – und ohne Paywall – refinanzieren können, wenn ausreichend Leserinnen und Leser freiwillig ein Abo abschließen? Die Taz konnte, zumindest für einen Zeitraum, ihre freiwilligen Abos verdoppeln, indem sie eine oft als nervend empfundene Paywall beim Aufruf der Seite einblendete. Wir haben das mal im Dezember für eine Woche ausprobiert und konnten diesen Effekt auch beobachten. Alleine so schön fanden wir das auch nicht.
Wie schaffen wir es, dass mehr von Euch freiwillige Abos in Form eines Dauerauftrages einrichten? Gegenüber dem Januar haben diese Daueraufträge abgenommen. Es ist wunderbar, dass wir viele Einzelspenden erhalten, aber mehr Planungssicherheit würde uns ein Dauerauftrag bringen, der monatlich Geld bringt und uns besser kalkulieren lässt.
Insgesamt betrachtet ist nur ein kleiner Teil unserer Leserschaft bereit, unsere Mitarbeit durch eine freiwillige Spende zu refinanzieren.
Wir danken allen herzlich, die an uns glauben und bereit sind, uns finanziell zu unterstützen. Gleichzeitig nutzen sehr viele Leserinnen und Leser Adblocker und Anti-Tracking-Tools und sehen keine Werbung. Das trägt nicht besonders zur Lösung unseres Vermarktungsdilemmas bei.