Öffentlichkeit

Wikileaks, iPredator und jetzt Rock aus Rügen – PayPal sperrt Crowdfunding-Konto

PayPal fiel schon öfters durch die Sperrung von Transaktionen auf. Bisher mussten dran glauben: Der crowdfinanzierte Maildienst Mailpile, der VPN-Anbieter iPredator, die Vereinigung Courage to resist, die Bradley Manning unterstützt, Wikileaks und Online-Händler, die Rum verkaufen wollen. Jetzt hat PayPal auch erklärt, keine Transaktionen mehr für die Rügener Trashrock-Band COR abzuwickeln. Die Musiker haben auf startnext.de eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Damit wollen sie eine Tour durch Kuba finanzieren, die kostenlos und von einem Filmteam begleitet sein wird. Ziel ist es, die kubanische Punk- und Metalszene zu unterstützen – mit öffentlicher Aufmerksamkeit wie auch mit Sachspenden in Form von Instrumenten und anderem Equipment.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

 


 

Startnext musste den Musikern nun mitteilen, dass PayPal für das Projekt deaktiviert wurde. Grund dafür ist das US-Handelsembargo gegen Kuba, dass amerikanischen Unternehmen (wie PayPal eines ist) die Finanzierung kubanischer Bürger, Marken oder Produkte verbietet. Jetzt müssen die Musiker nachweisen, dass von den Crowdfunding-Geldern nur das Projekt direkt unterstützt wird und nichts davon in die kubanische Wirtschaft fließt.

Knapp 3.800 Euro wurden via PayPal bereits gespendet, berichtete der Bassist der Band in einem Interview mit der taz. Das ist bei einem Gesamtspendenziel von 8.307 Euro ein gewaltiger Anteil. Die Musiker lassen sich dadurch nicht entmutigen und wollen das Projekt fortführen, vorzugsweise mit Spenden aus anderen Bezahlmodellen wie Vorkasse oder Sofortüberweisung.

Im Moment beträgt die Gesamtspendensumme bereits 8.848 Euro, was mehr als die angestrebte Summe darstellt. Der Überschuss soll in weitere Unterstützung für Kubas Musikszene gesteckt werden. Es bleibt zu wünschen, dass den Musikern durch die Aufmerksamkeit, die durch die PayPal-Sperre entstanden ist, mehr Nutzen als Schaden zuteil wird.

Außerdem zeigt der Fall, dass es notwendig ist, alternative und sichere Bezahlmodelle zu entwickeln bzw. zu etablieren. Wenn auch eine der neuesten Ideen, Zahlen per E-Mail, durch Sicherheitsbedenken eher wie eine riskante Schnapsidee daherkommt.

 

 

14 Kommentare
  1. Hatte die Diskussion hier letztens schon einmal. Aber trotzdem: Bitte, Bitte, liebe Kollegen von netzpolitik.org – geht mit gutem Beispiel voran und lasst die Fingen von paypal.

    1. Bekommen wir dann die rund 1000 Euro Spenden im Monat, die wir zum Weiterbetrieb dieser Plattform benötigen und die über Paypal reinkommen, von Dir? Wir hatten die Diskussion bereits: Wir sagen deutlich, dass andere Wege besser sind, wegen weniger Kosten und wegen politischem Karma. Wir können aber nichts dafür, wenn viele einfach den für sie bequemeren Weg wählen.

  2. Neulich stand bei ebay ein Artikel zum Verkauf. Vermutlich weltweit der letzte dieser Art, der noch zu haben ist. Nur per Paypal zu haben. Angefragt, nein, nur per Paypal. Ich habe drauf verzichtet. Opfer müssen gebracht werden.

  3. PayPal ist schon bei vielen Crowdfunding-Projekten negativ aufgefallen.

    Das hängt wohl mit deren Refund-Politik zusammen: Wer nicht liefert, bekommt das Geld nicht ausbezahlt. Da Crowdfunding-Projekte naturgemäß sehr lange nicht liefern können, kollidiert das Geschäftsmodell mit der zentralen Dienstleistung von PayPal.

    1. Pernod in Frankreich, der europäische Vertragspartner in Sachen Havana Club, hat erfolgreich vor dem EuGH gegen PayPal geklagt, ebenso die Fa. Rossmann. Dies sollte der Band als Grundlage für eine erfolgreiche Klage dienen.
      Je mehr Unternehmen sich gerichtlich dagegen wehren, umso geringer sind die Chancen, dass diese unsägliche Praxis weitergeführt wird. Dann wird es sich PayPal überlegen, seine Rechtsstreitkosten hochzutreiben.

  4. PayPal kommt immer mit der Ausrede, dass es sich als amerikanisches Unternehmen an das US Handelsembargo gegen Kuba halten müsse. Allerdings bietet PayPal seine Leistung auch in Europa an, demnach müsste PayPal sich doch eigentlich hier an europäische Gesetze halten. Deutschland boykottiert Kuba nicht, also ist diese Aktion hier legal und verstößt gegen keinerlei Gesetze. Diese US Unternehmen, die meinen, sie müßten hier US Gesetzte durchsetzen, sollten empfindlich eins auf den Deckel bekommen. Solche Praktiken sollten unterbunden werden und ich kann mir nicht vorstellen, dass dies nicht machbar ist. Vielleicht sollte man mal Druck machen, dass diesen Unternehmen klar wird, dass sie in Europa europäisches Recht zu achten haben, und nicht US Recht.

    1. Das wird noch gailer…willkommen in den annektierten Staaten von Amerika:

      „in einem sogenannten “Streitbeilegungsverfahren” (Investor-State Dispute Settlement / ISDS), das bereits jetzt aufgrund von Beschlüssen der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in großen Teilen der Welt genutzt werden kann, können “Investoren” auf Schadenersatz wegen entgangener Gewinne klagen, wenn Gesetze oder Gerichte ihre wirtschaftlichen Umtriebe beschränken.“

      http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2013/10/11/freihandelsabkommen-alle-macht-den-konzernen/

  5. Je mehr solcher Dinger ich zu lesen bekomme, desto sicherer bin ich mir, dass es schleunigst eine Art zuverlässiges Fairtrade-Siegel für unterschiedlichste Netz Angebote geben muss. Eine Orientierungshilfe für „Normalnetzverbraucher“, eine Auszeichnung und Anerkennung für Firmen, die sich darum bemühen.

  6. Es wird schon lange eine Alternative zu den US-Online-Zahlungsdiensten gebraucht. Warum ist es nicht möglich, einen europäischen oder meinetwegen auch nur deutschen Online-Zahlungsdienst zu schaffen, ähnlich Paypal? Es ist sinnlos, darauf zu warten, dass sich US-Internetfirmen an europäisches oder deutsches Recht halten.

    @Markus: Der Konflikt ist immer der gleiche: Firmen kritisieren, aber gleichzeitig deren Dienste nutzen – untern Strich zählt das, was man tut, nicht das Gerede. Ob das ihr mit Paypal seid oder die Piraten und zig andere mit Facebook. Solange selbst die Netzpolitiker keine klaren Genzen ziehen, wie soll man es von weniger informierten Kreisen erwarten?

    Testet es doch bitte zumindest für einen befristeten Zeitraum, ob Spender nicht zu Lastschrift wechseln, wenn ihr kein Paypal mehr anbietet. Und falls ihrs macht, geht offensiv damit um, hängt es an die große Glocke, ihr seid kein unbedeutendes blog. Es gibt etliche Projekte und Firmen, die genau das gleiche Dilemma haben, die trauen sich auch alle nicht.

  7. Eine App, die einen direkt zur eigenen Bank weiter verlinkt, am Besten mit einem Überweisungs-„vordruck“ zum einfügen wäre eine annähernd ähnlich einfache Lösung. Vorausgesetzt ein „Provider“ kann glaubhaft beweisen, dass er keine Daten sammelt, oder sammeln lässt.

  8. Falls Reagan noch lebt, könnte man ihn vielleicht überreden, wahlweise an Ebay/Paypal oder an Obama einen Brief zu schreiben:
    „The Cold War ist over. Regards, your President“.

  9. Ich finde es gut, wie Ihr die Bezahlseite gemacht habt. Informativ, keine Bevormundung. Ich habe was über paypal gelernt und werde mir das künftig sehr genau überlegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.