„Polizeiphantasien aus Entenhausen“: Forschungsprojekt entwickelt Drohnen, die Fahrzeuge angreifen sollen

http://www.dreamstime.com/-image28607083Zukünftig sollen Drohnen fahrende Autos und Boote aufhalten – indem sie Motorelektronik stören, Netze verschießen, Schaumstoff sprühen oder Reifen durchstechen. Daran forscht das Forschungsprojekt Aeroceptor, das mit 3,5 Millionen Euro von der EU-Kommission finanziert wird. Kritiker fürchten Unfälle mit Verletzten und Toten – und fordern ein Ende der Forschung.


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Das Forschungsrahmenprogramm der EU war hier bereits öfters Thema. Die Europäische Kommission finanziert Forschung in 10 Themensträngen, darunter auch Studien zu Nutzer-Einstellungen über Online-Datenschutz. Ein großer Teil ist jedoch auch der Bereich Sicherheit, in dem unter anderem das umstrittene Projekt INDECT gefördert wurde. Ein weiteres Sicherheits-Programm ist das Projekt AEROCEPTOR:

Das Projekt strebt die Entwicklung eines neuen und innovativen Konzepts an, um nicht-kooperative Fahrzeuge auf Land und See aus der Ferne und sicher zu kontrollieren, zu verlangsamen und zu stoppen, durch ferngesteuerte Luftfahrtsysteme.

Dreieinhalb Millionen Euro gibt die EU-Kommission dafür aus. Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko und die Europaabgeordnete Sabine Lösing haben jetzt nachgefragt, wie das funktionieren soll. Und das ist die Antwort der Kommission:

Folgende Technologien, mit denen ein Fahrzeug auf sichere Weise zum Halten gebracht werden soll, werden in Betracht gezogen:

  • elektromagnetische Störungen zur Blockierung der Motorelektronik
  • Netze, in denen sich Räder von Fahrzeugen oder Propeller von Booten verwickeln
  • Spezial-Polymerschaumstoff, der allmählich verhärtet und das Fahrzeug zum Halten bringt
  • Vorrichtungen zum Durchstechen der Reifen
  • Farbmarkierungen und Lautsprecher


Die linken Abgeordneten bezeichnen das als „Polizeiphantasien aus Entenhausen“:

„Die Forschungen sind von hoher bürgerrechtlicher Brisanz“, erklärt Andrej Hunko: „Erstmals wird daran gedacht, polizeiliche Drohnen nicht mehr nur zur Spionage aufsteigen zu lassen. Die neuen Begehrlichkeiten drehen sich um Zwangsmaßnahmen aus der Luft. Die Kommission dürfte vor allem unerwünschte Migrantinnen und Migranten an den EU-Außengrenzen im Visier haben“.

Die beiden fordern einen Stopp der Forschung:

„Jedem Upgrade der Drohnen, ob zur Spionage oder mit obskurer Polizeitechnik, erteilen wir eine Absage. Entsprechende Forschungen müssen vor einer öffentlichen Debatte zurückstehen. Wir gehen davon aus, dass der größte Teil der Bevölkerung den Plänen ebenfalls skeptisch gegenübersteht“.

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9 Kommentare
  1. es ist doch schön, wenn man in europa keine anderen sorgen hat, als mit aller gewalt die überwachung der bürger und den o.g. bullshit zu forcieren. macht nur so weiter, irgendwann reichts auch dem mit reichlich rentenbezügen ausgestatteten, mutti-treuen „normal“-rentner.

  2. Ich „forsche“ auch gerade im Themengebiet Drohnen, sprich Masterarbeit Informatik. Es ist einfach unglaublich spannend „toten“ Gegenständen eigenständiges Handeln, sofern man das überhaupt so nennen kann, beizubringen. Großer Nachteil des Ganzen ist natürlich das alles was wir, aber besonders im Amiland, zu diesem Thema geforscht wird leider zum Militär wandert. Viele zum Teil extrem interessante Themen werden direkt vom Militär finanziert. Und ehrlich gesagt habe ich durchaus bedenken. Wenn man an Filme und Bücher denkt, wie sich der Überwachungsstaat vorgestellt wird läuft mir ein eiskalter Schauer den Rücken runter. Denn vermutlich weiß ich als Informatiker noch viel mehr wie nah wir dem Ganzen eigentlich sind. Und das wir alle auf genau dieses Szenario zuarbeiten, indem wir uns von Militärfirmen finanzieren lassen (meine Uni jetzt nich soweit ich weiß), oder unser Wissen diesen vollkommen frei zur Verfügung stellen. Das stellt ein riesiges Problem dar. Warum gibt es keine Lizenzmodelle die eine Militärische Verwendung verbieten? Z.b. bei der GPL?
    Aber auch wenn wir das hätten bliebe bei vielen Forschern das Problem der Finanzierung. Es gibt auch im nicht militärischen Bereich sinnvolle Einsatzzwecke für Drohnen. Z.B. für Solarpanel Überwachung, oder für Stromleitungen oder Gas/Erdölleitungen. Das wird ja vereinzelt auch schon angewandt. (Hier gibts eher noch Flugrechtliche Probleme) Da könnte man sich also auch von „normalen“ Firmen was an Finanzierung holen. Das Interesse und die Einsatzmöglichkeiten sind durchaus da. Das Problem ist nur, werden diese Informationen dann weiterverkauft ans Militär? Oder macht die Firma gleich ne Tochterfirma auf und stellt spezielle Abwandlungen direkt fürs Militär her? Denn die Übergänge sind fließend. Wenn die Drohne automatisiert 10ha Fläche an Solarpanels abfliegen kann und diese auf Fehler überprüft, bzw die Daten zur speicherung/weiterverarbeitung weiterleitet, dann kann sie auch Menschen überwachen. Den autonomen Flug kann man einfach wiederverwenden. Gut, man muss es anpassen, Menschen sind (von oben betrachtet) kleiner und bewegen sich dauernd. Aber je nach Einsatzzweck könnte man da schon mit wenig Aufwand in einigen Jahren nen richtig übles Überwachungsnetz bauen. Dagegen sind die 10k Kameras in London vermutlich noch harmlos.
    Also insgesamt macht mir die Richtung, in die sich große Teile der Forschung bei Robotik oder KI bewegen, ziemliche Kopfschmerzen. Wenn wir da nicht in den nächten 5 Jahren was machen basteln wir uns vermutlich unser eigenes „Freiheitsgrab“.

      1. Mh, interessant. Noch nie davon gehört, wobei ich bei rechtlichen Dingen sowieso nicht allzu bewandert bin.
        Der Name „Hacktivismo“ dürfte einige abschrecken.
        Werde ich aber mal vorschlagen falls es um irgendwelche Lizenzdebatten geht.

      2. Ob sich das Militär oder Regierungen, die sich sonst schon einen Käse für irgendwelche Moral interessieren, für Softwarelizenzen irgendwelcher Randgruppen interessieren, wage ich zu bezweifeln. Zur Not baut man es halt trotzdem ein und irgendein Strohmann war dann schuld, weil jemand leider, oh leider, irgendeine Lizenz nicht gesehen oder richtig gelesen hat. Aber das wird natürlich NIE wieder vorkommen, ganz sicher, aber Massenvernichtungswaffen gibts da drüben schon, ganz echt!!!11elf ;-)

        @aa: Ja, das ist immer so ne Sache. Mir fallen bei der Frage immer die Physiker ein. Eine schlauere Antwort kann ich aber leider auch nicht anbieten. Notfalls würde ich es aber an „Deiner“ Stelle lassen. Dann warst wenigstens nicht Du schuld.

  3. Sie hätten vielleicht erst einmal analysieren sollen, ob überhaupt ein Bedarf besteht. Afaik ist die Strategie der Polizei hierzulande doch eher die Sicherheit von Unbeteiligten bei der Verfolgung. Dazu beschränkt man sich normalerweise einfach auf das Folgen, da man ja eh den längeren Atem hat. Deswegen enden Verfolgungs- „Jagten“ hierzulande, im Gegensatz zu den USA, meist ohne spektakuläre Unfälle.

    Die Liste der Technologien liest sich aber auch eher wie aus Robocop kopiert, nur ohne die direkt tödlichen Optionen.

  4. „Vorrichtungen zum Durchstechen der Reifen“. Nach bayerischem Landrecht kann man dafür wegen Gemeingefährlichkeit unbefristet in der Klappsmühle weggesperrt werden. Fall Mollath: Der soll (wobei die Beweislage alles andere als überzeugend ist) Autoreifen angestochen haben, und zwar derart, daß erst bei der Fahrt langsam die Luft entwich, und das habe die Benutzer der Autos in Lebensgefahr gebracht (platzt der Reifen, hört der Fahrer den Knall und hält an, entweicht die Luft langsam, verschlechtert sich das Fahrverhalten ebenso langsam und vom Fahrer unbemerkt, und plötzlich landet das Auto im Straßengraben. Irgendwie so muß das nach bayerischer Gerichtslogik funktionieren)

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