Kultur

Offshore-Leaks gibt Einblicke in Steueroasen

Dem „International Consortium of Investigative Journalists“ sind im letzten Jahr rund 260 GB Daten mit Informationen zu Konten von 130.000 Personen aus rund 170 Staaten in zehn Steueroasen zugespielt worden. Zusammen mit einem Netzwerk aus insgesamt 46 Medien weltweit wurden die rund 2.5 Millionen Dokumente, vor allem e-Mails, im vergangenen Jahr ausgewertet und heute Nacht gingen die Enthüllungen als Projekt „Offshore-Leaks“ weltweit online. Vom „größte Datenleck in der Geschichte“ spricht die Süddeutsche Zeitung, die zusammen mit dem NDR in Deutschland monatelang die Daten verifizierte. Die Daten stammen wohl von zwei ungesicherten Servern, die irgendwer gefunden und die Daten dann an ICIJ übermittelt hat.

Prominentester Fall aus Deutschland ist momentan der tote Ex-„Playboy“ Gunter Sachs, den man jetzt Post-Mortem wohl als Ex-Steuerhinterzieher bezeichnen kann.


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Das ICIJ beschreibt detailliert, wie man vorgegangen ist: How ICIJ’s Project Team Analyzed the Offshore Files.

Der NDR hat ein Interview mit dem Datenjournalisten Sebastian Mondial: „Einmaliger Einblick ins Offshore-Business“.

Wie groß ist die Aussagekraft dieser Daten?

Mondial: Wenn man berücksichtigt, dass es sich um große E-Mail-Mengen handelt, die quasi das alltägliche Geschäft beschreiben und dazu zwei Datenbanken, die sehr viel darüber aussagen, wie diese Offshore-Firmen angelegt sind, welche versteckten Informationen es auch dazu gibt, dann bekommt man einen einmaligen Einblick in das Offshore-Business und auch die Bereiche, von denen man nur vermuten kann, wie sie funktionieren und was sie für Auswirkungen haben.

In Zeiten der Finanzkrise wird mit der Aktion wenigstens ein wenig Zuversicht vermittelt, dass auch in Steueroasen die Daten nicht immer sicher sind. Insofern kann man in diesen nur auf weitere Datenlecks hoffen.

Was macht eigentlich Wikileaks? Mit etwas Neid kommentierte das ehemalige Leaking-Projekt auf Twitter den Fall und verwies darauf, dass man mit dem Stratfor-Release doch mehr Dokumente veröffentlicht habe. Quantitativ mag das von der Dateienanzahl stimmen, allerdings dürfte die Veröffentlichung der Daten dieser US-Sicherheitsberatung nicht ganz dieselbe Relevanz gehabt haben.

Update: Bastian Brinkmann schreibt bei Sueddeutsche.de aus SZ-Sicht wie man vorgegangen ist: Wie Computer-Forensik das Offshore-System entschlüsselte.

Programmierer haben inzwischen auch die Software der Offshore-Finanzdienstleister nachgebaut. So ist es möglich geworden, sich durch das Firmenregister zu klicken, wie es die Angestellten in den Steueroasen gemacht haben, und viele essentielle Fragen zu beantworten: Wer ist eigentlich der Gründer dieses oder jenes Trusts? Wer ist Ansprechpartner? Ist eine Rechnung schon rausgegangen? An welche Adresse? Nur so war es überhaupt möglich, die komplexen Offshore-Konstrukte zu enträtseln. […]Eine systematische Analyse der Daten hat inzwischen ergeben, dass Unterlagen zu mehr als 122.000 Briefkastenfirmen und Trusts auf den Britischen Jungferninseln, den Cook-Inseln, Samoa, Hongkong, Singapur, den Cayman-Inseln, Mauritius, der Insel Labuan vor Malaysia und den Seychellen in ihnen stecken.

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10 Kommentare
  1. Ich frage mich eher, wie die an die Daten rangekommen sind. Steueroasen sind eigentlich dafür bekannt, sehr verschwiegen zu sein und möglichst nichts nach außen dringen zu lassen, vor allem die Karibik, immerhin ist das ihre einzige Existenzgrundlage. Ein Register gibt es ebenfalls nicht, daher stelle ich mir die Frage, woher plötzlich 260 GB Daten kommen. Kleine Hacker sind dazu nicht in der Lage.

      1. Hallo,
        Sebastian hier vom OSL Team. Die Daten sind natürlich nicht an einem Tag zusammengezogen worden. Sicher seht nur fest, das Gerard Gryle eines Tages eine Festplatte mit den Daten hatte und diese nach unseren Analysen von zwei Servern stammen.
        Welche Skills der/die Quellen hatten, können wir nicht sagen.

  2. Hi Markus,

    könntet ihr auf Netzpolitik beginnen, relevante Links direkt unter dem Artikel zu listen? Dieser Artikel hier hat 7 Links und bis ich da den relevanten Link zur im Artikel besprochenen Platform gefunden habe, dauert es eine Weile.

    Der Link “Offshore-Leaks” scheint kaputt. Er geht genau auf diesen Artikel hier.

    Kernlinks unter den Artikeln würden es euren Lesern extrem erleichtern relevante Punkt im Netz sofort zu finden.

    Wenn ihr z.b. eine Studie zitiert etc. einfach direkt untern Artikel verlinken.

  3. Nur ein Detail: Nicht jeder, der sein Geld versteckt, ist auch ein Steuerhinterzieher. Oft geht es vor allem um die Verschleierung der Besitzverhältnisse und Machtstrukturen.

  4. Diese „Veröffenlichung der Daten“ ist wider nur die Bestätigung dessen was jeder der „scheinbar“ Empörten schon immer wusste.Alle Parteien haben ihre Stiftungen und Finanzierungsmodelle und verschleiern ihre lobbyfinanzierungen und jobs.Warum sollten Vermögende nicht das selbe tun.Solange es keine unabhängige Politik gibt wird sich daran nichts ändern.Solange jeder der „Eliten“seinen Profitt macht ist alles in Ordnung,jetzt scheint es so zu sein, das der ein oder andere Verluste generiert hat und bemerkt hat, das dieses „Spiel“auch immer Gewinner und Verlierer hat.Der Frust darüber hat wohl einen Mensch dazu gebracht diese Daten zu veröffenlichen!

  5. monatelange Recherche um dann diesen toten Playboy als Aufhänger zu präsentieren. na super Jungs vom NDR und der Süddeutschen. Euer “ Forensikteam“ hat ja wahrhaftige Killerrecherche betrieben..

    wie wärs mal wenn ihr einfach die 1000 reichsten Deutschen und vielleicht noch 1000 namentlich in eine mysql datei eingebt und dann einen quervergleich mit den 260gb macht, da wird schon was bei rauskommen. addiert doch noch alle Mandatsträger dazu oder gebt die Festplatte doch gleich an den CCC, die haben da ein paar Jungs die sich mit sowas auskennen

    1. Tja, wenn das so einfach wäre. Das OSL Team hat sehr, sehr viele bekannte Namen mit den Daten abgeglichen. Nun gibt es mehr als zwei Offshorefirmen – wohl eher zweihundert oder noch mehr – d.h. die verteilen sich dementsprechend. Und (fiktives Beispiel) ein Zahnarzt aus der Pfalz ist halt keine Person der Zeitgeschichte und wird dann auch nicht in die Medien gezogen.
      Der CCC könnte mit den Daten auch nicht viel mehr machen als das Datenteam des ICIJ, sag ich einfach mal so.

  6. es ist nicht zuviel ein toter Prominenter, weil sowohl NDR und Süddeutsche sich davor ziemen mit jeglicher Veröffentlichung noch lebender Personen einen Rechtsstreit vom Zaun zu brechen..Feiglinge..

    vergleiche dazu, dass tags zuvor eine gewiefte Offshore Recherche ohne die 260 Gigabyte immerhin gerade einen französischen Minister zu Fall gebracht haben. In diesen 260GB steckt sicher einiges an Zündstoff und da wird sicher ordentlich Druck auf NDR Intendanz und SZ Redaktion gelegt da doch lieber einiges unter den Tisch zu kehren..

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