Datenschutz

Mehrheit der Amerikaner findet Überwachung okay, wenn es der Terrorabwehr dient

Das Projekt People and the Press des Pew-Forschungszentrums in Washington D.C. veröffentlichte gestern gemeinsam mit der Washington Post die Ergebnisse einer Telefonumfrage über das Verhältnis zwischen staatlicher Terrorbekämpfung und Schutz der Privatsphäre von Bürgerinnen und Bürgern. Vom 6. bis 9. Juni wurden 1004 erwachsene Amerikanerinnen und Amerikaner interviewt, das Ergebnis: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die derzeitigen Veröffentlichtungen rund um PRISM die öffentliche Meinung über die Verhältnismäßigkeit von Strategien zur Terrorabwehr geändert haben. 6-10-13-2


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56 Prozent der Befragten halten die Überwachung durch die NSA für einen akzeptablen Weg, terroristische Aktivitäten vorzubeugen, nur 41 Prozent halten die Maßnahmen für inakzeptabel. Rund zwei Drittel der Befragten halten es für wichtiger, dass die Regierung mögliche Terrorgefahren untersucht, auch wenn das in die Privatsphäre von Bürgerinnen und Bürgern eindringt. Zwischen dem Überwachungsprogramm von George W. Bush und Obama machen die Befragten kaum Unterschiede: Im Januar 2006, wenige Wochen nach Bekanntgabe des Programms von Bush, gaben 51 Prozent an, dass es der NSA erlaubt sein soll ‚heimlich Telefongespräche abzuhören und Mailverkehr zwischen einigen Personen in den USA zu überwachen, wenn es „people suspected of involvement with terrorism“ sind‘.

Republikaner und Demokraten jedoch machen einen Unterschied zwischen den Überwachungsprogrammen: Die Hälfte der Republikaner (52 Prozent) finden nun, dass die NSA mit gerichtlicher Anordnung Telekommunikation zur Terrorabwehr überwachen darf. Im Januar 2006 hielten es 75 Prozent der Republikaner für okay, dass die NSA ohne richterlichen Beschluss verdächtigte Personen überwacht. 64 Prozent der Demokraten finden die Maßnahmen der NSA akzeptabel, 2006 lehnten 61 Prozent sie ab.

45 Prozent der Befragten des Pew-Forschungszentrums gaben an, die Regierung solle Mails und andere Online-Aktivitäten aller Bürgerinnen und Bürger überwachen dürfen, wenn es von offizieller Seite heißt dass dies zukünftige Terroranschläge verhindern könnte.

These views are little changed from a July 2002 Pew Research Center survey. At that time, 45% said the government should be able to monitor everyone’s internet activity if the government said it would prevent future attacks; 47% said it should not.

Jüngere Befragte (18 bis 29 Jahre) halten Datenschutz für wichtiger als ältere: Für 45 Prozent der Jüngeren ist der Schutz der Privatsphäre wichtig, auch wenn das eingeschränkte Möglichkeiten der Terrorbekämpfung für die Regierung bedeuten würde. Unter den 30 bis 49-jährigen gaben dies nur 35 Prozent an, unter den über 50-jährigen nur 27 Prozent. Wenn es jedoch um die konkreten Maßnahmen geht, gibt es kaum Unterschiede zwischen verschiedenen Altersstufen: Das Überwachen von Telefonanschlüssen halten 55 Prozent der jungen Gruppe für akzeptabel und 61 Prozent der über 65-jährigen.

27 Prozent der Befragten gaben an, Nachrichten über die geheime Vorratsdatenspeicherung beim US-Provider Verizon regelmäßig zu verfolgen, insgesamt 52 Prozent verfolgen es kaum bis gar nicht. Auch PRISM verfolgen 33 Prozent der Befragten gar nicht und nur 26 Prozent regelmäßig. Von den 18 bis 29-jährigen verfolgen nur 12 Prozent die Berichterstattung regelmäßig, 56 Prozent jedoch gar nicht.

Overall, those who disagree with the government’s data monitoring are following the reports somewhat more closely than those who support them. Among those who find the government’s tracking of phone records to be unacceptable, 31% are following the story very closely, compared with 21% among those who say it is acceptable.

Hier gibt es den gesamten Bericht als PDF.

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9 Kommentare
    1. nun ja, ohne ein wirklich durgaengig funktionierendes krankensystem oder eine halbwegs an irgendwelche standards kommende allgemeinbildung kaempft der grossteil der „’normalen buerger“ in den usa mit ganz anderen problemen als so hochgestochenen dingen wie redefreiheit. und auch wenn man in die privilegierte lage kommt sich ein studium leisten zu koennen, fuehrt dass noch lange zu keiner entspannung der lage: https://lh5.googleusercontent.com/-zdSc_PSD_Qg/UbTXyxrzdNI/AAAAAAAAI3w/ZiNQ4OtfPBE/w736-h489-no/375704_614101031934212_412923351_n.jpg

  1. Wenn man gefragt wird, ob man dafür ist, dass eine Behörde sich mehr für Terrorabwehr einsetzt, wird man wohl kaum widersprechen können. Es ist auch kaum jemand gegen billige Bananen im Überfluss, wenn man ihn so fragt.

    Etwas ganz anderes dürfte aber bei einer Befragung herauskommen, wenn man jeweils den Preis dafür nennt, was aber selten getan wird.

    Der Knackpunkt ist doch der, dass vor allem religiös geprägte oder Konservative erst einmal Gutes unterstellen, sodass dies alles in ihrem Sinne geschehen würde. Wenn herauskommt, dass dieses nicht der Fall ist, wird verdrängt oder geschrien, und das Spielchen wiederholt sich, ohne daraus zu lernen. Bei uns in D läuft das selbstverständlich ganz genau so.

    Formale Bildungsabschlüsse bringen jedoch hier wenig, sondern eher eine ganzheitliche, humanistische Bildung. Dieses durch eher technokratische Modelle zu hintertreiben ist jedoch das Ziel eines jeden totalitären Staates, welcher selbstverständlich auch ein natürliches Interesse hat, diese zu exportieren. Den Erfolg sehen wir bereits, wenn bei uns wieder keiner auf die Straße geht.

    Das verlinkte Bild von Oliver Leitner passt hier gut ins Gesamtbild. Denn wenn jeder schon als Studi/Azubi seinen ganz individuellen Überlebenskampf unter knappsten zeitlichen Ressourcen ausfechten muss, wird er wohl kaum etwas unternehmen können. Schnell entsteht der falsche Eindruck, ganz alleine dieser Problematik zu unterliegen, weil ja sonst niemand etwas macht. Das ist ein selbstbestärkender Kreislauf im übelsten Sinne.

    Gerade deshalb dürfte es besonders wirksam sein, mit seinem Engagement an die Öffentlichkeit zu gehen, wie es auch hier geschieht. Dann weiß man, dass man mit seinem Frust nicht alleine ist und hegt wenigstens die leise Hoffnung, dass sich noch etwas bewegen könnte. Also ist die Vermutung eines Bildungsdefizites schon ganz richtig, aber man soolte hier klar differenzieren, um welche Art von Bildung es geht, jedenfalls ist es nicht diejenige, welche ein totalitäres System für einen vorgesehen hat. Bildung in diesem Sinne lässt sich also nicht an Abschlüssen oder Scheinchen messen. Vielmehr bietet eine tatkräftige Gegenöffentlichkeit, welche nahezu alle Felder besetzt, den besseren Bildungsansatz.

    Mit diesem Hintergrundwissen und gesundem Skeptizismus ausgestattet dürfte man eher in die Lage versetzt sein, angesichts solcher Umfragen selbst die richtigen Fragen zu stellen, als man es durch ein bloßes Funktionieren in einem Wissenskumulationsapparat je könnte. Letzteres unterdrückt jedoch den gesunden Verstand, indem es das natürliche assoziative Denken mit all seiner Freude durch eine Flut an stets neuen, unreflektierten Fakten im Keim erstickt.

    Wer jedoch ohne größere Frustration auf solchem Wege den Marsch durch alle Institutionen geschafft hat, dürfte es an Empathie und Visionen vermissen lassen, da er den Weg zu sich selbst niemals gefunden hat. Hätte er jedoch als ein gesunder Geist bitter gelitten, dann wäre er dort nicht angekommen.

    Da haben wir nun den Salat, eine Zombifizierung nicht nur von sog. Führungseliten in Politik und Wirtschaft, sondern breiter Bevölkerungsmassen.

  2. Liegt vermutlich daran “ US-Präsident Barack Obama versicherte, von der Überwachungsaktion seien nur Ausländer betroffen“ [Quelle Internet] unabhängig davon, obs stimmt oder nicht. Wenn die deutsche VDS nur Franzosen trifft, warum nicht … ;)

  3. Auch in Deutschland dürfte die Mehrheit Sicherheit für wichtiger halten als Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat.
    Auch wenn es genau um die „Sicherheit“ geht, die auch in „ReichsSICHERHEITshauptamt“ und „Ministerium für StaatsSICHERHEIT“ vorkam.

  4. Diese 56% sind einfach nur degenerierte Idioten denen es noch zu gut geht. Sollten sie mal in die Räder der Überwachung kommen, schreien sie am lautesten.

    Das wir nichts aus der Geschichte lernen ist einfach nur traurig!

    Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.”
    http://de.m.wikipedia.org/wiki/Martin_Niemöller
    Zitat Martin Niemöller

    1. Ganz richtig und ein schönes Zitat! Weil jeglicher allmählicher Wandel einen langen Vorlauf benötigt und wegen seiner Komplexität und demzufolge Verwundbarkeit auf halber Strecke stillgelegt würde, muss sich die verbleibende Minderheit lautstark empören, um wenigstens noch diejenigen zu erreichen, bei denen noch nicht alles verloren ist. Daher dürfen wir nicht aufhören anzuklagen, damit eine breite Masse erfährt, wie die Strippenzieher der Macht in Erklärungsnöte gelangen.

      Der Rest geht über die Karikatur, um dem immanenten kurzfristigen Vorteil des Mitläufertums durch Humor einen größeren Vorteil auf der Seite des kritischen Denkens entgegenzusetzen.

      Dort haben wir lohnenswerte Baustellen.

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