Netzneutralität: Telekom will priorisierte Schnellstraßen im Netz

Der Kommunikationsminister von Grossbritanien hat gestern erst angekündigt, Telekommunikationsunternehmen zu erlauben, die Netzneutralität aufzugeben und den Zugang zu priorisierten Schnellstraßen im Netz zu verkaufen. In einem Interview mit Zeit,.de wünscht sich Telekom-Chef Obermann jetzt dasselbe: „Wir sind keine Zensurbehörde!“. Das ganze Interview durch zieht sich eine Kommunikationslinie:


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Das sehe ich anders. Selbst einige Experten aus der Internetgemeinde sagen, dass in Zukunft die Netzkapazitäten besser gemanagt werden müssen. Das heißt konkret, je nach Service unterschiedliche Qualitätsstufen bereitstellen – ohne den heutigen Standard zu verschlechtern. Alle Inhalteanbieter und alle Kunden müssen Zugang zu diesen Stufen haben. [….] Die Frage lautet doch: Werden innovative Unternehmen aus dem Markt gedrängt, wenn wir unterschiedliche Preismodelle einführen? Die Antwort ist klar nein. Warum sollten wir kleine Firmen ausschließen? Unser Interesse ist doch gerade das Gegenteil. Wir wollen möglichst viele junge, innovative Unternehmen als Partner gewinnen und ihnen tragfähige Geschäftsmodelle anbieten. Wenn diese Sorge der eigentliche Grund ist, dann sollte man an konkreten Beispielen die Wirtschaftlichkeit diskutieren und nicht mit unterstellter Zensur argumentieren. Wir sind keine Zensurbehörde!

Auf deutsch übersetzt: Die Telekom will natürlich niemanden ausschließen und jeder, der bereit ist, den erforderlichen Betrag zu bezahlen, erhält selbstverständlich auch Zugang zu den priorisierten Schnellstraßen im Netz. Der Rest muss halt über die Trampelpfade laufen.

6 Kommentare
  1. Tja – wenn das passiert haben wir Fernsehverhältnisse. Die großen bestimmen die kleinen sind zum Tod verurteilt. Ich bitte daher alle die einen Anschluss bei diesem Verein haben diesne umgehend adäquat zu ersetzen! Unabhängige nicht opportune Information wird so aufs Abstellgleis geschoben.

    Das Internet hat das Zeug dazu unsere Gesellschaft grundlegend zu verändern aber Netzneutralität ist dabei an ganz wichtiger Baustein, denn der Anwender muss entscheiden welche Information sich durchsetzt und nicht das zahlende Unternehmen!

  2. Hi,

    durch das Flatrate Modell haben sich die TK-Unternhehmen im Grunde ins eigene Fleisch geschnitten, da gibt es nichts mehr zu holen.

    Durch das ganz Youtube Zeuchs steigt der Traffic aber nunmal um ein Vielfaches,und der Trend steigt. Wie soll denn die Qualität bitte gewährleistet werden, wenn nicht die mehr zahlen, die den meisten Traffic verursachen?

    Die Unternehmen müssen in ihre Hardwarestruktur investieren, haben aber kaum Möglichkeiten, an den Preisen zu schrauben.

    So klar, wie die meisten es hier sehen, ist das meiner Meinung nach nicht. Ich finde diesen Reflex, wenn es um das Thema „Netzneutralität“ geht, ziemlich unangebracht.

    Man will bessere Qualität und sinkende Preise, das funktioniert aber nicht.

  3. Nur um es nochmal klar zu sagen:

    Das Web gehört den Menschen. Wenn die wirtschaftlichen Serviceanbieter nicht mit den grundlegenden Eigenschaften des Web zurechtkommen – dann muss überlegt werden, wie dieser Bereich anders „finanziert“ wird.

    Wenn der freie Wettbewerb in den Netzen zu solchen gefährlichen Äußerungen und Handlungen führt, die durch die Hintertür das freie Web aushöhlen – liegen die Netze vielleicht aktuell in den falschen Händen.

    @Carsten Wenn man die Lügen der Energieunternehmen hinsichtlich der Netze im Detail erlebt hat, kann man dem Wehklagen mancher Netzprovider schwerlich glauben schenken. Offenlegung der Investitionen, Überprüfung, ob hier Managementfehler (absichtlich) begangen wurden, um nun so lamentieren zu können. Don’t believe the Hype, especially if it wears a tie.

  4. @Carsten:
    Das Flatratemodell ist eigentlich eine gute Möglichkeit seine Finanzen im Griff zu haben. Gerade in einer Struktur, wie dem Internet, bei der die effektiven Nutzungskosten sehr gering, aber die Infrastruktureinrichtungskosten sehr hoch sind. Und solange die Backbones nicht überlastet sind ist es der Telekom völlig egal, ob da jemand 3 MB oder 3000 MB die Stunde zieht. Aber es kommt ihr deutlich entgegen, wenn ersterer genauso viel zahlt wie letzterer. Das ist auch erklärter Weise ihr Geschäftsmodell. Abschaffung aller Zeit/Traffic-basierter Abrechnungsmodelle.

    Kann es wirklich nur um’s Geld gehen? Wenn man Traffic priorisieren will, dann muss man ihn untersuchen. Traffic zu untersuchen kostet viel Geld. Das geht günstiger, in dem ich einfach die Durchleitungsgebühren für _jeden_ Traffic erhöhe. Damit muss man sich nicht der Kritik wegen unneutralem Netz aussetzen und bekommt trotzdem den Traffic von den Verursachern bezahlt.

    Aber Traffic priorisieren bedeutet auch Macht. Konkurrenten könnte man so benachteiligen. P2P Traffic (z.B. Skype) könnte man ausbremsen – dann gibt es keinen Aufschrei, wenn man im T-Mobile Netz kein Skype auf dem Handy nutzen kann, sondern das Programm läuft halt schlecht. Ganz zu schweigen davon, dass man unliebigen Traffic einfach wegschmeißen kann.

    Vielleicht will man aber auch wirklich nur am Erfolg bestimmter Seiten wie Amazon.de profitieren (und kann dies aufgrund des Anbieterwettbewerbs nicht).

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