Öffentlichkeit

Google geht nach HongKong ins Asyl

Google hat heute ein Update in seiner Auseinandersetzung mit China veröffentlicht: . Demnach wird die Suchmaschien google.cn nun auf google.com.hk weitergeleitet. Mit dem Zugang in HongKong fordert das US-Unternehmen die chinesische Regierung heraus und es dürfte interessant werden, deren Reaktion zu sehen. Wahlweise machen die Chinesen nichts oder sie blocken aus China heraus den Zugang zu google.com.hk.

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google.com.hk soll einen unzensierten Zugang in chinesisch (Ist wohl mandarin?) bieten. Google will aber nicht komplett aus China abziehen. Man will weiterhin Forschungseinrichtungen in China betreiben und auch Geschäfte dort machen. Letzteres soll aber im Umfang abhängig davon sein, wie die chinesische Regierung auf den unzensierten Zugang in HongKong reagiert.

Mal schauen, wie es weitergeht. Öffentliche Reaktionen aus China werden wohl erst morgen kommen. Die schlafen gerade.

Google bietet ein „Apps status dashboard„, das anzeigt, welche Services gerade in China geblockt sind. Noch ist die Suche nicht geblockt.

Der Guardian hat ein Live-Blog zum Rückzug: Liveblog: Google shuts down Chinese search engine.

Nachdem Google nun seine Ankündigungen wohl Taten folgen lässt, kann man ja mal die Frage stellen: Was machen eigentlich Microsoft und Yahoo – Werden diese weiterhin mit den Behörden in China kollaborieren und ihre Suchmaschinen zensieren?

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19 Kommentare
  1. Ja super… Sie sagen ja, dass es legal sei. Denke aber weder, dass China sich das lange bieten lassen wird, noch dass Google lange in Hong Hong undercover bleibt.

    Ist wohl eher eine Zwischenlöschung oder sowas. Google wollte ja am 10. April packen, das ist wenigstens gut, dass für das Monitoring-Tool die Stellung halten.

  2. Ich denke mal Microsoft und Yahoo werden versuchen sich jetzt soviel Marktanteil wie irgendwie möglich zu schnappen. Natürlich muss man erst mal abwarten, denn ich denke Google erhält durch die Schritte gegen die Zensur sogar in dem Zensierten China einige Aufmerksamkeit. Falls sie aber einfach geblockt werden schaut es nicht gut führ ihre Chinasuche aus.

  3. Na, wenn Google das geschickt macht, dann müssen sie erst 2046 aus Hong-Kong raus. Dann verliert es nämlich den Sonderstatus von China. xD

    1. „Na, wenn Google das geschickt macht, dann müssen sie erst 2046 aus Hong-Kong raus. Dann verliert es nämlich den Sonderstatus von China. xD“

      In 36 Jahren können einige Regierungen/Regimes zerbröseln.

  4. google.com.hk ist chinesisch – könnte mandarin oder auch kantonesisch sein, nur „sieht“ man das eben nicht wirklich an der Schriftsprache ;-)

    Trotz des „zu Hauses“ in Hongkong steht da „willkommen in der neuen Heimat von Google China“ in Kurzzeichen, obwohl in Hongkong die traditionellen Zeichen üblich sind. Zumindest diese Kennzeichnung ist eindeutig.

  5. Wahnsinn eigentlich. Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass Google die Sache in dem Umfang durchzieht. Wenn man mal überlegt: Etliche Staatschefs trauen sich nicht einmal, den Dalai Lama auf normalem Weg zu empfangen und jetzt rast ein börsendotiertes Unternehmen los und begeht in China quasi wirtschaftlichen Selbstmord aus menschenrechtlichen (ja und sicher marketingtechnischen) Gründen.

    Meine Vorhersagen:
    -China wirds blocken.
    -Der Aktienkurs von Google wird dramatisch einbrechen.
    -Bei Yahoo und Microsoft knallen die Sektkorken, weil man auf Markteinteile hofft.
    -Zig Leute werden Verschwörungstheorien parat haben, dass dies nur ein Trick von Google ist, die Weltherrschaft an sich zu reißen.
    -In zwei Tagen ist das Thema aus den Nachrichten, weil Guido mit ein paar Freunden nach China düst, um gute Geschäfte zu machen.

    1. Ariane,

      weniger freundliche Kommentatoren meinen, dass Google in China gegen Konkurrenten wie Baidu u.a. ohnehin einen schweren Stand hat, und dass die ganze Aktion ein PR-Feuerwerk für den Westen zum Rückzug aus einem verlustbringenden Markt sei.

  6. Wenn ich das richtig verstanden habe, kann man jetzt in China die vorher zensierten Ergebnisse sehen – öffnen kann man die Seiten jedoch nicht, da diese immer noch geblockt werden. Weiss jemand, ob man über den Googlecache auf diese Seiten Zugriff hat?

  7. Geschickt eigentlich – Google ist fein raus, denn die Inhalte zensieren jetzt andere. Da die Seite jetzt für die chinesische „große Firewall“ im Ausland liegt, greifen deren Zensurregeln und bestimmte Suchbegriffe werden nicht an die Suchmaschine in Hongkong weitergeleitet. Auch ne Möglichkeit, wie beide Seiten das Gesicht bewahren können, ohne dass sich irgendwas wirklich fundamental ändert.

  8. @f
    Klar will Google auch sein Image aufpäppeln, aber solche PR-Stunts im Sinne der Meinungsfreiheit sehe ich durchaus positiv. :)

    35%! Marktanteil in China (die komplett verloren wären bei einer Blockade) ist auch ein sehr teurer Preis für eine positive PR.
    Yahoo und Microsoft haben doch viel geringere Anteile und die gehen durchaus noch weiter als nur Selbstzensur. Nach Deiner Logik müssten die beiden ja erst recht einen auf PR-Meinungsfreiheit machen, die haben ja noch weniger zu verlieren. Oder muss Google sich an gänzlich anderen Maßstäben messen lassen, weil sie sich so ein problematisches Motto ausgewählt haben?

  9. @Ariane

    Die menschenrechtlichen Gründe spielen da wohl eher eine untergeordnete Rolle. Google hat jahrelang in Chinas Zensurmaschine mitgespielt, und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sie plötzlich vom moralischen Blitz getroffen wurden.
    Viel wahrscheinlicher scheint mir da doch, dass es sich hierbei um einen ganz perfiden Machtkampf nach den Regeln „wie du mir, so ich dir“ handelt. Einige werden das sicher noch aus dem Kindergarten kennen.

  10. @Marcus

    Ähm naja, Google agiert imo extrem logisch/wissenschaftlich, Marktanteile in China riskieren, weil sie beleidigt sind wie im Kindergarten? (Da hätten sie sich wohl auch erstmal Murdoch oder Italien als leichtere Opfer ausgesucht^^)

    Ich weiß es natürlich auch nicht, aber ich für meinen Teil denke, die Gründe sind ein Mix aus Imagepolitur mit gleichzeitigem Statement für Meinungsfreiheit und eventuell sogar auch die Hackerstory.

  11. Ob es jetzt moralische, wirtschaftliche oder einfach nur kindische Gründe sind sei mal dahingestellt. Was Google da gerade macht ist so oder so eine knallharte Provokation. Da legt sich ein Unternehmen gleich mit einem ganzen Staat an. Hoffen wir einfach mal, dass die chinesische Bevölkerung davon irgendwie profitiert.

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