Immer mehr Polizeibehörden kopieren routinemäßig Daten von Mobiltelefonen

Polizeibehörden lesen immer häufiger Daten von Mobiltelefonen aus. Nach den USA kauft auch Großbritannien spezialisierte Hardware dafür ein. Mit der zunehmenden Verbreitung der Geräte steigt auch deren Nutzung.

Letzte Woche kündigte die Londoner Polizei an, 16 Terminals zum Auslesen von mobilen Geräten anzuschaffen. Zum Einsatz kommt das Produkt Aceso Kiosk der Firma Radio Tactics. Damit lassen sich einfach in 20 Minuten alle möglichen Daten der Geräte auslesen. Die Produktbeschreibung wirbt:

Durch die Nutzung ermittelter Anruflisten, Fotos, Videos, SMS-Nachrichten, E-Mails und sogar Social Networking Daten erhalten Beamte Informationen, die andernfalls nicht verfügbar wären.

Auch Daten auf gelockten SIM-Karten können extrahiert werden, indem man sich vom Netzbetreiber einfach die PUK geben lässt.

Aceso KioskMit der neuen Hardware muss man die Mobiltelefone nicht mehr umständlich an ein Forensik-Labor schicken, sondern kann die Daten schnell und einfach selbst extrahieren, während der Verdächtige noch in Polizeigewahrsam ist.

Der Haupt-Einsatzzweck ist die Verfolgung von Einbruch und Diebstahl. Auch gestohlene Telefone will man durch die darauf befindlichen Daten entlarven. Sogar Zeugen sollen damit schnell Fotos und Videos zu Beweiszwecken abliefern können, statt ihr Gerät als Beweisstück abgeben zu müssen.

Die BBC berichtet, dass die Daten erhoben werden sollen, “unabhängig davon, ob Anklage erhoben wird”.

Dabei soll der Einsatz nicht auf die Wache beschränkt bleiben, auch Einsatzfahrzeuge können damit ausgestattet werden. In Michigan sollen Polizisten ähnliche Hardware von Cellbrite bereits bei routinemäßigen Verkehrskontrollen einsetzen. Auch in den Berichten über Großbritannien habe ich noch nichts von einem Durchsuchungsbefehl lesen können.

Sowohl die amerikanische American Civil Liberties Union als auch die britische Privacy International kritisieren diese Methode. PI verdeutlicht die Sensibilität der Daten auf einem Smartphone:

Es ist illegal, DNA-Profile von freigesprochenen oder ohne Anklage ferigelassenen Personen auf unbestimmte Zeit zu speichern. Die Kommunikation, Fotos und Standortdaten, die sich auf den Smartphones der meisten Menschen befinden, sind mindestens so wertvoll und so persönlich wie DNA.

Eine weitere Methode, an diese Daten zu kommen, hat die russische Firma ElcomSoft ebenfalls letzte Woche vorgestellt: Man crackt einfach das Passwort und zieht das Backup aus der Cloud. Dazu braucht man noch nicht einmal das Gerät.

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In Köln: 28kg ACTA-Flyer

Am Wochenende war die Sigint vom Chaos Computer Club in Köln. Wir hatten die tolle Idee, rund 28 Kilogramm ACTA-Flyer aus der ersten Auflage mitzunehmen, um diese dort zu verteilen und vielen schon mal mit zu geben, bevor unsere zweite Auflage ankommt. Damit wir das Paket nicht im Zug mit schleppen mussten, haben wir der Deutschen Post Geld bezahlt, bekanntlich rühmt sich diese für diese Dienstleistung. Leider war die Deutsche Post unfähig, innerhalb von drei Tagen ein Paket von Berlin nach Köln zu transportieren und so kam es erst nach unserer Rückkehr dort an. Und steht jetzt im Komed im Mediapark beim Pförtner. Bevor wir versuchen, uns das Paket wieder zurückschicken zu lassen, wollten wir mal fragen, ob jemand diese Flyer in Köln (oder Umland) gebrauchen kann, um diese zu verteilen. Das dürften rund 2000 Stück sein, ein paar Postkarten zu den Themen Vorratsdatenspeicherung und Netzneutralität liegen auch drin.

Wer Interesse hat und sich drum kümmern möchte schickt mir im besten eine Mail: markus @ diesesBlog.

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12 Thesen der SPD zum Urheberrecht

Mit 12 Thesen trägt heute der Arbeitskreis Urheberrecht der SPD-Bundestagsfraktion zur aufgeheizten Debatte um das zukünftige Urheberrecht im digitalen Raum bei. Im wolkigen Fraktionschinesisch sind klare Ansagen zu aktuellen Debatten versteckt:

Die SPD spricht sich gegen jede Form eines staatlichen two- oder three-strikes-Modells und gegen eine rein private Rechtsdurchsetzung bei Urheberrechtsverletzungen aus.

Die Sozialdemokraten möchten in der Trias von Urhebern, Nutzern und Verwertern “Balance” herstellen (These 2). Deshalb sucht die Fraktion mit allen Seiten das Gespräch:

Die Thesen zum Urheberrecht sollen nun gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern, Verwerterinnen und Verwertern sowie den Nutzerinnen und Nutzern weiter entwickelt werden.

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Me & My Shadow: Neues Tool zeigt “Datenschatten” im Internet

Dass gerade in sozialen Netzwerken der Schutz der Privatsphäre nicht an erster Stelle steht und persönliche (und persönlichste) Daten im Internet als Währung betrachtet werden, mit der die Nutzer für bestimmte Dienste bezahlen, sollte den regelmäßigen Lesern dieses Blogs klar sein. Aber auch andere Kommunikationswege, z.B. Handyverträge und Festnetzanschlüsse, vergrößern den “digitalen Schatten”, den man mit sich herumträgt. Eine schöne Visualisierung dazu, die auch nicht so netzaffinen Menschen das Ausmaß der Sammelleidenschaft der Diensteanbieter aufzeigen kann, bietet das Projekt “Me & My Shadow“:

Unter “Trace My Shadow” lässt sich mit wenigen Klicks feststellen, welche persönlichen Daten sich schon in den Händen der Datensammler befinden. Schön gemacht: Je mehr Persönliches man über sich preisgegeben hat, desto größer und bedrohlicher wird der Schatten. Des Weiteren gibt es unter “Shadow Tracers Kit” eine gelungene Auswahl an Tools und Diensten, die helfen sollen, über Bedrohungen für die eigene Privatsphäre aufzuklären und der Sammelwut grenzen zu setzen.

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Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage

Unser Buch “Die digitale Gesellschaft: Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage“ scheint wohl schon bei Amazon lieferbar und wurde auch heute schon in Buchhandlungen gesehen. Eine Amazon-Kindle-Variante gibt es nicht, dafür ist es demnächst als ePub oder PDF erhältlich. Der Preis für die Printausgabe ist 14,99 Euro, die Digitalversionen kosten 12,99 Euro.

Eine erste Rezension gab es bereits von dpa auf heise.de zu lesen: Aufgeschreckt von digitaler Bürgerschaft: Die Politik und das Netz.

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NetzpolitikTV 070: Interview mit Isaac Mao

Auf der re:publica12 haben wir den chinesischen Blogger und Aktivisten Isaac Mao zu seiner Theorie des “Sharism”, den Eigenheiten des chinesischen (digital-) Kultur und dem Verlauf der digitalen Revolution in China befragt.

It depends on how the current regime adapts to the internet. If they learn from the internet, it will be very peaceful. If they don’t learn, it will be very fierce.

 

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Live: 2-Strikes-Anhörung im Bundestag

Der Unterausschuss Neue Medien im Bundestag veranstaltete heute eine Anhörung zum Thema “Vermarktung und Schutz kreativer Inhalte im Internet”.

Rechtsanwalt Dieter Frey erklärte in seinem Eingangsstatement, dass er “hier das Fernmeldegeheimnis” vermisse. “Ein solches Modell wäre undenkbar auf freiwilliger Basis”, das ergebe sich aus europäischem Recht und dem Grundgesetz.

Dirk von Gehlen von Jetzt.de erklärte, dass man im Kern die einfache Frage zu beantworten haben, “wie gehen wir damit, dass wir nahezu kostenfrei Kopien erstellen können?” Er stellte die Frage, ob man die Zahnpasta wieder in die Tube zurückbekommen könnte: “Glauben wir, dass wir juristisch, technologisch, päddgogisch hinter diesen Punkt zurück wollen, wieder dahin, wo wir früher waren?” Andere Fragen wären auch erstmal wichtig zu beantworten, z.B. ob die technologische Entwicklung mit einem Rückgang von Umsätzen zusammenhänge oder eher nicht. Wenn dem so wäre, wäre das mit Kanonen auf Spatzen schießen vereinbar und damit etwas unverhältnismäßig. Dirk von Gehlen stellte auch die Frage der Verhältnismäßigkeit, diesen Aufwand zu betreiben und damit auf in das Fernmeldegeheimnis einzugreifen. Zur Zeit würden wir eine sich drehende gesellschaftliche Debatte sehen, wo die Frage der Verhältnismäßigkeit in den Vordergrund kommt. Er schloß mit einem Plädoyer, dass “wir die Politik der Rechtsdurchsetzung beenden können”. Stattdessen sollten wir besser über alternative Modelle nachdenken und bessere Geschäftsmodelle schaffen: “Lasst uns über Geschäftsmodelle ohne Verletzerverfogung reden”.

Frank Rieger vom Chaos Computer Club kam auf die Abmahnindustrie zu sprechen, von “Vorsichtig formuliert halbseidenen Firmen, die von Glücksrittern betrieben werden, die sich damit einen goldenen Reihbach verdienen”. Die Ermittlung der IP-Adressen, um eine Abmahnung oder einen Warnbrief zu verschicken, wäre ungenau. Der CCC geht von 8-10% Ungenauigkeit aus. Rieger macht sich Sorgen, was nach einem Warnmodell kommt, wenn dieses nicht so klappen sollte, wie erhofft: Ist ein Warnmodell der Einstieg in eine Vollüberwachung? Technisch sei mit Deep-Packet-Inspection eine Echtzeitüberwachung des Datenverkehrs technisch möglich, aber “politisch müssen wir uns dagegen entscheiden”. Der CCC befürchtet, dass am Ende eine zentralisierte Datenbank stehe, um die IP-Adressen zu verwalten und der nächste Schritt sei eine Struktur, die zur zentralisierten Überwachung führe.

Oliver Süme vom eco erklärte, dass es rechtliche, wirtschaftliche und rechtspolitische Bedenken gegen ein Warnmodelle gäbe. Die Zusammenstellung der Infos über Inhaber einer IP-Adresse berühre das Fernmeldegeheimnis und sei Datenschutzrechtlich relevant. Er kritisierte den Einstieg in die Privatisierung der Rechtsdurchsetzung.

Florian Drücke von der IFPI kritisierte, dass Dirk von Gehlen 20% Tauschbörsennutzer als konkrete Zahl genannt hatte. Diese Zahl gäbe es gar nicht, man hätte keine genauen Zahlen. (Ich kenne ja nur die offizielle CDN-Studie der Musikindustrie, die von unter 5% der Internetnutzern ausgeht, die schonmal kostenlos Dateien runtergeladen haben, warum ist sie ihm nur nicht eingefallen?)
Die Musikindustrie sei übrigens jederzeit bereit, über Abmahnindustrie zu sprechen.

Frank Rieger verweist auf die Auswirkungen der Abmahnindustrie auf das Rechtsverständnis von betroffenen jungen Menschen. Das würde eher zu Boykott führen und nicht die gewünschte Wirkung haben. In Frankreich hätte es durch Hadopi einen Rückgang von p2p gegeben (Und Wechsel zu 1-Click-Hostern und so), aber gleichzeitig würde man auch klar einen Rückgang bei legalen Inhalten sehen. Daraus ziht er den Schluß, dass es dort schon mehr Boykott wegen unverhältnismäßigen Maßnahmen gibt. 1.500 Euro für gegenerische Anwälte wegen Downloads sei vergleichbar mit halbem Jahr Knast wegen Überquerens einer Strasse nachts um Vier bei Rot.

Dirk von Gehlen ergänzt das und fragt: Wollen wir die Rechte der Rechteinhaber über die Rechte der Gesellschaft stellen? Finden wir das ok, dass wir nur die verfolgen, die nicht wissen, wie man VPNs nutzt und beim Filesharing aufpassen? Dann bekommen wir großen Legitimationsverlust im Urheberrecht, das wäre eine Katastrophe. “Dieser Erosionsprozess hätte schlimmere Folgen als 20% Urheberrechtsverletzungen bei p2p”.

Ganz groß war das praktische Beipiel von Professor Schwartmann, warum man jetzt ein Warnmodell brauche. Und zwar ging das in etwa so: Was ist mit den Leuten, die Kinder und ein WLAN haben und deren Kinder in Facebook das WLAN-Passwort reinschreiben und ihre Freunde sich dann Sachen runterladen? Hier würde ein Warnhinweis an die Eltern pädagogisch helfen, das Passwort zu ändern. Geschichten, die das Leben schreibt. “Kritik an Warnhinweis ist so, als würde ich Postboten vorwerfen, dass er eine Anklageschrift zustellt”, so Erfinder Rolf Schwartmann.

Drücke war dann nicht in der Lage, genauere Zahlen zu den Abmahnungen zu geben, weil er die nicht hätte. Hier hätte es ja gereicht, nur die Zahlen zu den Abmahnungen zu nennen, die von den IFPI-Firmen als Dienstleistungen verschickt und kassiert werden. Diese Zahlen sollte die IFPI doch haben.

hier war der Teil zu 2-Strikes vorbei und ich hab aufgehört.

Es gilt: Ich blog hier live, Rechtschreibfehler werden vielleicht später korrigiert und ich schaff es leider nicht, sämtliche Aspekte mitzuschreiben.

Eingeladen sind folgende Personen (Ihre Stellungnahmen finden sich jeweils hinter den Links, Warner Bros bewirbt übrigens aktuell funktionierende Streamingplattformen):

Reimut van Bonn, Musiker, VUT – Verband unabhängiger Musikunternehmen e. V.
Dr. Florian Drücke, Bundesverband der Musikindustrie e. V.
Dr. Dieter Frey, Fachanwalt für Urheber und Medienrecht
Dirk von Gehlen, Süddeutsche Zeitung
Frank Rieger, Chaos Computer Club
Prof. Dr. jur. habil. Rolf Schwartmann, Fachhochschule Köln
Christian Sommer, Executive Director, EMEA Anti-Piracy Operations, Warner Bros. Entertainment
Dr. Christian Sprang, Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V.
Oliver Süme, eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.

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Kampagne: 25.000 Euro Kopfgeld auf Waffenhändler ausgelobt

Das Zentrum für politische Schönheit hat eine Aktion gestartet, um wieder etwas Aufmerksamkeit auf den Panzerdeal mit Saudi-Arabien zu legen, der nach Ansicht der Initiative gegen geltende Rechtslage, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und gegen den Verhaltenskodex zu Waffenexporten der EU verstosse. Dafür wurden 25.000 Euro für Hinweise aller Art ausgelobt, “die zur rechtskräftigen Verurteilung der Eigentümer des Waffenkonzerns Krauss-Maffei Wegmann führen”. Die Webseite 25000-euro.de beschreibt das Anliegen nochmal detaillierter. Aus der Pressemitteilung:

Dieser Schritt wurde nötig, nachdem kein politischer Willen der Bundesregierung erkennbar war, den Panzerdeal mit Saudi-Arabien zu stoppen. Weder eine breite zivilgesellschaftliche Allianz, noch medialer Druck oder Strafanzeigen haben bislang etwas bewirkt. Unter den Eigentümern befinden sich Anthroposophen, Fotografen, Künstler, Lehrer, Psychologen, sogar ein Mozart-Biograph und Mitglied der Humanistischen Union. Sie spielen der Gesellschaft Normalität vor, während sie vom Geschäft mit Krieg und Unterdrückung leben. “Wir fragen nach der Verantwortung dieser Eigentümer für ihr eigenes Unternehmen”, betont Philipp Ruch. “Eigentum verpflichtet. Für niemanden ist es so einfach, Einfluss auf die Firmenpolitik zu nehmen wie für die Eigentümer. Sie können jetzt ein Zeichen setzen.”

Der Panzerdeal mit Saudi-Arabien verstößt nach derzeitiger Rechtslage gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und gegen den Verhaltenskodex zu Waffenexporten der EU. “Diese Personen verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von schweren Kriegspanzern an autoritäre Regime und gehören ins Gefängnis – dafür werden wir jetzt mit Hilfe der Zivilgesellschaft sorgen”, sagt Philipp Ruch, Sprecher der Initiative.

Ein Film von Alexander Lehmann beschreibt die Thematik:

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