5 vor 12 (x3): Lex Google, Papst, Krisen & Kritik

Laut NDR Online fordert die Stadt Hamburg ein Gesetz gegen das flächendeckende Filmen ganzer Straßenzüge durch private Firmen wie Google. Warum das vielleicht keine so gute Idee ist, kann man bei Thomas Wiegold und Enno Park nachlesen.


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# Street View: Hamburg plant Gesetz gegen Googles Datenhunger(NDR)
# Wir nennen es Datenschutz (Thomas Wiegold)
# Hamburg plant Anti-Streetview-Gesetz (Enno Park)

Ein anderes Gesetz, über das bereits freudig debattiert wurde, soll es noch gar nicht geben: Das „Löschgesetz“ gegen Kinderpornographie im Internet, das das derzeit nicht in einer bestimmten Weise nicht angewendete „Zugangserschwerungsgesetz“ ersetzen sollte. Zumindest liege dieses neue Löschgesetz noch gar nicht vor, wie ein Sprecher des Justizministeriums die Meldungen vom Wochenende dementierte. Soso.

# Löschgesetz: Justziministerium dementiert neuen Gesetzentwurf (Legal Tribune)
# Facebook: Bringe alle deine Freunde zu uns (Friederike Haupt)

Im Grunden wussten wir es ja schon immer: Das Internet ist schuld! Und das sicher nicht nur an der Medienkrise und der „Verschmutzung des Geistes“!

# Medienverbände: Medienkrise schuld des Internets (Henry Steinhau)
# Papst: Das Internet führt zur „Verschmutzung des Geistes“ (Golem)

Thema Netzneutralität: Ein Plädoyer für die Vorteile von Bandbreitenmanagement inkl. DPI hält Dr. Frederic Ufer vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten auf dem Branchenportal Portel.de. Dabei bleiben netzpolitische Argumente zwar weitgehend aussen vor, dafür ist es aber beispielhaft für die ökonomische Perspektive der TK-Dienstleister.

# VATM: „Netzneutralität zerstört auf Dauer die Netzstabilität“ (Portel.de)

Die „iPad-Kritik-Kritik“ „Two Kinds of Generativity“ von Kevin Kelly empfiehlt Katrin Passig allen „Miriam Meckel-Gutfindern“: Technik ist, was man daraus macht. Technik für die Massen:

Almost every technology follows this lifecycle, starting out with fantastic hackability at first and maturing into dependability. Many of the qualities that early adopters love — the way it can be modified, tweaked, owned, and directed into all manner of directions — and its unlimited potential — are also the same reasons why many others shy from trying to use it.

Warum eine „fantastische Hackability“ und leichte Bedienbarkeit ein Widerspruch sein müssen, erklärt Kelly leider nicht. Aus Apples Sicht mag die Konzentration auf Appliances (geschlossene Systeme) nachvollzierbar sein, aber muss man die Bastelcommunity deshalb gleich aktiv sabotieren (wie es zum Beispiel beim iPod der Fall ist)?

# Two Kinds of Generativity (Kevin Kelly)
# Think twice. 9 Thesen für eine andere Innovationspolitik. (Nikolaus Huss)

Ok, nun aber zu den guten Nachrichten. 1065 Spender haben innerhalb einer Woche dafür gesorgt, dass ein drohender Rechtsstreit mit der Axel Springer AG für die BILDblog-Macher nicht gleich existenzbedrohend wird. Dank 17.345,36 Euro bleibt sogar ein Polster für eventuelle weitere juristische Auseinandersetzungen.

# BILDblog bedankt sich: 17.345,36 Euro in einer Woche gespendet! (BILDblog)

Und wer immer schon wissen wollte, wovon Sascha Lobo lebt wie man ein erfolgreicher Vermarkter wird, wird anhand folgender Tipps reich und glücklich. Mindestens!

# „Wege aus der Krise“. Heute: der Profi-Werbetexter (via Mario Sixtus)
# Mehr davon? Ein Popcorn-Abend mit Wolfgang Rademacher (Markus Hündgen)
# PR-Generator: Moderne Pressetexte in 60 Sekunden (via Stefan Keuchel)

Hee, nur Spaß! Warum letztendlich doch nicht jeder gescheiterte Handy-Verkäufer in einem Wochenendkurs ein erfolgreicher Social-Media-Berater werden kann, erfährt man bei Thilo Specht:

# In 5 Jahren spricht niemand mehr über Social Media, sondern über Fachkräftemangel (Thilo Specht)

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17 Kommentare
  1. Internet abschalten. Punkt.

    Schon erschreckend, wie schnell und häufig banale Sachen gefordert werden und die Politik das dann auch sofort aufgreift und in ihre Wahlprogramme mit einbaut. Oder

    Ohne zu überlegen wird die Keule gezückt und zum Rundumschlag ausgeholt.

    Ich finde man sollte das Fernsehen, Zeitungen und Bücher verbieten, weil mir so Einnahmen im Internet verloren gehen.

  2. Der Witz bei Till Steffen ist, dass er trotz seines jüngeren Jahrgangs, seiner Rolle im Hamburger Senat und seiner politischen Herkunft nicht mehr von der Materie versteht als Thomas de Maiziere. Neben Wiegolds Gedankenexperiment gibt’s noch ein weiteres Szenario zum Thema WLAN-Erfassung, denn dagegen will Steffen ja auch vorgehen. Er meint, das seien private Daten. Aber: Wer plaudert private Daten für alle im Empfangsbereich erhältlich aus? Und vor allem verstößt dann jeder, der einen PC mit WLAN betreibt, gegen das geplante Datenschutzgesetz, wenn er mehr als nur sein eigenes Netz bzw. seine eigene SSID empfängt. Ich wohne mitten in Hamburg und habe hier zwischen 9 und 22 WLANs in der Umgebung. Da lässt sich beim Neuverbinden (z.B. bei der Einrichtung eines neuen Gerätes in sein Netzwerk) schlicht nicht vermeiden, dass man Namen wie „Schatzis Funk“ präsentiert bekommt. Wenn das schon ein Verstoß ist, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass der Senat das gern unter Strafe stellt. Mit dem Geld, das der Senat dann durch die faktische Enteignung der Hamburger einnimmt, lässt sich die nächste Kostensteigerung der Elbphilharmonie locker bezahlen, und dann ist noch Geld über für Elbvertiefung und ein Stadtbahnnetz von Norderstedt bis Lüneburg und Schenefeld bis Barsbüttel…

  3. Zu Facebook: Das erinnert mich an alte Ideen, nach denen man fuer alle Anwendungen im Internet nur einmal seine Daten hinterlegen muss und nur ein Login hat.

  4. …Industriespione nicht….aber Einbrecher…

    die freuen sich über soviele Details, da müssen sie nicht mehr persönlich vorbeischauen, um sich ein Bild der Alarmtechniken zu machen. Vorausgesetzt, das Bild ist brauchbar und die Technik gut zu sehen. Vorher schauen sie sich weitere Google Dienste an, um noch mehr zu erfahren. SLT: WLAN Connections, halt, was Google so bietet.

    Schon kann die Tour losgehen, weil einfach, einfach einfach ist…..

  5. Ein wahrer Menschenfreund, der olle Ratze.

    Das Gegenteil dessen, was er da sagt, ist richtig: Das Internet führt zu informierten und aufgeklärten Menschen. An Stelle der Kriche hätte ich vor solchen Menschen auch Angst.

    Wie geht nochmal dieser Spruch? Sagt die Bundeskanzlerin zum Papst: „Halte du sie dumm, ich halte sie arm.“

  6. @Gregor P.

    Aus dem gleichen Grund wird das Internet verteufelt. Kann ja nicht sein, dass man Anleitungen für Verbrechen jeglicher Art im Internet allen zugänglich macht. Und jetzt liefert man mit Streetview auch noch die Daten, um nicht nur Virtuell auf Beutezug zu gehen.

    Man eignet sich also Einbruchwissen an. Informationen zur Sicherheitstechnik gibt es ebenfalls wie Sand am Meer. Man wird mittels Internet zum Experte für Verbrechen und kann dann auch noch über Streetview seine „Projekte“ planen und vorbereiten.

    Also echt mal. Würden Verbrecher so viel Zeit für einen Einbruch investieren wären sie keine kleinen Verbrechen, sondern in der Hirachie der Kriminellen schnell aufgestiegen. Solche Menschen bestreiten ihre kriminelle Kariere aber auch auf anderen Wegen. Der Gelegenheitsdieb wird durch Streetview meiner Meinung nach nicht angefixt.

    Und warum überhaupt so kompliziert. Es gibt im Netz sehr viel einfachere Möglichkeiten mit geringerem Risiko. Einbruch in ein echtes Haus ist zeitaufwendig und gefährlich. Ein Bot-Netz mieten und die gesammelten Daten verkaufen, oder als Auftrags-DDos’ler sein Geld zu verdienen ist leichter und sicherer.

    Man sollte die Kirche bei der Diskussion im Dorf lassen. Natürlich bekomme ich nicht mehr mit, wie jemand mein Haus beobachtet, wie das früher der Fall war, wenn aus einem Auto beobachtet wurde. Das wird jetzt angeblich über Streetview gemacht, ja? Ersetzen kann es die normale/echte Observierung nicht, denn Gewohnheiten der Hausbewohner erfährt man nicht bei Google, vorrausgesetzt man entblättert sich privat nicht vollständig im Web. Aber welcher Einbrecher observiert schon Häuser…

    Viel Interessanter sind Szenarien, dass sie automatisch aus Satelittenbildern und Streetview die Grundstücksfläche berechnen lassen. Bei günstigen Fotos sogar die Wohnfläche. Bei automatisierter Berechnung lassen sich aus den Bilddaten eine vielzahl von neuen Daten generiert werden.

  7. @Tharben:

    Das Gegenteil dessen, was er da sagt, ist richtig: Das Internet führt zu informierten und aufgeklärten Menschen. An Stelle der Kriche hätte ich vor solchen Menschen auch Angst.

    Ein bisschen komplexer ist der Gedankengang schon. Es ist ja nicht so, dass uns das Internet pauschal zu besseren Menschen macht (Manchmal glaube ich sogar, dass die „Aufklärungsquote“ (noch) ziemlich überschaubar ist, aber sag das bitte niemandem).

    Gerade den Hinweis auf den „intellektuellen und moralischen Relativismus“ kann ich durchaus nachvollziehen (Witzigerweise bestätigen wird das ja, wenn wir uns hier an Zitatfetzen hochziehen …).

    Der Papst – ich kenne ich nur die aus dem Zusammenhang gerissenen Zitatfetzen – setzt dem christliche Werte gegenüber. Das ist, abseits der Verfehlungen des Bodenpersonals, keine schlechte Ausgangsbasis. So groß sind die realweltlichen(!) Unterschiede zu einer, sagen wir, humanistischen Grundeinstellung ja gar nicht (Nur die Herleitung unterscheidet sich ,).

  8. ….tm78654…ein Beispiel, wie so vieles.

    Wie war’s mit dem CD-Recorder? Videos kopieren, massenhaft. Hat eigentlich niemand so gewollt – wurde aber gemacht.

    Internet Filesharing? Hatte eigentlich eine andere Bedeutung,soweit ich mich an die Anfangszeit erinnern kann. Mittlerweile kannst du alles mögliche sharen..

    Vieles, was in ganz anderen Sinne erzeugt bzw. produziert wurde, hat einen neg. Touch bekommen.

    Mag sein, dass GSW eine nette Sache ist, dem Hinterherspionieren und Auskundschaften hat es einen weiteren Schub gegeben – wie dem Handy, welches durch drei übereinander gelegte ( wenn ich die Skizze noch so in Erinnerung habe )Signale gefunden werden kann. Polizei freut sich…und nicht nur die…

  9. Mag sein, dass GSW eine nette Sache ist, dem Hinterherspionieren und Auskundschaften hat es einen weiteren Schub gegeben – wie dem Handy, welches durch drei übereinander gelegte ( wenn ich die Skizze noch so in Erinnerung habe )Signale gefunden werden kann. Polizei freut sich…und nicht nur die…

    Generell ist die Möglichkeit zur Ortung Teil des GSM-Standards (ja, auf Grund einschlägiger Interessen). In der Praxis ist eine klassische „dual use“-Technik. Die Mobilfunkanbieter haben sich schlicht überlegt, wie man mit der zwangsweise vorgehaltenen Technik auch Geld verdienen kann und bietet „GSM Ortung“ daher auch als Dienst.

    Für Ortung braucht es aber die Zustimmung des Handy-Besitzers, zumindest in der Theorie (die Polizei darf auch nicht einfach so):

    http://www.wdr.de/themen/computer/internet/handyortung/080605.jhtml
    http://www.sueddeutsche.de/computer/143/500409/text/

    Technisch ist das Verfahren einfach: Der Provider schaut, in welcher Funkzelle ein Gerät angemeldet ist und zieht aus den Signallaufzeiten Rückschlüsse auf die Entfernung zwischen Handy und Sendemast. Da ein Handy versucht mit mehrere Zellen Kontakt zu halten (Übergabe von Gesprächen …), kann man den Standort zumindest in Stadtlagen recht gut abschätzen.

    Ab drei Zellen funktioniert es prima, dann ist es quasi eine klassische Dreieckspeilung (Triangulation). Analog geht es mit WLAN-APs, deren Position bekannt ist (Das ist der aktuelle „Google-Skandal“)

    Inzwischen geht der Trend aber eher zu GPS (funktioniert ähnlich, nur halt mit Satelliten und nicht mehr mit Funkzellen, ist zudem genauer.), bzw. bei der Eigenortung aus einer Mischung als WLAN-Ortung, bzw. GSM-Ortung (schnell) und GPS-A (genau): http://de.wikipedia.org/wiki/Assisted_Global_Positioning_System

  10. Danke für Deine ausführliche Erläuterung Jörg-Olaf. Den Link von WiPe hatte ich ( fast ) noch im Kopf.

    Die Möglichkeiten dieser „neuen Techniken“ sind schier grenzenlos, weil man dich überall finden kann. E. G. Google WLAN .

    Einen Lebenslauf brauchst du da nicht mehr. Den haben schon andere Institutionen. Erschreckende Entwicklung.

  11. @Gregor: Ganz so dramatisch sehe ich es nicht. Die WLAN-Karten, die Google nun noch einmal selber erfasst, existieren zum Teil seit Jahren und sind auch grundsätzlich nützlich.

    Es wird auch kein WLAN-Betreiber gezwungen, seine SSID generell oder gar mit persönlichen Daten durch die Gegend zu broadcasten. Wenn es jemand tut, dann darf er sich nicht beschweren, wenn sein (Server-)Dienst genutzt wird.

    Als WLAN-Nutzer ist es nochmal anders: Damit dich über diese Technik jemand orten kann, musst du grundsätzlich erstmal selber aktiv werden. Und was das betrifft, sind die Privacy-Hinweise z.B. bei Google Latitude durchaus vorbildlich.

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