Öffentlichkeit

ZAPP: Die FDP-Massenmails und der Datenschutz

Die NDR-Sendung ZAPP hat gestern über „Die FDP-Massenmails und der Datenschutz“ berichtet. Konkret ging es um die Werbeaktion der FDP am vergangenen Wochenende, wo rund drei Millionen Spam-Mails und 500.000 Spam-SMS an meist unbedarfte Bürger verschickt worden sind. Dazu wurde ich auch interviewt.


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Den Beitrag gibt es bei Youtube und in der ZAPP-Mediathek:

Die FDP hat kurz vor der Wahl massenweise Emails und SMS-Botschaften verschickt. Wie aber verträgt sich das eigentlich mit einem der Hauptziele und Wahlkampfthemen der Partei nach mehr Datenschutz?

ZAPP hat auch einen neuen interaktiven Video-Player, der anscheinend auf DRM-Technologien aufsetzt. In diesem Player gibt es auch das ganze Interview mit mir zu sehen. Wir haben bisher noch keinen Weg gefunden, an das komplette Interview heran zu kommen und es zu befreien. Würde mich freuen, wenn jemand einen Weg findet und mir die Datei zukommen lassen kann. Man kommt über diesen Link darauf. Zu dem Interview mit mir kommt man, wenn man während des Beitrages auf den Pfeil rechts unten in der Ecke klickt.

Update: Danke für die Befreiung. Hier ist das Video:

ZAPP Interview mit Markus Beckedahl from netzpolitik on Vimeo.

Update: In den Kommentaren schreibt SMS.de, dass die Anschuldigungen in ihre Richtung nicht ganz stimmen. Ich hab auch mit einem Vertreter von SMS.de telefoniert. Es kann gut sein, dass sie etwas unschuldiger als die anderen Versender von SMS in diesem Fall sind. Anscheinend hat die FDP nur ein Teilkontingent von 150.000 SMS über SMS.de eingekauft. Die restlichen 350.000 SMS sind wohl über andere Anbieter von der FDP eingekauft worden, die nicht die Herkunft der Daten durch den Absender deklariert wurden. Einige Kommentatoren berichteten über SMS, die über nicht nachvollziehbare Nummern an sie versendet worden sind. In dem ganzen Interview mit mir gehe ich auch nicht auf SMS.de und ihre Praktiken ein, sondern generell auf die Praktiken der Branche und das Problem der fehlenden Medienkompetenz der Verbraucher. Hier brauchen wir bessere Datenschutz-Gesetze mit mehr Rechten für die Verbraucher und hier könnte die FDP ihrer Aufgabe als selbsternannte Datenschutzpartei nachkommen.

36 Kommentare
  1. Wir haben bisher noch keinen Weg gefunden, an das komplette Interview heran zu kommen und es zu befreien. Würde mich freuen, wenn jemand einen Weg findet und mir die Datei zukommen lassen kann.

    Aus dem XML-File zur Sendung lässt sich ein Direktlink zum Interview herausfischen:
    http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/interviewbeckedahl100.html

    Dort gibt es auch in der Formatwahl die Option „Windows Media“. Dieser Stream lässt sich wiederum z.B. per VLC abspeichern und konvertieren. Ich schau mal, ob es sich so auf youtube bekommen lässt.

  2. Hallo netzpolitik,

    arrghh! Ich kannte den Zapp-Beitrag nicht, bin erst gerade hier drüber gestolpert und raufe mir die Haare drüber. Ich bin von sms.de, und das was hier behauptet wird, entbehrt jeglicher Grundlage. Wir spammen nie, geben keine Daten weiter, haben die Werbe-SMS Option nicht in den AGB versteckt, zwingen niemanden, Werbe-SMS zu abonnieren. Alles falsch, schlecht recherchiert oder falsch dargestellt. Dass wir der einzige Versender der FDP waren (die mehrere hatte), der sich an alle Regeln hält und deshalb auch identifizierbar ist, ist doch kein Grund, alle Vorwürfe an andere ungecheckt bei uns abzukippen. Wenn man sich die Mühe gemacht hätte, für den Beitrag einige Minuten Recherezeit aufzuwenden, hätte man sehen müssen (und zwar wirklich müssen!), dass

    – die AGB an der im Film gezeigten Stelle nur eine Regelung zur Verwertung anonymisierter statistischer Daten (bspw. PLZ) enthält, nicht aber den Versand von SMS regelt. Dieser Passus kommt weiter unten und ist ellenlang, enthält nen Schwung sympathischer Formulierungen, bspw. regelnd, dass wir Handynummern nie weitergeben sondern nur selbst an diese Nummern versenden oder dass wir unsere SMS immer mit sms.de kennzeichnen (was offensichtlich ’ne zwar kundenfreundliche aber dumme Idee war, wenn man deshalb dann bei Zapp! verprügelt wird). Schliesslich ist das auch rechtlich verpflichtend.

    – Entscheidend für die Genehmigung des Kunden, dass wir Werbe-SMS an ihn verschicken dürfen, ist aber was ganz anderes, nämlich eine Seite im eingeloggten Bereich, in der der Kunde explizit und völlig freiwillig durch Klicken auf einen rieeesigen Button zustimmen kann SMS zu erhalten (und das auch wieder abstellen kann), da: http://bit.ly/1aohwF und http://bit.ly/R3QGj

    – darüberhinaus haben alle unsere User einen double-Opt-In durchlaufen, in dem die Handynummer verifiziert wird. Insgesamt also: Nix mit Spam. Hier macht jeder mit, weil er will; nicht weil er getäuscht, überrumpelt und von bösen Adressdealern an der Strassenecke seiner persönlichen Daten beraubt wird.

    Dass Stefan Richter und Markus Beckedahl in so einem unqualifizierten Beitrag auftauchen und uns implizit bashen, tut mir persönlich weh. Pfui, Zapp! Hätte ich nicht erwartet. Und Herr Richter, Sie hätten die AGB schon ansehen können, bevor Sie sie beurteilen. Wäre nett gewesen. Und auch professionell.

    Der Sache tut es sicher auch nicht gut, wenn grundsätzlich berechtigte und kritische Beiträge zum Thema Datenschutz und Adresshandel handwerklich so schlecht abgeliefert werden, dass sie hinterher dann jeglicher Grundlage entbehren. Ist Sendezeitverschwendung eigentlich ’ne Ordnungswidrigkeit?

    So. Ich geh‘ jetzt mal zur GEZ, abmelden.

    Tim

  3. Markus im Video \o/
    *hust* Nun ja, die Rechtfertigungen der FDP sind recht schwach, stellt euch vor jede Partei würde das machen O.O
    @Tim: Steht irgendwo: „Ich will FDP-Werbung empfangen, wenn welche da ist“? Ich traue ihren Aussagen nicht, sehr subjektiv.

  4. Also ich finde die „Aktion“ der FDP nicht so schlimm. Ich bin zwar sehr für Datenschutz, aber viele Services, die wir kostenlos nutzen müssen sich finanzieren, ich finde da muss jeder selbst aufpassen was wo steht und jeder sollte wittern, dass da ein Haken ist.
    Das heißt nicht das ich das ganze gut heiße!!!
    Ich bin absolut gegen Spam etc. Allerdings konnte ich mich bisher sehr gut dagegen wehren, und das obwohl ich auf vielen Seite registriert bin, und meine e-Mailadresse im Klartext im Internet steht.
    Allerdings hat mir Steinmeier Post geschickt.. das finde ich viel schlimmer! Da brauch ich nich nur auf löschen klicken!, sondern den Brief nehmen und entsorgen! Dauert länger… muss mal zum Einwohnermeldeamt!

    Ansonsten hab Ihr alle recht: SPAM KONTRA GEBEN!

  5. mal so off-topic: ich bin langwieriger leser dieses blogs und schätze ihre arbeit. aber kann es sein, dass die self-promotion in letzter zeit etwas überhand nimmt?!

    1. @terryble lawson: Das Medieninteresse an diesem Blog und diesem Thema ist ungemein gestiegen. Ich verlinke hier nur einen kleine Teil der tatsächlichen Interviews oder Medienausschnitten und auch nur, wenn ich denke, dass etwas passt. Dieser Clip gehört definitiv dazu. Mit oder ohne meine Teilhabe.

  6. @killergeneration Den genauen Passus kann man ja nachprüfen. Sollte das so sein wie von Tim beschrieben ist das IMO absolut in Ordnung und spricht gegen die Richtigkeit des beitrags (was sehr schade wäre, da ich gerade ZAPP sehr gut finde).

    Versteckte Klauseln in AGBs (die sich 98% der Privatpersonen nie durchlesen) sind für’n Arsch. Wer nen extra Haken setzt und das per double opt in bestätigt darf auch Werbung bekommen.

    Ich seh mir das gleich mal an.

  7. Darf ich mal als eher zufälliger Besucher ganz naiv und vielleicht auch in diesen Kreisen uncool fragen, warum Du dazu aufforderst, den Beitrag von Zapp offenbar gegen den Wllen des NDR zu „befreien“? Wo ist das Problem, sich diesen Beitrag bei Zapp anzugucken? Beim Urheber des Ganzen, der auch einiges an Arbeit da rein investiert hat. Ist der einzige Grund dafür, dass es vielleicht etwas bequemer ist und weniger Klicks erfordert? Würdest Du es begrüßen, wenn andere ähnlich mit den Inhalten von Blogs umgehen würden, selbst wenn diese es nicht wollen?

  8. @tim

    richtig, ihr habt euch nichts vorzuwerfen und denkt euch, dann machen wir uns trotz allem noch mal die Taschen voll, wenn wir schon an den Pranger gestellt werden, denn die Auskunftsersuchen bzgl. der versendeten SMS werden wie folgt beantwortet:

    “Sehr geehrter Herr …,

    Ihr Auskunftersuchen richten Sie bitte schriftlich an

    [netzquadrat] GmbH
    Gladbacher Str. 74
    D-40219 Düsseldorf

    Beachten Sie, das wir für die Bearbeitung dieser Anfrage eine Gebühr
    in Höhe von 35€ erheben, die sie ggf. vom Unterlassungspflichtigen
    zurück fordern können.

    mit freundlichen Grüßen,”

    *kopfschüttel*

    Michi

  9. @Torsten: Da schließe ich mich eindeutig Pumuckl an. Wenn ich schon meine Rundfunkgebühren abdrücken muss…
    Weiterhin betreibe ich meinen Blog absolut ohne Einnahmen oder siehst du irgendwo Werbung und last but not least spart der NDR sogar noch Bandbreite…

  10. Donnerwetter, unerwartet hoch die Quote der GEZ-Zahler hier.

    Ich habe auch dafür bezahlt. Und kann es ja auch gucken, wenn ich will. Also kein Argument. Selbst wenn ich es nicht gucken könnte, gibt es immer noch ganz spießig Gesetze die sowas regeln. Aber die kann man natürlich auch nur dann befolgen, wenn es einem gerade in den Kram passt oder einen selbst schützt. Gehört ja sowieso jeder zur Content-Mafia, der aufs Copyright verweist.

    Staatsfeind, ich habe nie behauptet, dass Du damit Einnahmen erzielen willst. Es ging nicht um Dich, es ging um den Autor und die Frage, warum er dazu aufruft.

  11. @Torsten: Ich denke mal einfach weil viele User, so auch ich, keine Lust haben / zu faul sind sich durch X Menüs zu klicken bis sie an ihr Ziel kommen.
    Ein direktes Einbinden z.B. via Google Video bzw. ein Download ist viel bequemer.
    Meiner Meinung nach verringert jeder weitere Klick die Chance das jemand den Inhalt auch wirklich sieht.

  12. Staatsfeind, ich denke auch, dass das der Grund ist. Und wenn „keine Lust“, „zu faul“ und Bequemlichkeit schon reicht, um entsprechende Aufrufe zu starten, ok. Das würde ich dann nur mal gerne in der Deutlichkeit auch vom Verfasser des Beitrages hören…

    1. @Torsten: Dem schließe ich mich an. Ich gehe auch davon aus, dass demnächst mal alle Sender anfangen, eine Embedded-Möglichkeit im Player anzubieten. Solange das nicht passiert, kann man eine niedrigschwellige Verbreitung auch fördern.

  13. „niedrigschwellige Verbreitung“

    Respekt, wie ein echter Profi-Politiker, der sich mit Begriffneuschöpfungen rauszulavieren versucht.

    Wie auch immer die Niedrigschwelligkeit von Dir definiert und auf diesem populären Blog und im Internet gesteuert wird. Bisschen schwanger die Argumentation.

    Halten wir noch mal für alle Nicht-Politiker fest: Für Dich gilt in diesem Falle „Man kann, also darf man.“

    Bequemlichkeit > Gesetz

    Danke für die Antwort.

  14. Mal wieder ein klasse Beitrag von Zapp!

    Markus, man kann ja nirgendwo im TV und Radio noch hinschalten, ohne dass du auftauchst.

    Und wehe hier hat jmd FDP gewählt! ;-)

    1. @Olli: Ich unterrichte an der Universität Mannheim Soziale Medien und Open Source und einmal im Jahr zusätzlich an der Popakademie Mannheim und an der Filmakademie Ludwigsburg jeweils Creative Commons und Open Business.

  15. @Torsten (#27, #25, #23)
    Teilweise sind diese Videos brisante Berichte, sowohl mit Objektivität als auch Subjektivität, aber sicherlich mit viel Zündstoff für solche Diskussionen wie hier. Ein Link zum Original- Video, welches teilweise auch mit Werbung und Schnickschnack umgarnt sein kann und je nach Blog- Software von der eigentlichen Seite wegführt (WC3 Standard usw.) macht es dem Leser zunehmend schwerer, den eigentlichen Artikel zu verfolgen. Gerne unterbinden dann auch noch übereifrige Web- Programmierer den Rücksprung mit dem Browser, was ich persönlich sehr störend empfinde. Sind diese Inhalte mit Kopierschutz versehen, mal davon abgesehen, dass evt. Urheberrechte verletzt werden könnten, zeigt dies zunehmend die Bestrebungen, eine Verbreitung explizit zu verhindern. Nun kann man davon ausgehen, dass solche Interviews nicht dazu missbraucht werden, unrechtmäßig finanziellen Gewinn zu generieren und daher sehe ich hierin nicht die großen Urheberrechtsverletzungen. Auf der anderen Seite habe ich aber selbst schon erlebt, dass solche Inhalte, wenn sie nicht verbreitet werden (dürfen), die Gefahr besteht, dass sie verschwinden, weil es im Interesse einer mächtigen Lobby ist. Ich bin kein Spezialist für Urheberecht, aber wenn man solche Interviews oder Berichte mit Informationscharakter ins Netz stellt auch eigentlich möchte, dass diese Informationen weiter verbreitet werden. Mit der Behandlung von Zitaten könnte man sowas vergleichen, indem eine Quellenangabe zwingend erforderlich wäre…

  16. Äußerst schwach von der FDP.

    Eine Sms, die darauf hinweist, wie einfach die Daten zu beschaffen waren und dass die FDP so etwas in Zukunft verhindern möchte, wäre meines Erachtens der richtige Weg gewesen.

    Schade, Medienkompetenz = 0

  17. Es ist immer wieder ein Problem wenn man sieht, wie manche Leute Massen SMS mehr oder weniger ungefragt verschicken. Auf der anderen Seite sollte ich aber auch jeder Fragen, ob es denn sinnvoll ist bei jeder Gelegenheit seine Handy Nummer anzugeben, um nicht zu sagen anzubieten. Massen SMS sind nicht automatisch schlecht, aber man muss sie gewissenhaft einsetzen und wenn man keine bekommen will, sollte man darauf achten wenn man die Handynummer mitteilt.

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