USA
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: Sonys Vizepräsident: „Ich kopiere DVDs!“
: Sonys Vizepräsident: „Ich kopiere DVDs!“ Dieses Zitat steht für sich alleine:
Als Fan des – von Gesetz wegen illegalen – DVD-Rippens outete sich auf der Konferenz auch Sony-Vizepräsident Scott Smyers: „Meine Kinder haben einen Haufen DVDs, die sie im Auto abspielen, die nach ein paar Fahrten kaputt sind. Also rippe ich die DVDs und kopiere sie, um die Originale zu schonen.“ Myers weiter: „Man kann nicht abstreiten, dass Verbraucher ihre Investitionen schützen wollen.“
Warum schützen dann Unternehmen wie Sony ihre DVDs mit Kopierschutz, wenn diesen die eigenen hohen Mitarbeiter brechen? Warum setzen sich diese Unternehmen für schräfere Gesetze ein, um die eigenen Kunden zu kriminalisieren, die das auch gerne tun wollen?
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: Wall Street und die chinesische Überwachung
: Wall Street und die chinesische Überwachung Die Hedge Fonds von der Wall Street investieren offenbar massiv in chinesische Überwachungssysteme, die anhand der Auswertung von Cybercafes die Anfänge von Protesten erkennen sollen:
Wall Street analysts now follow the growth of companies that install surveillance systems providing Chinese police stations with 24-hour video feeds from nearby Internet cafes. Hedge fund money from the United States has paid for the development of not just better video cameras, but face-recognition software and even newer behavior-recognition software designed to spot the beginnings of a street protest and notify police.
Das Thema beschäftigt mittlerweile wohl den US Congress.
Via Privacy.org.
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: NSA 2.0 – Domestic Spying
: NSA 2.0 – Domestic Spying Die EFF hat eine neue Kampagne gestartet, die die Bestrafungsmöglichkeit von noch nach US-Recht illegalen Handlungen fordert.

Der US-Kongress soll demnächst entscheiden, ob private Institutionen strafrechtliche Immunität bekommen, wenn sie staatlichen Behörden bei der Spionage behilflich sind. Wenn US-Bürger also durch Spionage geschädigt würden, könnten sie die jeweiligen privaten Einrichtung dafür nicht mehr verklagen. Relevant ist diese Entscheidung auch für den jüngsten Fall, bei dem AT&T wahllos die Kommunikation vieler Amerikaner mitschnitt.

Bei einem Immunitätserlass wäre auch die Möglichkeit verloren, den AT&T‑Fall näher zu untersuchen. Man würde nicht mehr feststellen können, welche Informationen für wen ausgewertet wurden. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf einen sehr guten Artikel im Rolling Stone hinweisen, der beschreibt, wie sich die Mischung aus privaten und staatlichen Interessen verselbstständigen kann, wenn demokratische Mechanismen ausgehebelt werden.
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: China und der Cyber-Krieg: Reality-Check
: China und der Cyber-Krieg: Reality-Check Was für eine Aufregung. Nachdem das Thema „Infowar“ in den späten Neunzigern recht hoch gekocht ist, war es ein paar Jahre lang fast vergessen – zu Recht, aufgrund der technischen und operativen Probleme und der realen Bedeutung von offline-Kriegführung mit Bomben und Panzern im Irak und anderswo. Nun scheint es dieses Jahr wieder aus der Mottenkiste zu kommen, weil ein paar Script-Kiddies in Estland ein paar DOS-Attacken gefahren haben und die Bundesregierung und das Pentagon sich nicht vor Online-Trojanern schützen können. Die Times hat nun einen besonderen Horror ausgegraben, der auch gleich brav bei heise und anderswo nachgeplappert wurde: Angeblich planen die Chinesen, sogar amerikanische Flugzeugträger auf elektronischem Weg lahm zu legen.
Mal ein kurzer Reality-Check anhand einiger Zitate aus dem Times-Artikel:
Chinese military hackers have prepared a detailed plan to disable America’s aircraft battle carrier fleet with a devastating cyber attack, according to a Pentagon report obtained by The Times.
„Obtained by the Times“, soso. Da waren sie ja mal wieder sehr investigativ und haben sich ein PDF runtergeladen, das seit Mai bei der US Army im Netz steht. Die Quelle dort (Fussnote 3) ist ein chinesisches Konzeptpapier von 2005, das nicht mal von der Volksbefreiungsarmee stammt: Sun Yiming and Yang Liping, Xinxihua Zhanzheng Zhong de Zhanshhu Shuju Lian (Tactical Data Links in Information Warfare), Beijing: Beijing Post and Telecommunications College Press, 2005. Offenbar werden dort technische Handbücher von Rüstungselektronik- und Netzwerktechnik-Herstellern ausgewertet. Da die Militärs in den letzten Jahren immer mehr Commercial-Off-the-Shelf Komponenten kaufen, könnten hier auch Windows-Buglisten stehen. Nun ja.
Describing what is in effect a new arms race, a Pentagon assessment states that China’s military regards offensive computer operations as „critical to seize the initiative“ in the first stage of a war.
„… in the first stage of a war.“ Damit ist klar, dass China sich – wie auch viele andere Nationen – das Recht vorbehält, im Kriegsfall mit allen Mitteln um sich zu schießen. Dazu gehören natürlich auch elektronische Maßnahmen des digitalen Jamming. Sind China und die USA im Krieg? Habe ich da irgendwas verpasst?
Die USA haben aber – und das verschweigt die Times – als erste systematisch Mitte der Neunziger angefangen, über offensive „Computer Network Attacks“ nachzudenken, das ist schon seit 1996 in ihrem Field Manual 100–6 „Information Operations“ und in der Joint Doctrine for Information Operations offiziell nachzulesen. (Ich habe mal vor einigen Jahren eine längere Analyse dazu für Telepolis geschrieben.) Als die Chinesen darauf aufmerksam wurden und sich eigene Gedanken machten, wurde das der US-Öffentlichkeit als Bedrohung präsentiert. Und genau hier liegt ein typischer Fall von „Arms Race“ vor, den die Times aber nicht verstanden hat. Wir haben von der FoG:IS zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Netzwerk Neue Medien, dem FIfF und den Friedensforschungsinstituten aus Hamburg und Frankfurt bereits 2001 eine Konferenz zu „Rüstungskontrolle im Cyberspace“ veranstaltet. Die Ergebnisse sind weiterhin relevant, wenn man schon in Begriffen wie „Arms Race“ denkt. Ob das hier der Fall ist, wäre aber noch zu klären.
It also emerged this week that the Chinese military hacked into the US Defence Secretary’s computer system in June; have regularly penetrated computers in at least 10 Whitehall departments, including military files, and infiltrated German government systems this year.
Jaja. Bei den DOS-Attacken auf Estland im Frühjahr sollte ja auch der Kreml dahinter gesteckt haben, und am Ende waren es wahrscheinlich irgendwelche Script-Kiddies. Bislang ist noch nirgendwo belegt, dass hinter den Trojanern in Berlin, London und Washington wirklich die chinesische PLA steht. Ausserdem sind die Schnüffel-Programme ja offenbar eher zum Absaugen von Informationen benutzt worden. Hier handelt es sich, wenn überhaupt staatliche Stellen beteiligt waren, um klassische Spionage, nicht um Krieg.
Cyber attacks by China have become so frequent and aggressive that
President Bush, without referring directly to Beijing, said this week that
“a lot of our systems are vulnerable to attack”.Liebes Pentagon, wenn ihr eure Rechner nicht abgedichtet bekommt, sind nicht die Chinesen daran Schuld, sondern amerikanische Hard- und Software-Hersteller. Oder kauft ihr etwa Flugzeugträgersteuerungen bei Lenovo?
The Pentagon logged more than 79,000 attempted intrusions in 2005.
Tja, was sind „attempted intrusions“? Das US-Verteidigungsministerium zählte noch bis 1998 jeden Versuch, eine Telnet-Verbindung herzustellen (was etwa mit dem Klopfen an einer geschlossenen Tür verglichen werden kann), als elektronische Attacke. Besonders deutlich wird dies in folgendem Beispiel: Vom Justizministerium aufgefordert, die Zahl der Computersicherheitsfälle in der Luftwaffe im Jahr 2000 anzugeben, zählten die Mitarbeiter des Air Force Office of Special Investigations (AFOSI) 14 Ereignisse für die Luftwaffe. Die später von Justizminsterium veröffentlichte Summe für die gesamten US-Streitkräfte belief sich zu ihrem Erstaunen auf ca. 30 000. Der Grund: Während das Pentagon auch ungefährliche Vorfälle wie unidentifizierte Pings als Hacker-Attacken gezählt hatte, hatte das AFOSI nur die wirklich ernsten Fälle aufgelistet.
Jim Melnick, a recently retired Pentagon computer network analyst, told The Times that the Chinese military holds hacking competitions to identify and recruit talented members for its cyber army.
Das machen die US-Militärs auch schon lange, leider sind ihre Cracker offenbar nicht so gut. Beim University of South Florida Capture the Flag Contest haben die f0gd0gs (Naval Postgraduate School) den 6ten Platz gemacht, beim CIPHER2 den 18ten. Und das „Army Strong team“ des 1st Information Operations Command (Land) hat es beim Hack The Box-Wettkampf in Dubai nicht mal geschafft, über die Vorrunde hinaus zu kommen.
Sami Saydjari, who has been working on cyber defence systems for the Pentagon since the 1980s, told Congress in testimony on April 25 that a mass cyber attack could leave 70 per cent of the US without electrical power for six months.
Sechs Monate? Solange hat es nicht mal nach dem Hurrikan in New Orleans gedauert, und da war richtig viel Harware-Infrastruktur Schrott. Herr Sydjari hat da offenbar eigene Interessen, er ist nämlich Präsident der „Professionals for Cyber Defense“ (42 Mitglieder) und Geschäftsführer der „Cyber Defense Agency, LLC“. Typischer Fall von Beltway Bandit, der mit Panikmache und Beraterverträgen Geld verdient, schätze ich.
Fazit: Heisse Luft, schlechte Recherchen und unausgewogene Einschätzungen. Die Times war auch schon mal besser.
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: Truth happens
: Truth happens Nettes DRM-kritisches Video:
Mehr dazu: Dance on the grave of DRM with this awesome cartoon requiem video mashup challenge.
This is a prototype of a video designed to tell the story of DRM. The life and death, the rise and fall, the here today, gone-tomorrow story of DRM. So we start with a heartbeat and a bird, and tell as much as we can. If you think there’s more to say, add to the story. We’ll be posting music tracks later, and if you need higher quality video, that can be arranged (email me for now tdoddATredhatDOTcom). All of it – the cartoon, the music, the elements, the story, etc. is under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 United States license, the terms of which you can find here translated into a jillion languages, so have at it.
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: Social-Networking-Daten verkaufen
: Social-Networking-Daten verkaufen Über Spock.com hatten wir mehrfach berichtet. Das Unternehmen Rapleaf zeigt, welche kommerziellen Möglichkeiten hinter diesen Plattformen bestehen, die öffentlich zugängliche Informationen aus Social-Networks und Suchmaschinen zusammenstellen. Und dann als individualisierte Datenpakete weiterverkaufen. Silicon.de berichtet über: „Schwunghafter Handel mit Social-Networking-Daten“
Das US-Start-up Rapleaf hat ein System entwickelt, bei dem per Webcrawler die Nutzerprofile diverser Social-Networking-Seiten ausgelesen werden. Diese Daten werden dann nach verschiedenen Kriterien sortiert und an Vermarktungsfirmen weiterverkauft. Insbesondere wird dabei auf die Nutzerdaten der Webseiten Facebook, Myspace und Linkedin zugegriffen.
Die Ausgabe der gesammelten Informationen erfolgt auf verschiedenen Wegen. So kann man auf Rapleaf nach Eingabe einer E‑Mail-Adresse den Namen, das Alter und andere Daten zum sozialen Netzwerk einer Person erhalten. Auf der ebenfalls zu Rapleaf gehörenden Webseite Upscoop kann man erfahren, in welchen Online-Netzwerken sich die gesuchte Person präsentiert. Dazu muss man jedoch den eigenen Nutzernamen und das Passwort seines E‑Mail-Kontos bei Gmail, Hotmail, Yahoo oder AOL preisgeben. Rapleaf liest daraufhin die unter dem angegebenen Account abgespeicherten Adressbücher zur Eigennutzung aus. Durch das Ansammeln dieser E‑Mail-Adressen sind in der Rapleaf-Datenbank mittlerweile über 50 Millionen Profile gespeichert, die Informationen wie Geburtstage, Adressen, Universitäten, Freunde, Lieblingsfilme und politische Einstellungen enthalten.
Für die kommerzielle Verwertung der Daten hat man ein Geflecht aus verschiedenen Vertriebsfirmen geschaffen. Die Daten können für Direktmarketing gekauft werden oder für Data-Mining. Die ohnehin schwachen Datenschutzbestimmungen in den USA meint man damit einzuhalten, indem Direktmarketing-Unternehmen ihre Listen mit Mailadressen von potentiellen Spam-Opfern zu Rapleaf bringen und dort die Mailadressen mit den Datensätzen abgeglichen werden. Damit hat man dann einige Möglichkeiten mehr für das „Targeting“ von Zielgruppen.
Cnet hat schon vorher darüber und viel ausführlicher berichtet: At Rapleaf, your personals are public.
In the cozy Facebook social network, it’s easy to have a sense of privacy among friends and business acquaintances. But sites like Rapleaf will quickly jar you awake: Everything you say or do on a social network could be fair game to sell to marketers.
[Danke Falk]
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: Kann Wiefelspütz Youtube stoppen?
: Kann Wiefelspütz Youtube stoppen? Mal schauen, wie lange es dauert, bis Youtube nach Brasilien, Thailand und der Türkei auch von Deutschland aus gesperrt wird: SPD-Innenpolitiker fordert Ermittlungen gegen YouTube wegen Volksverhetzung.
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz hat staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen die Internet-Plattform YouTube wegen der Verbreitung rechtsextremer Videos gefordert. „Die Veröffentlichung dieser Filme erfüllt den Tatbestand der Beihilfe zur Volksverhetzung“, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion in einem Interview mit dem TV-Magazin Report Mainz. Neonazi-Filmen dürfe im Internet kein Forum geboten werden. „Das muss gestoppt werden. Es ist skandalös, dass so etwas in Deutschland möglich ist“, sagte Wiefelspütz.
Wie Wiefelpütz das Problem lösen möchte, ist unklar. Der Dienst sitzt in den USA und die haben ein etwas erweitertes Bild von Meinungsfreiheit als es hier existiert. Ausserdem gibt es noch viel mehr Video-Plattformen. Hat jemand Ideen für Herrn Wiefelpütz?
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: Wirtschaftlicher Schaden durch „Musikpiraterie“?
: Wirtschaftlicher Schaden durch „Musikpiraterie“? Golem berichtet über eine aktuelle Studie des US-amerikanischen Institute for Policy Innovation (IPI), die einen Schaden von 12,5 Milliarden durch „Musikpiraterie“ anprangern. Dabei berufen sie sich auf „unabhängige“ Zahlen der IFPI. Wenn man sich die Zahlen aber genauer anschaut und mit alten Daten vergleicht kommt man auf das folgende Ergebnis:
Man kann zwar geringfügige Schwankungen im einstelligen Prozentbereich erkennen, aber durch „Piraterie“ ausgelöste Verluste in einer ernsthaften Größenordnung, wie von der IPI „errechnet“, lassen sich in den amtlichen Zahlen nicht finden. Die angeblich in der Musikindustrie verloren gehenden 26.860 Arbeitsplätze würden in etwa der (geschätzten) Gesamtzahl der Arbeitsplätze in der US-Musikindustrie in den 90er Jahren entsprechen. Anders gesagt: Ausgehend von den IPI-Zahlen hätte sich die US-Musikbranche in rund zehn Jahren der Größe nach verdoppeln müssen und nur die „Piraterie“ hat das verhindert. Noch anders gesagt, hätten die US-Bürger ihren CD-Konsum binnen zehn Jahren vervielfachen müssen, denn um ein paar mehr CDs zu pressen benötigt man ja nicht gleich fast 27.000 neue Arbeitsplätze. Und Ausgaben für Live-Konzerte und Merchandising-Artikel sind dabei in den Zensus-Zahlen überhaupt nicht berücksichtigt.
Richtet also die „Musikpiraterie“ den immer wieder behaupteten Milliardenschaden für die US-Wirtschaft an? Mit den amtlichen Zahlen ist das jedenfalls nicht zu belegen. Im Gegenteil, der Vergleich der US-Zensus-Zahlen von 2002 mit denen von 1997 könnte sogar den Schluss nahe legen, dass MP3, Napster & Co. der Musikindustrie zu Beginn der 2000er Jahren zu einem Aufschwung verholfen haben.
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: Spock.com – Alptraum der Datenschützer?
: Spock.com – Alptraum der Datenschützer? In der heutigen Taz ist ein guter Artikel über die neue „Menschen-Suchmaschine“ Spock.com: Der Alptraum der Datenschützer. Die Plattform aggregiert aus verschiedenen Quellen Informationen zusammen und ordnet diese Menschen zu. Dabei wird auf offene Daten aus Social-Networks und Suchmaschinen zugegriffen. Da die Technik noch nicht alle Personen namens „Christian Müller“ auseinanderhalten kann, können Internetnutzer mithelfen: Mit dem Hochladen von Fotos und dem Verschlagworten von Personen. Scheint Spass zu machen, einer Person das Schlagwort „Mörder“ zuzuordnen. Oder etwas anderes. Was in diesem Fall passiert, ist unklar.
Ich wurde heute morgen dazu von MotorFM interviewt (Keine Ahnung, ob die sowas online stellen). Da der Dienst in den USA sitzt, greifen deutsche Datenschutzgesetze nicht. Unklar ist mir auch noch, „ob ich mich löschen kann“. Die Erläuterungen auf der Seite finde ich etwas ungenau in dieser Frage. Aber vielleicht hilft der neue Service ja, etwas mehr Bewusstsein für die eigene Datensouveränität zu schaffen. Die TAZ geht auch darauf ein:
Wem die eigene Privatsphäre wichtig ist, sollte in Zukunft etwas genauer überlegen, welche Informationen er über sich ins Netz stellt – beziehungsweise welche er öffentlich zugänglich macht. Wer Internetdienste nutzt, sollte zudem die Einstellungen zum Datenschutz, die sogenannten Privacy-Settings, ein wenig durchsehen. Häufig genügt es schon, wie im Fall von Social Networking-Diensten wie StudiVZ oder dem amerikanischen Facebook, das eigene Profil auf „nicht-öffentlich“ umzustellen – oder sich eben gar nicht erst eintragen.
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: Ende der Netzneutralität? Debatte in UK und Praxis bei AT&T
: Ende der Netzneutralität? Debatte in UK und Praxis bei AT&T Die Einschläge rücken näher. Nachdem die Netzneutralitäts-Debatte bisher vor allem in den USA geführt wurde, haben nun britische Internet-Provider wie BT und Tiscali einen neuen Schlagabtausch eröffnet. Sie fordern von der BBC, sich direkt an den Übertragungskosten für ihr neues und gerade mal im Testbetrieb laufendes TV-Download-Angebot iPlayer zu beteiligen. Andernfalls drohen sie laut The Independent, „den Stecker zu ziehen“. Wie sie allerdings mit dem zusätzlich eingenommenen Geld innerhalb von dreißig Tagen (so lange läuft die Testphase) ein signifikantes Mehr an Bandbreite zur Verfügung stellen wollen, ist auch nicht klar geworden. In Deutschland sind die ISPs offenbar noch mehrheitlich gegen diskriminierende Übertragungsgeschwindigkeiten und Zahlungen der Anbieter-Seite, wie heise berichtet.
Ein anschauliches Beispiel davon, was sich manche Provider unter Netzneutralität vorstellen, kommt dazu gerade aus den USA. AT&T übertrug am Wochenende ein Live-Konzert von Pearl-Jam per Webcast. Nun ja, es war nicht ganz live, sondern um einige Sekunden verzögert, um „excessive profanity“ rauszufiltern. Ihr wisst schon, sowas machen andere „demokratische“ Staaten ja auch, etwa der Iran bei den Fussball-WM-Übertragungen fürs Fernsehen, damit nur verschleierte Frauen im Publikum zu sehen waren. Bei Pearl Jam wurde nun Sänger Eddie Vedder ausgerechnet dann aus dem Soundmix rausgenommen, als er zur Melodie von „Another Brick in the Wall“ (Pink Floyd) sang „George Bush, leave this world alone; George Bush find yourself another home“. Das ganze wurde von AT&T erst zugegeben, als Pearl Jam sich öffentlich beschwerte. „Natürlich“ war das keine Absicht von AT&T, sondern nur ein menschliches Versagen des entsprechenden Mitarbeiters des Subunternehmers, der die Zensur durchgeführt hat. Nee klar, alles nur ein Versehen.
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: USA legalisiert Überwachungspraxis
: USA legalisiert Überwachungspraxis In den USA wurde die Abhörpraxis der Geheimdienste nachträglich legalisiert. Das neue Gesetz trägt den blumigen Namen „Improving Foreign Intelligence Surveillance to Defend the Nation and the Constitution Act of 2007″.
Hier sind mal einige Artikel dazu:
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: In San Francisco stockt der Aufbau eines offenen WLANs
: In San Francisco stockt der Aufbau eines offenen WLANs In San Francisco gibt es Probleme beim Aufbau des städtischen Funknetzes:
Der seit 2004 geplante Aufbau eines städtischen WLANs für San Francisco kommt nicht voran. Nachdem die Stadt sich im Janaur mit dem Provider Earthlink und – als Sub-Unternehmer – dem Suchmaschinenbetreiber Google vertraglich über den Ausbau eines Netzes für den stadtweiten Internetzugang geeinigt hatte, verzögern Bedenken sowohl auf politischer Seite wie auch bei Earthlink das Voranschreiten des Projekts. Jetzt hat Bürgermeister Gavin Newsom in letzter Minute eine Volksbefragung über das WLAN-Projekt für die Wahlen im November veranlasst, um sich vom Wahlvolk neuen Rückenwind für das stagnierende Projekt zu holen.
Ohne den Vertrag zu kennen, scheinen einige kritische Punkte dabei zu sein:
* Earthlink will nur 300 kb/s für Bürger frei zur Verfügung stellen. Mehr Bandbreite soll kosten. Klingt erstmal aus Sicht des Unternehmens nach einem Businessplan. Allerdings sollte die ursprüngliche Vertragsdauer 16 Jahre betragen. Und wenn man diese Zahl für 16 Jahre festschreiben würde, wäre das aus Sicht der Bürger ziemlich dumm.
* Die Stadtverwaltung möchte daher einen Vertrag nur über acht Jahre abschliessen. Klingt auch logisch, sich nicht zu lange an einen Anbieter zu binden. Der wiederum möchte soviel Vertragslaufzeit wie möglich, um die eigenen Investitionen zu sichern.
* Ansonsten hat sich Earthlink bei der notwendigen Netzinfrastruktur verkalkuliert. Es wird mehr Hardware benötigt, als man dachte.
* Es gibt Datenschutzbedenken. Das liegt aber wiederum am Businessplan von Earthlink, die zusammen mit Google personalisierte Werbung zur Finanzierung realisieren wollen.Mal schauen, wie es weitergeht. Bis dahin wünsche ich mir mal weiter, dass Berliner Politiker auch mal die Notwendigkeit eines offenen Funknetzes erkennen.
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: Wahlcomputer in Grossbritannien und Kalifornien
: Wahlcomputer in Grossbritannien und Kalifornien Heise: Britische Wahlkommission gegen weitere E‑Voting-Versuche.
Die Electoral Commission, die vom englischen Parlament eingesetzte Wahlaufsichtsbehörde, hat sich gegen weitere Pilotversuche mit Internet- und Telefonwahlen ausgesprochen. Sie verlangt stattdessen von der Regierung eine klare Strategie zur Modernisierung des Wahlsystems. „Wir haben in den letzten Jahren bei den Pilotversuchen viel gelernt“, erklärte der Vorsitzende Peter Wardle jetzt bei der Vorlage der offiziellen Auswertung der jüngsten Tests bei den Kommunalwahlen Anfang Mai, „aber wir sehen keinen Sinn darin, scheibchenweise mit kleinen Feldversuchen weiterzumachen, in denen jedes Jahr mit unzureichenden Planungs- und Umsetzungszeiten und ohne klare Richtung oder Aussicht auf neue Erkenntnisse ähnliche Innovationen untersucht werden“.
Bei der Evaluation von einigen Testprojekten hat man herausgefunden, dass einerseits weder die Wahlbeteiligung gesteigert werden konnte, und andererseits die Stimmabgabe unverhältnismässig teurer wurde. An beides glauben deutsche Politiker noch immer.
Heise: Herber Rückschlag für US-Wahlmaschinenhersteller
Unmittelbar vor Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von sechs Monaten vor dem nächsten Wahlgang hat Kaliforniens Secretary of State Debra Bowen in einer mitternächtlichen Pressekonferenz in der Nacht von Freitag zu Samstag die bisher in dem US-Bundesstaat geltende Zulassungen der elektronischen Stimmerfassungssysteme zurückgezogen. Im Februar 2008 stimmen die kalifornischen Wähler bei den Vorwahlen über die Aufstellung der Kandidaten der Parteien zur Wahl des US-Präsidenten im November 2008 ab.
Hier wurde in einer Sicherheitsüberprüfung vernichtende Ergebnisse festgestellt. Welch ein Wunder.
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: cclearn – Creative Commons in der Bildung
: cclearn – Creative Commons in der Bildung cclearn ist ein neues Seitenprojekt von Creative Commons. Ziel ist es, offene Lizenzierungen und Zusammenarbeit im Bildungssektor voranzutreiben:
ccLearn is a division of Creative Commons which is dedicated to realizing the full potential of the Internet to support open learning and open educational resources (OER). Our mission is to minimize barriers to sharing and reuse of educational materials — legal barriers, technical barriers, and social barriers.
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: Journalism 2.0 – How To Survive and Thrive
: Journalism 2.0 – How To Survive and Thrive Onlinejournalismus.de verweist auf “Journalism 2.0 – How To Survive and Thrive” , ein 132-seitige Buch, welches unter einer Creative Commons Lizenz zum Download angeboten wird. Es gibt Einsteigern einen guten Überblick über die üblichen Technologien und Methoden des (neuen) Online-Journalismus.
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: NetzpolitikTV: Roger Dingledine über das TOR-Projekt
: NetzpolitikTV: Roger Dingledine über das TOR-Projekt Einige ältere Videointerviews können endlich mal bearbeitet werden. Und passend zur neuen Version des freien Anonymisierungsdienstes TOR-Onion-Router gibt es ein Interview mit dem Projektkoordinator Roger Dingledine. Das Interview ist auf dem 23c3 entstanden und behandelt verschiedene Themen, wie
* Was ist TOR?
* Welche Vorteile bringt anonyme Kommunikation in repressiven Regimen und der westlichen Welt?
* Wie kann man dem Tor-Projekt helfen?
* Wie gross ist das Tor-Projekt?
* Gefährdet eine Vorratsdatenspeicherung anonyme Kommunikation?In der Mitte bei 6:40 Min gibt es eine erste Verabschiedung. Uns fielen aber noch ein paar Fragen ein, die wir dann noch besprochen haben. Also nicht wundern, wie ich es gerade tat.
Das Video gibt es als OGG Theora (25MB / ca. 10 Minuten), FLV und MP3.
Oder bei Google-Video:
Bei Chaosradio gibt es die Aufzeichnung von Rogers Session auf dem 23c3: Tor and China – Design of a blocking-resistant anonymity system. (MP3)
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: Der Tag danach: TV-Event mixt Fernsehen und Youtube
: Der Tag danach: TV-Event mixt Fernsehen und Youtube Einen Tag nach dem „TV-Event mixt Fernsehen und Youtube“ gibt es jetzt etwas Nachbetrachtung in den üblichen Medien. Die grosse Revolution war es nicht. Aber hatte das jemand ernsthaft erwartet? (Abgesehen von der PR-Maschinerie von CNN und Youtube…)
Hier sind mal einige Beiträge:
Tagesschau.de: Wahlkampf 2.0 mit Hillary und Barack.
Grünes Licht bekam dagegen ein Schneemann mit panischer Angst vor der globalen Erwärmung. Der größte Teil der Wählerfragen hätte allerdings auch von einem traditionellen Moderator stammen können: Neben der Irak-Frage und anderen außenpolitischen Themen wie dem US-Ansehen in der Welt, standen die Zukunft der Renten- und Krankenversicherung, Erziehung und Steuern im Mittelpunkt.[…] Die Bewertung der vom Veranstalter CNN als „historisch“ bezeichneten Debatte fiel unterschiedlich aus: Ein Wähler, der seine Frage per Videoclip eingeschickt hatte, befand: „Es war im Großen und Ganzen schon unterhaltsam. Aber war es auch informativer?“. Der frühere Präsidentenberater David Gergen sagte dagegen: „Klarer Gewinner der Debatte war das Format.“ Da die Fragen schwer vorauszuberechnen gewesen seien, hätten sich die Kandidaten kaum vorbereiten können.
Die Futurezone hat den Medienpsychologe Peter Vitouch von der Uni Wien befragt: „30 Sekunden Ruhm für jedermann“.
Ein Mann aus Ohio hielt bei seiner Frage nach der Waffengesetzgebung gar ein Gewehr in den Händen – in einer Live-Diskussion hätte er es kaum bis zum Eingang geschafft.[…] Hier sieht Vitouch eine potentielle Gefahr für den neuen Ansatz, den er prinzipiell für gut hält: „Man muss aufpassen, dass die Politik nicht durch die Kommunikationsmedien beeinflusst wird und das alles zu einer einzigen großen Show und ins Lächerliche gezogen wird.“ Einen Vorschub für die Demokratisierung kann Vitouch nicht erkennen, eher eine Tendenz zur Freak-Show und der „alten Andy-Warhol-Geschichte“, der einst sagte: „In Zukunft wird jeder für 15 Minuten berühmt sein.“
Bei Spiegel-Online bestimmt eher der ganze Berater-Medien-Zirkus den Artikel: Clinton und die sieben Zwerge.
Was die Modemesse in Mailand für die Designer, die Automesse in Detroit für die Fahrzeugentwickler, das ist die Debatte der Präsidentschaftskandidaten für die Kampagnenmanager: Eine Leistungsschau ihres Könnens – unübersehbar auch eine Demonstration ihrer Macht. Sie bezeichnen sich selbst als Männer hinter den Kandidaten, als Helfer im Hintergrund. Aber das ist reine Koketterie. In Wahrheit sind sie die Designer der Kandidaten. Früher polierten sie Images, heute modellieren sie, wenn man sie gewähren lässt, den Bewerber. Sagten die Parteiführer ihren Spitzenkandidaten einst, was sie tun sollten, sagen heute die Berater den Kandidaten, wer sie sein sollen. Clinton-Berater Blumenthal fasst das so zusammen: „Die Aufgabe ist es, die Erwartungen der Wähler an den Kandidaten durch die Manipulation von Symbolen und Images zu erfüllen.“ Alles werde der Aufgabe untergeordnet, die Persönlichkeit des Kandidaten – und später das Regieren selbst: „Die permanente Kampagne ist die Ideologie unserer Zeit“, schreibt er in einem Buch über die Washingtoner Eliten. Das meint er keineswegs vorwurfsvoll. […] In klinischer Reinheit waren jene Archetypen zu besichtigen, die in der Sprache der Berater als Pussyfooter, Rainmaker und Steamroller bezeichnet werden.[…]
New York Times: Debates to Connect Candidates and Voters Online.
“It’s our democracy, not yours, CNN,” he said. “There is a need for order, but not control.” He said that although random questions from ordinary people might show “some real turkeys,” it would also show that “people really care, and democracy is in good hands.” Mr. Bohrman defended the decision, saying that having a gatekeeper would prevent the debate from becoming a circus and prevent campaigns from manipulating the process with thousands of clicks on questions they like.
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: US-Wahlkampf: TV-Event mixt Fernsehen und Youtube
: US-Wahlkampf: TV-Event mixt Fernsehen und Youtube Heute Nacht gibt es im US-Fernsehen eine interessante Weltpremiere. In einer TV-Debatte auf CNN beantworten demokratische Kandidaten für das US-Präsidentschaftsamt Fragen von Internetnutzern. Diese konnten auf auf Youtube mit einem Video die Fragen stellen. Über 2000 Stück kamen zusammen und eine Redaktion bei CNN hat daraus einige Fragen ausgewählt. Das waren aber nicht die meist abgerufenen Fragen wie die folgende:
„Was denken Sie darüber, dass 88 Prozent der Kalifornier Arnold Schwarzenegger deshalb zum Gouverneur wählten, weil nur ein Cyborg seines Formats einen künftigen Atomkrieg verhindern kann?“
Die Antwort würde mich auch interessieren. Damit könnte man zumindest das Improvisationstalent der Präsidentschaftskandidaten für skurille Fragen und Antworten testen. Aber anscheinend kommen ernstere Fragen. Im Grunde genommen ist das Event eine Weiterentwicklung der klassischen „Bürger fragen Politiker“-Shows, die wir auch schon in Deutschland sehen konnten. Aber die Auswahl ist eine leicht andere. Normalerweise gehen Redaktionen hin und fragen mal ein paar Passanten, die auf dem nächsten Platz von der Redaktion entfernt vorbei laufen. In diesem Fall hat man auch Chancen, wenn man mitten im Wald mit Internetzugang wohnt und die Zivilisation selten erblickt.
Tagesschau.de berichtet im Vorfeld über den Event: User befragen Clinton und Obama.
Dies könnte eine interessante Frage sein: Ist der Wahlkampf im Internetzeitalter nicht sehr unberechenbar?“ Denn einerseits bietet das Internet natürlich eine ideale und von allen Kandidaten viel genutzte Werbeplattform. Gleichzeitig ist es aber ein Fluch: Jeder noch so kleine, erst recht die großen Fehler, finden als Video ihren Weg ins Netz. Das rassistische Statement des Republikaners George Allen kostete den vergangenen Herbst die Kongress-Wahl und die Republikaner damit ihre Senatsmehrheit.
Was im Endeffekt dabei herauskommt, wird sich dann heute Nacht zeigen. In Deutschland gibt es auch die Plattform „Direkt zur Kanzlerin“. Da kann man auch in Videoform (Dazu Audio und Text) Fragen an die Merkel stellen, es gibt eine Vorkontrolle durch ein „Gremium“ und dann können Nutzer die Beiträge bewerten. Die drei meistbewerteten Beiträge werden dann dem Kanzleramt vorgelegt, die verfassen einen Antworttext
und die Merkel liest diesen dann vom Teleprompter ab und wird dabei gefilmt. Muss mal testen, ob und wie man das Tool für Kampagnen einsetzen kann. Man könnte die Merkel wöchentlich zum Thema Vorratsdatenspeicherung und/der Urheberrecht befragen, wenn genug mitmachen. Zumindest müsste man das mal ausprobieren, ob und wie die Plattform mit solchen gezielten Kampagnenaktionen umgeht.Update: Hatte DirektzurKanzlerin am Anfang so verstanden, dass die Merkel wenigstens selber vom Teleprompter die Antworten in Videoform vorliest. Aber ist wohl zurück geschraubt worden. Nun gibts nur noch Textantworten aus dem Presse- und Informationszentrum der Bundesregierung. Das ist ja langweilig, die Antworten auch so auf Mails (die man nicht erst durch ein aufwändiges Ranking-Verfahren laufen lassen muss).
Nochmal Update: Das Handelblatt berichtet jetzt auch über diesen Event: Wahlkampf 2.0.
In Deutschland ist die Politik noch nicht ganz so netzaffin. Erst kürzlich erklärte der wissenschaftliche Dienst des Bundestages den Abgeordneten » was ein Weblog ist und informiert sie darüber, dass die Blogs zu „einem bedeutenden politischen Kommunikationsraum geworden“ sind. Wie ein Video Beitrag des ARD-Morgenmagazin erst kürzlich zeigte, haben die deutschen Volksvertreter solcherlei Nachhilfe des Bundestagsdienstes offenbar auch bitter nötig. Im „bedeutenden politischen Kommunikationsraum“ der deutschsprachigen Blogosphäre ist nicht zuletzt die Inkompetenz der Politik in Sachen IT und Internet ein beliebtes Thema, so etwa auf » Netzpolitik.org, » Spreeblick, » Blogs von CCC-Mitgliedern oder >» Doeners Blog.
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: USA: Google will Netzneutralität erkaufen
: USA: Google will Netzneutralität erkaufen Das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika verleiht demnächst wieder Funk-Frequenzen. Im Auftrag des Volkes versteigert die Federal Communications Commission (FCC) 700 Megahertz Lizenzen. Um die 700 MHz herum liegt der Frequenzbereich der Dezimeterwellen. Das analoge US-Fernsehen sendet bis 2009 auf diesen Frequenzen. Die Frequenzen werden frei, weil das Fernsehen digital wird. Diese Frequenzen sind so begehrt, weil die durch sie transportierten Signale recht stark sind.
Wenn Frequenzen vergeben werden, gibt es immer Kontroversen. An der Grenze zum Internet-Zeitalter aber besonders. Als die Frequenzen nur fürs Fernsehen und ‑sprechen gebraucht wurden, genügten die bisherigen Auflagen. Mal abgesehen von der Medienkonzentration. Aber im Internet herrscht herbe Vielfalt. Und bisher gibt es kein Gesetz, dass die Frequenzinhaber verpflichtet, diesen Dienstleistungen gegenüber neutral zu sein. Wenn sich Telekommunikationsunternehmen die Frequenzen unter den Nagel reißen, dann hätten sie freie Hand, zu entscheiden, welche Dienstleistungen in ihrem Teil des mobilen Internets zu welchen Bedingungen angeboten würden. Diesem unter der Kehrseite von Netzneutralität bekannten Problem, wird nachgesagt, es würde Innovation verhindern. Da eingesessene Firmen, die Politik des Frequenzinhabers mitbestimmen würden, hätten innovative Konkurrenten, die zu Beginn dem Frequenzinhaber nur wesentlich weniger zahlen könnten, keine Eintrittschance in den Markt. Fast alle großen Internetfirmen haben mit sehr wenig Geld angefangen und nicht jedes Potential wird von einen Investor erkannt. Digitale Innovation braucht wahrscheinlich Freiheit.
Google hat nun angekündigt, bei der Versteigerung dabei zu sein. Sie versprechen mit mindestens 4,6 Milliarden Dollar, also ungefähr den Wert von 3Youtubes oder einem halben Facebook, in die Versteigerung einzusteigen. Aber nur wenn die FCC ein paar Grundsätze beachtet:
Die Konsumenten müssen jedes Programm und jeden Inhalt, den sie haben wollen, bekommen dürfen und jedes mobile Endgerät mit jedem drahtlosen Netzwerk verbinden dürfen. Wiederverkäufer von Mobilfunkdienstleistungen der 700MHz-Lizenznehmer müssen RAND-Bedingungen bekommen und ISPs sollen sich an jedem Punkt mit dem 700MHz Netzwerk verbinden können.
Den anderen Mitbewerbern gefallen diese Grundsätze gar nicht. AT&T zum Beispiel sieht dadurch sein bisheriges Geschäftsmodell gefährdet. So schrieb AT&T an GigaOM:
Google has now delivered an all or nothing ultimatum to the U.S. Government, insisting that every single one of their conditions “must” be met or they will not participate in the spectrum auction. Google is demanding the Government stack the deck in its favor, limit competing bids, and effectively force wireless carriers to alter their business models to Google’s liking. We would repeat that Google should put up or shut up— they can bid and enter the wireless market with any business model they prefer, then let consumers decide which model they like best.
Auch wenn Netzneutralität kontrovers ist und auch Google mindestens eine Public Relations-Abteilung hat. Ich kann an den Forderungen von Google nichts negatives finden. Und ein Geschäftsmodell, dass mit diesen Bedingungen nicht zurecht kommt, gehört nicht ins Internet. Obwohl mir schon ein wenig unbehaglich ist, wenn ich mir vorstelle, dass das
mobileInternet der USA demnächst Google gehört. Die Alternativen wären allerdings auch nicht behaglicher.