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Ende der Netzneutralität? Debatte in UK und Praxis bei AT&T

Die Einschläge rücken näher. Nachdem die Netzneutralitäts-Debatte bisher vor allem in den USA geführt wurde, haben nun britische Internet-Provider wie BT und Tiscali einen neuen Schlagabtausch eröffnet. Sie fordern von der BBC, sich direkt an den Übertragungskosten für ihr neues und gerade mal im Testbetrieb laufendes TV-Download-Angebot iPlayer zu beteiligen. Andernfalls drohen sie laut The…

  • Ralf Bendrath

Die Einschläge rücken näher. Nachdem die Netzneutralitäts-Debatte bisher vor allem in den USA geführt wurde, haben nun britische Internet-Provider wie BT und Tiscali einen neuen Schlagabtausch eröffnet. Sie fordern von der BBC, sich direkt an den Übertragungskosten für ihr neues und gerade mal im Testbetrieb laufendes TV-Download-Angebot iPlayer zu beteiligen. Andernfalls drohen sie laut The Independent, „den Stecker zu ziehen“. Wie sie allerdings mit dem zusätzlich eingenommenen Geld innerhalb von dreißig Tagen (so lange läuft die Testphase) ein signifikantes Mehr an Bandbreite zur Verfügung stellen wollen, ist auch nicht klar geworden. In Deutschland sind die ISPs offenbar noch mehrheitlich gegen diskriminierende Übertragungsgeschwindigkeiten und Zahlungen der Anbieter-Seite, wie heise berichtet.

Ein anschauliches Beispiel davon, was sich manche Provider unter Netzneutralität vorstellen, kommt dazu gerade aus den USA. AT&T übertrug am Wochenende ein Live-Konzert von Pearl-Jam per Webcast. Nun ja, es war nicht ganz live, sondern um einige Sekunden verzögert, um „excessive profanity“ rauszufiltern. Ihr wisst schon, sowas machen andere „demokratische“ Staaten ja auch, etwa der Iran bei den Fussball-WM-Übertragungen fürs Fernsehen, damit nur verschleierte Frauen im Publikum zu sehen waren. Bei Pearl Jam wurde nun Sänger Eddie Vedder ausgerechnet dann aus dem Soundmix rausgenommen, als er zur Melodie von „Another Brick in the Wall“ (Pink Floyd) sang „George Bush, leave this world alone; George Bush find yourself another home“. Das ganze wurde von AT&T erst zugegeben, als Pearl Jam sich öffentlich beschwerte. „Natürlich“ war das keine Absicht von AT&T, sondern nur ein menschliches Versagen des entsprechenden Mitarbeiters des Subunternehmers, der die Zensur durchgeführt hat. Nee klar, alles nur ein Versehen.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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4 Kommentare zu „Ende der Netzneutralität? Debatte in UK und Praxis bei AT&T“


  1. […] netzpolitik.org: » Ende der Netzneutralität? Debatte in UK und Praxis bei AT&T (tags: netzneutralität internet) […]


  2. ninjaturkey

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    AT&T? Bei uns gibts dafür die vorauseilend buckelnden ÖRen. Seltsame Tonstörungen bei Dopinggeständnissen, desgleichen bei Rezepten für Gleitcreme in der Hobbythek, Ausstrahlung von Alternativsendungen in südlichen Bundesländern, u.v.m. Nicht mitgerechnet die zunehmende Blindheit unserer Medien was die wachsende Bespitzelung und Abschottung des Staates gegen die Bürger angeht. Die aktuellen Ermittlungen unserer Staatsanwaltschaften gegen Journalisten hätte noch vor 20 Jahren die deutschen Medien hochgehen lassen wie eine Rakete. Heute reichts gerade für ein paar lahme „Schüleraufsätze“.


  3. Das Beispiel Pearl Jam ist zwar krass, hat aber mit der Netzneutralitätsdebatte eigentlich nichts zu tun, oder? AT&T ist da ja – wenn ich das richtig verstanden habe – als Content Provider und nicht als Anbieter von Bandweite/Übertragungskapazität aufgetreten, oder?


  4. @ Till: Schon richtig, hier waren sie Contentprovider. Dennoch macht man sich bei sowas Gedanken, in welche Richtung sich die Sache auch bei den Zugangsprovidern entwickeln könnte, und AT&T ist ja einer davon. Ich sag nur Jugendschutz und slippery slope…

    @ Ninjaturkey: Ich habe den Eindruck, die Medien interessieren sich eher mehr für das Thema Überwachung als noch vor einem Jahr. Das ist von den Computerseiten im hinteren Teil nun nach vorne in den politikteil gerutscht. Sogar die Chip titelte ja kürzlich mit dem „Schäuble-Blocker“ (einer „Anti-Überwachungs“-DVD, die dem Heft beigelegt war).

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