USA

  • : Kony 2012: Zurück blieb ein laues Lüftchen
    Kony 2012: Zurück blieb ein laues Lüftchen

    Dieser Artikel erschien zuerst in der Ausgabe 3/2012 von Böll.Thema.

    Anfang März dieses Jahres wurde Joseph Kony quasi über Nacht eine der berühmtesten Personen des Internets. Der flüchtige mutmaßliche Kriegsverbrecher und ugandische Rebellenführer war bis dahin weitgehend nur Menschen bekannt, die sich für Konfliktherde in Mittelafrika interessierten. Das sollte sich mit einer bis dahin beispiellosen Internetkampagne namens KONY 2012 ändern. Die US-Nichtregierungsorganisation Invisible Children startete sie am 5. März. Zentrales Element der Kampagne war ein rund 30 Minuten langes Video, das der Invisible Children-Gründer Jason Russell gedreht hatte.

    Entgegen dem Gerücht, dass im Internet nur kurze Videos funktionieren und sich niemand lange Filme anschaut, wurde KONY 2012 allein in den ersten sechs Tagen mehr als 100 Millionen-mal über die beiden Plattformen Vimeo und YouTube abgerufen. Zentrale Personen in dem Video sind Russell und sein Sohn, sie beschreiben die Konflikte in Uganda und verurteilen die Methoden, mit denen Konys Lord’s Resistance Army (LRA) in Uganda und benachbarten Staaten mit Hilfe von Kindersoldaten und Sklaven agiert. Der Film beschreibt weiter, wie Invisible Children als Nichtregierungsorganisation gegründet wird, um diesen Taten ein Ende zu setzen. Verbunden ist das emotional ergreifende Video über einen Konflikt außerhalb der medialen Berichterstattung mit konkreten Handlungsempfehlungen: Den Konflikt aufmerksam zu verfolgen und vor allem an Invisible Children zu spenden.

    Welche Verantwortung haben NGOs?

    18. Dezember 2012 10
  • : Dienstag in Berlin: Diskussion über Netzneutralität (in den USA)
    Dienstag in Berlin: Diskussion über Netzneutralität (in den USA)

    Am kommenden Dienstag, den 11. Dezember, findet im Newsroom von Zeit-Online in Berlin eine Veranstaltung zum Thema „The Campaign For Net Neutrality In The US“ statt. Da werde ich mich mit Ben Scott über die Netzneutralitätsdebatte in den USA und Parallelen zur deutschen Debatte unterhalten. Ben Scott war früher einer der Köpfe hinter der savetheinternet.com – Kampagne in den USA, bevor er als Berater für Hillary Clinton ins US-Außenministerium wechselte. Seit einigen Monaten wohnt und arbeitet er in Berlin.

    Will there be an internet in which website owners can pay for a faster data upload, in which you can choose between different providers for different types of content – a time when the economy regulates the access to data on the internet? There is an ongoing debate in Germany on what is called net neutrality and why this neutrality should be preserved. Markus Beckedahl, founder of netzpolitik.org, is one of the key actors of the net neutrality movement in Germany. In the USA, the debates on net neutrality have always had a strong focus on the question of free speech and the dangers of government regulation and corporate control. Ben Scott was an important figure in the US campaign for net neutrality – savetheinternet.com – as policy director for the Free Press, the largest non-profit organization in the US dealing exclusively with media and communications policy. Markus Beckedahl and Ben Scott join ZEIT ONLINE and newthinking for a discussion in the Berlin Newsroom of ZEIT ONLINE. The main questions are: What are the differences between the debates in the USA and in Germany? What are the common goals of the international movement for network neutrality? Is a free and open internet still a ground for campaigning of he civil society?

    Beginn ist 19 Uhr und der Eintritt ist frei. Der ZEIT ONLINE Newsroom
 ist am Askanischer Platz 1 nahe Anhalter Bahnhof in Berlin. Um Anmeldung wird gebeten um die Bestuhlung besser vorbereiten zu können.

    Disclaimer: Das ist eine Kooperation zwischen Zeit-Online und newthinking.

    6. Dezember 2012
  • : Geheime Verordnung: US-Präsident Obama erlaubt Militärs offensive „cyber-operations“ außerhalb der eigenen Netze
    Geheime Verordnung: US-Präsident Obama erlaubt Militärs offensive „cyber-operations“ außerhalb der eigenen Netze

    Das amerikanische Militär kann jetzt auch offiziell fremde Netzwerke angreifen, um die USA zu verteidigen. Laut Washington Post unterzeichnete Präsident Obama Mitte Oktober ein geheimes Dekret. Damit werden existierende Praxen nun auch offiziell legitimiert.

    Ellen Nakashima zitiert bei Washington Post einen „Senior Administration Official“:

    What it does, really for the first time, is it explicitly talks about how we will use cyber-operations. Network defense is what you’re doing inside your own networks. … Cyber-operations is stuff outside that space, and recognizing that you could be doing that for what might be called defensive purposes.

    Das Dokument an sich ist geheim. Ein Vorläufer ist die „National Strategy to Secure Cyberspace“ von 2003, die gibt’s auch in Volltext.

    15. November 2012 8
  • : Affäre von CIA-Chef Petraeus: Wie das FBI den Absender von E‑Mails aus Gästelisten von Hotels ermittelte
    General Patreus und Bild: ISAF. Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en">CC BY-2.0</a>.
    Affäre von CIA-Chef Petraeus: Wie das FBI den Absender von E‑Mails aus Gästelisten von Hotels ermittelte

    Der amerikanische CIA-Chef David Petraeus verlor seinen Posten, weil seine außereheliche Affäre aufgrund von E‑Mails aufflog. Dazu rasterte das FBI die Gästelisten von Hotels, von denen aus E‑Mails verschickt wurden. Auch das Speichern von E‑Mails im „Entwurf“-Ordner brachte den beiden nichts, diese sind teilweise sogar weniger geschützt als abgeschickte Mails.

    Geht man nach der englischen Wikipedia, ist der ehemalige Direktor der CIA David Petraeus aufgrund eines E‑Mail Skandals zurück getreten. Chris Soghoian kommentiert im Blog der Amerikanischen Bürgerrechtsunion (ACLU) ein paar Lehren aus netzpolitischer Perspektive.

    Es geht viel um E‑Mails, unter anderem die von Petraeus privatem Gmail-Account, aber auch die von seiner außerehelichen Affäre Paula Broadwell und Jill Kelley, die angab, von Broadwell per E‑Mail belästigt zu werden. New York Times:

    Da das Konto des Absenders anonym registriert wurde, mussten die Ermittler forensische Techniken anwenden, um den Sender der E‑Mails zu ermitteln. Diese beinhalteten eine Überprüfung, auf welche anderen E‑Mail-Konten von der selben IP-Adresse zugegriffen wurde.

    14. November 2012 21
  • : Wahlcomputer und „Einarmige Banditen“ im Vergleich
    Wahlcomputer und „Einarmige Banditen“ im Vergleich

    Vom Anonymous-Tumblraccount YourAnonNews kommt diese hübsche Infografik:

    Verglichen werden die gesetzlichen Regelungen von Wahlcomputern – und Las Vegas-Slotmachines.

    Das Ergebnis: Selbst falls ein Wahlcomputer bei Berührung den richtigen Kandidaten markiert, kann sich der Wähler nicht wirklich sicher sein, ob seine Stimme richtig registriert wird. Der Quellcode der eingesetzten Software ist selbst für Bundesbehörden nicht einsehbar, einmal aufgestellte Wahlcomputer werden – im Gegensatz zu Slot Machines – nicht mehr kontrolliert.

    Es ist schon bezeichnend für eine der ältesten Demokratien der Welt, wenn Glücksspielautomaten in Las Vegas strenger und besser kontrolliert werden als Wahlcomputer.

    7. November 2012 12
  • : Wählen per eMail – Was kann da schon schief gehen?
    Wählen per eMail – Was kann da schon schief gehen?

    Der Hurrican Sandy hat im US-Ostküsten-Staat New Jersey viel Schaden angerichtet. Um trotzdem allen Bürgern eine Wahlmöglichkeit zu geben, kam man auf die etwas merkwürdige Idee: Dort kann man nun per eMail wählen. eVoting mal ganz einfach gedacht, was kann da schon passieren? Sicherheitsexperten hielten das zuerst für einen Witz, weil die Missbrauchsmöglichkeiten hoch sind. Beispielsweise ist es ohne Probleme möglich, die Identität von eMails zu fälschen und im Namen anderer zu wählen – selbst ohne Zugriff auf ihre Postfächer zu hben. Aber die Verantwortlichen ziehen das jetzt durch.

    Und schon gehts schief. Die Mailserver sind in einigen Bezirken überlastet und nehmen keine Mails mehr an. Wähler wissen nicht, ob ihre Stimmen nun ankommen oder nicht. Um das Problem zu lösen, kamen die Verantwortlichen von Essex County auf eine weitere Schnapsidee: Sie nehmen Wahlstimmen nun über eine Mailadresse beim kommerziellen Maildienst Hotmail von Microsoft an. Damit werden die privaten Wahlstimmen nun bei einem privaten Anbieter gesammelt. Unvorstellbar für unsere deutsche Vorstellung eines Wahlgeheimnis.

    Aber es wurde noch absurder: Der Sicherheitsberater Ashkan Soltani hat die Passwort vergessen-Funktion für die Mailadresse ausprobiert und einige Sicherheitsfragen durchprobiert. Das sind die Fragen, die man beim Einrichten einer Mailadresse immer gestellt bekommt, für den Fall dass man sein Passwort vergisst. Allerdings ist diese Funktion für alle zugänglich. Soltani probierte sie aus und bekam als Frage gestellt, wie der Name der Mutter des Verwaltungsangestellten lautet, der die Mailadresse auf seinen Namen eingerichtet hat. Das war über etwas Recherche herauszufinden und schon hatte er Zugang zu den Wahlstimmen.

    Der Ausgang ist unklar.

    7. November 2012 28
  • : Infografik vergleicht Online-Wahlkämpfe Obama und Romney
    Infografik vergleicht Online-Wahlkämpfe Obama und Romney

    Eine umfangreiche Infografik vergleicht verschiedene Maßnahmen der Online-Wahlkämpfe von Barack Obama und Mitt Romney.

    7. November 2012
  • : Wie arbeitet ein Wahlcomputer in der US-Wahl?
    Wie arbeitet ein Wahlcomputer in der US-Wahl?

    Auf Youtube gibt es das Video eines Wählers, der verzweifelt versucht hat, auf einem Wahlcomputer für Obama zu stimmen. Allerdings ist das nicht so einfach, weil wenn man mit dem Finger per Touchscreen über dem Namen von Obama klicken möchte, kommt Romney als Ergebnis raus. Das Video wurde mittlerweile von verschiedenen Medien als echt identifiziert (und scheint aus Pensylvania zu sein). War natürlich nur ein Einzelfall.

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    6. November 2012 5
  • : Visualisierung der US-Wahl mit Pommes und Burgern
    Visualisierung der US-Wahl mit Pommes und Burgern

    Zur vergangenen Berliner Wahl zum Abgeordnetenhaus haben Lisa Rienermann und Anna Lena Schiller bereits mit Waffeln viele Statistiken und Ergebnisse visualisiert. Zur US-Präsidentschaftswahl haben sie die Idee etwas angepasst: „binders full of burgers“ visualisiert Statistiken und sicher auch später in der Nacht Hochrechnungen und das irgendwann auch das Endergebnis mit Burgern und Pommes. Und das sieht toll aus. Hier gibt es einige Bilder, die alle unter der CC-BY-NC-SA-Lizenz veröffentlicht wurden. Mehr Bilder gibt es bei Tumblr.

    6. November 2012 2
  • : Dienstag Nacht: Wahlnacht und bloggen beim ZDF
    Dienstag Nacht: Wahlnacht und bloggen beim ZDF

    Das ZDF hat mich angefragt, ob ich Lust habe, die US-Wahlnacht in deren Wahlstudio zu verbringen und zu schauen, was interessantes und lustiges im Netz passiert. Da ich die letzten Wahlnächte auch immer wach geblieben bin um die vielen spannenden Sachen im Netz in Echtzeit zu beobachten und ganz vergessen hatte, dass das ja ewig lang bis um sieben Uhr morgens geht, habe ich zugesagt. Dass Markus Lanz durch die Nacht moderiert, wurde mir erst hinter her mitgeteilt. Ich bin dann quasi eine Art Embedded-Blogger im Fernsehen und werde parallel dazu im ZDF-Hyperland-Blog die Nacht über die interssantesten Fundstücke bloggen.

    Für heute.de hab ich die Wahl aus netzpolitischer Sicht kommentiert: Das Netz tendiert zum kleineren Übel.

    Das alles überlagernde Top-Thema dieses Jahres waren die Massenproteste gegen die Copyright-Durchsetzungsgesetze SOPA und PIPA. Die mit ACTA vergleichbare Debatte führte im Januar unter anderem zur Schwärzung der Wikipedia-Seite und mobilisierte Millionen User. Die Gesetzesinitiativen wurden daraufhin auf Eis gelegt. Auch hier enttäuschte die Obama-Regierung durch Wegschauen. Was aber viele nicht überraschte. Als ich im Sommer in den USA war, erklärte mir der Büroleiter eines US-Abgeordneten: „Bei uns funktioniert das so: Die Demokraten hören auf Hollywood und die Republikaner auf die Pharma-Industrie.“ Business as usual.

    Trotzdem spricht sich immer noch eine Mehrheit der Netzaktivisten und Blogger für Obama und die Demokraten aus. Allerdings weniger aus Überzeugung als aus taktischem Kalkül: Obama ist einfach das kleinere Übel gegenüber Mitt Romney.

    Die ZDF Wahlnacht beginnt um 23:50 Uhr. Vorher ist noch netzpolitischer Abend der Digiges in Berlin und im Stream.

    6. November 2012 13
  • : Mehrheit der US-Drohnen sendet unverschlüsselte Videosignale
    Mehrheit der US-Drohnen sendet unverschlüsselte Videosignale

    Wie der Wired Danger Room berichtet, sind noch immer nur 30 bis 50% der Übertragungsdaten von US-Drohnen vollständig verschlüsselt. Mit wenig Equipment und Know-How sei es ein leichtes, die aufgenommenen Videos der Predator und Reaper Drohnen selbst empfangen zu können. Und das, obwohl die Sicherheitslücke bekannt war.

    Military officials have known about — and mostly shrugged off — the vulnerability since the development of the Predator in the 1990s. But the problem drew increased attention in 2008, when drone video footage was found on the laptops of Shi’ite militants in Iraq, who were able to intercept the feed using a piece of $26 software. The Pentagon and the defense industry assured the public that they’d close the hole by retrofitting the robotic aircraft with new communications protocols and encrypted transceivers that would keep the video from being intercepted again.

    Videosignale und Kommandos werden durch zwei Kanäle verschickt und empfangen: Über Satellit, damit PilotInnen und OperatorInnen, die oft am anderen Ende der Welt sind, Zugriff haben. Die Satellitenkommunikation ist verschlüsselt und gilt als sicher. Mit den Truppen am Boden wird der Videostream durch ein Radiosignal geteilt, genannt Common Data Link. Dieses Signal ist unverschlüsselt.

    There were reasons for this. The original Predator, just 27 feet long, was little more than a scaled-up model plane with an 85-horsepower engine. It had a payload of just half a ton for all its fuel, cameras and radios. And encryption systems can be heavy. (Big crypto boxes are a major reason the Army’s futuristic universal radio ended up being too bulky for combat, for example.) With the early Predator models, the Air Force made the conscious decision to leave off the crypto.

    In den nächsten Jahren soll nun viel Geld investiert werden, damit die Drohnen-Flotten sicherer und weniger leicht zu hacken sind. Doch fragen sich sicher nicht nur Noah Shachtman und David Axe, die Autoren des Artikels, wieso das nicht schon längst passiert ist.

    31. Oktober 2012 5
  • : Lesestoff: Cyberrevolution in China ist westliches Wunschdenken
    Lesestoff: Cyberrevolution in China ist westliches Wunschdenken

    Sophia Lee interviewte den chinesischen Blogger Michael Anti, der wenig optimistisches berichtet. Nicht nur sei China weit von einer digitalen Revolution entfernt, die Regierung instrumentalisiere das Internet, um Druck auf unbequeme Mitglieder auszuüben.

    Die Server für Mikroblogs und andere soziale Netzwerke stehen allesamt in Peking. Nur dort bekommen Internetfirmen seit 2009 noch eine entsprechende Lizenz. Wenn ein Provinzfürst etwas aus dem Netz löschen will, muss er in Peking anrufen – oder einem Funktionär der zentralen Zensurbehörde großzügige Geschenke machen. Die Zentralregierung hat die volle Kontrolle über die relevanten Server.

    Remix heißt nicht nur kopieren

    Simon Reynold bei Zeit Online darüber, dass auch ein Remix originell sein kann:

    Rekreativität, oder die Idee, dass alles auf dieser Erde ein Remix ist (und niemals neu), ist zu einem Glaubensgrundsatz geworden. Diese nicht zu beweisenden Thesen sagen viel mehr über unsere derzeitigen Denkhorizonte und die verzwickte Lage der Kultur aus, als über das Wesen der Kreativität oder die Geschichte der Kunst.

    Abenteuerdatenpfad

    Barbara Jung hat im Selbstversuch getestet, welche Daten welche Unternehmen von ihr gesammelt haben.

    Zieht man übrigens die Gegend, in der ich wohne, amtliche Statistiken, mein Geschlecht, mein Alter und die Wohnform „anhand von Gebäudedaten“ heran, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ich Rechnungen für die Waren zahle, die ich kaufe, bei 94 Prozent. Das zumindest weiß Galeria Kaufhof von mir.

    Wem vertrauen – Regierung oder Google?

    Shannon Smith schreibt über den unterschiedlichen Umgang mit dem Internet in Europa und den USA und führt u.a. die re:publica als Beispiel für den Fortschritt in der netzpolitischen Debatte in Deutschland an.

    And just last week, the U.S. government supported Google and Facebook by sending a delegation to the European Parliament’s Committee on Civil Liberties, Justice and Home Affairs to lobby against an E.U. data privacy law that would strengthen the rights of users to delete their own data.

    18. Oktober 2012 1
  • : Open Education: Milliarden in den USA, Fragen in Deutschland
    Open Education: Milliarden in den USA, Fragen in Deutschland

    Kürzlich durfte ich für das Projekt werkstatt.bpb.de – Digitale Bildung in der Praxis einen kurzen Beitrag zum Thema Open Education in den USA verfassen. Dort war mein Fazit, dass Deutschland verglichen mit den USA noch in der Open-Education-Steinzeit ist:

    Ohne Investitionen und damit zumindest kurzfristige Mehraufwände werden sich aber die langfristigen Potentiale von Open Education nicht heben lassen. Es ist also hoch an der Zeit, dass auf die mit Milliarden ausgestattete „Exzellenzinitiative“ eine „Open-Education-Initiative“ folgt.

    In den USA bewegt sich die Förderung von offenen Lernunterlagen („Open Educational Resources“, OER) bereits in diesen Dimensionen. Nachdem der kalifornische Governor Jerry Brown mit seiner Unterschrift das Gesetz zum Aufbau einer digitalen Lehrbuchbibliothek in Kraft gesetzt hatte, gab Arbeitsministerin Hilda L. Solis die bislang größte OER-Initiative auf Bundesebene bekannt (vgl. Redemanuskript). Binnen vier Jahren werden 2 Milliarden Dollar in Community Colleges investiert (500 Millionen sind bereits ausgeschüttet), wobei sämtliche damit finanzierten Lernunterlagen unter einer Creative-Commons-Lizenz stehen (meine Übersetzung):

     [Community Colleges] können in Personal und Lernunterlagen investieren und Studierende mit freiem Zugang zu digitalen Lernmaterialen ausstatten. Alle mit Hilfe dieser Förderungen entwickelten Kursunterlagen werden für andere Bildungseinrichtungen verfügbar sein dank Creative-Commons-Lizenzierung.

    Schön langsam steigt aber auch in Deutschland das politische Interesse an Open Education. Mitte September lud das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz zu einer Anhörung zum Thema „Open Educational Resources“ und verschickte mit der Einladung einen umfangreichen Fragenkatalog (DOC). Ich bin schon gespannt, wer noch aller als Experte zur Beantwortung dieser Fragen eingeladen wurde – und vor allem, wie sich die Schulbuchverlage zu diesen Fragen positionieren werden. Am 8. November, dem Termin der Anhörung, wissen wir mehr.

    2. Oktober 2012 6
  • : Lasst tausende Jon Stewarts blühen? Internet Archive startet gigantisches TV-News-Portal
    Lasst tausende Jon Stewarts blühen? Internet Archive startet gigantisches TV-News-Portal

    Auch in Deutschland erfreut sich die satirische Nachrichtensendung „The Daily Show“ mit Jon Stewart ständig wachsender Beliebtheit. Gerade in Wahlkampfzeiten ist die Sendung eine äußerst unterhaltsame Möglichkeit über aktuelle politische Entwicklungen in den USA am Laufenden zu bleiben. Kernstück der Daily Show ist etwas, das der österreichische Journalist Robert Hochner einmal als „die Rache der Journalisten an den Politikern“ bezeichnet hat: die Konfrontation aktueller Aussagen und Behauptungen mit dem Nachrichtenarchiv.

    Die New York Times berichtet nun von einem neuen und hierzulande mit 7‑Tage-Depuplikationspflicht für öffentlich-rechtliche Inhalte utopisch anmutenden Service: Das von Brewster Kahle 1996 gegründete Internet Archive startet ab sofort ein TV-News-Portal, in dem sich sämtliche Nachrichtensendungen der vergangen drei Jahre von über 20 Kanälen nach Inhalten durchsuchen und Ausschnitte daraus ansehen lassen. Und Kahle begründet diese Initiative gegenüber der New York Times unter Verweis auf Jon Stewart:

    „Let a thousand Jon Stewarts bloom.“

    Passenderweise gehört Jon Stewarts Daily Show genauso zu den archivierten Inhalten wie die komplette 24/7‑Berichterstattung von CNN der letzten sowie der kommenden Jahre. Denn neue Inhalte sollen künftig 24 Stunden nach Ausstrahlung zum Archiv hinzugefügt werden. Außerdem sollen schrittweise und Jahr für Jahr auch die vergangenen Nachrichtensendung zurück bis zum Beginn des Fernsehens digitalisiert und durchsuchbar gemacht werden.

    In voller Länge lassen sich die gefundenen Sendungen dann kostenpflichtig auf DVD für 30 Tage ausleihen oder kostenlos in der öffentlichen Bibliothek des Internet Archives in San Francisco ansehen. Inwieweit eine Downloadmöglichkeit geplant ist und ob bestimmte Inhalte auch kostenlos angeboten werden können, wurde noch nicht bekannt gegeben. Gleiches gilt für internationale Erweiterungen des derzeit auf US-Nachrichtensendungen beschränkten Angebots.

    18. September 2012 4
  • : Barack Obama auf Reddit
    Barack Obama auf Reddit

    US-Präsident Barack Obama nutzt gerade Reddit für eine halbe Stunde „AMA – Ask me anything“.

    Hi, I’m Barack Obama, President of the United States. Ask me anything. I’ll be taking your questions for half an hour starting at about 4:30 ET.
    Proof it’s me: https://twitter.com/BarackObama/status/240903767350968320
    We’re running early and will get started soon.
    UPDATE: Hey everybody – this is barack. Just finished a great rally in Charlottesville, and am looking forward to your questions. At the top, I do want to say that our thoughts and prayers are with folks who are dealing with Hurricane Isaac in the Gulf, and to let them know that we are going to be coordinating with state and local officials to make sure that we give families everything they need to recover.
    Verification photo: http://i.imgur.com/oz0a7.jpg

    Zum Thema Netzpolitik wurde er gefragt: „We know how Republicans feel about protecting Internet Freedom. Is Internet Freedom an issue you’d push to add to the Democratic Party’s 2012 platform?“

    Obama antwortet:

    „Internet freedom is something I know you all care passionately about; I do too. We will fight hard to make sure that the internet remains the open forum for everybody – from those who are expressing an idea to those to want to start a business. And although their will be occasional disagreements on the details of various legislative proposals, I won’t stray from that principle – and it will be reflected in the platform. “

    ACTA, TPP und andere Maßnahmen zur Durchsetzung von Urheberrechten sprechen in der Regel eine andere Sprache als die Verlautbarungen der Obama-Administration. Aber wie uns bei meiner letzten US-Reise der Büroleiter eines US-Abgeordneten erklärte: „This is how it works: The democrats are listening to Hollywood and the republicans to pharma“.

    Reddit hat durch die Aktion, die vorher nicht angekündigt wurde, gerade ein paar Lastprobleme, wenn man überhaupt drauf kommt. Bei der Huffington Post gibt es alternativ das Transcript in einer Art Live-Blog zu lesen. Die Aktion zeigt, welche Bedeutung die Plattform mittlerweile eingenommen hat und ist zugleich ein kleiner Konter gegen die aktuell stattfindende Krönungsmesse von Mitt Romney. Auf Twitter macht das Mem die Runde: „Mitt Romney is waiting for you on“ [Insert Myspace, Friendster, Chatroulette…].

    29. August 2012 12
  • : Pioneer Awards: EFF vergibt Auszeichnung an Hardware-Hacker, La Quadrature du Net, Tor Projekt
    Pioneer Awards: EFF vergibt Auszeichnung an Hardware-Hacker, La Quadrature du Net, Tor Projekt

    Die diesjährigen Pioneer Awards der Electronic Frontier Foundation gehen an den Hardware-Hacker Andrew (bunnie) Huang, Jérémie Zimmermann und die Entwickler des Anonymisierungs-Netzwerks Tor. Damit ehrt die digitale Bürgerrechtsorganisation deren Engagement für Freiheit im digitalen Raum. Die Preisverleihung findet am 20. September in San Franciso statt.

    Aus der Pressemitteilung:

    „Every year, our Pioneer Awards celebrate those who have made a difference for digital freedom. We are extraordinarily proud of this year’s winners and their unflagging dedication to protecting the rights of technology users around the world,“ said EFF Executive Director Shari Steele.

    28. August 2012 1
  • : Total Information Awareness: National Security Agency betreibt eingestelltes Überwachungsprogramm weiter
    Total Information Awareness: National Security Agency betreibt eingestelltes Überwachungsprogramm weiter

    Der amerikanische Nachrichtendienst National Security Agency betreibt das eingestellte Überwachungsprogramm „Total Information Awareness“ weiter und erstellt aus allen Kommunikationsvorgängen ein riesiges Netzwerkdiagramm. Das berichtet die New York Times in einem Op-Ed. Mit zwei Änderungen: Auf die Daten kann jetzt auch ohne Gerichtsbeschluss zugegriffen werden und Zugriffe werden nicht mehr protokolliert.

    Der Journalist Shane Harris beschreibt den Umfang der Überwachung:

    The N.S.A. created what one senior Bush administration official later described as a “mirror” of AT&T’s databases, which allowed ready access to the personal communications moving over much of the country’s telecom infrastructure. The N.S.A. fed its bounty into software that created a dizzying social-network diagram of interconnected points and lines. The agency’s software geeks called it “the BAG,” which stood for “big ass graph.”

    Und den Verzicht auf Datenschutz-Hindernisse:

    What’s missing, however, is a reliable way of keeping track of who sees what, and who watches whom. After T.I.A. was officially shut down in 2003, the N.S.A. adopted many of Mr. Poindexter’s ideas except for two: an application that would “anonymize” data, so that information could be linked to a person only through a court order; and a set of audit logs, which would keep track of whether innocent Americans’ communications were getting caught in a digital net.

    Das alles soll in dem neuen Spionage-Center in Utah gespeichert werden, über das auch Christiane Schulzki-Haddouti berichtete.

    23. August 2012 11
  • : Kennzeichen-Scanning: Amerikanische Zollbehörde gibt Daten an Versicherungen weiter
    Kennzeichen-Scanning: Amerikanische Zollbehörde gibt Daten an Versicherungen weiter

    An amerikanischen Grenzübergängen werden alle Kennzeichen von Fahrzeugen gescannt und in einer Datenbank gespeichert. Das geht aus Dokumenten der Zoll- und Grenzschutzbehörde hervor, die das Electronic Privacy Information Center per Freedom of Information Act erhalten hat. Die Daten werden dabei nicht nur mit der Drug Enforcement Administration geteilt, sondern auch mit Versicherungen: dem National Insurance Crime Bureau.

    Andy Greenberg berichtet bei Forbes:

    “This is warrantless collection of very private data, location data about where you’ve been and when,” says Ginger McCall, an attorney with EPIC. “It’s being shared with unknown organizations, not just in the government where there may be Privacy Act protections, but outside the government with third parties, possibly in contravention of the Privacy Act.”

    22. August 2012 9
  • : Keine Angst vorm Internet!
    Keine Angst vorm Internet!

    Ein Gastbeitrag von Tobias Schwarz, der zuerst auf isarmatrose.de erschien und unter der CC-BY-Lizenz 3.0 steht.

    Durch das Internet können Bürger stärker an demokratischen Prozessen beteiligt werden. Davon ist Ben Scott, Senior Advisor am Open Technology Institute der New America Foundation in Washington D.C., überzeugt. Am Donnerstagabend hielt der ehemalige Netzpolitik-Berater von US-Außenministerin Hillary Clinton im Rahmen der 6. Initiative der Internet & Gesellschaft Co:llaboratory e.V. (Co:Lab), “Innovation im digitalen Ökosystem”, einen Vortrag über über das Innovationspotential des Internets als Grundlage für technischen und wirtschaftlichen Fortschritt, demokratische Entwicklung und internationale Netzpolitik.

    Die Kultur von Menschen ist der Schlüssel, um das Internet zu verstehen und wie Menschen das Internet sehen. Das war der erste Ratschlag, den Ben Scott als junger Diplomat in der US-Botschaft in Berlin bekommen hat. Bis heute sieht Scott die Richtigkeit dieser Aussage in vielen persönlichen Erlebnissen bestätigt, von denen er am Donnerstagabend einem interessierten Fachpublikum berichtete. In Deutschland werde das Internet (aus Sicht der US-Diplomaten) oft als ein bedrohliches Medium betrachtet. „In Germany it’s not about Steve Jobs“, erklärte Scott in einem Satz den Unterschied zu den USA.

    17. August 2012 5
  • : Die Angst der US-Abgeordneten vor dem Internet
    Die Angst der US-Abgeordneten vor dem Internet

    Matthias Kolb hat für Sueddeutsche.de nochmal eine Zusammenfassung unserer US-Reise geschrieben, wo das Hauptthema vieler Gespräche die US-Debatte nach SOPA (und die EU-Debatte nach ACTA) war: Die Angst der US-Abgeordneten vor dem Internet.

    Im Januar stoppten Netzaktivisten das Anti-Piraterie-Gesetz Sopa und demonstrierten damit amerikanischen Politikern ihre Macht. Jetzt, Monate später, spielt das Thema Urheberrecht im Kongress keine Rolle mehr. Die Aktivisten kämpfen aber schon gegen den nächsten Geheimvertrag der Regierung. Sie befürchten, es könne noch schlimmer als Acta werden.

    16. August 2012