Das ZDF hat mich angefragt, ob ich Lust habe, die US-Wahlnacht in deren Wahlstudio zu verbringen und zu schauen, was interessantes und lustiges im Netz passiert. Da ich die letzten Wahlnächte auch immer wach geblieben bin um die vielen spannenden Sachen im Netz in Echtzeit zu beobachten und ganz vergessen hatte, dass das ja ewig lang bis um sieben Uhr morgens geht, habe ich zugesagt. Dass Markus Lanz durch die Nacht moderiert, wurde mir erst hinter her mitgeteilt. Ich bin dann quasi eine Art Embedded-Blogger im Fernsehen und werde parallel dazu im ZDF-Hyperland-Blog die Nacht über die interssantesten Fundstücke bloggen.
Für heute.de hab ich die Wahl aus netzpolitischer Sicht kommentiert: Das Netz tendiert zum kleineren Übel.
Das alles überlagernde Top-Thema dieses Jahres waren die Massenproteste gegen die Copyright-Durchsetzungsgesetze SOPA und PIPA. Die mit ACTA vergleichbare Debatte führte im Januar unter anderem zur Schwärzung der Wikipedia-Seite und mobilisierte Millionen User. Die Gesetzesinitiativen wurden daraufhin auf Eis gelegt. Auch hier enttäuschte die Obama-Regierung durch Wegschauen. Was aber viele nicht überraschte. Als ich im Sommer in den USA war, erklärte mir der Büroleiter eines US-Abgeordneten: „Bei uns funktioniert das so: Die Demokraten hören auf Hollywood und die Republikaner auf die Pharma-Industrie.“ Business as usual.
Trotzdem spricht sich immer noch eine Mehrheit der Netzaktivisten und Blogger für Obama und die Demokraten aus. Allerdings weniger aus Überzeugung als aus taktischem Kalkül: Obama ist einfach das kleinere Übel gegenüber Mitt Romney.
Die ZDF Wahlnacht beginnt um 23:50 Uhr. Vorher ist noch netzpolitischer Abend der Digiges in Berlin und im Stream.