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: Twitter-Sperre in der Türkei: Es geht nicht nur um Technik
: Twitter-Sperre in der Türkei: Es geht nicht nur um Technik
Die Sperre von Twitter in der Türkei hat das Interesse der Weltöffentlichkeit an den Vorgängen im Land katalysiert. Nachdem die zunächst eingesetzte DNS-Sperre auf verschiedene Arten umgangen wurde und der Dienst weiteren Zulauf erhielt, wurden auch verschiedene Umgehungsmöglichkeiten ausgeschaltet. Unter anderem wurde der Google-DNS-Dienst und der URL-Shortener t.co gesperrt, außerdem sind mittlerweile auch IP-Sperren in Kraft. Bis die weitreichendere Sperr-Infrastruktur bereitsteht, die durch die Verabschiedung eines Gesetzes zur Erweiterung der entsprechenden Kompetenzen, wird es wohl noch etwas dauern.
Befürchtet wird unter anderem die Verhinderung der Umgehung über VPN und die Analysierung und Filterung des Traffics durch Deep Packet Inspection (DPI). In Anbetracht all der Sperren und Sperrmöglichkeiten hat sich in der Türkei das Wissen um Umgehungsmöglichkeiten stark verbreitet. Unter anderem ist ein extremer Anstieg bei der Nutzung des Anonymisierungnetzwerks TOR zu verzeichnen. Die VPN-Software Hotspot Shield ist angeblich innerhalb von 12 Stunden 270.000 Mal heruntergeladen worden, während sie für gewöhnlich nur rund 10.000 Downloads täglich verzeichne. So kann man die Medienkompetenz natürlich auch erhöhen… -
: „Entfernen Sie sich bitte in die angegebenen Richtungen“: Berliner Polizei nutzt Twitter für Durchsagen an Demonstrierende
Mit Twitter gegen die polizeiliche Informationshoheit - Die Polizei schlägt nun zurück. : „Entfernen Sie sich bitte in die angegebenen Richtungen“: Berliner Polizei nutzt Twitter für Durchsagen an Demonstrierende Seit Donnerstag nutzt die Polizei des Landes Berlin Twitter, um sich dort als „moderne und transparente Polizei zu präsentieren“, wie der Polizeipräsident gegenüber der Presse verlautbarte. Man wolle „bei Einsätzen besser wahrgenommen“ werden. Die Kurznachrichten auf PolizeiBerlin sollen aber auch der „Nachwuchsgewinnung“ dienen. Soll dies so verstanden werden dass die Polizei hofft, vor allem Jugendliche würden den Kanal abonnieren? Bisher freuen sich vor allem Berliner „Polizeireporter“, die zu den ersten Followern gehören. Einige von ihnen organisieren sich überdies in einem „Verein Berlin Polizeireporter“, deren Mitglieder regelmäßig von Behörden eingeladen und über die Schwerpunkt-Arbeit des Innensenators und der Polizei unterrichtet werden. Vor allem der „Tagesspiegel“ und das Bouleveardblatt „BZ“ sind dafür bekannt, Pressemitteilungen der Polizei inhaltlich 1:1 zu übernehmen, aber in eigenen Worten wiederzugeben. Auch andere Tageszeitungen verzichten gern auf eine Gegenrecherche; vor allem für eine Wochenendredaktion ist das leicht verdientes Zeilenhonorar.
Bislang ist nicht erkennbar, welches Profil die Polizei mit dem Twitter-Account verfolgen wird. Die Rede ist von einer „guten Mischung“. Derzeit finden sich Hinweise auf Sperrungen, Beschädigungen oder einen fünftägigen Ausflug der Polizeispitze und des Innensenators nach Rumänien. Problematisch ist, dass die Polizei Twitter nicht nur für „Nachrichten, Informationen und Hinweise“ nutzen will. Über den Dienst sollen auch „eigene Standpunkte“ wiedergegeben werden. Damit dürften die Beurteilungen der Pressesprecher gemeint sein, für die sich innerhalb der Behörde vermutlich abgestimmt wird. Jeder Tweet wird mit einem Kürzel der jeweils verfassenden Person gekennzeichnet.
Behauptet wird auch, die Nachrichten über Twitter kämen „schnell und unverfälscht“. Zumindest Letzteres kann bezweifelt werden: Denn immer wieder kommt es zu Polizeiübergriffen, zu denen die Polizei falsche Abläufe kolportiert, die dann von der Presse übernommen werden. Die Meldungen werden später nicht korrigiert. Im Falle der Demonstration „Freiheit statt Angst“ konnte das Fehlverhalten der prügelnden Polizei erst vor Gericht bewiesen werden – beinahe ein Einzelfall, denn oft decken sich PolizistInnen gegenseitig mit abgesprochenen Aussagen.
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: Protestkultur in der Türkei gegen Twitter-Zensur
<a href="ttps://twitter.com/Netz4ktivisten/status/446901860822421505">Link</a> : Protestkultur in der Türkei gegen Twitter-Zensur Heute Morgen hatten wir darüber berichtet, dass in der Türkei der Zugang zu Twitter gesperrt wurde. Nach Angaben der ZDFheute-Redaktion haben sich Twitter und die türkische Regierung darauf geeinigt, dass Twitter einige umstrittene Links entfernen soll (und wohl im Umkehrschluß dann wieder freigeschaltet wird).
Währenddessen gibt es zahlreiche Karikaturen und die Vermittlung von alternativen DNS-Servern mittels Streetart-Elementen im Netz zu bestaunen. Hier ist nur eine kleine Auswahl. Wenn Ihr mehr findet, könnt Ihr die gerne noch in die Kommentare packen.
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: Der Frühling beginnt, doch in der Türkei zwitschert es nicht mehr: Erdogan lässt Twitter abschalten
: Der Frühling beginnt, doch in der Türkei zwitschert es nicht mehr: Erdogan lässt Twitter abschalten
Erdogans Versuche, Berichterstattung und Informationsverbreitung über den Skandal um Spenden, Korruption und vermeintliche Mitschnitte seiner Telefongespräche zu unterdrücken, wirken verzweifelt und dennoch fatal. Nachdem Teile von Telefonaten, die eine Korruptionsaffäre beweisen würden, auf Youtube aufgetaucht waren, hatte Erdogan zum einen behauptet, sie seien gefälscht und gleich danach damit gedroht, Youtube und Facebook in der Türkei zu verbieten. -
: Twitter-Netzwerke der EU-Parlamentarier
Bild: Axel Maireder und Stephan Schlögl, CC BY-SA 4.0 : Twitter-Netzwerke der EU-Parlamentarier Nachdem der „Twitter-Trick“ (SpOn) des aktuellen EU-Parlamentspräsidenten und Spizenkandidaten der S&D‑Fraktion Martin Schulz bereits einen Vorgeschmack auf die steigende Bedeutung von Twitter im EU-Wahlkampf gegeben hatte – Schulz hatte seinen Parlaments-Account zu seinem Wahlkampf-Account umfunktioniert – , haben jetzt die beiden österreichischen Kommunikationswissenschaftler Axel Maireder und Stephan Schlögl die Twitter-Netzwerke der EU-Parlamentarier visualisiert.
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: Kranke Bundestagsabgeordnete sollen nicht über Twitter an Debatten teilnehmen
: Kranke Bundestagsabgeordnete sollen nicht über Twitter an Debatten teilnehmen Der neue Ausschuss Digitale Agenda hat als eines seiner Ziele genannt, sich für Partizipation und Teilhabe mithilfe digitaler Möglichkeiten einzusetzen, damit Bürgerinnen und Bürger einfacher ihre Meinung in politische Diskussionen einbringen können.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, das hat eine Debatte in der gestrigen Plenarsitzung des Bundestages deutlich gemacht. Im Tagesordnungspunkt zur Lage in der Ukraine sendete Sevim Dagdelen, eine Abgeordnete der Linken einen Tweet zur Diskussion als Kritik auf einen Redebeitrag der Grünen:
Unerträglich diese verwelkten Grünen, die die Faschisten in der #Ukraine verharmlosen, die antisemitische Übergriffe begehen. Ein Tabubruch!
— Sevim Dagdelen (@SevimDagdelen) 20. Februar 2014
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: Hat Snowden sich doch Passwörter von Kollegen besorgt?
: Hat Snowden sich doch Passwörter von Kollegen besorgt? In dem Twitterinterview mit Edward Snowden, das am 23. Januar stattfand, lautete eine der Fragen:
Wurde die Privatsphäre Ihrer Kollegen beachtet, während Sie ihre Login- und Passwortinformationen gestohlen haben?
Snowden antwortete daraufhin, dass die Berichte von Reuters-Journalist Mark Hosenball „bei allem Respekt“ nicht der Wahrheit entsprächen und er keinerlei Kollegen dafür benutzt habe, sich Zugang zu Dokumenten zu verschaffen. In Hosenballs Bericht war von 20–25 NSA-Mitarbeitern, durch die sich Snowden unbefugten Zugang zum Netzwerk der NSA verschafft habe, die Rede. Jetzt berichtet NBC News wieder von einem Hinweis darauf, dass Snowden genau das doch getan haben könnte.
Konkret handelt es sich um eine Notiz vom 10. Februar, die an die Kongressausschüsse gesendet wurde und in der der Verantwortliche für legislative Angelegenheiten der NSA, Ethan Bauman, davon berichtet, dass drei Personen im Umfeld der NSA vermutlich in Zusammenhang mit den Enthüllungen stünden. Ein ziviler Angestellter habe infolgedessen nun seine Kündigung eingereicht. Er habe bereits am 18. Juni dem FBI gegenüber eingestanden, sein Passwort auf Snowdens Computer eingegeben und Snowden damit sein Public-Key-Zertifikat zur Verfügung gestellt zu haben, damit dieser ihm verwehrte Dokumente im „NSANet“ einsehen habe können. Er habe zwar behauptet, sich nicht über die Motive Snowdens im Klaren gewesen zu sein, aber dennoch sei das eine Missachtung der Sicherheitsvorschriften.
Aus dem Dokument geht auch hervor, dass den zwei weiteren vermuteten Involvierten, einem Militärdienstleistendem und einem Vertragspartner, schon im August Zugang zur NSA-Infrastuktur entzogen wurde und weitere Konsequenzen von deren Arbeitgebern gezogen werden müssten.
Die spannende Frage ist nun, ob Snowden gelogen hat oder versucht wird, ihn als Lügner zu diskreditieren, was im Zusammenhang mit den geplanten Anhörungen Snowdens vielen gelegen kommen dürfte. Von Ben Wizner, einem seiner Anwälte von der American Civil Liberties Union, gab es dazu bisher keinen Kommentar.
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: Neues Gesetz in der Türkei: „Es ist offensichtlich, dass sie vorhaben, DPI zu verwenden“
: Neues Gesetz in der Türkei: „Es ist offensichtlich, dass sie vorhaben, DPI zu verwenden“
Heute wurde in der Türkei ein Gesetz verabschiedet, das der Regierung weitgehende Sperr- und Überwachungsrechte im Internet einräumt. Wir haben uns mit Vertretern der Alternatif Bilişim Derneği (Alternative Informatics Association) über die Situation unterhalten.Seit 2010 wird die Türkei von Reporter ohne Grenzen auf der Liste der Internetfeinde in der Kategorie „unter Beobachtung“ geführt. Was war passiert?
Die Regierung hatte 2007 das Gesetz #5651 für Internetüberwachung und Netzsperren eingeführt. Über 40.000 Webseiten sind derzeit geblockt. Vor einigen Jahren wurde ein neuer Filtermechanismus eingeführt. Ursprünglich war das Filtern obligatorisch und Internetnutzer mussten sich zwischen den Optionen „Standard“, „Familie“ und „Kinder“ entscheiden. Nach einem Aufschrei in der Bevölkerung und Massendemonstrationen gegen den Filter wurde er optional. Anfang 2014 ließen nur 4–5% der Internetnutzer filtern. Allerdings waren die mehr als 40.000 Websites, die oft auch ohne Gerichtsbeschluss auf der Liste gelandet sind, auch ohne Filter nicht ohne Umwege erreichbar.
Eines unserer Mitglieder, Ahmet Yildirim, zog vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, weil sites.google.com, wo seine wissenschaftlichen Studien gehosted sind, geblockt worden war. Der EGMR entschied, dass das Gesetz #5651 den Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention verletzt:
Noch schlimmer ist das neue Gesetz, das die Einschränkungen von Gesetz #5651 noch verschärft.
Was ändert sich in diesem Bereich durch das neue Gesetz?
Bis vor einigen Monaten wurde durch IP-Sperren geblockt. Dadurch wurde die komplette Seite unzugänglich gemacht, wenn irgendwo Material zu finden war, das der Regierung nicht gefiel. Im Fall von Ahmet Yildirim ging es beispielsweise nicht um das, was er gepostet hatte, sondern um etwas ganz anderes. Jetzt sieht es so aus als hätten sich die technischen Möglichkeiten in letzter Zeit fortentwickelt. Sie können jetzt auch URL-basiert sperren. Das meiste, was zuletzt gesperrt wurde, handelte von Korruption in der Regierung, wovon auf YouTube und Soundcloud berichtet wurde.
Das neue Gesetz sieht vor, dass IP-basiert, URL-basiert oder „durch andere Mittel“ geblockt werden kann. Es ist offensichtlich, dass sie vorhaben, Deep-Packet-Inspection-Systeme zu verwenden, die nicht nur blocken können, sondern auch neue Möglichkeiten zur Überwachung liefern. Das neue Gesetz zwingt alle Provider, Mitglied in einer Gesellschaft zu werden, die dazu da ist die Sperr- und Überwachungsanordnungen der Regierung zu übermitteln und die Durchführung zu kontrollieren. Alle 196 Provider sind erbitterte Gegner des Gesetzes, weil sie DPI-Systeme kaufen und installieren müssen wenn es verabschiedet wird. Das ist auch deswegen schlecht für die Nutzer, weil diese Kosten auf die eh schon hohen Zugangskosten aufgeschlagen werden.
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: How-To Analyze Everyone – Teil II: Wie findest du eigentlich Zombiefilme?
: How-To Analyze Everyone – Teil II: Wie findest du eigentlich Zombiefilme? Lange hat es gedauert, endlich bin ich zum zweiten Teil gekommen. Aber ich gelobe Besserung und nächste Woche einen Ausflug in die Welt der Zukunftsvoraussagen.
Wie schaffen es Firmen und Werbeunternehmen eigentlich, einen Überblick darüber zu haben, wie ihr Produkt oder ihre Werbekampagne in der Welt ankommt? Klassischerweise indem Menschen damit beschäftigt sind, vor den Bildschirmen zu sitzen und Kommentare und Reviews zu lesen. Diese Daten werden dann dazu genutzt, Produkte anzupassen und besser zu bewerben. Klingt nach viel Arbeit – ist es auch. Und in der heutigen Zeit, in der man von Informationen, Reviews, Tweets, Kommentaren, Blogs und Facebook-Posts zu allen möglichen Produkten erschlagen wird, gelangt man an die Grenzen personeller (und damit finanzieller) Effizienz.
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: Twitter kauft MoPub und Online-Werbung weiß auf einmal richtig viel
: Twitter kauft MoPub und Online-Werbung weiß auf einmal richtig viel
Kurz vor der Bekanntgabe des Börsengangs hatte Twitter eine vielleicht viel entscheidendere Nachricht auf dem Blog veröffentlicht – die Übernahme von mopub für rund 350 Millionen USD. Das vor drei Jahren gegründete Unternehmen lässt sich am besten als Handelsplattform für Online-Werbung auf iOS und Android Geräten beschreiben. Durch die Akquisition könnte es Twitter in Zukunft möglich sein wahrlich „personalisierte“ Werbung zu verkaufen und dafür entsprechend Geld zu verlangen. Als eines von wenigen Unternehmen im Netz kann Twitter seine Nutzer über alle Endgeräte identifizieren und verfolgen: Man nutzt Twitter am Handy, Tablet, Laptop oder PC. Da Twitter-Buttons mittlerweile ähnlich häufig anzutreffen sind wie Facebooks Like-Buttons und jeder Button Twitter darüber informiert, dass ein Twitter-Nutzer gerade auf der Seite ist, erlangt das Unternehmen mittlerweile ein sehr lückenloses Bild über die Interessen, Vorlieben und Eigenschaften – kurz, das digitale Leben – seiner Nutzer. Für ein Unternehmen das sich rein durch Werbung finanziert ist dieses Wissen eine Goldgrube – die Frage ist nur, wie man die Informationen über die Nutzer in GeldGold verwandelt. Genau hier kommt mopub ins Spiel. -
Rückblick auf Zensursula: Twitter kann politischen Druck ausüben, aber Massenmedien bleiben Schlüssel zum Erfolg
Rückblick auf Zensursula: Twitter kann politischen Druck ausüben, aber Massenmedien bleiben Schlüssel zum Erfolg In der Auseinandersetzung um Netz-Sperren vor vier Jahren haben 50.000 Twitter-Accounts öffentlichen Druck auf die als „Zensursula“ verunglimpfte Familienministerin von der Leyen ausgeübt. Das ist das Ergebnis einer Master-Arbeit, die untersucht, ob die Ministerin die Kritik vermeiden wollte. Dennoch war die Rolle der Massenmedien auch damals nicht zu unterschätzen.
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: NPP121: Rabble über die politischen und aktivistischen Ursprünge von Twitter
: NPP121: Rabble über die politischen und aktivistischen Ursprünge von Twitter Die ursprünglichen Entwickler von Twitter entwickelten den Dienst mit der Erfahrung von technischen Tools zur Unterstützung politischer Protestbewegungen. Das erzählt rabble, leitender Entwickler der ursprünglichen Firma hinter Twitter, im Netzpolitik-Podcast. Viele Entscheidungen der Marketing- und Business-Abteilung der heutigen Firma kritisiert er – und kündigt weitere Enthüllungen an.
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: Twitter Transparenz-Report: 1157 Informationsanfragen im 1. Halbjahr 2013
: Twitter Transparenz-Report: 1157 Informationsanfragen im 1. Halbjahr 2013
Twitter hat nun seinen mittlerweile dritten Transparenz-Report veröffentlicht. Immer mehr Unternehmen folgen – zum Glück – diesem Trend und veröffentlichen in unterschiedlichen Intervallen Statistiken bzgl. Informationsanfragen von Regierungen, Löschanfragen und Anfragen wegen Urheberrechtsverletzungen. Transparenz-Reports gibt es so auch von Google und Microsoft, es könnten aber viel mehr sein. Twitter hat nun gestern seine Zahlen für das erste Halbjahr 2013 veröffentlicht und wie zu vermuten war, sind alle Zahlen deutlichst gestiegen im Vergleich zum Vorjahr.Twitter unterscheidet in seinem Report zwischen Informationsanfragen durch Regierungen im Zuge eines Ermittlungsverfahrens (Information Requests), Löschanfragen durch Regierungen wegen illegalen Inhalten (Removal Requests) und Löschanfragen wegen Urheberrechtsverstößen (Copyright Notices).
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: Türkei: Justiz durchsucht rückwirkend soziale Netzwerke nach Straftaten
: Türkei: Justiz durchsucht rückwirkend soziale Netzwerke nach Straftaten In den letzten Tagen kam es immer wieder zu landesweiten Razzien in der Türkei bei denen mehr als 100 Personen festgenommen wurden, wie beispielsweise die tageschau berichtet. Bei den Festgenommenen handelt es sich vornehmlich um mutmaßliche Unterstützer der Proteste. Grundlage dieser Razzien ist die rückwirkende Durchsuchung von Twitter- und Facebook-Einträgen der letzten drei Wochen, wie Innenminister Muammer Güler sagte. Gleichzeitig kündigte das türkische Justizministerium an, ein Gesetz zur strikteren Überwachung sozialer Netzwerke ausarbeiten zu wollen.
Erschreckend ist, dass bereits der Aufruf zu den Protesten rund um den Istanbuler Taksim-Platz von den Behörden als Straftat gewertet wird. Wenn nun die Twitter- und Facebook-Einträge der letzten drei Wochen nach Straftaten und der Anstiftung zu Straftaten durchsucht werden, ist davon auszugehen, dass eine enorme Zahl an „Tätern“ entdeckt wird.
Der türkische Präsident Abdullah Gül befürwortete ein neues Gesetz zur Regulierung und Überwachung sozialer Netzwerke.Er warnte aber gleichzeitig den demokratischen Rahmen nicht zu sprengen und sich an der Rechtslage in der EU zu orientieren. So wird er von Hürriyet Daily News wie folgt zitiert:
For sure, these [regulations] should never lag behind the jurisdiction of European law in developed democracies, which we are aspiring to. Our criteria, our standards on this issue, our democratic legal standards; we are still making a lot of reforms. I’m sure that it [launching of reforms] will be restarted
Im weiteren Verlauf des Artikels wird allerdings klar, dass es Gül vorrangig nur um das Bild der Türkei in der Welt und weniger um die Recht der türkischen Bürger geht. Mit Blick auf die Protestanten der letzten Woche und seine Sorge diesen könnten das Ansehen der Türkei beschädigen, sagte Gül:
You make efforts to create this image [of Turkey] over 10 years, but you can destroy it in a week
Die Frage ist, ob es dafür nicht schon längst zu spät ist. Die Bilder der Proteste im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz gingen um die Welt und stellten die türkischen Sicherheitskräfte nicht unbedingt in ein gutes Licht. Und auch Ministerpräsident Erdogan hat mit einigen seiner Aussagen für mehr als nur Verwunderung gesorgt. Fraglich ist ebenso, wie die nachträgliche Durchsuchung von Social Media Einträgen oder die generelle Einführung eines schärferen Gesetzes zur Überwachung und Regulierung dieser Platformen das Ansehen der Türkei heben sollen.
Wer sich rückwirkend noch ein paar Impressionen der Proteste aus der Luft anschauen möchte, dem sei dieses Video ans Herz gelegt. Die Bilder wurden von einer Drohne aufgenommen, welche kurze Zeit später von der türkischen Polizei abgeschossen wurde, welche einen guten Überblick über das Ausmaß der Proteste ermöglicht.
Footage from the RC drone that was shot down by police [HD] from Jenk K on Vimeo.
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: Besuch von der Polizei nach Tweet zum Fall Mollath
: Besuch von der Polizei nach Tweet zum Fall Mollath Die Medizin-Professorin Ursula Gesser bekam gestern Besuch von zwei Polizisten, nachdem sie zuvor eine Kurznachricht bei Twitter verfasst hatte. Der Tweet lautete im Wortlaut:
Wann Mollath freikommt? Diese Frage könnte man Frau Merk am Mo. 10.06.13 um 19 Uhr im Landgasthof Hofolding stellen.
Ursula Gesser nimmt damit Bezug auf Gustl Mollath, der seit 4 Jahren in der forensischen Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses Bayreuth untergebracht ist, nachdem er zuvor wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung angeklagt wurde, jedoch wegen seines „paranoiden Gedankensystems“ für schuldunfähig erklärt wurde. Der gesamte Prozess gegen Mollath ist jedoch mit der Zeit stark in die Kritik geraten. Ein Grund dafür ist unter vielen anderen die Bayerische Justizministern Beate Merk, welche der bewussten Falschaussage verdächtigt wird.
Die Veranstaltung auf die Ursula Gesser in ihrem Tweet hingewiesen hatte, hatte mit dem Fall Mollath eigentlich überhaupt nichts zu tun. Unter dem Titel “Facebook & Co. – sicher surfen in sozialen Netzwerken“ – ein im Rückblick sehr ironischer Titel – hielt Beate Merk gestern Abend ohne weitere Vorfälle ihren Vortrag.
Weshalb Ursula Gesser nun gestern Nachmittag Besuch von der Polizei bekam ist unklar. Gesser selbst geht davon aus, dass sie eingeschüchtert werden sollte um die Veranstaltung am Abend nicht zu besuchen. Vielleicht lagen aber auch einfach nur die Nerven der Regierung blank, tritt Mollath doch heute vor den Bayerischen Landtag.
Eine ausführliche Schilderung des genauen Hergangs am gestrigen Tage kann hier auf „gutjahrs blog“ nachgelesen werden.