Egal ob man auf dem Weg zur Arbeit Nachrichten liest, vom Sofa aus eine Pizza bestellt oder auf der Computer-Tastatur „Vitamin D‑Mangel Symptome“ eintippt. Google will es wissen. Denn der Konzern will nicht verstehen, wie ein bestimmtes Gerät genutzt wird; Google will begreifen, wie einzelne Menschen ticken, wo ihre Interessen liegen und was sie sich wünschen. Mit mehr Daten funktioniert die Analyse besser. Und auch das Schalten von individuell abgestimmter Werbung – auf dem Smartphone, dem Tablet oder sonstwo. Gerade arbeitet der Konzern an einer Technik, die Daten von unterschiedlichen Geräten zusammenführen soll. Längerfristig soll die Universal-ID, die „AdID“, laut Google Cookies mit deren Unzulänglichkeiten ablösen.
Bislang basiert das Tracking, das Mitlesen des persönlichen Internetgebrauchs, auf Cookies. Damit können sich – etwas platt gesagt – Webseiten merken, wer schon einmal da war. Außerdem speichern Cookies von wo Nutzer kommen und wohin sie sich weiterklicken. Allerdings kann man Cookies löschen und die Technik ermöglicht nur, einzelne Geräte wiederzuerkennen. Nicht aber einzelne Personen. Erinnern konnte sich Google an Nutzer bestimmter Web-Inhalte bislang (A) wenn der Google-Mail-Account beim Browsen angemeldet war oder (B) über Cookies, die von Webservern aus auf den Geräten des Nutzers abgelegt werden. Zumindest das Cookie-Tracking ist wegen der Vielzahl der technischen Geräte, die Menschen heute nutzen und mit sich herumtragen – zumindest aus Marketing-Perspektive – nicht mehr zeitgemäß.
Nicht nur Google, auch andere Größen der Internetbranche bereiten sich auf das Ende des Cookie-Zeitalters vor. Auch Microsoft möchte die Verhaltensanalyse von Smartphone, über Xbox bis Laptop perfektionieren. Twitter ist hier schon einen Schritt weiter. Mit der Übernahme des Spezialisten für mobile Werbung MoPub, hat sich Twitter im September für 350 Millionen US-Dollar den Türöffner zu dieser Technologie gekauft.
Die meisten Konzerne basteln noch. Eine Möglichkeit der „Cookies ohne Cookies“ könnten die sogenannten Etags sein. Die funktionieren ähnlich wie Cookies, werden aber auch übermittelt, wenn jemand Cookies durch entsprechende Anwendungen blockiert. Infos von vielen Geräten zusammenführen geht damit allerdings nicht.
Was Google anbelangt, so passt die Arbeit an der AdID zum noch ziemlich neuen Tracking mit „Universal Analytics“ (UA), das laut Google bald zum allgemeinen Analytics-Standard werden soll. UA ermöglicht schon das Tracking ohne Cookies, die Zusammenführung von Daten aus der Offline- und der Online-Welt und – in einer Beta-Version- das sammeln von Daten von verschiedenen Endgeräten.
„Erschöpfend, weltweit, allumfassend“ – mit diesen Begriffen beschreibt der Duden das Wort „universal“. „Universal Analytics“, der Konzern hätte sich keinen besseren Namen einfallen lassen können.
Es geht um immer ausgefeilteres „1 to 1“-Marketing. Und natürlich um den Anspruch, die Nutzer noch besser zu verstehen. Mit der ursprünglichen Analytics-Version ging das auch schon ganz gut: Mit der können Betreiber kommerzieller Web-Inhalte erfahren, „wie Nutzer Ihre Website verwenden, wie sie dorthin kamen und wie Sie aus diesen Nutzern regelmäßige Besucher machen können.“
„Holen Sie sich einen neuen und flexibleren Tracking-Code, über den Sie Daten von beliebigen digitalen Geräten erfassen können“, schreibt Google. Und unter „Datenschutz“: „Diese Methoden funktionieren also auch, wenn Cookies gelöscht werden oder deaktiviert sind.“ Die Möglichkeiten für Webseitenbetreiber werden größer, der Datenschutz für Internetnutzer immer geringer.
Allgemein ist die Rubrik „Sicherheit und Datenschutz“ für Google Universal Analytics mehr als vage. Besonders bezeichnend ist dieser verschwurbelte Satz: „Auch wenn ein Nutzer die Cookies im Browser löscht, ist nicht sichergestellt, dass spätere Besuche auf einer Website in Analytics als neue Besuche betrachtet werden.“ Das heißt im Klartext, auch wenn ein Nutzer Cookies löscht, ist er vor Tracking nicht geschützt.