Propaganda 2.0: Tweeten fürs Stipendium in Israel

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Quelle: thinkmarketingmagazine.com

Ben Lynfield der britischen Zeitung ‚The Independent‘ berichtet, dass die israelische Regierung Anfang August eine Initiative startete, bei der israelische Studenten ein Stipendium erhalten, wenn sie im Gegenzug sich dazu verpflichten positive Beiträge auf Twitter und Facebook zu posten. Ins Leben gerufen wurde diese Kampagne durch Daniel Seaman, Deputy Director General for Information (Israeli Ministry of Public Diplomacy and Diaspora Affairs). So bestätigte das Büro des Premierministers, dass das Ziel sei, auch über Social Media Kanäle ein positives Bild von Israel zu zeichnen.

Strengthen Israeli public diplomacy and make it fit the changes in the means of information consumption.

Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtet (Paywall), dass für das Programm insgesamt  NIS 3 Million (rund 630.000 Euro) ausgegeben werden sollen. Idee ist, bis zu 550 Studenten von allen sieben israelischen Universitäten zu rekrutieren. Die Studenten werden dann in Gruppen organisiert. Jede Gruppe hat einen Leiter bzw. Koordinator, der ein vollständiges Stipendium erhält und im Austausch mit dem Ministerium steht. Ihm untergeordnet sind 3 Studenten, die sich um die Resorts Sprache, Gestaltung und Geographie kümmern – jeweils mit halben Stipendien. Dieser organisatorischen Einheit sind dann ‚Aktivisten‘ zugehörig, die minimale Stipendien erhalten. Seaman betonte, dass es wichtig sei, dass die Studenten sich so weit wie möglich selbst organisieren und keine offensichtliche Verbindung zur Regierung bestünde.

The entire idea of the setup is based on activity of students and by students. The idea requires that the state’s role not be highlighted and therefore it is necessary to insist on major involvement by the students themselves without any political link [or] affiliation.

Die Studenten sollen aktiv gegen anti-semitische Nachrichten vorgehen, über sicherheitsrelevante Themen schreiben und auf Israels Legitimität als Rechtsstaat fokussieren. Hagar Yisraeli, Sprecherin der Studentenvertretung Israels begrüßt das Programm der Regierung. Sie meinte, dass die Studenten durch ihre verschiedenen politischen Ansichten und Weltbilder die Diskussion über Israel in den sozialen Medien bereichern könnten und gegen die teils gezielte Denunziation Israels vorgehen werden.

Israel is dealing with an extreme, ongoing delegitimization campaign that is being conducted against it on the social networks. The student population is a talented, educated group of people with independent and diverse views and speaks [a variety of] languages and can therefore assist in dealing with such an [anti-Israel] campaign… The students are an integral part of the Israeli reality and it is therefore appropriate, in our view, that they take an active part in dealing with the delegitimization… The members of the union hold a range of views from across the Israeli political spectrum, and it is our intention to preserve that.

Israel hat eine lange Historie soziale Medien für sich zu nutzen. Schon 2009 nutze die israelische Armee (Israeli Defense Forces) YouTube, um ihre „eigene Version“ des Gaza-Konflikts mit den Hamas zu zeigen. Im Laufe der Zeit wurden die IDF auf allen großen Plattformen aktiv – Facebook, Twitter, Youtube, Tumblr, Instagram. Die sozialen Medien ermöglichen es der IDF direkt Bilder, Videos und Nachrichten vom Kriegsgeschehen an die Öffentlichkeit zu bringen. Dies bringt jedoch einige Kontroversen mit sich. So twitterte die IDF letztes Jahr, relativ eindeutig:

 

Man kann der Auffassung sein, dass dieser Tweet, der eine direkte Gewaltdrohung gegenüber den Hamas darstellt, gegen Twitters Nutzungsbedingungen verstößt. Ein anderes Beispiel ist die Bekanntmachung der Tötung des Hamas-Anführers Ahmed Jabari auf Twitter – mit reißerischem Plakat. Gleiches gilt für explizite Bilder von Kampfhandlungen auf Facebook, oder Videos auf Youtube. Das grundsätzliche Problem ist hier wieder, dass dies alles proprietäre Dienste privater Unternehmen sind, die sich zwar teils der Transparenz verschrieben haben (siehe Google und Twitter Transparenz-Reporte), dies jedoch völlig freiwillig tun und auch selbst bestimmen können, wie viel Transparenz sie im jeweiligen Fall zulassen wollen. Bloombergs Mathew Ingram beschreibt diese Dienste daher als ‚Black Boxes‘.

Namely, they are effectively a series of black boxes when it comes to decision-making around what gets removed… And while they have all expressed their commitment to free speech in some form or another, they have absolutely no obligation to uphold that, or to tell users when information has been removed, or why.

Letztlich kann man Israels „Propaganda-Stipendien“ als logischen nächsten Schritt eines Landes sehen, das die sozialen Medien sehr forciert zum eigenen Vorteil versucht einzusetzen. Gerade Facebook ermöglicht es diesen Studenten, getarnt als der gewöhnliche Student von nebenan, israelische Propaganda wesentlich subtiler zu verbreiten (was sich z.B. auch Neo-Nazis zunutze machen). Wie viel diese wenigen hundert Studenten dann wirklich ausrichten können, bleibt noch abzuwarten.

Israel’s latest „covert“ maneuver on social media, in other words, is far from surprising, though the entire thing smacks of a bad spy movie. The idea that 500 Twitter soldiers would be able to make a meaningful difference in the global morass of social media sounds unlikely.

Letztlich sind die sozialen Medien nur ein weiterer Kanal, den sich die verschiedensten Interessengruppen zunutze machen. Auch, wenn die Rhetorik der sozialen Medien auf Freundschaft, Kommunikation und Verbundenheit abzielt, muss man sich bewusst sein, dass die Akteure teils ganz andere Ziele verfolgen.

7 Kommentare
  1. Jan-Peter Kleinhans 15. Aug 2013 @ 14:18
    • Jan-Peter Kleinhans 17. Aug 2013 @ 12:27
    • golda meir 18. Aug 2013 @ 9:14
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