Menschenrechte
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: 6. internationale literaturfestival berlin
: 6. internationale literaturfestival berlin Im Rahmen des 6. internationalen literaturfestivals berlin vom 5. bis 16. September 2006 gibt es auch drei Veranstaltungen mit einem netzpolitischen Bezug.
Am 9. Spetember findet um 14:30h im Haus der Berliner Festspiele/Foyer die Diskussion „China, Blicke: Internet in China“ statt.
Julien Pain (F), Internetexperte der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ und Prof. Dr. Jörg Becker (Universität Marburg) diskutieren mit anderen Teilnehmern die aktuelle Situation des Internet in China.
Die nächsten beiden Veranstaltungen finden am 10. September statt:
12:30h, Haus der Berliner Festspiele/Foyer:
Internet und Demokratie
Sohrab Mahdavi(Iran), Patricia de Souza(Peru/Frankreich)
Moderation: Caroline FetscherDas Internet ist für Journalisten in politisch restriktiven Systemen zum oft einzig verbliebenen Medium ihrer Berufsausübung geworden. Newsrooms und unabhängige Nachrichtendienste sind zu einer „Gegenöffentlichkeit“ geworden. Zwar finden Zensurbehörden immer wieder Wege, Seiten zu sperren, aber gleichzeitig ist noch kein Mittel gefunden, die vitale weblog-Szene zu kontrollieren, die ihr Grundrecht auf freie Meinungsäußerung praktiziert. Die Zirkulation der Informationen durch diese privaten Verteiler ist zu einer wichtigen „basisdemokratischen“ Instanz geworden. Welche Rolle spielt das Medium in demokratischen und restriktiven Gesellschaften?
Und um 17:00, Haus der Berliner Festspiele/Foyer
Die Digitalisierung der Archive
Moderator: Robin Meyer-Lucht
Wolfgang Ernst, Medienwissenschaftler HU Berlin, Roland Kamzelak, Deutsches Literaturarchiv Marbach, Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Jens Redmer, Google Book Search und Hans Uszkoreit, Wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Entwickler „dropping knowledge“, diskutieren die Risiken und Chancen der Digitalisierung klassischer Archive und die Form der Archive der Zukunft. -
: Neue Vorschläge für Daten in der Anti-Terror-Datei
: Neue Vorschläge für Daten in der Anti-Terror-Datei Wenn das mit den Diskussionen um die Anti-Terror-Datei so weiter geht, dann verramscht die Grosse Koalition im Moment unsere Bürgerfreiheiten: Neue Vorschläge für Daten in der Anti-Terror-Datei.
Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz gab gegenüber der Financial Times Deutschland an, dass neben der Religionszugehörigkeit auch „sexuelle Auffälligkeiten“ in der Datei gespeichert werden könnten. In der Talkshow „Das Duell“ auf n‑tv ging Wiefelspütz noch einen Schritt weiter und erklärte, die Geheimdienste müssten als Experten und Profis selbst bestimmen, was in die Anti-Terror-Datei aufgenommen werden soll. Wiefelspütz’ Gegenpart, der Unions-Fraktionsvizepräsident Wolfgang Bosbach, verlangte im Interview mit der Tageszeitung Die Welt, dass in der Datei Waffenbesitz und Waffengebrauch vermerkt werden sollen. Außerdem möchte Bosbach die Fingerabdrücke von Einreisenden „aus Problemstaaten“ in die Datei aufnehmen lassen. Wer zu den Problemstaaten gehört, darüber machte Bosbach keine Angaben. Auch die Tatsache, dass Fingerabdrücke mit den kommenden biometrischen EU-Visa in dem Schengen-Informationssystem II (SIS II) gespeichert werden, spielt für Bosbach keine Rolle.
Das grosse Problem neben der (verfassungsmässig sinnvollen) Aufhebung der Trennung von Geheimdiensten und Polizei (Wir haben mit Gestapo und Stasi im letzten Jahrhundert genug schlechte Erfahrungen damit gemacht) ist ja immer, wer wie Terror und Terrorismus definiert.
Und da sind dann mal schnell Menschen in einer Datei, die mit Greenpeace einen Castorzug anhalten oder sich auf der falschen Demo aufhalten. Und so einfach kommt man aus diesen Dateien nicht mehr raus, oftmals hilft dann eigentlich nur noch, wenn man sich in ein Parlament wählen lässt. Bei dem Thema „sexuelle Auffälligkeiten“ lässt sich auch schon erahnen, dass dies in Bayern anders aufgefasst werden dürfte als im liberalen Norden. Wird dann auch schon vermerkt, dass man homosexuell ist? Bleibt zu hoffen, dass die Sicherheitsfanatiker mit all ihren Plänen nicht durchkommen. Irgendwann bleibt nicht mehr viel, was man an usnerer Demokratie noch beliebig abholzen könnte, wenn mal die nächste Terrordrohung durch die Medien wandert.
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: Netzpolitik-Podcast: Wahlmaschinen hacken
: Netzpolitik-Podcast: Wahlmaschinen hacken Den aktuellen Netzpolitik-Podcast habe ich heute mit Andreas Bogk vom Chaos Computer Club gemacht. Thema diesmal sind Wahlmaschinen und die Gefahr, welche diese für eine Demokratie darstellen. In dem Interview geht es ausserdem um die Frage, wie man vorgehen würde, falls man eine Wahlmaschine manipulieren wollen würde. Das Interview ist 28 Minuten lang und die MP3-Datei ist 25 MB gross. Zum Ende des Interviews geben wir noch Tipps, wie Ihr Euch konkret gegen Wahlmaschinen und für die Demokratie einsetzen könnt. Viel Spass beim hören.
Hier sind noch einige weiterführende Links:
Niederländische Kampagnenseite: „Wir vertrouwen stemcomputers niet“
Europäische Kampagnenseite: „EFVE – Europeans For Verifiable Elections“
Heise: Niederländische e‑Voting-Gegner wollen Widerstand in Europa vernetzen
Tim Pritlove: Wahlcomputer müssen sterben
Andreas Bogk: PTB-Prüfbericht zu NEDAP-Wahlmaschinen verfügbar
Andreas Bogk: Demokratie-Auflösung, Abteilung Wahlcomputer
Chaos Computer Club Berlin: Ausführliche Wiki-Seite zu Wahlmaschinen
FAZ: Wahlmaschinen – Bitte keine Kreuze machen! -
: NSA-Abhörmaßnahme für verfassungswidrig erklärt
: NSA-Abhörmaßnahme für verfassungswidrig erklärt Das „Terrorist Surveillance Program“ der NSA, mit dem seit 2001 die Telefongespräche aller Amerikaner (außer QWest-Kunden) abgehört und automatisch ausgewertet wurden, ist verfassungswidrig. Das stellte gestern erstmals ein Bundesgericht (in Detroit) fest. Die American Civil Liberties Union (ACLU), die im Januar die Klage erhoben hatte, hat damit einen wichtigen Teilsieg errungen. Das Abhören ohne richterliche Genehmigung verletze die Grundrechte auf Privatsphäre und freie Rede, entschied die Bundesrichterin Anna Diggs Taylor. Komischerweise wurde die Auswertung der Verbindungsdaten, gegen die die ACLU ebenfalls geklagt hatte, vom Gericht nicht gestoppt, weil es bedeutet hätte, „dass wichtige Staatsgeheimnisse offengelegt werden müssten“. Die US-Regierung hat bereits Berufung eingelegt, und es scheint noch unklar, ob damit auch die einstweilige Verfügung zum sofortigen Stopp der Massenüberwachung aufgehoben wird. Dennoch ein wichtiger Schritt gegen die ausufernde Massenüberwachung, weil das Gericht auch sehr deutlich machte, dass der Präsident nicht über der Verfassung steht.
Details bei heise, heise, SpOn, und der ACLU, wo es sämtliche Dokumente dazu gibt.
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: Freie IT-Infrastrukturen für Tibet
: Freie IT-Infrastrukturen für Tibet Wired hat ein Feature über den Aufbau von freien IT-Infrastrukturen in Tibet: Wireless Works Wonders in Tibet.
The prime minister is among those in Dharamsala who also see technology as a valuable tool for preserving Tibet’s past. He says he carries 300 volumes of religious texts on a few CDs, a quantity that would have been impossible to transport on paper. A number of Tibetan organizations here are scanning ancient religious texts and old government documents smuggled out of Tibet, with plans to make them available through digital libraries.
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: EU-Innenminister drohen mit stärkerer Kontrolle des Netzes
: EU-Innenminister drohen mit stärkerer Kontrolle des Netzes Gestern drohten die Innenminister des Vereinigten Königreichs, Finnlands, Deutschlands, Frankreichs, Portugals, Sloweniens und des Vizepräsidenten der Europäischen Kommission in einer gemeinsamen Presseerklärung, zukünftig stärker das Internet kontrollieren zu wollen. Eigentlich will man mehr gegen den Terrorismus unternehmen, und da Terroristen das Internet nutzen, muss man das eben stärker kontrollieren. Also viel mehr China anstatt Freiheit und Menschenrechte zu bewahren. Florian Rötzer hat die Pressemitteilung schon bei Telepolis beschrieben: Das Internet zum Feindesland für Terroristen“ machen.
Bei den Medien wird das Internet besonders herausgehoben. Man müsse es zu einer „für Terroristen und für diejenigen, die junge Menschen radikalisieren, Hassbotschaften verbreiten und Massenmord planen wollen, feindlichen Umgebung“ machen. Wie das genauer geschehen soll, wurde nicht gesagt. Vermutlich wird es auch darum gehen, das in Großbritannien bereits eingeführte Verbot der Verherrlichung von Terrorismus europaweit zu machen. Allgemein dürfte es darum gehen, das Internet strenger kontrollieren, Inhalte entfernen und die für diese Verantwortlichen schneller bestrafen zu können, was aber bei allzu offenen Definitionen schnell zur Zensur auch von politischer Opposition werden und die Meinungsfreiheit beeinträchtigen kann. Möglicherweise denkt man auch daran, Websites mit Inhalten, die dem Terrorismus zugeordnet werden, für die EU-Bürger unzugänglich zu machen, wenn sich die Seiten auf Servern im Ausland befinden. Das wäre dann schon ein erster Ansatz zu einer Europäischen Mauer in Analogie zur Chinesischen Internetmauer.
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: Britisches Parlament kritisiert Internetzensur in China
: Britisches Parlament kritisiert Internetzensur in China Die Open Rights Group bloggt über einen Bericht des Auswärtigen Ausschusses im britischen Parlament zu „Ost-Asien„In diesem werden u.a. die üblichen westlichen Firmen (aka Google, Microsoft, Yahoo, Cisco) scharf kritisiert, die China beim Aufbau der Zensurinfrastrukturen helfen.
We conclude that the collaboration of Western internet companies in the censorship and policing of the internet for political purposes is morally unacceptable. We further conclude, however, that it is in the interests of Chinese internet users that as much information be available for browsing as possible. We recommend that the Government put pressure on the Chinese government to relax its censorship of the internet and its requirement for foreign companies to restrict the political content of their pages. We further recommend that the Government represent to the Chinese authorities the damage which is done to economic growth by continued restriction of the free flow of information.
The Foreign Affairs Committee report on East Asia (Paragraph 343)
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: Human Rights Tools
: Human Rights Tools Eine Menge nützlicher Links zu Menschenrechtsthemen findet sich auf dieser Seite: Human Rights Tools.
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: Human Rights Watch: Zensur-Report zu China
: Human Rights Watch: Zensur-Report zu China Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat einen 149-seitigen Report zur Internetzensur in China veröffentlicht: “Race to the Bottom” – Corporate Complicity in Chinese Internet Censorship (PDF).
Westlichen Firmen wie Microsoft, Google, Yahoo und Skype wird darin eine Mittäterschaft bei der Verletzung von Menschenrechten ‚wie dem Recht auf Meinungsfreiheit, vorgeworfen. Die Zensurmassnahmen in China seien laut der Pressemeldung von HRW „tyrannisch, undurchsichtig und unverantwortlich“: China: Internet Companies Aid Censorship – Legislation and Code of Conduct Needed to Ensure Ethical Business Practices.
Human Rights Watch definiert auch konkrete Forderungen an westliche Gesetzgeber und schliesst sich damit den Forderungen von Reporter ohne Grenzen an, die auch schon in eine Resolution des europäischen Parlaments eingeflossen sind:
Human Rights Watch believes the following principles should be included in legislation on corporate responsibility to uphold human rights:
* No user data should be stored in jurisdictions where there is a strong record of punishing individuals for exercising basic rights such as freedom of expression;
* Companies should not take on the role of active censors;
* Companies should be prohibited from complying with oral, undocumented requests from the authorities for censorship of political speech;
* Companies should make public on their websites when a government has forced them to censor political speech;
* When a search returns no results, or only censored results, companies should be required to clearly inform users; and
* Legislation should be adopted by all countries and should apply to companies operating in all countries.Da der Report sicherlich schnell innerhalb der chinesischen Zensurmauer gefiltert sein dürfte, bittet HRW um Mithilfe bei der Verbreitung auf Mirrors. Wenn Ihr mithelfen wollt, einen Zugang zu diesem Report zu erleichtert, dann spiegelt das ca. 5 MB grosse PDF auf Euren Seiten! Dasselbe gilt natürlich auch für das „Handbook for bloggers and cyber-dissidents“ von Reporter ohne Grenzen. Man kann die Datei dabei auch umbenennen, was vielleicht nochmal etwas die Zensur erschwert.
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: Internetzensur in Vietnam
: Internetzensur in Vietnam Die OpenNet Initiative hat einen Report zur Internetzensur in Vietnam veröffentlicht (PDF).
Vietnam focuses particular effort on blocking access to sites related to topics that challenge the state’s political orthodoxy, such as those treating political dissidents, political democracy, or the proposed Vietnam Human Rights Act in the United States Congress. Sites on topics related to domestic religious faiths, such as Buddhism and Caodai, are also subject to blocking, though less extensively. In nearly all cases, sites in the Vietnamese language are far more likely to be blocked than sites in the English or French languages.
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: FAZ-Special zu Internet in China
: FAZ-Special zu Internet in China Mit dem Artikel „Der große Bruder“ beendet FAZ.NET ein kleines „Internet in China“-Special.
Wenn jeweils im Frühjahr das State Department in Washington seinen Jahresbericht über Menschenrechts-verletzungen in der ganzen Welt veröffentlicht, sitzt China auf der Anklagebank ganz vorne. Seit etlichen Jahren legt Peking deshalb nur jeweils einen Tag später einen eigenen Jahresbericht über Menschenrechtsverletzungen in den Vereinigten Staaten vor. Der entsprechende Bericht aus diesem Jahr fällt wieder nicht sonderlich positiv aus. Doch jenseits solcher Symbolpolitik wächst das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern seit langem kontinuierlich.
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: China und Amnesty International: Microsoft, Google und Yahoo allzu willige Helfer
: China und Amnesty International: Microsoft, Google und Yahoo allzu willige Helfer Die Nachrichten werden nicht weniger und inhaltlich nicht weniger drastisch: in einem Bericht von Amnesty International werden einmal mehr Microsoft, Google und Yahoo der allzu willigen Mitarbeit bei pro-volksrepublikanisch chinesischer Zensur überführt. Der Bericht heißt „Undermining freedom of expression in China“ und ist als PDF herunterladbar. Profit ist einmal mehr der Antrieb, sich vorauseilend lokalen Gesetzen zu unterwerfen und nach draußen zu behaupten: alles okay.
Mehr bei heise.de und irrepressible.info. Auch bei china-in-the-news.de gibt es einen interessanten Artikel: Chinesen leben mit der Zensur. Notgedrungen.
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: Noch mehr Zugriffsrechte für deutsche Geheimdienste
: Noch mehr Zugriffsrechte für deutsche Geheimdienste Heise berichtet über die Pläne der grossen Koalition zum Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz, (PDF) nachdem die Geheimdienste zusätzlich zu den Verkehrsdaten der Vorratsdatenspeicherung nun auch noch „Bestands- und Nutzungsdaten von Online-Anbietern ohne große Eingriffshürden abfragen dürfen.“: Die Ausdehnung der Anti-Terrorgesetze und der gläserne Nutzer.
Die Bundesregierung begründet den Vorstoß damit, dass „beispielsweise Vertragsdaten bei Internetauktionshäusern und Tauschbörsen etwa zum Handel und Vertrieb volksverhetzender Propagandamaterialien erhoben“ und derlei Umtriebe besser verhindert werden könnten. Ebenfalls ins Visier der Nachrichtendienste geraten dürften nach Ausstellung der neuen Vollmachten insbesondere viel genutzte Suchmaschinen wie Google und Yahoo oder E‑Commerce-Größen wie Amazon. Die weitgehende Formulierung, die deutlich über die zuvor von der Großen Koalition bekannt gegebenen Eckpunkte der Novelle hinausgeht, findet sich in Paragraph 8a des umstrittenen Gesetzesentwurfs. Er bezieht sich zunächst auf den Verfassungsschutz. Dieser soll laut Absatz 5 bei Telediensteanbietern Auskunft einholen dürfen zu „Merkmalen zur Identifikation des Nutzers“, zu „Angaben über Beginn und Ende sowie über den Umfang der jeweiligen Nutzung“ sowie Informationen „über die vom Nutzer in Anspruch genommenen Teledienste“. Dies entspricht der vollständigen Definition von Nutzungsdaten aus dem Teledienstedatenschutzgesetz und würde komplette Server-Logdateien mit einschließen. Im Folgetext des Entwurfes werden die Befugnisse auch auf den Militärischen Abschirmdienst (MAD) und den Bundesnachrichtendienst (BND) ausgedehnt, die beide im Zuge der Reform hinter dem Verfassungsschutz nicht länger zurückstehen sollen.
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: Indiens ISP blockieren Blogs großer Portale
: Indiens ISP blockieren Blogs großer Portale In Indien blockieren grosse ISPs wohl auf Anweisung eines Ministeriums grosse Blogportale wie Typepad, Blogspot und Geocities. Als Grund wird die Terrorabwehr genannt, da Terroristen Blogs zur Kommunikation nutzen würden… BoingBoing aggregiert im Moment verschiedene Berichte und es gibt eine Googlegroup, wo sich betroffene Blogger vernetzen.
[Danke an Thilo per Mail]
Update:
Danke an Falk für den Hinweis in den Kommentaren auf die Hindustan-Times: 12 sites on Govt gag list. Anscheinend ist die ganze Filterung mehr oder weniger ein Kollateralschaden. Das Ministeriums wollte wohl zwölf „anti-indische“ Blogs filtern lassen und dabei wurden halt einfach die ganzen Dienste abgeschaltet.
Officials defended the decision saying, „We would like those people to come forward who access these (the 12) radical websites and please explain to us what are they missing from their lives in the absence of these sites.“
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: Säuberungswelle bei Blogs in China
: Säuberungswelle bei Blogs in China Man liest und staunt über die enorme Zahl von ca. 37 Millionen chinesischer Weblogs. Die sollen alle unpolitisch sein? Etwa so, wie man in Statistiken „alle“ mit „der überwiegenden Mehrheit“ gleichschönrechnet? Etwas verflachte Logik bei der ZEIT, zumindest in der Einleitung. Dabei kennt auch sie die Methoden, die eingesetzt werden: Bei Recherchen festgehalten – China-Korrespondent der „Zeit“ wieder frei.
Wenn also die Subversion von unten pro-KPCh-aktiv und qua Masse mit Texten von der sonnigen Blümchenwiese übertüncht werden soll, dann ist die großangelegte Säuberungsaktion ja gar nicht nötig, von der Kai Raven vom rabenhorst zu berichten weiß. Anlaß ist der 85. Geburtstag der Kommunistischen Partei Chinas:
Der staatlichen Presseagentur Xinhua teilte Wu mit:
„Da immer mehr illegale und ungesunde Informationen über Weblogs und Suchmaschinen verbreitet werden, werden wir effektive Maßnahmen ergreifen, um die BBS, Blogs und Suchmaschinen unter Kontrolle zu bekommen.“Über die Texte wird auch drastisch Kontrolle ausgeübt wie wir ja wissen: Anfang der Woche wurde Journalist Li Yuanlong verhaftet und zu zwei Jahren verurteilt. Ach so, und fragt sich noch jemand, was mit den Kundendaten im Web 2.0‑Rausch so alles böses angestellt werden kann? Heise.de weiß es:
Die Behörden sollen Li Yuanlong über E‑Mails, die von einem Hotmail-Konto verschickt wurden ausfindig gemacht haben. Microsoft hat wiederholt bestritten, an der Weitergabe der Kundendaten aktiv beteiligt gewesen zu sein. Im Fall von Yahoo liegen der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hingegen zahlreiche Hinweise und Belege für die Freigabe von Kundendaten gegenüber chinesischen Behörden vor. Anfang Juli hat sich auch das Europäische Parlament eine Resolution zur freien Meinungsäußerung im Internet verabschiedet und Firmen wie Yahoo, Google und Microsoft dafür kritisiert, dass sie der chinesischen Regierung die Zensur ihrer dortigen Dienste erleichterten beziehungsweise ermöglichten.
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: Training Manual for African Broadcast Regulators
: Training Manual for African Broadcast Regulators Die Menschenrechtsorganisation Article19 („Campaign for Free Expression“) hat ein Trainingshandbuch für afrikanische Regierungen und Bürokraten veröffentlicht, um diese über die Notwendigkeit einer Rundfunk- und TV-Regulation aufzuklären. In dem Handbuch wird beschrieben, weshalb und wie Rundfunk und Fernsehen reguliert werden können und wieso Lizenzierungen notwendig und wichtig sind.
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: FAZ: 37 Millionen Blogs in China?
: FAZ: 37 Millionen Blogs in China? Die FAZ berichtet über Blogs in China, wo es laut Angaben einer chinesischen Universität 16 Millionen Blogge rund 37 Millionen Blogs geben soll: Das Millionenheer.
Sechzehn Millionen Blogger sind nicht subversiv. So viele Menschen können gar nicht irgendwen oder irgendwas unterminieren. Insofern konnte es nicht verwundern, daß der Nationale Volkskongreß, also das chinesische Parlament, auf seiner diesjährigen Frühjahrstagung im April öffentlich darüber diskutierte, ob es nicht sinnvoll sei, wenn nicht nur Staatspräsident Hu Jintao, sondern auch alle Abgeordneten als Blogger aktiv würden. Bloggen ist in China schon lange keine journalistische Wühlarbeit mehr von unten – falls es das jemals war. Vielmehr ist es zu einer politischen Institutionalisierung von oben umgedreht worden.
Sollen aber alle total unpolitisch sein.
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: Kommentar: Frei von Meinung
: Kommentar: Frei von Meinung Wenn man über sowas schreiben will, weiss man garnicht, was man denn dazu sagen soll: Das EU-Parlament verabschiedet eine „Resolution für Meinungsfreiheit im Internet“. Jetzt auch im Netz!
Der Grund, das für den Raum „Internet“ nocheinmal klarzustellen, ist ein sehr ernster und keineswegs zu vernachlässigender: Es ist die Bereitschaft der Unternehmen Google, Yahoo und Mircrosoft mit ihrem Geschäft in China korrekt die dortigen Regeln in ihre Businesswelt zu implementieren. Diese „Filterregeln“ sind alles andere als okay – sondern diskriminirend, Freiheits-beraubend und schlichtweg undemokratisch.
Aber diese Resolution ist für mich schon teilweise eine Farce, wenn sie Unternehmen aus einem Land anspricht, in dem das Recht auf Meinungsfreiheit meinem Empfinden nach weiter gefasst ist, als hier. Etwa, weil dort nationalistische Meinungen eher zugelassen sind, als hier. (Ich bin kein Nazi – finde es aber legitim bescheuerte Meinungen wie „Wegen der Arbeitslosigkeit gehören alle Ausländer nach Hause geschickt“ artikulieren zu dürfen. Wenn der Schmalz eben nicht mehr hergibt, ist das nicht mein Problem …)
Sollten doch – wider erwarten – hierzulande solche Meinungen gedulded werden (rechtlich, nicht tatsächlich), bleibt für die Überwachung von Kommunikation weiterhin das Argument der Kinderpronographie.
Also was soll das bitte: Hierzulande wird uns das digitale Wahrnehmen des Rechtes auf Meinungsfreiheit unschmackhaft gemacht, weil man fürchten muss, dass Dank TKÜV und Vorratsdatenspeicherung offiziellen Stellen schnell klar ist, wer welche Meinung (öffentlich) postuliert. Auch in Nordamerika war neulich das „Bespitzeln der eigenen Bevölkerung“ Thema und sogar Anlass für Empörung.
Die Jungs und Mädels von „Reporter ohne Grenzen“ mussten ähnliche Schwierigkeiten in der Kommentierung dieser Resolution haben: Da geht die Flotte der Privatsphäre und mit ihr einher die der Meinungsfreiheit auf beiden Kontinenten unter. Und um in Sachen China irgendetwas tun zu können, muss das EU-Parlament einen Resolutionsentwurf des US-Kongresses (den Global Online Freedom Act (GOFA)) unterstützen.
International ist das natürlich ein lobenswertes Zeichen – aber wird allein diese Form der Auseinandersetzung mit dem Thema „Meinungsfreiheit“ unser Schiff nennenswert langsamer sinken lassen?
Die Reporter kennen keine Grenzen und freuen sich auch über diesen Tropfen auf den heißen Stein, ich tue es ja auch:
Dieser Beschluss zeigt, dass sich Europa über die besondere Bedeutung freier Meinungsäußerung im Internet und den Bedarf an Regelungen in diesem Gebiet bewusst wird.
Sehr lobenswert von den Jungs, dass sie mit dieser Formulierung die EU dazu drängen, sich selbst mit der Thematik auseinander zu setzen. Tapfer, Leute! Auf dass aus diesen Tropfen ein kalter Regen wird.
ps.: Nach erster Kritik (auch von Markus) habe ich diesen Kommentar überarbeitet – ich hab ihn in der ersten Fassung auch einfach zynisch runtergeschrieben und ohne ihn auch nur einen Moment sacken zu lasssen, veröffentlicht.
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: Europaparlament beschliesst Resolution für Meinungsfreiheit im Netz
: Europaparlament beschliesst Resolution für Meinungsfreiheit im Netz Das Europaparlament hat gestern wohl eine Resolution zur freien Meinungsäußerung im Internet beschlossen. Darauf weisen zumindest die deutsche und die internationale Sektion von Reporter ohne Grenzen jeweils hin und begrüssen die Resolution in Pressemitteilungen:
Englisch: European Parliament condemns ethical breaches by Internet sector companies.
Deutsch: Resolution für Meinungsfreiheit im Internetsektor.In der Resolution wird die europäische Kommission aufgefordert, einen freiwilligen Verhaltenskodex zu erstellen. Er soll die Handlungsmöglichkeiten von Unternehmen in repressiven Staaten einschränken und Firmen dazu anhalten, die Notwendigkeit eines unzensierten Internetzugangs bei ihren Geschäften Drittländern zu berücksichtigen.
Zudem sollen sich die EU-Mitgliedsstaaten „auf eine gemeinsame Erklärung einigen, in der sie ihr Engagement zum Schutz der Rechte von Internetnutzern bekräftigen sowie ihren Willen zum Ausdruck bringen, freie Meinungsäußerung im Internet weltweit zu fördern“, heißt es in der Resolution. Der Beschluss ist für die Europäische Kommission jedoch nicht verbindlich; in Sachen Internet hat die Kommission alleinige Entscheidungsmacht.Yahoo, Google und Microsoft wurden in der Resolution namentlich angeführt, weil sie der Selbstzensur in China zugestimmt haben, während Cisco Systems unter dem Verdacht steht, die notwendige Technologie für die Internetzensur bereitzustellen. Die europäischen Unternehmen France Telecom und Telecom Italia wurden aufgrund ihrer Internet-Kooperationen mit Tunesien und Kuba genannt.
Die Resolution gibt es wohl noch nciht im Netz, RSF wollen sie aber später am Tag online stellen. Auf den Seiten des Europaparlaments steht noch nichts.
Update:
Hier ist die (englischsprachige) Resolution: Democracy and human rights: Somalia, Mauritania and the internet.
Mehr auch bei Heise: EU-Parlament kritisiert Microsoft, Yahoo und Google.
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: Die chinesische Zensur umgehen
: Die chinesische Zensur umgehen Das hier ist eigentlich nur noch fürs Archiv, da schon durch einige Medien gewandert: Man kann die technische Infrastruktur der chinesischen Firewall umgehen. Mal schauen, wie lange das noch geht. Hier gibts auf jeden Fall einen längeren Blogeintrag dazu und hier ein akademisches Paper.
Hier erklärt es Heise: Chinas „Große Firewall“ austricksen.
Zumindest die Blockade durch die Suche nach Schlüsselwörtern lässt sich laut einem Bericht von Forschern der Universität Cambridge austricksen. Aus Leistungsgründen werden die Daten nämlich nicht auf den Grenzroutern gefiltert, sondern auf zusätzlichen Rechnern. Anders als bisher angenommen werden die Pakete aber nicht wirklich verworfen. Vielmehr sendet die Filterrechner mehrere TCP-Reset-Pakete (RST) an beide Endpunkte einer Verbindung, sowohl an den Client als auch den Webserver. In der Folge beenden beide Systeme die Verbindung, der weitere Datenfluß ist unterbrochen – die Zensur hat zugeschlagen.
Diese Maßnahmen lassen sich allerdings recht einfach austricksen, indem Client und Server einfach keine Resets mehr entgegennehmen, meinen die Cambridger Forscher. Versuche, in denen die RST-Pakete einfach mit einer Firewall blockiert wurden, seien sehr gut verlaufen.
Und hier der deutsche Inquirer: Chinas „Große Firewall“ von Briten geknackt.
Das verzweigte Zensursystem überwacht die einzelnen http-Pakete von Webverbindungen und durchsucht sie nach Schlüsselwörtern. Wird ein verdächtiges Datenpaket identifiziert, so wird dieses nicht einfach geblockt, sondern beiden Seiten der Webverbindung vorgetäuscht, dass die Verbindung zu Ende sei. Dies geschieht durch sogenannte Reset-Flags, die sowohl an den chinesischen PC als auch an den Webserver im Ausland geschickt werden und signalisieren, dass der angesprochene Port geschlossen ist. Weitere Verbindungsversuche unterbleiben daraufhin.
Um die Zensur künftig zu umgehen, müssten beide Seiten die Reset-Flags lediglich ignorieren, meint Clayton. Simple Firewall-Regeln würden dazu ausreichen. Der chinesischen Zensur blieben dann zwar noch einige andere technische Maßnahmen, etwa das komplette Blockieren bestimmter Seiten, diese Methoden seien jedoch mit ungemein mehr Aufwand in Pflege und Wartung verbunden und könnten nicht so flexibel angepasst werden.