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: Günther Oettinger: Die beste Netzneutralität samt Taliban 2.0
Ganz schön viele Fragen... : Günther Oettinger: Die beste Netzneutralität samt Taliban 2.0
Unser Digitalkommissar Günther Oettinger sass gestern bei einer Pressekonferenz zu den Trilog-Verhandlungen auf der Bühne und hat dort auch eine Frage zu seinem Taliban-Vergleich gestellt bekommen, die er natürlich dankbar versenkt hat:Journalist vom EU Observer : […] Eine zweite Frage für Kommissar Oettinger. Die Kommission sagte heute morgen in einer Pressemitteilung, dass dies die striktesten und umfassendsten Netzneutralitätsregeln der Welt sind – strenger als in den Niederlanden, in den USA. Können Sie erklären, warum sie strenger sind ? Und Sie erwähnten auch einmal, dass Sie denken, dass das Netzneutralitätsthema Taliban-ähnlich ist. Sind Sie immer noch dieser Meinung und wie sehen Sie der jüngsten Diskussionen im Hinblich auf diese Aussage? Und zuletzt : Dies war ein zwölfstunden Marathon, denken Sie dass das Ergebnis eine anderes wäre, wenn es eine weitere Gesprächsrunde gegeben hätte, morgen oder übermorgen unter der Luxemburgischen Ratspräsidentschaft?
Oettinger : Ich glaube, das Ergebnis von gestern würde man auch heute erzielen und auch im September erzielen. Es ist ein gutes Ergebnis und hinter dem stand die lettische Regierung, aber auch die luxemburgische Regierung. Deswegen, der Vorteil ist, wir haben ein früheres Ergebnis. Aber es hätte auch heute oder morgen oder im September ein vergleichbares, sachgerechtes Paket gegeben. Nicht die Netzneutralität ist Taliban-ähnlich, sondern es gab zum Teil hier Debatten, die mich daran erinnert haben. Und wir haben jetzt eine Garantie, einen Qualitätsstandard garantiert und begrenzte Ausnahmen davon definiert. Das halte ich für klug. Wir werden mit dieser Einigung in den nächsten Monaten fertig werden und er wird die europäische Netzneutralität in Rechtskraft treten, wirksam werden, während die in den USA mit Sicherheit vor der Präsidentenwahl nicht mehr kommen. Wir haben in den USA einen Gesetzentwurf, eine Ankündigung mit zahlreichen Ausnahmen. Aber es ist völlig unabsehbar, wann und wie dieser Gesetzentwurf durch die beiden Häuser im Capitol kommen wird. Ich erwarte eine Einigung in den USA frühestens in einem Jahr. Damit ist Europa mit seiner Entscheidung und der dadurch geschaffenen Rechts- und Planungssicherheit den Amerikanern voraus.
Günther Oettinger war es, der in den vergangenen Monaten durch viele Industrie-Veranstaltungen tourte, dabei Netzneutralität mit dem Sozialismus verglich und Befürworter von klaren Regeln als Taliban-artig hinstellte. Dabei traf er laut seinem Terminkalender überwiegend nur Gegner von klaren Regeln von Netzneutralität. Kein Wunder, dass er die Debatte Taliban-ähnlich findet, er hat sie ja eigentlich gar nicht geführt.
Und auch seine Begründung mit der jetzt geschaffenen Rechtssicherheit ist etwas irritierend. Vielleicht informiert er sich nochmal bei Experten. Nach geschaffener Rechts- und Planungssicherheit sieht das gerade überhaupt nicht aus, was Kommission, Rat und Parlament als halbfertigen Kompromiss beschlossen haben – ganz im Gegenteil. Joe McNamee von European Digital Rights kommentierte gestern bei uns: „Ende von Roaming und Netzneutralität“: Trilog-Verhandlungen einigen sich auf unklaren und mehrdeutigen Deal.
Der „Deal“ wurde nach drei Monate dauernden „Verhandlungen“ zwischen Rat der Europäischen Union (Ministerrat) und dem Europäischen Parlament erzielt. In jeder Phase verweigerte der Rat einfach den Dialog. Dann, um noch irgendwie die willkürlich gesetzte Frist einzuhalten, die von der lettischen Präsidentschaft des EU-Rates gesetzt wurde, einigte man sich auf dieses chaotische, unterdurchschnittliche Abkommen. Jetzt, wo unsere politischen „Führer“ beschlossen haben, dass sie keine Entscheidung treffen, müssen wir wohl warten, bis nicht-gewählte Richter und Regulierungsbehörden diese harte Arbeit tun. Das ist jedoch „nur“ eine vorläufige Einigung. Zuerst müssen die erläuternden Erwägungsgründe zum Abschluss gebracht werden. Dann müssen die EU-Institutionen entscheiden, ob sie wirklich bereit sind, diese Rechtsunsicherheit für die europäischen Bürger und Unternehmen zu schaffen. In den kommenden Wochen wird sich dies zeigen.
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: Lobbyisten in Brüssel: Leichtes Spiel mit Günther Oettinger
Digitalkommissar Günther Oettinger trifft sich besonders gerne mit Vertretern aus der Wirtschaft – und vertritt anschließend deren Positionen. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/itupictures/18124096201/">ITU Pictures</a> : Lobbyisten in Brüssel: Leichtes Spiel mit Günther Oettinger Seit Dezember 2014 haben über 4.000 gemeldete Treffen zwischen Mitgliedern der EU-Kommission und Lobby-Vertretern stattgefunden – und mehr als 75 % davon waren mit Vertretern von Unternehmen. Für Nichtregierungsorganisationen (18 %) oder Think Tanks (4 %) hatte die Kommission deutlich weniger Zeit, wie aus einer aktuellen Untersuchung von Transparency International hervorgeht.
Besonders umtriebig waren demnach Google, General Electric und Airbus, während Exxon Mobil, Shell und Microsoft am meisten Geld (jeweils etwa 4,5 Millionen Euro) ausgegeben haben. Die meisten Treffen fanden in den Bereichen Klima und Energie, Arbeitsmarktpolitik sowie Digitale Ökonomie statt.
Die Wirtschaftslobby und Günther Oettinger
Ein noch deutlich unausgewogeneres Bild zeigt sich, sobald man gezielt nach den Terminen des Digitalkommissars Günther Oettinger sucht. Dieser hat sich in den vergangenen Monaten fast ausschließlich mit Vertretern der Industrie und Handelsorganisationen besprochen, wobei mit der Deutschen Telekom, Vodafone oder Orange große Telekommunikationsunternehmen seinen Terminkalender dominiert haben.
Im gesamten Bereich „Digitale Ökonomie“ kam es zu insgesamt 366 Treffen, davon entfielen ganze 89 % auf Meetings mit Industrievertretern. Vor dem Hintergrund der aktuellen Verhandlungen rund um Netzneutralität sollte es also niemanden überraschen, wenn Oettinger praktisch ausnahmslos Positionen der Industrie vertritt und Befürwortern der Netzneutralität „Taliban-artige“ Tendenzen unterstellt.
Dabei handelt es sich keineswegs um einen vollständigen Datensatz, wie Transparency International einräumt. Die Untersuchung umfasse lediglich die Top-1-% der EU-Beamten und nur 20 % der registrierten Lobby-Organisationen, was die Unzulänglichkeiten der derzeit freiwilligen Lobbyisten-Registrierung zeige. „Viele der Informationen, die Lobbyisten freiwillig in die Registrations-Datenbank eintragen, sind ungenau, unvollständig oder geradezu bedeutungslos“, sagte Daniel Freund, der Verfasser der Studie. Zusätzlich erschwert der Umstand, dass die Termine auf insgesamt 89 verschiedenen Webseiten veröffentlicht werden, das Nachvollziehen der Lobby-Treffen. Dieses Problem soll die interaktive Webseite EU Integrity Watch lindern, die die Treffen an einer zentralen Stelle auflistet und sinnvoll filterbar macht.
Mehr Transparenz gewünscht
Beginnend mit Dezember 2014 bemüht sich die Juncker-Kommission, selbst auferlegte Transparenzregeln einzuhalten. In einem Dokument über die „Arbeitsmethoden der EU-Kommission“ heißt es, Treffen mit Interessensgruppen müssten nicht nur transparent ablaufen, sondern auch eine „angemessene Balance“ sicherstellen. Mitglieder der Kommission dürften sich nur dann mit Lobby-Vertretern treffen, wenn sich diese im Transparenz-Register eingetragen hätten. Ferner werde von allen Kommissionsmitgliedern erwartet, sämtliche Besprechungen mit berufsmäßigen Lobbyisten spätestens zwei Wochen danach öffentlich zu machen, solange keine speziellen Geheimhaltungsgründe dagegen sprechen würden.
Doch nicht einmal das ist Günther Oettinger gelungen. Vor einigen Tagen haben wir über das Transparenzproblem des Kommissars berichtet, der seine öffentliche Termindatenbank offensichtlich nicht ausreichend pflegt. Zwar wurden mittlerweile einige Termine nachgetragen, aber noch lange nicht alle. Das sei aber kein Problem, wie er dem Spiegel erklärte, denn nicht alle Treffen müssten verzeichnet werden, „etwa, wenn ich mich in einer öffentlichen Veranstaltung an Bürger wende, auf einer Konferenz spreche oder Abgeordnete treffe, die sich für die Rechte der Internet-Nutzer einsetzen“.
Daran kann sich der österreichische Grünen-Abgeordnete Michel Reimon nicht erinnern. Seiner Darstellung nach sei Oettinger bei den Netzneutralitätsverhandlungen kein einziges Mal anwesend gewesen und würde sich stets für möglichst konzernfreundliche Lösungen einsetzen, beschwerte er sich dem Spiegel gegenüber. „Man weiß seit einem Jahr nicht, was er arbeitet. Und ob er überhaupt arbeitet.“
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: Trilog zur EU-Datenschutzreform startet heute, Kommission veröffentlicht passende Bürgerumfrage
Erstes Treffen zu den Trilogverhandlungen zur EU-Datenschutzreform - via Twitter/<a href="https://twitter.com/JanAlbrecht/status/613722400660832256/photo/1">JanAlbrecht</a> : Trilog zur EU-Datenschutzreform startet heute, Kommission veröffentlicht passende Bürgerumfrage Heute sind die Trilog-Verhandlungen zur EU-Datenschutzreform gestartet. Dabei verhandeln EU-Kommission, Parlament und Rat die finale Fassung der Datenschutzgrundverordnung.
Alle Vertreter aus Parlament, Kommission und Rat versprechen, dass die Datenschutzreform eine bessere Rechtslage für die Bürger schaffen wird, dabei ist in der Vergangenheit bekannt geworden, dass in allen Institutionen durch Lobbydruck versucht wurde, den Datenschutz eher zu schwächen. Jan Philipp Albrecht von den Grünen im Europaparlament ist jedoch optimistisch:
The devil is in the detail, but I don’t see any real danger in not achieving our aim.
Passend zum Start der Trilog-Verhandlungen wurde heute eine Eurobarometer-Umfrage zu Datenschutzbewusstsein und ‑bedenken in der EU-Bevölkerung veröffentlicht.
Etwa 28.000 Menschen aus allen EU-Mitgliedsstaaten nahmen an der Umfrage teil. Es stellte sich heraus, dass etwa 30 Prozent der Meinung sind, absolut keine Kontrolle über ihre persönlichen Daten zu haben, in Deutschland sogar 45 Prozent. Gleichzeitig gaben über 70 Prozent an, dass sie den Eindruck haben, die Preisgabe von persönlichen Daten sei ein wachsender Teil des Alltagslebens, etwa ein Drittel scheint sich darum aber keine großen Sorgen zu machen.
Laut der Umfrage sollen 18 Prozent der EU-Bürger jedes Mal die Datenschutzbestimmungen von Diensten und Produkten lesen, die sie nutzen. Diese Zahl scheint uns unrealistisch und dürfte sich eher als persönliche Wunschvorstellung einordnen lassen.
Was uns erschreckt: Nur 50 Prozent der Befragten gaben an, „jemals“ von aktuellen Enthüllungen über die Geheimdienstüberwachung der Bevölkerung gehört zu haben. Und 25 Prozent geben an, sozialen Netzwerken zu vertrauen, schon von Anfang an die richtigen Privatsphäre-Einstellungen zu setzen. Es wirkt, als gäbe es massiven Nachholbedarf in der Aufklärung.
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: Es ist 5 vor 12: EU-Parlament droht Netzneutralität gegen Roaming zu tauschen
: Es ist 5 vor 12: EU-Parlament droht Netzneutralität gegen Roaming zu tauschen
Die Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission in der Europäischen Union befinden sich in der heißen Phase. Diese Woche könnte eine Entscheidung kommen. Und das sieht momentan nicht gut aus. Im Rahmen des Digitalen Binnenmarktes stehen Entscheidungen an, wie man Roaming, Frequenzen und die Netzneutralität regeln will. Nach allem, was wir aus den Verhandlungen hören, scheint das EU-Parlament seine harte Linie bei der Netzneutralität aufzugeben und droht komplett umzufallen, um wenigstens beim Roaming etwas zu bekommen. Dafür spricht auch, dass Günther Oettinger dieses Ergebnis eigentlich schon vorab in einem Pressegespräch verkündet hat:
„Darauf werden sich EU-Kommission, die Regierungen der 28 Mitgliedsländer und das europäische Parlament wahrscheinlich schon sehr bald einigen.“
Die EU-Staaten im Rat wollen beim Roaming wenig ändern, weil das immer die eigenen Telekommunikationskonzerne betrifft. EU-Kommission und Parlament hatten aber im Wahlkampf 2014 versprochen, dass Roaming abgeschafft wird. Gleichzeitig hatte das Parlament mit überwältigender Mehrheit beschlossen, klare Regeln zur Netzneutralität zu schaffen. Letztes wird jetzt wohl geopfert, auch weil man mit Roaming mehr bei den Wählern zu punkten glaubt.
Aus unserer Sicht muss es verhindert werden, dass weniger Roaming gegen klare Regeln zur Netzneutralität getauscht werden. Wir brauchen beides, weniger Roaming und damit einen echten digitalen Binnenmarkt und darin klare Regeln zur Netzneutralität. Denn Verletzungen der Netzneutralität sind schon die Regel, ohne klare Vorgaben wird das noch schlechter werden.
Rette die Netzneutralität: Es ist kurz vor 12
Dagegen könnt Ihr jetzt noch was unternehmen: Auf savetheinternet.eu finden sich Argumente und Kontaktmöglichkeiten. Wendet Euch noch vor Freitag an EU-Abgeordnete. Konzentriert Euch vor allem auf sozialdemokratische, konservative und liberale Europaabgeordnete. Bei den Sozialdemokraten ist zwar Petra Kammerevert sehr engagiert, aber wir sind uns nicht sicher, ob der Rest ihrer Fraktion auch so weitsichtig ist und für mehr Netzneutralität stimmen wird. Die wenigen deutschen Liberalen sind eine Blackbox beim Thema. Und bei unseren Abgeordneten von CDU und CSU ist der Schwierigkeitsgrad etwas höher, weil die traditionell so abstimme, wie Lobbyisten der Telekommunikationsindustrie das vorschlagen.
Es ist echt fünf vor 12. Diese Woche kann die entscheidende Abstimmung erfolgen. Die letztendliche Abstimmung im Parlament in zweiter Lesung ist dann nur noch Formsache, wenn sich Parlament, Rat und Kommission auf einen Kompromiss einigen.
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: Merkel stellt sich gegen Datenschutz und Netzneutralität
Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit dem Kommissar für den digitalen Binnenmarkt Andrus Ansip. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/estonian-foreign-ministry/1914537813/">Estonian Foreign Ministry</a> : Merkel stellt sich gegen Datenschutz und Netzneutralität Deutschland dürfe sich nicht vor Big Data und freizügigen Datenschutzbestimmungen fürchten, sondern müsse Daten als Rohstoff der Zukunft sehen, um im globalen Wettbewerb nicht abgehängt zu werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Wirtschaftstag 2015. „Wenn wir das akzeptieren, dann dürfen wir eben nicht als erstes nur über den Schutz nachdenken, sondern wir müssen auch überlegen, welche Chancen bestehen darin“, zeigte sie sich über die Wettbewerbsfähigkeit deutscher und europäischer Unternehmen auf dem Weltmarkt besorgt und weniger über Datenschutz und die informationelle Selbstbestimmung einzelner Bürger.
Die eigentliche Musik wird stattfinden jetzt in der Debatte um die Datenschutzgrundverordnung, um das Big Data Management, und da müssen wir aufpassen, dass wir in Europa nicht ein klein wenig schizophren sind. Wir haben das schöne Safe-Harbor-Abkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika, das heißt, es können alle Daten aus Europa nach Amerika geschickt werden und dort zu neuen Produkten verarbeitet werden, und der europäische Kunde ist froh, mit diesen Produkten dann hantieren zu können. Wir müssen es schaffen, ein solches Big Data Management zu machen, dass Wertschöpfung hier auch in Europa stattfinden kann. Und da darf sozusagen nicht das Big Data Management gewinnen jetzt in der Kompromissfindung, das den restriktivsten Zugang zu den Daten hat, sondern es muss ein fairer Kompromiss gefunden werden, der die Wertschöpfung aus anonymisierten Daten, das geht in Europa immer noch ganz genau, aber auch aus individualisierten Daten möglich macht, weil die Kunden werden individualisierte Applikationen fordern, und deshalb müssen wir an dieser Stelle gemeinsam denken und möglichst schnell vorankommen.
Dieser Vorstoß lässt nichts Gutes für die Verhandlungen zur EU-Datenschutz-Grundverordnung erahnen. Über dieses soll am 15./16. Juni im Rat abgestimmt werden, bevor es in die Trilog-Verhandlungen mit dem Parlament und der Kommission geht. Deutschlands Position im Rat war in der Vergangenheit wiederholt dafür kritisiert worden, Datenschutzregelungen herabsenken und etwa das Prinzip der Zweckbindung aufheben zu wollen. Und dass Merkel das Safe-Harbor-Abkommen ironiefrei als „schön“ bezeichnet, dürfte sowohl die EU-Kommission als auch das Parlament überraschen. Beide Institutionen haben sich in unterschiedlicher Intensität für die Aussetzung des Abkommens ausgesprochen, weil darin zwar Datenschutz und Kontrolle versprochen, aber nachweislich nicht eingehalten wird.
Big Data dürfe nicht als Bedrohung, sondern als Wertschöpfungsmöglichkeit der Zukunft gesehen werden, so Merkel. Es würden viele Arbeitsplätze im industriellen Bereich verloren gehen, prophezeite die Kanzlerin, weil Maschinen die Arbeit übernehmen könnten und würden. Sie zeigte sich jedoch überzeugt, dass
sehr viel mehr Arbeitsplätze geschaffen werden mit der Wertschöpfung aus der Kenntnis der Daten. Wenn wir uns diesen Teil der Wertschöpfung aber abkoppeln und in Europa nicht stattfinden lassen, dann werden wir ein großes Problem haben, die Wertschöpfung, so wie wir sie heute haben, zu erhalten. Und der zentrale Punkt wird nicht mehr „Das Auto“, „Das Zugabteil“ sein, sondern der zentrale Punkt wird die Schnittstelle zum jeweiligen Kunden sein.
Interessanterweise vertrat Audi-CEO Rupert Stadler auf der gleichen Veranstaltung die gegenläufige Position. Das Auto sei ein zweites Wohnzimmer und daher privat. Die einzige Person, die Zugang zu den an Bord gespeicherten Daten bräuchte, sei der Kunde, sagte Stadler und fügte hinzu, dass Audi die Privatsphäre seiner Kunden sehr ernst nehme. Dieser Vorstoß dürfte sich gegen den ebenfalls anwesenden Executive Chairman von Google Eric Schmidt gerichtet haben. Das US-Unternehmen will seine Android-Plattform in möglichst vielen Autos unterbringen und langfristig wohl auch in den Markt autonom fahrender Autos einsteigen – und die dabei anfallenden Kundendaten zu Geld machen. Ob Audi die Netzneutralität genauso ernst nimmt wie die Privatsphäre der Kunden bleibt zur Zeit noch unklar. Eine entsprechende Anfrage blieb zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bislang unbeantwortet. Denn auch dieses Thema schnitt Merkel in ihrer Rede an:
Wir müssen uns mit der Frage der Netzneutralität auseinandersetzen, wenn wir Spezialdienste anbieten wollen, wenn wir Telemedizin machen wollen, wenn wir autonomes Fahren machen wollen, dann muss es sichere Bedingungen für große Datenmengenübertragungen geben, und deshalb kann man nicht sagen, wir kümmern uns darum nicht.
Bisher verneinen Autohersteller, für automatisiertes Fahren überhaupt Netzzugang zu benötigen, geschweige denn priorisierte Überholspuren im Internet. Das hält offenbar die Bundesregierung und insbesondere den EU-Digitalkommissar Günther Oettinger nicht davon ab, dieses vorgeschobene Argument regelmäßig auf’s Tapet zu bringen. Argumente werden gedreht und gewendet, wie man sie gerade braucht: In Sachen Datenschutz müsse sich Europa an die USA angleichen, in Sachen Netzneutralität ignoriert Merkel jedoch freimütig die strengen Netzneutralitätsregeln, die in den USA Anfang des Jahres angekündigt wurden – ohne, dass die Welt untergegangen wäre.
In der Frage des europäischen Binnenmarktes beklagt Merkel den relativ starken Wettbewerb in den einzelnen Nationalstaaten und will lieber gesamteuropäische Großunternehmen sehen, die chinesischen oder US-amerikanischen Konzernen ähneln.
Wir brauchen Veränderungen im Wettbewerbsrecht, weil wir heute einen fragmentierten Markt haben, weil wahrscheinlich auch der Blickwinkel – Was ist eine Monopolstellung in Europa? – ein falscher ist. Und wenn wir in China wenige Telekommunikationsanbieter haben, in den USA wenige, und in Europa mehr als die Zahl der Mitgliedsstaaten, dann können die nie eine globale Kraft entfalten und hier muss das erst ansetzen.
Schließlich geht Wettbewerb über alles, und das kleine Deutschland respektive Europa sei dieser alternativlosen Entwicklung hilflos ausgeliefert:
Wir müssen natürlich feststellen, dass wir an dieser Stelle nicht diejenigen sind, die das Weltgeschehen bestimmen. Und das hängt natürlich mit einem zusammen, was auch in Deutschland stark ausgeprägt ist. In den USA ist, wenn ich das richtig verstehe, alles erlaubt, was nicht explizit verboten ist. Bei uns ist tendenziell erst mal alles verboten, was nicht explizit erlaubt ist. Und das bedeutet natürlich, dass sie politisch Handelnde haben müssen, auch wirtschaftlich Handelnde haben müssen, die ein hohes Maß an Sachwissen haben, um immer vorauszusehen, was an Rahmensetzung gebraucht wird. Bei der rasanten Entwicklung der digitalen Gesellschaft und der Digitalisierung ist es aber nicht sichergestellt.
Warum ist Günther Oettinger nochmal EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft?
Die Rede lässt sich auf Youtube in ihrer Gesamtheit ansehen, darüber hinaus haben wir ein Transkript der relevanten Passage angefertigt:
Aber ich will, zu dem zweiten Thema, als zweites Thema der Digitalisierung aufgreifen, weil es heute hier offensichtlich, bei ihrem Wirtschaftsrat, auch eine große Rolle spielt. Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft tiefgreifend, das ist hier auch schon oft gesagt worden. Und ich wage jetzt einfach mal, auch an Sie eine Bitte zu richten: Beschäftigen Sie sich damit. Mit dem Schlagwort Industrie 4.0 ist es nicht getan. Ich mache mir Sorgen, dass zwar einige Unternehmen in Deutschland sehr gut, inzwischen, die Herausforderung erkannt haben, dass aber in der Breite des Mittelstands die Tiefe dieser Veränderung – ich will keinem zu nahe treten – vielleicht noch nicht ausreichend bekannt ist, und es wird nicht reichen, einen IT-Verantwortlichen in jedem Unternehmen zu haben, sondern das Ganze muss vom CEO aus gedacht werden oder vom Chef des Hauses. Und da ich, da ich nun auch alles andere als ein Digital Native bin, sondern bestenfalls ein Anfangs-Digital-Migrant, weiß ich, weiß ich, was es bedeutet, sich in erklecklichem Lebensalter auf diese neue Welt einstellen zu müssen. Wir werden alles, oder viel mehr, vom Individuum heraus denken. Das wird erhebliche Folgerungen auch haben, die gesellschaftlichen Folgerungen sind angesprochen worden, für den gesellschaftilchen Zusammenhalt. Damit müssen wir uns befassen, weil die Frage nach der natürlichen Solidarität, wenn sie sehr viel mehr wissen über die individuellen Verhaltensweisen, nicht mehr so gegeben sein wird, wie wir das aus der klassischen sozialen Marktwirtschaft kennen, mit großen Gruppen, die in gemeinsamen Versicherungssystemen sind, sondern wir werden hier zumindest einen Druck auf Fragmentierung der Gesellschaft spüren, der in Deutschland sicherlich eine breite gesellschaftliche Diskussion hervorrufen muss.
Aber ich fang mal einfach an. Es wird alles digitalisiert werden, was digitalisiert werden kann. Das heißt, man braucht ein positives Verhältnis zum Phänomen von Daten. Wer Daten als eine Bedrohung ansieht, wer bei jedem Datum überlegt, was kann man Schlechtes damit machen, der wird der Chance der Digitalisierung nicht gerecht werden. Weil mehr Daten brauchen natürlich einen Rahmen, wie alles in der sozialen Marktwirtschaft einen Rahmen braucht, aber mehr Daten sind erst einmal der Rohstoff, um mehr Produkte und mehr Anwendungen und mehr Innovationen zu haben. Daten werden der Rohstoff der Zukunft sein in der digitalen Welt.
Und wenn wir das akzeptieren, dann dürfen wir eben nicht als erstes nur über den Schutz nachdenken, sondern wir müssen auch überlegen, welche Chancen bestehen darin. Und wir werden nicht nur in nationalen Parlamenten, sondern – ich schau einfach mal Elmar Brok an, weil er gerade so vor mir sitzt – sondern auch im europäischen Parlament darüber sprechen müssen, dass Big Data nicht eine Bedrohung ist, sondern Wertschöpfungsmöglichkeit der Zukunft ist. Und es werden viele Arbeitsplätze im industriellen Bereich verloren gehen, weil Arbeit auch ersetzt werden kann durch Maschinen. Und es können, und davon bin ich zutiefst überzeugt, sehr viel mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, mit der Wertschöpfung aus der Kenntnis der Daten. Wenn wir uns diesen Teil der Wertschöpfung aber abkoppeln und in Europa nicht stattfinden lassen, dann werden wir ein großes Problem haben, die Wertschöpfung, so wie wir sie heute haben, zu erhalten. Und der zentrale Punkt wird nicht mehr das Auto, das Zugabteil sein, sondern der zentrale Punkt wird die Schnittstelle zum jeweilgen Kunden sein. Das ist im Grunde ein großes, sozusagen Stärkungswerk, die Digitalisierung für die Wünsche des Kunden. Und vom Kunden her muss gedacht werden. Das heißt, Industrie 4.0 ist gut, aber es wird eine Vernetzung aller Dinge geben. Die Industrie 4.0 muss auf die gesamte Gesellschaft ausgerollt werden.
Und was wo, wo machen wir uns jetzt die Chancen der europäischen Union zu Nutze? Natürlich noch zu wenig. Herr Ives hat es gesagt, Island (sic) ist, hat Recht, aber, lieber Herr Staatspräsident, Sie haben ein bisschen damit kokettiert, dass Sie ein kleines Land sind. Da wo ich sitze, im Rat der Staats- und Regierungschefs, hat jedes Land eine Stimme. Und Estland kann dort erklären, dass sie vielen Sachen nicht mehr zustimmen werden, wenn wir nicht endlich auf dem Gebiet der Digitalisierung auch vorankommen, und dann sind wir schon zwei, denn ich werde dem estnischen Ministerpräsidenten helfen.
Und ich weiß das, und wir brauchen, wir brauchen Veränderungen im Wettbewerbsrecht, weil wir heute einen fragmentierten Markt haben, weil wahrscheinlich auch der Blickwinkel, was ist eine Monopolstellung in Europa, ein falscher ist, und wenn wir in China wenige Telekommunikationsanbieter haben, in den Vereinigten Staaten von Amerika wenige und in Europa mehr als die Zahl der Mitgliedsstaaten, dann können die nie einen globalen, eine globale Kraft entfalten und hier muss das Erste (sic) ansetzen. Zweitens, ja, wir haben mit dem Telekommunikationspaket, obwohl’s um so schöne Dinge geht wie Netzneutralität und Roaming-Gebühren, Jahre zugebracht. Und die frühere Kommissarin Neelie Kroes, die Vorgängerin von Günther Oettinger, hat in einem, in einem wirklich verzweifelten Versuch alle zu begeistern, hier viel, viel Zeit verbracht. Aber die gute Nachricht heißt, die lettische Präsidentschaft hat jetzt der ganzen Sache, zusammen mit Günther Oettinger und Andrus Ansip, so auf die Sprünge geholfen, dass wir kurz vor einigen Einigungen stehen. Und es gibt eine sehr konstruktive Haltung, jetzt auch im europäischen Parlament, und wir müssen uns mit der Frage der Netzneutralität auseinandersetzen, wenn wir Spezialdienste anbieten wollen. Wenn wir Telemedizin machen wollen, wenn wir autonomes Fahren machen wollen, dann muss es sichere Bedingungen für große Datenmengenübertragungen geben, und deshalb kann man nicht sagen, wir kümmern uns darum nicht. Wir werden Fortschritte bei den Roaming-Gebühren haben, das wird ein erster Schritt sein. Aber die eigentliche Musik wird stattfinden jetzt, in ’ner Debatte um die Datenschutzgrundverordnung, um das Big-Data-Management, und da müssen wir aufpassen, dass wir in Europa nicht ein kleines wenig, ein klein wenig schizophren sind. Wir haben das schöne Safe-Harbour-Abkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika, das heißt, es können alle Daten aus Europa nach Amerika geschickt werden, dort zu neuen Produkten verarbeitet werden, und der europäische Kunde ist froh, mit diesen Produkten dann hantieren zu können. Wir müssen es schaffen, ein solches Big-Data-Management zu machen, dass unsere, dass Wertschöpfung hier auch in Europa stattfinden kann. Und da darf, sozusagen, nicht die, das Big-Data-Management gewinnen jetzt, in der Kompromissfindung, das den restriktivsten Zugang zu den Daten hat, sondern es muss ein fairer Kompromiss gefunden werden, der die Wertschöpfung aus anonymisierten Daten, das geht in Europa immer noch ganz genau, aber auch aus individualisierten Daten möglich macht, weil die Kunden werden individualisierte Applikationen fordern, und deshalb müssen wir an dieser Stelle gemeinsam denken und möglichst schnell vorankommen.
Nun brauchen wir natürlich, die gute Nachricht ist, die neue Kommission nimmt sich dieser Sache sehr intensiv an, der französische Präsident und ich hatten in der vergangenen Woche eine Diskussion mit dem European-Round-Table, bei der wir nur über die Fragen der Digitalisierung gesprochen haben, vom Wettbewerbsberecht bis, im übrigen auch, zum Steuerrecht, wo die ganze Frage der Verlustabschreibung von Start-Ups im Falle eines Unternehmen‑, also eines Kapitaleigentümerwechsels, in Europa auch nicht gut geregelt ist. Start-Ups wechseln des häufigeren ihre Kapitalseigner, und wenn dann sozusagen Verlustabschreibungen nicht zu übertragen sind, dann werden die, wird die Entwicklung der Start-Ups gehindert. Aber das muss auch in der, auf der europäischen Ebene diskutiert werden, und wir haben ganz, relativ ambitioniert, Jean-Claude Juncker war auch dabei, bei dieser Diskussion gesagt, wir treffen uns im Oktober wieder und machen dann eine Betrachtung, wo sind die Fortschritte und was haben wir erreicht.
Ich will damit nur sagen, das ist etwas, was sich die Bundesregierung mit ihrer digitalen Agenda auf die Fahnen geschrieben hat. Das ist etwas, was wir jetzt mit Leidenschaft und Nachdruck, auch in Europa, befördern. Und ich glaube, wenn wir noch weiter auch und Sie alle, wenn sie im europäischen Ausland sind, deutlich machen, dass es eine große Dringlichkeit hat, dann haben wir einige Chancen, Zeit aufzuholen, aber wir müssen natürlich feststellen, dass wir an dieser Stelle nicht diejenigen sind, die das Weltgeschehen bestimmen. Und das hängt natürlich mit einem zusammen, was auch in Deutschland stark ausgeprägt ist, in den USA ist, wenn ich das richtig verstehe, alles erlaubt, was nicht explizit verboten ist. Bei uns ist tendenziell erstmal alles verboten, was nicht explizit erlaubt ist.
Und das bedeutet natürlich, dass sie politisch Handelnde haben müssen, auch wirtschaftlich Handelnde haben müssen, die ein hohes Maß an Sachwissen haben, um immer vorauszusehen, was an Rahmensetzung gebraucht wird. Bei der rasanten Entwicklung der digitalen Gesellschaft und der Digitalisierung ist es aber nicht sichergestellt. Und deshalb komme ich zurück zu meinem Anfangsappell: Beschäftigen Sie sich intensiv damit und machen Sie es nicht zu einem Nebenthema in Ihren Unternehmen, denn schneller als Sie denken, werden diejenigen, deren Zulieferer Sie vielleicht sind, auf Sie zukommen und von Ihnen erwarten, dass sie in dem Gespräch der Maschinen sozusagen automatisch teilnehmen, dass Business To Business Communication normal ist, aber, vergessen wir auch in Europa nicht, der Kunde und die Schnittstelle zu ihm ist der eigentliche Anknüpfungspunkt, an dem die Wertschöpfung der Zukunft stattfinden wird, und wir wollen ja nicht, dass die deutsche Industrie sozusagen zum Schluss-Zulieferer für die Kundenwünsche ist, sondern sie soll ja Gesamtproduktion herstellen.
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: Europol rüstet auf: Nach Meldestelle für Internetinhalte soll bald „Anti-Terror-Zentrum“ folgen
Das "Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum" in Berlin-Treptow dient als Blaupause für die Pläne Europols. Wo st 01 / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0-DE, Verfassungsschutz berlin, CC BY-SA 3.0 DE : Europol rüstet auf: Nach Meldestelle für Internetinhalte soll bald „Anti-Terror-Zentrum“ folgen Die Pläne zur Einrichtung eines „Anti-Terror-Zentrums“ der Europäischen Union werden konkreter. Dies geht aus einem Dokument des EU-Terrorismusbeauftragten Gilles de Kerchove hervor, das die britische Bürgerrechtsorganisation statewatch verfügbar macht. Die Polizeiagentur Europol hatte einen solchen Vorschlag im März öffentlich gemacht, das Papier wurde bereits unter den Mitgliedstaaten diskutiert. Im April stellte die EU-Kommission ihre „Sicherheitsagenda“ vor. Auch dort wird das neue Zentrum erwähnt.
Unter dem Namen „EU Counter Terrorism Centre“ (ECTC) will Europol existierende Strukturen zum Phänomen der „ausländischen Kämpfer“ bündeln. Angeschlossen sind die nationalen Kontaktstellen jener Mitgliedstaaten, die für das Phänomen „ausländischer Kämpfer“ eigene Abteilungen aufgebaut haben. Soweit bekannt besteht über die Einrichtung des ECTC Konsens unter den 28 EU-Regierungen. Die Frage, ob Europol auch geheimdienstliche Daten verarbeiten darf, ist hingegen strittig. Einige Regierungen wollen hierfür lieber informelle europäische Netzwerke nutzen.
Mehr Daten über SWIFT abfragen
Europol betreibt unter dem Namen „Travellers“ eine eigene Datensammlung. Die dort verfügbaren Informationen bilden den Grundstock für das neue ECTC. Auch andere Datensammlungen werden genutzt, 14 Mitgliedstaaten machen etwa im Europol-Informationssystem von der Etikettierung als „ausländischer Kämpfer“ Gebrauch. Zusammen mit dem Bundeskriminalamt arbeitet Europol in einer von Italien geleiteten Arbeitsgruppe an sogenannten Risikoindikatoren. Damit sollen „ausländische Kämpfer“ an den Grenzen leichter erkannt werden. Ein Entwurf dieser Verdachtskriterien liegt nun vor, das Dokument soll alle vier Monate erneuert werden. Auch Norwegen, die Schweiz, Australien und US-Einwanderungsbehörden werden zum nächsten Treffen der Gruppe eingeladen. Allerdings ist der Einsatz dieser Risikoindikatoren womöglich rechtswidrig, jedenfalls müsste zuvor der Schengener Grenzkodex geändert werden.
US-Behörden, die EU-Grenzagentur Frontex und die Agentur für justizielle Zusammenarbeit Eurojust sind ebenfalls an „Travellers“ angedockt. Bald könnte auch Albanien teilnehmen. Jedoch wird die Datei nicht von allen Beteiligten gleichermaßen befüllt. Bisweilen stehen dabei auch rechtliche Probleme bei der Weitergabe der Daten im Weg. Europol arbeitet deshalb an einer Lösung zur sicheren Übermittlung und wird hierfür vermutlich sein verschlüsseltes IT-Netzwerk SIENA anbieten. Für die Analyse nutzt Europol Programme zur Mustererkennung, etwa um Reisegewohnheiten zu entdecken und Prognosen über die Betroffenen zu erleichtern. Europol will auch Zugang zu der anvisierten EU-Passagierdatensammlung.
Für entsprechende Analysen will Europol vor allem Finanzermittlungen einsetzen. Die Agentur wirbt dafür, verstärkt Daten mit den USA auszutauschen. Dort werden seit 2011 Daten aus Finanztransaktionen des belgischen Dienstleisters SWIFT gespeichert und verarbeitet. Auch europäische Behörden können in den USA entsprechende Daten oder Analysen anfragen. Mindestens 1.344 solcher „Aufklärungshinweise“ sind bereits aus den USA erfolgt, sie verteilen sich auf 12 Mitgliedstaaten.
Umsetzung innert weniger Monate
Anfragen können über das sogenannte FIU.NET koordiniert werden, in dem sich die „Financial Intelligence Units“ der Kriminalpolizeien organisieren. Zukünftig sollen die auf Finanzermittlungen spezialisierten Abteilungen Verdachtsmeldungen von Banken in Echtzeit erhalten. Diese sogenannte Ma3tch-Technologie erfordert aber sichere Datenleitungen, denn es werden mitunter hochvertrauliche Informationen verteilt.
Auch zur bei Europol geplanten „Meldestelle für Internetinhalte“ gibt es Neuigkeiten. Der Aufbau dieser „EU Internet Referral Unit“ (EU IRU) wird zwar erst seit März diskutiert, doch soll die Einheit bereits ab 1. Juli in Betrieb gehen. Zusammen mit den Kriminalämtern der Mitgliedstaaten sollen unerwünschte Inhalte im Internet geflaggt und die Provider zu deren Entfernung aufgefordert werden. Wie beim „Anti-Terror-Zentrum“ stehen zunächst „ausländische Kämpfer“ im Fokus.
Nun wird der Start im Juli als „Pilotphase“ bezeichnet. Eine zweite Phase soll dann Anfang 2016 folgen, die volle Einsatzbereitschaft ist für Juli 2016 angestrebt. Jedoch ist unklar, worin die Phasen genau bestehen sollen, selbst die Arbeitsweise der Meldestelle ist nicht definiert. Soweit bekannt hat auch das Bundeskriminalamt keine Kontaktstelle benannt.
„Inhalte vom Netz nehmen, wenn Regierungen sie darum bitten“
Trotzdem soll der kurze Draht zu den Internetfirmen weiter ausgebaut werden. Die EU-Kommission plant deshalb ein „Forum der Internetdienstleister“, ohne dass klar wäre, wer hierzu überhaupt eingeladen wird. Bekannt ist aber, dass auch das Thema „Bedeutung von Verschlüsselung für Strafverfolgungsbehörden“ auf der Agenda steht.
Eigentlich werden Propagandavideos oder Filme von Gräueltaten durch die Provider selbst entfernt. Obwohl sie über keine rechtliche Handhabe verfügen, reicht das manchen Regierungen nicht aus. Zuletzt hatte dies der Bundesinnenminister nach einem Treffen mit dem US-Heimatschutzministerium erklärt:
Wir können und wollen nicht gesetzlich vorschreiben, welche Inhalte bei Internetdiensten gezeigt werden und nicht. Aber wir appelieren an die humanitäre Verantwortung, an die ethische Verantwortung, bestimmte Inhalte vom Netz zu nehmen, wenn Regierungen sie darum bitten. Das hat ganz gut funktioniert bei Kinderpornographie, das funktioniert noch nicht gut genug beim Kampf gegen internationalen Terrorismus.
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: Creative-Commons-Lizenzen und Verwertungsgesellschaften
Creative Commons führt das Volk. Bild: Eugène Delacroix. Bearbeitung: Ju gatsu mikka. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">BY-SA 3.0</a>. : Creative-Commons-Lizenzen und Verwertungsgesellschaften Da die EU-Mitgliedsstaaten bis April 2016 Zeit haben, die neue EU-Richtlinie zur kollektiven Rechtewahrnehmung umzusetzen, haben sich Prof. Axel Metzger und Tobias Heinemann in einer gerade erschienenen Analyse den Status Quo und die denkbaren Optionen für die Zukunft angesehen. Es geht dabei vor allem um die Vorgabe der Richtlinie, nach der Urheberinnen und Urheber zukünftig trotz Mitgliedschaft in einer Verwertungsgesellschaft (VG) nicht-kommerzielle Freigaben selbst vornehmen können sollen. Hier fragt sich, ob, wie und durch wen CC-Lizenzen mit der Einschränkung „NC“ eingesetzt werden können, um nicht-kommerzielle Nutzungen zu erlauben.
Kern der Problematik ist nach der Analyse die allumfassende Rechtewahrnehmung, die zumindest in Deutschland mit einer Mitgliedschaft bei Verwertungsgesellschaften meist einher geht. Sie lässt es in der Regel schlicht nicht zu, dass das jeweilige VG-Mitglied parallel auch eigene Lizenzen vergibt. Einzelne Werke ganz aus der VG herauszunehmen, geht aber oft ebenso wenig (siehe auch Beitrag dazu bei irights.info) Allerdings gebe es durchaus Unterschiede zwischen den verschiedenen Werkgattungen. Vor allem bei der Zweitverwertung von Texten sei vieles schon nach heutiger Ausgestaltung des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes (UrhWahrnG) und der Wahrnehmungsverträge der VG Wort möglich, so die Autoren des Papers.
Es wird deutlich, dass dem gegenüber gerade die GEMA (und mit ihr die GVL) besonders auf ausschließliche Wahrnehmung auch für solche Nutzungen setzt, die als nicht-kommerziell angesehen werden können und nach der EU-Richtlinie in Zukunft auch durch die GEMA-Mitglieder in Eigenregie zu erlauben sein sollen. Das Paper benennt auch die dazu von der GEMA immer wieder beschworene Gefahr des „Cherry Picking“. Gemeint ist das Szenario, dass besonders erfolgreiche und damit für die Solidargemeinschaft der GEMA-Mitglieder ertragreiche Musiktitel zukünftig durch die Mitglieder aus dem Repertoire genommen und selbst vermarktet werden.
Erster Exkurs in eigener Sache: Wie bereits in früheren Diskussionen zwischen CC DE und GEMA immer wieder betont wurde, ist alles andere als klar, warum gerade die „Kirschen“, also die erfolgreichen Titel für eine nicht-kommerzielle Freigabe interessant sein sollten. Gerade wenn das Argument stimmen würde, dass eine solche Freigabe dem Verschenken gleichkomme, wie Vertreter der GEMA wiederholt sagten, erscheint ein Herausnehmen aus dem Repertoire wenig sinnvoll zu sein. Wer verschenkt schon gerne seine lukrativsten Stücke? Das Paper von Metzger und Heinemann bietet in diesem Zusammenhang die Erklärungsvariante der GEMA an, dass solch erfolgreiche Stücke dann als kostenlose Zugpferde für Konzertpromotion, Merchandise und ähnliche angedockte Einnahmen der GEMA-Wahrnehmung entzogen werden könnten. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob ein Herausnehmen aus dem Repertoire wirklich so viel mehr Publicity bringt (die ja auch bei Verbleib in der GEMA nicht unbedingt gering ist), dass es den Verlust einer Beteiligung etwa an den Radio-Erlösen wirklich lohnt, für die die GEMA dann ja nichts mehr ausschütten würde.
Auch die Autoren des Papers bleiben im Ergebnis eher skeptisch. Sie schließen sich jedoch der Forderung verschiedener VGs an, dass die genaue Bedeutung von „nicht-kommerzielle Nutzung“ genauer definiert werden sollte. Die Richtlinie bleibt an dieser Stelle noch deutlich unklarer als die viel diskutierte NC-Bedingung in den CC-Lizenzen. Auch über letztere wird oft gesagt, sie sei zu ungenau.
Zweiter Exkurs in eigener Sache: Übersehen wird dabei in der Regel, dass die Ungenauigkeit ihren Sinn darin hat, verschiedenen Communities von Kreativen und ihren Nutzern Raum zu lassen, ihre jeweiligen eigenen Normen zur Bedeutung von „kommerziell“ in die Lizenzbeziehungen zwischen Lizenzgebern und ‑nehmern einfließen zu lassen. Die CC-Lizenzen würden insofern auch für VGs ausreichend Raum lassen, ihre jeweiligen Vorstellungen über kommerziell versus nicht-kommerziell innerhalb des vom Lizenztext gesteckten Rahmens (am besten demokratisch) selbst festzulegen. Das wäre allerdings kaum noch möglich, wenn bei der Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht bereits auf gesetzlicher Ebene eine Definition von „nicht-kommerziell“ vorgenommen würde, die genauer und damit enger ist als der in den CC-Lizenzen gesteckte Rahmen. Die Lizenzen würden dann äußerlich mehr erlauben als gesetzlich vorgesehen ist. Da dann massenhaft, nämlich bei allen VG-Mitgliedern, mit einem sogenannten „verdeckten Einigungsmangel“ zwischen Lizenzgebern und Lizenznehmern zu rechnen wäre, könnten CC-Lizenzen nicht verwendet werden, um die nicht-kommerzielle Freigabe im Sinne der Richtlinie praktisch umzusetzen. Es müssten eigene NC-Lizenzen dafür geschaffen werden, im Zweifel also ein europaweiter Flickenteppich. Darauf hat CC DE das Bundesjustizministerium auch bereits im Rahmen einer Anhörung letztes Jahr hingewiesen.
Das Paper weist auf zusätzliche Gründe wie Kündigungsmöglichkeiten bestimmter Online-Nutzungsrechte hin, die nach dem derzeitigen Sachstand gerade der GEMA-eigenen Regeln zu einer Unverträglichkeit mit sowohl der neuen Richtlinie als auch CC-Lizenzen führen. Zudem werden die Unterschiede zwischen Text- und Musikverwertung in Deutschland auch in ihrer historischen Genese beleuchtet. Weiter geht es mit einer Beschreibung der drei CC-Pilotprojekte, die VGs in den Niederlanden, Dänemark und Frankreich gemeinsam mit CC durchgeführt haben. Das Fazit hierzu fällt gemischt aus. Einerseits sei ein Zusammengehen von CC-Lizenzierung und klassischem VG-Betrieb durchaus möglich, wenn alle Beteiligten nur wollen. Andererseits hätten sich( eher weniger VG-Mitglieder an den Pilotprojekten beteiligt (zu diesem Punkt bringt das Paper den immer wieder auftauchenden Hinweis, dass die geringe Beteiligung auch damit zu tun haben dürfte, dass viele entsprechend interessierte Kreative schlicht gar nicht erst in VGs organisiert sind).
Nach einer detaillierten Darstellung der Entstehungsgeschichte der neuen Richtlinie und ihrer Regel zu nicht-kommerzieller Eigenlizenzierung durch Kreative schließt das Paper mit einer Diskussion der Umsetzungsmöglichkeiten. Neben dem Für und Wider einer genaueren Definition von „nicht-kommerziell“ auf gesetztlicher Ebene bzw. eine Ebene tiefer durch die jeweiligen VGs selbst wird auch auf die Erwägungsgründe der neuen Richtlinie verwiesen, die eher für eine Festlegung auf der tieferen Eben sprechen. Auch die erst vor Kurzem in Deutschland entstandene Rechtsprechung zur NC-Klausel von CC-Lizenzen wird vorgestellt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die EU-Mitgliedsstaaten aufgrund der Richtlinie verpflichtet seien, den in VGs organisierten Kreativen zudem effektive rechtliche Mechanismen zur Verfügung zu stellen, um die neuen Freiheiten notfalls gegenüber ihrer VG erstreiten zu können.
Zur praktischen Umsetzung im Verhältnis VG zu Mitgliedern zeigt das Paper verschiedene Möglichkeiten auf (von vorn herein limitierte Rechteeinräumung an die VG contra Rückeinräumung der für NC-Freigabe nötigen Rechte nebst Unterlizenzierungsbefugnis) und stellt die berechtigte Frage, ob die nicht-kommerzielle Rechteeinräumung ausschließlich beim Mitglied liegen müsse oder nicht. Kurz wird auch auf den Ansatz der im Aufbau befindlichen neuen VG C3S hingewiesen und darauf, dass dieser sich auf Wahrnehmung einzelner statt aller Werke eines Mitglieds gründet.
Das Paper schließt mit einem Ausblick und der Einschätzung, dass es auch Sache der Rechtsprechung sein wird, den neuen Regelungen klare Formen zu geben. Um hier mitwirken zu können, empfehlen die Autoren den VGs und ihren Mitgliedern, pro-aktiv in Verhandlungen darüber zu treten, wie die relevanten unbestimmten Rechtsbegriffe zu verstehen sein sollen.
Dieser Beitrag erschien zeitgleich im Blog von Creative Commons Deutschland
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: ENDitorial: Von Copywrong zu Copyright?
: ENDitorial: Von Copywrong zu Copyright? Ich habe zwei 12 Jahre alte Kriminelle in meiner Küche und das kann nicht rechtens sein.
Jonathan Worth, professioneller Fotograf
Die erste Runde der Debatten um die Copyright-Reform im europäischen Parlament hat ihre letzten Züge erreicht. Am 19. Mai wurde die von Pavel Svoboda erstellte Studie über die Durchsetzung bzw. die Strafverfolgung bei Copyright-Verstößen veröffentlicht. Die Studie beinhaltet sowohl negative als auch positive Aspekte, die berücksichtigt werden müssen.
Dieser Beitrag von Diego Naranjo erschien zuerst am 3. Juni 2015 bei edri.org, die deutsche Übersetzung stammt von Daniel Hawiger.
Unter den negativen Aspekten finden wir stark vereinfachte Aussagen, z.B. dass die Verletzung geistigen Eigentums wirtschaftliches Wachstum behindern würde. Tatsächlich ist die Situation viel nuancierter. Beispielsweise hat die langsame Anpassung der Musikindustrie an die neue Situation zu vielen Copyright-Verstößen bzw. ‑verfahren geführt, während der Musikmarkt sich angepasst hat. Die Umsätze von Konzerten/Liveshows stiegen über die letzten Jahre sogar an. Ohne dass jedoch eine klare Definition für diese Konzepte existiert, werden die omnipräsenten Mantras „follow the money“ und „commercial scale“ nun im selben Absatz (Absatz 3) zusammengefasst. Niemand hat versucht, zu definieren was „follow the money“ überhaupt bedeutet, während sogar die Europäische Kommission zugegeben hat, dass ihre neun Jahre alte Definition von „commercial scale“ wahrscheinlich nicht ausreichend ist.
Es erscheint so, als würde man sich generell positiv auf generell eher kritisierenswerte Vorgänge zu den Copyright-Verletzungen beziehen. Vor allem wenn man die zahlreichen Mängel in großen Teilen der Ergebnisse der Beobachtungsstelle, die unnötige Unterwürfigkeit und sogar schlimmer, die Rufe nach einem Rahmenwerk für eine neue Art von „Geistigem Eigentum“ bedenkt. All das erscheint, gelinde gesagt, deplaziert und schlecht informiert. Auch unter der Bezugnahme auf eine Studie, die das in keinster Weise erwähnt, wird gesagt, es gebe einen „Mangel an Bewusstsein“ der jüngeren Generation bezüglich der Relevanz von Copyright-Verletzungen. Außerdem scheint es so, als würde man die Ergebnisse der Konsultation zur Überprüfung des EU-Copyrights schlichtweg ignorieren, obwohl damals tausende Nutzer ein an das 21. Jahrhundert angepasstes, rechtliches Rahmenwerk für geistiges Eigentum verlangt haben. Und letztendlich dann der Aufruf zur Zusammenarbeit an die Haupt-Internetakteure, der etwas zu sehr nach der guten alten Forderung auf privatisierte Strafverfolgung klingt, sowie nach dem noch immer undefinierten Ruf „follow the money“.
Unter den positives Aspekten, die von der Studie präsentiert werden, befinden sich die Rufe nach einer Balance zwischen Grundrechten und privatisiertem Strafvollzug (Absatz 10), auch wenn das besser klingt als es ist, da unklar ist, was dies überhaupt bedeuten soll. Auch findet sich Unterstützung für attraktive gesetzmäßige Angebote, die unauthorisierte Benutzung von Inhalten zu bekämpfen (Absatz 37). Auch findet sich Unterstützung für ein übergreifendes rechtliches Rahmenwerk zu Copyright-Verletzungen in einer an das Internet angepassten Umgebung. Es soll in vollen Umfang Grundrechte und ‑freiheiten, faire Gerichtsverhandlungen, eine generelle Verhältnismäßigkeit und Datensicherheit garantieren (Absatz 57). Abschließend fragt die Studie nach Maßnahmen, die „garantieren, dass alle Interessensgruppen durch eine ausgeglichene Herangehensweise ihre Interessen wahren können und im Speziellen garantieren, dass Konsumenten ihr Recht wahrnehmen können, auf Inhalte zuzugreifen.“ (Absatz 58)
Das Plenum des europäischen Parlaments wird am 7 Juni über den Bericht abstimmen.
Andererseits wurde Julia Redas Bericht zur Implementierung der sogenannten InfoSoc-Direktive (auf Grundlage des EU-Copyrights) verschoben. Das European Parliament Committee on Legal Affairs (JURI) wird nun am 16. Juni darüber entscheiden. Die kürzlich online gegangene Webseite copywrongs.eu beinhaltet eine gute Zusammenfassung von konkreten Vorschlägen zur Harmonisierung von Erwartungen und Einschränkungen für ein modernisiertes EU-Copyright-Rahmenprogramm. Dieses neue Rahmenprogramm sollte eines sein, in dem der Großteil der Bürger nicht unter dem Generalverdacht steht, gegen bestehendes (Urheber-)Recht zu verstoßen, wenn sie Dinge tun, die legal scheinen oder sind. Dazu zählt etwa das Erstellen von Privatkopien oder die Wiederverwendung von rechtlich geschütztem Material zu parodierenden Zwecken. Copywrongs.eu bietet ebenfalls einen Dienst an, mit dem es möglich ist, direkt Abgeordnete des EU-Parlaments zu kontaktieren und seinem eigenen Standpunkt zu dieser Thematik Ausdruck zu verleihen. Dieser Dienst, bzw. das Tool, wurde von EDRi-Observer La Quadrature du Net entwickelt.
Gemessen an dieser Unverhältnismäßigkeit zwischen den Lobbyisten des Rechtsberatungssektors und jenen, die sich für einen gerechteren Umgang einsetzen, wird dieses Tool dabei helfen, die Stimme der Bürger zu stärken. Da die Abstimmung des Parlaments kurz bevor steht, ist es jetzt an der Zeit, sich über das Handbuch zum Copyright und mithilfe von copywrongs.eu zu informieren und sich jetzt für ein modernisiertes EU-Copyright zu engagieren.
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: Letzte Fassung des Ratsvorschlages zur EU-Datenschutzgrundverordnung veröffentlicht
: Letzte Fassung des Ratsvorschlages zur EU-Datenschutzgrundverordnung veröffentlicht Statewatch.org hat die letzte Fassung des Vorschlags für eine EU-Datenschutzgrundverordnung des Rates der EU veröffentlicht. In dem Dokument mit Stand 1. Juni befinden sich noch zahlreiche Fußnoten, die einiges über die Positionen der einzelnen Länder verraten. In den letzten Monaten ist immer mehr zu Tage getreten, dass einige Mitgliedsstaaten – ganz vorn dabei Deutschland – unter Lobbyeinfluss versuchen, den Text der Verordnung zu verwässern, so dass „wirtschaftsfreundlich“ schwächerer Datenschutz die Folge sein könnte.
Am 15./16. Juni wird es eine Abstimmung des Rates über das Dokument geben. Nach der Einigung im Rat beginnt die Trilog-Phase, in der sich Parlament, Rat und Kommission nochmals einigen müssen.
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: Fünf Mythen zur Netzneutralität: Ein offenes und neutrales Internet ist möglich
: Fünf Mythen zur Netzneutralität: Ein offenes und neutrales Internet ist möglich
In Brüssel finden heute Trilog-Verhandlungen zwischen Kommission, Rat und Parlament statt. Und für die Netzneutralität sieht es nicht gut aus, weil die Berichterstatterin fürs Parlament, eine spanische konservative EU-Abgeordnete, eher die Interessen von Telefonica vertritt als die Position des Parlaments. Bleibt zu hoffen, dass nicht der Worst Case dabei rauskommt. Wenn bei den Trilog-Verhandlungen ein schlechter Deal zu Netzneutralität raus kommt, muss der zwar noch durchs Parlament. Aber es ist unklar, ob dort dann die Position vom vergangenen Jahr aufrecht erhalten werden kann. Das liegt u.a. daran, dass Teile des Parlaments neu gewählt sind, andere interessiert das Thema einfach nicht soviel, um gegen einen Kompromiss zu stimmen, den eine Berichterstatterin fürs Parlament verhandelt hat. Dagegen könnt Ihr was unternehmen, indem Ihr vor allem EU-Abgeordnete von CDU, CSU und SPD kontaktiert und denen klar macht, dass Netzneutralität ein wichtiges Zukunftsthema ist. Auf savetheinternet.eu finden sich viele hilfreiche Argumente und Kontaktmöglichkeiten, auch per Fax.
European Digital Rights erklärte gestern: Net Neutrality – building on success.
The European Parliament now has a choice either to defend a history of successful liberalisation, defend the position that accepted by large majority just last year, and defend a position that will set an example for the world. Or not. Dear Members of the European Parliament: You made the promise to deliver Net Neutrality. Do not succumb to pressure. History is on your side. Citizens are on your side.
Auf einer Veranstaltung des bankenverbandes in Berlin hat heute unser Digitalkommissar Günther Oettinger nochmal klargestellt:
„Man will den Sozialismus durch die Tür der Neutralität einführen.“
Wir haben die EU-Kommission angefragt, ob sie uns näher erklären können, was er damit genau gemeint hat. Vielleicht bekommen wir dieses Mal eine Antwort. In der Regel hören wir von der Kommissions-Pressestelle nur, dass unser Anliegen weitergeleitet wurde. Update: Haben Antwort bekommen. Mussten aber Rückfrage stellen und warten auf Antwort. Dann gerne mehr.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat heute „Fünf Mythen zur Netzneutralität“ beantwortet und kommt zu dem Ergebnis: „Ein offenes und neutrales Internet ist möglich“.
„Viele Argumente gegen einen freien Zugang zum Netz entpuppen sich bei genauem Hinsehen als Mythen. Netzneutralität ist weder ein Hindernis für den Breitbandausbau, noch gefährdet sie die Verkehrssicherheit oder die schnelle Übertragung lebenswichtiger Gesundheitsdaten. Und trotz aller Beteuerungen zahlen Verbraucher am Ende drauf, wenn Anbieter ihre Dienste gegen Bezahlung bevorzugt durchs Netz schicken können“, sagt Ilja Braun, Referent im Team Digitales und Medien beim vzbv.
Immer noch aktuell ist „Netzneutralität tötet“, ein Video von Alexander Lehmann, das ebenfalls mit Mythen der Gegner aufräumt. Teilt das Video und teilt den Link zu savetheinternet.eu!
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: #rp15: Ulrike Guérot – The European Republic is under construction
: #rp15: Ulrike Guérot – The European Republic is under construction Das Motto der vergangenen re:publica war ja „Finding europe“. Deshalb gab es auch Vorträge, die nicht explizit etwas mit dem Netz oder Netzpolitik zu tun hatten, sondern auch mit der Idee und Utopie von Europa bzw. der EU an sich. Eine Video-Empfehlung ist der Vortrag der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot vom European Democracy Lab, die darin für eine andere EU warb: The European Republic is under construction.
Europa, wir kommen! Der Krise und dem Kleinmut zum Trotz – wir glauben daran und wollen es zeigen: ein Europa der unbegrenzten Möglichkeiten, das verschiedene Sprachen, Kulturen und Traditionen zu einem selbstbewussten politischen Gemeinwesen zusammenfasst, das von der Konkurrenz der Nationalstaaten zur Kooperation der Regionen heranreift, das Chancengleichheit, unterschiedliche Geschwindigkeiten und Identitäten unter dem Dach einer starken europäischen Republik ermöglicht! European integration was yesterdays’ word, European democracy is tomorrows’.
Es geht nicht mehr darum, Staaten zu integrieren, sondern Bürger zu einen. Ihr wollt wissen wie? Wir wollen den Zeitgeist des Internets, der partizipatorischen Demokratie und Europa zu einem großen Dreiklang verbinden, aus der eine neue europäische Erzählung hervorgeht, schön, sozial, demokratisch und für alle greifbar: als Träumer sind wir die eigentlichen Realisten! Wir bauen an der modernsten Demokratie der Welt, der ersten transnationalen polity.
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: Michel Reimon: EU-Verhandlungen zur Netzneutralität verlaufen „katastrophal“
<a href="https://savetheinternet.eu/de/">savetheinternet.net</a> : Michel Reimon: EU-Verhandlungen zur Netzneutralität verlaufen „katastrophal“
In der EU sind die Trilog-Verhandlungen zur Netzneutralität und generell dem Telecom-Single-Market gestartet. Dabei geht es nicht nur um Verhandlungen zwischen Rat, Kommission und Parlament rund um die Frage, ob wir Regeln zum Schutz der Netzneutralität brauchen, sondern auch um die Frequenzen und Roaming. Wir haben Michel Reimon, österreichischer EU-Abgeordneter und zuständiger Berichterstatter der Greens/EFA-Fraktion zum aktuellen Stand der Verhandlungen interviewt.netzpolitik.org: Vor einem Jahr hat das EU-Parlament mit großer Mehrheit für klare Regeln zum Schutz der Netzneutralität gestimmt. Vor wenigen Monaten hat der EU-Rat fast das Gegenteil beschlossen. Das bedeutet, ein Trilog soll einen Kompromiss finden. Wie läuft der Trilog?
Michel Reimon: Katastrophal. Das Parlament hat eine sehr gute Position für abgesicherte Netzneutralität und das Ende der Roaming-Zuschläge in Europa beschlossen. Eine Allianz aus Konservativen und Telekom-Lobbys versucht, das zu verhindern.
In einem Trilog soll die Kommission zwischen dem Parlament und den 28 Regierungen vermitteln. Vom zuständigen Kommissar Günter Oettinger bzw. seinen Beamten kommt nichts. Ein paar inoffizielle Vorschläge, oft erst Minuten vor einer oder sogar nach einer Sitzung, das war es. Am Dienstag soll die letzte Verhandlungsrunde stattfinden und Oettinger ist weiter auf Tauchstation.
Für das Parlament verhandelt eine Berichterstatterin, die spanische Konservative Abgeordnete Pilar del Castillo. Die sollte die beschlossene Parlamentsposition vertreten und Kompromisse suchen. Dazu sollte sie sich mit den Zuständigen aus jeder Partei koordinieren. Stattdessen wirft sie alle Positionen über Bord und verhält sich, als ob sie die Deutsche Telekom oder die spanische Telefónica zu vertreten hätte. Einwände aus anderen Fraktionen, dass sie nicht mehr den Parlamentsbeschluss vertritt, lächelt sie höflich weg.netzpolitik.org: Umstritten sind im Rahmen des Digitalen Binnenmarktes Frequenzen, Roaming und Netzneutralität. In welcher der drei Debatten hat sich denn bisher in den Trilog-Verhandlungen das EU-Parlament durchgesetzt?
Michel Reimon: In keinem einzigen. Es begann damit, dass die Regierungen die Verwaltung der Frequenzen auf EU-Ebene nicht mal diskutieren wollten. Dafür wollten die meisten Fraktionen einen Preis verlangen, nämlich die Garantie der Netzneutralität. Del Castillo hat das einfach so akzeptiert. Dann wollten die Regierungen die Abschaffung von Roaming verzögern. Alle waren gesprächsbereit beim exakten Datum, wenn wir dafür die Absicherung der Netzneutralität bekommen. Del Castillo ist auf Ratslinie eingeschwenkt, ohne irgendeinen Preis zu verlangen.
Und jetzt verlangt die lettische Ratspräsidentschaft: Das Wort „Netzneutralität“ darf nicht vorkommen, Spezialdienste und Zero Rating sollen erlaubt sein, Parental Control und ähnliche Content-Filter sollen installiert werden (…) und die Konservativen und Rechtskonservativen wollen zustimmen. Unterm Strich ist das in allen drei Punkten das Gegenteil des Parlamentsbeschlusses.
netzpolitik.org: Wenn die Berichterstatterin des Parlaments dessen Positionen nicht ausreichend in den Kompromissverhandlungen vertritt, kann sie denn abgelöst werden – oder was ist das genaue Verfahren?
Michel Reimon: Der Bericht wurde an die Konservativen vergeben, zuerst müssten die das diskutieren. Da ist del Castillos Verhalten ja auch nicht unumstritten. Formal lässt sie sich aber nichts zuschulden kommen. Wir müssen also eher sicherstellen, dass sie keine Mehrheit in Ausschuss und Plenum findet.
netzpolitik.org: Zu einem Trilog gehört ja auch die EU-Kommission. Wie ist denn deren Position bei Netzneutralität?
Michel Reimon: Wie gesagt, offiziell legt die Kommission nichts vor. Dass Oettinger für Spezialdienste ist und digitale Bürgerrechtler für Taliban hält, ist ja bekannt, aber er lässt die Regierungen, vor allem die lettische Ratspräsidentschaft, die Drecksarbeit erledigen.
netzpolitik.org: Günther Oettinger fordert immer, dass es Ausnahmen bei Special Services für Dienste mit öffentlichem Interesse geben solle. Wir haben bisher dazu keinerlei Definition von Seiten der EU-Kommission gesehen. Habt Ihr mal was konkretes gesehen?
Michel Reimon: Nein, nichts. Ich weiß nicht, was Günther Oettinger seit zehn Monaten arbeitet. Das ist inhaltlich ein großes schwarzes Loch.
netzpolitik.org: Wo stehen denn die Fraktionen aus Ihrer Sicht im Moment?
Michel Reimon: Die Konservativen stehen mehrheitlich auf Seiten der großen Telekom-Konzerne und wollen das Roaming beibehalten und Netzneutralität abschaffen. Die Rechtskonservativen von der European Conservatives and Reformists Group stimmen dem zu, wenn sie dafür Zensurmaßnahmen bekommen, denen geht es vor allem um den Kampf gegen Pornographie. Alle anderen Fraktionen stehen zur beschlossenen Position des Parlaments, sind nur unterschiedlich konstruktiv und kompromissbereit. Für die Grünen verhandle ich – und ich sehe keine Kompromiss-Möglichkeit mehr. Die Frequenzen halte ich für zweitrangig und beim Termin für das Roaming-Ende würde ich beide Augen zudrücken – wenn ich dafür eine gesetzlich garantierte Netzneutralität bekomme. Das ist unverhandelbar. Wenn die Berichterstatterin hier nachgibt, werde ich das Ergebnis auf allen Ebenen bis zur Abstimmung im Plenum bekämpfen.
netzpolitik.org: Wie ist denn der derzeitige Fahrplan, um die Trilog-Verhandlungen zu einem Ende zu bringen?
Michel Reimon: Am Montag gibt es nochmal eine Gesprächsrunde der Fraktionen, am Dienstag ist die letzte Trilog-Runde. Geplant ist, dass sich die Berichterstatterin und der Rat da einigen, dann muss dieses Ergebnis in den Ausschuss und dann ins Plenum. Das könnte noch vor dem Sommer, eher aber bis September klappen. Das ist ihr Plan. Meiner ist, das zu verhindern und die Verhandlungen im Herbst neu zu starten.
netzpolitik.org: Werden wir in der EU am Ende klare Regeln zum Schutz der Netzneutralität haben, so wie die Federal Communications Commission sie vor kurzem beschlossen hat und einzelne EU-Staaten wie die Niederlande oder Slowenien sie bereits eingeführt haben?
Michel Reimon: Solange wir die nicht haben, ist es nicht das Ende :-)
netzpolitik.org: Aus Sicht eines EU-Abgeordneten: Was kann man konkret als Bürger/in machen, um sich für klare Regeln einzusetzen?
Michel Reimon: Machen Sie direkt Druck auf die Abgeordneten des EU-Parlaments, vor allem auf SozialdemokratInnen und Liberale. Die werden den Konservativen die Mehrheit beschaffen müssen. Schreiben Sie ihnen, am Besten persönlich.
netzpolitik.org: Vielen Dank für das Interview. Mehr zum Thema findet sich bei savetheinternet.eu.
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: Geleaktes Dokument des Rates der EU könnte Pornofilter in Großbritannien in Gefahr bringen
Quelle: <a href="http://www.thehungryandfoolish.com/2012/03/20/bizarre-censored-words-chinese-internet/">The Hungry and Foolish</a> : Geleaktes Dokument des Rates der EU könnte Pornofilter in Großbritannien in Gefahr bringen Laut The Sunday Times will die EU das Blockieren von anstößigem Material für Mobilfunk- und Internetunternehmen verbieten. Die Zeitung beruft sich dabei auf ein geleaktes Policy-Dokument des Rates der EU vom 17. Mai 2015, in dem stehe, dass der Endnutzer die volle Kontrolle über seinen Internettraffic haben soll, also auch Jugendfiltern explizit zustimmen muss, wenn er diese nutzen will.
Das würde die Praktiken Großbritanniens, Pornographie großflächig zu blocken, hinfällig machen. Dort gibt es bei den meisten Internetprovidern voreingestellte Jugendfilter, die jedoch nicht nur Pornographie, sondern auch andere kritische Inhalte wie Webseiten zu Essstörungen, Alkohol, Suizid, Esoterik, Aufklärungsseiten und Zensurumgehungstools unzugänglich machen (sollen).
David Cameron, dem britischen Premierminister, dürfte das Dokument des Rates gar nicht passen. Denn der will Filter, die bereits auf dem Server des Providers umgesetzt sind. Der Nutzer hat damit keinen direkten Einfluss mehr auf das Blocking und müsste aus Eigeninitiative seinen Provider kontaktieren, um den Filter abschalten zu lassen. Ein Vertreter des britischen Department for Culture, Media and Sport sagte:
The UK government will not support any proposals that do not allow us to maintain our child protection policies or bring forward new policies.
Regierungsberater John Carr dazu:
The prime minister and children’s organisations have been campaigning for it, and the industry have been willing to do it. It seems incredible that an obscure measure from Brussels could bring all this to a halt.
Da fragt man sich, was hier obskur ist: Die Verteidigung eines freien Internets – niemand hindert jemanden daran, die Filter nach Zustimmung anzuschalten! – oder der Aufbau einer intransparenten Zensurinfrastruktur, die zum Over-Blocking neigt und für andere Zwecke missbraucht werden kann.
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: Günther Oettinger fordert Aufklärung über Geheimdienst-Spionage gegen die EU-Kommission
fff : Günther Oettinger fordert Aufklärung über Geheimdienst-Spionage gegen die EU-Kommission Am Pfingstsonntag vertraute der EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft und CDU-Präsidiumsmitglied Günther Oettinger einer Zeitung an, dass er Angst habe, wirklich Vertrauliches am Mobiltelefon zu besprechen. Man teste daher nun sog. Krypto-Handys, also Mobiltelefone mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Er sagte der „BILD am Sonntag“ wörtlich:
Günther Oettinger. Bild: Piotr Drabik. Lizenz: CC BY 2.0.
Oettinger: Am Telefon spreche ich wirklich Vertrauliches nicht aus. In der Kommission testen wir gerade Krypto-Handys, die es den Abhörern schwer machen.
Die Frage, ob Oettinger tatsächlich eine zusätzliche „Kryptierung“ für seine Gespräche braucht, kann man allerdings angesichts der natürlichen Verschlüsselung seiner Sprache zur Diskussion stellen.
Der EU-Kommissar stellt sich zugleich in die Reihe der NSA-BND-Kritiker und fordert Aufklärung über die Geheimdienstpraktiken gegen die EU-Kommission. Er hatte sich zur BND-Affäre zuvor schon kritisch geäußert und für die EU-Kommission eine Unterrichtung aus Berlin gefordert, ob Informationen aus Brüsseler Behörden ausspioniert worden seien. Nun betonte der CDU-Mann erneut:
Oettinger: Wir haben ein berechtigtes Interesse, zu erfahren, ob Spionage-Maßnahmen gegen die Kommission ergriffen wurden.
Oettinger kündigte in der „BILD am Sonntag“ außerdem an, die Roaming-Kosten EU-weit langfristig senken zu wollen. Das berichtet auch die „Welt“, ohne jedoch Oettingers Aussagen zur Geheimdienstspionage zu erwähnen.
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: Zurück aus der Zukunft : Digital Rights News von 2025
: Zurück aus der Zukunft : Digital Rights News von 2025
European Digital Rights feiert heute die 300. Ausgabe des EDRi-grams mit einer Spezialausgabe und eBook-Veröffentlichung. Sechzehn Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft berichten zurück aus dem Jahr 2025. Netzpolitische Science Fiction vom Feinsten!Das Buch startet mit einem Vorwort von Dunja Mijatović, der Beauftragten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die Freiheit der Medien, und enthält Beiträge von:
Hans de Zwart, Simon Davies, Jillian C. York, Cory Doctorow, Katarzyna Szymielewicz, Joe McNamee, Jesper Lund, Kirsten Fiedler, Erich Moechel, Raegan MacDonald, Estelle Massé, Douwe Korff, Bogdan Manolea, Monica Horten and Annie Machon.Das Buch gibt es als eBook (.epub, DRM-frei bei epubli) und als pdf-Version (pdf).
Das EDRi-gram ist der zweiwöchentliche Newsletter des europäischen Dachverbands, der in Brüssel stellvertretend für 33 Organisationen aus ganz Europa Grundrechte im digitalen Zeitalter verteidigt. Seit 2003 wird der Newsletter versandt, der über positive wie auch negative netzpolitische Entwicklungen in ganz Europa berichtet. Zum EDRi-gram tragen regelmäßig Aktivisten, EDRi’s Mitglieder und Gastautoren bei, um aus ihrem Heimatland zu berichten.
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: EU-Kommission gefährdet mit Vorschlag zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen Pressefreiheit und Whistleblower
Nicht den Mund verbieten lassen, leistet Widerstand! <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/">CC BY-ND 2.0 via flickr/</a><a href="https://www.flickr.com/photos/cutiemoo/3111207407">cutiemoo</a> : EU-Kommission gefährdet mit Vorschlag zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen Pressefreiheit und Whistleblower Correct!v ruft dazu auf, gegen eine geplante neue EU-Richtlinie zu protestieren. Sie gefährdet die Pressefreiheit sowie die Rechte von Whistleblowern, indem sie Regelungen „über den Schutz vertraulichen Know-hows und vertraulicher Geschäftsinformationen (Geschäftsgeheimnisse) vor rechtswidrigem Erwerb sowie rechtswidriger Nutzung und Offenlegung“ treffen will.
Der Entwurf der Richtlinie, der bereits 2013 von der Kommission veröffentlicht wurde, war bisher weithin unbeachtet. Er stammt aus der Feder einer Anwaltskanzlei, Baker&McKenzie, und ist auf größtmöglichen „Schutz“ von Geschäftsgeheimnissen ausgelegt. Und damit auf die größtmögliche Zurückhaltung von Informationen und Intransparenz. Dabei ist es schlimm genug, dass Richtlinienentwürfe von kommerziellen Kanzleien und Lobbyisten geschrieben werden und nicht unter Beratung von Grundrechts- und Verfassungsverständigen.
Correct!v fasst die Knackpunkte zusammen:
- Journalisten sollen Geschäftsgeheimnisse nur in Ausnahmefällen veröffentlichen dürfen. Dabei ist es gerade der Job von Journalisten, Fehlverhalten zu recherchieren und aufzudecken. Oft berichten Journalisten von Fehlverhalten in Unternehmen, ohne dass das Unternehmen gegen Gesetze verstoßen hat. Darauf zielt aber die Richtlinie ab.
- Geschäftsgeheimnisse sollen nur öffentlich werden dürfen, wenn jemand damit sein Recht auf Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit rechtmäßig wahrnimmt. Diese Formulierung gibt Unternehmen ein weiteres Einfallstor, um Journalisten von der Arbeit abzuhalten. Denn die Beweisführung vor Gericht liegt beim Journalisten. Zeitraubende und teure Gerichtsverfahren können die Folge sein.
- Wie genau das rechtlich geregelt wird, ist den Mitgliedsstaaten der EU überlassen. Die schwammigen Formulierungen können von Länder bei der Interpretation genutzt werden, die nicht beste Freunde der Meinungs- und Pressefreiheit sind. Auch, um ihre staatlichen Unternehmen zu schützen.
Was das auch für uns bedeutet, können wir uns vorstellen. Das Leaken von Dokumenten wird noch schwieriger und das auch, wenn unser Ziel ist, Missstände aufzudecken und öffentlich zu machen. Das können wir nicht, wenn wir jedesmal ein Gerichtsverfahren fürchten oder führen müssen. Eine praktische, implizite Zensur, die im schlimmsten Fall auch noch in das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP integriert werden wird.
Gestern Mittag fand ein Schattenmeeting zur Richtlinie im EU-Parlament statt, am 16. Juni soll abgestimmt werden.
Bis dahin kann man noch versuchen, die Parlamentarier zur Ablehnung der betreffenden Paragraphen aufzufordern. Correct!v empfiehlt, Dietmar Köster, Julia Reda und Axel Voss zu kontaktieren.
Doch nicht nur die geplante EU-Richtlinie gefährdet die Pressefreiheit. Aus Richtung Vorratsdatenspeicherung wird der Quellenschutz torpediert, noch dazu soll ein neuer Straftatbestand Datenhehlerei eingeführt werden.
Also, werdet aktiv und protestiert auf allen Ebenen. Und danke an correct!v, dass ihr zum Protest aufruft und das Thema aufgebracht habt!
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: #rp15: Netzneutralität – Endspurt in Europa
: #rp15: Netzneutralität – Endspurt in Europa Auf der vergangenen re:publica 2015 hat unser Thomas Lohninger über „Netzneutralität – Endspurt in Europa“ gesprochen. Wer einen aktuellen Überblick über die Debatte und die Argumente braucht, wird in dem rund 53 Minuten langen Video fündig:
In einem Paukenschlag hat die amerikanische Regulierungsbehörde FCC dieses Jahr einen starken Schutz der Netzneutralität in den USA beschlossen. In Kanada, den Niederlanden, Indien und Slovenien geraten Verletzungen der Netzneutralität zusehends unter Beschuss. In all diesen Fällen hat sich die Zivilgesellschaft gegen die Interessen der Industrie durchgesetzt. Vor diesem Hintergrund beginnt in Europa die finale Verhandlungsrunde über den EU-weiten Schutz der Netzneutralität und entgegen dem globalen Trend ist man in Europa versucht Netzneutralität endgültig abzuschaffen.
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: Kindergarten in der EU-Kommission
: Kindergarten in der EU-Kommission Die FAZ hat eine lesenswerte Analyse über die aktuelle EU-Kommission und ihre Struktur mit Vizepräsidenten, die nicht so wirklich funktioniert. Etwas Netzpolitik ist auch dabei: Kindergarten in der EU-Kommission.
Ansip darf seine ersten Ideen zur Digitalen Strategie im März allein vorstellen. Kein Oettinger fällt ihm ins Wort. Zumindest nicht direkt. Ansip wettert gegen Geoblocking. Das verhindert, dass Internetnutzer von Frankreich aus deutsche Sportübertragungen oder Filme gucken oder Deutsche beim Urlaub in Spanien ihr deutsches Internet-Fernsehabo nutzen. „Ich hasse Geoblocking“, sagt Ansip. „Ich hasse meinen Wecker morgens um fünf Uhr“, kommentiert Oettinger das einige Tage später. Auch so kann man seinen Vizepräsidenten ins Leere laufen lassen. Einig sind sich der aus dem Internetvorreiterland Estland stammende Ansip und der erklärte Nicht-Digital-Native Oettinger in so gut wie keinem Punkt. Ansip hat den Verbraucher und innovative Unternehmen im Blick, Oettinger die Großindustrie. Der eine sieht die Chancen der vernetzten Welt, der andere die Übermacht von Google und Amazon. In dem Strategiepapier zur Digitalunion, das Ansip und Oettinger, dieses Mal gemeinsam, am Mittwoch in Brüssel vorstellen, lässt sich das durch vage Formulierungen kaschieren. „Lange wird das nicht mehr gutgehen“, warnt ein hoher EU-Beamter.
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: Wirtschaftswoche verkündet exklusiv, dass Oettinger von der Netzneutralität abrückt
: Wirtschaftswoche verkündet exklusiv, dass Oettinger von der Netzneutralität abrückt Ich musste ja eben mehrfach auf das Datum schauen und mir die Augen reiben. Die Wirtschaftswoche verkauft als Exklusiv-Meinung das, was Günther Oettinger seit Monaten bei jedem Auftritt zum Thema Netzneutralität erzählt: EU-Digitalkommissar Oettinger rückt von der Netzneutralität ab.
Der erste Satz ist der Beste und zeigt, wie gut die Wirtschaftswoche sich mit dem Thema auskennt:
EU-Digitalkommissar Günther Oettinger will Spezialdienste etwa für Gesundheit oder Verkehr im Internet bevorzugen und macht damit erstmals Abstriche von der Netzneutralität.
Dann folgt das übliche, also Autos, eHealth, etc. Nichts Neues für unsere Leser, aber offensichtlich für die Wirtschaftswoche.
„Die Ausnahmen für Spezialdienste müssen eng begrenzt sein, vor allem drehen wir die Beweislast um. Eine Klinik etwa muss nachweisen, dass sie für eine Operation Vorfahrt im Internet benötigt. Das Gleiche gilt für autonomes Fahren und Vernetzung von Autos“, sagte Oettinger im Interview mit der WirtschaftsWoche.[…] Für die Ausnahmegenehmigungen favorisiert der Kommissar derzeit ein Modell der rechtlichen Festlegung durch die EU-Kommission: „Das wäre eine Empfehlung, auf deren Basis dann die Regulierungsbehörden entscheiden. Allgemeines Interesse gibt es in vielen Bereichen: Verkehrssicherheit, Stauvermeidung, das Retten von Menschenleben.“
Das Märchen von den Ausnahmen im Sinne eines „öffentlichen Interesses“ (Public Interest) erzählt Günther Oettniger auch bereits seit Monaten. Wir fragen uns allerdings: Warum taucht im aktuellen Kompromissvorschlag der EU-Kommission, deren zuständiges Kommissionsmitglied Günther Oettinger nun mal ist, dieser Vorschlag nicht auf?


