Edward Snowden
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: Projekt Bullrun: Westliche Geheimdienste knacken und umgehen verbreitete Verschlüsselungs-Technologien
: Projekt Bullrun: Westliche Geheimdienste knacken und umgehen verbreitete Verschlüsselungs-Technologien
Die westlichen Geheimdienste mindestens aus Amerika und Großbritannien betreiben enormen Aufwand, um verbreitete Verschlüsselungs-Technologien zu knacken und zu umgehen. Das geht aus neuen Leaks aus dem Fundus von Edward Snowden hervor. Das Ziel ist es, die abgehörten Kommunikationsdaten der gesamten Menschheit auch unverschlüsselt verarbeiten zu können – anscheinend haben sie Erfolg.Mittlerweile ist allgemein bekannt, das die westlichen Geheimdienste große Teile der weltweiten digitalen Kommunikation sammeln, speichern und auswerten. Manche sehen starke Verschlüsselung als ausreichenden Schutz vor Überwachung, andere nicht. Meldungen, wie dass die NSA verschlüsselte Kommunikation so lange speichert bis sie sie entschlüsseln kann, dass Behörden Verschlüsselungs-Schlüssel von Unternehmen anfordern und dass die Dienste „in bahnbrechende kryptoanalytische Fähigkeiten [investieren], um gegnerische Kryptographie zu knacken und Internet-Verkehr ausnutzen zu können“, schwächen das Vertrauen in Verschlüsselung als wirksame Methode gegen die Massenüberwachung.
Neue Veröffentlichungen aus dem Fundus von Snowden (der Guardian hat 50.000 Dokumente davon weitergegeben!) kratzen erneut am Image von Verschlüsselung. Guardian, New York Times und ProPublica berichten gemeinsam über Erfolge der Geheimdienste beim Knacken und Umgehen verbreiteter Verschlüsselungs-Technologien:
Dokumente zeigen, dass die NSA einen Kampf gegen Verschlüsselung führt mit einer Bandbreite an Methoden: Zusammenarbeit mit Unternehmen, Schwächen von Verschlüsselungs-Standards, Design-Änderungen an Verschlüsselungs-Software und das Drängen auf internationale Verschlüsselungs-Standards, von denen sie weiss, dass sie sie brechen kann.
Als Quelle gibt es drei weitere Seiten aus dem geheimen Haushalt der US-Dienste, sowie ein Briefing Sheet und einen Guide des „Projekts Bullrun“.
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: Geheimer Haushalt: Die USA geben in diesem Jahr über 50 Milliarden Dollar für ihre Geheimdienste aus
: Geheimer Haushalt: Die USA geben in diesem Jahr über 50 Milliarden Dollar für ihre Geheimdienste aus
Die USA geben mehr Geld für ihre 16 Geheimdienste aus als im Kalten Krieg oder alle anderen Staaten. Das geht aus dem geheimen Haushaltsplan der Dienste hervor, den die Washington Post von Edward Snowden erhalten hat. Neben dem großflächigen Abhören sämtlicher Kommunikation und bahnbrechender Entschlüsselung gehen Gelder vor allem in die CIA, die unter anderem Geheimgefängnisse, Folter und Drohnenmorde finanziert.Der neue Snowden ist da: Der geheime Haushalt der US-Geheimdienste. Die Washington Post hat aus dem Fundus von Edward Snowden die Begründungs-Zusammenfassung des Kongresses für das Budget der Geheimdienste für das Jahr 2013 erhalten. Das ist „Top Secret“, wurde nie zuvor öffentlich und ist auch als „Black Budget“ bekannt.
Die Post hat 43 der 178 Seiten veröffentlicht: Einleitung und Grafiken sowie Tabellen. Das ist nichtmal ein Viertel des Dokuments, mehr wollte die Tageszeitung aus Gründen der inneren Sicherheit nicht veröffentlichen.
Mehr Geld für Geheimdienste als gegen Welthunger
Doch schon daraus ergibt sich ein spannender Einblick in die streng geheime Finanzierung der größten Geheimdienst-Maschinerie der Menschheitsgeschichte. Im Finanzjahr 2013 gaben die USA demnach 52,6 Milliarden US-Dollar (39,7 Milliarden Euro) für die Intelligence Community aus, die aus 16 Einzel-Organisationen mit mehr als 100.000 Angestellten besteht. Nicht enthalten sind weitere 23 Milliarden, die in andere Geheimdienst-Programme gehen, die noch direkter die US-Militärs unterstützen.
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: Australien: Westliche Geheimdienste sammeln alle Daten, die über das größte Seekabelsystem der Welt gehen
Lage und Landepunkte des SEA-ME-WE-3-Seekabels. Bild: <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/User:J.P.Lon">J.P.Lon</a>. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.5/deed.en">BY 2.5</a>. : Australien: Westliche Geheimdienste sammeln alle Daten, die über das größte Seekabelsystem der Welt gehen Der australische Geheimdienst zapft die Daten des größten Seekabelsystems der Welt an und sammelt alle Daten, die darüber verschickt werden. Das berichtet der Sydney Morning Herald unter Berufung auf Dokumente aus dem Fundus von Edward Snowden. Das Kabel verbindet 33 Länder auf vier Kontinenten – und wird demnach von mindestens drei westlichen Diensten abgehört.
Erst gestern berichteten NDR und Süddeutsche über vier spezifische Glasfaser-Kabel in Europa, die der britische Geheimdienst GHCQ anzapft. Die australische Tageszeitung Sydney Morning Herald hat anscheinend ähnliche Informationen vorliegen. So berichtet Philip Dorling heute, dass der australische Nachrichtendienst Defence Signals Directorate (DSD) auch Kabel überwacht:
The nation’s electronic espionage agency, the Australian Signals Directorate, is in a partnership with British, American and Singaporean intelligence agencies to tap undersea fibre optic telecommunications cables that link Asia, the Middle East and Europe and carry much of Australia’s international phone and internet traffic.
Secret information disclosed by United States intelligence whistleblower Edward Snowden has revealed that the British Government Communications Headquarters is collecting all data transmitted to and from the United Kingdom and Northern Europe via the SEA-ME-WE‑3 cable that runs from Japan, via Singapore, Djibouti, Suez and the Straits of Gibraltar to Northern Germany.
Zwar ist seit zwei Monaten bekannt, dass die Briten mehr als 200 Glasfaser-Kabel angezapft haben und mindestens 46 von ihnen zu jeder Zeit komplett Wegspeichern und analysieren. Die konkreten Kabel sind aber noch nicht öffentlich. Die Süddeutsche nannte am 26. Juni das Kabel TAT-14 (zwischen Nordamerika und Europa) und gestern die Kabel PEC (durch Europa) und Atlantic Crossing 1 (transatlantisch).
Das jetzt genannte Kabel SEA-ME-WE‑3 verbindet Europa, Afrika, Asien und Australien. Laut Wikipedia ist es mit 39.000 km Gesamtlänge ist das größte Seekabelsystem und besitzt 39 Landepunkte in 33 Ländern.
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: Tempora: Neue Snowden-Dokumente nennen weitere von Großbritannien angezapften Glasfaser-Kabel, auch Deutsche (Updates)
Die Glasfaser-Kabel in Europa laut <a href="http://cablemap.info/">Greg's Cable Map</a> : Tempora: Neue Snowden-Dokumente nennen weitere von Großbritannien angezapften Glasfaser-Kabel, auch Deutsche (Updates) Mindestens vier der vom britischen Geheimdienst angezapften Glasfaser-Kabel geben ihnen Zugriff auf weite Teile des deutschen Internet-Verkehrs. Das berichten NDR und Süddeutsche unter Berufung auf Dokumente von Edward Snowden. Die Deutsche Telekom als Mitbetreiber gibt sich unwissend, hält sich aber immer an die geltenden Landesgesetze.
Der Norddeutsche Rundfunk hat eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie neue Details zur Kabel-Abhör-Aktion Tempora des britischen Geheimdiensts GCHQ versprechen:
Unterlagen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden, zu denen der NDR und die Süddeutsche Zeitung Zugang hatten, zeigen, dass der Dienst wesentliche Teile des europäischen Internet-Verkehrs speichern und analysieren kann. Das betrifft in besonderem Umfang die Daten deutscher Internet-Nutzer: Hier hat der Dienst Zugriff auf zwei Transatlantik-Kabel sowie auf eine der wichtigsten Verbindungen nach Ostasien und das innereuropäische Kabel PEC.
In der 17 Uhr Tagesschau wird es einen Bericht dazu geben. Wann ein „Interview mit Computer-Experte Jörg Schieb“ und der Bericht der Süddeutsche kommen, war noch nicht zu erfahren.
Seit zwei Monaten ist bekannt, dass die Briten mehr als 200 Glasfaser-Kabel angezapft haben und mindestens 46 von ihnen zu jeder Zeit komplett Wegspeichern und analysieren. Betroffen ist unter anderem das Kabel TAT-14 zwischen Deutschland und Nordamerika über Großbritannien. Jetzt also noch ein weiteres Kabel über den Atlantik, eins von Belgien nach Großbritannien und eins nach Ostasien.
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: Neues von der NSA: Apalachee, Magothy und Rampart‑T … yay!
: Neues von der NSA: Apalachee, Magothy und Rampart‑T … yay! Wie Spiegel Online am Sonntag und in der heutigen Printausgabe berichteten, wurde der bisherige Verdacht, die USA würden UN und EU Behörden überwachen und ausspähen, nun durch geheime Dokumente erneuert. Die EU-Botschaft in New York hört bei der NSA auf den Codenamen „Apalachee“, die Washingtoner EU-Botschaft wurde „Magothy“ getauft. Beide Gebäude wurden durch die NSA verwanzt, in New York konnte man außerdem die Festplatteninhalte kopieren. Außerdem hat man über das Bürogebäude in Washington Zugang zum geschützten Netzwerk (VPN), über das alle europäischen Botschaften miteinander verbunden sind. Unklar ist zur Zeit nur, wie weit man dadurch nach Brüssel vordringen kann.
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: Warum die größte Überwachungsmaschinerie der Menschheitsgeschichte die Fundamente der Demokratie zerstört
: Warum die größte Überwachungsmaschinerie der Menschheitsgeschichte die Fundamente der Demokratie zerstört Mehr als elf Wochen sind seit dem ersten Leak der Snowden-Dokumente vergangen. Geändert hat sich nichts. Und unsere Bundesregierung versucht, uns für dumm zu verkaufen.
Dass die aktuellen Entwicklungen eine essentielle Gefahr für die Demokratie an sich sind, wird vor allem an der Ingewahrsamnahme von David Miranda und der Zerstörung von Journalist/innen-Hardware festgemacht. So schreibt auch Josh Levy, Internet Campaign Director der NGO Free Press, auf Boing Boing:
Die staatlichen Überwachung-Programme der NSA sind anti-demokratisch und verfassungswidrig. Sie könnten die schwersten Angriffe auf die freie Meinungsäußerung sein, die wir je gesehen haben.
Das ist richtig. Er begründet es aber nur indirekt, und zwar mit Chilling Effects und Selbstzensur, wie sie bei Journalisten, E‑Mail-Anbietern und Bloggern zu sehen ist.
Die Möglichkeiten sozialer Kontrolle durch die größte Überwachungsmaschinerie der Menschheitsgeschichte gehen aber weit darüber hinaus, wie das Technik-Kollektiv Riseup in seinem Newsletter treffend beschreibt:
Viele Kommentator/innen, auch Edward Snowden selbst, haben festgestellt, dass diese Überwachungsprogramme eine existentielle Bedrohung für die Demokratie darstellen. Das ist noch eine Untertreibung des Problems. Die allumfassenden Überwachungsprogramme sind nicht nur eine potentielle Bedrohung, sondern sie werden die Demokratie in ihren Grundfesten zerstören, sofern sie nicht beschränkt werden. Demokratie, auch der gegenwärtige Hauch von Demokratie, basiert auf dem Fundament der freien Assoziation, der freien Rede, und Widerspruch. Die Folge der Zwangsgewalt der Überwachung ist es, dieses Fundament zu untergraben und alles zu zerstören, worauf Demokratie basiert.
In sozialen Bewegungen gibt es die Versuchung, zu sagen, dass sich nicht wirklich etwas geändert habe. Schließlich haben Regierungen schon immer Aktivistengruppen im Visier, um sie zu überwachen und zu stören, vor allem die erfolgreichen.
Aber diese neue Überwachung ist anders. Was die US-Regierung und ihre europäischen Verbündeten geschaffen haben, ist die Infrastruktur für eine perfekte soziale Kontrolle. Durch die Automatisierung der Überwachungsmechanismen haben sie die Fähigkeit, mühelos und ununterbrochen die Leben aller Menschen zu überwachen. Damit haben sie ein System geschaffen mit dem noch nie da gewesenen Potenzial, zu kontrollieren, wie wir denken und wie wir uns verhalten.
Also empört euch gefälligst.
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: Tempora: Großbritannien will alle Glasfasern der Welt abhören, tut das neben britischem Gebiet auch im Nahen Osten (Update)
Die Glasfaser-Kabel im Nahen Osten laut <a href="http://cablemap.info/">Greg's Cable Map</a> : Tempora: Großbritannien will alle Glasfasern der Welt abhören, tut das neben britischem Gebiet auch im Nahen Osten (Update) Großbritannien betreibt im Nahen Osten drei Abhörstationen, mit denen sie sämtliche Kommunikation als allen Glasfaserleitungen der Region abhören. Das berichtet der Independent unter Berufung auf Dokumente von Edward Snowden. Demnach werden die Informationen an die Zentrale des GCHQ geleitet und dort unter anderem der NSA zur Verfügung gestellt.
Vor zwei Monaten wurde bekannt, dass der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) sämtliche Kommunikation über die Glasfaser-Kabel auf seinem Gebiet abhört. Das Programm „Tempora“ geht aber noch weiter, wie jetzt die britische Tageszeitung The Independent berichtet. Demnach betreibt Großbritannien im Nahem Osten drei Abhörstationen, mit denen sie sämtliche Kommunikation aus Glasfaserkabeln und Satelliten der Region überwachen.
Alle Daten, die durch die Unterseekabel der Region gehen, werden demnach komplett in Zwischenspeicher der Geheimdienste kopiert, dort gefiltert und aufbereitet und dann an die Zentrale des GCHQ im britischen Cheltenham geleitet. Dort hat auch die amerikanische National Security Agency (NSA) Zugriff darauf.
Dies ist ein weiterer Teil des Programms „Tempora“, dessen Ziel das „weltweite Abhören der digitalen Kommunikation“ ist. Der GCHQ darf alle Menschen außerhalb Großbritanniens oder Kommunikation mit Menschen außerhalb Großbritanniens überwachen, ohne eigene neue Anordnung. Der ehemalige Außenminister David Miliband hat die Aktion schriftlich genehmigt.
Die offiziellen Ziele der Informationsgewinnung sind die Themenfelder Terrorismus, Proliferation, Söldner und private Militär-Unternehmen sowie schwerer Finanzbetrug. Aber auch die „politischen Absichten fremder Mächte“, also klassische Spionage für allgemeine politische Zwecke, wie das Abhören von Staats- und Regierungschefs bei internationalen Gipfeln.
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: ttt: Snowden – ein Held?
: ttt: Snowden – ein Held? Die ARD-Sendung „ttt – titel thesen temperamente“ hat gestern über „Snowden – ein Held?“ berichtet. Interviewt wurden Frank Schirrmacher und Hans Magnus Enzensberger.
Alles, was wir im Netz tun, wird beobachtet und ausgewertet. Informationsökonomie zur Profitmaximierung – verwertet zur Kontrolle durch die Geheimdienste. Dank Edward Snowden wissen wir das. Sollten wir ihn als Helden der Demokratie feiern?
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: 115 Fragen und kaum Antworten: Bundesregierung klärt Überwachungs-Skandal auf – mit geheimen Antworten
: 115 Fragen und kaum Antworten: Bundesregierung klärt Überwachungs-Skandal auf – mit geheimen Antworten Trotz mehrfach versprochenem Willen zur quasi brutalstmöglichen Aufklärung verweigert die Bundesregierung öffentliche Antworten zum größten Überwachungsskandal der Menschheitsgeschichte. In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage werden die interessantesten Details als geheim deklariert. Pikant ist die Aussage, dass die Bundesregierung eine „Full take“ Überwachung für legal hält.
Um im Sommer von Snowden und Wahlkampf etwas Aktionismus zu zeigen, hat die SPD-Bundestagsfraktion vor drei Wochen eine kleine Anfrage mit 115 Fragen an die Bundesregierung gestellt. Am Dienstag wurde die Antwort verschickt, die der Abgeordnete Thomas Oppermann gestern veröffentlichte.
Geheime Antworten
Wenig überraschend sind weite Teile der Antworten ausweichend, andere sind mit den Geheimhaltungsstufen „Nur für den Dienstgebrauch“, „Vertraulich“ oder gar „Geheim“ versehen. Immer wieder finden sich Sätze wie:
Im Übrigen wird auf das bei der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegte GEHEIM eingestufte Dokument verwiesen.
In die Geheimschutzstelle dürfen nur Abgeordnete ohne Möglichkeit zu Kopien oder Aufzeichnungen. Angefragte Bundestags-Büros wollten netzpolitik.org auch nicht sagen, was sie dort zu Lesen bekamen. Transparenz-Offensive vom Feinsten.
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: Kommentar: Das Ende der Netzpolitik (wie wir sie kennen)
: Kommentar: Das Ende der Netzpolitik (wie wir sie kennen)
Die Offenlegung der NSA-Aktivitäten markieren den eigentlichen Durchbruch des globalen Informationszeitalters. Netzpolitik als abgrenzbares Politikfeld gibt es nicht mehr. Politisches Engagement ist immer auch Netzpolitik. Ein Gastbeitrag von Gregor Sedlag.„You take the red pill, you stay in Wonderland, and I show you how deep the rabbit hole goes.“ Es ist die Schlüsselszene von „The Matrix“. Neo erwacht in einer Art Petrischale und erlangt die beunruhigende Erkenntnis, nur ein Energiespender in einem allumfassenden biomechanischen Gesellschaftskörper zu sein – umsorgt und überwacht von kybernetischen Drohnen. Das zum Bewusstsein gekommene Individuum wird damit zum Störfall. Der Versorgungsapparat kappt die Nabelschnüre und verklappt es als Biomüll. Neos Erkenntnisschock, einer umfassenden Illusionsmaschine aufgesessen zu sein, die die gesamte erlebte Wirklichkeit simuliert, gleicht dem Schockzustand der weltweiten Netzgemeinde, den die Enthüllungen Edward J. Snowdens über den Totalzugriff der NSA auf das Internet – und damit die Welt, wie wir sie kennen – ausgelöst haben.
Unsere Daten als Treibstoff der Maschine
Der Film beschreibt die Maschinenherrschaft als parasitäre Wucherung auf der menschlichen Biomasse. Unsere Matrix ist sanfter und einnehmender. Wir werden nicht abgestoßen. Die Politik beschwichtigt und wirft Nebelkerzen. Die klebrig-warme Nährlösung der freien Internetdienste wie Facebook, Google & Co. verlockt uns zum Wiedereintauchen ins System. Denn dieses System braucht uns alle. Unsere Daten sind der Treibstoff dieser Maschine – und ihrer ständigen Optimierung. Informationen über den planetaren Gesellschaftskörper der Menschheit, feinstgranular heruntergebrochen auf das „Nicht-mehr-Aufzuteilende“, das Individuum, und ihre jeweils neue algorithmische Durchdringung in toto und in Echtzeit sind die kritische Ressource des Informationszeitalters. Sie sind der Rohstoff eines immer perfekteren Risikomanagements. Wie jede Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied, ist jeder geleistete Aufwand im menschlichen Tun nur so viel wert wie dessen mögliches Ausfallsrisiko. Diese Risiken sind die Nadeln im Heuhaufen von „Big Data“.
Angesichts unserer endlichen Lebenszeit ist das Risikomanagement eine notwendige anthropologische Grundveranlagung. Wir verdanken sie unseren prognostischen Denkapparaten. Alle menschlichen Handlungen unterliegen diesen Risikobewertungen. Berufs- und Partnerwahl, Investitionen oder Spekulationen, Schenkelklopfer oder Rohrkrepierer. Risikosteuerung und ‑streuung strukturieren das globale kapitalistische Wirtschafts- und Finanzwesen genauso wie sie die institutionalisierten Großrisikomanager per se steuern – unsere heutigen Nationalstaaten. Die Staaten legitimieren ihre Hegemonie gegenüber dem einzelnen Subjekt durch das glaubhafte Versprechen, seine Lebensrisiken auf ein jeweils unvermeidliches „Restrisiko“ zu begrenzen. Das ist ihr raison d’être – ihre Staatsraison. Um die Prämien für diesen Sicherungspakt gegenüber ihren Vertragspartnern – den Bürgern – zu rechtfertigen, autorisieren die Staaten öffentlich wie im Geheimen ermittelnde Nachrichtenagenturen, um die Wahrscheinlichkeit von Schadensereignissen aller Art zu ermitteln – im Innern (Verfassungsschutz) wie im Auswärtigen (BND). Wie alle Versicherungen agieren ihre Detektive im Schadensfall als die „kältesten aller kalten Ungeheuer“ (Nietzsche).
Risikoanalyse der globalen Gesamtsituation
Ein global agierendes wirtschaftliches, kulturelles wie militärisches „Superungeheuer“, wie es die Vereinigten Staaten sind, fungiert darüber hinaus als Rückversicherer für eine stattliche Zahl schwächerer Bündnisstaaten, die unter seinen imperialen Schutzschirm schlüpfen. Zum Preis eines Verzichts auf Souveränität erhalten sie militärische wie wirtschaftlich-kulturelle Integration. Das Ende des Zweiten Weltkriegs, genauer der Einsatz der Atombombe, änderte alles. Mit der theoretisch menschheitsvernichtenden Overkill-Kapazität der Nukleararsenale wurde die Risikoanalyse der globalen Gesamtsituation überlebensnotwendig. Denn die gegenseitige atomare Vernichtungsdrohung als Ultima Ratio des kalten Kriegs hat über Jahrzehnte den „bündnisfreien“ Teil der Welt gleich mit in Geiselhaft genommen. Die daraus resultierende Verantwortung für die Welt als Ganzes legitimierten die globalen militärischen Spähaktionen durchaus: „With great power comes great responsibility.“ (Ein Zitat – nicht aus „The Matrix“.)
Im kalten Krieg hatte der inzwischen ins Unverhältnismäßige gewachsene Spionageapparat der USA eine rationale wie ethische Grundlage: Was ist das Ausspähen eines begrenzenten internationalen Personenkreises, der am militärischen Großkonflikt mit gewisser Wahrscheinlichkeit beteiligt ist, gegenüber dem Risiko einer nuklearen Eskalation – und sei es nur aus falscher Lagebeurteilung? Mit Ende des kalten Kriegs war diese ausgreifende Spionage auch im westlichen Bündnis nicht mehr unantastbar. Kein Zufall, dass der SPIEGEL überhaupt erst 1989 die schiere Existenz der NSA der deutschen Öffentlichkeit bekannt machen durfte. Die Angriffe des 11. Septembers rehabilitierten das geheimdienstliche Begehren nach weltumspannender Kontrolle aller Datenströme – aus zwei Gründen: Erstmals hatten die USA den militärischen Ernstfall auf ureigenstem Grund („Homeland“) erlebt. Und zweitens war 9/11 kein konventioneller Terroranschlag, sondern ein militärisch ernst zu nehmender Versuch eines Enthauptungsschlags der letzten verbliebenen Supermacht auf der Welt – durch einen Gegner asymmetrische Zuschnitts. Ein Gegner, der für eine ernsthafte militärische Risikoeinschätzung bis dahin gar nicht existent war. Die NSA erhielt durch das Versagen der zuständigen ‚zivilen’ Dienste CIA und FBI eine neue Bestimmung – nie wieder ein Angriff aus heiterem Himmel!
Personal Security Agencies
Die IT-Industrie insbesondere des Silicon Valley hat schon immer Lebensenergie aus dem dort besonders konzentrierten militärisch-informationellen Komplex gezogen. Doch diese Ursprünge erscheinen als die notwendig komplementäre Seite der kalifornischen Ideologie mit ihrer libertär-individualistischen Hippie-Kultur à la Apple oder Google & Co. Es ist die vielleicht schlimmste Kränkung, der wir im Zusammenhang mit den PRISM-Enthüllungen gewahr werden. All die anarcho-libertären Ermächtigungstechnologien des Internets haben uns selbst zu kleinen Personal Security Agencies wachsen lassen: Wir googlen Menschen, bevor wir sie treffen, wir checken via Google Earth und Maps, wo die besten Badestellen am Urlaubsstrand zu finden sind, Smartphone-Apps melden uns, wann die nächste U‑Bahn fährt. All die kleine Helfer des Alltags minimieren unser Risiko, kostbare Lebenszeit mit den falschen Leuten, am falschen Strand oder zur falschen Zeit in einer leeren U‑Bahn-Station zu verbringen. Wie naiv zu glauben, dass die mächtigsten Institutionen der Menschheitsgeschichte, die jahrzehntelang ihre Daumen über den roten Knöpfen zur atomaren Vernichtung der Welt hatten kreisen lassen, sich den technologischen Fortschritt nicht ebenfalls zu Nutze machen würden.
Wir haben den US-basierten Netzgiganten vertraut als unsere natürlichen Verbündete auf dem Weg zur Utopie einer netzgestützen Weltgesellschaft. Gerade wegen ihrer unheimlichen Übergriffigkeit waren sie die notwendig mächtigen Agenten eines diesmal kalifornischen Weltgeists, der der überkommenen nationalstaatlichen Ordnung die Stirn bieten sollte. Diese Utopie ist ausgeträumt. Ausgerechnet die Agenten der digitalen Revolution wurden durch Edward Snowdens Enthüllungen in flagranti beim erzwungenen Blow-Job durch die NSA erwischt. Während wir uns den neun PRISM-Teilnehmern milliardenfach freiwillig anvertraut haben, hat ein Staat wie niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte unser aller Leben ins Raster seiner „Kill Decisions“ (Daniel Suarez) genommen. Aufstieg und Fall des Internets – vom utopischen Reich der Freiheit zur dystopischen totalen Überwachungsinfrastuktur aller Lebensbereiche in nicht einmal achtzehn Jahren. Es ist eine Kernschmelze der Demokratie – unterlegt durch die Etablierung eines totalitär deterministischen Menschenbilds: Der Mensch als bloßer Risikofaktor in einem immer feiner aufgelösten Sicherheitsmanagement zur Bewahrung des Status Quo.
Bisherige Netzpolitik eher Farce als Vorspiel
Es ist diese kalte Fusion zwischen der US-dominierten Internetinfrastruktur mit der unilateralen Sicherheitslogik des amerikanischen Imperiums, die unsere Freiheit bedroht. Imperiale Sicherheitsarchitektur ist immer so unilateral wie totalitär. Die chinesische Great Wall oder der römische Limes bezeugen dies noch nach Jahrtausenden. Ad hoc ist die imperiale Sicherherheits-Matrix der USA nicht rückbaufähig. Sie ist systemimmanent in das Internet eingeschrieben – und die Brückenpfleiler zur analogen Welt sind schon geschliffen. Es ist das Ende der Netzpolitik,wie wir sie kennen.
Netzpolitik war bisher das Spielfeld einer kleinen Elite enthusiastischer Aktivisten – inspiriert durch die Nah-Utopie-Erfahrung der Pioniertage im Netz, eher Kleingartenkolonie zur Wahrung des netzgemeinschaftlichen Idylls denn gallisches Dorf. Der klassische Nationalstaat war als Gegner eher durch Tapsigkeit und erschreckende Unkenntnis seiner das Internet ausdruckenden Protagonisten aufgefallen. Was der Staat an formaler Gestaltungsmacht einsetzte, konterte die Netzgemeinde locker durch ihre diskursive Luftüberlegenheit über den digitalen Stammtischen – von „Zensursula“ bis ACTA. Doch der Widerstand der Netzgemeinde in der Vor-PRISM-Ära erscheint jetzt wie Neos Hacker-Aktivitäten in „The Matrix“ vor der roten Pille – eine Farce mehr denn ein Vorspiel.
Ungewohnte Bündnisse eingehen
Zu den ersten Maßnahmen zur Rückeroberung der Welt gehören die Einhegung des militärisch-geheimdienstlichen Zugriffs auf die Zivilgesellschaft, und zwar durch Schutzmaßnahmen der Internetinfrastruktur auf staatlicher, europäischer und internationaler Ebene. Der andauernde NSA-Skandal zeigt, dass das Unbehagen weite Teile des klassischen Establishments erfasst hat. Hier gilt es ungewohnte Bündnisse zum Beispiel mit Deutschlands mittelständischer Exportindustrie nicht auszuschließen. Aktivistische Maßnahmen wie die Popularisierung des Verschlüsselns („Cryptoparties“) sind angesichts der Bedeutung der Metadaten eher symbolisch. Aber sie sind eine Form von Protest. Die Wohnungstüren lassen wir auch nicht sperrangelweit offen, obwohl es Einbrüche nicht wirklich verhindert. Und Kryptographie verschlechtert allenfalls nur kurzfristig unseren individuellen „NSA-Score“. Vor dreißig Jahren waren Tätowierungen noch polizeibekannte Selbst-Zuschreibungen subkultureller Milieus – heute sind sie meist nur Ausweis schlechten Geschmacks.
Die Staaten sind kalte reptilienhafte Ungeheuer, aber keine unverbesserlichen Überzeugungstäter. Auf völkerrechtlicher Ebene sind Erfolge in der Einhegung staatlicher Übergriffigkeit gegenüber dem allgemeinen Menschheitswohl bekannt: die Freiheit der Weltmeere, der Anarktis, des Weltraums. Eine vergleichbare Cyberspace-Prävention hätte völkerrechtliche Vorläufer, auch wenn der besondere Schutz des globalen Ökosystems Internet eher dem aktuellen Kampf gegen den Klimawandel gleichen wird. Aber wie die Luft zum Atmen benötigen wir Menschen einen selbstverantworteten Freiheitsraum – und Freiheit erweist sich immer erst durch ihren Missbrauch. Der deterministische Zugriff auf die Freiheit des Individuums wird mit den IT-gestützten algorithmischen Prognosesystemen ins Unfassbare wachsen. In der Genetik führen wir die Debatte um den perfekten Menschen schon. In der Ethik muss dem kontrollgesellschaftlichen Begehren nach maximaler Risikominderung eine inhärente Unschärfe eingeschliffen werden, die uns mehr als die Statistenrolle eines bloßen Erfüllungsgehilfen unseres eigenen Erwartungshorizonts zugesteht.
Netzpolitik kann nicht wieder zurück
In „The Matrix“ ist die Freiheit des Menschen nur im Rahmen einer virtuellen Sandbox auf Widerruf gegeben, während die gefesselten Restkörper die Energiebilanz des entkoppelten Maschinensystems ausgleichen. Es ist die perfekte Metapher für die am Horizont aufziehende Gefahr eines selbstreferentiellen absolutistischen Kapitalismus ohne Menschen. Edward Snowden hat der Welt die rote Pille zwangsverabreicht. Netzpolitik kann nicht wieder zurück in die warme Nährlösung und das gewohnte Nischenspiel der Pre-PRISM-Ära wieder aufnehmen – irgendwo zwischen „Drosselkom“ und der Enquétekommission Internet und Digitale Gesellschaft. Die totalitäre Bedrohung ist zu groß für eine Zersplitterung der Kräfte. Im Gegensatz zur Fiktion kennt unsere Matrix kein Außen, sondern nur die eine Welt, die ohne Netz nicht mehr denkbar ist. Es es ist das Ende der Netzpolitik, wie wir sie kennen. Es ist der Beginn der Netzpolitik als Weltpolitik.
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: Greenwald und Poitras – seltene Einblicke in die Arbeit und den ‚Alltag’ der Reporter
: Greenwald und Poitras – seltene Einblicke in die Arbeit und den ‚Alltag’ der Reporter Peter Maass der New York Times hat einen exzellenten Artikel über die Arbeit und Tätigkeit des Journalisten Glenn Greenwald und der Reporterin / Dokumentar-Filmemacherin Laura Poitras geschrieben. Greenwald und Poitras wurden von Edward Snowden kontaktiert und arbeiten seitdem eng mit dem Whistleblower zusammen, um gemeinsam den Überwachungsapparat der NSA aufzudecken. Während meistens Snowdens Person im Mittelpunkt steht und man stellenweise das Gefühl hatte, dass sich Journalisten auf ihn fixieren, statt auf sein Thema, gewährt uns Maass Artikel einen unglaublich interessanten Einblick in das Schaffen Greenwalds und Poitras: Warum Snowden beide ausgewählt hatte und die Schwierigkeiten der ersten Kommunikationsversuche. Der Druck der Verantwortung, der auf Poitras und Greenwald lastet. Die Hürden der sicheren Kommunikation, Aufbereitung, Archivierung und Berichterstattung. Die Verschriebenheit beider die Wahrheit ans Licht zu bringen.
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: Bericht: Haben die Snowden-Enthüllungen CISPA und die Cyber-Verteidigung durch die NSA gestoppt?
: Bericht: Haben die Snowden-Enthüllungen CISPA und die Cyber-Verteidigung durch die NSA gestoppt? Amerikanische Pläne, der NSA neue Befugnisse zur Überwachung von Internet-Verkehr zur Abwehr von Cyber-Bedrohungen zu geben, sind wohl derzeit vom Tisch. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf leitende Beamte der NSA. Die Enthüllungen von Edward Snowden könnten damit CISPA verhindert haben, gegen das wir seit langem kämpfen.
Seit bald zwei Jahren wird in den USA über den Gesetzentwurf „Cyber Intelligence Sharing and Protection Act“ (CISPA) verhandelt. Zur Abwehr von Angriffen im Netz sollten Technik-Unternehmen Daten über Internet-Verkehr mit US-Behörden teilen, was wir schon immer als Überwachung durch die Hintertür kritisierten. David Sanger berichtet heute in der New York Times, dass dieser und weitergehende Pläne der NSA nach den Enthüllungen von Snowden wahrscheinlich so nicht durchgeführt werden:
But administration officials say the plan, championed by Gen. Keith B. Alexander, the director of the National Security Agency and head of the Pentagon’s Cyber Command, has virtually no chance of moving forward given the backlash against the N.S.A. over the recent disclosures about its surveillance programs.
Senior agency officials concede that much of the technology needed to filter malicious software, known as malware, by searching incoming messages for signs of programs designed to steal data, or attack banks or energy firms, is strikingly similar to the technology the N.S.A. already uses for surveillance.
”The plan was always a little vague, at least as Keith described it, but today it may be Snowden’s biggest single victim,” one senior intelligence official said recently, referring to Edward J. Snowden, the former N.S.A. contractor who released documents revealing details of many of the agency’s surveillance programs.
“Whatever trust was there is now gone,” the official added. “I mean, who would believe the N.S.A. when it insists it is blocking Chinese attacks but not using the same technology to read your e‑mail?”
Hoffen wir, dass das auch langfristig so bleibt. Und dass ähnliche Pläne auch aus der EU-Richtlinie zur Cyber-Sicherheit fliegen, die als „europäisches CISPA“ bezeichnet werden kann.
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: NSA: 90% der Admins werden entlassen – für mehr Sicherheit
: NSA: 90% der Admins werden entlassen – für mehr Sicherheit Wie Reuters gestern berichtete, hat Gen. Keith Alexander – seines Zeichens Direktor der NSA – auf einer Sicherheitskonferenz in New York gesagt, dass man vielen Systemadministratoren bei der NSA kündigen wird. Übergeordnetes Ziel sei es, durch Automatisierung mehr Sicherheit zu erlangen. Zur Zeit kümmern sich wohl rund 1000 Administratoren um Wartung und Ausbau des NSA-Netzwerkes. Um die Chance für zukünftige Leaks, wie die Edward Snowdens, zu minimieren, sollen 90% der Stellen gestrichen werden.
What we’re in the process of doing – not fast enough – is reducing our system administrators by about 90 percent.
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: Lavabit: E‑Mail-Anbieter stellt sich gegen US-Behörden und schließt seine Pforten
: Lavabit: E‑Mail-Anbieter stellt sich gegen US-Behörden und schließt seine Pforten Der US-amerikanische E‑Mailanbieter Lavabit schließt mit sofortiger Wirkung, wie der Betreiber Ladar Levison auf der Webseite mitteilt. Lavabit war ein verschlüsselter E‑Mailanbieter der damit warb, „niemals die Privatsphäre seiner Nutzer für Profit zu opfern“. Bekanntheit erlangte der Anbieter in jüngster Zeit, als öffentlich wurde, dass Edward Snowden ein Nutzer von Lavabit sei. Auch wenn die genauen Umstände der Schließung nicht bekannt sind, scheinen US-Behörden Druck auf Lavabit ausgeübt zu haben, Daten der Nutzer auszuhändigen. Um die Privatsphäre seiner Nutzer nicht zu gefährden, hat Levison nun entschieden den Dienst zu schließen.
Dass Ladar Levison diese Entscheidung keineswegs leicht gefallen ist, zeigt eine letzte Nachricht die er auf der Seite veröffentlicht hat:
I have been forced to make a difficult decision: to become complicit in crimes against the American people or walk away from nearly ten years of hard work by shutting down Lavabit.
Zur Zeit ist es Levison nicht gestattet über die genauen Umstände Auskunft zu geben, wie er weiter schreibt.
I wish that I could legally share with you the events that led to my decision. I cannot. I feel you deserve to know what’s going on–the first amendment is supposed to guarantee me the freedom to speak out in situations like this. Unfortunately, Congress has passed laws that say otherwise. As things currently stand, I cannot share my experiences over the last six weeks, even though I have twice made the appropriate requests.
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: 500 Millionen Verbindungsdaten im Monat: BND betreibt Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür
: 500 Millionen Verbindungsdaten im Monat: BND betreibt Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür Der BND sammelte allein im Dezember 2012 500 Millionen Verbindungsdaten. Diese werden in großem Umfang an die NSA übermittelt. Diese de facto Vorratsdatenspeicherung ist laut BND durch das BND-Gesetz und das G10-Gesetz zur Beschränkung des Brief‑, Post- und Fernmeldegeheimnisses gedeckt. Zudem erfasse man gar keine Telekommunikationsverkehre deutscher Staatsangehöriger. Das berichtet der SPIEGEL auf Basis von Dokumenten aus dem Fundus von Edward Snowden.
Dumm nur, dass in den Berichten des Parlamentarischen Kontrollgremiums nie von Verbindungsdaten die Rede war. Hier stand die E‑Mail-Überwachung im Vordergrund. So waren allein im „Gefahrenbereich ‚Internationaler Terrorismus’ “ von 329.628 „Telekommunikationsverkehren“ 327.557 „aus dem Bereich der E‑Mail-Erfassung“, heißt es in dem diesjährigen Bericht des Parlamentarischen Kontrollgremiums, der sich auf den Erfassungszeitraum 2011 bezieht (die Berichte hängen quasi immer zwei Jahre hinterher). Dieser Fokus auf E‑Mails passt nicht zu den Snowden-Leaks. Hier wurde also – euphemistisch gesagt – etwas verschwiegen, nämlich die massenhafte Erfassung von Verbindungsdaten.
Aus der Spiegel-Online-Meldung geht weiterhin hervor, dass der BND zwei hauseigene Schnüffelwerkzeuge namens „Mira4“ und „Veras“ an die NSA gegeben hat.
Der BND betreibt nichts anderes als eine Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür des G10-Gesetzes. Die glatte Lüge, der BND erfasse keine Telekommunikationsverkehre der eigenen Bevölkerung, hat man sich wohl bei den USA abgeschaut. Die Würde des Menschen ist antastbar.
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: XKeyscore: NSA Programm sammelt „beinahe alles was ein Nutzer im Internet tut“
: XKeyscore: NSA Programm sammelt „beinahe alles was ein Nutzer im Internet tut“ Vor rund einer Woche berichteten wir, dass der BND die Software XKeyscore nutzt, wie auch Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen gegenüber der Bild am Sonntag mittlerweile bestätigt hat. Nachdem bereits die brasilianische Zeitung O Globo Mundo einige Folien zu XKeyscore veröffentlicht hatte, legt nun Glenn Greenwald für den Guardian nach und veröffentlicht 32 als „Top Secret“ eingestufte Folien zu XKeyscore (von uns hier gespiegelt). Einige Folien die Greenwald verwendet, sind in der pdf allerdings nicht vorhanden. Es scheint also noch mehr auf uns zu zukommen. Die Folien scheinen insgesamt zu bestätigen, was der Spiegel bereits berichtet hat.
In einem dazu gehörigen Artikel beschreibt Glenn Greenwald, welches enorme Menge an Daten durch das Programm XKeyscore durchsucht werden kann. Edward Snowden, der Whistleblower hinter der sich nun Stück für Stück entrollenden Überwachungstätigkeiten von Geheimdiensten rund um die Welt, sagte bereits in einem Videointerview Anfang Juni:
I, sitting at my desk, certainly had the authorities to wiretap anyone, from you, or your accountant, to a federal judge, to even the President if I had a personal email.
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: Evgeny Morozov: Der Preis der Heuchelei – Die Ideologie des Datenkonsums
Quelle: re:publica '13 : Evgeny Morozov: Der Preis der Heuchelei – Die Ideologie des Datenkonsums Evgeny Morozov hat heute im Feuilleton der FAZ über das eigentliche Problem, das durch Snowden aufgedeckt wurde, geschrieben: Dass wir Daten als Ware sehen, die – bisher ohne jegliche ethischen und moralischen Überlegungen – frei gehandelt wird. Morozov, der in Belarus geboren wurde und nun in den USA lebt, startet mit der Erkenntnis, dass die USA „Big Data süchtig“ sind und dies auch auf absehbare zeit bleiben werden. Im Laufe des lesenswerten Artikels wirft er dann einige Fragen auf, die die Kurzsichtigkeit der jetzigen Debatte der Politiker entlarvt. Es geht nicht um strengere Gesetze für Geheimdienste, bessere Überwachung der Datenschnüffler und die eigene Cloud für Europa.
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: Whistleblowerpreis 2013 für Edward Snowden
: Whistleblowerpreis 2013 für Edward Snowden
Den Whistleblowerpreis 2013 erhält Edward Snowden für seine Aufdeckung der massenhaften Überwachung des Datenverkehrs durch westliche Geheimdienste, dies wurde auf der heutigen offiziellen Pressekonferenz in Berlin bekanntgegeben. Der Preis wird von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW e.V.), der deutschen Sektion der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) und Transparency International Deutschland e.V. verliehen und ist mit 3.000€ dotiert.Hartmut Grassl (VDW), Otto Jäckel (Vorsitzender der Deutschen Sektion von IALANA) und Edda Müller (Vorsitzende von Transparency International Deutschland) haben jeweils die Entscheidung kommentiert und gewürdigt.