Tempora: Neue Snowden-Dokumente nennen weitere von Großbritannien angezapften Glasfaser-Kabel, auch Deutsche (Updates)

Die Glasfaser-Kabel in Europa laut Greg's Cable Map

Die Glasfaser-Kabel in Europa laut Greg’s Cable Map

Mindestens vier der vom britischen Geheimdienst angezapften Glasfaser-Kabel geben ihnen Zugriff auf weite Teile des deutschen Internet-Verkehrs. Das berichten NDR und Süddeutsche unter Berufung auf Dokumente von Edward Snowden. Die Deutsche Telekom als Mitbetreiber gibt sich unwissend, hält sich aber immer an die geltenden Landesgesetze.

Der Norddeutsche Rundfunk hat eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie neue Details zur Kabel-Abhör-Aktion Tempora des britischen Geheimdiensts GCHQ versprechen:

Unterlagen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden, zu denen der NDR und die Süddeutsche Zeitung Zugang hatten, zeigen, dass der Dienst wesentliche Teile des europäischen Internet-Verkehrs speichern und analysieren kann. Das betrifft in besonderem Umfang die Daten deutscher Internet-Nutzer: Hier hat der Dienst Zugriff auf zwei Transatlantik-Kabel sowie auf eine der wichtigsten Verbindungen nach Ostasien und das innereuropäische Kabel PEC.

In der 17 Uhr Tagesschau wird es einen Bericht dazu geben. Wann ein „Interview mit Computer-Experte Jörg Schieb“ und der Bericht der Süddeutsche kommen, war noch nicht zu erfahren.

Seit zwei Monaten ist bekannt, dass die Briten mehr als 200 Glasfaser-Kabel angezapft haben und mindestens 46 von ihnen zu jeder Zeit komplett Wegspeichern und analysieren. Betroffen ist unter anderem das Kabel TAT-14 zwischen Deutschland und Nordamerika über Großbritannien. Jetzt also noch ein weiteres Kabel über den Atlantik, eins von Belgien nach Großbritannien und eins nach Ostasien.

In dem neuen Bericht gibt sich die Deutsche Telekom als Mitbetreiber der Kabel unwissend:

Zu möglichen Programmen britischer Geheimdienste habe man „keine Erkenntnisse“, halte sich aber an jeweils geltende Landesgesetze. Die Telekom wies in der Stellungnahme darauf hin, dass die großen Unterseekabel von Firmen-Konsortien betrieben werden, die auf die jeweiligen Partner vor Ort angewiesen seien. Im konkreten Fall habe das Unternehmen „bereits geprüft, ob es eine rechtliche Grundlage gibt, auf der wir von anderen Anbietern Aufklärung über ihre Zusammenarbeit mit britischen Sicherheitsbehörden verlangen können“. Aufgrund des UK Official Secrets Act bestehe allerdings eine Verschwiegenheitsverpflichtung seitens der Unternehmen.

Wir sind gespannt auf weitere Details in den Berichten. Wie immer gilt: Auch netzpolitik.org nimmt gerne Informationen entgegen.

Update: Der Clip der 17 Uhr Tagesschau ist online:

Die einzig neue Detail:

Über drei Überseekabel leitet die Deutsche Telekom Kabel in alle Welt, an zwei der Kabel ist das Unternehmen sogar beteiligt.

Update 2: Jetzt auch Süddeutsche: Britischer Geheimdienst zapft Netz der Telekom an.

Daraus geht hervor, dass der Dienst neben dem Überseekabel TAT-14 auch 13 weitere Glasfaserleitungen ausspäht – sowohl solche, die Europa mit Afrika und Asien verbinden, als auch innereuropäische. Damit hat der Dienst theoretisch auf Verbindungen innerhalb Europas und sogar innerhalb Deutschlands Zugriff.

Die mutmaßlich abgezapften Überseekabel TAT-14 sowie SeaMeWe-3 und Atlantic Crossing 1 treffen an der Nordseeküste auf deutschen Boden – in der ostfriesischen Stadt Norden beziehungsweise auf Sylt. Die Deutsche Telekom sitzt in den Betreiberkonsortien zweier dieser Kabel.

25 Kommentare
    • watsonknows 29. Aug 2013 @ 8:38
  1. NurnochDoof 29. Aug 2013 @ 9:06
  2. yes_we_scan 29. Aug 2013 @ 10:21
      • yes_we_scan 29. Aug 2013 @ 22:27
  3. Schattenkind 29. Aug 2013 @ 10:28
    • @Artisfinee 29. Aug 2013 @ 13:21
      • Peinlicher Kommentar 30. Aug 2013 @ 8:55
  4. yes_we_scan 30. Aug 2013 @ 0:05
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