Lavabit: E-Mail-Anbieter stellt sich gegen US-Behörden und schließt seine Pforten

Der US-amerikanische E-Mailanbieter Lavabit schließt mit sofortiger Wirkung, wie der Betreiber Ladar Levison auf der Webseite mitteilt. Lavabit war ein verschlüsselter E-Mailanbieter der damit warb, „niemals die Privatsphäre seiner Nutzer für Profit zu opfern“. Bekanntheit erlangte der Anbieter in jüngster Zeit, als öffentlich wurde, dass Edward Snowden ein Nutzer von Lavabit sei. Auch wenn die genauen Umstände der Schließung nicht bekannt sind, scheinen US-Behörden Druck auf Lavabit ausgeübt zu haben, Daten der Nutzer auszuhändigen. Um die Privatsphäre seiner Nutzer nicht zu gefährden, hat Levison nun entschieden den Dienst zu schließen.

Dass Ladar Levison diese Entscheidung keineswegs leicht gefallen ist, zeigt eine letzte Nachricht die er auf der Seite veröffentlicht hat:

I have been forced to make a difficult decision: to become complicit in crimes against the American people or walk away from nearly ten years of hard work by shutting down Lavabit.

Zur Zeit ist es Levison nicht gestattet über die genauen Umstände Auskunft zu geben, wie er weiter schreibt.

I wish that I could legally share with you the events that led to my decision. I cannot. I feel you deserve to know what’s going on–the first amendment is supposed to guarantee me the freedom to speak out in situations like this. Unfortunately, Congress has passed laws that say otherwise. As things currently stand, I cannot share my experiences over the last six weeks, even though I have twice made the appropriate requests.


Abschließend äußerte Levison noch die eindringlichee Empfehlung keinem Unternehmen mit SItz in den USA seine privaten Daten anzuvertrauen, solange keine starken Gesetze verabschiedet wurden:

This experience has taught me one very important lesson: without congressional action or a strong judicial precedent, I would _strongly_ recommend against anyone trusting their private data to a company with physical ties to the United States.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass der Macht der amerikanischen Behörden nicht viel entgegen gesetzt werden kann. Auch die besten Absichten und Motivationen sind auf Grund der Allmacht der Geheimdienste und Polizeibehörden wenig wert. Schwache Datenschutzgesetze, welche private Daten der Nutzer eigentlich vor unbefugten Zugriffen schützen sollten, sind in den USA schlicht nicht vorhanden. Die Electronic Frontier Foundation hebt allerdings auch hervor, dass die Schließung von Lavabit ein ganz seltener Fall sei, in dem ein amerikanischer Anbieter tatsächlich seinen Dienst zum Schutz seiner Nutzer einstellt, anstatt den Forderungen von Behörden nachzukommen. Von der Schließung sind rund 400.000 Nutzer direkt betroffen, die nun keinen Zugang mehr zu ihren Mails haben. Lavabit sammelt nun Geld über Paypal um vor Gericht gegen die Herausgabe der Daten vorgehen zu können.

Lavabit ist nicht der einzige E-Mailanbieter der seine Pforten schließt. Auch der amerikanische E-Mailanbieter Silent Circle hat sich entschieden seinen Dienst zu schließen. Wie die Betreiber in einer Mitteilung an seine Nutzer mitteilt, sei auch die Schließung von Lavabit ein Grund den eigenen Dienst einzustellen:

Today, another secure email provider, Lavabit, shut down their system lest they “be complicit in crimes against the American people.” We see the writing the wall, and we have decided that it is best for us to shut down Silent Mail now. We have not received subpoenas, warrants, security letters, or anything else by any government, and this is why we are acting now.

Und auch die Betreiber von Cryptocat, einer Anwendung zum verschlüsselten Kommunizieren über den Browser, haben bereits über Twitter angekündigt den Behörden nicht helfen zu wollen und notfalls den Service einzustellen.

Der große Frage lautet jetzt: Welchen Mailanbietern kann noch vertraut werden? Die großen und bekannten amerikanischen Anbieter wie Googles Gmail, Microsofts Outlook oder Yahoo! Mail dürften von vorneherein ausgeschlossen sein. Auch die bekannten deutschen Anbieter wie GMX und web.de sind vermutlich nicht empfehlenswert. Ein deutscher Anbieter mit einem guten Ruf, mit einem Fokus auf Anonymität und Datenschutz ist posteo. Auch der schweizer Anbieter myKolab ist vielleicht eine Alternative. Wer aber tatsächlich die volle Kontrolle über seine Daten behalten möchte, kommt nicht darum herum seinen eigenen Mailserver zu betreiben. Eine einfache Möglichkeit hierfür könnte das erst kürzlich vorgestellte Client Mailpile sein. Über weitere Empfehlungen zu sicheren Mailanbietern freuen wir uns in den Kommentaren.

24 Kommentare
  1. annonymous 9. Aug 2013 @ 11:03
  2. DerNachfragBär 9. Aug 2013 @ 11:10
    • Empfehlung 9. Aug 2013 @ 11:48
    • Gute Frage 9. Aug 2013 @ 19:56
  3. Marco Havener 10. Aug 2013 @ 14:26
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