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Internetaktivist: Ecuador lässt Ola Bini weiterhin nicht ausreisen
Ola Bini (Archivbild) Internetaktivist: Ecuador lässt Ola Bini weiterhin nicht ausreisen Trotz seines Freispruchs Anfang des Jahres gelten für den schwedischen Aktivisten in Ecuador weiterhin Einschränkungen. Die Bürgerrechtsorganisation EFF beklagt den Rückfall in „alte Muster“, durch die sich das Verfahren nun schon vier Jahre hinzieht.
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Ecuador: Ola Bini freigesprochen und für unschuldig erklärt
Ola Bini (Archivbild) Ecuador: Ola Bini freigesprochen und für unschuldig erklärt Der Freispruch des schwedischen Netzaktivisten Ola Bini in Ecuador hat weltweit für Erleichterung gesorgt. Bini war einen Tag nach Julian Assange verhaftet und für mehr als zwei Monate inhaftiert worden. Ihm wurde damals Computerspionage vorgeworfen, das Verfahren dauerte fast vier Jahre.
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Wikileaks: Zweiter Jahrestag der Verhaftung von Julian Assange
Die USA klagen Julian Assange wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente an. Wikileaks: Zweiter Jahrestag der Verhaftung von Julian Assange Zwei Jahre nach seiner Verhaftung durch die britischen Behörden sitzt Julian Assange immer noch in einem Londoner Hochsicherheitsgefängnis. Weltweit wird die Freilassung des Wikileaks-Gründers gefordert. Die USA halten dennoch an ihrer Anklage fest.
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: Ecuador: Netzaktivist Ola Bini kommt frei
Ola Bini mit seinen Anwälten bei der Verkündung der Gerichtsentscheidung. : Ecuador: Netzaktivist Ola Bini kommt frei Der Netzaktivist Ola Bini darf das Gefängnis verlassen. Ein Gericht hat die Entlassung angeordnet. Ermittlungen laufen aber weiter. Ecuador hatte den schwedischen Aktivisten verhaftet – nur einen Tag nach seinem Freund Julian Assange.
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: Was vom Tage übrig blieb: Datenschutz in Brasilien, Österreich gegen Facebook und Ola Bini in Ecuador
Wann gibt es wohl das nächste Gewitter? : Was vom Tage übrig blieb: Datenschutz in Brasilien, Österreich gegen Facebook und Ola Bini in Ecuador Brasilien gibt sich selbst eine Datenschutzbehörde. Der österreichische Oberste Gerichtshof lässt die DSGVO auf Facebook los. Die anhaltende Festnahme des Softwareentwicklers Ola Bini in Ecuador zeigt die Gefahren vager „Cybercrime“-Gesetze. Eine netzpolitische Weltreise.
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: Was vom Tage übrig blieb: Digitale Kinderarbeit, Überwachungsexportweltmeister China und Prä-Gamergate-Hetze
Unser Bauchgefühl teilt uns mit, dass der Sommer endgültig eingezogen ist und uns bis zum Herbst ausschließlich Sonnenschein ins Haus steht. : Was vom Tage übrig blieb: Digitale Kinderarbeit, Überwachungsexportweltmeister China und Prä-Gamergate-Hetze Unity Media darf WLAN-Hotspots auf Kundenroutern betreiben, Kidfluencer unterlaufen Normen und Gesetze, China baut für Ecuador ein Überwachungsnetzwerk, schwarze Feministinnen kennen Hass im Netz nur allzu gut und Empfehlungsalgorithmen verstärken Stereotype. Die interessantesten Reste des Tages.
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: Ecuadors Regierung arbeitete mit Providern zusammen, um Internetinhalte zu sperren. Und (fast) niemand merkts.
<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0">CC BY-SA 2.0</a> via <a href="https://www.flickr.com/photos/doctorow/16182961310/sizes/l">Gruntzooki (Flickr)</a> : Ecuadors Regierung arbeitete mit Providern zusammen, um Internetinhalte zu sperren. Und (fast) niemand merkts. Im Freedom-on-the-Net-Bericht von Freedom House 2014 ist Ecuador in Sachen Netzzensur als „teilweise frei“ aufgeführt, Sperren von Social-Media-Plattformen wie YouTube gebe es gemeinhin nicht. Das stimmt nicht, denn 2014 gab es mindestens einen Fall, in dem die ecuadorianische Regierung zusammen mit der ecuadorianischen Internetprovider-Vereinigung (AEPROVI) den Zugriff auf Google- und YouTube-Seiten sperrte. Das geht aus Dokumenten hervor, die wir in journalistischer Zusammenarbeit mit Associated Press Whistleblowing und seiner ecuadorianischen Whistleblowing-Plattform Ecuador Transparente veröffentlichen.
Am 28. März 2014 meldeten sich mehrere Kunden bei ihrem Kommunikationsanbieter Telefonica, da sie keinen Zugriff mehr auf Google- und YouTube-Seiten hatten. Die Telefonica-Mitarbeiter konnten das Problem verifizieren und fanden dann heraus, dass die Seiten von AEPROVI-Mitarbeitern auf Anfrage der Regierung blockiert wurden. Anschließend wurden die Seiten wieder freigegeben, dem Problembericht zufolge muss die Sperrung etwa eine halbe Stunde gedauert haben.
Doch was war vorgefallen? Kurz zuvor wurde bekannt, dass der Twitter-Account des ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa gehackt wurde. Der Hack wird AnonymousEcuador zugeordnet, die zur gleichen Zeit auch mehrere private Mails vom Rommy Vallejo veröffentlichten. Vallejo ist Chef des ecuadorianischen Geheimdienstes SENAIN. Die Mails wurden auf der zu Google gehörigen Plattform blogspot.ca veröffentlicht.
Dass AEPROVI so eng mit der Regierung zusammenarbeitet, stellt ein massives Problem dar, denn laut einer Selbstbeschreibung gehören 29 Firmen zu AEPROVI, die zusammen 95 Prozent der gesamten Internetkunden in Ecuador halten. Damit können für Großteile der Bevölkerung ohne jegliche richterliche Prüfung oder ähnliche Schutzmechanismen Seiten nach Willen der Regierung unzugänglich gemacht werden. Seit 2015 hat die Regierung mit Artikel 8 des Telekommunikationsgesetzes auch offiziell die Möglichkeit, in Zeiten des Notstands die Kontrolle über Telekommunikationsdienste zu übernehmen. Notstand ist hier ein breiter Begriff. Dazu gehören bewaffnete Konflikte ebenso wie „nationale, regionale oder lokale Notfälle“. Missbrauch ist Tor und Tür geöffnet, weiter bestärkt dadurch, dass die Telekommunikationsregulierungsbehörde Arcotel dem Ministerium für Telekommunikation zugehörig ist und ihre Vorsitzenden direkt durch den Präsidenten ernannt werden.
Die mit den heute veröffentlichten Dokumenten bekannt gewordene Sperrung ist nur eine. Es ist offen, wie oft die Regierung sonst versucht hat, den Zugang zu Internetinhalten zu sperren, abgesehen von der häufiger vorkommenden Sperrung persönlicher Twitter-Accounts, YouTube-Channels und ähnlichem. Diese laufen jedoch nicht komplett im Verborgenen ab – in der Regel werden Copyright-Verstöße vorgeschrieben, um sich unliebsamer Öffentlichkeit zu entledigen.
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: Internationaler Aufruf gegen Überwachung in Ecuador
Der ecuadorianische Geheimdienst hat Finanzflüsse von Umweltinitiativen untersucht - auch das katholische Hilfswerk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bisch%C3%B6fliches_Hilfswerk_Misereor">Misereor</a> war unter den Unterstützern : Internationaler Aufruf gegen Überwachung in Ecuador Im August berichteten wir darüber, wie der ecuadorianische Geheimdienst SENAIN Politiker und Aktivisten systematisch überwacht hat. Hintergrund waren Unterlagen, die von der Plattform EcuadorTransparente.org an die Öffentlichkeit geleakt wurden. EcuadorTransparante hat zum Ziel, Korruption und Überwachung in Ecuador zu beleuchten und v veröffentlichte die Dokumente in Kooperation mit der NGO Associated Whistleblowing Press (AWP). Sie werden bei der Veröffentlichung unterstützt von einer internationalen Gruppe aus Organisationen und Medienplattformen, der auch netzpolitik.org angehört. Der Aufruf fordert einen Stopp der Überwachungsmaßnahmen und setzt sich für einen Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit ein.
Daher dokumentieren wir an dieser Stelle einen gemeinsamen offenen Brief dieser Gruppe:
Am 4. August 2015 hat die Whistleblowing-Plattform EcuadorTransparente.org, welche von der NGO Associated Whistleblowing Press (AWP) betrieben wird, 31 Dokumente des ecuadorianischen Geheimdienstes SENAIN veröffentlicht. Die Informationen, die sich auf einen Zeitraum von 2012 bis 2014 beziehen, decken auf, dass SENAIN Politiker, Journalisten und Aktivisten im Auftrag der Regierung systematisch ausspähte.
Einige der veröffentlichten Profile, die auch über mehrere hochrangige Politiker wie den Bürgermeister der Hauptstadt Quito und Abgeordnete des Nationalkongresses erstellt wurden, zeigen, dass elektronische Überwachung von Telefongesprächen und E‑Mails durchgeführt wurde, und das offenbar ohne richterliche Anordnung.
Die Dokumente sowie die Enthüllungen über Hacking Team lassen erkennen, dass die ecuadorianische Regierung eine große Bandbreite von regierungskritischen Personen überwacht – darunter Bürger aus den USA, Belgien und Deutschland. Dies steht im Widerspruch zu Ecuadors eigener Verfassung und zu internationalen Menschenrechtsstandards.Die Unterzeichner dieses Briefs treten an die Öffentlichkeit, um:
- das Team von AWP und Ecuador Tranparente sowie Journalisten, die an der Veröffentlichung beteiligt waren, zu unterstützen, da die Enthüllungen von öffentlichem Interesse sind und somit als gesund für die Demokratie des Landes, Meinungsfreiheit, Transparenz und Rechenschaftspflicht gelten sollten,
- die Überwachungstätigkeiten, die anscheinend von der ecuadorianischen Regierung durchgeführt werden, zu verurteilen, da diese einen einschneidenden und gefährlichen Präzedenzfall darstellen, der die demokratische Stabilität Ecuadors langfristig gravierend schädigen und politische Vielfalt und Gedankenfreiheit bedrohen kann,
- der ecuadorianischen Regierung zu empfehlen, derartige Aktivitäten zu stoppen und damit die Achtung der Grundrechte der Bürger in ihrem Land wiederherzustellen: das Recht auf Widerstand, auf Versammlungsfreiheit und – allen voran – das Recht auf Privatsphäre.
Article 19 – weltweit
ContingenteMX – Mexiko
Electronic Frontier Foundation (EFF) – US/weltweit
Free Press Unlimited – Niederlande
Hermes Center for Transparency and Digital Human Rights – Italien
Hiperderecho – Peru
International Modern Media Institute (IMMI) – Island
Plataforma en Defensa de la Libertad de Información (PDLI) – Spanien
netzpolitik.org – Deutschland -
: Leak: Wie der ecuadorianische Geheimdienst SENAIN Politiker und Aktivisten systematisch überwachte (Update: Stellungnahme)
Der ecuadorianische Geheimdienst hat Finanzflüsse von Umweltinitiativen untersucht - auch das katholische Hilfswerk <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bisch%C3%B6fliches_Hilfswerk_Misereor">Misereor</a> war unter den Unterstützern : Leak: Wie der ecuadorianische Geheimdienst SENAIN Politiker und Aktivisten systematisch überwachte (Update: Stellungnahme) SENAIN, ein ecuadorianische Geheimdienst, hat von 2012 bis 2014 Aktivisten und Politiker ausgespäht – auf Anweisung der Regierung. Das enthüllte am heutigen Dienstag die Plattform EcuadorTransparente, die sich zum Ziel gesetzt hat, Missstände im Land – wie Korruption und Überwachung – aufzuklären. Zwar gab es auch zuvor Berichte über die Überwachungsmaßnahmen, EcuadorTransparente veröffentlicht jedoch in journalistischer Zusammenarbeit mit netzpolitik.org im Gegensatz dazu erstmals die zugehörigen Dokumente.
In insgesamt 31 Dokumenten befinden sich Überwachungsprotokolle und Präsentationen über jene, die im Fokus der Überwachung stehen. Die Präsentationen über Profile von Personen betreffen primär Mitglieder und Unterstützer der politischen Oppositionspartei CREO [Creating Opportunities] und Aktivisten, die sich in der Organisation Yasunidos gegen die Ausbeutung von Ölfeldern im Yasuni Nationalpark und die damit verbundene Zerstörung von Natur und Lebensräumen einsetzen.
In einigen der Fälle, beispielsweise in dem des Bürgermeisters von Quito, Mauricio Rodas, wurden Telefone und Mailverkehr abgehört sowie Observationen durchgeführt, wie die Fotos in den Präsentationen zeigen. Außerdem finden sich ausführliche Berichte über Aktivitäten der Überwachten hinsichtlich ihrer Aktivitäten in Sozialen Medien wie Facebook und Twitter und über ihren Umgang mit der Presse.
Bezüglich der Oppositionspartei CREO wurden während der Wahlen in Ecuador außerdem ausführlich soziale Netzwerke und finanzielle Transaktionen analysiert – Unterschriftensammlungen für den Yasuni-Nationalpark sollten sabotiert werden
Doch auch andere standen im Fokus des Geheimdienstes, darunter Geschäftsleute und Journalisten. Nicht nur ecuadorianische Staatsangehörige befinden sich darunter, auch US-Amerikaner und Europäer waren für SENAIN interessant. Darunter der Deutsche Sigmund Thies. Thies lebte mehrere Jahre in Ecuador, ist in Umweltorganisationen aktiv und hat den Film „Yasuní- Alles für das Leben“ produziert, der sich für den Erhalt des Nationalparks ausspricht.
Der ecuadorianische Geheimdienst rüstet auf, das ist klar. 2013 berichtete BuzzFeed exklusiv über den Ankauf eines GSM-Überwachungssystems und auch in den Kundenlisten der kürzlich geleakten Hacking-Team-Dokumente taucht der Name SENAIN auf.
Das Ausspähen von politischen Opponenten ist in Ecuador rechtswidrig, derartige Überwachungsmaßnahmen dürfen nur in Fällen von Ermittlungen aufgrund von Straftaten durchgeführt werden. Der Anwalt Ramiro Avila fasst zusammen:
We have the right to privacy under the constitution. The only way that government can know about the private affairs of a citizen is under the orders of a judge or if they are searching for a crime. That is not the situation here. No authorisation appears to have been given.
Und wieder einmal sehen wir, dass Überwachungskapazitäten genutzt werden, wenn sie einmal vorhanden sind – unabhängig von ihrer Rechtmäßigkeit. Geheimdienste sind Fremdkörper in Demokratien und ihre Kontrolle nahezu unmöglich. Egal wie sehr ein Land sich rühmt, die Grundrechte seiner Bürger zu bewahren.
Update: Der Botschafter Ecuadors in Deutschland hat uns Leserpost geschickt, in der er um Richtigstellung bittet. Wir überlassen euch den Brief einfach im Volltext, dann könnt ihr euch gern selbst eine Meinung bilden.
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: EU versus Ecuador: Geheime Dokumente zeigen, wie bei Verhandlungen von „Frei„handelsabkommen Druck gemacht wird
Protest gegen das Freihandelsabkommen zwischen EU und Ecuador - via ecuadordecidenotlc.blogspot.de : EU versus Ecuador: Geheime Dokumente zeigen, wie bei Verhandlungen von „Frei„handelsabkommen Druck gemacht wird Freihandelsabkommen sind Musterbeispiele für intransparente Verhandlungen. Während EU-Kommission und Lobbyisten Einblick in die Papiere bekommen, bedarf es Leaks, damit Öffentlichkeit und die Parlamentarier in der EU sich ein Bild machen können. Wir veröffentlichen hier eine Diskussion zwischen ecuadorianischen Regierungsvertretern und Diplomaten, die wir in einer journalistischen Partnerschaft mit Associated Whistleblowing Press und ihrer lokalen Plattform EcuadorTransparente.org einsehen konnten. Sie gibt einen Einblick, mit welchen Mitteln von der EU Druck auf die Regierung des Landes ausgeübt wird, auf Bedingungen des wirtschaftlich überlegenen Staatenverbunds einzugehen.
Es geht hier nicht um eines der „großen“ Abkommen wie etwa CETA zwischen EU und Kanada oder TTIP zwischen EU und USA. Neben diesen gibt es noch viele weitere kleinere, von denen man in den Medien kaum erfährt. So etwa das Abkommen zwischen EU und den Andenstaaten Peru, Kolumbien und Ecuador.
Der Text des Freihandelsabkommen mit Ecuador wurde am 23. September dieses Jahres veröffentlicht. Er stellt eine Erweiterung des bereits bestehenden Abkommens mit Peru und Kolumbien dar, das im März beziehungsweise August 2013 in Kraft getreten ist. Ursprünglich hatte sich Ecuador 2009 aus den seit 2007 laufenden Verhandlungen der Andenstaaten mit der EU zurückgezogen, da das Wesen des Freihandelsabkommens der 2008 neu verabschiedeten Verfassung des Landes widerspricht, die ein soziales und solidarisches statt – wie zuvor – soziales und marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem als Grundlage formuliert. Vor allem Passagen zum geistigen Eigentum, Marken- und Patentrechten gefährden Grundsätze von Ecuadors Verfassung, etwa den dort festgeschriebenen Erhalt der Biodiversität.
Mit welchen Mitteln Ecuador dazu gebracht wurde, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, lässt sich anhand der veröffentlichten Dokumente gut nachvollziehen.
„Es wäre doch schade, wenn …“
Der ecuadorianische Botschafter Fernando Yépez Lasso berichtet am 22. November 2011 dem damaligen stellvertretenden ecuadorianischen Außenminister Kintto Lucas über ein Treffen des stellvertretenden Handelsministers mit Peter Thompson aus dem Generaldirektorat für Wirtschaftspartnerschaften der Europäischen Kommission:
Direktor Thompson kann den Vorschlag der Europäischen Kommission nur unterstützen. Er enthält Kriterien, die Ecuador aus dem System allgemeiner Zollpräferenzen ausschließen könnten und für einen baldigen Beitritt unseres Landes zum Freihandelsvertrag sprechen, der von der EU mit Kolumbien und Peru geschlossen wurde. Diese Position der EU-Kommission, die zu mehreren Anlässen wiederholt wurde, ist ein Druckmittel gegenüber Ecuador, dem Freihandelsabkommen beizutreten, da es sonst die Vorteile von ASP+ verlöre und sich im Nachteil gegenüber seinen Konkurrenten aus der Andenregion und Zentralamerika befände.
[…]Ungeachtet dessen, wie ich bereits angemerkt habe, ist die Möglichkeit, dass unser Land im Januar 2014 von ASP+ ausgeschlossen wird, real. [… Ein Freihandelsabkommen wie das mit Kolumbien und Peru] wäre angemessen für eine neoliberale Entwicklung, wie sie in den 90ern propagiert wurde, die aber mit dem Text und Geist unserer derzeitigen Verfassung unvereinbar ist, genau wie mit den Gesetzen für öffentliche Unternehmen und die Sozial- und Solidarwirtschaft.
APS, das Schema allgemeiner Zollpräferenzen, bedeutet Zollvorteile bis hin zum vollständigen Erlass für bestimmte Entwicklungsländer. ASP+ bringt noch weitere Vorteile und kann von denjenigen Ländern beantragt werden, die internationalen Konventionen zu Arbeiterrechten, nachhaltiger Entwicklung und guter Regierungsführung nachkommen. Da Ecuador mittlerweile nicht mehr als Entwicklungsland zählt, wird es ab dem 1. Januar 2015 nicht mehr Teil dieses Vorteilssystems sein, was einen deutlichen Nachteil für die Wirtschaft des Landes bedeutet. Ein wirksames Druckmittel, um einen Freihandelsvertrag durchzusetzen, der einige der dadurch entstehenden Nachteile ausgleichen würde.
Das Freihandelsabkommen ist mit der Verfassung unvereinbar …
Ecuador will jedoch kein Freihandelsabkommen unterzeichnen, da es im Widerspruch zur Verfassung des Landes steht. Das wird auch gegenüber den Medien kommuniziert und die allgemeine Stimmung richtet sich gegen eine Unterzeichnung. Aus einem Schreiben des Botschafters an den Außenminister Ricardo Patiño vom 16. Dezember 2011:
Ich habe mit Zufriedenheit die Stellungnahmen des Staatspräsidenten zur Kenntnis genommen […], in denen unmissverständlich wiederholt wird, dass die Regierung Ecuadors sich nicht darauf einlassen wird, ein Freihandelsabkommen mit der EU zu unterzeichnen.
Solche Aussagen sind klar, präzise und führen zu großen Teilen die Ansätze und für diese diplomatische Mission verbreiteten Informationen über die Auswirkungen und die Art des Freihandelsabkommens mit der EU zusammen. [Ein Freihandelsabkommen] ist ein unpassendes Instrument für das Entwicklungsmodell, dass in der Verfassung von Montechristi festgeschrieben und von der Nationalregierung gefördert wird.
… und mit einem Beitritt zu Mercosur
Nicht nur mit der Verfassung Ecuadors ist ein Freihandelsabkommen schwer vereinbar, auch Bemühungen um eine Vollmitgliedschaft in der südamerikanischen Freihandelszone Mercosur stünden dem entgegen, denn die verbietet bilaterale Freihandelsabkommen mit Drittstaaten. So schreibt Lasso am 4. Januar 2012 über das Dilemma:
Jegliches Handelsabkommen mit der EU ist unvereinbar mit einem Beitritt zu Mercosur, aber vor allem muss noch einmal betont werden, dass die EU ausschließlich Freihandelsverträge verhandelt, aggressiv und unnachgiebig, die Präsident Correa und das Entwicklungsmodell, dass durch die Nationalregierung gefördert wird, ausgeschlossen haben. Das Wirtschaftsabkommen, das mit Kolumbien und Peru geschlossen wurde, und dem Ecuador beitreten wird, ist in vollem Unfang ein Freihandelsabkommen und alle Parteien erkennen das an. Ecuador könnte bei den Beitrittsverhandlungen einige Besonderheiten erwirken, was Kompromisse über seine Pflichten und die Ausführungsfristen angeht, aber das Abkommen ist in seinem Inhalt, seinen Zielen, seinen Methoden und seinen Auswirkungen ein Freihandelsabkommen der Art, die von [unserem] Staatsoberhaupt abgelehnt wurde.
Ja, nein, vielleicht …
Offensichtlich: „Nach über vier Jahren Verhandlungen und klaren Aussagen von Seiten des Staatsoberhauptes, gibt es keinen Raum mehr für Missverständnisse, Wortklaubereien und Falschspieleren“, wie Lasso Ende Dezember schreibt und die Gründe gegen die Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens wiegen schwer. Und so wird es auch von Präsident Rafael Correa gegenüber der Presse propagiert. So titele beispielsweise das Außenministerium in einem Artikel vom 4. Januar 2012: „Präsident Correa sagt ‚Ja’ zu Mercosur und ‚Nein’ zum Freihandelsabkommen mit der EU“ [nur noch über Google Cache erreichbar, Text von uns gespiegelt].
Das gefällt nicht allen, vor allem da im Hintergrund und im Wissen Correas die Verhandlungen mit der EU weiterlaufen. Wobei das Wort „Verhandlungen“ beinahe fehl am Platz ist, denn die EU hält die Zügel fest in der Hand. Botschafter Lasso wendet sich Anfang Januar an Außenminister Lucas:
Dem ist hinzuzufügen, dass der mögliche Ausschluss von ASP+ und der politische Wille Ecuadors, sich an den Verhandlungstisch für den Beitritt zum Freihandelsvertrag mit Kolumbien und Peru zurückzubegeben, wie sich aus der Kommunikation des Vize-Handelsminister eindeutig ablesen lässt, von der EU als Druckmittel gegen unser Land gebraucht werden. Gemeinsam mit der politischen Opposition, der Wirtschaft und den Meldungen bestimmter Medien, die eine Unterzeichnung derartiger Wirtschaftsabkommen extrem forcieren.
Manche fürchten berechtigterweise, die öffentlichen Äußerungen Correas und anderer Regierungsvertreter könnten die EU-Kommission verstimmen. Außenhandelsministers Francisco Rivadeneira verfolgt eine andere Kommunikationstaktik als der Präsident und gibt auch in Interviews an, beide Möglichkeiten offen zu halten. Auch Außenminister Ricardo Patiño verfolgt diese Taktik und verkündet am 17. Januar:
Der Kurs unserer Regierung ist es, in den Dialog mit Mercosur zu treten und parallel Gespräche mit der Europäischen Union zu führen. Wenn wir die Ergebnisse beider Prozesse kennen, werden wir eine finale Entscheidung treffen.
Im letzten uns vorliegenden Schreiben von Botschafter Lasso an Außenminister Patiño heißt es schließlich:
In diesem Kontext sind die Möglichkeiten, die Vorteile von ASP 2014 beizubehalten minimal. Es ist auch schwierig, mit unseren besonderen Umständen dem mit Kolumbien und Peru geschlossenen Handelsvertrag beizutreten.
Wer am Ende gewonnen hat
Wie die Verhandlungen in Hinterzimmer der europäisch-ecuadorianischen Diplomaten ausgegangen sind, wissen wir mittlerweile. Correa hat im Lauf der Zeit seinen Kurs geändert und agierte zunehmend positiver bezüglich der Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens. Aus einer Totalverweigerung, wurde zunächst ein „Nein, höchstens ein Wirtschaftsabkommen“. Und seit Ende September ist der Text des Abkommens veröffentlicht. Correa versucht derzeit, den Menschen Vorteile schmackhaft zu machen.
Das Abkommen gleicht im Wesentlichen demjenigen mit Peru und Kolumbien, mit einigen landesspezifischen Änderungen. Die Zollvorteile aus ASP+ werden noch bis Ende dieses Jahres weiterbestehen, Correa spricht sogar unbestätigterweise von einer weiteren Verlängerung. Eine Vollmitgliedschaft in Mercosur ist derzeit nicht abzusehen, auch aufgrund anderer Hemmnisse wie dem Fehlen einer landeseigenen Währung.
Das Abkommen mit Ecuador mag uns im Vergleich zu TTIP und CETA klein erscheinen, aber die hier vorliegenden Dokumente geben ein gutes Beispiel, wie Verhandlungen ablaufen. Und es erinnert stark an die „Das könnte euch wahrscheinlich mehr schaden als uns“-Argumentation der Vereinigten Staaten, als eine Aussetzung der Verhandlungen des transatlantischen Freihandelsabkommens im Raum stand, nur dass die EU sich diesmal auf der anderen Seite der Übermacht befindet.
Randnotiz: Wer des bürokratischen Spanisch mächtig ist, darf gerne helfen, weitere wichtige Stellen zu übersetzen. Dafür per Mail Kontaktdaten dalassen.