Was vom Tage übrig blieb: Digitale Kinderarbeit, Überwachungsexportweltmeister China und Prä-Gamergate-Hetze

Unity Media darf WLAN-Hotspots auf Kundenroutern betreiben, Kidfluencer unterlaufen Normen und Gesetze, China baut für Ecuador ein Überwachungsnetzwerk, schwarze Feministinnen kennen Hass im Netz nur allzu gut und Empfehlungsalgorithmen verstärken Stereotype. Die interessantesten Reste des Tages.

Unser Bauchgefühl teilt uns mit, dass der Sommer endgültig eingezogen ist und uns bis zum Herbst ausschließlich Sonnenschein ins Haus steht.

Zur Zulässigkeit der unaufgeforderten Aufschaltung eines separaten Wifi-Hotspots bei WLAN-Kunden (Bundesgerichtshof)
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Kabelnetzbetreiber Unity Media auf den Routern seiner Kunden ungefragt einen zweiten, öffentlichen Hotspot einrichten darf. Weder entstünden dadurch Sicherheits- oder Haftungsrisiken noch werde die vertragliche zugesicherte Leistung beeinträchtigt. Es reicht demnach aus, wenn der Internetanbieter eine Möglichkeit zum Opt-Out anbietet und Kunden jederzeit widersprechen können. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale NRW.

‚It’s not play if you’re making money‘: how Instagram and YouTube disrupted child labor laws (Guardian)
Wie Uber, nur für … Kinderarbeit, schreibt Julia Carrie Wong in einem längeren Stück über „Kidfluencer“. Zwar erreichen diese Kinderstars auf Plattformen wie Youtube oder Instagram ein Millionenpublikum und verdienen entsprechend viel Geld dabei. Aber sie – und ihre Eltern – unterlaufen damit nicht nur gesellschaftliche Normen, sondern auch ein sinnvolles Gesetz nach dem anderen.

Made in China, Exported to the World: The Surveillance State (New York Times)
Das autoritäre Regime in China mausert sich langsam zum Exportweltmeister von Überwachungstechnologie. Im Tausch gegen den Zugang zum Ölschatz Ecuadors installierten chinesische Firmen landesweit über 4.000 Überwachungskameras samt zugehöriger Infrastruktur. Die umfangreiche Untersuchung hat die New York Times auch in ein 12-minütiges Video eingedampft.

How Recommendation Videos Run the World (Wired)
Hinter jeder automatisiert generierten Empfehlung nach dem Muster „Kunden, denen dieses Buch gefiel, kauften auch jenes“ steckt eine Rechnermethode, die Stereotype aus Daten destilliert. Die Tech-Soziologin Zeynep Tufekci erklärt, warum solche Methoden die Stereotypisierung verstärken.

The Black Feminists Who Saw the Alt-Right Threat Coming (Slate)
Noch vor Gamergate und der US-Präsidentschaftswahl 2016 versuchten reaktionäre Trolle, soziale Netzwerke als Waffe einzusetzen. Damals richtete sich der Hass gegen schwarze Feministinnen – und kaum jemand hörte zu.

Amazon’s Alexa Team Can Access Users‘ Home Addresses (Bloomberg)
Ein Team bei Amazon, das die Alexa-Sprachbefehle von Nutzern überprüft, kann auf die Ortsdaten und teils sogar auf die genaue Adresse der Assistenzwanzen zugreifen. Das ist,,,nicht gut?

#BlockSidewalk’s War Against Google in Canada (The Nation)
Der Widerstand gegen das von der Google-Mutter Alphabet betriebene Smart-City-Projekt „Sidewalk Labs“ in Toronto wird immer größer.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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