Digital Rights

  • : Die Zukunft des Buches ist digital
    Die Zukunft des Buches ist digital

    Meine wöchentliche Kolumne im Kulturkampf-Blog von Zeit.de: Die Zukunft des Buches ist digital.

    Auf der Frankfurter Buchmesse wird gerade die Zukunft des Buches diskutiert. Vor allem geht es um eine Frage: “Was kann die Verlagsbranche von der Musikindustrie lernen?” Lernen kann sie viel, aber schaut man sich die Strategien verschiedener eBook-Hersteller und die Online-Strategien der Verlage an, kommen Zweifel, ob sie die richtigen Fragen stellt. Die Musikindustrie wurde als erste von der Digitalisierung erwischt. In den ersten Jahren nach Napster galt Kopierschutz mit Digital Rights Management als die Erlösung. Doch scheiterte man damit grandios und seit dem sind Kopierschutztechnologien auf dem Rückzug.

    Hauptgrund war die fehlende Akzeptanz. DRM entmündigt die Nutzer. Sie konnten nicht mehr selbst entscheiden, auf welchen Geräten sie ihre erworbene Musik hörten. Weiterverkaufen oder verleihen ließen sich die digitalen Musikstücke auch nicht. Krönung waren DRM-Standards wie “Plays for Sure” von Microsoft, die dank Marktmacht suggerierten, dass die erworbenen Inhalte selbstverständlich überall nutzbar seien. “Überall” meinte dabei aber “nur auf Microsoft-Plattformen”. Mit der Nachhaltigkeit und dem “Plays for sure” war es irgendwann auch vorbei: Bald kündigte man an, die Kopierschutzserver abzuschalten.

    Und die Buchbranche im Jahre 2009? Die träumt dieselben Träume wie die Musikindustrie vor einigen Jahren. Anbieter wie Amazon schmeißen eBook-Reader wie den Kindle auf den Markt, die nur mit dem eigenen, natürlich geschützten Format funktionieren. Die Verlage hoffen, künftig nur noch Nutzungslizenzen zu verkaufen, nicht mehr richtige Bücher. Und die Nutzer werden bald feststellen, dass irgendetwas nicht stimmt: Für einen ähnlich hohen Preis wie das gedruckte Buch erwirbt man lediglich ein Nutzungsrecht. Das eBook ist weder weiter verkaufbar, noch kann man das Exemplar einem Freund leihen. Unterschiedliche Kopierschutz-Standards sorgen dafür, dass man an einzelne Anbieter gefesselt wird. Wechselt man in einem Jahr vom Amazon-Kindle zur Konkurrenz, kann man wahrscheinlich die gekauften Bücher nicht mitnehmen.

    Aber wie sieht die Zukunft des Buches aus?

    Ich glaube, sie wird ganz anders aussehen, als wir uns das vorstellen können. Das alte Verständnis eines linearen Aufbaus der Erzählstruktur war dem analogen Medium Buch geschuldet. In den meisten eBook-Konzepten wird derzeit das analoge System nur 1:1 auf einen digitalen Vertrieb übersetzt.

    Wo bleiben die Visionen, dass Literatur auch nichtlinear und multimedial sein kann? Gerade die Verschmelzung von Text, Audio und Videoinhalten zu etwas Neuem bietet Chancen. Allerdings, auf den gerade vorgestellten eBook-Readern wird so etwas nicht möglich Sein. Viele Geräte wirken technologisch wie Urgesteine aus den achtziger Jahren.

    Vielleicht wird diese Technologie ja bald von Smartphones überholt. Diese verfügen auch über einen Browser und den passenden Rückkanal: So könnte die Zukunft des Buches viel vernetzter sein… Wenn ich Special-Interest-Bücher lese, interessiert mich doch, wer das gleiche Buch noch liest. Und ich hätte gerne Kontakt zu diesen Menschen. Selbst bei Beststellern kann es interessant sein, direkt im Lesefluss mit anderen Menschen darüber zu kommunizieren.

    Dabei könnte die Verlagsbranche viel von innovativen Konzepten der Musikindustrie lernen: Wer neue Wege geht, hat eher Erfolg als die dröge Masse. Der kanadische Science Fiction Autor und Blogger Cory Doctorow beschrieb auf der vergangenen re:publica´09 (Offenlegung: Der Autor veranstaltet die re:publica-Konferenzen) seine Strategie, Bücher zusätzlich zum Verkauf zu verschenken. Alle seine Werke sind unter einer Creative Commons Lizenz kostenfrei verfügbar. Das führt nicht nur dazu, dass seine Fans die Bücher freiwillig und kostenlos in Sprachen übersetzen, die von seinem Verlag als unrentabel angesehen werden. Die Fans sind auch glücklich über den Vertrauensvorschuss, verlinken auf seine Bücher und weisen andere auf sie hin. Doctorow profitiert dabei von Netzwerkeffekten im Marketing. Sein Geld verdient er weiter mit dem Verkauf der gedruckten Bücher und der eBooks, denn auch sie gibt es für Geld. Selbstverständlich ohne Kopierschutz. Die Frage, was wäre, wenn er keine gedruckten Bücher mehr verkaufen würde, antwortet er, dass Autoren heute ständig innovativ sein und neue Wege gehen müssten. Die Zeiten seien vorbei, wo man jahrzehntelang mit derselben Idee Geld verdienen könnte. Im Zweifel müsse er eben sein Geschäftsmodell anpassen.

    Einige Musiker versuchen das schon und binden ihre Fans in die Wertschöpfungskette ein. Angefangen bei der Finanzierung der Produktion. Der Vorschuss, den früher die Verlage zahlten, kommt so von denen, die die Musik dann hören wollen.

    Auch die Buchbranche braucht Mut für neue Wege. Kopierschutz und geschlossene DRM-Systeme sind keine nachhaltige Lösung, die die Kunden zufrieden stellen wird.

    15. Oktober 2009 43
  • : DPI: So fälschen deutsche Provider Webinhalte
    DPI: So fälschen deutsche Provider Webinhalte

    Ein Artikel bei ZDNet beschreibt ausführlich, wie deutsche UMTS-Anbieter Deep-Packet-Inspection einsetzen und zum Bandbreitenmanagement in den Datenverkehr eingreifen : Internet per UMTS: So fälschen deutsche Provider Webinhalte. Das scheinen nicht nur Vodafone und T‑Mobile so zu machen, auf Twitter gab es Hinweise, dass auch ePlus und o2 dabei sind. Dabei wird die Netzneutralität verletzt. Und so kann ich mich dem Fazit in dem Artikel nur anschließen:

    Hier sind Gesetzgeber und Regulierungsbehörde gefordert, einzugreifen. Funkfrequenzen sind ein knappes öffentliches Gut. Man darf sie nicht in die Hände von Unternehmen legen, die nach Gutdünken selbst entscheiden, was sie ihren Kunden übermitteln und was nicht. Das Netz muss sich als Transportmedium neutral verhalten. Es muss sichergestellt sein, dass alle IP-Pakete in der Nutzlast unverändert beim Empfänger ankommen, es sei denn, der Kunde wünscht es ausdrücklich anders. […] Diesen Bestrebungen gilt es, einen Riegel vorzuschieben. Einen Internetprovider geht es schlicht und einfach nichts an, welche Inhalte in der Nutzlast von IP-Paketen übertragen werden. Jeglicher Einsatz von DPI-Technologie ohne ausdrücklichen Kundenwusch gehört geächtet und verboten. Von der Entwicklung neuer Anwendungen im Internet hängt der Fortschritt in der Gesellschaft entscheidend ab. Die Zugangsprovider müssen sich an Neutralitätsregeln halten.

    Wir brauchen auch in Deutschland und der EU endlich strenge Regeln für Netzneutralität. Wie die aussehen müssen, haben wir hier formuliert.

    Vielleicht können die mitlesenden Juristen mir mal die Frage beantworten, ob bei einem solchen DPI-Einsatz das Post- und Fernmeldegeheimnis verletzt wird?

    Passend dazu ist auch NetzpolitikTV 045: David Reed über Deep Packet Inspection.

    14. Oktober 2009 35
  • : Telekom-Paket: Parlament von seinen Verhandlern betrogen
    Telekom-Paket: Parlament von seinen Verhandlern betrogen

    Das ist eine Übersetzung einer Pressemitteilung von La Quadrature du Net zu den aktuellen Verhandlungen rund um den letzten umstrittenen Paragrafen im EU-Telekom-Paket. Danke an Sebastian L. vom AK-Zensur für die Übersetzung.

    Artikel 138: Parlament von seinen Verhandlern betrogen.

    Brüssel, 14. Oktober 2009 – die Verhandlungen über das Telekommunikationspaket haben eine für Bürgerrechte und Freiheiten besorgniserregende Wende genommen. Die Delegation des Europäischen Parlaments wurde von seinen Verhandlern betrogen, angeführt von Catherine Trautmann (Sozialisten und Demokraten, S&D, die SPD ist in dieser Gruppe Mitglied) und Alejo Vidal-Quadras (Europäische Volkspartei, EPP, u.a. CDU/CSU). In totalem Widerspruch zu dem Mandat, das ihnen ihre Kollegen stellvertretend für das Parlament gegeben hatten, willigten die Verhandler unilateral ein, als Arbeitsgrundlage einen Vorschlag des EU-Ministerrates zu verwenden, der Bürgerrechte negiert. Dieser gefährliche Vorschlag ist nun auf dem Weg, den Artikel 138 im Trautmann-Report zu ersetzen, für den sich das Parlament zweimal mit einer Mehrheit von 88% ausgesprochen hat.

    14. Oktober 2009 41
  • : Soll die GEMA aufgelöst werden?
    Soll die GEMA aufgelöst werden?

    Einige seltsame Töne waren da neulich schon zu hören, beim VUT-Panel der all2gethernow: Man sprach offen über ein neues Super-Gebilde zur Zusammenführung aller Rechte am deutschen Musikrepertoire, und sogar über eine mögliche Auflösung der GEMA und Neugründung in zeitgemäßerer Form – ganz nach dem Vorbild englischer Clubs, die bestimmte Mitglieder loswerden wollen. Man waren allerdings in diesem Falle weder Netzaktivisten noch frustrierte GEMA-Mitglieder, sondern u.a. GEMA-Syndikus Alexander Wolf, Patrick Strauch von Sony/ATV-Deutschland und Mark Chung von Freibank.

    13. Oktober 2009 27
  • : DigiRights Solutions Praesentation zur Gewinnverbesserung durch Abmahnungverfahren
    DigiRights Solutions Praesentation zur Gewinnverbesserung durch Abmahnungverfahren

    Mal wieder was Interessantes auf Wikileaks: DigiRights Solutions Praesentation zur Gewinnverbesserung durch Abmahnungverfahren. (PDF)

    Praesentiation der deutschen Anti-Filesharing-Gruppe DigiRights Solutions GmbH aus Darmstadt. Die Praesentation behandelt unter anderem wie die Services der Gruppe zur Generierung von Profit ueber rechtliche Verfahren genutzt werden koennen. Die Praesentation, die bis vor kurzem auf der Website der DigiGroup zu finden war, wurde nach einem Artikel auf Gulli entfernt. Die Datei gibt einen Einblick in die zweifelhaften Geschaeftspraktiken der DigiGroup und weiterer involvierter Parteien. Das Abmahnungsverfahren, als Instrument zur unbuerokratischen und schnellen Regulierung von zivilrechtlichen Belangen, wird von DigiRight als Moeglichkeit zur Schaffung von Profit vorgestellt. So wird das Abmahnen von Filesharern auf den Seiten 26 und 27 in einer Beispielrechnung als wesentlich lukrativer angepriesen, als der eigentliche Verkauf der Werke. Die Abmahnkosten sollen eigentlich nur der Deckung der Kosten des Abmahners dienen, nicht aber der Schaffung von Gewinnen.

    Schön herausgearbeitet: Mit einer Abmahnung für ein Lied hat man den 150-fachen Gewinn gegenüber dem Verkauf eines Liedes.

    13. Oktober 2009 47
  • : Rücknahme von Zensursula-Gesetz theoretisch möglich?
    Rücknahme von Zensursula-Gesetz theoretisch möglich?

    Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt über die Frage, ob die FDP in den Koalitionsverhandlungen die Rücknahme des Zensursula-Gesetz durchsetzen kann: Keine Einwände gegen Internetsperren. Allerdings sieht die FAZ keine Chancen. Zwar gibt es die theoretische Möglichkeit, aber für eine Rücknahme oder Verbesserung sei es schon zu spät.

    „Ministerien sind verpflichtet, beschlossene Gesetze weiterzureichen“, sagte Anna Leisner-Egensperger, Lehrstuhlinhaberin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Sonst würde die Verwaltung das Parlament blockieren können.“ Zwar lässt der verfassungsrechtliche Grundsatz der „Diskontinuität“ Gesetzesvorhaben verfallen, wenn sich ein neuer Bundestag gebildet hat. Das neue Parlament soll nämlich nicht mit der liegengebliebenen Arbeit des Vorgängers belastet werden. „Das betrifft jedoch nur Gesetzesvorlagen“, sagte die Staatsrechtlerin Leisner-Egensperger. In diesem Falle allerdings ist das Beschlussverfahren schon abgeschlossen. Das Ministerium ist also demnach lediglich ein notwendiger Bote auf dem Weg zum Staatsoberhaupt.

    Abgesehen davon gibt es einen zweiten Punkt, den man beachten sollte: Die großen Provider haben in den letzten Monaten schon massiv in die Zensurinfrastruktur investiert, die in den kommenden Tagen womöglich auf Basis der Verträge mit der Bundesregierung eingesetzt wird. Diese Maschine rollt.

    Trotzdem: Schön wäre es. Ansonsten warten wir auf das Bundesverfassungsgericht.

    12. Oktober 2009 21
  • : Google-Maps: Chinesische Blogger hinter Gittern
    Google-Maps: Chinesische Blogger hinter Gittern

    BoingBoing verweist auf eine Karte bei Google-Maps, die viele hinter Gittern sitzende chinesische Blogger mit dem Standort ihres Gefängnis anzeigt.

    china_prison_googlemaps

    Ist zwar alles auf chinesisch, aber trotzdem eine schöne Visualisierung.

    [Danke an Johannes]

    12. Oktober 2009 9
  • : 3sat Neues: Internetzensur in Frankreich
    3sat Neues: Internetzensur in Frankreich

    Nochmal 3sat Neues vom Wochenende, diesmal zum Thema „Internetzensur in Frankreich – Ist „Hadopi“ der Anfang vom Ende?“.

    Es war eine schwere Geburt, ein jahrelanges Gezerre. Wie schützt man die Rechte von Autoren und Künstlern in Zeiten des Internets. Und wahrt dabei gleichzeitig demokratische Grundrechte wie Meinungs- und Informationsfreiheit. Frankreichs Parlamentarier glauben eine Antwort gefunden zu haben. Ein Gesetz namens „Hadopi.

    (Update: Da das Youtube-Video irgendwie asychron ist, ist hier der direkte LInk zur ZDF-Mediathek)

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    12. Oktober 2009 7
  • : Bürgerrechte sind keine Verhandlungsmasse!
    Bürgerrechte sind keine Verhandlungsmasse!

    Foebud und Campact haben einen „offenen Brief an Frau Leutheusser-Schnarrenberger“ online gestellt, der von allen unterzeichnet werden kann. Damit wollen sie Einfluss auf die Koalitionsverhandlungen nehmen und die FDP daran erinnern, dass Bürgerrechte keine Verhandlungsmasse sind.

    Das kann man unterzeichnen:

    Sehr geehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger,

    im Wahlkampf hat sich die FDP als Bürgerrechtspartei präsentiert. Ich
    erwarte deshalb von Ihnen: Beweisen Sie in den Koalitionsverhandlungen
    mit der Union, dass es der FDP mit der Verteidigung von Freiheit und
    Bürgerrechten wirklich ernst ist. Insbesondere fordere ich:

    - Stoppen Sie die flächendeckende Protokollierung aller Telefon- und
    Internetverbindungen und ‑standorte (Vorratsdatenspeicherung).

    - Verbieten Sie Schnüffelchips (RFID) in Reisepässen und
    Personalausweisen, auf denen unsere biometrischen Daten gespeichert
    und per Funk auslesbar gemacht werden.

    - Stoppen Sie das Gesetz zu Internet-Sperren. Es ebnet den Weg zu
    einer systematischen Zensur des Internets, ist aber wirkungslos gegen
    Straftäter und Straftaten.

    - Schaffen Sie ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz, das den Schutz vor
    Bespitzelung am Arbeitsplatz sicher stellt.

    Bürgerrechte sind keine Verhandlungsmasse. Lösen Sie Ihr
    Wahlversprechen ein: Stoppen Sie den Überwachungswahn von Staat und
    Wirtschaft!

    Mit freundlichen Grüßen

    12. Oktober 2009 20
  • : 3sat: Netzsperren weltweit
    3sat: Netzsperren weltweit

    Nochmal 3sat neues zur Netzzensur, diesmal der Beitrag „Netzsperren weltweit“.

    „neues“ blickt in die weite Welt des Netzes und zeigt, welche Länder bereits Sperrtechnologien einsetzen und dass selbst demokratische Staaten diese Technologien einsetzen.

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    12. Oktober 2009 29
  • : 10 Netzpolitik-Punkte auf Youtube
    10 Netzpolitik-Punkte auf Youtube

    Wolfgang Noelke hat mich für seine Video-Sendung „Wolfgangs Wissen Werte“ zu meinen „zehn Forderungen für eine zeitgemäße Netzpolitik“ befragt und das zu Video hochgeladen. In 15 Minuten beschreibe ich da, was man in unter einer Minute im Blog lesen kann. Wegen der 10 Minuten Begrenzung von Youtube gibt es zwei Teile.

    Vor zwei Jahren schon formulierte Markus Beckedahl zehn Forderungen für eine zeitgemäße Netzpolitik. Die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und FDP böten die Chance, dass wenigstens einige dieser Punkte Beachtung finden. Da jedoch die künftigen Koalitionäre angesichts der Zensur- und Überwachungsgesetze zeigten, von Netzpolitik und den Chancen der digitalen Vernetzung offensichtlich wenig zu verstehen, bat ich Markus Beckedahl um einige ergänzende Erläuterungen seiner 10 Punkte, so dass wenigstens die Physikerin Dr. Merkel jene Zusammenhänge begreifen und positiv bewerten müsste, die sich die FDP teilweise zueigen machte.

    Eventuell ist jetzt auch dieser oder jener Abgeordnete in der Lage, dem längst vollzogenen gesellschaftlichen und technischen Wandel zu folgen und zu begreifen, dass es beim Thema Internet um mehr geht, als um Kriminalität und Terrorismus, nämlich um die Zukunftschancen eines ‚Landes der Dichter und Denker’.

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    12. Oktober 2009 4
  • : Internetzensur: Ein Zukunftsszenario
    Internetzensur: Ein Zukunftsszenario

    3sat Neues hat ein Zukunftsszenario zur Internetzensur beschrieben:

    Der Schriftsteller Iljia Trojanow hat zusammen mit Juli Zeh ein Buch über staatliche Überwachung geschrieben: „Angriff auf die Freiheit. Wir haben mit den Autoren über die Zukunft nachgedacht.

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    10. Oktober 2009 31
  • : Schäuble gibt Populismus und Handwerksfehler bei Zensursula zu
    Schäuble gibt Populismus und Handwerksfehler bei Zensursula zu

    Auf einem «Wertekongress» der baden-württembergischen Landtags-CDU hat Wolfgang Schäuble heute in einer Keynote über das Internet und so referiert. Dabei ging es selbstverständlich um den „rechtsfreien Raum“. Interessant ist , was der dpa Landesdienst Baden Würtemberg berichtet:

    Der Minister gab handwerkliche Fehler beim sogenannten Zugangserschwerungsgesetz für Stoppschilder im Internet zu. Das Gesetz zum Schutz vor Kinderpornografie sei im Endspurt des Wahlkampfes auch deshalb entstanden, um die CDU gegenüber anderen Parteien abzusetzen.

    In seiner Rede, die uns vorliegt, hat Wolfgang Schäuble viele positive Dinge über das Internet gesagt. Aber auch Dinge wie, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein könne , und dass es viel Arbeit sein werde, das durchzusetzen. Zitat: „Es gibt keine Freiheit ohne Regeln und Grenzen. Sie zerstört sich immer selbst.“

    Und weiter:

    „Es ist im Sinne der Nachhaltigkeit unserer Ordnung, Straftaten vorzubeugen. Dazu müssen wir neben der Bekämpfung von Rechtsbrechern auch Angebote stärken, die geeignet sind, ein Abgleiten in Extremismus und Gewalt zu verhindern. Und ein verstärkter Einsatz von Videokameras an öffentlichen Brennpunkten ist sinnvoll, wo Anonymität, also schwächer werdende soziale Kontrolle keinen ausreichenden Schutz mehr gewährt.“

    Was Videoüberwachung zur Vorbeugung von Straftaten bringen, ist ja mittlerweile wissenschaftlich bewiesen: Eigentlich gar nichts.

    In der abschließenden Frage und Antwort Runde ging er auch auf die Piratenpartei ein. Freundlicherweise bekamen wir Zitate von vor Ort geliefert, wonach er erklärte, dass man sich manchmal gegen Widerstände durchsetzen müsse, auch wenn sie einen „kurzfristig“ zwei Prozent der Wählerstimmen kosten würden. Ein Professor der Stuttgarter Hochschule der Medien fragte Schäuble, wie man dem Internet Herr werden könne, denn seine Studenten würden es gar nicht verstehen, dass geistiges Eigentum geschützt werden müsse. Schäuble sprach sich daraufhin für eine schärfere Reglementierung des Internets aus und erklärte, „Kultur wie Marktwirtschaft gehen nicht ohne den Schutz geistigen Eigentums“.

    Spannend ist die Frage, warum es den Zensursula-Gesetzgebungsprozess etwas in Frage stellte. Einerseits ist es ein Eingeständnis, dass es hier bewusst um Populismus gegangen ist. Vielleicht muss man das Eingeständnis auch vor der Kulisse der Koalitionsverhandlungen sehen, wo die FDP vielleicht die eine oder andere Verbesserung an dem Gesetz aushandeln kann und wo Schäuble die rhetorische Vorlage für die Kommunikationsstrategie geliefert hat. Wir werden es sehen.

    10. Oktober 2009 58
  • : Phoenix-Runde: Viel Überwachung, wenig Freiheit?
    Phoenix-Runde: Viel Überwachung, wenig Freiheit?

    Gestern Abend gab es in der „Phoenix-Runde“ eine interessante Diskussion über „Viel Überwachung, wenig Freiheit? – Der Zank um die Innere Sicherheit“

    Union und FDP streiten um die Innere Sicherheit, der Ausgang der Koalitionsverhandlungen ist noch nicht absehbar. Während die FDP mehr Bürgerrechte und damit mehr Freiheiten fordert, lehnt die Union einen Kurswechsel in ihrer bisherigen Politik für die Innere Sicherheit ab. Tragen Online-Durchsuchungen oder die Speicherung von Telefondaten zu mehr Sicherheit der Bürger bei? Gibt es keine Freiheit ohne Innere Sicherheit? Oder werden wir zu stark überwacht?
    Sendetermine

    Gaby Dietzen diskutiert in der PHOENIX Runde u.a. mit
    Konrad Freiberg (Gewerkschaft der Polizei), Hans-Peter Uhl (CSU) und Constanze Kurz (Informatikerin, Humboldt-Universität zu Berlin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs).

    Davon gibt es bisher eine MP4 im Podcast. Ein Video-Stream soll im Laufe des Tages kommen.

    9. Oktober 2009 24
  • : Rumänien: Data-Retention verfassungswidrig
    Rumänien: Data-Retention verfassungswidrig

    Erfreuliche Nachrichten aus Rumänien berichtet die Futurezone: Rumänien: Data-Retention verfassungswidrig.

    Die rumänische Umsetzung der EG-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung (Data-Retention) ist am Donnerstag vom Verfassungsgericht in Bukarest für verfassungswidrig erklärt worden. Das berichtet die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax. Die verdachtsunabhängige Erfassung und Speicherung sämtlicher elektronischer Kommunikationsvorgänge und Handystandortdaten sei nicht mit Artikel 28 der rumänischen Verfassung vereinbar, der das Kommunikationsgeheimnis garantiere, so das Gericht. Es gab damit einer Bürgerrechtsorganisation recht, die gegen den Mobilfunkprovider Orange eine Musterklage angestrengt hatte. Das Gericht ist der Ansicht, dass die Strafverfolger nur bei einem konkreten Verdacht, mit richterlicher Genehmigung und unter Kontrolle der Staatsanwaltschaft in das Kommunikationsgeheimnis eingreifen dürfen.

    9. Oktober 2009 13
  • : Lieferte Yahoo Nutzerdaten an Iran?
    Lieferte Yahoo Nutzerdaten an Iran?

    Das Blog ZDNet Government berichtet „exklusiv“, dass Yahoo während der Proteste im Iran Daten von 200.000 Yahoo-Nutzer der Regierung zur Verfügung gestellt haben soll: Exclusive! Yahoo provided Iran with names of 200,000 users. Die Daten soll es im Austausch für die Rücknahme von yahoo.com von der iranischen Filterliste gegeben haben. Als Quelle wird ein iranisches Blog namens „Iranian Students Solidarity“ genannt, was laut Angaben des ZDNet-Bloggers glaubwürdig sein soll und schon öfters aus iranischen Regierungskreisen solche Informationen geleakt haben soll.

    Die Geschichte soll so ausgesehen haben:

    Die iranischen Behörden wollten wohl Daten aller Yahoo-Nutzer aus dem Iran haben. Für Yahoo waren das aber zuviele Daten. So hat man nur die Daten von Yahoo-Nutzern,die in Blogs publizieren, verwendet. Google soll auch angefragt gewesen sein, hat aber wohl alles verzögert und nichts ausgeliefert.

    Die Geschichte klingt plausibel und Yahoo ist ja bereits negativ in China aufgefallen mit der Herausgabe von Nutzerdaten. Es ist aber bisher unklar, ob die Meldung echt ist oder nicht.

    Hier ist die englische Übersetzung des Farsi-Posts:

    On 27th of Shahrivar (Day of Qods) when Iranians demonstrated again on the streets, the Iranian authorities in addition to blocking many internet sites, all over Iran, blocked or severely limited access to Yahoo and Google. Google did not react and its problem was resolved with 48 hours, but Yahoo sent a representative to Iran’s telecommunications ministry, to resolve the issue. During the meeting with Iranian Internet authorities and telecommunications authorities, Yahoo representatives were asked to provide Iranian authorities with the names (data) on all Iranian Internet account holders in exchange for removing the block/filter on the Yahoo website.

    The Yahoo representative subsequently expressed that currently there were more than 20 million email accounts and providing such a list will be a very time-consuming process. To which the IRGC (Islamic Republic Guardian Council) replied by asking the representative to provide email accounts of those individuals who have Yahoo accounts and are publishing blogs. Apparently this made Yahoo’s task a bit easier and the Yahoo representative agreed to provide such a list within a matter of hours. Upon the receipt of such a list, which included approximately 200,000 emails, by the Iranian authorities, the regime immediately unblocked access to the Yahoo.com website. The list went back as far as five years and included active and inactive accounts and blogs.

    [via]

    Kleine Anekdote am Rande: Ich habe versucht, Yahoo Deutschland für eine Stellungnahme zu kontaktieren. Die auf der Webseite als Pressesprecherin geführte Dame ist bis einschließlich heute im Urlaub und erst wieder am Montag erreichbar. Als Ersatz bietet die Auto-Reply Funktion den Kontakt einer PR-Agentur an. Da gibts auch eine Auto-Reply Funktion, dass der angegebene Kontakt bis Montag nicht erreichbar ist.

    Update: Jetzt hat Yahoo doch geantwortet und dementiert:

    „The allegations in the story are false. Neither Yahoo! nor any Yahoo! representative has met with or communicated with any Iranian officials, and Yahoo! has not disclosed user data to the Iranian government. Yahoo! was founded on the principle that access to information and communications tools can improve people’s lives, and Yahoo! is committed to protecting and promoting freedom of expression and privacy. To learn more about our human rights efforts, please visit: http://humanrights.yahoo.com.”

    Mal schauen, ob da noch was kommt.

    9. Oktober 2009 10
  • : Neuigkeiten von der Zensursula-Front
    Neuigkeiten von der Zensursula-Front

    Es gibt Neuigkeiten von der Zensursula-Front. nach Angaben des Providerverbandes ECO wird es wohl keinen Einspruch der EU-Kommission geben. Das berichtet Heise: Brüssel signalisiert grünes Licht für Sperrgesetz. Etwas anderes wäre zwar schön gewesen, hätte mich aber auch verwundert. Die nächsten Schritte sind dann eine offizielle Bestätigung durch die EU-Kommission und die Unterschrift des Bundespräsidenten.

    Dazu gibt es ein Urteil des Verwaltungsgericht Wiesbaden, was Heise weiter beschreibt:

    Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat das Bundeskriminalamt (BKA) mittlerweile aufgefordert (PDF-Datei), unverzüglich „eindeutige eidesstattliche Versicherungen“ abzugeben, dass der zwischen dem BKA und dem Zugangsanbieter Arcor/Vodafone geschlossene Sperrvertrag bislang nicht umgesetzt worden sei und eine Übermittlung der geplanten Filterliste nur nach Inkrafttreten des Gesetzes erfolge. Andernfalls müsse ein Eilverfahren gegen das BKA fortgeführt und die Frage der Nichtigkeit des Vertrags geklärt werden. Angegriffen hatte die Vereinbarung ein Arcor-Kunde, der auch als Webhoster tätig ist. Die Anwältin des Klägers, Eva Dworschak aus Bremen, kündigte ferner an, gegen Bescheide des Oberlandgerichts Frankfurt in einem zivilrechtlichen Parallelverfahren gegen Arcor direkt Verfassungsbeschwerde einzulegen. Die Berufungsinstanz hatte die Ablehnung eines Antrags auf einstweilige Verfügung gegen Arcor durch das Frankfurter Landgericht bestätigt. Demnach gibt es keinen Grund für ein Einschreiten gegen den Sperrvertrag. Für die Frankfurter Kammern sind die Blockaden nur gegen kinderpornographische Seiten gerichtet. Sie stellten für den Kläger zudem keine Gefahr da, weil sie nach dessen eigener Darstellung leicht zu umgehen seien.

    Auf Twitter verbreitete sich die Nachricht heute Mittag rasent schnell, dass das Gericht dem BKA die Umsetzung der Sperrverträge mit Providern verboten habe. Torsten Kleinz hat sich aber das aber genauer angeschaut:

    In dem im zu Grunde liegenden Blogbeitrag ist der Schriftsatz verlinkt, der eine ganz andere Sprache spricht. Hier wird lediglich auf eine unzureichende eidesstattliche Versicherung des BKA vom April verwiesen. Legt das BKA eine nachgebesserte Erklärung vor, ist das Verwaltungsgerichtsverfahren hinfällig. Legt das BKA keine ausreichende Erklärung vor, beschäftigt sich das Verwaltungsgericht überhaupt erst Mal mit der Frage, inwieweit diese Sperrverträge gegen die Rechte des Klägers verstoßen.

    In einer Pressemitteilung forderte der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur die umgehende Rücknahme des Zugangserschwerungsgesetzes im Rahmen der Koalitionsverhandlungen: Neue Koalition soll Zugangserschwerungsgesetz zurücknehmen.

    Was mir immer noch unklar ist: Was ist eigentlich, wenn unerwarteterweise die FDP in den Koalitionsverhandlungen durchsetzt, dass das Gesetz tatsächlich zurückgenommen wird? Die SPD hatte ja dieses Gesetz der CDU/CSU aufgedrängt und vielleicht hat letzteres gar kein großes Interesse daran. Was also passiert, wenn das Gesetz fällt: Bleibt es dann bei den Verträgen und der Ankündigung der großen Provider, diese zu erfüllen und wäre damit irgendwas gewonnen? Oder ist es überhaupt realistisch, dass die FDP auch gegen die CDU/CSU durchsetzt, die Verträge zurückzunehmen, wenn einige Provider wie Vodafone schon verkündet haben, selbstverständlich und gerne den „Schund“ aus dem Netz zu sperren?

    8. Oktober 2009 30
  • : Piratenpartei zur Kulturflatrate
    Piratenpartei zur Kulturflatrate

    Jens Seipenbusch von der Piratenpartei hat der Zeitschrift ProMedia ein Interview gegeben. Dabei geht es um die Urheberrechtspolitik der Piratenpartei und auch um die Kulturflatrate. Ich frag mich allerdings, ob Jens auch das Konzept der Kulturflatrate verstanden hat. Einige Formulierungen seiner Antworten weisen nicht unbedingt darauf hin. Man kann ja für oder gegen die Kulturflatrate sein. Aber etwas Hintergrundwissen zum Urheberrecht sollte man schon in solche Interviews mitbringen, um sich gegen Kritik besser abzusichern.

    Ein Best of:

    Seipenbusch: Wir glauben, dass eine Kultur-Flatrate nicht die Lösung ist. Das ist aus unserer Sicht zu kurz gedacht, da man die gesellschaftliche und technische Entwicklung mit einer staatlichen Finanzmaßnahme kompensieren würde. Das funktioniert nicht und hat auch in der Vergangenheit nicht funktioniert.

    Bei einer Kulturflatrate handelt es sich um ein Konzept, was Pauschalabgaben auf Internetzugänge erhebt, nach dem Vorbild von Urheberrechtsabgaben auf Rohlingen oder Radio-Airplay. Das bewährte System hat dabei nichts mit einer „staatlichen Finanzmaßnahme“ zu tun.

    Aber es wird besser:

    Niemand hätte während der Industrialisierung Unternehmen subventioniert, die zu den Verlierern dieser Zeit gehörten. Die notwendige Anpassung ist aus unserer Sich die Folge der gesellschaftlichen Entwicklung, die man nicht kompensieren sollte.

    Es gibt einen großen Grund, warum die Verwerter, also die Industrie-Unternehmen gegen die Kulturflatrate sind: Die Erlöse sollen den Urhebern, also den Künstlern zukommen. Und hier stellt sich die generelle Frage: Wollen wir Kultur komplett dem freien Markt überlassen oder will eine Gesellschaft Kultur fördern?

    Weiter gehts:

    Man muss auch zwischen der Kultur-Flatrate und dem Modell der Verwertungsgesellschaft unterscheiden. Die Kultur-Flatrate wäre ein bürokratisches Monster. Es müsste jegliche Kultur erfasst werden und das, obwohl die Begriffe Kultur und Kunst gar nicht eindeutig abzugrenzen sind. Der Staat sollte aus meiner Sicht auch nicht definieren, was Kultur ist und was nicht.

    Wieso muss man zwischen einer Kulturflatrate und dem Modell der Verwertungsgesellschaft unterscheiden? Das Modell der Kulturflatrate ist die Übertragung des analogen Modells auf das Netz. Im übrigen ist das Pauschalabgabensystem die Basis für unsere Privatkopie.

    Ein Satz verwirrt mich etwas:

    Wenn die Linke eine pauschale finanzielle Entschädigung aller Urheberrechtsinhaber verlangt, hat das schon fast kommunistische Züge. Eine solche Gleichmacherei würde auch die freie Marktwirtschaft gefährden, die wir erhalten wollen. Kunst hat auch immer einen nicht-kommerziellen Aspekt.

    Wie von Seiten der Linkspartei schon angemerkt wird, hat sich Die Linke noch nicht entschieden, ob sie eine Kulturflatrate will. Bisher fordern erst die Grünen eine solche, die SPD möchte sie zumindest prüfen. Und wo ist der Kommunismus im bewährten Pauschalabgabensystem? (Was viele Bugs hat, keine Frage, siehe GEMA-Problematik mit Creative Commons). Diese Argumentation hörte man bisher immer nur von der FDP, die Pauschalabgaben abschaffen wollte, um DRM-Technologien und Kopierschutz Salonfähig zu machen.

    Dann geht es weiter zum GEMA-Bashing, wo ich die Kritik ja teile, aber das ist nicht unbedingt Teil der Argumentation gegen eine Kulturflatrate. Was wäre denn, wenn die bekannten GEMA-Probleme beseitigt wären, mehr Demokratie Einzug hält und der Verteilungsschlüssel gerechter ist? Wäre dann die Piratenpartei für oder gegen eine Kulturflatrate?

    Hier geht es nicht nur um Unterhaltungsindustriegüter, denn Kunst und Kultur sind sehr viel mehr als das. Wir glauben, dass die Verteilung innerhalb der jetzigen Verwertungsmodelle nicht korrekt ist und fordern eine entsprechende Reform. Dieses Problem sehen wir beispielsweise bei der GEMA. Die Ausschüttung der Einnahmen erfolgt anhand eines Kataloges, was dazu führt, dass die Großen unverhältnismäßig mehr bekommen als die Kleinen. Die GEMA ist durch ihren Alleinvertretungsanspruch und ihre Struktur nicht mehr zeitgemäß.

    Zum Abschluß gibt es noch das:

    Ich halte Portale wie „Jamendo“, das auf neuen „freien“ Lizenzen beruht, für zukunftweisender. Die Künstler können eigenständig ihre Musik freiwillig einstellen. Erst wenn jemand diese Musik kommerziell nutzen will, schließt er einen entsprechenden Vertrag mit dem Musiker ab. Damit fahren die Künstler sehr gut, denn es ist das ursprüngliche Interesse eines Urhebers, sein Werk an den Mann zu bringen und Geld damit zu verdienen. In solchen „Creative Commons“ liegt meiner Meinung nach die Zukunft.

    Und hier kommen wir zur Archillesferse der Argumentation der Piratenpartei. Auf einigen Panels, wo ich Vertreter der Piratenpartei bisher zum Urheberrecht gesehen habe, kam es immer spätestens an einem Punkt zu Argumentationsproblemen. Piraten forderten Wahlfreiheit der Künstler bei der Verwendung von Creative Commons. Urheberrechtsvertreter und Künstler forderten Wahlfreiheit in der Entscheidung, wie sie ihre Werke lizenzieren. In der Argumentation geht der Punkt dann nie an die Piratenpartei. Vor allem, wenn sie das Recht auf Privatkopie fordert und eine Ausweitung dazu.

    Ich glaube, diesen Punkt kann man argumentativ durch die Forderung nach einer Kulturflatrate gewinnen. Indem man klar raus stellt, dass Künstler selbstverständlich das Recht haben, selbst zu bestimmen. Aber dass sie auch selbstverständlich die Sozialbindung des Eigentums respektieren müssen, worauf sich das Recht auf Privatkopie begründet. Und durch eine Kulturflatrate könnte man dies klarstellen. Denn für diese digitale Privatkopie gibt es dann Kompensation. Und das ist kein Kommunismus.

    Wie ich schon geschrieben habe: Es gibt viele Argumente für und gegen eine Kulturflatrate. Einige Punkte sind auch noch nicht abschließend geklärt und bedürfen einer größeren Diskussion. Die Argumentation von Jens Seipenbusch finde ich nur außergewöhnlich schwach.

    8. Oktober 2009 111
  • : Leistungsschutzrecht – Angriff auf das Grundrecht der Informationsfreiheit.
    Leistungsschutzrecht – Angriff auf das Grundrecht der Informationsfreiheit.

    Matthias Spielkamp hat für für Zeitschrift Message einen Hintergrund-Artikel über die Lobby-Strategien der deutschen Verleger geschrieben, die ein Leistungsschutzrecht fordern: Die Lobbyisten der Unfreiheit.

    »Das wäre in etwa das, was Herr Burda ein erweitertes Nutzungsrecht nennt. Damit soll offenbar ein Urheberrecht eingeführt werden, das es in dieser Form noch nicht gibt: der Schutz von Überschriften und Nachrichten.«, sagt Branahl. »Es käme außerdem der Schutz von Informationen in Betracht – wenn etwa die DPA als Erste Informationen hat und sie verbreitet, und dann ein anderer diese Informationen nutzt, um eigene Texte zu schreiben.« Branahl weiter: »Auf diese Weise nicht mehr schöpferische Leistungen zu schützen, sondern die darin steckende Information, wäre ein Bruch mit sämtlichen kontinentalen Freiheitstraditionen. Jemand, der eine Nachricht als Erster verbreitet, hätte eine Monopolstellung und könnte die Verbreitung von Informationen verhindern.« [.…]

    7. Oktober 2009 6
  • : USA: FBI-Überwachung wegen OpenGovernment Projekt
    USA: FBI-Überwachung wegen OpenGovernment Projekt

    Der 22-jährige US-Programmierer Aaron Swartz wurde vom FBI überwacht, wie er mehr oder weniger zufällig durch eine Anfrage über den Freedom of Information Act herausfand. Die Vorgeschichte war, dass Swartz einem OpenGovernment Projekt geholfen hat, US-Gerichtsdokumente zugänglich zu machen. Diese sollten eigentlich unter der Public Domain stehen, aber für den Zugang zur Datenbank wird Geld verlangt. Swartz hat eine Datenbank ausgelesen und zugänglich gemacht. Dafür wurde er dann umfangreich vom FBI überwacht, wie aus der Antwort der FOI-Anfrage ersichtlich wird, die er in seinem Blog gepostet hat.

    Das Wired-Blog Threatlevel hat mehr dazu: FBI Investigated Coder for Liberating Paywalled Court Records.

    The FBI ran Swartz through a full range of government databases starting in February, and drove by his home, after the U.S. court system told the feds he’d pilfered approximately 18 million pages of documents worth $1.5 million dollars. That’s how much the public records would have cost through the federal judiciary’s pay-walled PACER record system, which charges eight cents a page for most legal filings. “I think its pretty silly they go after people who use the library to try to get access to public court documents,” Swartz said. “It is pretty silly that instead of calling me up, they sent an FBI agent to my house.”

    Die Geschichte ist ganz lustig. Ihm wird vorgeworfen, mit einem Passwort auf die Datenbank zugegriffen zu haben, was ihm nicht gehöre. Er sagt, dass er kein Passwort benötigt habe und aus einer Bibliothek heraus mit einem Script die Datenbank kopiert hat, indem er ein Authentifizierungs-Cookie genutzt habe. Die 19,856,160 kopierten Seiten mit Gerichtsakten hat er dann dem OpenGovernment Projekt public.resource.org geschenkt.

    [Danke an mathias]

    6. Oktober 2009 5