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Piratenpartei zur Kulturflatrate

Jens Seipenbusch von der Piratenpartei hat der Zeitschrift ProMedia ein Interview gegeben. Dabei geht es um die Urheberrechtspolitik der Piratenpartei und auch um die Kulturflatrate. Ich frag mich allerdings, ob Jens auch das Konzept der Kulturflatrate verstanden hat. Einige Formulierungen seiner Antworten weisen nicht unbedingt darauf hin. Man kann ja für oder gegen die Kulturflatrate sein. Aber etwas Hintergrundwissen zum Urheberrecht sollte man schon in solche Interviews mitbringen, um sich gegen Kritik besser abzusichern.


netzpolitik.org - unabhängig & kritisch dank Euch.

Ein Best of:

Seipenbusch: Wir glauben, dass eine Kultur-Flatrate nicht die Lösung ist. Das ist aus unserer Sicht zu kurz gedacht, da man die gesellschaftliche und technische Entwicklung mit einer staatlichen Finanzmaßnahme kompensieren würde. Das funktioniert nicht und hat auch in der Vergangenheit nicht funktioniert.

Bei einer Kulturflatrate handelt es sich um ein Konzept, was Pauschalabgaben auf Internetzugänge erhebt, nach dem Vorbild von Urheberrechtsabgaben auf Rohlingen oder Radio-Airplay. Das bewährte System hat dabei nichts mit einer „staatlichen Finanzmaßnahme“ zu tun.

Aber es wird besser:

Niemand hätte während der Industrialisierung Unternehmen subventioniert, die zu den Verlierern dieser Zeit gehörten. Die notwendige Anpassung ist aus unserer Sich die Folge der gesellschaftlichen Entwicklung, die man nicht kompensieren sollte.

Es gibt einen großen Grund, warum die Verwerter, also die Industrie-Unternehmen gegen die Kulturflatrate sind: Die Erlöse sollen den Urhebern, also den Künstlern zukommen. Und hier stellt sich die generelle Frage: Wollen wir Kultur komplett dem freien Markt überlassen oder will eine Gesellschaft Kultur fördern?

Weiter gehts:

Man muss auch zwischen der Kultur-Flatrate und dem Modell der Verwertungsgesellschaft unterscheiden. Die Kultur-Flatrate wäre ein bürokratisches Monster. Es müsste jegliche Kultur erfasst werden und das, obwohl die Begriffe Kultur und Kunst gar nicht eindeutig abzugrenzen sind. Der Staat sollte aus meiner Sicht auch nicht definieren, was Kultur ist und was nicht.

Wieso muss man zwischen einer Kulturflatrate und dem Modell der Verwertungsgesellschaft unterscheiden? Das Modell der Kulturflatrate ist die Übertragung des analogen Modells auf das Netz. Im übrigen ist das Pauschalabgabensystem die Basis für unsere Privatkopie.

Ein Satz verwirrt mich etwas:

Wenn die Linke eine pauschale finanzielle Entschädigung aller Urheberrechtsinhaber verlangt, hat das schon fast kommunistische Züge. Eine solche Gleichmacherei würde auch die freie Marktwirtschaft gefährden, die wir erhalten wollen. Kunst hat auch immer einen nicht-kommerziellen Aspekt.

Wie von Seiten der Linkspartei schon angemerkt wird, hat sich Die Linke noch nicht entschieden, ob sie eine Kulturflatrate will. Bisher fordern erst die Grünen eine solche, die SPD möchte sie zumindest prüfen. Und wo ist der Kommunismus im bewährten Pauschalabgabensystem? (Was viele Bugs hat, keine Frage, siehe GEMA-Problematik mit Creative Commons). Diese Argumentation hörte man bisher immer nur von der FDP, die Pauschalabgaben abschaffen wollte, um DRM-Technologien und Kopierschutz Salonfähig zu machen.

Dann geht es weiter zum GEMA-Bashing, wo ich die Kritik ja teile, aber das ist nicht unbedingt Teil der Argumentation gegen eine Kulturflatrate. Was wäre denn, wenn die bekannten GEMA-Probleme beseitigt wären, mehr Demokratie Einzug hält und der Verteilungsschlüssel gerechter ist? Wäre dann die Piratenpartei für oder gegen eine Kulturflatrate?

Hier geht es nicht nur um Unterhaltungsindustriegüter, denn Kunst und Kultur sind sehr viel mehr als das. Wir glauben, dass die Verteilung innerhalb der jetzigen Verwertungsmodelle nicht korrekt ist und fordern eine entsprechende Reform. Dieses Problem sehen wir beispielsweise bei der GEMA. Die Ausschüttung der Einnahmen erfolgt anhand eines Kataloges, was dazu führt, dass die Großen unverhältnismäßig mehr bekommen als die Kleinen. Die GEMA ist durch ihren Alleinvertretungsanspruch und ihre Struktur nicht mehr zeitgemäß.

Zum Abschluß gibt es noch das:

Ich halte Portale wie „Jamendo“, das auf neuen „freien“ Lizenzen beruht, für zukunftweisender. Die Künstler können eigenständig ihre Musik freiwillig einstellen. Erst wenn jemand diese Musik kommerziell nutzen will, schließt er einen entsprechenden Vertrag mit dem Musiker ab. Damit fahren die Künstler sehr gut, denn es ist das ursprüngliche Interesse eines Urhebers, sein Werk an den Mann zu bringen und Geld damit zu verdienen. In solchen „Creative Commons“ liegt meiner Meinung nach die Zukunft.

Und hier kommen wir zur Archillesferse der Argumentation der Piratenpartei. Auf einigen Panels, wo ich Vertreter der Piratenpartei bisher zum Urheberrecht gesehen habe, kam es immer spätestens an einem Punkt zu Argumentationsproblemen. Piraten forderten Wahlfreiheit der Künstler bei der Verwendung von Creative Commons. Urheberrechtsvertreter und Künstler forderten Wahlfreiheit in der Entscheidung, wie sie ihre Werke lizenzieren. In der Argumentation geht der Punkt dann nie an die Piratenpartei. Vor allem, wenn sie das Recht auf Privatkopie fordert und eine Ausweitung dazu.

Ich glaube, diesen Punkt kann man argumentativ durch die Forderung nach einer Kulturflatrate gewinnen. Indem man klar raus stellt, dass Künstler selbstverständlich das Recht haben, selbst zu bestimmen. Aber dass sie auch selbstverständlich die Sozialbindung des Eigentums respektieren müssen, worauf sich das Recht auf Privatkopie begründet. Und durch eine Kulturflatrate könnte man dies klarstellen. Denn für diese digitale Privatkopie gibt es dann Kompensation. Und das ist kein Kommunismus.

Wie ich schon geschrieben habe: Es gibt viele Argumente für und gegen eine Kulturflatrate. Einige Punkte sind auch noch nicht abschließend geklärt und bedürfen einer größeren Diskussion. Die Argumentation von Jens Seipenbusch finde ich nur außergewöhnlich schwach.

111 Kommentare
  1. Ich finde du solltest differenzieren zwischen der Meinung Einzelner z.B. der von Jens Seipenbusch und der Beschlusslage der Partei.

    Er stellt etwas dar, zu dem die Piratenpartei an sich IMO noch keine wirkliche Position hat.

    1. @Gast:
      ist das nicht ungewöhnlich für eine Partei, die sich wegen Urheberrechtsfragen gegründet hat, dass sie noch keine Position zur Kulturflatrate hat?

  2. @Gast.

    Da kann ich Dir auch als Pirat nicht zustimmen, denn Jens spricht explizit von ‚Wir‘.
    Zweitens als Bundesvorsitzender vertritt er die Partei und wenn er nicht explizit sagt, dass etwas seine Privatmeinung ist, dann ist es nach aussen Parteilinie.
    Andererseits sehe ich da innerhalb der Piratenpartei noch einiges an Diskussionsbedarf.

  3. Finde Deine Argumentation sehr überzeugend. Pauschalabgabe als Kompensation für das Recht auf die freie Privatkopie. Das ist doch mal endlich ein klares und ausgleichendes Statement.

    In ihren Argumentationen sind die Piraten auch in ein paar frühen Entwürfen des Parteiprogramms immer auf der Grenze zur Kulturfeindlichkeit. Man hat sich dort wohl noch nicht damit beschäftigt, wie groß in Europa die Bereitschaft und Tradition ist, Kultur von staatlicher Seite zu unterstützen.
    Dann hört man auch immer gerne die Argumente, es den Amis und Engländern nach zu machen, wobei die Marktlage von Kultur vollkommen ausgeblendet wird.
    Insgesamt würde man sich wünschen, dass sich die Partei auch mal versucht, in die „böse Industrie“ zu versetzen.

  4. @ Markus:

    Mit „Die Linke“ meint Seipenbusch höchstwahrscheinlich nicht die Partei, sondern meint das wahrscheinlich umfassender.

    Bei einer Kulturflatrate haben die Künstler leider auch nicht mehr das Recht und die Freiheit, den Preis ihres Werkes selbst festzulegen. Es gibt gezwungermaßen eine Pauschalvergütung – X Euro pro Download oder so ähnlich. Mit der umfassenden Freiheit der Kunst hat das nichts mehr zu tun.

    Die Position der Piraten ist insoweit kohärent, dass sie weder bereit sind, mehr Kontrollen im Interesse der Verwertungsindustrie zu akzeptieren, noch Pauchaulabgaben auf die Internetnutzung zulassen wollen.

    Gruss,

    Robin

    1. @robin: Mit einer Kulturflatrate haben die Künstler immer noch dasselbe Recht und die Freiheit, einen Preis festzulegen. Mit aufkommen der Kassetten gab es dieselbe Diskussion. Gelöst wurde die Situation des privaten Kopierens durch Pauschalabgaben auf Leerkassetten. Und Künstler haben immer noch Schallplatten und Kassetten verkauft. Genauso wie sie auch bei einer Kulturflatrate weiterhin MP3s bei iTunes & Co verkaufen können.

      Mir gehts um eine Legalisierung von p2pP in Zeiten, wo schon darüber diskutiert wird, Menschen das Internet abzuschalten, wenn sie weiterhin p2p nutzen, um Daten zu kopieren. Und da finde ich, dass die Kulturflatrate eine denkenswerte Alternative ist, um einen Ausgleich der Interessen von Künstlern und Nutzern zu schaffen.

      1. @markus: Ich glaube nicht, dass der Vergleich „es wurden Schallplatten trotz Kassetten verkauft, also funktioniert iTunes trotz (durch kulturflatrate legalisiertem) p2p“ funktioniert. Bei einer Schallplatte/CD hat man einfach einen mehrwert (qualität, cover, usw) gegenüber der selbst aufgenommen Kassette. Bei einem mp3 gibt es einfach keinen Unterschied, egal ob von iTunes, amazon oder p2p.

        Prinzipiell finde ich deine Argumentation für die Kulturflatrate gut. Ich denke aber, dass der Verkauf der (digitalen) Musik dann kein Geld mehr für die Künstler bringen wird, da es p2p wie zu den besten Napster-Zeiten geben wird. Die Frage ist vielmehr, ob das wirklich ein Problem ist. Geld wird dann neben den Einnahmen durch die Kulturflatrate mit Konzerten, Special-Editions (z.B. auf CD, DVD, Vinyl…), Merchandise, usw. verdient.

        1. @tlo: Ich finde das gerne genutzte Argument mit der gleichbleibenden Qualität nicht so stark. die anderen Punkte sehe ich ähnlich. Mehrwerte werden verkauft werden. Aber auch anderes ist möglich: Im Netz gibt es so gut wie jeden Film zum download. Trotzdem war ich heute in der Videothek und hab einen Film ausgeliehen. Viele zahlen auch gerne bei Amazon, iTunes & Co für den Service, sofort die gewünschte Musik zu bekommen und das auch noch aus einer für sie vertrauenswürdigen Quelle. Das werden auch weiterhin viele nach einer Legalisierung von p2p so machen.

  5. Wie soll eine „Kulturflatrate“ denen zugute kommen sollen, die eben bewusst nicht GEMA-Mitglied sind?
    Ich sehe hier die Entwicklung einer GEMA-Zwangsmitgliedschaft.
    Als Nicht-GEMA-Mitglied kann ich Person X erlauben Titel A kostenfrei in seinem Podcast zu verwenden, Firma Y eine Dauerlizenz für 100 EUR einräumen, Person Z die Verwendung bei einem Event gänzlich kostenfrei ermöglichen.
    Das alles könnte ich als GEMA-Mitglied nicht – ich dürfte meine eigenen Kompositionen nicht mal kostenfrei auf meiner eigenen Website abspielen!
    Wie soll ich denn dann an meinen Anteil der Kulturflatrate kommen? Ein Nutzer, der in einer Tauschbörse etwas downloadet sieht doch nicht, ob dieser Titel von der „Flatrate“ erfasst wird oder nicht.

  6. Es zeigt sich, dass die Piratenpartei leider auch nur weiterhin den Konsumenten vertritt. Ich bin auch kein Fan einer Kulturflatrate, aber die Argumentation von Seipenbusch (Kommunismus?! hallo?) ist wirklich bemitleidenswert. Der freie Markt hat keinerlei Interesse an Kunst bzw. guter Kunst. Für diesen ist nur die Verwertbarkeit wichtig; was macht man also mit jungen Leuten, die auch ihre Kunst betreiben wollen. Musik, Literatur, Malen/Zeichnen? Wie möchte die Piratenpartei diese fördern und ihr Potential auschöpfen? Es ist armselig hier auf den „freien Markt“ zu setzen; es ist eine Lotterie hier gefördert zu werden, Chancengleichheit besteht keineswegs.

    Acuh bei der Kulturflatrate stellen sich Probleme. Es ist richtig, dass so eine Verwaltungsbehörde Unsinn ist; auch die Frage, ob für ein Allgemeingut wie Kunst eine Pauschalabgabe überhaupt gerechtfertigt ist.

    Sollte man nicht eher eine andere Lösung forcieren, wie z.B. das BGE? Künstler hätten ein Einkommen und können ohne Druck vom Markt *ihre* Kunst machen, vollkommen unabhängig und ohne Ziel einen dotierten Vertrag zu erhalten. Ist sowas für eine Gesellschaft nicht sinnvoller und unterstützenswerter?

    Was Seipenbusch ablässt, findet man auch in der FDP. Wer braucht dann noch eine Piratenpartei…

    1. @Künstler:
      DER freie Markt sind auch nur Menschen. Wenn Menschen bedarf an Kultur haben gibt es dafür einen Markt, siehe die goldenen Zwanziger, Kultur florierte während einer wirtschaftlichen Krise obwohl oder vielleicht gerade weil Kultur dort eine Dienstleistung und keine Ware war. Viel entscheidender ist aber, dass Du wiederum die Künstler vor die Bevölkerung stellst. Alle sollen dafür bezahlen, dass wenige ihr künstlerisches Leben leben können. Auf welcher Grundlage? Wo ist da die Entscheidungsfreiheit des einzelnen was ich gut finde? Was ist alles Kunst? Frag nen 70jährigen Katholik und nen 25jährigen Studenten, was Kunst ist… Wer entscheidet darüber? Dann doch lieber ein potentieller Künstler und ein potentieller Konsument.

  7. Also nix für ungut, Deine Beiträge waren auch schonmal besser… irgendwie hab ich das Gefühl, dass wenn es um die Piraten geht Du nicht ganz sauber arbeitest.

    Im allgemeinen wird bei den Piraten vergessen, dass alles was nicht schriftlich über einen Beschluss festgelegt ist eine Minderheiten- oder Mehrheitsmeinung (Mehrheit der Mitglieder z.B. des Bundesvorstandes) ist. Somit kann das ‚Wir‘ hier auch ganz einfach „Ich und noch nen paar Typen hier in Berlin“ bedeuten. Nichts was nicht ordentlich ausdiskutiert wurde ist festgelegt. Das ist vielleicht DER Kritikpunkt hier, dass er nicht klarstellt, dass das was er sagt nicht DIE Meinung der Piratenpartei ist, aber frag mal Sara Wagenknecht oder Claudia Roth zu irgendwas, die werden auch an der richtigen Stelle nicht DIE Parteimeinung vertreten…
    Des weiteren ist es nicht die Aufgabe von Politikern dafür Sorge zu tragen, dass die Geschäftsmodelle irgendwelcher Firmen funktionieren, was DER Kritikpunkt an der Kulturflatrate ist.

    1. Danke für die vielen Kommentare: Mir gehts hier nicht um Piraten-Bashing. Aber ich finde schon, dass die Argumentation der Piratenpartei in der zentralen Frage des Urheberrechts etwas stringenter sein könnte. Und damit allen gedient ist, die sich für eine Reform des Urheberrechts einsetzen. Es bringt auch nichts, wenn die Piraten jetzt überall als Kanonenfutter auf Podien zum Urheberrecht gesetzt werden und alle sich freuen, dass es da viele argumentative Lücken gibt.

      Und wie ich schon geschrieben habe: Es gibt viele Argumente für und gegen eine Kulturflatrate. aber ich finde auch, dass eine Kritik besser rüberkommen kann und weniger Angriffspunkte haben sollte.

      1. Naja, wir zahlen doch aber schon Abgaben auf CDs und Festplatten und Anrufbeantworter und und und… Das ist der Knackpunkt, daher kann doch eine Kulturflatrate, die jetzt noch das nächste – Internetanschlüsse, „besteuert“ nicht die ultimative Lösung sein…

        Hab auch schon gesehen, dass es Dir nicht um Piratenbashing an sich geht, aber Dir kann man doch jetzt den selben Fehler vorwerfen wie ihm: Halbwissen und unvollständige Argumente.

        1. @rg: Mir kannst Du gerne Halbwissen vorwerfen. Aber das recht auf Privatkopie entspringt nun mal der Vorstellung, dass es einen Ausgleich für die Interessen der Künstler gibt. Und das sind Pauschalabgaben auf Leermedien. Und Internetzugänge sind vergleichbar mit Radios. Letztere wurden auch erst durch Pauschalabgabensysteme legalisiert.

          1. @markus: Seit wann wurden Radios mit Zwangsabgaben legalisiert? Ich glaub hier verwechselst Du grad öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Kunst. GEZ und GEMA basieren auf zwei vollkommen unterschiedlichen Wertmodellen. Wie gesagt, wir bezahlen schon Abgaben auf Datenträger, womit ich denke damit könnten alle ruhig gut bedient sein.

          2. @rg: Die Unterschiede zwischen GEZ und GEMA sind mir schon klar. Da verwechsel ich nichts. In den USA wurden so in den 20er Jahren Radios legalisiert. Kann man bei „Free Culture“ von Lawrence Lessig nachlesen. Gibts auch frei im Netz.

          3. @marcus: korrigier mich aber auf das technische Gerät „Radio“ gibt es keine Abgabe die an irgendwen abfließt. Darauf beziehe ich mich, nicht darauf, dass die Radiosender an die GEMA abführen. Ich kann einen Radiosender aufmachen ohne GEMA-Musik zu spielen und bezahle dafür dann immernoch nichts (abgesehen davon, dass ich Stress hab weil ich es nicht angemeldet hab und somit ein Piratensender bin…)

            Eine kollektivistische Zwangsmaßnahme ist gleichbedeutend mit einer Steuer, wenn sie vom Staat gesetzlich festgelegt ist. Kann hierbei also bender nur zustimmen.

  8. @Markus so einfach kannst du nicht Kritik üben, ohne selbst eine klare Position dazu zu erklären.
    „Die Erlöse sollen den Urhebern, also den Künstlern zukommen.“
    Das trifft bei der Verwertungsindustrie nach dem jetzigen Modell des Urheberrechts bei weitem nicht zu. Eine Änderung dieses Modells liegt im Interesse von vielen Urhebern, nicht von allen. Es gibt durchaus einige wenige Urheber, die vom jetzigen Modell profitieren. Wenn Jens Seipenbusch (noch) nicht zu diesem Problem die ultimative Lösung bieten kann, ist doch nicht die Piratenpartei für diese Schieflage des Gesetzes verantwortlich. Auch muss die Piratenpartei nicht als einzige eine bestmögliche Lösung bieten, nur weil sie für eine radikale Änderung des Urheberrechtes eintreten. Die Legalisierung der Privatkopie ist ein Teilaspekt aus der Gesamtthematik und findet durchaus viele Befürworter, weil es eben sinnvoll erscheint. Deine Sympathien für die GRÜNEN in allen Ehren (habe selbst welche), doch auch sie können nicht die ultimative Lösung bescheren. Was mich allerdings in letzter Zeit immer mehr ärgert, ist der Umstand, dass die so junge Piratenpartei für all ihre Themen, die sie aufgegriffen hat, allumfassende Lösungen parat haben soll, während die etablierten Parteien schon teilweise seit Jahrzehnten bei ihren Kernthemen kaum vorangekommen sind. Wieso wirft man denen nicht vor, Kompetenz aufbringen zu müssen? Um nochmals die GRÜNEN ins Spiel zu bringen – in einem GRÜNEN- Blog habe ich die Sprache auf die Tempolimit120 – Forderung gelenkt und um Fakten gebeten, wie dadurch die Emissionen merklich verringert werden könnten. Wie erwartet verlief die Diskussion im Sande…

    Gruß von http://www.guedesweiler.wordpress.com

    1. @Johannes Döh: Mit den Grünen hat das nur soviel zu tun, als dass ich zu meinen aktiven Zeiten bei der Grünen Jugend (die jetzt auch schon 5 Jahre her sind) die Idee einer Legalisierung von p2p in die Grüne Partei eingebracht habe.

  9. Hallo Marcus, Danke für Deine Berichte zur Kulturflatrate. Wenn einer den Standpunkt einer Partei zur Kulturflatrate beeinflussen kannst, dann Du. Wenn man eine Partei in ihrem Standpunkt durch argumente überzeugen kann, dann die Piraten. Also musst Ihr mal einen gemeinsamen Workshop machen.

    1. @jens: Für einen solchen Workshop bin ich zu haben. Man kann auch gegen eine Kulturflatrate und für privates kopieren (aka zu nicht kommerziellen Zwecken) sein, aber dann sollte man hiesige Urheberrechtstraditionen mitbedenken und die richtigen Argumente finden.

  10. Ich bin zwar auch Pirat aber ein besseres Verstaendnis von Urheberrecht wuerde ich mir von den Piraten auch wuenschen, schliesslich handelt es sich ja schon um eines (wenn auch mMn nicht *das*) der zentralen Themen.

    Es scheint z.B. oft das Grundverstaendnis zu fehlen, dass Urheber (Musik-Autoren, d.h. Texter und Komponisten) nur in den seltensten Faellen auch die Kuenstler (Musiker, Leute, die auf der Buehne stehen oder CDs verkaufen) sind.
    Aus gutem Grund, denn die Anforderungen, die an diese beiden Aktivitaeten gestellt werden, sind grundverschieden.
    Und so passiert es, dass die Konstellationen im Musik-Geschaeft sehr komplex werden koennen.
    Und auch ein Verlag, der seinem Autoren einen Mehrwert bietet, weil er z.B. Rechtsverletzungen (ungenehmigte Bearbeitungen etc) gegen die Werke des Autoren verfolgt oder dafuer sorgt, dass ein Kuenstler den Titel eines Autoren aufnimmt, erbringt ja eine Leistung, die irgendwo und irgendwie verguetet sein moechte.

    Es ist auch in der Politik, genau wie in der Wirtschaft, nicht moeglich, einen Prozess umzustrukturieren, ohne den aktuellen Stand der Dinge erfasst zu haben.
    Diese Prozesse zu reformieren ist ein iterativer Vorgang; da wird es nicht reichen, alles umzuschmeissen, ein neues Konzept zu entwickeln und nach dessen Umsetzung in die Haende zu klatschen und sich einem neuen Thema zuzuwenden.

    Dies sind natuerlich nur meine persoenlichen zwei Eurocent zu dem Thema.
    Und um mal den positiven Aspekt anzubringen: die Tatsache, dass die Piraten doch alle recht jung, flexibel und intelligent sind (behaupte ich jetzt einfach mal ;)) und auch keine „Betriebsblindheit“ bezueglich der Ablaeufe in der Branche haben, halte ich fuer einen grossen Vorteil!

  11. Ui. Danke für diesen Einblick, Markus.

    Mir scheint deutlich, dass die Piraten und einzelne Spitzenpersonen mehr lernen müssen in der Öffentlichkeit zwischen Persönlicher Meinung, Partei(nicht)meinung und Diskurs zu unterscheiden. Letzterer sollte nicht nur den Partei-internen, sondern auch den des Umfeldes, welches man politisch repräsentieren möchte, klar beinhalten – von den „Gegenseiten“ mal abgesehen.

    In nem Interview zu zeigen, dass man inhaltlich wie politisch keine Ahnung von dem Konzept hat, was mitunter am meisten im Umfeld diskutiert wird – und das beim wahrgenommenen Schwerpunkt der Partei ist irgendwie einfach nur sehr peinlich.

    Aber gibt ja auch andere Leute und Meinungen in dem Laden. Man darf gespannt bleiben.

  12. @markus Ohne hier jetzt eine Grundsatzdiskussion anfangen zu wollen, aber ich finde bei einer Privatkopie muss es eine Mindestauflage geben, ab der diese legal ist.
    Hat man nur kleine Auflagen im dreistelligen Bereich schadet jede Privatkopie direkt – und zwar gerade den „kleinen unabhängigen Produzenten“.
    Ich denke, dass gerade dies oft nicht beachtet wird.

  13. „Und hier stellt sich die generelle Frage: Wollen wir Kultur komplett dem freien Markt überlassen oder will eine Gesellschaft Kultur fördern?“

    Wozu dieses polemisierende ‚oder‘?

    Kann die Gesellschaft ihre Kultur nicht auch in einem freien Markt fördern. In meinen Augen kann sie es sogar viel besser, weil gezielter. Auf dem freien Markt entscheidet der einzelne Kulturkonsument, welche Kulturprodukte er fördern will. So ist es im Prinzip ja jetzt auch. Denn Rechteverwerter fördern schon in ihrem eigenen Interesse hauptsächlich marktfähige Kultur.

    Natürlich gibt es auch die nicht marktfähige Kultur (Avantgarde, Nischenkultur…). Auch im heutigen Markt hat diese Kultur ohne Stiftungen und Mäzene wenig Chancen. Diese Formen der Förderung haben im Freien Markt schon jetzt bewiesen, dass sie funktionieren. Die staatliche Kulturförderung ist auch jetzt nur ein Teil der gesellschaftlichen Kulturförderung. Und staatliche Kulturförderung wird es auch künftig geben – unabhängig von der Diskussion um die Kulturflatrate.

    Ein freier Markt und gesellschaftliche Kulturförderung schließen sich also nicht aus. Im Gegenteil: Konzepte, die ohne staatliche Eingriffe funktionieren, scheinen mir deutlich demokratischer und näher am „Kulturkonsumenten“ zu sein.

  14. Markus, du gehst in deiner Kritik an Jens‘ Artikel aber auch nicht auf das Problem der Verteilung des eingenommenen Geldes ein. Geld vom Konsumenten flatrateartig einsammeln ist ja schön und gut, aber wer bekommt’s dann? Eine privatsphärenwahrende Lösung dieser Frage sehe ich nicht. Ohne dies ist aber die gesamte „Kulturflatrate“ Makulatur. Das ist der Kern der Kritik der Piratenpartei an der Kulturflatrate.

    1. @Dirk Hillbrecht: Das sind ungeklärte Punkte, keine Frage. Ich hab auch geschrieben, dass es viele Punkte gibt, die noch zu diskutieren sind. Aber wenn das der strittige Punkt ist, sollte man seine ganze Argumentation auch darauf aufbauen. Dann kann man sich immer noch überlegen, ob man selbst eine faire Lösung findet oder mit einer guten Argumentation alternativen schafft. Wie ich schon geschrieben habe, ist die derzeitige Situation der Verteilung in den Verwertungsgesellschaften nicht fair und muss reformiert werden.

      Und bei allen Bauchschmerzen mit ungelösten Fragen der Kulturflatrate habe ich selbst auch noch keine bessere Argumentation gefunden, wie man p2p und das nicht kommerzielle Kopieren legalisieren kann. Wir brauchen aber gute Argumente, um die gesellschaftliche Debatte zu führen und zu gewinnen.

  15. Ich habe immer das Gefühl, dass es bei Copyrightproblemen und Kulturflatrates nur um Musiker zu gehen scheint.

    Bei Computerspielen ist das Problem aber absolut identisch. Programmierer schaffen ein Spiel, das wird dann von Publishern vertrieben…

    Ich könnte mir vorstellen, dass es noch mehr solche Gruppen gibt.

    Die Frage ist, wie sollen diese eingebunden werden? Deren Sachen werden schliesslich auch kopiert. Wie sieht es mit der Verteilung aus? Steckt hinter einem Computerspiel mehr Arbeit als hinter einem Song? Was hat die Chance zu einer größeren Verbreitung und kann somit mehr Geld einbringen? usw.

    1. @Balu: Es geht generell um urheberrechtlich geschützte Werke. Software ist etwas anders geregelt bei der Privatkopie. Aber auch in der Computerspiele-Branche gibt es Diskussionen, ob eine Kulturflatrate auch für sie gelten sollte.

  16. Markus, das Problem ist nicht das Einsammeln sondern das Verteilen.

    Es ist keine Chance in Sicht, irgendetwas besseres als die GEMA zu schaffen. Und die GEMA ist wirklich beschissen.

  17. 1)
    Seipenbusch ist im Juli mit 56% der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt worden. Ob dieses Quentchen an Mehrheit tatsächlich ausreicht, für die Partei zu sprechen, lasse ich einmal dahingestellt. Ich habe schon mehrere Stimmen von der Piratenbasis gehört, die ihn nicht wirklich als Vorsitzenden akzeptieren.

    2)
    Zu seiner Entlastung: Auch die anderen Politkasper geben jede Menge Müll von sich, weil sie einfach keine Ahnung haben. Warum nun gerade jedes Piratenwort auf die Goldwaage gelegt wird, bleibt mir ein Rätsel! Die Piraten sind aktuell wirklich das geringste Problem, was wir hier in Deutschland haben. An dieser Stelle vielen Dank, liebe Mitbürger, für Schwarz-Gelb! Sucht Euch schon mal einen trockenen Platz unter einer Brücke aus. Könnte voll werden in den nächsten vier Jahren…

    3)
    Zu seinen Lasten: Wenn man keine Ahnung hat, dann sollte man auch den Ball flach halten! Als Vorsitzender muss ich nicht alles Wissen (ok, bei einer Ein-Themen-Partei wäre das Schlaumachen jetzt nicht schweißtreibend), doch er sollte souverän darauf hinweisen, dass z.B. am Thema „Kulturflatrate“ innerhalb der Partei noch gedengelt wird (wären diese Probleme einfach aus der Welt zu schaffen, dann hätten wir sie nicht mehr).

    4)
    Selbstdarstellung promedia:
    #
    promedia – Das medienpolitische Magazin – erschien das erste Mal im Mai 1997 und hat seitdem pro Jahr mehr als 100 Exklusivinterviews mit Vorstandsvorsitzenden, Geschäftsführern, Chefredakteuren, Medienpolitikern und vielen anderen veröffentlicht.
    #
    Das soll diese Agentur nicht schlecht machen, doch das Umfeld zeigen. Klares Minus für Seipenbusch! Ein Interview zum Thema „Urheberrecht“ und „Kulturflatrate“ in diesem Kreis hätte von einem kompetenten Piraten geführt werden müssen!

    5)
    Mangels Alternativen bleibe ich Sympathisant! Weil einfach alles andere noch übler ist…

  18. @Dirk

    „Geld vom Konsumenten flatrateartig einsammeln ist ja schön und gut, aber wer bekommt’s dann? Eine privatsphärenwahrende Lösung dieser Frage sehe ich nicht.“

    Du meinst eher das Du keine „unmanipulierbare“ siehst. Das ist etwas anderes. ;)

    @Markus
    „Das bewährte System hat dabei nichts mit einer “staatlichen Finanzmaßnahme” zu tun.“

    Warum nicht? Gibt es ein Opt-Out für Leermedien?

    Grüße
    ALOA

    1. @aloa5: Nein, es gibt kein Opt-Out bei Leermedien. Kann man gut oder schlecht finden, wie die GEZ. Wurde als kollektives System eingeführt. Und das ist immer noch was anderes als eine staatliche Finanzmaßnahme.

  19. @#19 wetterfrosch

    Du hast den Beitrag nicht verstanden. Markus Beckedahl hat lediglich ein paar andere Ansichten als Jens Seipenbusch. Das ist doch legitim.

    @markus

    Auch wenn du es belächelst, wäre die Kulturflatrate nichts anderes als eine „staatliche Finanzmaßnahme“, denn der Staat müsste sie gesetzlich beschliesen (ebenso wie er im Ausgleich das Urheber- und Verwertungsrecht ändern müsste). Aber ohnehin verstehe ich nicht ganz, wieso manche Persongruppen der Meinung sind, der Staat müsse ihnen ein Einkommen garantieren, zur Not eben indem er von allen Bürgern Geld eintreibt.

    Wer als Musiker/Filmemacher/usw. Geld verdienen möchte kann es auch ohne DRM und sonstige Knebelmaßnahmen. Die Leute gehen immer noch ins Kino, trotz TV, trotz Video- und DVD-Recorder. Und trotz Internet. Und die Leute gehen immer noch auf Konzerte. Trotz Radio und CD-Spieler, und trotz Internet.

  20. „..kollektives System … immer noch was anderes als eine staatliche Finanzmaßnahme.“

    Nein ist es nicht ;). Sobald es staatlich verpflichtend ist, ist es auch eine staatliche Maßnahme – und betrifft Geld. Das ist mit dem EEG oder bei der GEZ auch nicht anders. Der Staat(!) stellt das Gesetz und entscheidet wer wie viel oder nach welchem Verteilerschlüssel Geld zahlt oder erhält.

    Grüße
    ALOA

  21. ich lese im Mailverteiler der Piraten AG Urheberrecht mit und muss sagen dass es dort zum Glück einige Leute gibt, die realistischere Ansichten und Ansätze haben als Herr Seipenbusch

  22. Das Problem ist, dass die Verwertungsindustrie ein altes Vergütungsmodell (Geld für ein physikalisches Replikat) auf die neue Technologie übertragen hat (Geld für eine digitale Kopie). Die „Gegenstände“ sind aber grundlegend verschieden: bei digitalen Inhalten handelt es sich nicht um Gegenstände, sondern um Information.

    Die (vor allem moralische) Frage die im Raum steht: ist es überhaupt fair für eine digitale Kopie durch Dritte eine Vergütung zu verlangen?
    Die Piratenpartei sagt dass das nicht fair ist und tritt darum auch gegen die Kulturflatrate ein, welche nichts anderes als eine alternative Vergütung für die digitale Kopie durch Dritte darstellt. Dass dies eine krasse Position ist, die sicherlich Diskussionswürdig ist, steht außer Frage.

    1. @Daniel Baulig: Die Position kann man vertreten. Aber bitte mit mehr Argumentation, die auch überzeugt.

      Wobei ich mir gerade unsicher bin, ob die Kompensation nur für ein technisches Replikat oder tatsächlich für die Vervielfältigung da ist. Bei letzterem greift die Argumentation nicht.

  23. „[…] eine pauschale finanzielle Entschädigung aller Urheberrechtsinhaber verlangt“

    Ich versteh den Satz so, dass die Urheberrechtsinhaber eine Pauschale bekommen sollen und das wäre tatsächlich schlecht, weil kein Wettbewerb mehr stattfindet. Man bekommt ja so oder so gleichviel Geld.

    Aber evtl. trügt mich da auch mein Textverständnis, weil mir Hintergrundwissen fehlt?

    Wenn er der Linken etwas unterstellt, was die nicht sagt, dann ist das natürlich dumm und inakzeptabel…

  24. Hatte immer gehofft, daß die Piratenpartei mit ihrem know-how in den Politikfeldern Netzpolitik und Urheberrecht auch die kreative Branche ins Boot für eine grundlegende Reform holen könnte. In vielen Diskussionen mit anderen Musikern habe ich versucht, für die Partei zu werben.
    Kulturflatrate ist da ein zentraler Punkt, über den man sprechen muß, u.a. weil davon auch wichtige andere Themen wie GEMA-Ungerechtigkeit (die im Heiseforum beschworenen independent Musiker sind oft genug nicht in publishing societies wg mangelden Airplay etc), Inkasso durch GEZ hineinspielen.

    Aber aus dem Interview spricht nicht nur eine Menge Unwissen, sondern der Mann hat auch eine große Filesharer-Brille auf. So kommen wir nicht weiter, da gibts in anderen Parteien mehr Kompetenz.

  25. Ich kann nicht erkennen, was daran verkehrt ist, in einem konstruktiven und ergebnisorientierten Diskurs sich gegenseitig auf argumentative Schwachstellen aufmerksam zu machen.

    Die Auswirkungen, die die Entwicklung des www auf die Urheber, ihr Werk, die Intermediären, die Nutzer und deren Verhältnis untereinander und zueinander bislang hatte und haben wird, sind umfassend und vielfältig.

    Es ist keineswegs verwunderlich, daß keine der beteiligten Gruppen (Nutzer, Intermediäre und Urheber) eine allseits befriedigende und zukunftsfähige Gesamtlösung auf den Tisch legen können. Vielmehr wird an vielen Ecken und Enden überlegt und die Konsequenzen aus diesen Teillösungen für das Ganze sind nicht wirklich absehbar.

    Gestehen wir uns also alle Fallibilität, Irrtumsfähigkeit, sowie die Möglichkeit der Entwicklung zu.

    Persönlich bin ich von einer Kultur-Flatrate nicht überzeugt – und nicht nur, weil ich die Verbindung von „Kultur“ und „flach“ in einem Begriff mißtrauisch beäuge.

    Entscheidend ist für mich, daß eine solche Pauschalabgabe für die Nutzung von lizensierten, urheberrechtlich und durch Nutzungsverträge geschützten Werken im www jene vertikale Kommunikation von „Urheber“ zum „Konsumenten“ voraussetzt, die so gerade im www nicht klar gezogen werden kann.

    Denn – und hier muß ich „Künstler“ widersprechen – die Piratenpartei argumentiert nicht „Konsumenten-orientiert“(, was allerdings angesichts der vornehmlich zulasten der Nutzer getroffenen Bestimmungen im UrhR eigentlich nicht verkehrt ist).

    Die Piratenpartei argumentiert Nutzer-orientiert, denn das Internet bietet im Sinne seiner horizontalen Kommunikationsstruktur jedem Internet-Nutzer die Möglichkeit, selbst aktiv und damit zum Urheber zu werden und nicht passiv und somit Konsument zu bleiben.

    Eine „Kulturflatrate“, die von Nutzern einen Obulus erhebt und an dieselben Nutzer einen Obulus ausschüttet, wobei „jeder Narr“ (um mit Marekt Lieberberg zu reden) dann sowohl Sender als auch Empfänger des Geldflusses sein kann und wohl auch sein wird, ist nur eine gewaltige Geldumwälzungsmaschine, deren Wirkungsgrad möglicherweise noch geringer für den einzelnen Urheber ist als Verwertungsgesellschaften, weil die Zahl der „Empfänger“ theoretisch mit der Zahl der „Sender“ identisch ist.

    Zum Zweiten löst eine „Kulturflatrate“ nicht das große Problem, dem sich Kulturschaffende bzw. Urheber gegenüberstehen: Nämlich die Einstellung der Nutzer (Konsumenten) zum Wert künstlerischer Arbeit. Künstlerisches Werk, das durch eine Generalabsolution finanziell abgegolten ist, wird im Bewußtsein der Nutzer (Konsumenten) nicht mehr wert, der ideelle Wert wird aufgrund der universellen Verfügbarkeit (weiter) sinken.

    Das Internet bietet bspw. Urhebern die Möglichkeit, direkt (horizontal) im Kontakt mit den Nutzern und Interessenten (Fans) der Werke zu sein und aus dem ideellen Wert eines Werkes für den einzelnen Nutzer einen unmittelbaren materiellen Wert zu ermitteln.

    Ob eine „Kulturflatrate“ derartige Effekte und zusätzliche „Nebenwirkungen“ in der Künstler-Fan-Bindung ebenfalls evozieren wird, wage ich zu bezweifeln.

  26. Ich bin absolut gegen eine Kulturflatrate. Etwas ähnliches haben wir ja schon mit der GEZ und die bringt mich zum kochen. Wenn der Kunde nicht mehr entscheiden kann, wie viel er geben will und der Urheber nicht mehr entscheiden kann wie viel er haben möchte kommt das dem Kommunismus nahe. Dort legt der Staat fest, wie viel ein Produkt kostet. Und die Kulturflatrate ist ein Verwaltungsungetüm. Auch schon die Gema war eines und die Kulturflatrate würde um ein vielfaches komplizierter und im Endeffekt ungerechter werden. Wie sollen bitte Tauschbörsen kontrolliert werden? Oder werden im Endeffekt nur Downloads von offizieller Seite vergütet? Muss dann jeder Künstler seine Musik auf eigenem Server hosten oder sollen externe Firmen wie Apple das übernehmen? Die Liste der ungeklärten Punkte ist endlos. Es ist fiktiv und unerreichbar. JEdenfalls nicht so, dass sie alle zufriedenstellen kann. Viel Musik wird über USB sticks getauscht, da das Internet nicht immer schnell genug für große Musiksammlungen ist. Wie soll dies berechnet werden? Ich finde es schon peinlich, dass erstmalig eine Computerfirma der Musikindustrie beigebracht hat, wie man im Internet verfahren kann. Und es funktioniert. Aber ich muss ehrlich sein, ich bin nicht bereit viel Geld für Musik auszugeben 3 Alben im Monat sind meine Maximale Obergrenze zumal ich im alten Radio und bei neuen personbezigenen Internetradios meine Musik kostenlos bekomme. Wenn ich mir Musik kaufe, ärgere ich mich zu 80% danach. Wenn ich auf ein Konzert gehe allerseltestens. Und noch ein wichtiger Punkt wie soll man Missbrauch verhindern? Wenn ich ein paar Computer kapere und die Massenhaft meine Musik runterladen lasse würde ich immer gut verdienen… Jedenfalls. Für Programme aus dem Appstore gebe ich komischerweise deutlich mehr Geld aus und ärgere mich auch nicht, da man etwas „hat“. Das gleiche mit Filmen. Warum soll ich in überteuerten Kinos 8€ lassen, mir für 3€ popcorn kaufen und dann mich noch neben eine dicke stinkende frau und vor rumalbernden Teenagern setzen? Warum soll ich für einen Film den ich Maximal zweimal sehe 17 Euro bezahlen? Das Problem ist, dass es zuviele gibt, die Kultur machen wollen und zu wenige, die dafür bezahlen wollen. Und zu den Patenten. Mein Kollege verwaltet unsere Patentabteilung und macht sowas von ordentlich Kohle und steht bei den Chefs immer gut dar. Und dann kommt er in meine Abteilung und predigt, dass wir mehr Patente anmelden sollen, damit seine Abteilung Umsatz machen kann^^

    1. @Hugorrrrrrr: Die Position kann man ja haben. In diesem Fall liegt es bei der Piratenpartei, eine stringente und gute Argumentation zu finden, wie man nicht kommerzielles Kopieren legalisieren kann, ohne auf ein Pauschalabgabensystem zurück zu greifen (Und auch ohne DRM / Kopierschutz). Wenn eine solche Argumentation gefunden ist und mich überzeugt, bin ich gerne bereit, meine Position pro Kulturflatrate zu überdenken.

  27. Ok, nehmen wir also Geld über eine Pauschalabgabe auf Internetanschlüsse ein und verteilen dann das Geld an Künstler auf Basis eines wie-auch-immer erhobenen Nutzungsschlüssels.

    Wie soll dieses wie-auch-immer dann funktionieren?

    Die Nutzung zu tracken ginge nur durch zentrale, lückenlose Überwachung des Nutzerverhaltens. Wollen wir das? Ich nicht.

    Wenn ich eine MP3-Datei runterlade, auf meinem nicht-trackenden Player kopiere und dann bei meinem Kumpel auf dessen nicht-trackenden Player kopiere, wäre das bei der Kulturflatrate doch total unfair für den Künstler. Müssen wir also in der Konsequenz nicht nicht-trackende Geräte verbieten bzw. per Zwangs-DRM verhindern?

    Dann gibt es die Frage der Manipulation – seit es Charts gibt und diese Medienpräsenz und Kaufentscheidungen beeinflussen, gibt es Plattenfirmen, die palettenweise eigene Tonträger im Handel kaufen, damit diese gut platzieren. Wenn ich für Downloads sogar bares Geld erhalte, buche ich als Bandmanager/Plattenfirma/Künstler doch sofort ein Botnet.

    Die Kulturflatrate enthält also soviele technisch vollkommen unlösbare Probleme – zentrale Datenerhebung, Datenschutz, DRM-Konsequenz, Manipulation – dass ich sie als Lösungsvorschlag leider auch nicht wirklich ernst nehmen kann.

    Ich hätte ja gerne eine Lösung. Aber die Kulturflatrate ist es auch nicht.

    (Ja, ich kenne die Gema und habe als Hobbymusiker von ihr profitiert und unter ihr gelitten. Es ist kein gerechtes, erst nicht ein funktionierendes System.)

  28. Die Kulturflatrate war ein Vorschlag vor dem Hintergrund der Pirateriediskussion. Wohl mehr als Cut&paste ist er im Programm dieser Partei gelandet.

    Kulturflatrate ist die Idee für diejenigen, die es unfair finden, die (amerikanische) Kulturindustrie den Tod ihrer natürlichen Überproduktion sterben zu sehen, ein Marktmechanismus im Zuge der Digitalisierung mit wertvernichtenden Ausmaßen, was von der Musikindustrie gerne auf das altbekannte Phänomen der Piraterie geschoben wird. Kulturflatrate ist die GEZ für PCs in neuen Schläuchen. Mit anderen Worten, das haben wir schon, das brauchen wir nicht. Seipenbusch hat vollkommen recht, das Modell der Kulturflatrate ist unausgegoren und folgt einem Denken wie im Staatssozialismus, es erfordert eine (para-)staatliche Verteilungsbürokratie.

    Wenn man nun die Advokaten der Kulturflatrate fragt, wo der Unterschied zur GEZ Zwangsabgabe ist, und man sie auf die Probleme mit dem bestehenden System hinweist, dann erzählen sie Dir, dass die Kulturflatrate ja irgendwie demokratisch auf die echten Künstler verteilt würde. Der Unterschied sei also nicht der Dirigismus, sondern der Zugriff der Öffentlichen Hand auf die Geldverteilung. So gesehen würden diese Leute das Problem der GEZ-Verwertungsbürokratie durch Verstaatlichung „lösen“, denn es ist für sie nur eine Frage der Repräsentation.

    Mit anderen Worten: Die Schwäche der Kulturflatrate ist, dass ihre Befürworter der Content-Industrie gewisse Prämissen abkaufen und ein etwas beschränktes Lösungsschema für diese Kreise vorhalten. Dabei ist der Mechanismus der Preisdeflation für Content davon vollkommen unabhängig und durch die Digitalisierung bedingt. Ob mit Kulturflatrate, die es als GEZ-Zwangsabgabe schon gibt, oder ohne. Sie wird diesen Marktprozess der Entwertung nicht aufhalten.

    Seipenbusch darf sich leisten etwas radikaler zu denken. Dann kommen wir nämlich zu der Überlegung wie man ohne Gängelei und Einmischung ins Werk die Teller Suppe an die hungernden Künstler verteilt.

    1. @ Hanno Zulla

      Das Modell der „Kulturflatrate“ (KFR) vereint mMn durchaus beide Modelle – von GEMA und GEZ, mithin bekommen wir eine GEZA*).

      Denn die KFR wird sicherlich geräteabhängig erhoben werden (wie bei der GEZ) und anhand eines Schlüssels verteilt werden (wie bei der GEMA).

      *) auch: ungar. Vorname: Géza

      [NB: Manchmal ist ReCaptcha lästig – ich mußte gerade „Yastrzemsci“ entziffern.]

  29. Wie hoch sollte denn so eine Kulturflatrate sein? 50 Euro? Hatte nicht Frau Zypries vor ein paar Wochen diesen Betrag in die Diskussion gebracht? Soll das dann heißen 50 Euro mehr für DSL und auch noch mal 50 Euro mehr für das mobile Netz? Ob ich für eine Kulturflatrate bin oder dagegen hängt auch davon ab, was mich das ganze am Ende kosten soll. Ein Internetanschluss, der im Monat mit 80 Euro zu Buche schlägt ist jedenfalls aus meiner Sicht nicht mehr zu tolerieren. Fünf Euro wären für mich das absolute Maximum.

    1. @Patrick: Zypries hat einfach einen Betrag aus dem Ärmel geschüttelt. Da stand überhaupt nichts dahinter und seitdem steht dieser betrag in der Diskussion. Wa sklar ist: Es sollte ein Betrag sein, der gesellschaftliche akzeptanz schafft. 50 Euro sind viel zu viel dafür. 5-10 Euro wären meiner meinung nach ok, um nicht-kommerzielles Kopieren dafür zu legalisieren.

      @A.Rebentisch: Mir ist schon klar, dass die Kulturflatrate eine realpolitische Forderung ist und auf die derzeitige Debatte und ihre Player abzielt. Die Pirateriediskussion haben wir immer noch und sie wird weiter verschärft. Und die Spirale dreht sich im kommenden Jahrzehnt weiter, wenn es keine Alternativen gibt. Man kann auch eine (Rechts-)liberale Haltung haben und das alles so argumentieren. Ich bin mir nur nicht siich sich jeder über die Auswirkungen im Klaren ist. Und mit den derzeitigen Argumenten von Seiten der Piraten wird man im nächsten Jahrzehnt vermutlich keine gesellschaftlichen Mehrheiten organisieren und bis dahin kann der digitale Raum komplett zu ungunsten von Innovation umgestaltet sein.

      @Hanno: Ich vertrete keine Position, die den Datenschutz gefährdet und zentrale Verwaltungssysteme mit personenbezogenen Daten schafft. Eine Möglichkeit ist, eine freie Software mit offenen Standards zu schaffen, die als Plugin in iTunes & Co läuft. Mittels Tor oder Alternativen werden dann in einem Audioscrobblerverfahren die Playlisten anonymisiert an Server verschickt, die daraus und aus anderen Parametern einen Schlüssel definieren, der dann verteilt wird. Das Modell kann gerechter sein als derzeit die Verteilung, wenn viele mitmachen. Und die Motivation ist ja da, wenn man dadurch die geliebten Künstler unterstützen kann und nicht Britney Spears und Dieter Bohlen das ganze Geld bekommen wie aktuell.

  30. dass urheberrechts-squad (themenbezogene arbeitsgruppe des landesverbands) der piraten berlin löste sich vor einiger zeit auf, weil sie sich verzankt hatten und sie (schätze ich mal) nicht alle spezialisierte juristen waren. jetzt hat es sich neu gegründet… man darf gespannt sein.

  31. @markus: „Eine Möglichkeit ist, eine freie Software mit offenen Standards zu schaffen, die als Plugin in iTunes & Co läuft. Mittels Tor oder Alternativen werden dann in einem Audioscrobblerverfahren die Playlisten anonymisiert an Server verschickt, die daraus und aus anderen Parametern einen Schlüssel definieren, der dann verteilt wird.“

    1.) Nicht manipulationssicher (siehe Botnetz-Hinweis in meinem früheren Kommentar). Dein System hat die gleichen Probleme, wie wir sie mit Klick- und Referralbetrug aus z.B. Google Adsense und Affiliate-Systemen kennen. Fraud Protection macht dort bereits gigantische Aufwände – und da gibt es noch nicht einmal Anonymität, wie Du sie beschreibst.

    2.) Damit die Kulturflatrate wirklich fair im Sinne ihrer Erfinder wird, müsste die Installation Deiner Software zwangsweise durchgesetzt werden. Denn wer sie nicht benutzt, ist wieder nur ein Leecher im System, der Künstler benachteiligt.

    Damit ist Dein Vorschlag leider ungeeignet, wenn Du Deine eigene Wunschliste an ein solches System (anonym, überwachungsfrei, datenschutzrechtlich unproblematisch, gerecht für Künstler und Nutzer) erfüllen willst.

    Hast Du weitere Vorschläge?

    1. @Hanno Zulla: Das derzeitige System ist noch manipulationsanfälliger. Wie ich schon meinte, ist das nur ein teil des Schlüssels. Ich kann mir vorstellen, dass man ein solches System aber auch einigermassen manipulationssicher gestalten kann. Und man müsste nicht alle Nutzer dazu verpflichten. Wenn z.B. 100.000 Menschen in Deutschland mitmachen, kann man ganz gut einen Querschnitt ermitteln.

      Weitere Möglichkeiten zur Schlüsselbildung hat Volker Grassmuck im Netzpolitik-Podcast 075 angesprichen. Die Diskussion zum Podcast ist auch brauchbar, um einige Vorurteile aus dem Weg zu räumen. http://www.netzpolitik.org/2009/netzpolitik-podcast-075-die-kulturflatrate/

      Und wie schon geschrieben: Die Schlüssel kann man diskutieren. Bisher wird in der regel alles immer mit „ist nicht möglich, weil…“ abgeblockt. Ich hätte ein echtes Interesse daran, die Diskussion an diesem Punkt weiter zu führen und zu schauen, wie man Datenschutz-konforme Lösungen für das Problem findet.

  32. Zuerst klang die Kultur-Flatrate recht sexy, aber dann kam der Einwand aus der Musikindustrie, dass man zur gerechten Verteilung zählen müsste, ob ein Stück mehrmals von einer Person oder von vielen verschiedenen herunter geladen wurde. Das bedeutet eine eindeutige Identifikation der Nutzer und Probleme mit Verschlüsselung – ohne Worte – ….

  33. @markus:

    Dann baue ich mir einen Trojaner und sammle monatlich schön mein Geld für die angeblichen Downloads meiner Musik ein. :-)

    „Ich kann mir vorstellen, dass man ein solches System aber auch einigermassen manipulationssicher gestalten kann.“

    Ich kann es mir nicht vorstellen, jedenfalls nicht, wenn das System wirklich anonym funktionieren soll.

    Aber vielleicht gibt es ja eine schlaue Lösung da draußen. Solange die aber nicht vorgestellt wird und die genannten Bedenken ausräumen kann, ist die Kulturflatrate-Diskussion m.M.n. gescheitert.

  34. Nur so am Rande:Hier und in dem Interview werden verschiedene Vorstellungen davon wie so eine Kulturflatrate aussehen soll vermischt, man sollte hier immer aufpassen von was für einer Vorstellung der jeweils andere ausgeht. Ich denke die zwei großen Alternativen sind entweder eine Einreihung in die Abgaben auf Rohmedien, da ist aber zu befürchten, dass man dann nicht nur Privatkopien in der Öffentlichen Wahrnehmung als legal betrachtet sondern jegliche Raubkopie aus dem Internet. Das andere Extrem wäre eine komplette Neuorganisation in der der Staat per Steuer von jedem ordentlich Geld abgreift (was die GEZ Problematik auf Einnahmenseite killt) und damit ein Grundlevel an Kulturproduktion garantiert, der Rest ist dem Markt überlassen. Das ist dann im Übrigen auch noch nichtmal wirklich kommunistisch (bzw. abhängig davon wie man die Verteilung organisiert).

    @Andreas: Wie wäre es denn mit einer Demokratisierung des Prozesse, jeder Nutzer der Zahlen muss kann selbst bestimmen wem er wieviel von seinem Pott abgeben will, ansonsten kommt ein nur grob mainstreamig bestimmter (absolute gemessene Downloads/Charts) zum Einsatz? Dann liegt es an den Nutzern ihre Künstler zu unterstützen, damit die weiterproduzieren.

  35. @Markus: Die große Frage bei einer Kulturflatrate ist doch auch, ob die Urheber sie annehmen, damit leben können oder ob es in Richtung bedingungsloses Grundeinkommen geht. Als Urheber und Journalist würde ich irgendetwas zwischen 3500-4000 Euro im Monat ansetzen und schwuppdiwupp würde schon dieser geringe Betrag für eine Elitendiskussion gehen, wie ich nach einigen öffentlichen Diskussionen dieses Themas gemerkt habe. Von daher landet man wie Seipenbusch schnell bei den Aporien der freien Marktwirtschaft.

    Daneben habe ich ein gerütteltes Maß an Misstrauen, was Verwertungsgesellschaften anbelangt. Ich habe gerade meine erste Internet-Verwertung von der VG Wort erhalten, die hier noch keiner genannt hat.

    >http://blogjournalisten.com/medien/an-einem-mittwoch-im-oktober/

    Was ich danach an Reaktionen von betroffenen Kollegen bekommen habe, ist erschreckend. Wenn das so schief läuft, habe ich große Bedenken über Flatrate und Verteilungsmechanismen.

    –Detlef

    1. @Detlef Borchers: Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein anderes Thema, was ich gerne in der Debatte mit Politikern als zusätzlichen Lösungsvorschlag bringe, die sich um die Künstler sorgen. Aber das ist eine andere Baustelle, die mit Netzpolitik wenig zu tun hat und wo ich auch weniger Expertise habe.

      Die Kulturflatrate wird, wie schon im existierenden Pauschalabgabensystem nur einen kleinen Teil zum Künstlereinkommen beitragen. Aber es gibt auch bereits im existierenden System viele Lösungswege, wie Künstler trotzdem Geld verdienen können, obwohl es eine Privatkopie gibt. Hier bieten neue Geschäftsmodelle viele Möglichkeiten.

  36. Zuersteinmal fehlt eine befriedigende Definition, was eine Kulurflatrate überhaupt sein soll.
    In dieser Diskussion ist es scheinbar eine Pauschalabgabe auf Musik, evtl. auch Filme und Software. Von wem sie erhoben werden soll bleibt einigermaßen offen. Implizit scheint es als solle sie von Internetnutzern erhoben werden.

    Warum sollte das gerecht sein?
    Ich bezahle bereits Rundfunkgebühren, davon werden GEMA Gebühren bezahlt. Für alles, was ich im Radio auf öffentlich-rechtlichen Sendern höre habe ich schon gezahlt.
    Wenn ich zu einem Privatsender umschalte bezahle ich vermittels Werbung an die GEMA.
    Wenn ich im Cafe sitze und dort Musik läuft, zahle ich ebenfalls anteilig GEMA Gebühren mit meinem Milchkaffee. (etc etc)
    Ich habe bereits gezahlt. Mehr als einmal.
    Warum sollte ich ein weiteres mal zahlen?
    Weil ich das Internet nutze, dessen technische Infrastruktur _andere_ zum Musik tauschen nutzen?

    So kann ein gerechtes System nicht funktionieren. Es muss unabhängig vom Übertragungsweg sein und es muss die bestehende Ungerechtigkeit von Mehrfachbezahlung für das selbe Kulturgut ausschließen.

    Achso. Jetzt habe ich die Piraten ganz vergessen. Und was eine Kulturflatrate noch enthalten könnte – wie z.B. Museumsbesuche.
    Vielleicht denkt ja jemand andres dran.

  37. @Hanno: Mein Fehler. GEMA.

    @Markus: Klassische Frage ist, ob Preisdeflation ein wirtschaftliches Problem ist, das der Staat lösen soll. Bei der Milchkuh und ihrem Bauern offensichtlich schon, darum zahlt die EU Milliardensubventionen. Aber es ist ja nicht die Schuld eines Milchtrinkers, wenn ein Überangebot an Milch zum Preisverfall führt. Letzten Endes geht es auch da nur um ein „soft landing“ im Zeichen des Strukturwandels.

    Nun kann natürlich ein Preis künstlich festgesetzt werden durch staatliches Eingreifen, über dem Marktpreis, genau das passiert in der Contentindustrie, wo selbst die stolzen iTunes-Preise als zu niedrig angesehen werden und mit Fantasieabgaben neue Nutzungsformen wie Podcast kaputt gemacht werden. Statt dass sich Gewicht zum Verbraucher verschiebt, also sagen wir mal bessere Konditionen für ihn herausgehandelt werden, wird über die Regulation und Protektion entgegen gesteuert: Man soll gar nichts mehr mit den erworbenen Werken machen dürfen. Vater Staat soll dem Inhaltebesitzer helfen. Deshalb verlieren die Anbieter darüber hinaus ihre Kunden an die Schwarzmärkte.

    Ist es ein gesellschaftliches Problem, das der Staat zu lösen habe, dass die freie Wikipedia-Konkurrenz die Brittanica wirtschaftlich kaputt gemacht hat? Ist das ein Problem für die Bürger unseres Landes? Vielleicht schon. Ich komme aus einer Stadt, die ganz stark von der Schreibmaschinenindustrie abhing. Deren Kollaps hat hier zum wirtschaftlichen Zusammenbruch geführt. Vielleicht hätte man besser eine Tippabgabe auf Computer mit Keyboards und Textverarbeitung erheben sollen? Grotesk, nicht wahr?

    Vielleicht sollten tatsächlich die wichtigen Blogger in Deutschland subventioniert werden, könnte man ja z.B. über Fernsehgebühren? Das fände ich auch im Gegensatz zur Bezahlung von ZDF-Infoseiten im Netz gerecht. Die gesamte öffentlich-rechtliche Langeweile wird von mir ohne Mitentscheidungsmöglichkeiten bei der Verteilung finanziert. Vielleicht sollte sich der Staat für die Wikipedia engagieren. Der eigentlich schwierige Punkt aus volkswirtschaftlicher Sicht ist nicht der Transfer, sondern die Verzerrung durch die Verteilung. Libertäre Haltung und Künstlernatur gehen leicht einen naiven Bund gegen die Förderung ein. denn Kulturförderung führt ebenso wie akademische Kunst immer zu Kitsch. Oder man denke an die EU-Förderung von ICT-Projekten. Entweder man entwickelt für die Technologie und den Kunden oder man macht geförderte Projekte. Das erste führt zur Unterfinanzierung von Technologieinnovation, das zweite zum Ausbleiben von relevanter Technologieinnovation und Motivation, der Sieg der Consultingindustrie. Diese hohnlachende Förderung des Mediocren wiederum führt zum libertären Reflex der Technologisten.

    Gleichwohl ist eine Förderung möglich, erfordert aber Änderungen in der Verteilungsstruktur. Eine Lösung ist der Wechsel von Auschreibungen zu Prisen, eine andere Möglichkeit die Gieskanne.

    Und im Falle des Rundfunks könnte man sich mal an die Reform der Rundfunkräte machen. Der niederländische Ansatz ist ein herausforderndes Gegenkonzept. Es wird in den nächsten Jahre noch viele spannende Diskussionen geben.

  38. „Aber dass sie auch selbstverständlich die Sozialbindung des Eigentums respektieren müssen, worauf sich das Recht auf Privatkopie begründet. Und durch eine Kulturflatrate könnte man dies klarstellen. Denn für diese digitale Privatkopie gibt es dann Kompensation. Und das ist kein Kommunismus.“

    Ich find es bestürzend, dass du dir mit dieser Argumentationslinie das Konzept „geistigen Eigentums“ zu eigen machst. Ausgangspunkt dieser ganzen fehlgeleiteten Argumentation ist, dass der Einzelne einen immanenten Eigentumsanspruch an seinen veröffentlichten geistigen Werken hat. Die Beschränkung dieses Eigentumsanspruch für Privatkopie, etc. muss dann ausgeglichen werden. Erst dadurch, dass geistige Werke als Eigentum betrachtet werden, entsteht die unsägliche Argumentation der Abgabe als Kompensation für die Privatkopie.

    Dabei geht es doch beim Urheberrecht eigentlich darum, dass mit einem künstlich geschaffenen, zeitlich begrenten Monopol Kunst und Wissenschaft gefördert werden. Sprich: den Schutz geistiger Werke gibt es, weil ein bestimmter gesellschaftlicher Vorteil damit verbunden ist. Es gibt daher überhaut gar keine Veranlassung, urheberrechtliche Bestimmungen über das hinaus zu entwickeln, was für die Förderung von Kunst und Wissenschaft notwendig ist. Ebenfalls gibt es keine Veranlassung zuzulassen, dass das Urheberrecht zu Zwecken genutzt wird, das der Förderung von Kunst und Wissenschaft offensichtlich nicht dient.

    Es ist also völlig richtig, die Abgaben auf Kopiergeräte und Speichermedien abzuschaffen. Genauso ist es sinnvoll, die Kulturflatrate abzuschaffen. Die Tatsache, dass es überhaupt ein begrenztes Monpol an der Verbreitung geistiger Werke gibt, ist bereits ein (durchaus nützliches) Zugeständnis der Gesellschaft zugunsten des Einzelnen. Als solches muss es auf das für den zu erzielenden Zweck Nötige beschränkt sein.

    1. @sm: Die Privatkopie-Schranke hat ihre Basis im Grundgesetz Artikel 14, (Absatz2?). Ich kann deine Argumentation nachvollziehen, aber ich glaube nicht, dass man damit irgendwas in der öffentlichen Debatte gewinnen kann. Alleine die Trenn-Linie zwischen dem, was Kunst ist und was im allgemeinen als Kultur angesehen wird, ist ganz schön schwer.

  39. Tja, das ist die Krux . .was ist Kunst, ich als „Fotodesigner“ (scheiß deutsches Recht ;) hätte nun das Problem, das wenn ich zB Fotos von meinem Urlaub in Posterqualität online stelle, so können die evtl nicht über die „Schöpfungshöhe“ klettern, sprich nicht als Kunst anerkannt werden .. Ist dan ndas Kopieren legal oder nicht, krige ich Geld oder nicht … Tja, Kunst ist halt ubjektiv, und da wird es nie eine gerechte Lösung geben ….

  40. @markus: Die Privatkopie hat ihre Basis im §53 UrhG. Was 14 GG hat Urheberrecht zu tun hat, ist stark interpretationsabhängig. Zum Beispiel geht daraus nicht hervor, dass es einen urheberrechtlichen Schutz geben muss. Das ist nur dann der Fall, wenn geistige Werke als Eigentum betrachtet werden. Dass sie als solche betrachtet werden, ist nicht zwingend. Dass viele es tun, ist eher tragisch, weil durch die fehlerhafte Analogie erst der Eindruck entsteht, Einschränkungen des Urheberrechts wären ähnlich zu werten, Einschränkungen an meinem Eigentum. Ich empfehle http://de.wikipedia.org/wiki/Geistiges_Eigentum als gute Ausgangspunkt für dieses alles andere als glasklare Thema.

    Ob man damit in der Öffentlichkeit etwas gewinnen kann, weiß ich nicht. Wäre zu prüfen. Allerdings hat die Gegenseite es ja sehr gut geschafft, dass das Konzept „geistigen Eigentums“ analog zum materiellen Eigentum verstanden wird. Wäre es aber nicht gerade Aufgabe einer aufgeklärten Netzpolitik dagegen anzusteuern?

    1. @sm: Das kann man so durchdeklinieren und wäre als Argumentation auch stringenter als das, was die Piratenpartei im Urheberrecht derzeit von sich gibt.

  41. @markus: Dein Problem ist, dass Du einen Kompromiss suchst, weil Du von der Legitimität der Ansprüche prinzipiell überzeugt bist. Also das wäre dann die – sagen wir mal – Lokalmilchabgabe, durch die 40% meines Milchgeldes direkt an die Bauernschaft meiner Region fliesst, die sicherstellen soll, dass auch weiterhin Bauern Milch produzieren können. — Aber halt: Wieso droht bei einer Überproduktion, dass keine Milch mehr produziert wird? Es droht nämlich tatsächlich nur, dass dieser Bauer nicht mehr wirtschaftlich produzieren kann. Obwohl es ein Überangebot an Milch gibt, was bei konstanter Nachfrage zu Preisverfall führt, laufen also die Vorschläge darauf hinaus, mich als Milchkunden zu besteuern um die Besitzstände eines Milchbauerns zu wahren, statt dass ein Überangebot an mich durch den Preis weitergegeben wird, so dass Ausgaben für Milch eine geringeren Teil meines Konsums darstellen. Ganz entgegen der Marktlogik versucht man das zu verhindern, und die Position des Anbieters zu stärken.

    > Die Privatkopie-Schranke hat ihre Basis im Grundgesetz Artikel 14.

    Natürlich, wo sonst?

    Was wir einfach lernen müssen, ist, dass der Musikmarkt technologisch nach seinen 100 Jahren nun in eine Transformation eingetreten ist, wo digitale Inhalte wie es sich im Marktsystem gehört gegen seinen Grenzpreis, nämlich null, konvergieren. Die betroffenen Kreise versuchen das natürlich aufzuhalten durch Staatseingriffe, und tun so, als unterliegen Digitalgüter den Bedingungen eines kompetitiven Marktes. Mitnichten!

    1. @Rebentisch: Ich bin mir nicht so sicher, ob man Milchproduktion so einfach mit Kulturproduktion zusammen werfen kann. Aus volkswirtschaftlicher Sicht mag das diese Parallelen haben, die (kultur-) politische Sicht ist doch eine andere.

  42. Schreibfehler:
    „umd ie Kulturflatrate“
    „Verwertnugsgesellschaft untercheiden“
    „das recht“
    „ds Recht“
    „Salonfähig“

    Ich denke für eine Kulturflatrate müssen noch viele, sehr viele offene Fragen beantwortet werden. Wie ich unsere Politik kenne wird der Lobby-Druck so stark ansteigen, dass (mal wieder) überstürzt eine Entscheidung getroffen wird.
    Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang (hoffe Querverweise dieser Art sind erlaubt):
    http://netzwertig.com/2009/01/19/kulturflatrate-eine-schlechte-idee-die-sich-hartnaeckig-haelt/
    http://netzwertig.com/2009/06/29/kulturflatrate-pro-und-contra/
    http://carta.info/10584/markt-oder-allmendewirtschaft-worum-es-bei-der-kulturflatrate-eigentlich-geht/

  43. @Markus: Naja, wir hatten mal eine Versorgungskrise, da haben die Leute ihre Orientteppiche zum Bauern getragen. Die Grüne Revolution und die Digitale Revolution sind nicht so verschieden in der Wirkung auf der Angebotsseite. Übrigens hatten wir einmal einen Referenten aus dem Landwirtschaftsministerium in einer volkswirtschaftlichen Seminar, der die Agrarförderung so begründete, dass Landwirte bekanntlich „Kulturlandschaften“ schaffen und andernfalls die Versteppung drohe, das Auge sehe lieber die bestellten Felder. Und dazu kommt natürlich der touristische Wert, z.B. im Kuh im Allgäu. Kulturpolitisch ist mir das Schicksal der industriellen Massenkultur egal und die echten Künstler verdienen seit ehedem mehr schlecht als recht. Die echte Frage ist daher wie man nachhaltige Kulturpolitik macht und Erwerbschancen für Künstler schafft.

    Übrigens bin ich noch ganz geschockt, gerade auf Phoenix bezeichnete ein älterer Herr das Internet als die Tatwaffe des Terrorismus und darum müsse man Festplatten ausforschen. Ja, da lobe ich den demographischen Faktor…

  44. @markus
    guter Artikel. finde wichtig, dass dies diskutiert wird.
    Bei Deiner Piraten-Kritik bzgl. Rechts und 1-Thema hatte ich etwas das Gefühl, Dir würde es vielleicht gar nicht wirklich um die Thematik gehen. Entschuldige, dann haben wir dort einfach eine andere Meinung.
    Bzgl. Kulturflat, ich halte persoenlich nicht viel von der Idee (genauso wenig wie von den Zwangsabgaben auf CD-Rohlinge etc.). Fuer mich hindert eine solche Abgabe Innovation, da das Verteilen (egal wie ausgeartet) dann Dienstleistungsmodelle unterstützt die eigentlich veraltet sind. Ja, das Verkaufen eines Musikstücks ist in erster Linie eine Dienstleistung (zwar eine künstlerische aber dennoch …). Das sage ich als jemand der selbst mit ‚künstlerischen‘ (in Anfuehrungszeichen, da Kunst ja immer vom Auge des Betrachters abhaengt) Dienstleistungen sein Geld verdient.

    In wie weit wuerdest Du diese ‚Kulturflat‘ Statisitkerfassung ausdehnen? Fuer Musik und Filme wahrscheinlich? Aber wie sieht es dann mit Buechern, Bildern generell Texten etc. aus?
    Mir ist unklar wie man dort eine brauchbare Unterscheidung hinbekommt. Hier geht es mir vor allem darum, z. Bsp. Netzpolitik, boing-boing etc. sind extrem gute Blogs, die mir bei weitem mehr Denkanstoesse geben, als kostenpflichtige Buecher. Ich faende gut wenn es schon eine Kulturflat gibt, wenn man darueber auch solche Angebote mit Geld versorgen koennte. Denke aber dies ist komplett utopisch auch sehe ich das Problem der Verteilung, habe das Bauchgefuehl so etwas kann nicht funktionieren.

    Uebrigens, fuer mich stehen die Piraten fuer ein Umdenken in der Politik (freue mich dass es endlich mal Parteivorsitzende etc. gibt die Karl Popper nicht nur kennen sondern Ihn auch in der Freizeit lesen ;-)
    Popper und Goedel sollten Pflichtliteratur fuer jeden Politiker + Juristen sein, imho.

  45. @markus:

    „Die Lösung für das Argument liegt wohl in mehr IT-Systemsicherheit.“

    Du weißt, dass das keine ausreichende Replik ist.

    „Bisher wird in der Regel alles immer mit ‚ist nicht möglich, weil…‘ abgeblockt.“

    Stimmt, es ist wirklich unfair, dass die gutgemeinte Utopie der Kulturflatrate an der bösen Realität scheitert.

    Du hast hier der Piratenpartei (disclaimer – bin kein Pirat) vorgeworfen, dass sie keine vernünftige Meinung zur Kulturflatrate hat, willst aber deren Machbarkeit lieber nicht diskutieren? Den Standpunkt finde ich ebenso unvernünftig.

    „Ich hätte ein echtes Interesse daran, die Diskussion an diesem Punkt weiter zu führen und zu schauen, wie man Datenschutz-konforme Lösungen für das Problem findet.“

    Das Interesse habe ich auch, aber es sind die Befürworter (Du z.B.), die so eine Lösung konkret vorstellen sollten. Dann können wir diskutieren. Bisher ist die Kulturflatrate über ein „wäre es nicht toll, wenn?“ nicht weitergekommen.

  46. @markus:

    „Wenn z.B. 100.000 Menschen in Deutschland mitmachen, kann man ganz gut einen Querschnitt ermitteln.“

    Für eine faire Abbildung des Nutzungsverhaltens nicht ausreichend. Das würde aber den Long Tail der P2P-Nutzung (Stichwort Back-Katalog) nicht abbilden. Man würde damit die kleineren Künstler stark benachteiligen.

  47. @Hanno Zulla

    Alle Systeme benachteiligen die kleinen Künstler. Die GEMA ohnehin, die zB von großen Radiosendern (die idR Pop spielen) Playlisten einsammelt, und für die kleinen (zB Uni-Radios mit alternativer/undergroundiger Musik) pauschalen von der LMA nehmen, die nach einem Charts-Schlüssel verteilt werden – also als ob sie Standard-Musik spielen.

    Das Problem, dass Spartenmusik nur schlecht in Statistiken widergespiegelt werden kann, und dass sie potenziell aufanderen Kanälen (zB Fan-Blogs) getauscht wird, die nicht bespitzelt werden, ist ein strukturelles. Undergound ist eben Underground. Das ist Schade, und jede Bemühung dem entgegen zu wirken löblich, aber ich vermute, man kann es nicht aus der Welt schaffen. Weil Musik-Nerds eben genau das heimliche, kleine, spezielle bevorzugen (ohne dabei eine Benachteiligung des Künstlers im Auge zu haben).

  48. Hallo Markus,

    vielen Dank fuer Deinen Artikel allerdings ist mir ein Punkt aufgefallen, der fehlerhaft ist.
    ——-
    Im übrigen ist das Pauschalabgabensystem die Basis für unsere Privatkopie.
    ——-

    Dieser Punkt ist leider schlichtweg falsch.
    Das Recht auf Privatkopie (sofern dieses existiert) hat mit der Pauschalabgabe auf Kopiermedien und Geraete nichts zu tun. Diese Abgabe ist ein Ausgleich fuer Kulturschaffende, den die Hersteller zu zahlen haben. Damit beteiligt der Hersteller die Kulturschaffenden an dem Geld, welches er unter Anderem mit ihren Werken verdienen koennte.
    Nachzulesen unter:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31038/1.html
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe
    http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__54.html

    Falls ich diese Artikel missverstanden habe, lasse ich mich gerne belehren.
    Aber so wie ich das sehe, ist der Punkt mit der Pauschalabgabe nur fuer die Interessengruppen Provider/Kuenstler interessant. Fuer den einzelnen Konsumenten spielt die Pauschalabgabe keine, bzw. eine untergordnete Rolle (Verteuerung der Produkte).
    Die Pauschalabgabe und die Privatkopie haben rein gar nichts miteinander zu tun, daher verstehe ich (noch) nicht, wieso diese beiden Punkte immer gemeinsam diskutiert werden

    1. @Abdul: Nein, dieser Punkt ist nicht schlichtweg falsch.

      Wenn sich Künstler / Verwerter dafür entscheiden, Inhalte unter Kopierschutz / DRM zu vertreiben, dann bekommen sie kein Geld aus dem Pauschalabgabensystem und der Verbraucher bekommt kein Recht auf eine Privatkopie dafür.

  49. Bei aller berechtigter Kritik zu dem Interview, aber die Ansichten des Autors (Markus B.) sind auch nicht schlüssig. Denn die Urheberrechtsabgaben auf CD-Rohlinge und Brenner sind alles andere als ein „bewährtes System“, wie er es mehrfach nennt. Nur ein Bruchteil dieser Abgaben landet tatsächlich in den Taschen der Künstler. Der Großteil bleibt bei der GEMA. Insofern ist es gerade richtig, nicht auch noch eine Kulturflatrate nach gleichem Muster zu stricken.

    1. @Markus: Meinst Du mit Deinem Argument „Nur ein Bruchteil dieser Abgaben landet tatsächlich in den Taschen der Künstler. Der Großteil bleibt bei der GEMA.“, dass die GEMA den Hauptteil des Geldes für Bürokratie verschleudert?

  50. Der Staat subventioniert schon viel zu viel und nie klappt es. Es werden Milliarden in den Agrarbereich gepumpt obwohl dieser keine Zukunft hat. Erst wenn das Angebot an Milch sinkt steigt auch deren Preis, dies verhindert die EU durch subventionen und ist damit Urheber des Problemes der zu niedrigen Milchpreise. Das gleiche gilt für Obst und Gemüse. Hat jetzt zwar nichts mit der Kulturflatrate zu tun aber ist auch interessant, da ich nur selten Erfolg bei Einmischungen vom Staat in die Wirtschaft sehe.
    Die Kulturflatrate gibt es jedenfalls schon von Privater nicht gezwungener Seite (Napster etc.) Aber für mich macht Napster keinen Sinn, da das Abspielen nicht auf allen Playern geht. Das gleiche problem würde bei der Kulturflatrate auftreten. Wenn wir die monatlichen Abgabe so auf 10€ Setzen würden, würde ich sehr viel Geld sparen. Dies sind im Schnitt nur 12 Alben pro Jahr (itunes). Wenn über die Kulturflatrate aber jegliche Kultur finanziert werden soll ist das deutlich zu wenig. Ich gebe viel geld für „kultur“ aus und müsste also ca. 50€ da lassen, meine Eltern hingegen geben nahezu gar nichts für Kultur aus sondern lesen nur Welt und hören NDR Info. Und da taucht das allergrößte Problem auf, dass ich sehe. Nämlich gar nicht due Machbarkeit, die Ungerechtheit, wie das Geld an die Künstler verteilt wird, sondern die Ungerechtigkeit für jeden Bürger. Ich will selber entscheiden können. Ich bin ein freier Mensch und will keine Zwangsabgaben. Ich glaube eine Kulturflatrate würde die von manchen als Trashmusik bezeichnete Chartmusik fördern nicht aber die kleineren Künstler, da nicht die das geld bekommen, denen man bereit ist zu geben, sondern die, von denen man im Radio und Fernsehen bedrängt wird. Ich weiß auch gar nicht worüber wir hier diskutieren die Kulturflatrate ist eine Utopie. Was meiner Meinung nach wichtiger ist, als das Nachdenken über neue Finanzierungsmöglichkeiten ist das abschaffen, von en Verwertungsunternehmen. Diese sind heutzutage nicht mehr nötig. Jeder Künstler kann seine Musik direkt vertreiben und dadurch bleibt ein großteil des Geldes dann auch bei ihm. Momentan bekommen die Künstler der Majorlabels nur allerkleinste Bruchteile, der Rest scheint irgendwo auf der Strecke zu verschwinden. Und dann kann jeder Künstler selbst entscheiden, wie er seinen „Beruf“ finanziert. Bei kleinen Künstlern ist das häufig zunächst Merchandising und Live Acts bei den großen sind es dann in Zukunft iTunes käufe und auch Live Acts (ganz ehrlich schon mal jemanden mit nem Britney Spears shirt gesehen?) Ich denke, ich bin vor allem gegen die Kulturflatrate, da ich erkannt habe, dass uch auch jetzt schon meine Musik (fast) nur legal erwerbe. Tauschbörsennutzer werden wahrscheinlich eher für die Kulturflatrate sein. Oder sehe ich das falsch. Wenn es die Kulturflatrate gibt zählt jedenfalls nicht mehr der einzelne Kauf sondern nur noch die Masse, wer weiß wie viel Musik sich dann bei mir ansammeln würde. Von wem geht eigentlich die Idee zu der Kulturflatrate aus? Attac befürworten die ziemlich oder? Ich empfehle jedenfalls den ganz normalen Wikiartikel da steht fast alles drin und vor alem due Links unten: http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturflatrate

  51. In Zusammenhang mit der Kulturflatrate möchte ich mal auf folgenden Artikel (nicht von mir) aufmerksam machen:
    http://netzwertig.com/2009/06/29/kulturflatrate-pro-und-contra/
    Ich war lange Zeit Befürworter einer Kulturflatrate – allerdings keiner zusätzlichen, weil wir meiner Meinung nach bereits eine haben (GEMA, Leermedienabgabe, Abgaben auf Geräte, etc.).
    Als ich den verlinkten Beitrag gelesen habe, ist mir besonders folgendes aufgefallen:
    Zitat:
    Ein Kulturschaffender, der neue Märkte erschließt, vergrößert nicht das Gesamteinkommen der Branche aus den Flatrate-Einnahmen sondern nimmt mit der Vergrößerung des eigenen Anteils Anteile von anderen Marktteilnehmern weg. Daraus folgt wiederrum der Anreiz der Etablierten, solches Erschließen neuer Märkte möglichst zu unterbinden.
    Das bedeutet in einfachen Worten, wenn eine KF eingeführt wird gibt es einen Kuchen der zu verteilen ist. Jedes neue Kulturgut (Musikstück) knappst an diesem Kuchen und sorgt so dafür, das die einzelnen Anteil immer kleiner werden. Es gibt somit keinen (finanziellen) Anreiz neue Kulturgüter zu schaffen.

  52. @Markus

    Das sehe ich anders.
    Wie bereits angemerkt, haengt die Pauschalabgabe direkt mit der kommerziellen Nutzung von Werken durch Hersteller von Kopiermedien und Geraeten. Mit der Privatkopie hat das erstmal nichts zu tun. Der Einsatz von Kopierschutz / DRM, der die Nutzung dieses Rechts technisch unmoeglich (schwierig) macht ist wiederum ein komplett eigener Punkt. Nur weil etwas technisch moeglich ist, heisst das ja nicht, dass das Gesetz seine Gueltigkeit verliert.
    Aber das ist eigentlich nicht, der Punkt auf den ich raus will.
    Eine Pauschalabgabe bzw. Kulturflatrate, sofern sie sich an dem Modell der bestehenden Pauschalabgabe anlehnt ist kein „Freibrief“ fuer den Privatmann zum ungehemmten Download, sondern eine Abgabe der Provider bzw. Internetdiensleiter, die mit den Werken der Kuenstler Geld verdienen (z.B. Internettraffic). Der Privatmann spielt hier keine Rolle, es handelt sich lediglich um eine Vereinbarung zw. Kuenstler(Verwerter) und Provider oder Internetdiensleiter.
    Ich verstehe aber nicht, wieso es hier bedenken geben sollte, zusaetzliches Geld an die Kuenstler fliessen zu lassen.

    1. @abdul: Der Provider kommt in der Diskussion rund um die Kulturflatrate ins Spiel, weil hier eine praktische Abrechnungsmöglichkeit besteht. Die Kulturflatrate soll p2p, also das nicht-kommerzielle Tauschen von kulturellen Gütern in Tauschbörsen legalisieren.

  53. Wo liegt eigentlich das Problem? Ich habe mir vor 3 Jahren eine neue Betonmischmaschine gekauft, die alte, fast 30 Jahre alt, starb eines unnatürlichen Todes. Das Gerät kostete 149€ und wurde bereits von 3 anderen Personen für eigene Zwecke ausgeliehen. OK, man kann eine Betonmischmaschine nicht einfach so kopieren wie eine mp3- Datei, aber im Prinzip wird der Hersteller damit um Profit gebracht, wenn 4 Leute quasi eine Maschine kaufen und diese quasi im Sharing- Betrieb verwenden. Weder der Hersteller noch der Gesetzgeber käme dabei auf die irrsinnige Idee, diese Form der Verwendung per Gesetz zu beschneiden.
    Und jetzt gehen wir mal in die Schule…
    Der Lehrer/die Lehrerin kopiert eine Seite aus einem (Schul)buch und händigt es den Schülern aus. Es dient fortan als Arbeitsgrundlage und Lernmaterial. Dies ist ein immer wiederkehrender Vorgang an Schulen und verstößt eigentlich gegen das Urheberrecht. Man könnte jetzt argumentieren, es handelt sich dabei ja weder um Kunst noch um Kultur, doch darf man das? Gilt nur die Beachtung von lobbyistischen Aspekten? Bevor man über eine Kulturflatrate überhaupt nachdenken sollte, muss man sich mit dem Urheberecht auseinandersetzen und einen tragfähigen Konsens erarbeiten, sonst geht die Sache in die Hose. Allein in der Musik gibt es genügend Streitfälle, wo bereits gleiche Tonfolgen in verschiedenen Stücken zu Streitfällen führten. Was ist überhaupt urheberrechtlich schützenswert? Sicherlich ist es nicht nur Kunst und Kultur und davon abgesehen bin ich persönlich nicht bereit eine Pauschalabgabe auf Musik von Dieter Bohlen (nur ein Beispiel) zu zahlen, welche mir lediglich Ohrkrebs beschert…

  54. @markus (89):
    „Meinst Du … dass die GEMA den Hauptteil des Geldes für Bürokratie verschleudert?“

    Nicht den Hauptteil, aber einen guten Anteil. Doch das ist nicht das wahre Problem. Das liegt nämlich in der Frage, wer von dem letztlich ausgeschütteten Geld wieviel bekommt.

    Bereits 2001 hat sich Telepolis mit dieser Frage beschäftigt – immerhin existiert die „Urheberrechtsabgabe“ seit dem Auskommen der ersten Kassettenrecorder in den 60er Jahren.
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/7/7586/1.html

    Diesen Artikle mal in Ruhe durchlesen. Dann dürfte langsam klar werden, dass eine weitere Pauschalabgabe niemanden nützt ausser denen, die sie eintreiben dürfen. Die Künstler wie auch die Verbraucher werden nur geschröpft.

    Daher kann ich durchaus nachvollziehen, wenn Seipenbusch einer pauschalen Forderung nach Kulturflatrate eine pauschale Abfuhr erteilt.

  55. Wieso erwähnt hier eigentlich die Alternative zur Kulturflatrate, die es schon zu Zeiten von Beethoven und Mozart gab?

    Damals wollten irgendwelche Könige Musik haben. Die gabs aber nicht so zu kaufen (iTunes gabs ja noch nicht). Was haben sie also gemacht? Sie haben Künstler auf Auftrag arbeiten lassen.

    Das funktioniert heutzutage auch noch. Wenn die Fans mehr Musik haben wollen, so können sie Geld für ihre Lieblingsmusiker sammeln. Wenn dann das Geld für die nächste Platte da ist, kann der Musiker mit produzieren anfangen. Das hat sogar den Vorteil, dass der Musiker keinen Kredit aufnehmen muss, weil er ja vorfinanziert ist.

    Das Problem des initialen Kick-Off für die erste gute Platte (wo es noch keine Fans gibt, die spenden) haben die Musiker im alten System auch.

    Einziger Unterschied zum alten System: Die großen Künstler können nicht mehr soviel Geld verdienen, weil da ehh das Geld für die nächste Platte zusammen kommt, also die Fans weniger spenden. Und natürlich brauch man da kein Verleger mehr ;)

  56. @markus
    ———–
    Die Kulturflatrate soll p2p, also das nicht-kommerzielle Tauschen von kulturellen Gütern in Tauschbörsen legalisieren.
    ———–

    Das ist mir vollkommen klar und das ist meiner Meinung nach auch der Denkfehler.
    Die beliebte Analogie zur existierenden Pauschalabgabe passt in diesem Fall naemlich nicht mehr.
    Aus einer Herstellerabgabe wird ohne Kommentar eine Nutzerabgabe und ploetzlich ist das Recht auf Privatkopie kostenpflichtig.
    Auf der einen Seite verdienen Provider Geld mit den Werten anderer und werden nicht zur Kasse gebeten. Ich als nicht-kommerzieller Nutzer aber schon.

    Natuerlich ist mir klar, das letztendlich sowieso der Verbraucher zur Kasse gebeten wird. Es nur Definitionssache, trotzdem halte ich diesen Punkt fuer wichtig, da ich glaube das viele Missverstaendnisse hier beginnen.

  57. ich bin pirat und argumentiere so:

    Grundsätzlich ist das System aller Pauschalabgaben, sei es Leermedien- oder Geräte-Abgabe, oder Kulturflatrate schlecht. Denn niemand weiß, welche Musik ich auf den Rohling brenne, etc. Wenn das Geld gerecht verteilt werden soll, müsste das zentral erfasst werden (wurde hier ja auch schon diskutiert). Das kann niemand wollen, und selbst wenn man es wollte, würde es physisch nicht gehen. Also sind alle zentral gebildeten Schlüssel mehr oder weniger ungerecht. Je größer der Topf der Pauschalabgaben ist, desto ungerechter!

    Trotzdem hat die Kulturflatrate ihr Gutes, da dadurch das Problem der Kriminalisierung gelöst werden könnte. Das wurde ja von Lessig in Remix recht gut beschrieben.

    Mein Favorit ist zZt die Idee, die GEMA zu einer Kulturbank umzubauen, ähnlich der Gema 2.0 Idee im Piraten-Wiki. Jeder Urheber erhält ein eigenes Konto, ebenso jeder Nutzer. Alle Pauschalabgaben und GEMA-Forderungen werden abgeschafft, statt dessen wird ein Mindestumsatz („Kulturflatrate“) eingeführt, der zunächst zu einem gleichbleibenden Gema-Umsatz führt. Jeder darf selbst entscheiden, wieviel er welchem Künstler bezahlen möchte. Informations- und Geldflüsse lassen sich so gestalten, dass die Anonymität gewahrt bleibt. In Summe wird die Kultur nicht leiden. Die Verteilung könnte sich allerdings erheblich verschieben.

    Der Mindestumsatz sollte im Zeitverlauf nach und nach reduziert werden. Irgendwann wird das System auch ohne Mindestumsatz funktionieren.

  58. Ich hab die ersten Kommentare noch gelesen… dann wiederholte sich alles. Was aber viel wichtiger als das ständige Beharren auf seinen absoluten Positionen ist: Diskussion. Niemand der Komenntatoren hier und anderswo hat die perfekte Blaupause für den gesellschaftlichen Wandel in der Schublade. Kritik ist immer angebracht, wenn neue Ideen zu althergebrachten Strukturen gibt. Hier sollte die Piratenpartei viel offener werden und vor allem AUCH zuhören.

    Als Pirat stelle ich immer wieder fest, dass es hier und da, hüben wie drüben immer wieder der Löffel der Weisheit ausgepackt wird und dann wird aufeinander eingekloppt.
    Dient niemandem, weder dem Künstler, noch Konsumenten.

    Ich verfolge das Thema Urheberrecht – Kulturflatrate schon eine Weile und ich muss sagen: ich hab für alle diskutierten Modelle etwas übrig, wenn ich mich in die jeweilige Position versetze. Und hier sollte man eben auch ALLE in ein Boot holen und nicht gegen die eine oder andere Position verbissen kämpfen.

    Ich geh jetzt aber erstmal nochmal den roten Faden suchen :)

  59. „Das bedeutet in einfachen Worten, wenn eine KF eingeführt wird gibt es einen Kuchen der zu verteilen ist. Jedes neue Kulturgut (Musikstück) knappst an diesem Kuchen und sorgt so dafür, das die einzelnen Anteil immer kleiner werden. Es gibt somit keinen (finanziellen) Anreiz neue Kulturgüter zu schaffen.“

    Genau das ist aber zugleich das von mir angesprochene allgemeine Überproduktionsproblem bei den digitalen Medien. Wir werden ein viel breiteres Angebot bekommen, unsere Zeit zum Musikhören ist aber limitiert. Viele Leute, die 1983 mal ein paar Songs mit einer Band aufgenommen haben, sind auf dem Primärmarkt damit nicht mehr verfügbar. Es wurde nicht neu aufgelegt, im Radio sowieso nicht gespielt. Bei eBay kannst du dann z.B. eine Schallplatte gebraucht ersteigern. Aber das war es schon, und bringt dem Künstler allenfalls Aufmerksamkeit für eine Neuauflage.

    Digital ist aber alles verfügbar, ohne institutionellen Qualitätsfilter kann viel mehr, von vielen Personen produziert werden. Wenn diese Songschreiber ihr nicht mehr am Markt käuflich erwerbbares Werk unter einer freien Lizenz verteilen können sie schon mal gar keinen wirtschaftlichen Verlust machen, da ihre Vintagewerke ohnehin nicht am Markt teilnehmen. Die Verwertungsgesellschaften versuchen das zu verhindern.

    Jedes Jahr kommt eine neue Jahresproduktion hinzu. Jedes Jahr gibt es notwendigerweise neue Trends, noch mehr Diversifizierung. Zugleich altert das Digitalwerk nicht, es wird allenfalls „unmodern“. Der Haufen der Werke wird größer.

    Preise und Prisen für die Werke des Jahres sind eine – wenn auch den Kitsch fördernde – Möglichkeit. Das wichtige ist aber eine Rundfunkpolitik, die dem ekklistischen Zeitalter angemessen ist. Warum gibt es öffentlich-rechtlich finanzierte Chartmühlen, aber keinen Radiosender vom Geiste eines WMFU? Warum hat ein Künstler aus der Region kaum eine Chance, dass seine Werke im öffentlichen Regionalfunk gespielt werden? Wir brauchen Vielfaltsquoten für das Radio.

    Geld verdient wird mit den Kanälen, nicht mit den Werken. Das Entwertungsproblem durch die Vielfalt hat sich allenfalls verschärft. Mit vielen Medien, z.B. wissenschaftlichen Büchern, lässt sich ohnehin kein Geld verdienen, sondern der Autor zahlt für den Druck.

    Der Begriff des Anreizes ist problembehaftet, da es keine Unterproduktion gibt.

  60. Das eigentliche Problem mit der Kulturflatrate ist in der Tat (siehe bisher unkommentierter Beitrag von Losehand) das veraltete Denkmodell der „wenige Sender produzieren Kultur für viele Empfänger“. Die digitale Revolution zeichnet sich eben dadurch aus, dass alle potentiell zu Sendern werden und wir eine Bewegung zurück zur Demokratisierung der Kultur haben, also dass alle gleichberechtigt an der Entwicklung wieder teilhaben.

    Dadurch bricht aber natürlich der klassische Oligopol-Markt zusammen, vor allen auch da es ein Überangebot an Information und Kultur gibt (z.B. in Blogs). Das gibt Rebentisch für den Musikbereich gut wieder. Das ist aber „gut“, da dann wieder der ideelle Wert der Güter entscheidend ist und nicht Vermarktungsfähigkeiten.

    Einerseits besteht die Gefahr, dass das die durchschnittliche Schöpfungshöhe sinken kann, weil jeder teilnehmen kann, egal ob er was kann, aber es besteht eben andererseits die Chance für jeden seine Werke anzubieten und damit gegen den klassischen Journalismus ebenso wie den Chart-Trash Alternativen zu bieten. Das könnte die durchschnittliche, aber zumindest die maximale Schöpfungshöhe auch erhöhen.

    Kultur, Kunst, oder geistige Schöpfungen als Eigentum zu sehen, halte ich für eine gefährliche Sicht. Die Folgen solcher Denkweise kann man bei Rifkin in „Access“ gut nachlesen. Es führt u.a. zur totalen Kommerzialisierung, wenn nicht zur informationellen Sklaverei.

  61. @Ein Mensch: Niemand hindert irgendjemanden daran, schon jetzt seine Werke anzubieten – ob kostenlos oder kostepflichtig.
    Ich denke das Problem ist einfach in den Köpfen der Leute – die meisten hören Radio und damit die Musik der von Dir als „Oligopole“ bezeichneten Unternehmen.
    Es gibt genug freie Alternativen online – wirklich tolle Musik, nicht nur unter Creative Commons. Das geht auch jetzt schon – der Markt könnte sich jederzeit selbst regulieren – es wird ja niemand dazu gezwungen, die Chart-Hits zu kaufen. Nur hören die meisten das und wissen gar nicht, dass es auch ganz viel freie Musik online gibt.
    Es wäre alles möglich – der „Kunde“ (=Hörer) entscheidet.

  62. Ich weiß, das das Thema ein wenig anderes gelagert ist, aber ich habe mir mal Gedanken gemacht, wie man Content _im Internet_ (und nur da würde dieses System funktionieren) möglichst gerecht entlohnen werden kann (http://bblloogg.de/marek/die-idee-einer-internetweiten-verwertungsgesellschaft/). Ich denke, \Flatrate\ könnte die richtige Richtung sein: man bekommt nichts geschenkt (weiß also den Wert zu schätzen), muss dann aber nicht knausern, die Angebote in Anspruch zu nehmen.

    Texter, Musiker, Designer, Programmiere schaffen im Netzt etwas, dass mit Aufwand verbunden ist. Der Konsument bezahlt einer Gesellschaft (wie auch immer gelagert) einen festen montalichen Betrag (evtl. gestaffelt nach Einkommen) und bekommt dafür einen Key. Mit diesem Key kann er sich anonym bei diesen Contentanbietern anmelden, die Texte lesen (hier kommt eine Teil der Paid- vs. Free-Content-Diskussion der Printindustrie ins Spiel), Musik anhören, Spiele spielen, Videos betrachten. Die Idee der Entlohnung ist einfach: Das einzige, was wirklich über die Relevanz diese Contents ausgesagt werden kann ist die Dauer des Konsums. Diese Zeit müsste technisch getrackt werden (ja, da ist der Knackpunkt der Sache: Ein System müsste gefunden werden, um Anonymität zu gewährleisten) und auf deren Basis ein Verteilungsschlüssel generiert werden, welchen Anteil des monatlichen Festbetrags der Contentlieferant erhält.

    Vorteil dabei:
    – Keiner muss mitmachen: Wer nicht mitmacht, bekommt keinen kostenlosesn Zugriff auf die Informationen (wie jetzt z.B. bei Online-Heise-Artikeln, Kaufmusik, etc.) oder muss halt mit Einschränkungen rechnen (z.B. Werbebanner neben Artikeln).
    – Wer mitmacht unterstützt die Contentlieferanten nach eigenem Nutzungsverhalten, nicht nach einem festgelegten Schlüssel.
    – Es könnte ohne eine Gesetzesgrundlage umgesetzt werden. Es wäre konform mit der aktuellen Gesetzteslage und eine solche Verwertungsgesellschaft müsste nicht einmal staatlich sein – es könnte theoretisch sogar ein freies Unternehmen oder eine andere (nicht kommerzielle?) Gesellschaftsform sein.

    Ich weiß, dass geht jetzt ein wenig am Kernthema vorbei, aber trotzdem: Vielleicht ist es doch Nötig einmal komplett umzudenken anstatt nur nach anderen Gesetzten zu schreien.

  63. @Marek: Wenn Du schon so argumentierst: warum dann überhaupt eine Flatrate? Es könnte doch jeder (wie z.B. bei iTunes und Amazon MP3) sich direkt die Songs kaufen, die er haben möchte.
    Wäre viel einfacher, unkomplizierter und datenschutzrechtlich unbedenklicher.
    Ergo: Geht es vielen nicht einfach darum, Geld zu sparen? Eine Quasi-Musikflatrate gibt’s bei Napster.de ja schon – was spricht dagegen?

    Es gibt mittlerweile viele Anbieter, die Musik ohne DRM anbieten – warum muss man sie dann noch illegal downloaden, wen man doch mit einer „Kulturflatrate“ sowieso wieder dafür bezahlen würde? Geht es hier nur ums Geld sparen? Geld ist Geld, ob ich es jetzt nur als Flatrate zahle oder meine Songs einzeln kaufe.

    Und gerade wenn es keine Flatrate gibt (wie jetzt), kann ich selbst mit meinem Kauf entscheiden, ob ich mein Geld dem Riesen-Musikkonzern gebe oder einem kleinen unabhängigen Musiker – der hat jetzt sicher mehr davon.

  64. @Sascha Kimmel: Es geht mir eher weniger um Musik. Wie gesagt, Napster hat sowas ja schon.
    Der Gedankliche Unterschied zu Napster ist aber die Entlohnung des Musikers: Nicht pro Download wird entlohnt, sondern pro Hörzeit.

    Es geht aber vor allem um die Idee einer Medienübergreifende Lösung. Wenn man jedes Stück Content einzeln bezahlt, knausert man und überlegt sich jedes mal auf neue, ob man es wirklich will. Die Menge sinkt, der Preis steigt. Der Vorteil eines Flatratemodells ist, dass man sich halt nicht jedes mal überlegen muss, ob es einem das Wert ist, sondern es einfach tun kann. Das senkt für den Lieferanten zwar den Nettopreis aber steigert die Menge die -Bits und Bytes sei dank- nichts kostet. Vielfältigeren Content für den selben Preis.

    Die Idee, die ich oben skizzierte, hat nichts mit der Kulturflatrate zu tun, ich würde diese meine Gedankenspinnerei (mehr ist es im Moment nicht) also lieber auf meinem Blog diskutieren, da passt das thematisch besser.

  65. bei der Diskussion um die Kulturflatrate wird anscheinend immer auf die Seite des Kopierens und der pauschalen Abgabe geschaut, ganz in der Tradition der GEMA. In der digitalen Welt ist das aber etwas komplexer – ok, das Geld eintreiben geht leicht: 5€ auf alle Breitbandanschlüsse oder UMTS-Sticks oder so und man bekommt Geld rein, das verteilt werden kann. Dann kommt aber die eigentlich komplizierte Angelegenheit, die irgendwie keiner so richtig anspricht: wie soll sowas denn VERTEILT werden?
    Gremienquoten wie bei der GEMA, die zudem auf Meldelisten von Veranstaltungen etc. beruhen, dürften hoffentlich ausfallen. Marktanteile und Proporzmodelle setzen aber eine quantitative Abschätzung voraus. Woher soll die kommen im Netz? Überwachung aller Tauschbörsen (was hindert den Rechteinhaber mit einem Botnetz seine Anteile zu pushen?)? Zwangs-DRM mit zentraler Zertifizierungs-/Zählstelle (was ist mit offline-Geräten, Server-/Netzwerkproblemen?)? Die anfallenden Daten der Vorratsdatenspeicherung? Deep-packet-inspection bei den Providern?
    Alles datenschutztechnische Alpträume…

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