Digital Rights

  • : Google visualisiert Löschanfragen
    Google visualisiert Löschanfragen

    Google hat ein Tool veröffentlicht, mit dem man Regierungs-Anfragen zur Löschung von Inhalte nach Ländern sortiert auf einer Karte anzeigen kann. Deutschland liegt mit 188 Löschanfragen mit Platz 2 hinter Brasilien ganz gut im Rennen. Das meiste entfällt dabei auf die 94 Löschungen von Suchergebnissen und 70 Youtube-Videos. Bei den Datenabfragen für Nutzerinformationen ist Deutschland mit 458 aber etwas abgeschlagen auf Platz 7. Nicht einberechnet wurden wohl die Staaten, wo Google und/oder Youtube gleich ganz gesperrt sind.

    Ich werde gerade nicht ganz schlau daraus, ob Google auch all diesen Anfragen nachgekommen ist.

    [via]

    20. April 2010 20
  • : Erzbistum Regensburg erwirkt einstweilige Verfügung gegen Blog
    Erzbistum Regensburg erwirkt einstweilige Verfügung gegen Blog

    Das Erzbistum Regensburg hat eine einstweilige Verfügung gegen das Blog Regensburg-Digital vor dem fernen Hamburger Landsgericht erwirkt: Einstweilige Verfügung gegen Meinungsäußerung. Dem Blog wird verboten, den Eindruck zu erwirken, dass es in Zusammenhang mit einem pädophilen Pfarrer in Riekofen eine Vereinbarung zwischen der Diozöse Regensburg mit der Familie des Opfers zu einer vermittelten Geldzahlung gekommen sei. Das Blog bezog sich in dder Meinungsäusserung auf einen älteren Spiegel-Artikel, der nicht rechtlich angegangen wurde. Die ganze Geschichte gibts bei Regensburg-Digital.

    20. April 2010 8
  • : ver.di startet Bündnis mit Rechteindustrie
    ver.di startet Bündnis mit Rechteindustrie

    ver.di hat eine Werbekampagne gestartet, um sich bei Internet-Nutzer nachhaltig unbeliebt zu machen. Das Blog „Digitale Linke“ berichtet über gemeinsame Aktionen von ver.di und Lobbyorganisationen der Rechteindustrie am nahenden Welttag des Geistigen Eigentums in Berlin: Medienindustrie holt ver.di ins Boot: Creative Coalition Campaign jetzt auch in Deutschland?

    Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di – oder ihre Spitze – hat sich nun offenbar entschlossen, diesem Bündnis beizutreten. Nachdem es zuletzt in Großbritannien (wir berichteten) unter maßgeblicher Mitwirkung der Creative Coalition Campaign gelang, das Modell einer „providergestützten Urheberrechtsdurchsetzung im Netz“ zu errichten, sollen nun auch hierzulande ähnliche Pläne verfolgt und eine Koalition der Gewerkschafts- und Unternehmensverbände geschmiedet werden. Dabei dürfte ver.di bekannt sein, dass die neuen Bündnispartner allesamt Sanktionsmaßnahmen um jeden Preis im Falle von Urheberrechtsverletzungen im Internet einfordern. Will die Gewerkschaft tatsächlich mit diesen den Weg von Überwachen und Strafen – der totalen Kontrolle des Netzes einschließlich Graduated Response, Netz- und Zugangssperren – gehen und sich damit in einem zentralen Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft im Digitalzeitalter für Jahre politikunfähig machen?

    20. April 2010 29
  • : rp10-Interviews: Andreas Bogk über Deep Packet Inspection
    rp10-Interviews: Andreas Bogk über Deep Packet Inspection

    Ein weiteres Interview aus der dctp-Interview-Serie zur re:publica 2010: „Pakete öffnen“ – Andreas Bogk (CCC) erklärt Deep Packet Inspection:

    Hier klicken, um den Inhalt von www.dctp.tv anzuzeigen.

    20. April 2010 3
  • : WDR5: Radiofeature über Generation C64
    WDR5: Radiofeature über Generation C64

    Die WDR5-Sendung „Neugier genügt“ sendet am morgigen Mittwoch um 11:00 Uhr nach den Nachrichten ein Feature über die „Generation C64“. Dabei geht es um Netzpolitik und Kampagnen im Netz. Im Anschluss soll es auch die MP3 und das Transcript geben.

    20. April 2010 2
  • : Ohne Netzneutralität ist alles nichts
    Ohne Netzneutralität ist alles nichts

    Auf der re:publica 2010 hatten wir eine ganze Subkonferenz zum Thema „Netzneutralität“, die freundlicherweise von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wurde. Ich hätte mir gerne alle Vorträge angeschaut, aber als Veranstalter hat man meist am wenigsten Spaß auf der eigenen Party und so bin ich froh, dass Julius Endert fleissig mitgebloggt hat. Mit seiner Genehmigung veröffentliche ich hier mal seinen Bericht: Ohne Netzneutralität ist alles nichts.

    Die Entscheidung, wie wir es in Zukunft mit der Netzneutralität halten, ist allen anderen Regelungen, die das Netz betreffen übergeordnet, das ist für mich die zentrale Erkenntnis von der re:publica2010. Und es ist das Verdienst der Veranstalter, diesem Thema mit einem eigenen Schwerpunkt zu mehr Aufmerksamkeit auch über die Fachöffentlichkeit hinaus verholfen zu haben.

    Die Frage der Netzneutralität zog sich wie ein roter Faden durch die drei Tage. Und auch Vorträge, die sich eigentlich mit anderen Dingen beschäftigten, berührten im Kern doch wieder diese Thema.

    19. April 2010 19
  • : Innenminister stellt „löschen statt sperren“ in Frage
    Innenminister stellt „löschen statt sperren“ in Frage

    Unser Bundesinnenminister Thomas de Maiziere war heute im Tagesschau.de-Chat und hat u.a. auf Fragen zur Netzpolitik geantwortet. Eine Zusammenfassung wird mit „De Maizière will neue Netz-Politik“ überschrieben. Ohne jetzt die Zeit gehabt zu haben, mir die Stunde Video anzuschauen, bin ich doch verwundert, was diese „neue Netzpolitik“ sein soll. Denn es werden konkret zwei netzpolitische Themen angesprochen:

    Die Vorratsdatenspeicherung hält er für notwendig und will sie wieder einführen. Und eine Überraschung gibt es beim Thema Netzzensur:

    Auch das Thema Kinderpornographie im Internet war Thema im Videochat von tagesschau.de. Der Bundesinnenminister stellte klar, das es bei der Sperrung und Löschung von Bildern kein „entweder oder“ geben solle. „Das Löschen der Seiten ist keine Lösung – sondern nur temporäres Verbannen von der Seite“. Ob es ihm vorrangig um die Sperrung pornographischer Bilder oder um die Netzfreiheit gehen würde, entgegnete der Minister: „So scharf stellt sich die Alternative in der Regel nicht. Deswegen glaube ich das es einen Weg gibt, Kinderpornografie zu bekämpfen ohne die Freiheit des Internets aufzugeben.“

    Damit stellt er wieder „löschen statt sperren“ in Frage und erklärt das löschen zu einer Nicht-Lösung.

    Wo ist da die neue Netzpolitik, die ihn von seinem Vorgänger unterscheidet? Zumindest bei diesen beiden sehr wichtigen netzpolitischen Themen sehe ich keinerlei Veränderung.

    Falls jemand Zeit und Lust hat: Ein Transcript der beiden Antworten zu diesen Themen wäre sicher hilfreich, genau zu studieren, was de Maiziere gesagt hat.

    UPdate: Danke an Robert für ein Transcript der entscheidenden Stellen:

    (Chatfrage) Tim81: Wird die Bundesregierung die Löschung oder Sperrung von kinderpornographischen Inhalten im Internet vorantreiben bzw. unterstützen?

    Woelk: Das stagniert ja im Moment, es gab ja dieses Internetsperrengesetz. Das hat so in seiner Form nicht funktioniert. Jetzt liegt das alles ein bisschen auf Eis.

    de Maizière: Das liegt nicht ganz auf Eis. Wir haben ein Gesetz verabschiedet, in dem auch der Grundsatz „Löschen vor Sperren“ verankert ist. Das Bundeskriminalamt bemüht sich nach Kräften, diese Seiten zu löschen. Wir haben aber leider eine Diskussion in Deutschland uns eingehandelt, die die Frage „Löschen statt Sperren“ oder „Sperren statt Löschen“, also das ist ein Entweder-Oder, deutlich macht. Und wenn man sperrt, sagen die Einen „das ist gut und richtig“ und die Anderen sagen „Moment mal, das kann man sofort umgehen“. Auch da will ich nur sanft darauf hinweisen, dass ganz viele Staaten der Europäischen Union, auch Staaten mit großer demokratischer Tradition, wie die skandinavischen Staaten, mit dem Sperren vorangehen und gute Erfahrungen machen. Bei dem Löschen wird nun der Eindruck erweckt, als sei das das Beste, was es gibt. Das stimmt aber auch nicht. Das Löschen ist auch nur ein temporäres Verbannen von der Seite, weil diese – ich sag es mal ganz umgangssprachlich – Schweinehunde, die mit dem Material umgehen, das selbst vorher verkaufen, selbst vorher andere Angebote zur Verfügung stellen – auch ohne eine Aktion wird jede Woche ungefähr das [Angebot?] gewechselt, sodass kriminalpolitisch das Löschen und das Sperren eigentlich nur eine verzögernde Wirkung hat. Lange Rede, kurzer Sinn. Wir werden ja Erfahrungen sammeln mit dem Gesetz, mit dem Löschgesetz. Wahrscheinlich geht es darum um Löschen und Sperren. Und vielleicht fällt uns noch was ein und nicht eine Alternative.

    19. April 2010 47
  • : re:publica – Interviews: Tim Wu über Netzneutralität
    re:publica – Interviews: Tim Wu über Netzneutralität

    Einer meiner persönlichen Höhepunkte der re:publica 2010 war der Vortrag von Tim Wu von der Columbia Law School, auf den ich mich vorher schon lange gefreut habe. Er zeigte in dem Vortrag auf, welche Bedeutung Netzneutralität für Informations- und Meinungsfreiheit hat. Neu für mich war der Vergleich zur US-Filmindustrie, die im frühen Stadium sehr innovativ war, aber wo bald wenige große Player den Markt beherrschten, kontrollierten und den Zugang regelten. Sehr spannend! Sobald die Videos der Vorträge online sind, poste ich den nochmal hier. Bis dahin gibt es dieses Interview mit Tim Wu aus der dctp-Reihe von der re:publica:

    Hier klicken, um den Inhalt von www.dctp.tv anzuzeigen.

    19. April 2010 1
  • : Netzpolitik-Podcast 083: Evgeny Morozov
    Netzpolitik-Podcast 083: Evgeny Morozov

    Der Netzpolitik-Podcast Folge 083 ist ein Gespräch mit in Belarus geborenen und nun in den US lebenden Forscher und Blogger Evgeny Morozov über die Demokratisierungspotentiale von sozialen Medien in autoritären Regimen. Am Mittwoch, den 14.4.2010 hält er eine der Keynotes auf der re:publica 2010 über „A Twitter Revolution without revoluationaries? What we know and what we don’t know about the impact of the Internet on authoritarian states.“ Eine These von Morozov ist, dass die Digitalisierung in repressiven Staaten vor allem den Regimen hilft, denn diese können ihre Bevölkerung besser überwachen und kontrollieren. Darüber und über viele andere Dinge habe ich mich am Sonntag Abend zusammen mit Falk Lüke rund 70 Minuten lang mit Morozov unterhalten und näher beleuchtet, welche Auswirkungen soziale Medien und das Internet auf Gesellschaften wie Weißrussland, Iran oder China haben.

    Evgeny Morozov bloggt bei foreignpolicy.com und schreibt regelmäßig Kolumnen für viele große Zeitungen.

    Das Interview steht als MP3 (62 MB) und OGG (46 MB) auf dem Server.

    13. April 2010 6
  • : Censilia: Ausweitung der Kampfzone
    Censilia: Ausweitung der Kampfzone

    Einen sehr guten Überblicksartikel zu den aktuellen Netzzensur-Plänen der EU-Kommission hat Holger Bleich für die ct geschrieben: Déjà vu – EU-Kommission fordert Websperren gegen Kinderpornografie.

    Das Kriminalwissenschaftliche Institut der Uni Hannover erstellt derzeit die erste diesbezügliche Studie. Arnd Hüneke, der die Studie leitet, ist sich nach ersten Zwischenergebnissen sicher: „Einen Markt für kinderpornografische Inhalte gibt es im Web nicht.“ Dies habe sich aus vielen Gesprächen, beispielsweise mit Strafermittlern der Landeskriminalämter, zweifelsfrei ergeben, teilte er c’t mit. Wie Malmström auf ihre Zahlen komme, sei ihm nicht klar. [.…] Die Sperren sind für pädophile Konsumenten mit minimalem Aufwand dauerhaft zu umgehen. Landen Adressen mit derlei Inhalten erst einmal auf euro-päischen Sperrlisten, sinkt der Druck für die Ermittler, sofort dagegen vorgehen zu müssen. Infolgedessen bleiben sie tendenziell sogar länger für die Zielgruppe verfügbar. So könnten die Websperren im Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch sogar schädlich wirken.

    Der sollte man ins englische übersetzt werden, damit man ihn europaweit lesbar machen kann.

    12. April 2010 6
  • : OpenACTA: Erklärung von Wellington
    OpenACTA: Erklärung von Wellington

    Es gibt eine globale Petition rund um die ACTA-Verhandlungen. Hier ist die deutsche Übersetzung (Danke an den AK-Daten).

    Erklärung von Wellington anlässlich der PublicACTA Konferenz

    10. April 2010

    Der Originaltext der Erklärung ist hier nachzulesen.

    Mitzeichnen können alle Bürger aus den betroffenen Staaten (inkl EU) bis 13..4.2010 hier.

    Präambel

    Die Teilnehmer der OpenACTA Konferenz vom 10.April 2010 übermitteln diese Erklärung von Wellington an die verhandlungsführenden Parteien des Anti-Counterfeiting Trade Agreements (ACTA / Anti-Piraterie-Abkommen) mit der Bitte diese in Ihre Überlegungen während der Wellington-Runde der Verhandlungen einzubeziehen. In Übereinstimmung mit der Resolution des europäischen Parlamentes vom 10.März 2010 zu Transparenz und zum Stand der Verhandlungen des ACTA-Abkommens (Entschließung P7_TA(2010)0058 ) soll ACTA auf ein Abkommen bezüglich der Durchführung von Anti-Pirateriemaßnahmen (kommerzielle Produktion illegaler physischer Güter in großem Maßstab) beschränkt werden.

    11. April 2010 17
  • : Das Unbehagen an der digitalen Macht
    Das Unbehagen an der digitalen Macht

    Die FAS hat heute einen spannenden Dialog zwischen Clay Shirky und Evgeny Morozov über „Das Unbehagen an der digitalen Macht“ gedruckt. Da geht es ausführlich um die Rolle von sozialen Medien als neue Öffentlichkeiten – vor allem in repressiven Regimen. Sehr lesenswert!

    Die Träume der Netz-Utopisten und die Wirklichkeit: Ist das Internet ein Medium der Emanzipation und des Umsturzes – oder ein Werkzeug der Kontrolle und der Unterdrückung? Haben Twitter und Facebook die Rebellion in Iran befeuert, oder halfen sie, die Rebellen zu enttarnen? Ein skeptischer Dialog

    Evgeny Morozov wird auch am kommenden MIttwoch eine der Keynotes auf der re:publica 2010 halten. Er spricht über „A Twitter Revolution without revoluationaries? What we know and what we don’t know about the impact of the Internet on authoritarian states.“

    Wenn nichts dazwischen kommt, mach ich heute noch en ausführliches Intervie wmit ihm für den Netzpolitik-Podcast. Wenn Ihr Fragen habt die ich stellen soll, dann postet sie in den Kommentaren.

    11. April 2010 24
  • : Michael Geist-Interview zu ACTA
    Michael Geist-Interview zu ACTA

    Die ct hat ein Interview mit MIchael Geist zu ACTA veröffentlicht: ACTA muss multilateral werden.

    Sie haben immer wieder hervorgehoben, ACTA sei auch deshalb ein Etikettenschwindel, weil „Produktfälschung“ zwar im Titel steht, aber gerade in diesem Bereich wenig Verbesserungen durch ACTA zu erwarten sei. Stattdessen gehe es um das Urheberrecht in der digitalen Gesellschaft. Was sagen Sie zu den Aussagen, Internetzugangssperren seien nicht verbindlich?

    Es stimmt, im Text ist nicht davon die Rede, dass Internetsperren verbindlich werden. Aber in dem Text, der uns vorliegt, werden sie vorgeschlagen. Wir sollten uns keiner Illusion hingeben, dass die Sperren bloß optional sind. Sicher werden wir das Three-Strikes-Modell nicht heute bekommen. Aber in einigen Jahren werden Staaten, die ACTA implementieren, auf den Vorschlag verweisen, den sie unterzeichnet haben; die Provider werden letztlich alles tun, um Haftungsfreistellung zu bekommen. Nur so können sie wirtschaftlich funktionieren. In Kanada gibt es beispielsweise keine Notice-and-Take-Down-Vorschrift als Bedingung für die Haftungsfreistellung wie in den USA. Dennoch nehmen Anbieter Inhalte von ihren Servern, einfach, weil sie das Haftungsrisiko scheuen.

    Diese Woche gab es auch ein Hearing der EU-Liberalen in Brüssel zu ACTA. Bei Andre Rebentisch finden sich Teile der Videodokumentation.

    9. April 2010
  • : Economist fordert Reform des Urheberrecht
    Economist fordert Reform des Urheberrecht

    Zeiten ändern sich: Im Economist (der nicht gerade als wirtschaftsfeindlich bezeichnet werden kann) ist ein lesenswertes Editorial erschienen, indem Veränderungen im Urheberrecht gefordert wird: Copyright and wrong – Why the rules on copyright need to return to their roots.

    The question is how such a deal can be made equitably. At the moment, the terms of trade favour publishers too much. A return to the 28-year copyrights of the Statute of Anne would be in many ways arbitrary, but not unreasonable. If there is a case for longer terms, they should be on a renewal basis, so that content is not locked up automatically. The value society places on creativity means that fair use needs to be expanded and inadvertent infringement should be minimally penalised. None of this should get in the way of the enforcement of copyright, which remains a vital tool in the encouragement of learning. But tools are not ends in themselves.

    Apropos Zeiten ändern sich: Die GVU fordert heute nur Internetsperrungen bei Urheberrechtsvergehen, Netzsperren gegen Webseiten und andere Haftungsregeln für Provider. Also quasi das ganze Horrorkabinett. Es wird Zeit, dass das Urheberrecht geändert wird, um diesen Krieg abzurüsten.

    9. April 2010 7
  • : Großbritanien beschliesst Gesetz über die Digitale Wirtschaft
    Großbritanien beschliesst Gesetz über die Digitale Wirtschaft

    Grossbritanien ist jetzt fit fürs digitale Zeitalter. Sagt zumindest die Politik, nachdem sie ein Gesetz über die Digitale Wirtschaft („digital economy bill“) heute verabschiedet hat (Muss noch durch das House of Lords, aber das ist eine Formsache). Dabei ist eine Rahmengesetzgebung herausgekommen, die erfolgreich von den Rechteverwertern übernommen wurde und ihre Positionen weitgehend wiederspiegelt. Kein Wunder, immerhin haben die Rechteinhaber die ganze Debatte dominiert und als einzige Frage bleibtfür viele Aktivisten im Raum: Waren die Politiker gekauft oder nur zu dämlich, die technologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen zu verstehen? Wahrscheinlich war es eine Mischung aus beidem.

    Herausgekommen sind Netzsperren für p2p-Webseiten, Haftungsverschärfungen für Provider und Inhalte-Anbieter und ein 2‑Strikes-Modell, was aber ausbaufähig sein soll (nach dem 2. Schritt muss ja irgendwas folgen). Klingt alles nach aktuellen Forderungen im ACTA-Abkommen, das ja von denselben Lobbys dominiert wird.

    Guardian: Digital economy bill exposes broken system.
    Spreeblick: Großbritannien bekommt “Three Strikes” mit dem Abwasch.
    Spiegel: Rechteindustrie triumphiert – Briten beschließen restriktives Gesetz gegen Raupkopierer.
    Zeit: Briten beschließen Netzsperren.

    Analysen zur digital economy bill gibt es im Blog von Monica Horten, u.a. dieser Beitrag zur Verabschiedung: DE Bill rammed through UK Parliament in 2 hours .

    8. April 2010 19
  • : Ilse Aigner gegen Facebook
    Ilse Aigner gegen Facebook

    Unsere Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat einen offenen Brief an Facebook geschrieben, in dem sie mehr Datenschutz und mehr Respekt vor den Datenschutzrechten der Nutzer fordert. Spiegel Online berichtet darüber und der Redaktion soll auch der Offene Brief vorliegen: Aigner zieht in den Kampf gegen Facebook. Auf der Facebook-Seite von Ilse Aigner findet man diesen auch, aber in einer anderen Form als bei Spiegel Online, die Austrittsdrohung fehlt u.a. (Vielleicht hat SpOn eine Langfassung?). Auf jeden Fall fordert sie:

    - Facebook muss sicherstellen, dass die persönlichen Daten aller Mitglieder umfassend geschützt werden.

    - Geplante Änderungen der Nutzungsbedingungen müssen allen Mitgliedern klar und deutlich bereits vor jeder Änderung mitgeteilt werden.

    - Grundsätzlich dürfen persönliche Daten nicht ohne Einwilligung automatisch an Dritte zu kommerziellen Zwecken weitergeleitet werden. Eine Weiterleitung und Kommerzialisierung privater Daten darf nur mit Zustimmung der betroffenen Personen erfolgen. Gerade weil besonders jungen Nutzern meist nicht bewusst ist, dass ihre persönlichen Profile zu kommerziellen Zwecken genutzt werden sollen, kommt Unternehmen wie Facebook eine besondere Verantwortung zu.

    Die ganze Vorgeschichte gibts bei Surfer-haben-Rechte zu lesen: Geplante Datenschutzbestimmungen bei Facebook hochproblematisch.

    Facebook kann und sollte man immer wieder dafür kritisieren, dass die Datenschutzrechte der Nutzer nicht ernst genommen werden. Insofern ist dieser Offene Brief zwar Symbolpolitik, wird aber vermutlich als Warnsignal bei Facebook in den USA ankommen. Und bei Ilse Aigner warten wir dann mal drauf, dass sie als neue Datenschützerin auch konsequent die Vorratsdatenspeicherung kritisiert.

    5. April 2010 37
  • : Jahresbericht 2009 des Berliner Datenschutzbeauftragten
    Jahresbericht 2009 des Berliner Datenschutzbeauftragten

    Der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Dr. Dix, hat heute seinen Tätigkeitsbericht für das Jahr 2009 (PDF) vorgestellt. Eine Pressemitteilung gibt es als PDF.

    31. März 2010
  • : Netzpolitik-Interview: Background on the Censilia-plans
    Netzpolitik-Interview: Background on the Censilia-plans

    Joe McNamee, the European Policy Affairs Coordinator for European Digital Rights (EDRi), recently discussed the current EU Commission’s plans to introduce internet blocking measures with the British webportal Index on Censorship: Out of sight, out of mind. On this theme, I asked him a few questions to further illuminate this topic. Here is the interview:

    (Hier ist die deutsche Übersetzung)

    netzpolitik.org: Cecilia Mälmström presented an initiative today which aims to combat child pornography on the internet. Are these plans new?

    30. März 2010 9
  • : Silvana Koch-Mehrin zu den Censilia-Plänen
    Silvana Koch-Mehrin zu den Censilia-Plänen

    Kann mal jemand von den mitlesenden FDP-Mitgliedern Silvana Koch-Mehrin in Sachen Netzsperren briefen? Dann könnte man es zukünftig vermeiden, dass einerseits Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger vehement eine Netzzensur-Infrastruktur ablehnt und Silvana Koch-Mehrin gleichzeitig eine freiwillige Kooperation zu Netzsperren zwischen Providern und Regierung propagiert, damit die Provider selbstständig eine Sperrinfrastruktur errichten: „Das Sperren von Web-Seiten ist kein gangbarer Weg“.

    „Beispielsweise in Schweden, dem Heimatland von Cecilia Malmström, handelt die Regierung mit den Anbietern von Internet-Zugängen aus, dass die selbst bestimmte Web-Seiten identifizieren sollen und den Zugang dort nicht ermöglichen sollen, sodass das nicht staatliche Zensur ist, sondern eben geregelt wird von denen, die tatsächlich das möglicherweise bei sich im Angebot haben. Das wäre meines Erachtens ein sehr viel besserer Weg.“


    Hier ist die MP3.

    [Danke an Stefan]

    30. März 2010 24
  • : Netzpolitik-Interview: Hintergründe zu den Censilia-Plänen
    Joe McNamee
    Netzpolitik-Interview: Hintergründe zu den Censilia-Plänen

    Joe McNamee, der European Policy Affairs Coordinator von European Digital Rights (EDRi), hat für die britische Plattform Index on Censorship die aktuellen Pläne der EU-Kommission zur Einführung von Netzsperren kommentiert: Out of sight, out of mind. Dazu hab ich ihm ein paar Fragen gestellt, um Licht in die Sache zu bringen, die er mir rasch beantworten konnte. Hier ist das Interview:

    netzpolitik.org: Cecilia Mälmström hat heute eine Initiative zur Bekämpfung von Kinderpornographie im Netz vorgestellt. Sind diese Pläne neu?

    Joe McNamee: Ja und nein. Die Idee der Kommission, Internetsperren einzuführen, ist nicht neu. Im März 2009 gab es einen “Rahmenbeschluss“, der vor des Inkrafttretens des Vertrags von Lissabon nur eine Vereinbarung der Mitgliedstaaten darüber war, etwas zu unternehmen, ohne jedoch die Macht der Kommission zu haben, eine Umsetzung zu erzwingen. Mehrere Mitgliedstaaten, allen voran das Vereinigte Königreich, lehnten den Vorschlag ab, da sie keine Zensur haben und auch nicht wollen. Dieser Ansatz, die „Selbstregulierung“ (d.h. durch Drohungen wie „entweder sperrt ihr oder wir sagen ihr unterstützt Kindesmisshandlung“ Zwang auf die Internetprovider auszuüben) wurde von der Kommission in ihrer Folgenabschätzung des Vorschlags für rechtswidrig erklärt, denn „solche Maßnahmen müssen rechtlich geregelt sein oder sie sind rechtswidrig“.

    30. März 2010 20