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ver.di startet Bündnis mit Rechteindustrie

ver.di hat eine Werbekampagne gestartet, um sich bei Internet-Nutzer nachhaltig unbeliebt zu machen. Das Blog „Digitale Linke“ berichtet über gemeinsame Aktionen von ver.di und Lobbyorganisationen der Rechteindustrie am nahenden Welttag des Geistigen Eigentums in Berlin: Medienindustrie holt ver.di ins Boot: Creative Coalition Campaign jetzt auch in Deutschland?


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Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di – oder ihre Spitze – hat sich nun offenbar entschlossen, diesem Bündnis beizutreten. Nachdem es zuletzt in Großbritannien (wir berichteten) unter maßgeblicher Mitwirkung der Creative Coalition Campaign gelang, das Modell einer „providergestützten Urheberrechtsdurchsetzung im Netz“ zu errichten, sollen nun auch hierzulande ähnliche Pläne verfolgt und eine Koalition der Gewerkschafts- und Unternehmensverbände geschmiedet werden. Dabei dürfte ver.di bekannt sein, dass die neuen Bündnispartner allesamt Sanktionsmaßnahmen um jeden Preis im Falle von Urheberrechtsverletzungen im Internet einfordern. Will die Gewerkschaft tatsächlich mit diesen den Weg von Überwachen und Strafen – der totalen Kontrolle des Netzes einschließlich Graduated Response, Netz- und Zugangssperren – gehen und sich damit in einem zentralen Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft im Digitalzeitalter für Jahre politikunfähig machen?

29 Kommentare
  1. Tja, wenn sie unbedingt wollen… aber die Mitgliedschaft bei denen ist damit wohl außerhalb jeder Diskussion.

    … wie heute erst wieder bei so einem Telekom-Fuzzie, der anrief und mir das IPTV-Paket aufschwatzen wollte: Nach meinem gehässigen Kommentar bezüglich „DRM-Kisten kommen mir nicht ins Haus“ hat er recht schnell wieder aufgelegt :)

  2. Kann das hier mal genauer beschrieben werden? So ganz ist es mir noch nicht klar geworden.

    Wer ist bei Verdi für solche Themen der Ansprechpartner? Vielleicht Frank Werneke? Kennt derjenige die Problematik mit der TERA-Studie schon?

    Wie wäre es mal mit einem Interview? Am besten Verdi auch zum Thema Netzsperren befragen – man weiß ja nie …

  3. Ich muss da mal eine Gegenfrage stellen: Hält heutzutage noch jemand Gewerkschaften in Deutschland für politikfähig? Die Illusion habe ich schon seit Jahren verworfen, spätestens unter Schröder.

  4. Wenn dem so ist, wie hier beschrieben, dann muss man sich ernsthaft über Sinn und Unsinn dieser Gewerkschaft Gedanken machen. Für die Unterstützung in Sachen Arbeitsrecht ist es okay.

    Aber geht das Ganze nicht gegen den Grundsatz den Verdi hat? Damit machen die sich ja zu Handlangern. Oder steht da mehr im Raum? Einflussnahme im Gegenzug zu Betriebsräten in div. Unternehmen? Wieviel musste Verdi bieten, um Betriebsräte in den Lidl Filialen aufstellen zu können? Da sind doch Eingeständnisse gemacht worden. Oder??

  5. Ich vermute mal das dort auch intern einiges kollidieren wird: Matrixorganisation …

    Man kann sich, wie der Artikel ja auch schon andeutet, vermutlich vorstellen von „wo“ die Idee der Zusammenarbeit kam.

    Die ganzen verschiedenen Bereiche sollte man aber jetzt schon einmal informieren, damit die Debatte auch frühzeitig losgehen kann.

    Aus der Satzung (http://www.verdi.de/ver.di_von_a_bis_z/satzung):

    „Von den Fachbereichen bzw. Fachgruppen werden in Abstimmung mit der Gesamtorganisation branchenspezifische Aufgaben z.B. in den Politikfeldern (…) Techno-
    logiepolitik/-beratung, (…) Medien-, Kultur- und Bildungspolitik wahrgenommen. Aufgabe der Fachbereiche ist es ferner, die gesellschaftspolitischen Funktionen der Branche wie z.B. (…) Pressefreiheit,
    (…) Regulierungspolitik, Post und Telekommunikation etc. zu thematisieren.“

  6. Naja die Gewerkschaften sind auch nicht mehr das wa sie mal waren.

    Genau wie viele der Sozialdemokratischen und Sozialistischen Parteien in Europa die eher die Interessen der Lobby vertreten als die der Arbeitnehmer.

  7. Also ich kannte diese „Coalitions“-K***e noch gar nicht. Aber sich als Urheberrecht Nullpunktsteinzeit-Apologet einen Namen zu geben, der (natürlich rein zufällig) zum Verwechseln ähnlich wie der (aus der eigenen Sicht) Leibhaftige persönlich, nämlich „Creative Commons“ klingt, das ist – ach, dafür fällt mir gar kein Adjektiv ein, das da wirklich angemessen wäre.

  8. Und in der Internet-Enquete ist der von der SPD benannte Sachverständige für Urheberrecht ein Mitglied des Verdi-Bundesvorstandes:

    „Lothar Schröder ist als Bundesvorstandsmitglied bei Verdi zuständig für Telekommunikation und IT und wird die Enquete unter anderem als Experte in den Bereichen Datenschutz, Urheberrecht und im gesamten Bereich der sich veränderten Arbeitswelt voran bringen.“

    Quelle: http://www.vorwaerts.de/artikel/radikale-oeffnung-der-enquete-kommission-digitale-gesellschaft

    Eine runde Sache also, auch wenn sich die SPD sicher gefreut hätte, wenn die beiden Nachrichten nicht am selben Tag gekommen wären … ;-)

  9. oh je, verdihat sich da sicherlich nicht besonders intelligent verhalten. Auch wenn man ihnen zu gute halten muss, dass sie die einzige Gewerkschaft waren, die zur Verfassungsbeschwerde gegen ELENA aufgerufen haben.

    Vielleicht vertritt verdi zuviele der alten unter IG Medien organisierten Autoren, und handelt damit sogar im Sinne ihrer Mitglieder, jedenfalls glauben sie das.

  10. @markus, #12:

    Danke für die Information, war mir nicht bekannt. Allerdings scheint Schröder bei der Telekom „nur“ als Gewerksschaftsverteter im Aufsichtsrat zu sitzen. Hätte aber zumindest in der kurzen Vorstellung der benannten Sachverständigen auf vorwaerts.de erwähnt werden können … .

    1. @gew: Ich glaube, diese Haltung ist genau das Problem von ver.di, „uns“ anzusprechen. Wer ist heute nur noch reiner INhaltskonsument? Das ist fast nur noch unsere Eötern- und Großelterngeneration, da hat ver.di ja noch ein paar Mitglieder. Als Kreativer („Künstler“ finde ich unpassend) fühle ich mich durch ver.di nicht vertreten, wenn solche Aktionen laufen.

  11. Dann geh ich jetzt auch. hab mich schon oft über verdi geärgert – zum Beispiel, dass die 4 Monate brauchen um mir meinen Presseausweis zu schicken und noch nichtmals ‚tschuldigung sagen können…..das ist dann jetzt mal nen richtiger Grund.

  12. @gew: Das Problem ist der Medienwandel, der bei diesen Forderungen nicht berücksichtigt wird.

    Alles soll so bleiben wie es war, dass geht aber leider nicht. Und hier muss man sich bewegen.

    Die Rechte der „Künstler“ „gegen“ die „Inhaltskonsumenten“ vertreten.

    Das ist irgendwie nicht so das Thema, bzw. ist es nicht das was man eigentlich will.

    Man sollte hier von Journalisten und Autoren sprechen, die weiter verdienen wollen, dass geht. TERRA-Studie? BMVI, Börsenverein? Das klingt nicht sehr offen, sondern nach einem sehr festen, nicht umsetzbaren Kurs.

    Dies ist der Kampf der Mittelmänner (Verlage, Verbände) nicht unbedingt (aber auch teilweise) der von Autoren und deren Kunden. Hier sollte Verdi genau prüfen wo man denn stehen möchte.

    Gibt es dazu schon Ideen seitens verdi?

  13. @markus: Aus der Sicht der Leute die verdi jetzt vertritt, ist diese Blog vermutlich ein „Schmarotzer“, kein „eigenständiges“ Werk, sondern eher ein Feind, der endlich mal für das verlinken zahlen sollte.

    Captcha: Free grudges

  14. Eben. Sind Blogs und Meinungen, Diskussionen und Erörterungen denn kein „kreatives Werk“? Immerhin steckt auch dort Arbeit dahinter. Arbeit, die viele Schreiberlinge gern freiwillig investieren, ohne Aussicht auf monetären Lohn, die zum Teil besser recherchiert und dabei kritischer sind, als manch bezahltes Stück (selbes findet man auch in der Musik, seltener in der Literatur)
    Und gerade das beißt viele.

    Sollte man hier die kommerzielle Nutzung und die offene ver-Gemeinschaftung von Informationen und kreativen Inhalten nicht trennen?

  15. #18: Yeah, genau. Hier „wir für die Künstler“, und dort „ihr Inhaltskonsumenten“, die egal sind.

    Troll oder nicht – genau das beschreibt ganz prima den Grund, warum mancher ehemalige Porschfahrer heute den alten Zeiten nachflennt und wendige Leute längst im „heute“ angekommen sind. Aber schon zu Zeiten, als Verdi noch HBV, DAG, IG Medien und sonstwas war, konnte man diesen fauligen Geruch von „keinen Plan für die Gegenwart und was war noch gleich Zukunft“ riechen. Jedenfalls, wenn man den Laden wie ich mal von innen erleben durfte.

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