Generell

Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.

  • : Wie schaffen wir die Vorratsdatenspeicherung in der EU ab?
    Wie schaffen wir die Vorratsdatenspeicherung in der EU ab?

    Nach dem Urteil am Dienstag, das ja die EU-Richtlinie nicht grundsätzlich in Frage gestellt hat, haben AK Vorrat und andere schnell die Parole ausgegeben: „Dann gehen wir halt jetzt nach Europa.“

    Das kann zweierlei bedeuten: Straßburg (EuGMR) bzw. Luxemburg (EuGH), also die juristische Schiene. Da ist mir als Nicht-Jurist noch etwas unklar, ob und wie es genau weitergehen kann, wenn das Gesetz erstmal nicht mehr gilt. Das sollen bitte die Juristen schnell klären, ich höre aber bereits unterschiedliche Meinungen. Mögliche Klagen dort sind aber derzeit noch ohnehin mehr Mobilisierungs- („es besteht noch Hoffnung“)- und Droh- („wenn ihr politisch nicht hört, dann…“)-Potenzial.

    Wie ist es dann mit der politischen Schiene – also dem Marsch nach „Brüssel“?

    Ich finde es zunächst richtig und wichtig, dass die Message „wir müssen nach Europa“ so breit angekommen ist. Da kommt die Vorratsdatenspeicherung nämlich her. Und das wäre eh der Schritt gewesen, der in der Bewegung seit ein, zwei Jahren anstand („Freedom not Fear“ war ja schon ein punktueller Versuch), nun haben ihn aber viel mehr Leute verstanden. Lustig fand ich persönlich, dass ich mehrfach damit zitiert wurde, dass die nächste „Freiheit statt Angst“-Demo in Brüssel sein soll, obwohl ich das nur als Idee und eher als Frage in den Raum geworfen hatte. Es scheint also einen Resonanzboden dafür zu geben.

    Der Zeitpunkt für eine stärkere Europäisierung ist darüber hinaus äußerst günstig. Die EU-Kommission sitzt ohnehin gerade an einer Evaluation der Vorratsdatenspeicherung. (Nebenbemerkung: Es gab Ende 2009 eine öffentliche Konsultation dazu, hier die Stellungnahme des AK Vorrat. Wer jetzt hektisch Pressestatements der Justizkommissarin Viviane Reding und der Innenkommissarin Cecilia Malmström zitiert und diese als Reaktion auf das Urteil versteht, der bringt Kausalität und Koinzidenz durcheinander.) Die EU hat sich mit dem Lissabon-Vertrag eine Grundrechtecharta gegeben und sich verpflichtet, bald auch der Menschenrechtskonvention des Europarates beizutreten. Und das mit dem Lissabon-Vertrag gestärkte EU-Parlament hat bei SWIFT bereits beweisen, dass es bereit ist, für Datenschutz auch den offenen Konflikt mit den Regierungen zu suchen.

    Dennoch ist ein Abschaffen der EU-Richtlinie sehr voraussetzungsvoll. Es geht nämlich hier nicht mehr darum, einzelnen Veto-Playern den Rücken zu stärken, um zukünftigen Schaden abzuwenden. Es geht darum, eine Mehrheit dafür zu organisieren, die etwas aktiv  ändern kann und das Kind wieder aus dem Brunnen holt. Das bedeutet: Kommission, Rat und Europaparlament müssen mehrheitlich dafür sein, die Richtlinie aufzuheben oder massivst einzuschränken. Im Einzelnen:

    Kommission: Viviane Redings Position ist noch etwas unklar. Sie will vermutlich nach überall auf der sicheren Seite sein, scheint aber eher näher an uns als an den Überwachern zu sein. Jedenfalls hat sie bei ihrer Anhörung vor der Wahl der neuen EU-Kommission im Januar durchblicken lassen, dass die Vorratsdatenspeicherung damals, wenn es nach ihr gegangen wäre (sie war da noch Kommissarin für Informationsgesellschafts-Angelegenheiten), gar nicht beschlossen worden wäre. Dabei arbeitet sie aber z.T. gegen ihren eigenen Apparat. Wir hatten bei einer EDRi-Konferenz vor ein paar Wochen den Herrn eingeladen, der die Evaluierung macht, und der ist ein klarer Hardliner-Apparatschik. Reding braucht also unsere Hilfe. Sie wird sich aber nicht radikal positionieren, solange sie den Eindruck hat, dass sie im Rat eh auf Granit beissen wird. Und bei der neuen Innenkommissarin Cecilia Malmström, immerhin auch eine Liberale, sieht das alles schon nicht mehr so eindeutig aus.

    Rat: Bislang haben wir dort m.E. nur Rumänien (vermutlich aber nur widerwillig wegen des dortigen Verfassungsgerichtsurteils) sowie einen Teil der österreichischen und deutschen Regierungen hinter uns. Die schwedische Regierung hält die Füße still bis zur Wahl im Herbst (die haben Piratenangst). Die großen Parteien dort wollen aber die VDS umsetzen.

    Europäisches Parlament: Das EP könte sich eventuell auf unsere Seite schlagen, weil die Abgeordneten sich derzeit fraktionsübergreifend gerne als Datenschützer sehen. Allerdings haben die europäischen Sozialdemokraten unter ihrem Fraktionsvorsitzenden Martin Schulz damals auch der Vorratsdatenspeicherung zugestimmt. Das wird also auch nicht leicht, ist aber evtentuell  machbar, vor allem im Kontext der anstehenden SWIFT- und PNR-Auseinandersetzungen. Hier ist massive Lobbyarbeit gefragt.

    Das Hauptproblem bleibt also der Rat. Und dort brauchen wir eine Mehrheit. Die Herausforderung besteht im ersten Schritt darin, in ca. zehn anderen EU-Staaten ein öffentliches Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es hier überhaupt ein Problem gibt. Das wird schon nicht einfach. Wir können dazu die aktuelle Debatte und potenzielle weitere Konflikte in Brüssel nutzen, aber auch bei SWIFT haben wir gemerkt, dass das außerhalb von Deutschland und Österreich kaum ein Medienthema war.

    Das heisst: Wir brauchen jetzt massive Unterstützung und Aufbauarbeit im europäischen Ausland. Dazu brauchen wir vor allem Leute, die Freunde in anderen Staaten haben, viel reisen, übersetzen können, sich mit interkultureller Kommunikation auskennen, Öffentlichkeitsarbeit können, Leute vernetzen können, EU-Prozesse ein wenig kennen, Lust haben auf internationale Freiheits-Sommercamps, etc. (Das alles natürlich nicht pro Person, sondern ergänzend.) Die „No Border“-Bewegung macht das ja schon sehr gut mit ihren Sommercamps (in Lesbos waren 2009 um die 500 Leute).

    Dennoch wird das alles schwer, weil in vielen Staaten die Vorratsdatenspeicherung bereits umgesetzt und damit nicht mehr Medienthema ist. Da muss man nationale thematische Schnittstellen finden zu anderen, ähnlich gelagerten Themen, die dort aktuell sind.

    In dieser Perspektive sind die Überlegungen für den Fortgang der Kampagne in Deutschland (FDP unter Druck setzen, De Maiziere zum Schäuble 2.0 stigmatisieren, …) nur ein kleiner, wen auch notwendiger Baustein im Gesamtkonzept. Der Schwerpunkt muss auf der europäischen Aufbauarbeit liegen. Selbst wenn wir die gesamte Bundesregierung hinter uns kriegen sollten (mal rein theoretisch), hilft uns das EU-weit nicht viel weiter.

    Wir haben also eine riesige Aufgabe vor uns. Das sollte uns aber nicht schrecken. Wir sind bisher mit unseren Aufgaben gewachsen und haben bereits heute mehr Wissen, mehr Erfahrung, mehr Netzwerke, mehr Öffentlichkeit und mehr (Infra)Strukturen als noch vor wenigen Jahren. Wir werden im Ausland oft bewundert für das, was wir aufgebaut haben. Die Leute dort haben große Lust, mit uns zu kooperieren. Darauf können wir aufbauen. Wir müssen es nur hinbekommen, dass die europaweite Bewegung sich nicht nur an (wichtigen, aber) recht selektiven Zusammenhängen wie EDRi entwickelt, sondern genauso eine Grassroots-Bewegung wird wie unsere hier.

    Packen wir es an. Das wird sicher viel Spaß machen.

    4. März 2010 25
  • : Beta-Programm der re:publica’2010 ist online
    Beta-Programm der re:publica’2010 ist online

    Wir haben heute eine Beta-Programm-Version unserer re:publica’2010 veröffentlicht. Die re:publica ist eine Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft, die vom 14.–16. April zum vierten Mal stattfindet. Veranstaltet wird die re:publica’2010 von newthinking communications und Spreeblick. Während im vergangenen Jahr 1600 Menschen kamen, rechnen wir dieses Jahr mit bis zu 2500 Teilnehmern. Die Veranstaltung findet parallel im Friedrichstadtpalast, Kalkscheune und Quatsch Comedy Club statt.

    Das Thema der re:publica’2010 ist „nowHere“. Damit meinen wir einerseits die Echtzeitkommunikation, andererseits wird die re:publica 2010 deutlich internationaler und wir bringen zahlreiche spannende Projekte und Blogger aus anderen Ländern und Kulturkreisen auf die Bühne.

    Das aktuelle Programm ist eine Beta-Version. Nicht alle der über 150 Referenten und Referentinnen haben bisher ein fertiges Abstract geschickt und es finden sicherlich noch Verschiebungen von einzelnen Slots statt. Ich freue mich auch schon auf den Abend, wo ich nicht mehr vorm schlafen gehen gedanklich noch Slots hin- und herschiebe.

    Aus Netzpolitik-Sicht gibt es einige Highlights. Eine komplette Subkonferenz rund um das Thema Netzneutralität veranstalten wir am Donnerstag, den 15. April. Diese wird freundlicherweise komplett von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert und wird wohl die erste Konferenz sein, die in Deutschland das Thema Netzneutralität aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Ebenfalls am Donnerstag ist ein einzelner Track den Makers gewidmet. Da kann man basteln lernen. Am Freitag, den 16. April haben wir einen kleinen Schwerpunkt auf das Thema Opendata und OpenGovernment.

    3. März 2010 7
  • : Die letzten Links der vergangenen Woche
    Die letzten Links der vergangenen Woche

    Hier sind einige Links der letzten Woche, die ich bisher nicht gebloggt habe.

    Zeit.de: Was Microsoft alles der Polizei verrät.

    All die Daten, die Seiten wie Facebook über Nutzer sammeln, kann auch die Polizei bekommen. Was genau sie kriegt, steht in Handbüchern, die nun veröffentlicht wurden.

    Lobbycontrol: Parteitags-Lobbyismus aus Insider-Sicht.

    Mal abseits von zweifelhaften Angeboten für Gespräche mit Rüttgers – Was läuft eigentlich sonst in den Vorhallen der Parteitage? Um uns ein genaueres Bild zu machen, haben wir mit Leuten gesprochen, die in der letzter Zeit mit (eher kleineren) Ständen auf verschiedenen Parteitagen vertreten waren. Sie haben uns ihre Eindrücke geschildert:

    Guardian: Is copyright getting in the way of us preserving our history?

    The issue of copyright is a global nightmare for anyone interested in digital preservation

    Spiegel: Konkurrenten wollen Google Manipulation nachweisen.

    Sie haben Intel und Microsoft zu Rekordstrafen verdonnert – jetzt knöpfen sich Europas Wettbewerbshüter Google vor. Sie prüfen, ob der IT-Riese Konkurrenten bei der Anzeige von Suchergebnissen benachteiligt. Der Konzern reagiert gelassen, doch interne Papiere zeigen: Die Vorwürfe haben Gewicht.

    Spiegel: Google will nicht für Nutzerinhalte haften.

    Google soll büßen: Weil das von einem Nutzer hochgeladene Video einer Misshandlung nicht schnell genug von einer Seite der Firma verschwand, wurden Manager zu Bewährungsstrafen verurteilt. Google ist empört – und warnt vor den Folgen einer solch „hanebüchenen“ Rechtsprechung.

    GigaOm: On Google, Italy and the Future of Media.

    Jürgen Kuri bei Webciety über „Digitale Aufklärung“.

    28. Februar 2010
  • : Audio-Interview über elektronischen zivilen Ungehorsam und Migration
    Audio-Interview über elektronischen zivilen Ungehorsam und Migration

    Auf dem Hamburger freien Radio Freies Sender Kombinat lief am Wochenende ein interessantes und ausführliches Interview mit Ricardo Dominguez zu Electronic Civil Disobedience, Border Disturbance Technologies und Migration:

    Ricardo Dominguez, Mitglied des Electronic Disturbance Theatres und Critical Art Ensembles, unterricht seit einigen Jahren an der University of California San Diego. Er hat die Theorie und Praxis der Electronic Civil Disobedience ausgearbeitet.

    Seit 2007 arbeitet er mit anderen am Transborder Immigrant Tool (TIT), das die Passage durch die Borderlands von Mexico nach USA für MigrantInnen sicherer machen soll. Bei dieser Passage sterben seit einigen Jahren jährlich ungefähr 2000 Menschen. Bei dem TIT handelt es sich um ein eher billiges Mobiltelefon mit GPS-Funktionalität, das Kartenmaterial, auf dem z.B. Wasserreserven eingezeichnet sind, den Leuten bereitstellt, die sich auf den Weg nach Norden machen.

    Im Interview geht es um die Geschichte der Electronic Civil Disobedience und ihre aktuelle Entwicklung. In einem größeren Bogen reflektiert Ricardo den Stand mobiler Medientechnologien und auf welche Art sie „artivistisch“ anwendbar sind, redet über Überwachung und Web 2.0, das Ausloten, was Cyberterrorismus ist, über Aktivismus, Hacktivismus, Denial of Service Attacken auf Regierungsrechner, Borderlands, Zapatistas, Migration, affektive Medien, Transparenz und Translucency, Simulation von Überwachung, Artivismus, Science of the Oppressed, Land-Art und sogar Nanotechnologiekritik.

    Das Interview von vier Studen Länge (mit Musik) gibt’s als Ogg Vorbis auf archive.org zum Download. Annalist hat weitere Informationen und Links gesammelt.

    Als Einstieg in die angesprochene interessante Geschichte des Hacktivismus empfiehlt sich die arte Dokumentation Hacktivisten – Rebellen im Internet von 2002, die gibt’s z.B. auf Google Video.

    26. Februar 2010
  • : Leistungsschutzrecht politisch bereits halbtot
    Leistungsschutzrecht politisch bereits halbtot

    Bei einer Diskussionsveranstaltung am 25. Februar auf Einladung des Providerverbandes Eco mit Vertretern von Google, Axel Springer und 1&1 in der Britischen Botschaft in Berlin äußerte sich der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag Siegfried Kauder: ein Leistungsschutzrecht sei offenbar nicht notwendig. Er sehe zwar die Probleme der Verlage im Netz, aber: „Sind wir aufgerufen, da was zu regulieren?“

    Die Debatte finde derzeit zurecht zwischen denen statt, denen es im Netz gut geht, und denen, bei denen die Einnahmen nicht ausreichten. „Compliance heisst das neue Wort – und dafür braucht es kein Gesetz.“ Kauder zu Christoph Keese von Axel Springer: „Fühlen Sie sich bitte nicht zu sehr auf der sicheren Seite, nur weil es im Koalitionsvertrag steht.“ Es sei nicht so, dass derjenige schon gewonnen habe, der die besseren Lobbyisten ins Feld führe.

    Diese klare Ansage ist ein harter Rückschlag für Springers Bemühungen. Zuständig für das Urheberrecht ist der Rechtsausschuss des Bundestages, dem CDU-Politiker Kauder vorsitzt.

    Der am Montag in der ‚Zensursula’-Anhörung wegen seiner Fragen an Franziska Heine noch scharf kritisierte Kauder sagte zudem, dass er sich dafür einsetze, Politik zu entschleunigen. Denn derzeit sei es so: ‚Wir führen Phantomdiskussionen mit Experten im Bundestag’, lang nachdem der Entwurf schon auf dem Tisch legen würde. Was kaum zu übersehen ist.

    26. Februar 2010 22
  • : Server-Umzug
    Server-Umzug

    Mein Provider ist auf die tolle Idee gekommen, den netzpolitik.org-Server heute Nacht in ein anderes Rechenzentrum in einer anderen Stadt zu verlagern. Zwischen 22:15 – 7:30 werden wir voraussichtlich offline sein. Wenn nichts kaputt geht, ist Morgen früh wieder alles in Ordnung.

    25. Februar 2010 6
  • : European Citizens’ Initiative: Hohe Hürden gegen Bürgerbeteiligung in der EU
    European Citizens’ Initiative: Hohe Hürden gegen Bürgerbeteiligung in der EU

    Die Europäische Bürgerinitiative (European Citizens’ Initiative – ECI) soll EU-Bürgern künftig die Möglichkeit geben, die Politik der EU mit Unterschriftensammlungen direkt zu beeinflussen. Allerdings sieht es im Moment so aus, als ob der viel gepriesene demokratische Meilenstein der EU eher ein nutzloses Kieselsteinchen wird. EU-Kommission und Mitgliedsstaaten sind dabei, die Anforderungen so hoch zu schrauben, dass es wahrscheinlich nur wenige Bürgerinitiativen schaffen werden, die hohen Hürden zu nehmen. Das gilt auch für die Online-Sammlung von Unterschriften. Nach den in der EU derzeit diskutierten Kriterien wäre die in Deutschland so erfolgreiche Online-Petition gegen Netzsperren gescheitert.

    Bei einer Anhörung der EU-Kommission zur ECI am Montag in Brüssel waren sich zwar alle darin einig, dass es für Bürgerinitiativen die Möglichkeit zur elektronischen Sammlung von Unterschriften geben soll. Gleichzeitig war aber viel von „Missbrauchsgefahr“ die Rede. Einige Regierungen und selbst Vertreter der Zivilgesellschaft fordern sogar die verpflichtende Benutzung elektronischer Ausweise. Die österreichische Regierung beispielsweise pocht in ihrer Stellungnahmen zur ECI auf „geeignete Sicherheitsvorkehrungen“, um Missbrauch oder Mehrfachunterschriften zu verhindern. Sie propagiert die „Smart Card“, eine Art elektronischer Pass für Online-Abstimmungen, den es in ähnlicher Form auch in Estland gibt und der dort bereits für Online-Wahlen benutzt wird.

    Dabei ist die Europäische Bürgerinitiative weder eine Wahl noch eine verbindliche Volksabstimmung, sondern nur ein Aufforderungsrecht. Mit der ECI können Bürger und Bürgerinnen die Kommission künftig auffordern, politisch aktiv zu werden und einen Vorschlag für eine neue Richtlinie, also ein EU-Gesetz, vorzulegen (mehr zur aktuellen Debatte um die ECI habe ich hier auf Englisch zusammengefasst). Die Bürger können aber nicht selbst über die Richtlinie entscheiden, das bleibt vielmehr dem Ministerrat und dem Europäischen Parlament überlassen. Mehr noch, die Kommission ist nicht einmal dazu verpflichtet, der Aufforderung einer Initiative zu folgen, sondern kann sie auch aus rechtlichen oder politischen Gründen zurückweisen. Die ECI ist also kaum mehr als eine Art Petitionsrecht – und trotzdem werden die Anforderungen so hoch geschraubt wie bei einem verbindlichen Referendum oder einer Online-Wahl.

    24. Februar 2010 23
  • : Die obskure Debatte um ARD und ZDF im Netz
    Die obskure Debatte um ARD und ZDF im Netz

    Die Debatte um die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen Sender nimmt immer weiter obskure Züge an. Heute gibt es dazu zwei interessante Beiträge zu lesen: Stefan Niggemeier schaut sich ausführlich „Das Elend der Debatte um ARD und ZDF“ an und der Evangelische Pressedienst (epd) schreibt über „Kalter Medienkrieg – Wie der Drei-Stufen-Test instrumentalisiert wird“.

    23. Februar 2010 6
  • : Zensursula-Anhörung: Es bleibt viel zu tun!
    Zensursula-Anhörung: Es bleibt viel zu tun!

    Genau zehn Monate nach Einreichung der Petition gegen Internet-Sperren hatte heute die Petentin Franziska Heine Gelegenheit, das Anliegen dem Petitionsausschuss zu erläutern. Mit 134.015 Online- und 1.391 Offline-Unterschriften sowie 96 weiteren Petitionen mit gleichem Anliegen ist die Petition die bisher größte in der Geschichte der Bundestagspetitionen. So hat man für den oft belächelten Ausschuss heute einen der größten Säle organisiert. Um allen Mitzeichner_innen einen Platz zu bieten, hätte jedoch auch das Olympia-Stadion nicht ausgereicht. Sebastian Jeuck von der Petition für Sperren mit 328 Mitzeichnern ist hingegen gar nicht erst erschienen.

    Eine detaillierte Mitschrift sowie eine Videoaufzeichnung (Update: jetzt auch in offiziell) existieren bereits, Medien-Coverage wird es genug geben. Da somit der Bereich der reinen Information abgedeckt sein dürfte, beschränke ich mich auf eine (natürliche rein subjektive) Analyse und Kommentierung.

    22. Februar 2010 10
  • : Schloß-Bellevue, 18h: Spontandemo gegen Netzsperren-Gesetz
    Schloß-Bellevue, 18h: Spontandemo gegen Netzsperren-Gesetz

    Nachdem Bundespräsident Horst Köhler heute nun doch das Zensursula-Gesetz unterschrieben hat, finden sich heute Abend um 18h Kritiker und Netzaktivsten am Schloß Bellevue zu einer Spontandemo zusammen.

    17. Februar 2010
  • : Porträt Stefan Niggemeier 給會中文的讀者看
    Porträt Stefan Niggemeier 給會中文的讀者看

    Für unsere chinesischsprachigen Leser: für das Goethe-Institut hat Wang Rong-hui (王榮輝) ein Porträt von Dominik Reinle über Journalisten Stefan Niggemeier (史蒂芬‧尼格邁爾) übersetzt. Für hiesige Leser kaum etwas neues, aber für den einen oder anderen auswärtigen Leser sicherlich informativ. Link: 自由撰稿的媒體守護者—史蒂芬‧尼格邁爾的肖像.

    16. Februar 2010 5
  • : Anklicken von Kinderpornos ist strafbar
    Anklicken von Kinderpornos ist strafbar

    Schon das Betrachten von Kinderpornographie im Internet kann bestraft werden, hat das OLG Hamburg entschieden. Das Gericht begründet das damit, dass schon das kurzfristige Herunterladen der Daten in den Arbeitsspeicher den Nutzer in Besitz der Daten bringe. Das berichtet Heise.

    Das Oberlandesgericht widersprach damit in der Revision einem früheren Urteil des Amtsgerichtes Hamburg-Harburg. Dort war man davon ausgegangen, dass der Angeklagte nicht in strafbarer Weise in den Besitz von Kinderpornographie gebracht habe, weil er die Dateien zwar gezielt aufgerufen und angesehen, aber keine Speicherung bezweckt habe.

    Die Frage, ab wann ein Besitz vorliegt, ist bisher umstritten. Entsprechend sagte ein Sprecher des Gerichtes, „Die Entscheidung gilt als Grundsatzurteil und ist das bundesweit erste Revisionsurteil zu dieser umstrittenen Rechtsfrage nach dem Besitzbegriff.“

    15. Februar 2010 46
  • : Du liebst Freie Software? Umarm einen Entwickler!
    Du liebst Freie Software? Umarm einen Entwickler!

    Morgen ist Valentinstag. Deshalb ruft die FSFE dazu auf, all jenen Danke zu sagen, die Freie Software entwickeln, dokumentieren, verbreiten und erklären. Denn bei Freier Software steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht die Technik.
    I love Free Software!

    Auf ihrer Kampagnenseite macht die FSFE Vorschläge dazu: Eine nette Mail an einen Entwickler, eine Umarmung (vorher um Erlaubnis fragen!) oder eine Spende an ein Projekt oder eine Organisation.

    Die FSFE ruft dazu auf, die eigene Dankesaktion mit einem Bild zu dokumentieren, es online zu stellen und mit dem Hashtag #ilovefs darauf aufmerksam zu machen.

    Die PR zur Kampagne gibt’s hier.

    13. Februar 2010 8
  • : WLAN ist gut gegen Jugendgewalt
    WLAN ist gut gegen Jugendgewalt

    Die New York Times berichtet über eine sehr coole Idee aus Arizona, wie man hibbelige Teenager, die stundenlag in Schulbussen sitzen und sich dabei regelmäßig in die Wolle kriegen, ruhig bekommt und sogar dafür sorgt, dass sie mehr Hausaufgaben machen: Man installiert WLAN im Schulbus.

    [S]chool officials mounted a mobile Internet router to bus No. 92’s sheet-metal frame, enabling students to surf the Web. The students call it the Internet Bus, and what began as a high-tech experiment has had an old-fashioned — and unexpected — result. Wi-Fi access has transformed what was often a boisterous bus ride into a rolling study hall, and behavioral problems have virtually disappeared.

    “It’s made a big difference,” said J. J. Johnson, the bus’s driver. “Boys aren’t hitting each other, girls are busy, and there’s not so much jumping around.”

    Die Idee wird wohl inzwischen auch in Floria, Washington DC und Missouri aufgegriffen.

    12. Februar 2010 19
  • : EU-Parlament lehnt SWIFT-Abkommen ab!
    EU-Parlament lehnt SWIFT-Abkommen ab!

    Das Europaparlament hat heute über das SWIFT-Abkommen mit den USA abgestimmt. Und das Abkommen abgelehnt! 378 waren gegen das Abkommen und nur 196 dafür.

    Wie wir gestern schon beichtet hatten, nutzte die konservative EPP-Fraktion vor der Abstimmung einen Geschäftsordnungstrick, um die Abstimmung zu verschieben. Das bekam keine Mehrheit. 290 Stimmen waren dafür und 305 dagegen.

    Das ist ein großer Erfolg für Bürgerrechte in Europa und ein historischer Tag für das EU-Parlament. Seit 2001 wurde zum ersten Mal mit großer Mehrheit wieder für mehr Datenschutz in Europa gestimmt.

    Danke an alle, die mitgemacht haben, EU-Abgeordnete kontaktiert haben, sowie darüber gebloggt und gewtittert haben.

    Die ganze Chronologie von SWIFT findet sich bei uns im Archiv.

    Statements von EU-Abgeordneten:

    Jan Philipp Albrecht, Grüne: SWIFT-Bankdaten: Kehrtwende für Demokratie und Grundrechte in der EU eingeleitet.

    “Das Europäische Parlament hat heute gezeigt, dass es seiner neuen Verantwortung als souveräner Gesetzgeber auch im Innen- und Sicherheitsbereich gerecht wird. Die Ablehnung des Abkommens zur Bankdatenweitergabe stellt eine Kehrtwende für Demokratie und Grundrechte in der EU dar. Nun sind Ratspräsidentschaft und EU-Kommission aufgefordert, das Übergangsabkommen außer Kraft zu setzen und mit dem Europäischen Parlament eine umfassende Debatte über die grundsätzlichen Mindestanforderungen für den Grundrechtsschutz europäischer Bürgerinnen und Bürger in der internationalen Sicherheitszusammenarbeit zu führen.“

    Alexander Alvaro, FDP: Die EU ist gegen den Ausverkauf der Bürgerrechte.

    „Das heutige Abstimmungsergebnis ist ein Sieg für den europäischen Datenschutz und ein Erfolg der europäischen Demokratie. Die EU ist gegen den Ausverkauf der Bürgerrechte und für mehr Sicherheit der Bürger“, erklärt Alexander Alvaro, innenpolitischer Sprecher der FDP im EP.“

    Martin Schulz, SPD: EU-Parlament kippt Lieferung von Bankdaten an USA.

    „Dieses Abkommen trägt und atmet den Geist der Sicherheitsideologie der USA, aber es atmet nicht den Geist des Grundrechtschutzes, den wir als europäische Abgeordnete den Bürgerinnen und Bürgern gewährleisten müssen“

    Thomas Mann, CDU:

    „Ich habe schärfere Bestimmungen verlangt. Bei den übermittelten Daten handelt es sich um sämtliche Angaben, die in einem Überweisungsformular enthalten sind, beispielsweise Überweisender, Empfänger, Summe und Verwendungszweck. Bislang werden die EU-Bürger über die Verwendung ihrer Daten nicht aufgeklärt – ihre Rechte müssen festgeschrieben werden! Im Abkommen muss eine gerichtliche Überprüfbarkeit der Datenverarbeitung aufgenommen werden. Eine Weitergabe von Daten, die auf einem vagen Verdacht beruht, muss ausgeschlossen sein, genauso wie die Weitergabe dieser Informationen an Dritte“.

    Preisfrage: Welche deutschen Abgeordneten haben für das Abkommen gestimmt?

    Es gab keine namentliche Abstimmung, weil man fraktionsübergreifend die „Abweichler“ bei den Konservativen schützen wollte. Das erklärt vielleicht auch, warum die Mehrheit so deutlich war. Mit namentlicher Abstimmung hätten vielleicht mehr Konservative dafür gestimmt.

    Die Taz hat viele Reaktionen zusammengefasst: Keine Bankdaten an die USA.

    11. Februar 2010 64
  • : BGH erlaubt erneut Online-Archive
    BGH erlaubt erneut Online-Archive

    Wie bereits im Dezember hat der BGH erneut entschieden, dass die sogenannten „Sedlmayr-Mörder“ damit leben müssen, dass Berichte über sie in Archiven online verfügbar sind. In der Pressemeldung des BGH heißt es:

    Der Bundesgerichtshof hat es für zulässig erachtet, dass Spiegel Online im Internet ein Dossier mit Altmeldungen über den Mord an Walter Sedlmayr zum Abruf bereitgehalten hat, in denen der Name der Verurteilten genannt wurde und kontextbezogene Bilder der Verurteilten enthalten waren.

    Heise berichtet ebenfalls ausführlich.

    10. Februar 2010 1
  • : TAZ-Interview über Extremismus
    TAZ-Interview über Extremismus

    Die Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert heute in Bremen eine Veranstaltung mit dem umstrittenen Extremismus-Forscher Eckhard Jesse über „Extremismus von links und rechts“. Die Taz hat dazu den Leiter des Bremer Büros der Adenauer-Stiftung interviewt. Dieser wollte seine in dem Interview geäußerten Aussagen nicht abgedruckt sehen und so wurde das Interview etwas anders abgedruckt: „XXXX XX XXXXX XXXXXX“.

    10. Februar 2010 12
  • : Bundesregierung will Zensursula-Gesetz – aber es nicht anwenden?
    Bundesregierung will Zensursula-Gesetz – aber es nicht anwenden?

    Spiegel Online meldet gerade: „Schwarz-Gelb rückt von Internetsperren ab“. Es geht darum, das Zugangserschwerungsgesetz aus der großen Koalition, dem immer noch die Unterschrift des Bundespräsidenten fehlt, endlich auszufertigen. SpOn schreibt:

    „Die gegenwärtige Bundesregierung beabsichtigt eine Gesetzesinitiative zur Löschung kinderpornografischer Inhalte im Internet“, heißt es in dem fünfseitigen Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt. Die Regierung will also ein Gesetz, aber ein anderes.

    Man werde sich bis dahin „auf der Grundlage des Zugangserschwerungsgesetzes ausschließlich und intensiv für die Löschung derartiger Seiten einsetzen, Zugangssperren aber nicht vornehmen“, heißt es in der Stellungnahme des Bundeskanzleramts, die auf eine gemeinsam abgestimmte Position von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zurückgeht. „Die damit gemachten Erfahrungen werden in die Gesetzesinitiative einfließen.“

    Wenn man das nüchtern liest, wollen sie also die Unterschrift von Bundespräsident Köhler, aber mit dem Versprechen, dass es vorläufig keine Anwendung der Sperr-Elemente geben wird. Damit wäre das Zensursula-Gesetz durch.

    Später kann dann ja (wie vermutlich ursprünglich geplant) die Evaluation ergeben, dass sie diverse Seiten nicht löschen konnten und die Sperren daher sinnvoll sind, wenn auch in beschränkten Ausnahmefällen. Auf EU-Ebene wird ohnehin in diesem Kontext gerade diskutiert (Art. 14), dass man nur Seiten außerhalb der EU sperren lassen möchte.

    Ohne ein sauberes Aufhebungsgesetz ist das daher alles noch nicht wirklich glaubwürdig, auch wenn die FDP und der neue Innenminister sich jetzt von SpOn feiern lassen.

    9. Februar 2010 34
  • : Morgen: ARTE-Themenabend über Journalismus
    Morgen: ARTE-Themenabend über Journalismus

    Dienstag Abend gibt es bei ARTE einen Themenabend zur Krise des Journalismus.

    (Danke an Hendric)

    8. Februar 2010 2
  • : Piraten mit Autofahrer-Partei vergleichbar: freie Fahrt und freies Netz
    Piraten mit Autofahrer-Partei vergleichbar: freie Fahrt und freies Netz

    Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung hat über die Piratenpartei eine Studie erstellt, die mir freundlicherweise vorab zugeschickt wurde. Die 33-Seiten lange „Analyse der Genese und Etablierungschancen der Piratenpartei“ mit dem Titel „Partei der „digital natives“?“ beschäftigt sich ausführlich mit der Geschichte, Inhaltlichen Schwerpunkten und Etablierungschancen. Auch für nicht-Piraten-Anhänger ist die Studie streckenweise interessant zu lesen, weil hier doch eine CDU-nahe Stiftung eine politische Analyse des Netzpolitik-Thema vornimmt.

    8. Februar 2010 23