Generell

Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.

  • : Börsenverein: Wenn Lobbying mal die Wahrheit dehnt
    Börsenverein: Wenn Lobbying mal die Wahrheit dehnt

    Die Lobbymethoden des Börsenverein des deutschen Buchhandels sind manchmal hinterfragungs-würdig. Gemeinsam mit der Film- und Musikindustrie-Lobby und dem VATM präsentierte man am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der ver.di-Bundeszentrale die sogenannte Tera-Studie. Eine Studie, die mindestens methodisch fragwürdig, wenn nicht gar jeglicher Grundlage entbehren würde. Aber das hatten wir ja schon gebloggt.

    Zurück zum Börsenverein des Deutschen Buchhandels: Deren Lobbyist Alexander Skipis forderte (nicht nur am Montag) die Einführung eines Verwarnsystems bei Urheberrechtsverletzungen (Auch bekannt als 2‑Strikes). Die Idee dahinter: Tauschbörsennutzer werden erstmal per Mail verwarnt, wenn sie verdächtigt werden, Urheberrechtlich geschützte Werke heruntergeladen zu haben. Bei einer Wiederholung gibt es einen blauen Brief. Beide Maßnahmen halten natürlich die Rechteinhaber nicht davon ab, parallel zu den Warnungen auch Abmahnungen zu verschicken. Was nach dem blauen Brief kommt? Eine (erneute Abmahnung) oder als nächste Eskalationsstufe weniger Bandbreite oder gleich Internetentzug. Letzteres ist aber momentan zumindest staatlich verordnet nicht durchsetzbar.

    28. April 2010 15
  • : 5 vor 12 (x3): Lex Google, Papst, Krisen & Kritik
    5 vor 12 (x3): Lex Google, Papst, Krisen & Kritik

    Laut NDR Online fordert die Stadt Hamburg ein Gesetz gegen das flächendeckende Filmen ganzer Straßenzüge durch private Firmen wie Google. Warum das vielleicht keine so gute Idee ist, kann man bei Thomas Wiegold und Enno Park nachlesen.

    # Street View: Hamburg plant Gesetz gegen Googles Datenhunger(NDR)
    # Wir nennen es Datenschutz (Thomas Wiegold)
    # Hamburg plant Anti-Streetview-Gesetz (Enno Park)

    Ein anderes Gesetz, über das bereits freudig debattiert wurde, soll es noch gar nicht geben: Das „Löschgesetz“ gegen Kinderpornographie im Internet, das das derzeit nicht in einer bestimmten Weise nicht angewendete „Zugangserschwerungsgesetz“ ersetzen sollte. Zumindest liege dieses neue Löschgesetz noch gar nicht vor, wie ein Sprecher des Justizministeriums die Meldungen vom Wochenende dementierte. Soso.

    # Löschgesetz: Justziministerium dementiert neuen Gesetzentwurf (Legal Tribune)
    # Facebook: Bringe alle deine Freunde zu uns (Friederike Haupt)

    Im Grunden wussten wir es ja schon immer: Das Internet ist schuld! Und das sicher nicht nur an der Medienkrise und der „Verschmutzung des Geistes“!

    27. April 2010 17
  • : 5 vor 12 (heute: 2x3+3)
    5 vor 12 (heute: 2x3+3)

    Apropos Netzsperren. Ab 10 Uhr diskutiert der Innenausschuss des Europaparlaments über die von Cecilia Malmström geforderten Netzsperren. Hier soll/wird es einen Livestream geben. Morgen (27.04.) ab 10 Uhr.

    Ansonsten war heute nicht nur „Welttag des geistigen Eigentums“, sondern auch „Das Internet verändert die Welt“-Tag. Gut, der ist ja eigentlich jeden Tag, aber irgendwie muss ich ja zu den nächsten drei Links überleiten:

    # Evgeny Morozow über das Internet und zerstörte Hoffnungen (Foreign Policy)
    # Gepflegtes Shirky-Bashing: The Shirky Rules (Tom Slee)
    # Peter Kruse: Das Internet hat die Regeln der Macht neu definiert (Welt)

    Und sonst so? Facebook. Überall Facebook!

    # Facebook zieht deutscher Konkurrenz davon (FAZ.net)
    # Peter Cashmore: Facebook Does What’s Best For Facebook (Mashable)
    # Kevon Kelleher: What Can Stop Facebook? The App Economy Can. (TheBigMoney)

    Andererseits, braucht es dafür Apps? Braucht es überhaupt dedizierte Apps? Das hat sich letztens Markus Breuer gefragt:

    # iPhones, iPads und der App-Store – Ein strategischer Ansatz für den Umgang mit dem mobilen Internet (Markus Breuer)

    PS: http://openlike.org/ ist schon bekannt, oder?

    26. April 2010 6
  • : Liveblog, 20:15 Uhr: TV-Duell Rüttgers (CDU) vs. Kraft (SPD)
    Liveblog, 20:15 Uhr: TV-Duell Rüttgers (CDU) vs. Kraft (SPD)

    Nicht direkt Netzpolitik, aber zumindest Netz und Politik: Wer heute Abend das TV-Duell zwischen NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft (SPD) am Rechner verfolgen will, kann ja mal bei Jens Matheuszik im Pottblog vorbeischauen. Dort gibt es parallel zum Duell ein Live-Blogging zum Mitmachen:

    Das TV-Duell wird im WDR-Fernsehen am Montag (26. April 2010) ab 20:15 Uhr ausgestrahlt. Auf die Frage ob ein Live-Blogging zum TV-Duell zwischen Hannelore Kraft und Jürgen Rüttgers gewünscht sei, hat sich bis dato eine deutliche Mehrheit dafür ausgesprochen. Nach dem ein erster Live-Test erfolgreich geklappt hat, versuche ich das ganze am Montag auch durchzuführen.

    Die Grünen in NRW planen ebenfalls ein Live-Blogging. Allerdings nicht zum Mitmachen, sondern nur zum Mitlesen. Mitlesen wird man neben einem Echtzeit-Transkript die Kommentare der grünen Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann können. Und zwar hier. Oder via Twitter.

    Das TV-Duell ganz ohne Netzkommentare wird man sich wohl ab 20:15 Uhr als Livestream in der ARD-Mediathek anschauen können. Aber das wäre ja langweilig.

    26. April 2010
  • : 5 vor 12 (+1), Wochenendedition
    5 vor 12 (+1), Wochenendedition

    Auch wenn es sicher noch zu früh ist, um die Korken knallen zu lassen: Der Widerstand gegen den JMStV wird auch unter den politischen Entscheidern immer lauter. Auf ihrem Bundesparteitag in Köln hat sich die FDP nicht nur gegen Nacktscanner, ELENA und Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen,* es wurde auch ein Antrag angenommen, der das Potential hat, den JMStV in der derzeit diskutieren Neufassung zu stoppen.

    Nun sind freilich die FDP-Fraktionen in der (derzeit) 8 Landesparlamenten gefragt, in denen die FDP Regierungsverantwortung trägt. Schaun mer mal:

    # Antrag: FDP-Bundesparteitag soll JMStV kippen (Jimmy Schulz)
    # Kinderpornografie: Regierung stellt Weichen für Löschgesetz (Neue OZ)
    # Schutzalter: Vatikan erlaubt Sex mit Kindern ab zwölf Jahren (Welt)
    # Vuitton-Taschen haben höheren Status als Missbrauchsopfer (Joe McNamee)
    # Youtube-Kanal mit (Spiele-)Komplettlösungen gelöscht (Golem)

    *Ja, die dpa-Meldung ist eher lausig.

    PS: In fünf Minuten beginnt der WPPD. Aber das ist ein anderes Thema ‚)

    24. April 2010 17
  • : Video: Cleanternet – for a cleaner and safer Internet
    Video: Cleanternet – for a cleaner and safer Internet

    Alexander Lehmann, der Macher von „Rette Deine Freiheit“ und „Du bist Terrorist“, hat ein neues Video zur europäischen Censilia-Diskussion in Kooperation mit dem AK Zensur gemacht:

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    Mehr gibt es auf der Seite cleanternet.org

    Cleanternet is a campaign to support European Commissioner Cecilia Malmström in her plans to introduce a website blocking system in Europe. All European countries must be forced to fight for a cleaner and safer Internet.

    23. April 2010 12
  • : Udo Vetter: Spielregeln für den zweiten Lebensraum
    Udo Vetter: Spielregeln für den zweiten Lebensraum

    Udo Vetter vom Lawblog hat auf der re:publica 2010 einen Vortrag über „Spielregeln für den zweiten Lebensraum – Kleines Rechts-ABC für Blogs, Foren und soziale Netzwerke“ gehalten und dabei erklärt, was man alles beim publizieren im Netz beachten sollte.

    „Immer mehr tun es. Sie twittern, bloggen und pflegen in sozialen Netzwerken den privaten und geschäftlichen Freundeskreis. Die neue Freiheit stößt aber häufig und meist unerwartet an ihre Grenzen. Wer fremde Inhalte veröffentlicht oder auch nur zu forsch seine Meinung sagt, muss stets mit juristischem Gegenwind rechnen. Abmahnungen und Klagen wegen großer und kleiner Rechtsverletzungen sind an der Tagesordnung, die Anonymität des Netzes nicht mehr als eine Illusion. Der Vortrag erklärt anhand praktischer Beispiele die wichtigsten Punkte für jeden, der das Internet als zweiten Lebensraum nutzt. Themen sind unter anderem die Impressumspflicht in sozialen Netzwerken, die Grenzen der Meinungsfreiheit sowie Fragen des Urheberrechts.“

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur Datenschutzerklärung von YouTube/Google

    Zur Datenschutzerklärung von netzpolitik.org

    22. April 2010 16
  • : Google visualisiert Löschanfragen
    Google visualisiert Löschanfragen

    Google hat ein Tool veröffentlicht, mit dem man Regierungs-Anfragen zur Löschung von Inhalte nach Ländern sortiert auf einer Karte anzeigen kann. Deutschland liegt mit 188 Löschanfragen mit Platz 2 hinter Brasilien ganz gut im Rennen. Das meiste entfällt dabei auf die 94 Löschungen von Suchergebnissen und 70 Youtube-Videos. Bei den Datenabfragen für Nutzerinformationen ist Deutschland mit 458 aber etwas abgeschlagen auf Platz 7. Nicht einberechnet wurden wohl die Staaten, wo Google und/oder Youtube gleich ganz gesperrt sind.

    Ich werde gerade nicht ganz schlau daraus, ob Google auch all diesen Anfragen nachgekommen ist.

    [via]

    20. April 2010 20
  • : Erzbistum Regensburg erwirkt einstweilige Verfügung gegen Blog
    Erzbistum Regensburg erwirkt einstweilige Verfügung gegen Blog

    Das Erzbistum Regensburg hat eine einstweilige Verfügung gegen das Blog Regensburg-Digital vor dem fernen Hamburger Landsgericht erwirkt: Einstweilige Verfügung gegen Meinungsäußerung. Dem Blog wird verboten, den Eindruck zu erwirken, dass es in Zusammenhang mit einem pädophilen Pfarrer in Riekofen eine Vereinbarung zwischen der Diozöse Regensburg mit der Familie des Opfers zu einer vermittelten Geldzahlung gekommen sei. Das Blog bezog sich in dder Meinungsäusserung auf einen älteren Spiegel-Artikel, der nicht rechtlich angegangen wurde. Die ganze Geschichte gibts bei Regensburg-Digital.

    20. April 2010 8
  • : Springer mahnt Bildblog ab
    Springer mahnt Bildblog ab

    Die Anwälte des Springer-Konzerns haben das Bildblog gleich dreimal abgemahnt und eine Rechnung über 2407,36 Euro mitgeschickt, zur Erstattung ihrer Anwaltskosten. Das Bildblog hatte über eine Rüge des Presserates berichtet, die nicht offensichtlich zu finden war:

    Am 9. April hatten wir darüber berichtet, wie schwer sich „Welt Online“ damit tat, eine Presserats-Rüge für einen Schleichwerbe-Artikel zu akzeptieren. Wir behaupteten dabei auch, dass „Welt Online“ diese Rüge immer noch nicht veröffentlicht habe. Das war falsch. „Welt Online“ hat es zwar seinen Lesern schwer gemacht, den entsprechenden Hinweis (siehe Screenshot rechts) zu entdecken: Der Deutsche Presserat hat in diesem Artikel einen Verstoß gegen Ziffer 7 des Pressekodex erblickt und diesen gerügtMan findet ihn nicht, wenn man in der „Welt Online“-Suchfunktion zum Beispiel nach „Presserat“ sucht, obwohl dieser Begriff im Text vorkommt. Und die Rüge verschwindet aus dem Artikel, sobald man ihn ausdruckt. Aber wenn man sich den Artikel auf dem Bildschirm ansieht, ist der Hinweis da.

    Das Bildblog hatte den Fehler schnell korrigiert, aber trotzdem hat Springer dann seine Anwälte rausgeschickt. Das Bildblog soll nun bezahlen, weil durch die Meldung die „Unternehmenspersönlichkeitsrechte springers verletzt“ seien und das Bildblog nun den entstandenden Schaden ersetzen soll. Wer dem Bildblog eine Spende zukommen lassen möchte, kann dies gerne tun.

    20. April 2010 32
  • : Wikileaks veröffentlicht US-Militär-Video aus dem Irak
    Wikileaks veröffentlicht US-Militär-Video aus dem Irak

    Wikileaks hat heute ein seit langem angekündigtes Video veröffentlicht. Auf der Plattform „Collateral Murder“ ist ein Video des US-Militärs vom einem Kampfeinsatz zu sehen, bei dem acht bewaffnete (vielleicht auch 14 – je nach Quellenlage) Menschen und zwei Reuters Journalisten im Irak erschossen worden sind. Das Ereignis fand vor drei Jahren statt, bei der New York Times finden sich die Hintergründe: 2 Iraqi Journalists Killed as U.S. Forces Clash With Militias.

    Das Videogibt es in einer 17 Minuten Kurz-Fassung und einer 39 Minuten Lang-Fassung auf Youtube (Mal schauen, wie lange das da online bleibt).

    Weitere Hintergründe dazu, wie das Video zu Wikileaks kam und warum sie es veröffentlichen, erzählt Daniel Schmitt von Wikileaks beim Küchenradio Folge 254.

    Die Journalistin Jennifer 8. Lee hat live von der Wikileaks-Pressekonferenz zur Veröffentlichung des Videos getwittert. Dort zitierte sie auch die Gründe von wikileaks, das Video zu veröffentlichen:

    „Goal of releasing video of Baghdad attack is to illuminate culture of modern air warfare, and question it.“

    5. April 2010 168
  • : Netzpolitik-Interview: Hintergründe zu den Censilia-Plänen
    Joe McNamee
    Netzpolitik-Interview: Hintergründe zu den Censilia-Plänen

    Joe McNamee, der European Policy Affairs Coordinator von European Digital Rights (EDRi), hat für die britische Plattform Index on Censorship die aktuellen Pläne der EU-Kommission zur Einführung von Netzsperren kommentiert: Out of sight, out of mind. Dazu hab ich ihm ein paar Fragen gestellt, um Licht in die Sache zu bringen, die er mir rasch beantworten konnte. Hier ist das Interview:

    netzpolitik.org: Cecilia Mälmström hat heute eine Initiative zur Bekämpfung von Kinderpornographie im Netz vorgestellt. Sind diese Pläne neu?

    Joe McNamee: Ja und nein. Die Idee der Kommission, Internetsperren einzuführen, ist nicht neu. Im März 2009 gab es einen “Rahmenbeschluss“, der vor des Inkrafttretens des Vertrags von Lissabon nur eine Vereinbarung der Mitgliedstaaten darüber war, etwas zu unternehmen, ohne jedoch die Macht der Kommission zu haben, eine Umsetzung zu erzwingen. Mehrere Mitgliedstaaten, allen voran das Vereinigte Königreich, lehnten den Vorschlag ab, da sie keine Zensur haben und auch nicht wollen. Dieser Ansatz, die „Selbstregulierung“ (d.h. durch Drohungen wie „entweder sperrt ihr oder wir sagen ihr unterstützt Kindesmisshandlung“ Zwang auf die Internetprovider auszuüben) wurde von der Kommission in ihrer Folgenabschätzung des Vorschlags für rechtswidrig erklärt, denn „solche Maßnahmen müssen rechtlich geregelt sein oder sie sind rechtswidrig“.

    30. März 2010 20
  • : Censilia-Richtlinien-Entwurf in deutsch
    Censilia-Richtlinien-Entwurf in deutsch

    Hier findet sich der heute von EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström vorgestellte „Vorschlag für eine Richtlinie des europäischen Parlaments und des Rates zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Kindern sowie der Kinderpornografie und zur Aufhebung des Rahmenbeschlusses 2004/68/JI des Rates“ (PDF).

    Mein persönliches Highlight findet sich auf Seite 5:

    Einholung und Nutzung von Expertenwissen:
    Externes Expertenwissen war nicht erforderlich.

    Kleiner Spaß am Rande. Natürlich hat man vorher eine Konsultaton gemacht. Es ist aber unklar, wer dabei war und die EU-Kommission beraten hat. Man kann aber davon ausgehen, dass der Vorlauf ähnlich ablief wie bei den Plänen von Ursula von der Leyen im vergangenen Jahr – also dass nur bestimmte Lobbys mit am Tisch sassen. Der Text lässt darauf schließen. Zur Erinnerung: Auch in Deutschland waren Anfangs z.B. Kinderschutz-Verbände blauäugig und vehement für Netzsperren, weil ihnen niemand vorher die Kollateralschäden und Auswirkungen erklärt hatte und die sich das alles recht blumig als praktische Lösung vorstellten.

    Der für uns relevanteste Punkt ist Artikel 21 auf Seite 26:

    Sperrung des Zugangs zu Webseiten, die Kinderpornografie enthalten

    1. Jeder Mitgliedstaat trifft die erforderlichen Maßnahmen, damit der Zugang von Internet-Nutzern zu Webseiten, die Kinderpornografie enthalten oder verbreiten, gesperrt wird. Die Zugangssperrung erfolgt vorbehaltlich angemessener Schutzvorschriften; insbesondere soll sichergestellt werden, dass die Sperrung auf das Nötige beschränkt wird, dass die Nutzer über die Gründe für die Sperrung informiert werden und dass Inhalteanbieter im Rahmen des Möglichen darüber unterrichtet werden, dass sie die Entscheidung anfechten können.
    2. Unbeschadet des Vorstehenden trifft jeder Mitgliedstaat die erforderlichen Maßnahmen, damit Webseiten, die Kinderpornografie enthalten oder verbreiten, aus dem Internet entfernt werden.

    Der muss da raus.

    Da sind noch mehr Punkte drin, die etws unüberlegt erscheinen (z.B. Kindheitsbegriff = Alle Europäer unter 18 Jahren). Auf diese könnt Ihr gerne in den Kommentaren hinweisen. Mehr Augen sehen oft auch mehr.

    29. März 2010 36
  • : Höchste Zeit für Netzsperren gegen Kinderpornos?
    Höchste Zeit für Netzsperren gegen Kinderpornos?

    Für die ZDF-Journalistin Patricia Wiedemeyer ist es „ein Skandal“, dass in Deutschland die Netzsperren gegen Kinderpornographie abgelehnt wurden. Dies kommentiert sie in einem Beitrag für das ZDF-Blog „Kennzeichen Digital“ und lobt dabei die neue EU-Initiative: Höchste Zeit für Netzsperren gegen Kinderpornos.

    Wir haben lange genug gewartet. Auch Deutschland konnte sich bei dem „Kinderpornografie-Gesetz“, das letztes Jahr verabschiedet wurde, nicht auf konkrete weitgehende Maßnahmen gegen Pädophilie und Kinderpornografie im Netz durchringen, hatte die Internetsperren sogar abgelehnt. Das ist ein Skandal. Internetsperren können von Profis zwar umgangen werden, halten aber einfache User vom Zugang ab. Gegner der Internetsperren befürchten eine weitergehende Zensur im Netz. Die EU-Kommission machte aber deutlich, dass es ihr nur um den Kampf gegen Kinderpornografie und den Schutz der Kinder gehe. Deutschland kann sich nicht weiter auf dem Recht auf freie Meinungsäußerung ausruhen. Die deutsche Lösung, das Löschen von Internetseiten, ist weltweit nicht durchsetzbar, weil die USA oder Russland da nicht mitmachen würden. Gerade von russischen Providern kommen aber viele kinderpornografische Seiten. Internetsperren könnten dieses Problem umgehen. Und so sicherstellen, dass wenigstens in der EU im Netz die Rechte von Kindern gewahrt werden und Kinderpornografie von den Bildschirmen verschwindet. So könnte Europa der Welt ein Vorbild sein und zeigen, dass der Schutz der Kinder über allem anderen steht.

    Wäre mal eine Möglichkeit, im Blog die Gegen-Argumente zu bringen. Bitte dabei höflich bleiben. Beleidigungen tragen nicht dazu bei, jemand von unseren guten Argumenten zu überzeugen!

    29. März 2010 60
  • : PR-Empfehlungen der CIA für Afghanistan-Einsatz
    PR-Empfehlungen der CIA für Afghanistan-Einsatz

    Bei Wikileaks finden sich PR-Handlungsempfehlungen der CIA, wie man der deutschen und französischen Bevölkerung das militärische Engagement in Afghanistan verkaufen kann: CIA report into shoring up Afghan war support in Western Europe, 11 Mar 2010. (PDF)

    Ein Ausschnitt:

    Germans Worried About Price And Principle Of ISAF Mission. German opponents of ISAF worry that a war in Afghanistan is a waste of resources, not a German problem, and objectionable in principle, judging from an INR poll in the fall of 2009. Some German opposition to ISAF might be muted by proof of progress on the ground, warnings about the potential consequences for Germany of a defeat, and reassurances that Germany is a valued partner in a necessary NATO-led mission.

    26. März 2010 19
  • : Wie funktioniert der Hauptstadtjournalismus?
    Wie funktioniert der Hauptstadtjournalismus?

    In der FAZ stand vorgestern ein lesenswerter Bericht über die Mechanismen des Hauptstadtjournalismus: Dauerschleife aus Berlin.

    Diese Woche sind Guido Westerwelle und Hartz IV verschwunden. Vier Wochen lang ging es um nichts anderes als die beiden, bevor es um Missbrauch in der katholische Kirche ging, und nächste Woche geht es womöglich um Kundus und Karl-Theodor zu Guttenberg, bevor wieder etwas anderes kommt. Es wird immer neue Themen geben. Nur die Art, wie an sie herangegangen wird, die bleibt.

    25. März 2010 1
  • : ACTA-Text ist raus
    ACTA-Text ist raus

    Der komplette Text des umstrittenen „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“ (ACTA), das bis heute komplett geheim verhandelt wird, ist nun geleakt. Jedenfalls die Version von Januar, was zwei Verhandlungsrunden her ist.

    Michael Geist seziert anhand des Leaks ein kleines Detail des Dezember-Textes, in dem es um die Durchsuchung von Reisenden auf urheberrechtsgeschützte Werke geht (auch bekannt als „three iPods and you’re out“).

    Den Rest der 56 Seiten Verhandlungstext (pdf) müssen wir wieder selber lesen und verdauen.

    Das Europaparlament hatte vor kurzem der EU-Kommission ein Ultimatum bis zum 12. April gesetzt, die aktuellen und relevanten Dokumente herauszurücken – dazu gehört auch das Verhandlungsmandat der Kommission. Mal sehen, ob es nun bald die aktuellen Dokumente gibt. Die Anhörung der Kommission am Montag hat nicht gerade den Eindruck voller Transparenz hinterlassen.

    24. März 2010 15
  • : Freischreiber gegen Leistungsschutzrecht
    Freischreiber gegen Leistungsschutzrecht

    Freischreiber e.V., der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, kritisiert in einer Stellungnahme das angedrohte Leistungsschutzrecht: Eine Zwangsabgabe beantwortet die Frage nach der Finanzierung von Qualitätsjournalismus nicht.

    Freischreiber hält ein Leistungsschutzrecht deshalb für nicht zukunftsweisend: Eine Pflichtabgabe für Verlagsprodukte unterdrückt eine offene gesellschaftliche Debatte darüber, welche Rolle Journalismus in Zukunft spielen soll, welchen Wert die Gesellschaft diesem beimisst und welchen Preis sie dafür zu zahlen bereit ist. Freischreiber fordert deshalb die Politik auf, in der anstehenden Novellierung des Urheberrechts die Interessen von Urhebern, Verwertern und Allgemeinheit stärker als bisher zum Ausgleich zu bringen und eine gesellschaftliche Diskussion über die Rolle und den Wert von Journalismus und Journalisten im Zeitalter des Internet anzuregen. Ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist dafür nach Lage der Dinge nicht das geeignete Mittel.

    22. März 2010 2
  • : Leistungsschutzrecht wird konkretisiert
    Leistungsschutzrecht wird konkretisiert

    Das ominöse Leistungsschutzrecht schaffte es ohne jegliche Konkretisierung in den Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb. Monatelang fragten nicht nur wir uns, was denn so genau dahinter stecken kann und was die Politik darüber weiß, was der Öffentlichkeit vorenthalten wird. Die Lobbyisten der Verlagsbranche, vor allem der laute und omnipräsente Springer-Lobbyist Christoph Keese, gaben nur Nebelkerzen ab.

    Auf dem Kölner Medienrechtsforum wurde er laut Heise heute etwas konkreter als sonst: Leistungsschutzrecht: Nicht nur Google soll zahlen. Die Vorstellung der Verleger (Lauthals vorgetragen von einer armen Firma wie Springer) ist, dass eine Art neue VG Wort alle PCs in deutschen Unternehmen zur Kasse bittet. Die Idee hatte Keese schon in groben Zügen auf einer Diskussion in Berlin vorgetragen, die ich hier kommentiert habe. Eine neue Verwertungsgesellschaft soll geschaffen werden, weil man ja in der VG Wort mit den Urhebern/Journalisten teilen müsste.

    Demnach planen die Verleger in Kürze eine Kartellausnahmegenehmigung zu stellen, um eine neue Verwertungsgesellschaft zu gründen. Zahlen sollen in Zukunft nicht nur Portale wie Google, die kostenfrei abrufbare Inhalte systematisch auswerten, sondern jeder gewerbliche Nutzer der Verlagsangebote im Internet. Dabei nannte Keese explizit die schätzungsweise 20 Millionen gewerblich eingesetzten PCs in Deutschland.

    Weil:

    „Wir sehen, dass die Abonnements von Zeitungen und Zeitschriften in den meisten Unternehmen zurückgehen – das hängt natürlich auch damit zusammen, dass wir so gute Webseiten machen“, begründete Keese die Notwendigkeit einer neuen Zahlungspflicht.

    Man muss sich das jetzt mal konkret anschauen: Springer & Co wollen, dass rund 20 Millionen gewerblich genutzte PCs zur Kasse gebeten werden, damit sie mehr Geld haben. Als nächstes kommt dann die Musikindustrie, weil auf gewerblich genutzten PCs auch Musik gehört werden kann und wer folgt als nächstes? Und wozu wird das noch führen könnte: Arbeitnehmern wird der Internetzugang gekappt, damit die Unternehmen Geld sparen, falls es Sonderregelungen gibt. Und wer kontrolliert eigentlich, wieviele PCs in Unternehmen stehen?

    Hoffen wir mal, dass die Politik einen solchen Unsinn nicht mit macht und Springer & Co den Vogel zeigt. Bei einer Schwarz-Gelben Regierung mit engen Verbindungen zu Springer bleibt zwar noch ein Restrisiko, aber in einer Güterabwägung zwischen der kompletten Wirtschaft und einer kleinen (wenn auch mächtigen) Branche sollte einer Ablehnung bei dieser konkreten Vorstellung nichts im Wege stehen.

    11. März 2010 44