Generell
Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.
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: Liveblog: Sondersitzung des Bundestages zum NSA-Überwachungsskandal
: Liveblog: Sondersitzung des Bundestages zum NSA-Überwachungsskandal Voraussichtlich zwischen 15:35 – 17:20 Uhr diskutiert der Deutsche Bundestag in einer Sondersitzung über den NSA-Überwachungsskandal. Wir werden uns die Debatte anschauen und hier in einem Liveblog kommentieren. Einen Live-Stream findet Ihr auf bundestag.de. Wir erwarten
eine spannende Debatteviel staatstragendes Rumgeeier aus der nahenden Koalition sowie ab und an mal eine kurze Stimme aus der überschaubaren Opposition.Für das Liveblog einfach diesen Link klicken (und natürlich ab und an neu laden).
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: EinsPlus Doku: LEBEN! – Die Hacker und die Syrer
: EinsPlus Doku: LEBEN! – Die Hacker und die Syrer EinsPlus hat eine spannende Doku über Telecomix : Syria gedreht. Das ganze kann man sich auf der Seite von einplus (Teil 1, Teil 2) anschauen und runterladen.
Eine westliche Hackergruppe liefert die digitale Infrastruktur, mit der Menschen in Krisengebieten das Internet nutzen können. So können die Netzsperren des Regimes Assad umgangen werden und damit Videos und Berichte über den Krieg in Syrien an die Weltöffentlichkeit gelangen. Dabei entstehen Freundschaften zwischen Netzaktivisten und Syrern, Menschen, die sich noch nie persönlich begegnet sind.
Auf youtube kann man sich die Doku auch anschauen:
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: Forschen, nicht Ausspähen – Australien hört indonesischen Präsidenten ab
: Forschen, nicht Ausspähen – Australien hört indonesischen Präsidenten ab Aus dem Fundus von Edward Snowden wurde eine weitere schmucklose Powerpoint-Präsentation geleakt. Die stammt diesmal von der Geheimdienstabteilung des australischen Verteidigungsministeriums zusammen mit dem Nachrichtendienst Defense Signals Directorate und belegt, dass Australien 2009 den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono, dessen Frau und acht weitere Regierungsmitglieder abgehört hat.
Die Abhörung von Regierungschefs stellt nun nicht mehr den größten Neuigkeitswert dar. Auch war im Oktober und Anfang November bereits bekanntgeworden, dass Australien den USA diverse Botschaftsgebäude in asiatischen Ländern für ihre Abhörprogramme zur Verfügung gestellt hatte und während des Weltklimagipfels in Indonesien 2007 versucht hat, die Telefonnummern von Sicherheitsbeamten zu ermitteln.
Was aber wirklich überrascht – beziehungsweise zum Kopfschütteln anregt – ist die Rechtfertigung des konservativen australischen Premierministers Tony Abbott für die Nutzung der Botschaften als Spähposten in einem ABC-Interview vor fünf Tagen:
Wir nutzen die gesammelten Informationen für das Gute, auch um eine engere Beziehung zu Indonesien aufzubauen. Eines der Dinge, die ich dem indonesischen Vizepräsidenten in unserer heutigen Diskussion angeboten habe, ist, unser Level von Informationsaustausch anzuheben. Denn ich will, dass die Menschen in Indonesien wissen, dass wir all das tun, um sowohl Indonesien als auch Australien zu helfen. Indonesien ist ein Land, das ich durch meine eigene Zeit in Indonesien sehr respektiere und das mir sehr am Herzen liegt.
Eine Nominierung für den Euphemismus des Tages hat sich Abbott auch in einem Interview mit dem australischen Radiosender 3AW (Transkript hier) verdient. Ausspähen ist ein sehr hässliches Wort, gibt es da nicht ein Schöneres?
Forschen, vielleicht. Mit Leuten reden. Verstehen, was vor sich geht. Ich meine, wir tun das ständig. Jeder tut das, aber was australische Minister nie getan haben ist, über die Details von Geheimdienstoperationen zu sprechen.
Eine Rechtfertigung für die heutigen Leaks steht noch aus. Aber vielleicht kann man da ja einfach eine generieren.
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: 80 US-Juraprofessoren fordern von Obama mehr Transparenz bei TPP-Verhandlungen
: 80 US-Juraprofessoren fordern von Obama mehr Transparenz bei TPP-Verhandlungen Seit dem Scheitern des globalen und umfassenden ACTA-Abkommens werden von Seiten der USA Verhandlungen über regionale Abkommen wie das Transatlantische Freihandelsabkommen (TAFTA/TTIP) mit der EU oder das Trans-Pazifische Freihandelsabkommen (TPP) vorangetrieben. Letzteres wird von der Electronic Frontier Foundation (EFF) als „die größte Bedrohung für das Internet, von der Du wahrscheinlich noch nie gehört hast“ bezeichnet (vgl. auch die EFF-Seite über TPP).
In bester ACTA-Tradition finden die Verhandlungen im Geheimen statt und die Öffentlichkeit erfährt über Verhandlungsmaterien und Verhandlungsfortschritte nur über Leaks. Ebenfalls wie bei ACTA dreht sich nur ein Teil der Abkommen um Fragen von Urheberrecht und Patente und es werden vor allem durchaus zweifelhafte ökonomische Argumente für deren Abschluss angeführt.
Während die TAFTA-Verhandlungen im Nachgang der NSA-Enthüllungen mittlerweile ins Stocken geraten sind, stehen die Verhandlungen über TPP scheinbar kurz vor dem Abschluss. Aus Anlass eines neuen Leaks über den Verhandlungsstand im Themenbereich „geistiges Eigentum“ haben nun 80 JuraprofessorInnen einen offenen Brief (PDF) an Präsident Barack Obama, die Mitglieder des US-Kongresses sowie den US-Handelsvertreter Michael Fromann gerichtet, in dem sie mehr Transparenz bei den Verhandlungen einfordern (meine Übersetzung):
„Wir, die unterzeichnenden Rechtswissenschaftler im Bereich geistiges Eigentum, schreiben mit der Bitte um eine sofortige Abkehr von der Geheimhaltung im Rahmen des TPP-Verhandlungsprozesses in rechtlicher und praktischer Hinsicht, und fordern stattdessen dem Beispiel des Marrakesch-Vertrags zur Förderung des Zugangs zu Werken für Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigungen zu folgen.“
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: Überwachung von Reisenden – Fluggastdaten-Übermittlung an Kanada
: Überwachung von Reisenden – Fluggastdaten-Übermittlung an Kanada Die EU hat bereits einige Abkommen zur Übermittlung von Fluggastdaten, sogenannten PNR-Daten, mit Drittstaaten abgeschlossen. Nun soll ein weiteres Abkommen folgen, diesmal mit Kanada (.pdf).
Fluggastdaten werden von Airlines gesammelt, um den Service zu garantieren und zu verbessern. Darunter sind etwa Informationen zu Essenswünschen, Angaben zum Gepäck und Mitreisenden sowie Kreditkartendaten. Insgesamt werden bis zu 60 Einzeldaten bei einem einzigen Passagier pro Flug gesammelt. Diese Daten sollen nun an die kanadischen Behörden übermittelt werden, wenn Passagiere von der EU nach Kanada reisen oder umgekehrt und für fünf Jahre auf Vorrat gespeichert werden.
Diese neuerliche Vorratsdatenspeicherung beschränkt jedoch nicht nur auf Terrorismus. Die Daten sollen etwa auch bei Straftaten genutzt werden:
Als grenzübergreifende schwere Kriminalität gilt jede Straftat, die nach kanadischem Recht in Kanada mit einer Freiheitsstrafe im Höchstmaß von mindestens vier Jahren oder mit einer schwereren Strafe geahndet wird, wenn die Straftat grenzübergreifenden Charakter hat.
Darüber hinaus kann Kanada die Daten auch im Einzelfall verarbeiten, wenn
damit
a) die Aufsicht oder Rechenschaftspflicht der öffentlichen Verwaltung
gewährleistet ist oder
b) einer Vorladung, einem erlassenen Haftbefehl oder einer gerichtlichen Verfügung Folge geleistet werden kann.Doch es gibt noch mehr Ausnahmefälle.
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: EU-Lobbyismus: Neue Expertengruppe mit zweifelhafter Besetzung berät EU-Kommission bei Cybersecurity
: EU-Lobbyismus: Neue Expertengruppe mit zweifelhafter Besetzung berät EU-Kommission bei Cybersecurity Die EU-Kommission hat eine Expertengruppe ins Leben gerufen, die die Institution bei der Erstellung von Gesetzesvorlagen und Fragen zur Netz- und Informationssicherheit beraten soll. Die Zusammensetzung der Gruppe ist äußerst zweifelhaft: Unternehmen haben die Oberhand, ein Multi-Stakeholder-Ansatz ist nicht erkennbar. Einige Unternehmen sind sogar durch verschiedene Dachorganisationen mehrfach vertreten. Hinzu gesellen sich Rüstungsunternehmen.
Seit dem 8. November ist die neue Expertengruppe aktiv, ein erstes Kick-off-Meeting fand bereits Ende September statt. Aufgabe der Gruppe wird es sein, sich mit dem Thema Cybersecurity auseinanderzusetzen. Im kommenden Jahr will die EU-Kommission ihre Empfehlungen zur Cybersecurity veröffentlichen und die Expertengruppe soll an der Erstellung des Papiers mitwirken (.pdf).
Sollte es zu einem Gesetzesvorschlag kommen, sollen die Experten auch daran mitwirken.
Die Expertengruppe ist aufgeteilt in drei Arbeitsgruppen:
WG1 on risk management, including information assurance, risks metrics and awareness raising;
WG2 on information exchange and incident coordination, including incident reporting and risks metrics for the purpose of information exchange;
WG3 on secure ICT research and innovation.Während die beiden ersten Arbeitsgruppen insbesondere an den Gesetzesvorschlägen und Empfehlungen mitwirken sollen, ist die Arbeit der dritten Arbeitsgruppe (.pdf) auf die Festlegung von künftigen Forschungsvorhaben im neuen Forschungsrahmenprogramm Horizon2020, dem Nachfolger des FP7, ausgerichtet:
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: „Waking Shark II“ – Londons Finanzsektor spielt den Hackerangriff
CC BY 2.0 via Flickr/steve.garner32 : „Waking Shark II“ – Londons Finanzsektor spielt den Hackerangriff Jeder kann sich vermutlich an den ein oder anderen Übungs-Feueralarm oder andere Katastrophenübungen erinnern. Aber wie übt man die Bedrohung im Ernstfall aus dem Internet?
Laut Reuters und Financial Times steht genau das heute im Londoner Finanzviertel auf dem Plan. In einer Simulation namens „Waking Shark II“ soll geprüft werden wie gut Banken, Börse und Finanzbehörden auf Hackerangriffe reagieren. Doch das ist nicht die erste Übung dieser Art. „Waking Shark I“ fand im Vorfeld der Olympischen Spiele 2012 statt.
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: Freiwillige vor: Die NSA und ihre Suche nach Nachwuchs
Screenshot via CryptoKids : Freiwillige vor: Die NSA und ihre Suche nach Nachwuchs Immer wenn Berichte über neue Abhörsoftware und ‑technologien auftauchen, drängt sich unvermeidlich eine Frage auf: Wer schreibt die eigentlich? Läuft nicht irgendetwas schief, wenn all die gut ausgebildeten Akademiker aus Mathematik, Informatik und ähnlichen Disziplinen scheinbar ohne Gewissen oder Bewusstsein zu massenhaften Menschenrechtsverletzungen beitragen? Wie kommt man auf die Idee, bei der NSA arbeiten zu wollen?
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: Apple-Transparenzbericht enthält versteckte Botschaft
: Apple-Transparenzbericht enthält versteckte Botschaft In einem Transparenzbericht hat Apple die Anfragen von Regierungen zu Geräteinformationen, Verbindungsdaten und Kommunikationsinhalten an den Konzern offengelegt. Aus dem Dokument geht hervor, dass die meisten Anträge aus den USA kamen. Deutschland liegt mit rund 2000 Anfragen über Geräte weltweit auf Platz zwei. Hierbei handelt es sich um Anträge zu registrierten iPhones, iPads und MacBooks oder auf einem Gerät verwendeten Apple-Produkten, nicht etwa um E‑Mail-Adressen oder Textinhalte. Mit der Veröffentlichung folgt der Konzern den Vorbildern von Facebook, Google und anderen US-Firmen, die bereits Regierungsanträge veröffentlicht hatten. Es ist der erste Transparenzbericht von Apple. Die darin enthaltenen Informationen beziehen aber nur auf die ersten sechs Monate des laufenden Jahres.
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: 18:30 Uhr bei Wikileaks
: 18:30 Uhr bei Wikileaks Seit heute morgen wurde mehrmals angekündigt, dass Wikileaks um 18:30 Uhr eine wichtige Bekanntmachung veröffentlichen wollen:
We will release an important statement about the #Snowden affair at 5.30pm GMT / 18.30 CET today (Wednesday) #germany #nsa #berlin
— WikiLeaks (@wikileaks) November 6, 2013
Jetzt wissen wir endlich, was so geheimnisvoll war: Die Wikileaks-Journalistin Sarah Harrison, die Snowden seit Hongkong begleitet hatte und die letzten vier Monate bei ihm war, ruft dazu auf, den Kampf gegen staatliche Überwachung und für die Transparenz innerhalb der Regierungen weiterzukämpfen.
Snowden sei im Moment in Sicherheit, aber auch viele andere Whistleblower müssen geschützt und verteidigt werden – wie etwa Chelsea Manning und Jeremy Hammond. Sie sieht Snowden als Beispiel dafür, dass man Whistleblower dazu befähigen kann, die Wahrheit zu sagen und dennoch ihre Freiheit nicht vollständig aufgeben zu müssen.
Negativbeispiele seien jedoch zahlreich: Glenn Greenwald, Laura Poitras und Jacob Appelbaum, die sich quasi im Exil befänden, Barrett Brown, der im Gefängnis sitzt, Julian Assange in Großbritannien und David Miranda, über den wir vorhin noch berichtet haben und der unter dem UK Terrorism Act festgehalten wurde. Sie verurteilt den Vorwand des „Terrorismus“, der in der heutigen Zeit zu pauschal benutzt wird, um unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen.
Transparenz ist für sie das einzige Mittel, wenn die Regierungen sich verweigern, die Wahrheit zu sagen – daher sei es unerlässlich, sich für Whistleblower einzusetzen:
Wenn ihnen ein Knebel angelegt wird, müssen wir ihre Stimme sein. Wenn sie verfolgt werden, müssen wir ihr Schild sein. Wenn sie weggesperrt werden, müssen wir sie befreien. Uns die Wahrheit zu überbringen, ist kein Versprechen. Es sind unsere Daten, unsere Informationen, unsere Geschichte und wir müssen darum kämpfen, sie in der Hand zu halten.
Mut ist ansteckend.
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: Das erste Handy und die Handygarage
: Das erste Handy und die Handygarage Logo, die Kindernachrichten von Kika, haben sich mit dem Thema „Das erste Handy“ beschäftigt. So lautet die Empfehlung im Beitrag, Schulkinder frühestens im Alter von 9 Jahren mit einem eigenen Handy auszustatten. Das hänge natürlich davon ab, wie dem Kind beigebracht werde mit dem Mobiltelefon umzugehen. Interessant finde ich dabei die Abstimmung auf der Seite von Kika, dass ca. 41% der Befragten (wer auch immer daran teilgenommen hat) ihr Handy nur ab und zu benutzen und nur ca. 21% ohne ihr Handy gar nicht mehr leben könnten. Interessant deshalb, weil sich damit ja eine ganz andere Diskussion verbindet: Das Handy- bzw. Medienverbot an vielen deutschen Schulen. Festgeschrieben ist das meist in den jeweiligen Hausordnungen der Schulen, weil eine Wegnahme des Handys auf dem Schulgelände das Eigentumsrecht nach §903 BGB tangiert.
Genauergesagt, eine Wegnahme des Handys über Nacht, damit die Eltern es am nächsten Tag persönlich beim Schuldirektor wieder abholen können. Allerdings können Eltern zusammen mit den Lehrern in einer Gesamtschulkonferenz ein solches Verfahren beschließen. In der 4. Klasse, also mit 9 oder 10 Jahren, klingt das noch gar nicht so schlimm. Was aber passiert dann in der Oberstufe, wenn ein Medienverbot an der Schule gilt? Dann kann selbst in der Pause oder in Freistunden das Mobiltelefon weder zum Musik hören, noch zum Spielen benutzt werden. Die Schülerschaft der Theodor Storm Schule Husum hat sich gegen ihr Medienverbot gewehrt, aber herausgekommen ist wenig, eigentlich nur ein Glaskasten mit einer einzigen Steckdose, in der dann das Handy genutzt werden darf. Während die Lehrer natürlich ohne weiteres ihr Handy immer nutzen dürfen. Natürlich steht dahinter, dass die besorgte Elternschaft zum Wohle der Kinder „Happy Slapping“ Videos vom Schulhof unterbinden möchte. Und ebenso die besorgte Lehrerschaft „Unterschleif“, so nennt man juristisch wohl „spicken“, auf elektronischem Wege verhindern will.
Die CDU-Fraktion im Schleswig-Holsteinschen Landtag hat sogar erneut den Einsatz von „Handydetektoren“ bei Abschlussprüfungen gefordert. Handydektoren reagieren auf Handystrahlen ähnlich wie Rauchmelder, ohne allerdings das Handy zu orten. Natürlich wieder mit dem Argument, die Entscheidung darüber den Eltern und Lehrern an den jeweiligen Schulen zu überlassen. Hat sich dabei allerdings mal jemand über die Medienkompetenz von Eltern und Lehrern Gedanken gemacht, die über solche Handydetektoren dann abstimmen sollen? Ich bin mir nicht sicher, ob Medienverbot und Handydetektoren so viel dazu beitragen, den kommenden Generationen beizubringen wie man mit seinem Handy sinnvoll umgehen kann. Ich fände es schon gut, wenn der Umgang mit Handys und Smartphones genau wie rechnen, lesen und schreiben in den Schulalltag integriert werden könnte. Dafür bräuchte es wohl mehr Fortbildungen für Lehrer und wie mir scheint auch für Eltern.
Und wie im Kika Beitrag vorgeschlagen, ist die Idee der Handygarage in manchen Situationen doch gar nicht so schlecht. Dann legen eben alle das Handy einfach mal beiseite.
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: Konsultation zur Zukunft der Grundrechte in der EU
: Konsultation zur Zukunft der Grundrechte in der EU Die Generaldirektion Justiz der Europäische Kommission hat ein Konsultationsverfahren zur Zukunft des Rechts, u.a. zur Zukunft der Grundrechte in der EU (.pdf), gestartet. Das Verfahren ist vollkommen offen gestaltet, bis Ende 2013 kann man seine Vorstellungen und Forderungen an die Kommission schicken. Zu fünf Fragen hat die Kommission Diskussionspapiere mit konkreten Fragen erstellt, die als Hilfe dienen können. Im Bereich Grundrechte möchte die Kommission etwa diese beiden Fragen beantwortet haben:
1. What actions at EU and national level are required to increase the effectiveness of the rights enshrined in the Charter of Fundamental Rights?
2. Should the rights guaranteed in the Charter be directly applicable in the Member States in all cases, by abolishing the limitations of Article 51 of the Charter?Darüber hinaus gibt es allerdings reichlich Diskussionsbedarf bei anderen Themen, etwa bei internationalen Abkommen. Dort sieht es mit der Wahrung der Grundrechte gar nicht gut aus. Stichwort Fluggastdatenabkommen oder das umstrittene Bankdaten-Abkommen TFTP, die von der Kommission verhandelt wurden.
Ende des Monats wird eine Konferenz zum Thema (.pdf) stattfinden. Wer seine Diskussionsbeiträge bereits dort eingebracht sehen möchte, sollte seine Forderungen bis zum kommenden Montag eingereicht haben.
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: Border Check zeigt, wo Daten reisen
: Border Check zeigt, wo Daten reisen
Die Browser-Erweiterung „Border Check“ bietet Hilfe bei einer in den letzten Monaten vieldiskutierten Frage: wie bzw. wo bewegen sich meine Daten durch’s Netz? Eng verbunden damit ist die Frage, wie und ob wir kontrollieren können, an welchen Geheimdienst-Anzapf-Stationen unsere Daten vorbeikommen. Wo ist das Netz sicher? Das bewegt ja zuletzt auch die Bundesregierung, die gern ein deutsches oder wenigstens europäisches Netz hätte, in der Annahme, wir hätte noch nie von deutschen Geheimdiensten oder der Idee der Vorratsdatenspeicherung gehört.Border Check löst das Problem nicht, zeigt aber, wo und an welchen Stationen vorbei sich Daten bewegen. In eigenen Worten:
Border Check illustriert die physischen und politischen Realitäten der Infrastruktur des Internets. (Read me)
Und:
As one surfs the net, data packets are sent from the user’s computer to the target server. The data packets go on a journey hopping from server to server potentially crossing multiple countries until the packets reach the desired website. In each of the countries that are passed different laws and practices can apply to the data, influencing whether or not authorities can inspect, store or modify that data. (Border Check, Centro de Arte y Creación Industrial)
Border Check ist noch nicht ganz fertig, was bedeutet, dass die Add-Ons für Firefox, Chromium, Galeon, Chrome oder Safari (nur OSX/Unix, nicht für Windows) selbst zusammengebaut werden müssen. Die fertigen Add-On-Dateien soll es aber demnächst geben.
Hier wird in nachvollziehbaren Schritten gezeigt, wie’s geht und was Ihr dann mit Border Check sehen könnt.
https://www.youtube.com/watch?v=0_r-VBeDYyM
Hier gibt’s noch Tips und einen Hinweis auf dem IRC-Kanal zum Projekt, wo weitere Fragen gestellt werden können. Border Check ist ein Open-Source-Projekt mit GPL v3-Lizenz.
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: TI-Bericht über Whistleblowing in Europa
: TI-Bericht über Whistleblowing in Europa
Transparency International hat heute einen Bericht zum Thema Whistleblowing in Europa vorgestellt. In dem Bericht werden die Schutzstandards für Whistleblower in 27 Mitgliedstaaten der Union untersucht. Das wenig überraschende Ergebnis: In den wenigsten Staaten finden sich ausreichende Schutzniveaus. Lediglich in in Luxemburg, Slowenien, Rumänien und Großbritannien, so der Bericht, gibt es einen fortschrittlichen gesetzlichen Schutz für Whistleblower. Sieben Staaten haben dem Bericht zu Folge gar keine oder völlig unzureichende Schutzvorkehrungen getroffen.In Deutschland spielt der Whistleblowerschutz nach wie vor keine besonders große Rolle. Bereits 2003 wurde die damalige rot-grüne Regierung von der OECD aufgefordert den Whistlowberschutz zeitgemäß zu gestalten. Seither ist jedoch nichts passiert. Im Gegenteil, im Juni befand die schwarz-gelbe Koalition die bestehenden Regeln für ausreichend und entschied sich, keine spezielle Whistleblowergesetzgebung auf den Weg zu bringen. Auf den Seiten 47 und 48 geht der Bericht auf die Situation in Deutschland ein.
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: Rezension: ‚Arbeitsfrei. Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen werden’
: Rezension: ‚Arbeitsfrei. Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen werden’ Arbeitsfrei, was bedeutet das eigentlich? Ein Euphemismus für arbeitslos? Das ist eines der ersten Dinge, die einem zu dem Titel des neuen Buchs von Frank Rieger und Constanze Kurz in den Kopf kommen. Vor allem, wenn man dann noch den Untertitel „Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen“ hinzunimmt.
Lässt man sich auf die Entdeckungsreise ein, auf die einen die beiden CCC-Sprecher mitnehmen wollen, landet man zunächst auf dem Bauernhof. „Vom Bauern zum Brot“ ist die Überschrift des ersten Buchteils und es beschleicht einen beinahe die Angst vor einem langwierig trockenen Geschichtsdiskurs, wie man ihn aus Schulausflügen ins Freilichtmuseum kennt.Doch bald wird klar, dass die Sache hier anders steht, denn die Schreiber übertragen ihre Faszination für die betrachteten Technologien auf den Leser. Man begreift schnell, dass die Bilder, die man von industrieller Nahrungsmittelproduktion im Kopf hat, eigentlich schon längst überholt sind. Und vielleicht in einigen Jahren genauso veraltet wie derzeitig romantische Landvorstellungen vom Bauern mit der Sense in einem Getreidefeld.
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: palava.tv – Alternative zu Hangout, Skype und Co.?
: palava.tv – Alternative zu Hangout, Skype und Co.? Das Problem an Diensten wie Google Hangout und Skype ist, dass jeder weiß, wie sehr man sich durch deren Nutzung der Datensammlung von großen amerikanischen Unternehmen und Geheimdiensten aussetzt. Aber: Sie funktionieren in der Regel gut und jeder kann sie benutzen. Es fehlt an Alternativen, die nutzerfreundlich und zuverlässig sind.
Eine solche bieten will palava.tv, eine neue Videochatplattform. Die Technik dahinter wird von vier Studenten der TU Dresden und HU Berlin entwickelt und basiert auf WebRTC. WebRTC ist eine in der Standardisierung begriffene offene Technologie zur Echtzeitkommunikation zwischen Browsern, die auf Peer-to-Peer-Verbindungen basiert.
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: BMI-Studie Digitales Deutschland 2020 lässt uns etwas ratlos zurück
: BMI-Studie Digitales Deutschland 2020 lässt uns etwas ratlos zurück Das Bundesinnenministerium und die IT-Beauftragen von fünf Bundesländern haben heute die Ergebnisse einer Expertenstudie vorgestellt, deren Ziel es ist, Impulse für ein „Digitales Deutschland“ zu setzen und dabei auch den föderalen Gedanken zu stärken. Mit Blick auf die beginnende Legislaturperiode im Bund sei es „jetzt der richtige Zeitpunkt, die Aufgabe und Rolle des Staates bei der Gestaltung der Digitalisierung in einem breiteren Kreis zu erörtern.“
Das ist leider nicht so richtig gelungen. Vielleicht liegt es am Studiendesign, vielleicht liegt es auch an den Auftragsgebern, wenn die 76-seitige Studie einen zum Schluß etwas ratlos zurück lässt. Ziel ist eine Digitalisierungsstrategie 2020 und dafür hat man sich vor allem mit den drei Themenkomplexen „Digitale Infrastruktur“ (aka Breitbandausbau), „Digitale Souveränität“ (aka Medienkompetenz) sowie „IT-Sicherheit und Datenschutz“ konzentriert. Drei wichtige Fragestellungen, aber eben auch nur wenige Aspekte einer „Digitalisierungspolitik“ (Neudeutscher Framingversuch für Netzpolitik). Zwischendrin liest sich die Studie als Dauerwerbesendung für eGovernmentund wie dieser gut angenommen würde (Erfolgsmodell ePerso), aber das ist beim Auftraggeber der Studie (IT-Planungsrat) auch kein Wunder.
Als Fazit bleibt, dass mehr Datenschutz, Breitbandausbau und Medienkompetenzförderung wichtig sind. Darauf hätte die Bundesregierung auch ohne Expertenbefragung kommen können und viel früher konsequenter die richtigen Schritte unternehmen müssen. Warum ist das ausgeblieben und was genau wird jetzt unternommen?
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: Neun Augen sehen besser als fünf, aber Deutschland darf nicht mitspielen
CC BY-NC-ND 2.0 vie Flickr/Thomas Shahan : Neun Augen sehen besser als fünf, aber Deutschland darf nicht mitspielen Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland gehören zu den Five Eyes, das heißt den Staaten, die in besonders enger Zusammenarbeit mit der NSA stehen. Dass Schweden zu den nicht-englischsprachigen Ländern gehört, die in engerer Zusammenarbeit stehen – darüber hatten wir Anfang September berichtet. Nun ist nach einem Bericht von NY Times und dem Guardian bekannt geworden, dass sich nicht nur Schweden in diesem Kreis bewegt, sondern es die sogenannten Nine Eyes gibt, eine weitere Untergruppe der Zusammenarbeit mit der NSA, die formal organisiert ist. Dazu gehören Dänemark, Frankreich, die Niederlande und Norwegen.
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: Japan trackt Touristen für besseren Service
: Japan trackt Touristen für besseren Service Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News hat am 18. Oktober über Pläne der japanischen Tourismusbehörde Japan Tourism Authority berichtet, die Bewegungen von Touristen anhand der Ortsinformationen auf deren Smartphones nachverfolgen zu wollen. Starten soll ein Testlauf nächsten März in acht verschiedenen touristisch geprägten Gebieten, wie dem Mt. Fuji, der im Sommer von 3000 Touristen pro Tag besucht wird.
Die gesammelten Daten werden dann in fünfminütigen Intervallen an ein Unternehmen gesendet, dass sie analysiert und aufbereitet. Damit soll es Reiseagenturen und den Verwaltungsbezirken ermöglicht werden, Touristenströme besser verstehen und darauf mit besserem Service reagieren zu können als das bisher durch konventionelle Befragungen möglich war.
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: Matthäus 11:15 – Wer Ohren hat, zu hören, der höre!
: Matthäus 11:15 – Wer Ohren hat, zu hören, der höre! Auch der Papst wird von der NSA abgehört. Das wird in der morgigen Donnerstagsausgabe von der italienischen Wochenzeitung Panorama bekanntgegeben. Bei den Gesprächen, die Ende des letzten Jahres abgehört wurden, seien auch einige in und aus dem Vatikan dabei. Die Befürchtungen sind jetzt, dass auch Telefonate und Gespräche rund um die Konklave zur letzten Papstwahl am 12. März diesen Jahres und aus der Residenz des Papstes abgehört wurden.
Wikileaks hatte bereits vor einiger Zeit Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass José Mario Francisco Bergoglio, der heutige Papst Franziskus, seit 2003 von den US-Behörden als „papabile“ angesehen wurde. Auch die Wahl von Ernst von Freyberg, dem neuen Aufsichtsratspräsidenten der Vatikanbank, sei überwacht worden.
Offizielle Kategorisierung der NSA für die überwachten Telefonate im Vatikan sind übrigens laut Panorama: „Leadership intentions“, „Threats to financial system“, „Foreign Policy Objectives“ und „Human Rights“. Interessant.